Haushaltssperre

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01 Entscheidungsvorlage

Anlage · 25.11.2022 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Verkehr & Mobilität Digitalisierung & Verwaltung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Entscheidungsvorlage: Jahreskontrakt 2023 der Meistersingerhalle

  1. Sanierung: Die Sanierung der Meistersingerhalle, seit 30 Jahren ausstehend und mit Insellösungen erhalten, muss für die Aufrechterhaltung des Betriebs und in der Substanz dringend durchgeführt werden. Ein entsprechender Antrag zur Aufnahme in das BIC-Verfahren ist gestellt. Bei der Begehung der Meistersingerhalle im Februar 2022 bekräftigte Herr Ref. I/II die Dringlichkeit einer zeitnahen Sanierung und sprach seine Unterstützung aus. Große Anerkennung sprach er den Mitarbeitenden der MSH aus, die bei der Aufrechterhaltung des Betriebs seit Jahren (mit zahlreichen Insellösungen – Substanz, Elektro-, Anlagen-, Netzwerk-, Medientechnik, etc.) maßgeblich verantwortlich sind, und trotz der widrigen Umstände, seit Inbetriebnahme der MSH im September 1963 keine Veranstaltungen ausfallen musste. Dies ist aber in Zukunft leider nicht mehr zu gewährleisten.

Der Beschluss des Stadtrats, den Bau eines Konzerthauses westlich neben der Meistersingerhalle (MSH) einem Moratorium zu unterwerfen, hat weitreichende Konsequenzen für die MSH. Mit Blick auf den Konzerthausneubau unmittelbar neben der MSH und die Option einer Nutzung als Ausweichspielstätte im Rahmen des Bauvorhabens Operninterim, wurden in den letzten Jahren Instandhaltungsbudgets gekürzt und bauliche Maßnahmen, wie auch eine Neuaufstellung und Anpassung des Personaltableaus zurückgestellt. Der Stopp der Konzerthausplanungen und die grundsätzlich veränderten Überlegungen zum Operninterim haben nun zur Folge, dass sich an Art und Inhalt des Betriebs der MSH bis auf Weiteres nichts verändert. Die MSH wird damit weiterhin der einzige Ort in Nürnberg für das „alltägliche“ Angebot an Showproduktionen und Orchesterkonzerten sein. Vor allem aber auch Tagungen und Kongresse im mittleren Segment (500 - 1.000 Teilnehmende), inzwischen auch vermehrt im internationalen Kontext, werden bis auf Weiteres nur in der MSH stattfinden. Für viele andere Veranstaltungen bleibt die MSH darüber hinaus in ihrer Funktion als Stadthalle erhalten und soll entsprechend erweitert werden (vgl. 500 qm Fläche / „Bevenue“ Studie). Wie mehrfach in der Kongressinitiative und von der CTZ gefordert zeigt sich auch hier welche Bedarfe in der Messestadt vorherrschen. Sobald das BIC-Verfahren genehmigt ist, kann mit den Fachplanern in die aktive Planung gegangen werden. Vorwegmaßnahmen werden dringend erforderlich sein

 NSHV (Niederspannung) / Arbeitssicherheit und Wasserschäden  Bestuhlung großer Saal (Digitalisierung (Kosteneinsparung) / Polster desolat, etc.)  Beleuchtung (die üblichen Leuchtmittel dürfen laut EU-Richtlinien nicht mehr eingesetzt werden und sind auch nicht mehr zu erwerben / deshalb muss die gesamte Beleuchtung inkl. der Dimmer Technik als Vorwegmaßnahme geplant und 2024 ausgetauscht werden)  Energieeinsparungen (Beleuchtung Neu / Heizung-Lüftung-Klima möglicherweise Geothermie / Fassade (Beton und Glas)  Verkehrssicherungspflicht (Parkplatz / Wegeführung gesamtes Areal)  Equipment (Tonanlage, Instrumente, Inventar, etc.)

Die Priorisierung ist nach der Einschätzung der jeweiligen Fachplaner in Gänze zu betrachten und muss entsprechend angegangen werden.

