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01 Entscheidungsvorlage

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Langwasser Dutzendteich Stadtentwicklung & Planung Wohnen & Bauen Kulturausschuss Eibach Verkehr & Mobilität Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Entscheidungsvorlage: Jahreskontrakt 2023 2. BM – Geschäftsbereich Kultur

 Strategisches Portfoliomanagement für Kulturentwicklungsvorhaben am ehem. Reichsparteitagsgelände Mit der Etablierung eines strategischen Projektportfoliomanagements bietet sich die Möglichkeit, den Stab ZEP sowie die Bauherrnvertretung für Kulturgroßbauten von übergreifenden Abstimmungs- und Steuerungsprozessen zu entlasten. Übergreifende Aufgaben können „vor die Klammer gezogen“ werden. Zugleich können bestehende Projektstrukturen des Stab ZEP und der Bauherrnvertretung für Kulturgroßbauten sinnvoll integriert und teils gestrafft werden. In der Sitzung des Stadtrates vom 30.3.2022 wurde eine Neuausrichtung der Organisation 2. BM beschlossen. In diesem Kontext wurde die Einrichtung eines strategischen Portfoliomanagements für die Kulturentwicklungsvorhaben am ehem. Reichsparteitagsgelände vorgesehen. Die Struktur ist zum Teil umgesetzt. Stellenbesetzungen stehen im Bereich des Drittmittelmanagements und der übergreifenden Kommunikation noch immer aus. Die mit der Strukturveränderung verbundenen Ziele konnten vor allem hinsichtlich der ämterübergreifenden Koordination sowie der Drittmittelfinanzierung in Verhandlungen mit Bund und Land erreicht werden. Für Kongresshalle, Ermöglichungsräume für Kunst und Kultur sowie Opernausweichspielstätte wurden bislang lediglich Planungskosten im Rahmen der Hochbaupauschale eingestellt. Eine Aufnahme der Kulturentwicklungsvorhaben in der Kongresshalle in den MIP 2023 – 2026 ist wahrscheinlich, da sich der Stadtrat am 26.10.2023 – insbesondere aufgrund der in Aussicht stehenden Finanzierung durch Bund und Land – dafür ausgesprochen hat. Hinsichtlich der übergreifenden Kommunikation (Staatstheater Nürnberg sowie beteiligte städtische Dienststellen) im Kontext des strategischen Portfoliomanagements ist es bislang mit Bordmitteln gelungen eine Beteiligung von Bürgerschaft, Anspruchsgruppen und Fachöffentlichkeit mit großer Anstrengung zielführend zu ermöglichen. Nachhaltige Strukturen zu etablieren, ein systematisches Stakeholder-Management aufzusetzen und einen strategischen Kommunikationsplan zu realisieren, wird mit Besetzung der dafür notwendigen Stellen (1,5 VK) umgehend gestartet. Dies könnte noch 2022 vorbehaltlich laufender Besetzungsverfahren erfolgen.

