Beilage
Neugestaltung Mögeldorfer Plärrer
Entscheidungsvorlage
Ausgangssituation
Der Mögeldorfer Plärrer ist ein zentraler Platz und Begegnungsort im Nürnberger Stadtteil Mögeldorf. Der Platz befindet sich gestalterisch in einem schlechten Zustand und bietet wenig Aufenthaltsqualität. Elf von 23 Bestandsbäumen (Kugelahorn) mussten zwischenzeitlich gefällt werden. Die leeren Baumscheiben wurden mit Asphalt überzogen. Es hat sich gezeigt, dass die Bäume auf dem Platz von Beginn an zu dicht geplant, gepflanzt und mit zu kleinen Baumscheiben ausgestattet waren. Deshalb wäre eine Sanierung des Bestandes und Ersatzpflanzungen langfristig nicht zielführend.
Der Mögeldorfer Plärrer ist das Zentrum des Stadtteils. Um den Platz herum befinden sich wichtige Fuß- und Radwegeverbindungen sowie Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Für den Mögeldorfer Plärrer soll durch die Neuplanung eine attraktive, multifunktionale und begrünte Platzfläche mit Aufenthaltsqualität für die verschiedenen Nutzer und Nutzerinnen aus dem Stadtteil geschaffen werden.
Entwurfsbeschreibung
Gesamtkonzept
Der Mögeldorfer Plärrer erhält eine klare Zonierung im äußeren Bereich an den Straßen mit einem mindestens 2,5 m breiten Gehsteig und einer angelagerten 2 m breiten Zone zur Aufnahme der notwendigen infrastrukturellen Ausstattungen wie z.B. Fahrgastüberdachungen, Schilder, Masten, Werbeanlagen und Fahrradständer, sowie einen inneren, geschützteren Bereich mit einladender Aufenthaltsqualität.
In der Nordost- und Westecke werden zwei trapezförmige, erhabene Grünflächen eingefügt, die eine Abschirmung zur Straße schaffen, das Raumgefühl um den Brunnen stärken und zu einer "grüneren" Anmutung des Platzes beitragen. Anstelle der kleinkronigen Bäume, die gemäß Bebauungsplan vorgegeben waren, ist die Pflanzung von 12 Bäumen erster Wuchsordnung vorgesehen. Die Bäume werden in neuen Baumquartieren mit ausreichendem unterirdischen Wurzelraum und Bewässerungssystem mit Wasserspeicher ("Baumrigolen") gepflanzt. Bei der Artenwahl werden stadtklimaresistente Großbäume vorgeschlagen, die im Straßenraum einen starken Akzent setzen und gleichzeitig für Klimatisierung und Schattierung des Platzes sorgen.
Die Freischankflächen werden neu geordnet und sind in einem Band entlang des Ladenriegels situiert. Die konsumfreien Sitzgelegenheiten sind als skulpturale "Lange Bänke" entlang der inneren Platzränder angeordnet, sie bilden auch den Rahmen für den notwendigen Freiraum um den Brunnen.
Die innere Platzfläche hebt sich von den umgebenden Gehsteigflächen durch einen eigenständigen mineralischen Belag mit offenen, versickerungsfähigen Fugen ab. Die Festlegung der Pflastersteine erfolgt nach einer Bemusterung.
Verkehrserschließung
Fußverkehr: Die Gehsteige und Haltestellen entlang der beiden Straßen bleiben bestehen und werden mit einer neuen Deckschicht aus Gehwegplatten 30/30 cm in einem grauen Farbton belegt. Die Gehwege werden auf mindestens 2,5 m verbreitert und von Einbauten freigeräumt. Durch den Neubau eines Fahrgastunterstandes an der Schmausenbuckstraße kann der bisher unterbrochene Gehweg durchgängig hergestellt und die Gefahrenstelle im Haltebereich beseitigt werden.
Durch die breiten Gehbereiche rund um die westliche Grünfläche bleibt die wichtige Verknüpfung der Haltestellen für Fußgängerinnen und Fußgänger weiterhin bestehen. Die innere, mit einem Sickerpflaster in hellem beige-braun belegte Platzfläche, ist in alle Richtungen durchgängig begehbar.
Radverkehr: Die Fahrradspur entlang der Schmausenbuckstraße wird aus Sicherheitsgründen mit einem Asphaltbelag wie im Bestand deutlich abgehoben. Insgesamt 18 Fahrradbügel finden sich an allen Platzrändern, weitere 12 Fahrradbügel sind im rückwärtigen Bereich angeordnet. In diesem Bereich wird eine Überdachung angeboten, die die Akzeptanz für die etwas weiter von den Haltestellen entfernten Stellplätze erhöhen soll. Darüber hinaus kann auf dem Platz eine Radstation für acht Leihfahrräder angeboten werden.
Motorisierter Verkehr: Die an der nordöstlichen Platzkante gelegene Zufahrt für Anlieferung und Feuerwehr wird weiterhin benötigt und kann nicht umverlegt werden.
Um das unerlaubte Parken in diesem Bereich zu verhindern, wird die Durchfahrtsbreite auf das für die Feuerwehrzufahrt notwendige Mindestmaß reduziert. Im rückwärtigen Bereich können
zwei Kfz-Stellplätze für die Anlieferung der Ladenzeile zusätzlich angeboten werden. Über die Feuerwehrzufahrt ist auch eine Zufahrt auf den Platz für den Unterhalt bis zur Platzmitte gewährleistet.
