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Sachverhalt

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Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Langfristige Nachhaltigkeitsprojekte an Nürnberger Schulen

Kinder und Jugendliche lernen, die Welt zu verändern: Die damit verbundenen Herausforderungen stehen im Mittelpunkt der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Der im Juni 2017 unter dem Vorsitz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) verabschiedete Nationale Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (NAP) beinhaltet konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung dieses Anspruchs. Darin heißt es: "Unverzweckte Freiräume sind strukturell zu verankern. […] Es stehen ausreichend Freiräume für die Ausbildung von Gestaltungskompetenzen zur Verfügung, die Partizipation, selbständiges Lernen und kreatives Gestalten ermöglichen. […] Freiräume in den formalen Bildungsstrukturen sind zeitlich fest verankert, sollen jedoch dem selbst gewählten Lernen und Erfahren der Jugendlichen dienen.“1 (Auch) „in den Lehrplänen ist der Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (..) bereits als Ziel definiert. In der Realität des Schulalltags gibt es aber häufig nicht den Raum und die Ressourcen, diese Inhalte aufzunehmen“, so Professorin Dr. Ingrid Hemmer, ehemals Lehrstuhl für Geographiedidaktik der Universität Eichstätt.

Im Folgenden wird ausschnittsweise auf drei derzeit von den pädagogischen Ämtern SchA und SchB sowie dem Institut für Pädagogik und Schulpsychologie (IPSN) begleitete Projekte bzw. Wettbewerbe für eine nachhaltigere Welt hingewiesen, die zeigen, dass entsprechende Konzepte mannigfaltig, lehrplankonform und sinnstiftend in Schulen in Nürnberg umgesetzt werden und auch von anderen Schulen als Anknüpfungspunkt für einen eigenen Projektstart übernommen werden können.

  1. Das Projekt SDG DAY an der städt. Bertolt-Brecht-Schule; hier Antrag Bündnis 90 / Die Grünen Stadtratsfraktion „Einführung des Frei Days an Nürnberger Schulen“ vom 02.11.2021 Die städtische Bertolt-Brecht-Schule Nürnberg (BBS) sieht sich als anerkannte und aktive UNESCO- Projektschule den Zielen der Vereinten Nationen, der Agenda 2030 und der Bildung für nachhaltige Entwicklung außerordentlich verbunden und möchte auf diesem Weg auch dem Whole School Approach (ganzheitlicher Blick auf alle Bereiche schulischer Aktivitäten) bezüglich der Bildung für nachhaltige Entwicklung weiter näherkommen. Eine Maßnahme dazu ist die Konzeptionierung und Umsetzung des Projektes SDG Day. Im Kern ist hier verankert, dass der derzeit gültige LehrplanPlus sowie eine durch Krisen und neue Herausforderungen geprägte Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler eine Anpassung der Lernformate an unseren Schulen verlangt. Im Rahmen der Auseinandersetzung mit innovativen Schulkonzepten im Programm Schule Vision 2030 in den letzten Jahren ist deutlich geworden, was die Bausteine moderner Konzepte sind: Neben offenen Lernarrangements für das Aneignen von Kompetenzen in den Kernfächern (Lernbüro, Lernlandschaft, cool-Konzept, Lernen durch Engagement LdE, …) und fächerverbindendem vernetzten Lernen z. B. in Form von Projektarbeit gibt es immer auch Formate für interessengeleitetes individuelles Forschen und Vertiefen.

Das Projekt SDG DAY entstand im Schuljahr 2021/22 als Pilotversuch der städt. Initiative MSRG (Mehr Schulerfolg an Realschulen und Gymnasien) Innovativ. Als Ideengeber auf diesem Gebiet müssen der klassische Projektunterricht nach Kilpatrick und Dewey, die Idee des Frei Day von Schule im Aufbruch, die handlungsorientierte Projektarbeit an Montessori-Schulen oder die Idee der Living Labs genannt werden.

1 Download Nationaler Aktionsplan - Bildung für nachhaltige Entwicklung (zuletzt aufgerufen am 12.01.2023)

Das Projekt stellt eine Verbindung von Freiraum mit den Herausforderungen unserer Zukunftsfragen her, wie sie in den SDGs gebündelt sind. Damit entsteht ein Raum, der echten Lebensweltbezug ermöglicht und Schülerinnen und Schülern erlaubt sich auszuprobieren und authentische Erfahrungen zu sammeln.