 Kulturstrategie Im Jahr 2022 lag ein Fokus der Umsetzung der 2018 verabschiedeten Kulturstrategie auf der fortschreitenden Intensivierung des Raumleerstand- und Zwischennutzungsmanagements. Eng begleitet wurde die bei KUF angesiedelte Erstellung der Broschüre „Vermittlung von Kunst- und Kulturräumen in Nürnberg“. Damit liegt ein weiteres Instrument zur Information und Bewerbung des „Raumkompass – Dein Raum für Kultur“ vor, das sich sowohl an Kunst- und Kulturschaffende also auch an Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer richtet. Seit Herbst 2022 informiert der Newsletter „Kulturstrategie“ über Umsetzungsschritte zur rollenden Planung der Kulturstrategie und wird ab 2023 viermal im Jahr sowie mit Sonderausgaben erscheinen. Zudem wird die Website Kulturstrategie - Nuernbergkultur stets aktualisiert und ermöglicht Transparenz hinsichtlich der laufenden Arbeitsfelder. Als Aufgaben aus der Kulturstrategie wurde die Stärkung der Freien Szenen durch Konzipierung und Bereitstellung neuer Diskursräume und -formate, insbesondere durch die Bildung eines „Nürnberger Kulturrates“ (Arbeitstitel) abgeleitet. Nach einem gründlichen Vorbereitungsprozess zum Erarbeitungsverfahren fanden mehrere Workshops und Diskursformate (analog und digital) mit Vertretungen der Kulturpolitik statt, um Leitplanken zur weiteren Vorgehensweise zu definieren. 2023 gilt es, die daraus resultierenden Fragestellungen zur Einrichtung des Kulturrates mit den unterschiedlichen Anspruchsgruppen zu bearbeiten. Eine digitale Kulturkonferenz mit Stakeholdern und Multiplikatoren der Nürnberger Kunst- und Kulturlandschaft startet diese nächste Arbeitsphase, die 2023 im Rahmen von Workshops und Fokusformaten fortgesetzt und präzisiert werden wird.

 MIP-Maßnahmen des Geschäftsbereiches Im mittelfristigen Investitionsplan des Haushalts 2022 sind folgende Einzelmaßnahmen aufgenommenen:

Die Einzelmaßnahmenhaben über den Gesamtzeitraum voraussichtlich ein Finanzvolumen von 67,608 Mio. €. Nicht enthalten waren hier die Opernhaussanierung, Opern-Interim, Generalsanierung der Meistersingerhalle, die Kongresshalle sowie das Pellerhaus.

 2. BM/Stab ZEP und Kongresshalle - Entwicklung des historisch-politischen Lern- und Begegnungsorts

Zeppelintribüne und Zeppelinfeld

Der erinnerungskulturelle Diskurs erfährt aktuell einen grundlegenden Wandel. Einerseits endet die Zeitzeugenschaft an die NS-Diktatur, andererseits setzt sich die Erkenntnis durch, dass es „eine“ Erinnerungskultur nicht geben kann, sondern die Debatten in globale Perspektiven eingerückt werden müssen. Diese Prozesse fordern zu einer neuen und permanenten Reflexion über den Umgang mit den Bauwerken des Nationalsozialismus am ehemaligen Reichsparteitagsgelände heraus. Das ist nicht nur im Sinne der historischen Aufklärung von hoher Relevanz, sondern besitzt für die Stadt Nürnberg angesichts des verstärkten Auftretens von Antisemitismus und Rassismus eine Verpflichtung in der Gegenwart und für unser künftiges Zusammenleben. Die Vermittlung der Lehren aus der NS-Vergangenheit am Ort der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der rassistischen „Volksgemeinschafts“-Ideologie besitzt akute Dringlichkeit. Die Eröffnung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände 2001 war der entscheidende Schritt, um in Nürnberg am historischen Ort über die NS-Zeit und ihre Folgen informieren zu können. Erforschung, Wissensvermittlung und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände stehen seither im Zentrum der Arbeit des Dokumentationszentrums. Mit der Entwicklung von Zeppelintribüne und Zeppelinfeld zum Lern- und Begegnungsort etabliert Nürnberg ein weiteres Projekt der erinnerungskulturellen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Die konzeptionellen Planungen, die transdisziplinär und multiperspektivisch ausgerichtet sind, sollen die zukunftsgerichtete Vermittlung des historischen Orts, seiner Geschichte und der Lehren für unsere Gegenwart garantieren. Insofern wird zukünftig eine doppelte Perspektive möglich sein: einerseits die kognitive Auseinandersetzung mit der NS- Zeit und ihren Relikten im Dokumentationszentrum, andererseits der intuitive und reflexive Zugang an Zeppelinfeld und Zeppelintribüne. Neben dem Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände und des zu entwickelnden Lern- und Begegnungsortes Zeppelintribüne und Zeppelinfeld sieht die Stadt Nürnberg als konsequente Ergänzung der erinnerungskulturellen Entwicklungen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände vor, sowohl ein Teilstück im Rundbau der Kongresshalle als Ort für die aktuellen Künste und Kulturen zu schaffen, als auch für die Zeit der Sanierung des Opernhauses am Richard-Wagner- Platz die Ausweichspielstätte für Musik- und Tanztheater dort zu verorten. Damit wird eine zentrale Forderung der Leitlinien zum künftigen Umgang der Stadt Nürnberg mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände aus dem Jahr 2004 in Angriff genommen: Die Bedeutung des Ortes als „nationales Erbe“ erfordert eine künstlerische Auseinandersetzung mit internationaler Beteiligung. Daneben richtet sich der erinnerungskulturelle Fokus in letzter Zeit verstärkt auf den früheren Bahnhof Märzfeld als Opferort nationalsozialistischer Massenverbrechen auf dem Areal des historischen Reichsparteitagsgeländes. Das nicht im städtischen Eigentum befindliche Relikt des Bahnhofsgebäudes und der Gleisanlagen lässt die Kehrseite der propagandistisch aufgeladenen und geschönten Reichsparteitage ins öffentliche Bewusstsein treten. Die thematische Behandlung in der neu zu konzipierenden Dauerausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände wird dem erstmals ebenso angemessenen Raum geben wie die von 2. BM/ZEP koordinierten Bestrebungen zur besseren Sichtbarmachung der NS-Gewaltgeschichte vor Ort. Grundsätzlich werden alle konzeptionellen und baulichen Maßnahmen im Verbund mit den zuständigen Dienststellen diskutiert und durchgeführt; insbesondere mit Ref. VI/PBD, KuM/3-1, H/R und LA.