  1. Personal: Um den Anforderungen sowohl in der Sanierungsphase, inklusive detaillierter Planungen seit Mitte 2021 aus Nutzerperspektive, als auch den Anforderungen der stetigen schnell entwickelten Veranstaltungsbranche nachkommen zu können, muss das Personaltableau und die entsprechenden Aufgaben dringend durch ein Audit näher betrachtet werden. Als Grundlage soll das zu erstellende Raumprogramm dienen. Die Anforderungen an Mitarbeitende in der Veranstaltungsbranche von heute, sind so immens gestiegen und entwickeln sich so schnell weiter, dass die Anforderungsprofile ständig auf den Prüfstand gestellt werden müs-

sen. Die Meistersingerhalle ist zwar eng an den Geschäftsbereich angebunden, aber agiert weitgehend eigenständig, insbesondere auch in den Bereichen Finanzen sowie der Vertretung der Leitung der Meistersingerhalle nach außen.

Es gilt als innovatives, agiles Team im Bereich Veranstaltungen und Sanierung den Anforderungen der Branche Stand zu halten und diese weiterentwickeln zu können. Der Change-Management Prozess wurde bereits im Rahmen der Aktivitäten zum Neubau Konzerthauses begonnen und Ziel ist diesen multidimensionalen Prozess durch Wertschöpfung aus den vorhandenen Potentialen voranbringen. Das Team der Meistersingerhalle wird die Veränderungen mit Weitsicht, mit souveränem Umgang der Komplexität, sowie Motivation und Innovation die Meistersingerhalle zielführend und wirtschaftlich voranbringen.

Mehr denn je muss sich die Veranstaltungsbranche aktiv darum bemühen, die richtigen Charaktere für diese Aufgaben zu gewinnen, auszubilden und zu binden, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken zu können. Denn ohne die vielen motivierten Mitarbeitenden an den Mischpulten, in der Haustechnik, in der Lichtregie, in der Veranstaltungsplanung und den zahlreichen weiteren Gewerken, sind keine Konzerte, Kongresse, Messen und Events aller Art möglich und realisierbar.

Gerade in Zeiten eines enormen Fachkräftemangels müssen Stellen entsprechend besetzt werden, um die Aufgaben zielführend, effizient und gewinnbringend für die Stadt Nürnberg erledigen zu können. Die Arbeitsbelastung in diesem Wirtschaftszweig ist sehr hoch. Die außergewöhnlich hohen Leistungsanforderungen sind ein stetig steigendes Merkmal der Branche. Ein Konzert- und Kongresshaus in dieser Größe muss internationaler Standards entsprechend aufgestellt sein, um im Rahmen zur Erfüllung der von der Stadt Nürnberg vorgegebenen Zielvorgaben (besonders im Kongress- und Messegeschäft) effizient und wirtschaftlich agieren zu können. Die Meistersingerhalle ist, nach erfolgter Organisationsentwicklung und wenn sie entsprechend der Anforderungen der Branche agieren kann gewinnbringender aufgestellt (gerade mit Blick auf vergleichbare Häuser). Die wichtigste Infrastruktur zur Durchführung von Veranstaltungen ist das Veranstaltungszentrum selbst. Entstehende wirtschaftliche direkte und indirekte Effekte kommen der Stadt, der Region und deren Wirtschaft zugute. Veranstaltungszentren entfalten erhebliche makroökonomische Wirkungen am Standort.

Veranstaltungen generieren Hotelübernachtungen, Gastronomiebesuche und Einkaufsbummel. Eine hohe Zahl von Arbeitsplätzen wird geschaffen und gesichert sowie hohe Steuereinnahmen für die Kommune generiert. Was passiert, wenn keine oder nur wenige Veranstaltungen stattfinden, wird in der aktuellen Coronakrise deutlich. Kaum Veranstaltungen, kaum Geschäftsreisen – entsprechend leiden viele Branchen. Ohne Veranstaltungen werden viele Arbeitsplätze dauerhaft wegfallen. Diesem müssen wir gerade in der Meistersingerhalle, als größtes kommunales Zentrum nachkommen.

