Entscheidungsvorlage zum Jahreskontrakt 2023 – Kunst und Museen (KuM)
Mehr als in den vergangenen Jahren prägen gravierende Unwägbarkeiten den Vorausblick der Museen der Stadt Nürnberg auf das Jahr 2023. Die Unwägbarkeiten sind bestimmt von absehbaren Finanzierungsengpässen und personellen Mängellagen. Um die Grundleistungen der städtischen Museen aufrecht zu erhalten tut deshalb die Konzentration auf vier Aufgabenfelder not: 1) Die öffentliche Sichtbarhaltung der Museen als attraktive Anbieter von Freizeit- und Bildungsangeboten mit diversitätsorientierten Zuschnitten. 2) Das Voranbringen der längerfristigen Sanierungsvorhaben in sechs der insgesamt acht Organisationseinheiten. 3) Die Optimierung der seit langem als desolat erkannten städtischen Depot-Situation, wofür die Perspektive im Rahmen der anstehenden Kongresshallen-Sanierung aufrechterhalten werden soll. 4) Die Justierung der event-orientierten Sonderformate (Sonderausstellungen, künstlerische und wissenschaftliche Veranstaltungen, externe Kooperationen) hinab auf ein vertretbares, budgetgerechtes Maß.
Vorrang vor budgetbelastenden Sonderveranstaltungen wird deshalb in 2023 die Stabilisierung des positiven Momentums bei den Besuchendenzahlen im Alltagsbetrieb haben. Sie bewegten sich zum Jahresende 2022 hin leicht, aber stetig, steigend auf etwa 70-75% der vorpandemischen Zahlen. Voraussetzung für diese erfolgreiche Restitution des Besucherzuspruchs vor 2020 wird der sorgfältige, introspektive Attraktivitätserhalt der einzelnen Häuser sein, dem 2023 der Vorrang gilt. Dies schließt inner- wie außerstädtische Kooperationen nicht aus (z.B. Evangelischer Kirchentag, Freundeskreis von Yad Vashem, Istanbul Toy Museum), wird sich gleichwohl in einem dosierten Rückzug aus einigen Großveranstaltungen äußern müssen.
A) Langfristvorhaben, Kooperationen
(siehe auch Kulturausschussbericht vom 14.10.2022)
Unter den strategisch nötigen, im kulturpolitischen Konsens akzeptierten Langfristvorhaben erweisen sich Stand Nov. 2022 sechs Häuser als erneuerungsbedürftig. Für das Jahr 2023 sind zum Voranbringen dieser Maßnahmen vorgesehen:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände: Fortführung der baulichen und musealen Ertüchtigung. Abschluss der Bausanierung und Beginn der Dauerausstellungsumsetzung Ende 2023.
Museum Industriekultur (Projekt-Freeze 26.10.2022, Aufnahme in den MIP 2023- 2027): Start der Sanierungsmaßnahme, vorbehaltlich einem positivem Haushaltverhandlungsergebnis im Nov 2022.
Memorium Nürnberger Prozesse: Erweiterung der historischen Informationsräume im 2. OG / Umgriff Saal 600 auf Basis einer Machbarkeitsstudie (2022). Drittmittelakquise auf Landes- und Bundesebene.
Stadtmuseum im Fembo-Haus: Museale Ertüchtigung des ersten Bauabschnitts bis Ende 2023 (3. und 4. OG, neues Leitsystem). Planungsphase 3 des BIC-Verfahrens im zweiten Bauabschnitt (Sanierung Rückgebäude, Foyer, Hof). Machbarkeitsstudie zum dritten Bauabschnitt bis Feb 2023 (2. und 3. OG).
Für die Erneuerungsvorhaben im Haus des Spiels und im Spielzeugmuseum sind planungssichere Umsetzungsetappen in 2023 derzeit nicht verbindlich benennbar.
Der gemeinsame Betrieb der Formate „Historische Lochgefängnisse“, „Historischer Kunstbunker“ und zukünftig auch „Atombunker unter dem Hauptbahnhof. Bahnhofsbunker“ mit dem Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V. bewährt sich. Er soll im Einvernehmen mit dem KPZ in 2023 noch nachhaltigere Betriebs- und Abrechnungsstrukturen erhalten.
