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01 Entscheidungsvorlage

Anlage · 25.11.2022 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Mögeldorf St. Johannis Wöhrd Digitalisierung & Verwaltung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Entscheidungsvorlage: Jahreskontrakt 2023 des Stadtarchivs

 Strategiekonzept - Digitale Fachstrategie Das von 11/2020 bis 07/2021 entwickelte Strategiepapier wurde bis 08/2022 mit der von 09/2021 bis 02/2022 entwickelten Digitalstrategie zusammengeführt, Mitte September 2022 wurde mit der aktiven Phase der digitalen Fachstrategie begonnen. Bis Ende 2025 soll Av in 10 Trimestern, in die die Jahre eingeteilt werden, für die digitale Ära fit gemacht werden. Die Arbeiten laufen grundsätzlich auf drei Ebenen: 1. der Digitalisierung von analogem Archivgut und Findmitteln, 2. dem Umgang mit digital entstandenem Schriftgut und 3. der Digitalisierung der Arbeitsprozesse bei Av selbst. Für das dritte Trimester 2022 und das Jahr 2023 sind Arbeiten in folgenden Bereichen vorgesehen: Das Konzept von Av zur Speicherung von digitalen Daten (siehe auch unten die Abschnitte Records Center und Digitale Archivierung) soll umgesetzt sowie WLAN in der Norishalle bereitgestellt werden. Auf einer grundsätzlicheren Ebene sollen die Arbeiten an einem Leitbild weit vorangetrieben und an einem Dokumentationsprofil für die Stadt Nürnberg begonnen werden. Für die digitale Benutzung wird festgelegt, auf welchen Kanälen sich Av der Öffentlichkeit zuwendet, womit auch eine Schnittstelle zu kommunalen Single Sign-on-Lösungen der Stadt Nürnberg zusammenhängt. In der Öffentlichkeitsarbeit möchte Av Konzepte zur Stärkung und Verbesserung des Kontaktes sowohl zu innerstädtischen Partnern als auch in Form eines Community Developments zur breiteren Öffentlichkeit entwickeln; ein erster Schritt hierzu soll eine strukturierte Einholung von Kundenfeedback sein. Um auch die Belegschaft von Av für die kommenden Jahre zu rüsten, sollen eine Plattform für Wissensmanagement eingeführt und Schulungen in Projektund Prozessmanagement durchgeführt werden. Die dort gewonnenen Fertigkeiten sollen noch im gleichen Jahr in die Erhebung von Kern- und Unterstützungsprozessen sowie des bisherigen Leistungsportfolios von Av einfließen. Leistungen des Records Centers (Zwischenarchiv) sollen neben einem analogen auch ein digitales Zwischenarchiv umfassen.

 Raumkonzept Während sich die Arbeitsplatzsituation nach dem Bezug der neuen Büroräume am Königstorgraben 1 nachhaltig entspannt hat, zeichnet sich eine Erschöpfung der Lagerflächen in der Norishalle immer deutlicher ab. Angesichts eines jährlichen Zuwachses von etwa 350 lfm Archivgut sowie der Anforderungen des Records Centers hat Av mit der Anmietung des zentralen Außenmagazins in der Nunnenbeckstraße frühzeitig gegengesteuert. Diese als Übergangslösung mit einem Zeithorizont von etwa 10 Jahren konzipierten Räumlichkeiten sind mittlerweile mit einer später leicht zu verlagernden Kompaktregalanlage (ca. 8.500 lfm) ausgestattet worden. Die Planungen zum Ausbau der Kongresshalle nehmen immer mehr Gestalt an. Nach einer Ortsbegehung hat Av sein Interesse an konkreten Flächen bekundet, die Platz für rund 27.000 lfm Schriftgut bieten und damit den Raumbedarf des Stadtarchivs für mehrere Jahrzehnte decken würden. Mittelfristig ergäben sich durch die Aufgabe angemieteter Magazinräume nicht nur erhebliche Kosteneinsparungen; die Freigabe anderweitig nutzbarer städtischer Liegenschaften (z.B. im Pellerhaus) wären ein weiterer Vorteil eines Umzugs in die Kongresshalle. Auch wenn die Adaption des Bestandsgebäudes an Magazinzwecke große Herausforderungen wie etwa die Gewährleistung eines konstant adäquaten Raumklimas mit sich bringt, entstünde im Falle einer Realisierung ein in der deutschen Archivlandschaft einmaliges Leuchtturmprojekt.