Im SDG DAY der BBS wird den Schülerinnen und Schülern im Rahmen eines längerfristigen Projektes Zeit und Raum gegeben, um an selbstgewählten Themen im Rahmen der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals - SDGs) der Vereinten Nationen zu arbeiten. Die Idee dazu entstand an der Realschule der BBS, da gerade hier der Bezug zur beruflichen Orientierung stark ausgeprägt ist und Unternehmen Schulabgängerinnen und Schulabgänger erwarten, die sich selbst organisieren können und in der Lage sind eigenständig sowie eigenverantwortlich zu arbeiten. Es erschien wichtig, ein Projekt ins Leben zu rufen, das den Jugendlichen neben fachlichen Inhalten Kompetenzen wie Selbstkompetenz, Problemlösungskompetenz, verschiedenste Methodenkompetenzen, Sozialkompetenz und Alltagskompetenzen im Allgemeinen vermittelt (siehe auch Handlungsfelder und Ziele des Nürnberger Orientierungsrahmens für städtische Schulen).

Im Schuljahr 2022/23 hat sich eine Erweiterung des Projektes durch eine Kooperation mit dem Reallabor um Oliver Funke ergeben, die sich als ausgesprochen wertvoll für die Projektentwicklung erwiesen hat. So wurden Elemente wie zum Beispiel Bauernhofpartnerschaften, ausgiebige Grundlagenbildung und die Möglichkeit eines e-Twinnings mit einer afrikanischen Partnerklasse eingewoben.

Zeitlicher Rahmen: Das Projekt findet in der Zeit zwischen den Herbst und Osterferien statt. Ein Startschuss für das Projekt in der bayerischen Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit lag in diesem Schuljahr nahe und wird in den folgenden Jahren wieder angestrebt. An insgesamt zehn Terminen im 14-tägigen Rhythmus werden drei Schulstunden und eine Pause zu einem zusammenhängenden Block von vier Projektstunden verschmolzen. Die Schulstunden setzen sich aus einer Doppelstunde eines den 17 Zielen verbundenen Faches zusammen (Geografie- /Biologie/Geschichte/ Sozialkunde, …) und einem weiteren möglichst kreativen einstündigen Fach (Kunst, Musik, …). Je nach Einbindung verschiedener Kompetenzen in das Projekt ist auch eine Einbindung von Deutsch, Englisch oder Mathematik denkbar.

Personeller Rahmen: Da im Schuljahr 2022/23 insgesamt sieben Schulklassen aus allen drei Schularten der Bertolt-Brecht-Schule an diesem Projekt teilnehmen, arbeiten im Projekt über ihre Unterrichtsverpflichtung insgesamt 12 Lehrkräfte mit, die durch Studierende der evangelischen Hochschule im Rahmen des Studium Generale unterstützt bzw. ergänzt werden. Das Stundendeputat der Lehrkräfte wird nicht aufgestockt, sondern die bestehenden Unterrichtsstunden werden mit den Projektinhalten gefüllt.

Vorbereitung der Lehrkräfte: Zu Beginn des Schuljahres finden mehrere Team-Treffen und Workshops statt. Diese dienen zum einen der Klärung organisatorischer Fragen wie der Lehrplanorganisation und Strukturierung der Leistungsmessung in den integrierten Fächern. Die Erfüllung des bayerischen Lehrplanes, des BayEUG und der entsprechenden Schulordnungen ist stets Prämisse während des Projektes. Zum anderen will die veränderte Rolle der Lehrkraft im Projekt vorbereitet sein, was durch IPSN (Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg) in Form von Workshops und intensiver Teambegleitung im Projekt unterstützt wird. Die Rolle der Lehrkräfte als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter steht hierbei im Vordergrund. Ein von den Lehrkräften erarbeitetes Methodencurriculum zu Projektarbeitstechniken und zu Selbstständigkeit wird an die Jugendlichen gegeben, um so ihre Kompetenzen im Projekt zu stärken.