Die Anpassung der Personalausstattung wird seit Jahren gefordert und war bereits ohne die Zusatzaufgabe „Sanierung“ eminent. Die Studien von „actori“ und „bevenue“ sowie das Personaltableau der „Kulturexperten“ (Studie Herbst 2020) beleuchten diese Problematik mehrfach und tiefgreifend.

Die Folgen des Personalmangels, einer aus MSH-Sicht nicht der Arbeitsleistung entsprechenden branchenüblichen Bezahlung (Eingruppierung) befördern die Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft, beschränken die Angebote und folglich weitere Ertragserwirtschaftung, steigende Arbeitskosten durch externe Dienstleister, Verlust von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräftemangel (Attraktivität des Arbeitsgebers muss maßgeblich vorangetrieben werden, um erhöhte Fluktuation zu vermeiden).

Gerade deshalb ist es so wichtig, die Meistersingerhalle nach den Einschränkungen der Pandemie mit Weitsicht schnellstmöglich zielführend für die nächsten Jahrzehnte aufzustellen, um die Verfügbarkeit von Tagungs- und Kongresskapazitäten in Nürnberg zu erhöhen und weiter voranzubringen. Das ist aber mit einer dünnen Personaldecke, wie sie seit vielen Kürzungen vergangener Haushaltkonsolidierungen besteht nicht mehr durchführbar. Eine aktuelle infrastrukturelle Ausstattung der Meistersingerhalle ist deshalb dringend notwendig und nicht mehr aufschiebbar. In einem ersten Schritt wurden im Rahmen einer „kleinen Organisationsentwicklung“ erste

Schritte gemacht und Arbeitsplatzbeschreibungen angepasst. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Nach Vorliegen eines neuen Raumprogrammes und der damit verbundenen Konzeption des künftigen Betriebs soll noch ein umfänglicher Entwicklungsprozess u.a. mit DiP erfolgen.

In der Veranstaltungsbranche werden künftig neue Kompetenzen und Konzepte gefordert sein und, wie schon so häufig im Veranstaltungsgeschäft, eine maximale Veränderungsbereitschaft von allen Beteiligten. In den letzten Jahren galt es ein Team, das in alten Strukturen verhaftet war für neue Sichtweisen zu öffnen, neue Mitarbeitende einzubinden und sich auf deren Erfahrungen einzulassen. Ebenso wurde man in Bezug auf die Sicherheitsbestimmungen der MSH vor große Aufgaben gestellt, die in gemeinsamen Workshops mit RA Volker Löhr (Kommentar VstättV) aufgearbeitet wurden.

