„30 Jahre LPV Nürnberg e.V.“ (1992 bis 2022)
Der Landschaftspflegeverband (LPV) Nürnberg e.V. wurde am 17.12.1992 auf Initiative der Unteren Naturschutzbehörde im Umweltamt als erster Landschaftspflegeverband auf Ebene einer kreisfreien Stadt gegründet.
Mit dem LPV wurde für die Stadt Nürnberg ein gemeinnütziger Verein geschaffen, um den behördlichen Naturschutz bei der Umsetzung seiner gesetzlichen Vorgaben zu unterstützen, die Untere Naturschutzbehörde im Umweltamt personell zu entlasten und um Pflichtaufgaben der Stadt Nürnberg zu übernehmen. Die Geschäftsstelle ist bei der Naturschutzbehörde angesiedelt.
Die Ziele des gleichberechtigten Aktionsbündnisses aus Naturschützern, Landwirten und Kommunalpolitikern (Drittelparität) sind der Erhalt und die Entwicklung der Kulturlandschaften, sowie der Aufbau eines Biotopverbundsystems im Stadtgebiet Nürnberg.
Während in den ersten Jahren die Pflege der kartierten städtischen Biotope die Arbeit des LPV prägte, bewältigt das Team heute eine große Vielfalt an Aufgaben. Die Arbeiten reichen von der Pflege bestehender wertvoller Biotope und deren Neuanlage, über die Umsetzung des städtischen Ökokontos, der Planung und Umsetzung von Ausgleichs- und Artenschutzmaßnahmen im Auftrag der Stadt Nürnberg und anderen Eingriffsverursachern, bis zur Konzeption, Umsetzung und wissenschaftliche Begleitung von überregional bedeutenden Naturschutz- und Artenschutzprojekten. Auch bei der Beratung von privaten und juristischen Flächeneigentümern in Naturschutzfragen und der Umsetzung von Pflegeund Umweltbildungsprojekten ist der LPV aktiv.
Die Biotopentwicklung d.h. die Pflege und Herstellung ökologisch wertvoller Flächen, stellt nach wie vor eine der Hauptarbeitsschwerpunkte des LPV dar. Zur Finanzierung dieser Maßnahmen werden i.d.R. staatliche Fördermittel nach den Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien (LNPR) bei der Regierung von Mittelfranken beantragt. Gefördert werden die Maßnahmen mit 70 bis 90 % über staatliche Fördermittel. Die restlichen Kosten werden je zur Hälfte über städtische Zuschüsse und Eigenmittel des LPV finanziert.
Die Pflege des Naturschutzgebietes (NSG) „Sandgruben am Föhrenbuck“ hat der LPV bereits im Jahr 1993 übernommen. In enger Absprache mit der Unteren und Höheren Naturschutzbehörde und den Bayerischen Staatsforsten als Grundstückseigentümer wird kontinuierlich an der Weiterentwicklung des NSG als Hotspot der Biodiversität gearbeitet. Dabei wurden bisher auf einer Fläche von über 9 Hektar neue Lebensräume wie Rohbodenstandorte und wechselfeuchte Flächen geschaffen. Finanziert werden die Maßnahmen über Ausgleichsmaßnahmen, Mittel des Bayerischen Naturschutzfond, Gemeinwohlleistungen des Freistaats Bayern und Mittel der Regierung von Mittelfranken. Im Naturschutzgebiet „Pegnitztal Ost“ setzt der LPV seit 2021 im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde verschiedene Besucherlenkungsmaßnahmen um.