Barrierefreiheit
Die Barrierefreiheit auf dem Platz soll durch die vorliegende Planung gestärkt werden. Das Leitsystem im Bereich der Haltestellen wird an die aktuellen Normen angepasst und Hindernisse wie Schilder und Tafeln im Gehsteigbereich werden beseitigt. Das Leitsystem im Bereich der LSA wird im Bestand erhalten. Ein Umbau kann sinnvoll nur im Rahmen der Systemanpassung im gesamten Kreuzungsbereich erfolgen. Sitzgelegenheiten in verschiedenen Sitzhöhen und die neue Anordnung der Buswartehäuschen schaffen leicht zugängliche und sichere Aufenthaltsorte. Die barrierefreie Toilette wird im Bestand erhalten.
Ausstattung und Beleuchtung
Beleuchtung: Wie im Bestand soll die Platzfläche künftig mit Mastleuchten ausgeleuchtet werden, da dies das effektivste System darstellt (Lichtverschmutzung, optimale Ausleuchtung Bodenflächen, wenige Lichtpunkte genügen für große Flächen). Die Leuchten umfassen den inneren Platzbereich und werden entlang der linearen Bankelemente bzw. der südlichen Platzkante angelagert. Die genaue Platzierung muss im weiteren Planungsverlauf noch abgestimmt werden.
Sitzgelegenheiten: Ein „großes L“ aus langen Bänken mit und ohne Lehne bietet ausreichend angenehme und flexible Sitzmöglichkeiten. Seitenarmlehnen und variable Sitzhöhen ermöglichen allen Passanten eine optimale Nutzung. Die Bänke sind so angeordnet, dass Kinderwägen, Rollstühle oder Rollatoren bequem neben oder bei den Bänken angestellt werden können.
Sonstiges: Die Aufkantung der erhöhten Pflanzinsel aus Metall wird bewusst nicht als Sitzkante ausgeformt. Auf dem Platz wird, wie im Bestand, eine Bodenhülse zur Aufstellung eines Christbaumes vorgesehen. Diese wird mit einer Stromversorgung versehen. Ebenso werden als Ergebnis der Beteiligungsverfahren ein Versorgungspoller für Wasser und Strom und ein Trinkbrunnen eingeplant, die nahe des Bestandsbrunnes situiert werden sollen, um die dort bereits vorhandenen Anschlüsse mitnutzen zu können. Der Bestandsbrunnen ist in gutem Zustand und bleibt mit der Skulptur der „Liegenden“ erhalten.
Die gesamte Ausstattung soll robust und schlicht in Holz und/oder Metall im Farbton DB703 ausgeführt werden und orientiert sich am Gestaltungshandbuch Nürnberger Linie.
Aspekte des nachhaltigen und klimaangepassten Bauens
Die Umgestaltung des öffentlichen Raumes verpflichtet in der aktuellen Situation der klimatischen Veränderung zu einer neuen Denkrichtung bei der Gestaltung. Es gilt versiegelte Flächen soweit wie möglich zu reduzieren, mehr Grünflächen zu schaffen und Bäume mit guten Standortbedingungen zu pflanzen. Im Sinne des Gedankens der Schwammstadt, muss Regenwasser vor Ort zurückgehalten werden, um Starkregenereignisse abzupuffern und Wasser für Trockenzeiten zu speichern. Ebenso müssen Aufenthaltsorte der Menschen durch kleinklimatische Optimierungen verbessert werden.
Durch die vorliegende Planung soll diesen Ansprüchen Rechnung getragen werden: Die bisher fast vollständig versiegelte Fläche wird in großen Teilen in ihrem Versiegelungsgrad reduziert. Großbaumpflanzungen erzeugen ein gutes Mikroklima, bieten Schatten und Lebensraum für diverse Tierarten. Durch Baumrigolen wird das Wasser vor Ort genutzt, gespeichert und versickert und so das Kanalnetz entlastet. Die zwei großen, zusammenhängenden Pflanzflächen bildet einen grünen Puffer zur Ostendstraße.
Kosten
Die derzeit berechneten Herstellungskosten für Außenanlagen und Freiflächen liegen bei ca. 1.159.000,- Euro brutto, die Planungskosten bei ca. 150.000,- Euro. Bei nicht zeitnaher Ausführung muss ein Teuerungszuschlag beachtet werden.
Für den Platzbereich muss ein Baugrundgutachten und ein Kampfmittelgutachten erstellt werden. Die Kosten dafür müssen noch ermittelt werden.
Die Maßnahme ist im BIC für 2022 angemeldet.
Die Entscheidung über die Berücksichtigung im Haushalt 2024 erfolgt im November 2023 vom Stadtrat. Nach der Erteilung der Haushaltsgenehmigung 2024 wird die Ausschreibung veröffentlicht.
Zeitliche Umsetzung
2023 März: Anmeldung der Maßnahme zum MIP, Ausschreibung und Vergabe Ende 2023 im Vorgriff zum genehmigten Haushalt.
2024 Baudurchführung Straßenbau inkl. Erstellung der Baumscheiben.
2025 Frühjahr: Eröffnung des Platzes sowie Bepflanzung zzgl. 3-jähriger Pflege (bis Ende 2027).