Was wollen wir und wo wollen wir hin? Diese Frage ließ sich nicht einfach und schnell durch die Unwägbarkeiten
der letzten Jahre beantworten:
1. Bau und Umzug in das neue Konzerthaus, Vermietung der MSH an die Oper als Operninterim. Die Sanierung
der MSH erst danach.
2. Kein Bau des Konzerthauses und Wiederaufnahme der Sanierungsmaßnahmen (Baupauschalen blieben wei-
terhin ausgesetzt), Voranbringen einer Generalsanierung in Teilabschnitten – die dringend notwendig und nicht
mehr aufschiebbar ist.
3. Die Meistersingerhalle als Dienstleister und Gastgeber
Nun gilt es einen Masterplan zu konzipieren, der sowohl die Meistersingerhalle wieder auf einen aktuellen
Stand und den „Alten Glanz“ in neue Zeit versetzt. Was war die Meistersingerhalle 1963 für ein Vorzeigeobjekt,
nunmehr fast 60 Jahre später ist einiges geblieben – das dringend erhalten werden muss. Die Meistersingerhalle
muss im Betrieb künftig nachhaltig und den aktuellen Anforderungen der Branche entsprechend neu aufgestellt
werden. Die aktuelle Wahrnehmung der Meistersingerhalle ist seit Jahren leider nicht mehr positiv (u.a. in der
Presse) besetzt – das müssen wir als Stadtgesellschaft in die Hand nehmen und verändern.
Sobald das neue Haus geplant ist, ein entsprechendes Nutzungs- und Veranstaltungskonzept steht und beides
über den Projekt-Freeze politisch beschlossen ist, muss ein umfassender Organisationsentwicklungsprozess fol-
gen. Strukturen, Prozesse sowie Verantwortlichkeiten müssen überprüft und angepasst, ggf. sogar neu entwi-
ckelt werden. Dies bedingt dann auch eine vollständige Betrachtung der personellen Situation in Qualität und
Quantität. MSH benötigt ein agiles Management, dass durch schnelle Reaktionsfähigkeit auf veränderte Kunden-
und Besucherwünsche zielt. Eine starre Verwaltungsstruktur der letzten 60 Jahre ist nicht mehr zukunftsfähig.
Die Meistersingerhalle muss sich, gerade auch mit der inneren Haltung aller Beteiligten, mit Spezialisten auf
ihrem Gebiet, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen und wollen. Agiles Management lebt
von Projektgruppen und Fachteams, Spuren festlegen, agieren und ausrichten.
Die Veränderungen müssen jetzt eingeleitet werden, auch trotz großer Haushaltskonsolidierungsmaßnehmen.
Die schmale Personaldecke (gerade im technischen und Veranstaltungs-Bereich) in einem 2-3 Schichtbetrieb
erfordert zumindest ein Mindestmaß an personeller Ausstattung. Diese Personaldecke ist bereits jetzt am Limit.
Eine Wiederbesetzungssperre würde in der Meistersingerhalle bedeuten, dass Veranstaltungen abgesagt und
nicht durchgeführt werden können (inkl. Regressforderungen). Gerade im Bereich Meister für Veranstaltungs-
technik und der Stelle technischer Betriebsdienstleiter (hier werden einige Stellen in den kommenden Jahren
durch Renteneintritt neu besetzt, ist eine Wiederbesetzungssperre nicht möglich:
 Betreiberverantwortung bzgl. der Veranstaltungen (Vstätt)
 Betreiberverantwortung, Haustechnik und Leitung des Betriebs einer Großversammlungsstätte.
 weitere Stellen, die jeweils nur einfach besetzt sind schließen diesen Kreis.

Gerade in Zeiten knapper Haushalte, muss dieses Haus mit Weitsicht betreiben und auch wirtschaftliche Potentiale herausgearbeitet werden (Eigenbewirtschaftung und weniger Verausgabung an externe Dienstleister / Prüfen neuer Strukturen).

  1. Meistersingerhalle 2022: Nachdem im Februar das Kontaktnachverfolgungszentrum aus der Meistersingerhalle auszog konnten die Stuzubi Karrieremesse (11. +12.2.) doch noch durchgeführt werden. In den Folgemonaten lief der Betrieb aber erst spärlich im kleinen Saal an, da erst ab Zeitpunkt des Auszugs wieder eine verlässliche Akquise durchgeührt werden konnte. Auch 2022 gab es wieder Veranstaltungen, die zu unseren Abonnement-Reihen der klassischen Musik Erwähnung finden sollten: Sokolov-Rezital (Klavier) / Gianna Nannini / Melissa Etheridge / Peter Bence / Max Raabe / 100 Jahre Jubiläumskonzert der Staatsphilharmonie Nürnberg / Albrecht Meyer (Oboe) / Dieter Nuhr / Sascha / No Angels / Sebastian Fitzek Zudem weitere wiederkehrende Ausstellungen und Messen: Jobmesse / Vocatium / Hochzeitsmesse / Wein&Taste Festival Wir hoffen sehr, dass die Buchungslage weiterhin so positiv anhält und wir trotz aller widrigen Umstände betriebsfähig bleiben (Ausfälle Technik/Bausubstanz / Personal / Pandemie (wünschenswert wären keine weiteren Einschränkungen, die die Besucherzahl reduziert). Sollten die Inzidenzen weiter steigen, sollte man zur FFP2- Maskenpflicht zurückkehren. Somit würde dann auch wieder unser Hygienekonzept angepasst und aktualisiert werden. Die Meistersingerhalle kann aufgrund der Pandemie auch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht realistisch einschätzen, wie in den nächsten Monaten der Betrieb möglich ist. Sicher ist, dass die Buchungen ab Herbst 2022 ff. optimal und die MSH ausgelastet ist.

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