Zeppelinfeld und Zeppelintribüne

Mit Jahresanfang 2022 erfolgte der Start der baulichen Planungsphase. Das Planungsteam wurde im Jahresverlauf um weitere Fachplanungsbüros für Statik, Landschaftsplanung, Projektsteuerung usw. verstärkt. Die Beauftragung einer Ausstellungsgestaltung verzögerte sich jedoch. Die ursprünglich vorgesehene Beauftragung zusammen mit einer Objektplanung für den Neubau eines Informationspavillons musste auf

Grund veränderte Rahmenbedingungen des Vergabegegenstands neu ausgeschrieben werden. Nach eingehender Prüfung erwarb die Stadt Nürnberg im Sommer 2022 Grundstück und Gebäude des früheren Bahnhofs Dutzendteich. Die dortigen Flächen und Räume sollen die angedachten Funktionen eines Informationspavillons aufnehmen, weswegen ein Neubau entfällt. Bis Jahresanfang 2023 sollen nun die getrennten Vergaben an einen Objektplaner mit Erfahrung im Bauen im denkmalgeschützten Bestand sowie für einen Ausstellungsplaner für die Themen Grundinformation im Informationspavillon, museale Elemente im Mittelbau der Zeppelintribüne sowie Reflexionsorte im Außenbereich erfolgreich abgeschlossen sein. In Vorbereitung hierfür fand am 10. Oktober 2022 ein Workshop mit Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen wie Ausstellungspraxis, Museumswissenschaften und, auf die NS-Zeit spezialisiert, Bau- bzw. Kunstgeschichte zu Fragen nach didaktischen und gestalterischen Vermittlungsansätzen statt. Die Bauplanungen werden von 2. BM/ZEP im Jahresverlauf 2023 durch regelmäßige öffentliche Veranstaltungen begleitet. In sogenannten Werkstattgesprächen soll an drei Terminen neben dem Projekt an sich insbesondere aus der baulich-planerischen und konzeptionellen Praxis berichtet werden. Die beauftragten externen Planungsund Gestaltungsbüros werden gemeinsam mit den verantwortlichen Stellen der Stadt Nürnberg aus ihrer praktischen Arbeit und deren Umsetzung zu den Themenfelder Naturstein/Denkmalschutz, Freiraumplanung/Freizeitnutzung und Vermittlungsangebote berichten. Allen Interessierten soll so die Möglichkeit der Information und konkreten Rückfrage zu den ab 2024 anstehenden umfassenden Baumaßnahmen gegeben werden, die für mehrere Jahre deutlich sichtbar sein werden. Dieses neue Format ergänzt den jährlichen Informationstag Zeppelinfeld und Zeppelintribüne mit kostenlosen Rundgängen in mehreren Sprachen und mit inklusiven Angeboten. Dieser ist wieder für die zweite Jahreshälfte 2023 vorgesehen. Dass das öffentliche Interesse anhaltend hoch ist, zeigte sich am diesjährigen Informationstag am 3. Oktober 2022. Von den insgesamt 38 angebotenen Rundgängen waren vor allem die deutschsprachigen schnell ausgebucht. Insgesamt über 800 Personen nutzten erneut dieses Informationsangebot von 2. BM/ZEP in Kooperationen mit KuM/3-1 und dem Verein Geschichte für Alle – Institut für Regionalgeschichte.