 Records Center: Digitalisierung von Verwaltungsschriftgut und Auftragsverwahrung im

Zwischenarchiv

Das Records Center hat sich mit seinem Leistungsportfolio als kompetenter Ansprechpartner innerhalb der Stadtverwaltung etabliert. Die Beratungs- und Serviceangebote von Av in allen Fragen der Schriftgutverwaltung werden von den Kolleginnen und Kollegen intensiv in Anspruch genommen. Auch von der Archivcommunity wird das Records Center mit Interesse begleitet, es besteht bereits fachlicher Austausch mit dem Stadtarchiv Ingolstadt sowie dem Diözesanarchiv München und Freising. Nicht nur im Hinblick auf den Umzug mehrerer Dienststellen (u.a. SHA und J) nach The Q wurden in zahlreichen Ortsterminen Registraturbestände zur Digitalisierung bzw. zur Auftragsverwahrung

im Zwischenarchiv identifiziert. Dabei agiert das Records Center in enger Absprache und Zusammenarbeit mit DiP/PrO, IT sowie den Digitalkoordinatoren unserer stadtinternen Kunden. Scanaufträge werden bevorzugt an die noris inklusion vermittelt, so dass hier eine kontinuierlich hohe Auslastung der Kapazitäten erreicht werden kann. Die im Rahmen vieler Digitalisierungsprojekte notwendige Anbindung von DMS bzw. Fachverfahren sowie das Auftauchen archivreifer Altbestände führen zu einem deutlich erhöhten Arbeitsanfall auch jenseits der Kernaufgaben des Records Centers. Das Zwischenarchiv übernimmt bereits regelmäßig Registraturgut verschiedener Stellen (z.B. Ref. III – Impfzentrum, KaSt/2), noch Ende 2022 werden zudem erste Abgaben von J erwartet, für 2023 sind u.a. Übernahmen von SW sowie im Zuge der Einführung der elektronischen Personalakte von PA vereinbart. Die Einrichtung eines digitalen Zwischenarchivs wird in Zusammenarbeit mit IT im größeren Kontext der Überarbeitung des Speicherkonzepts von Av vorangetrieben und ist integraler Bestandteil unserer digitalen Fachstrategie.

 Digitale Archivierung Ein Schwerpunkt wird auf der Übernahme von Unterlagen des Stadtrats in das Langzeitarchivierungssystem DiPS.kommunal liegen. Die Übernahme der Tonaufnahmen aus dem Zeitraum 1999- 2020 wird abgeschlossen werden. In einem zusätzlichen Arbeitsprozess werden Fehler der MP3- Dateien behoben, die durch eine veraltete technische Ausstattung bei der Aufnahme entstehen. In Zusammenarbeit mit IT wird im Rahmen einer IT-Maßnahme das bereits erwähnte umfängliche Speicherkonzept in den Details finalisiert und umgesetzt. Das Konzept betrifft u.a. die vor Veränderungen geschützte Speicherung von Nutzungsdigitalisaten analogen Archivguts sowie von (insbesondere audiovisuellem) digitalem Archivgut, für das eine Archivierung in DiPS.kommunal aufgrund des Datenvolumens unwirtschaftlich ist. Die Übernahme aussonderungsreifer Einwohnermeldedaten aus dem Fachverfahren MESO steht an. In einem ersten Schritt werden die Daten mit der Schnitstelle 1.3. exportiert. Nach Behebung von Herstellerfehlern soll dies nochmals mit einer Version 1.4. wiederholt werden; zwischenzeitlich soll eine adäquate Benutzungsoberfläche implementiert werden.

 Digitaler Lesesaal bzw. Bereitstellung von Datenbankinformationen im Internet Die Einführung des Digitalen Lesesaals, die für 2020 bzw. 2021 geplant war, musste erneut verschoben werden. Aktuell wird die neue Version Faust-IServer 10 getestet, mit der die letzten Fehler behoben sein sollten, so dass die Einführung nun 2023 erfolgen sollte. Mehrere weitere Lieferungen von Erschließungsmetadaten erfolgte an die DDB/Archivportal D.

 Konzept Partizipation und Migration (ParMi) Nach Wegfall der Drittmittel-Finanzierung und Streichung der übergangsweise aus dem Budget von Av finanzierten Projektstelle für den Forschungsschwerpunkt Zuwanderung nach Nürnberg sowie nach Auslaufen der Stellen für die KHS-Projekte wurden, wie im Jahreskontrakt 2022 berichtet, die bisherigen Arbeiten evaluiert und konzeptionell so weiterentwickelt, dass für den Gesamtkomplex ein Konzept entsteht, das dauerhaft trägt und für das wissenschaftliche Profil von Av einen Ertrag bedeutet. Doch sollte beispielsweise die Vernetzung zu „oral-history.digital“ (FU Berlin und weitere Universitäten) und auf dem Feld tätigen, internationalen Institutionen ausgebaut und damit die Sichtbarkeit von Av auf diesem Themenfeld erhöht werden. Erneut beantragt wurde hierfür und für anspruchsvolle Erschließungsarbeiten eine Stelle, die den Titel ParMi (Partizipative Elemente und Migration) trägt. Die bei Av etablierte Methodenkenntnis soll auch anderen Dienststellen zur Verfügung gestellt werden. Essenzielle Voraussetzung hierfür wäre die dauerhafte Genehmigung der beantragten Stelle gewesen.