Im Rahmen des städtischen Ökokontos wertet der LPV seit dem Jahr 2005 im Auftrag der Stadt Nürnberg Flächen ökologisch auf. Bis zum Jahr 2022 wurden 91 Flurstücke mit einer Pflegefläche von 36,88 Hektar fertiggestellt und befinden sich in der Dauerpflege des sogenannten Hergestellten Ökokontos. Im Jahr 2022 befinden sich 37 Flurstücke mit einer Pflegefläche von 9,49 Hektar im Ökokonto der Stadt Nürnberg in der Herstellungs- und Entwicklungspflege. Damit pflegt und entwickelt der Landschaftspflegeverband 2022
insgesamt 46,37 ha Ausgleichsflächen, die im Rahmen des stadteigenen Ökokontos hergestellt werden bzw. wurden. Seit 2018 hat der LPV auf 7 Hektar städtischen und Staatsforst Flächen Ausgleichs- und
Artenschutzmaßnahmen umgesetzt. Für städtische und private Eingriffe wurden
Ausgleichsflächen für die Zauneidechse, Kreuzkröte, Nachtkerzenschwärmer, Kiebitz und Gebüschbrüter geschaffen. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden z.B. Hecken, Reptilienmeiler, Kiebitzseigen und Tümpel angelegt. Außerdem plante und begleitete der LPV mehrere Mahdgutübertragungen und die Anlage von Sandmagerrasen. Nach der Herstellung blieben alle Ausgleichsflächen in der Pflege des LPV.
Mit seinen Umweltbildungsprojekten ist es dem LPV gelungen, eine Vielzahl von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen für die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur zu begeistern. So konnten alleine im aktuellen, seit 2015 laufenden Umweltbildungsprojekt „Lebensader Bahn 2.0“ im Erlenstegener Forst 2.600 Kinder und 700 Erwachsene in Zusammenarbeit mit freischaffenden Umweltpädagogen*innen betreut werden. Im Rahmen der Projekte schuf und unterhält der LPV attraktive und viel genutzte naturnahe Erholungsflächen in den Außenbezirken sowie vier Naturerlebnispfade. Zur Finanzierung der Projekte und Erholungsinfrastruktur hat der LPV Drittmittel bei öffentlichen und privaten Stiftungen akquiriert.
Über das Projekt „ökologische Grabenpflege“ unterhält der LPV seit 2017 in Zusammenarbeit mit den Gewässeranliegern und unter finanzieller Beteiligung des Umweltamtes (UWA) und Servicebetriebs Öffentlicher Raum (SÖR) rund 10 Kilometer Fließgewässer in kommunaler Zuständigkeit (sog. Gewässer III. Ordnung) nach ökologischen Kriterien.
Mit dem Projekt „Blühflächen im Stadtgebiet“ leistet der LPV Nürnberg zusammen mit Landwirten aus dem Stadtgebiet seit 2017 einen wichtigen Beitrag zu Erhalt und Förderung von Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Flächeneigentümer und Landwirte stellen dabei freiwillig und unentgeltlich ihre Ackerflächen zur Verfügung und säen dort ein- bzw. mehrjährige Blühmischungen an. Der LPV stellt hierfür geeignetes Saatgut zur Verfügung. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 8 ha mehrjährige und 25,4 ha einjährige Blühflächen angelegt. Dies gelang mit finanzieller der Unterstützung der Sparkassenstiftung.
Der LPV Weg des kooperativen Naturschutzes dient der Akzeptanz der Projekte und Maßnahmen, erfordert jedoch ein hohes Maß an konzeptionellem Arbeiten. Komplexe Anforderungen bei konkurrierenden Nutzungsinteressen erfordern immer höhere Abstimmungs- und Moderationsaufwand für die Mitarbeitenden des LPV. Der LPV Nürnberg führt in Nürnberg politisch bedeutsame Pflichtaufgaben mit einer Mindestausstattung an Personal (4,78 Vollzeitstellen Stand 26.10.2022) sehr effizient und auf hohem fachlichen Niveau durch. Aus fachlichen, politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Erwägungen sind die Leistungen des LPV für die Stadt Nürnberg unverzichtbar. Die Geschäftsführung des LPV wurde von Frau Dürnberger von 1992 bis 2022 übernommen. Sie hat den LPV maßgeblich aufgebaut und zusammen mit dem LPV Team geprägt. Ab März 2023 beginnt für Frau Dürnberger die Freistellungsphase ihres Sabbaticals womit ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin beim LPV endet.
Zum 30jährigen Jubiläum können alle Beteiligten auf eine Entwicklung zurückblicken, die sich durch viel Arbeit und großem Erfolg beim Erhalt der Kulturlandschaften und dem Aufbau eines funktionierenden Biotopverbundsystems auszeichnet. Viele Kontakte und Netzwerke
sind entstanden und der LPV hat sich zu einem zuverlässigen Partner in der Naturschutzarbeit im Stadtgebiet entwickelt.