Ermöglichungsräume in der Kongresshalle

Am 08. Oktober 2021 wurde 2. BM / ZEP durch den Kulturausschuss auf Grundlage der ersten baulichen Machbarkeitsstudie und einer unter Kulturschaffenden durchgeführten Bedarfsanalyse beauftragt, die bauliche und inhaltliche Umsetzung einer möglichen künstlerischen und kulturellen Nutzung eines Segments der unfertig gebliebenen Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zu konkretisieren. Dieser Schritt impliziert eine Überführung in bauliche Planungen und konkrete Kostenschätzungen. Die Entwicklung eines Teilstücks der Kongresshalle hat zum Ziel, sich in die bisherigen, das Gelände betreffende Maßnahmen wie die Entwicklung des Zeppelinfeldes und der Zeppelintribüne zum Lern- und Begegnungsort sowie dem Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagesgelände als Ort der Wissensvermittlung einzufügen. Das bislang in Workshops mit Stakeholdern der Künste und Kulturen in Nürnberg entwickelte Nutzungskonzept wurde in einem breit aufgestellten partizipativen Prozess ausgearbeitet und präzisiert. Den ersten Teil des Verfahrens bildete eine partizipative Veranstaltung in Form eines World-Cafés unter dem Titel „Open-Space“ am 27. Juli 2022 im Z-Bau in Nürnberg. Im zweiten Teil wurden die Ergebnisse des „Open-Space“ mittels einer Interview-Umfrage mit diversen Vertreterinnen und Vertretern künstlerischer Sparten präzisiert. Der von der actori GmbH moderierte Prozess zeigt detailliert die Anforderungen der Künstlerinnen und Künstlern an die Räumlichkeiten in der Kongresshalle auf. Für die Ermöglichungsräume stehen insgesamt vier von sechzehn Sektoren zur Verfügung. Die geplante Opernhausausweichspielstätte benötigt sechs Sektoren des Rundbaus. Auf dieser Grundlage entwickelte der Geschäftsbereich Kultur ein Raumprogramm für die Ermöglichungsräume, welches die Planerinnen und Planer konkretisieren. Zudem wird es die Sicherung des Gesamtgebäudes, das heißt aller 16 Sektoren, geben und dessen Ertüchtigung hinsichtlich Dach, Fassaden, Brandschutz, Fenster, Zugänglichkeit. Dies gibt der Stadt Nürnberg perspektivisch in einem weiteren Schritt die Möglichkeit, die verbleibenden sechs Sektoren als Depot- und Lagerraum für die städtischen Sammlungen und das Stadtarchiv zu ertüchtigen und darüber hinaus auch für Zwecke außerhalb von Kunst- und Kulturgütern zu nutzen. Der Kulturausschuss des Stadtrats hat die Verwaltung bereits im Jahr 2016 damit beauftragt, die Kongresshalle auf ihre Eignung als Ort für ein städtisches Zentraldepot zu untersuchen. Eine anschließende bauliche Machbarkeitsstudie im Jahr 2020 bestätigte grundsätzlich die Eignung. Der Bedarf an Lager- und Depotflächen für die Museen der Stadt Nürnberg, das KunstKulturQuartier, das Stadtarchiv und das Amt für Kultur und Freizeit wurden ermittelt und entsprechende technische Anforderungen abgefragt. Die Informationstage zur Kongresshalle mit kostenlosen