B) Ausgewählte Ausstellungen und Veranstaltungen für das Jahr 2023
Spielzeug der Türkei. Die Sammlung Sunay Akın (AT). Spielzeugmuseum
ab 28. April 2023
Der türkische Dichter, Kulturwissenschaftler und Journalist Sunay Akin hat im Jahr 1989 das Spielzeugmuseum in Nürnberg besucht. Das damals von Dr. Lydia Bayer geleitete Haus beeindruckte und inspirierte Akin so stark, dass er begann, selbst traditionelles türkisches Kinderspielzeug zu sammeln. Am 23. April 2005 eröffnete er das „Oyuncak Müzesi“ in Istanbul. Seit Jahrzehnten bestehen enge wissenschaftliche und persönliche Beziehungen zwischen den wissenschaftlich Tätigen im Spielzeugmuseum Nürnberg und denjenigen in der Türkei. Sunay Akin setzte nun den Impuls, im Spielzeugmuseum Nürnberg einzigartige Leihgaben aus Istanbul zu zeigen: Spielzeug der Türkei. Das Spielzeugmuseums Nürnberg entwickelte das Kooperationsprojekt weiter zum „Türkischen Jahr im Spielzeugmuseum Nürnberg 2023“, auch mit dem Ziel, insbesondere türkischstämmige Menschen in Nürnberg und der Metropolregion für den Besuch des niedrigschwelligen Spielzeugmuseums anzusprechen.
“Moving the Giants” im Museum Industriekultur
voraussichtlich Mai bis Oktober 2023
Giganten in Bewegung – etliche 1000 Objekte, darunter echte Schwergewichte der
Industriekultur, sind im Jahr 2022 in ein neues Interim-Depot umgezogen. Doch warum haben
Museen eigentlich Depots für Objekte, die nicht in der Dauerausstellung gezeigt werden?
Unter welchen Gesichtspunkten werden diese ausgewählt? Und welche einzigartigen
Geschichten können die Depotgiganten des Museums Industriekultur über die Nürnberger
Industriegeschichte erzählen? Damit beschäftigt sich die neue Ausstellung des Museum
Industriekultur anlässlich des vergangenen Depotumzugs.
„Evangelische Migrationsgeschichte(n)“ im Stadtmuseum im Fembo-Haus
- Juni bis 4. September 2023
Zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg 2023 öffnet das Stadtmuseum im
Fembo-Haus seine Tore für eine Ausstellung zu „Evangelischen Migrationsgeschichte(n)“.
Evangelische Museen in Bayern beleuchten darin gemeinsam mit Partnern aus Frankreich,
Österreich, Ungarn, Slowenien, Rumänien und den USA Wanderungsbewegungen, die ihren
Ursprung im Glauben, in wirtschaftlicher Not oder in Kriegen haben. Sie geben hiermit Anlass,
das Thema Migration auch aus der Perspektive der Stadtgeschichte näher zu beleuchten. Zum
Auftakt werden ausgewählte Objekte im Barockvestibül präsentiert, und es wird die Möglichkeit
des Dialogs mit den Projektpartnern geboten. Entwickelt wurde das Projekt, für das Dr.
Heinrich Bedford-Strohm die Schirmherrschaft übernommen hat, von der Evangelischen
Stadtakademie in Erlangen und dem Rummelsberger Diakoniemuseum.
Auswahl weiterer Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationsformate
bei den städtischen Museen in 2023:
das neue Format „Kultur2 – Musik im Museum“ mit den Nürnberger Symphonikern
(Museum Industriekultur)
Fortsetzung „Original Dürer“ im Albrecht-Dürer-Haus: Temporäre, mehrmonatige
Präsentationen von Dürer-Originalgrafik aus den Beständen der Albrecht-Dürer-Haus-
Stiftung und der Kunstsammlungen der Museen der Stadt Nürnberg.
Sonderpräsentation während des Umbaus: Das Stadtmuseum nimmt die derzeit
laufende Sanierung zum Anlass, Highlights der Dauerausstellung im
Ausstellungsforum zu zeigen. Dank gebührt der Theo und Friedl Schöller-Stiftung, die
diese grundlegende Erneuerung ermöglicht.
Für 2023 ursprünglich Vorgesehenes, aber sparvorgabenbedingt zu Streichendes oder
auf spätere Jahre zu Verschiebendes:
| Fortsetzung der Pop-Up-Ausstellungen im außermusealen Raum des Stadtgebiets, | |
|---|---|
| z.B. Langwasser, Gartenstadt, Südstadt (analog: Pop-Up Mögeldorf), Museum | |
| Industriekultur | |
| „Alle Puppen sind gleich“. Diversitätsorientierte Ausstellung historischer Puppen, | |
| Spielzeugmuseum. Verschoben auf 2024 | |
| In den erinnerungskulturellen Formaten finden im Jahr 2023 wegen der verstärkten Arbeit an | |
| der neuen Dauerausstellung (Doku-Zentrum) und den Neukonzeptionen (Memorium) keine | |
| weiteren, neuen Ausstellungsprojekte oder Großveranstaltungen statt. |