Projektpartnerschaften: Die Suche nach möglichen Projektpartnern liegt grundsätzlich bei den Schülerinnen und Schülern. Es bieten sich beispielsweise an: das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, einige Erlebnisbauernhöfe, der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst, die Obdachlosenhilfe Bollerwagencrew, die Energie und Umweltstation der Stadt Nürnberg, die UNICEF Hochschulgruppe, die Gretel-Bergmann-Grundschule, BluePingu, der Tiergarten Nürnberg. Elternarbeit: Die Eltern und Erziehungsberechtigten der beteiligten Jugendlichen werden einige Wochen vor dem Projekt in Kenntnis gesetzt und das Einverständnis zur Umsetzung in der jeweiligen Klasse eingeholt. Es wird die Möglichkeit geboten, Fragen zu stellen, Unklarheiten zu beseitigen und eventuelle Elternangebote in das Projekt zu integrieren. Ausblick: Der SDG DAY bietet die Chance sowohl Fachinhalte als auch übergeordnete Bildungsund Erziehungsziele in ein Projekt an einer Schule einzubinden. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen die Notwendigkeit des fächerübergreifenden und ganzheitlichen Lernens wie es hier im Projekt SDG Day an der BBS praktisch umgesetzt wird. Die Durchführung einer Maßnahme zur Weiterentwicklung der Bildung im Bereich Nachhaltigkeit an der städt. Bertolt-Brecht-Schule ist nur eine Möglichkeit der Umsetzung eines derartigen Projektes und unterliegt permanenter Anpassung und Veränderung. Die Schule lernt mit den Jugendlichen und will auch das Projekt flexibel halten. Eine breite Umsetzung des Konzeptes an weiteren kommunalen Schulen wäre wünschenswert, denn dann könnte in den Schulen das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung einen gesicherten und qualitativ hochwertigen Rahmen erhalten. Die Erfahrungen an den vielen Schulen im Bundesgebiet, die Konzepte wie den Frei Day umsetzen, zeigen, dass das, was dort geschieht, auch ausstrahlt auf die ganze Schulgemeinschaft. So sollte auch ein Konzept für Nürnberg beginnen mit den Schulen, die Interesse haben und dann durch eine gute Kommunikation der Erfahrungen und Wirkungen weitere Kollegien und Schulen überzeugen. Grundsätzlich braucht es vor einer ausgedehnteren Einführung einen guten Informations- und Kommunikationsprozess über Ziele, Erfahrungen und Möglichkeiten, der möglichst anschaulich aus der Praxis berichtet. Darin steckt erfahrungsgemäß ein großes Motivationspotential. Im weiteren Austausch mit den Schulaufsichten werden weiterführende Möglichkeiten der Umsetzung eines solchen Projektes diskutiert und die Konformität mit Lehrplan und Schulgesetzen analysiert.

2) Der Nachhaltigkeitspreis 2022 für Schulen der Stadt Nürnberg

Der Nachhaltigkeitspreis soll gute Ideen und Projekte von Schülerinnen und Schülern sowie Schulen auszeichnen. Er wird von der Stadt Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Nürnberg verliehen. Der Aufruf erfolgte 2022 zum zweiten Mal an allen weiterführenden allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Nürnberg: „Überall auf der Welt weiß man, dass wir uns um die Zukunft unseres Planeten und seiner Bewohner kümmern müssen. Das Wort „Nachhaltigkeit“ ist in aller Munde. Wir erwarten, dass Politik und Wirtschaft nachhaltig handeln, um auch den zukünftigen Generationen ein gerechtes und würdiges Leben zu ermöglichen. Jede und jeder von uns kann zu einer Welt beitragen, die für alle Menschen eine lebenswerte Umgebung bietet. Gerade Ihr jungen Menschen könnt dazu beitragen, dass uns das gelingt!“

Die SDGs sind die Grundlage für eine zukünftige Welt, in der es für alle Menschen einen weltweiten Fortschritt gibt, der aber auch die Soziale Gerechtigkeit und die ökologischen Grenzen der Welt berücksichtigt, und werden im Nachhaltigkeitspreis zum grundlegenden Kriterium der Teilnahme.

Teilnehmerkreis: Alle weiterführenden und beruflichen Schulen aus dem Stadtgebiet Nürnberg (ab der 5. Klasse) können sich mit langfristigen Nachhaltigkeitsprojekten (Dauer: mindestens zwei Jahre) bewerben. Es können Projekte innerhalb des Klassen- oder Kursverbands entwickelt werden.