 Provenienzforschung Nach den durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen stellte sich im Verlauf des Jahres 2022 eine Normalisierung des Aufgabenbereichs der Provenienzforschung zu NS- und DDR-Raubgut ein. Die personenbezogenen Recherchen in anderen Archiven, die Akteure des Antiquariats- und Kunsthandels sowie jüdische Sammler betreffend wurden durch objektbezogene Recherchen (Gemälde, Graphiken, Bücher) ergänzt. Neue Ansatzpunkte lieferten hierbei die im

Zentralinstitut für Kunstgeschichte (München) aufbewahrten annotierten Kataloge des jüdischen Auktionshasues Hugo Helbing. Ein langes Desiderat, biographische Recherchen zu rund 20 Geschädigten der Edelmetallzwangsablieferung des Jahres 1939, konnte begonnen werden. Parallel hierzu laufen Forschungen zu vermutetem DDR-Raubgut in den städtischen Sammlungen; die Konsultierung der dem Bundesarchiv Berlin übergebenen Stasi-Unterlagen dürfte mittelfristig hierbei entsprechende Indizien liefern. Ergebnisse der städtischen Provenienzforschung wurden und werden auf der Homepage von Av bereitgestellt.

 Datenbank zu den historischen Nürnberger Friedhöfen Das 2021 begonnene wissenschaftliche Projekt zur Gesamterfassung historischer Gräber und Epitaphien auf den Friedhöfen St. Johannis und St. Rochus (s. Jahreskontrakt 2022) ist weiter fortgeschritten. Der erste Projektschritt, die Anlage einer einzelnen Einheit zu jedem Grab und Epitaph, ist etwa zur Hälfte abgeschlossen. Bei der Haller’schen Forschungsstiftung wurde ein Antrag auf Förderung für den Abschluss des ersten Projektschritts gestellt. In einem nächsten Schritt soll in Kooperation mit dem Archiv der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern die Ergänzung der Grundlagendaten um die serielle Überlieferung vorgenommen werden.

 Projekt Nürnberger Häuserbuch – Zusammenarbeit mit TOPORAZ/TRANSRAZ Die in Zusammenarbeit mit dem Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg implementierte Dokumentation von Nürnberger Häusern und deren Besitzgeschichte unter dem Namen Topo N wurde und wird erfolgreich fortgesetzt; die Finanzierung bis Ende der 2020er Jahre scheint gesichert. Auch die Kooperation mit dem von der Leibnitz-Forschungsgemeinschaft mit insgesamt über 2 Mio € geförderten Projekt TOPORAZ/TRANSRAZ wurde und wird erfolgreich fortgesetzt. Erste Tests einer Verlinkung des Projekts Topo N mit der Forschungs- und Präsentationsplattform des Leibnitz-Rechenzentrums (FIZ-Karlsruhe) waren erfolgsversprechend, das FIZ-Karlsuhe will dies möglichst 2023 produktiv setzen.

 Social Media Die beiden von Av seit Juli 2020 bespielten Kanäle instagram und facebook werden weiterhin intensiv von Followern genutzt. 2022 war ein konstantes, wenn auch im Vergleich zum Vorjahr leicht abgeschwächtes Wachstum zu verzeichnen, so dass 2022 auf instagram rund 8.300 und auf facebook rund 1.100 Personen das Angebot wahrnehmen. Die Einzelreichweiten sind konstant hoch, jedoch durch Veränderungen des Algorithmus bei instagram zurückgegangen. Hauptzielgruppen sind nach wie vor an der Stadtgeschichte interessierte Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, wobei mit 79 % der Großteil der erreichten Personen zwischen 18 und 44 Jahre alt ist. Die veröffentlichten Beiträge von Av werden regelmäßig geliked, kommentiert und geteilt. Durch Kommentare und Nachrichten von Nutzerinnen und Nutzern kann eine positivere und intensivere Wahrnehmung der Dienststelle Av durch Bürgerinnen und Bürger festgestellt werden. Das Angebot soll 2023 um mehr interaktive Elemente erweitert werden.

 Ausstellungen 2023 sind mehrere Ausstellungen geplant, darunter als Präsenzausstellung im Großen Foyer der Norishalle die vom Haus der Bayerischen Geschichte übernommene Ausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“. Ab 15.11.2022 wird eine weitere Online-Ausstellung mit einem analogen Teaser im kleinen Foyer zum Thema „Neu im Stadtarchiv. Neuzugänge aus den Jahren 2020-2022“ zu sehen sein. Für das erste Quartal 2023 ist die Eröffnung der bereits konzipierten Dauerausstellung mit dem Arbeitstitel „Memento mori. Leben und Sterben in Wöhrd“ im Totengräberhäuschen (erbaut 1529) auf dem Wöhrder Friedhof geplant. In Zusammenarbeit mit dem Bürger- und Geschichtsverein Mögeldorf e.V. wird für das 2. Quartal 2023 eine Online- Ausstellung zur Sammlung des Mögeldorfers Edwin Hölzl, die seit 2020 bei Av verwahrt wird, erstellt, die ein Profil des Sammlers und der Sammlung sowie Beispiele aus dieser zeigt. Überblick über Ausstellungen und Veranstaltungen (sowie Publikationen) 2022 und Planung 2023 siehe Anlage.

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