Auch jahrgangsübergreifende Wahlfachgruppen können sich beteiligen oder beispielsweise die SMV einer Schule. Eine Beteiligung von Einzelpersonen ist nicht möglich.

Themenumriss: Der Wettbewerbsbeitrag soll in den drei Kategorien „Ökologie“, „Ökonomie“ oder „Soziale Gerechtigkeit“ angesiedelt sein und mehrere Nachhaltigkeitsziele verfolgen. Für ein langfristiges Nachhaltigkeitsprojekt gibt es eine finanzielle Anerkennung bis zu einer Höhe von € 2.000. Sie soll es der jeweiligen Schule ermöglichen, das eingereichte Projekt nicht nur durchzuführen, sondern es auch weiterzuentwickeln. Auf jeden Fall wird jedes Projekt medial vorgestellt und gewinnt dadurch Öffentlichkeit und Wertschätzung

In die Bewertung der eingereichten Projekte geht auch die Berücksichtigung der folgenden Fragen ein: „Wen in unserem Umfeld erreichen wir mit unserem Projekt?“ und „Wie strahlt unser Projekt stadt-, deutschland- und weltweit aus?“

Die Projekte können beispielsweise im Bereich des Klima- und Artenschutzes angesiedelt sein, die Schülerinnen und Schüler können sich innerhalb der Stadt sozial für die Gleichberechtigung von Kindern und Jugendlichen engagieren, fantasievolle Ideen für die eigene Generation im Bereich wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Projekten entwickeln, sich mit den Themen Menschenrechte, Energie und Wasser befassen. Es sind auch nachhaltige Kooperationen mit ausländischen Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern etc. möglich. Es können sowohl Projekte, mit denen sich die Schule bereits beim KEIM-Wettbewerb 2021/22, dem Nachhaltigkeitspreis 2021 (ohne Berücksichtigung als Preisträger) oder für den Umweltpreis der Stadt Nürnberg beworben hat, als auch bereits bestehende Fairtrade- oder andere schon laufende Nachhaltigkeitsprojekte eingereicht werden.

Zeitplan: Die Bewerbungsunterlagen sind jährlich im Netz zu finden unter: www.schulen-innuernberg.de. Der Bewerbungsschluss für den Nachhaltigkeitspreis 2022 war am Freitag, 18.11.2022. Im Dezember 2022 hat eine Jury die Wettbewerbsbeiträge bewertet. In der Jury sind: Frau Ref. III, Frau Ref. IV, Frau Ref. V, Frau SchA/D, Frau SchB/D und die Projektleiterin der Sparkasse Nürnberg. Die Preisverleihung findet im Januar 2023 statt. Dort werden die Gewinner des Nachhaltigkeitspreises 2022 vorgestellt.

3) Tag der Nachhaltigkeit an städtischen Schulen in Nürnberg

Schulen in Nürnberg engagieren sich vielfältig und sehr aktiv im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Tag der Nachhaltigkeit, der seinen Ursprung im Projekt “AchtE drauf!” der Peter- Vischer-Schule hat und zur Etablierung des Umwelttags der städtischen Schule führte, soll dieses Engagement an den städtischen Schulen sichtbar machen – für die gesamte Schulfamilie und auch das Umfeld der jeweiligen Schule.

Der Aktionstag an einer städtischen Schule kann eingebettet in die Europäische Nachhaltigkeitswoche, die bayerische Woche für Gesundheit und Nachhaltigkeit oder auch unabhängig während eines Schuljahres durchgeführt werden. Dies gibt den Schulen viel Handlungsfreiheit: BNE-Projekte haben einen großen zeitlichen Vorlauf, gerade z. B. auch für Aktivitäten in Blockklassen an beruflichen Schulen oder in Verbindung mit ausgewählten Lerninhalten in den verschiedenen Jahrgangsstufen.

Am Ende eines Kalenderjahrs werden durch das Amt für Allgemeinbildende Schulen sowie das Amt für Berufliche Schulen eine Sammlung der Kurzberichte erstellt, um auch andere Schulen anzuregen sich in dieser Weise zu engagieren. Die Projekte und Aktivitäten der Schulen werden zum Jahresende im Schulausschuss vorgestellt.

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