Rundgängen durch sonst nicht zugängliche Bereiche durch die Kongresshalle am 13. und 20. November 2021 wurden mit einem weiteren Rundgangstag am 20. August 2022 fortgesetzt. Zudem wurden Inhaltlichfokussierte Themenfelder in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten in der Öffentlichkeit verhandelt: Das World Café zur Zukunft der Kongresshalle am 30. November 2021 brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst und Kultur, Politik und Wissenschaft zusammen, um die Potentiale der zukünftigen kulturellen Nutzung der Kongresshalle – insbesondere die Verbindung von Erinnerungskultur und Kunst – zu diskutieren. Neue Wege in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus diskutierten am 3. Dezember 2021 Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer, Dr. Axel Drecoll, Prof. Dr. Claus Leggewie und Prof. Dr. Meron Mendel. Die Diskursveranstaltung „Wie viel Kunst darf sein?“ am 18. Juli 2022 mit Persönlichkeiten aus Literatur, Theater und Film trug dazu bei, künstlerische Zugänge zur Kongresshalle sichtbar zu machen. Die Doppelausstellung im K:osk93 und im Offenen Büro des Stadtplanungsamtes zeigte zwischen dem 24. Januar und 20. Februar 2022, wie vielfältig der Blick von visueller Kunst, Architektur, Musik und Film auf die Architekturrelikte des Nationalsozialismus in Nürnberg ist. Die diversen Veranstaltungen bilden dabei eine Grundlage für die kulturelle Entwicklung der Kongresshalle. Die weiter fortschreitende Konturierung des Projekts der Ermöglichungsräume mittels eines partizipativen Prozess überzeugte auch den Bund: Die Stadt Nürnberg erhielt im September 2022 die Zusage für eine Förderung der Ermöglichungsräume in Höhe von 20 Millionen Euro aus dem Programm KulturInvest. Den partizipativen Prozess gilt es auch in Zukunft fortzusetzen, um die Anforderungen der unterschiedlichen künstlerischen Sparten an Räumlichkeiten und Infrastruktur gemeinsam mit den Planungsbüros in einem an das Gebäude angepassten Raumprogramm produktiv zu definieren. Dem Stadtrat wird ein entsprechender Entwurf vorgelegt werden. Von besonderer Bedeutung ist hierbei eine Synchronisierung von Planung und Umsetzung mit der am 15. Dezember 2021 durch den Stadtrat beschlossenen Verortung einer Ausweichspielstätte für die Sparten Musik- und Tanztheater des Staatstheaters Nürnberg. Die Grundertüchtigung der Kongresshalle ist die Grundlage für spezifische Lager- und Depotflächen. Die unterschiedlichen technischen Anforderungen der städtischen Einrichtungen an die Depot- und Lagerflächen müssen baulich geprüft, perspektivisch wirtschaftlich geplant und synergetisch mit den anderen kulturellen Nutzungen in den Rundbau integriert werden. In Fortführung des Beteiligungsprozesses mit den Akteurinnen und Akteuren der Kunst- und Kulturszene sollen außerdem inhaltliche Fragen nach einer Betriebsstruktur, Synergien mit der Opernhausausweichspielstätte und dem Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in diversen Veranstaltungsformaten diskutiert und konkretisiert werden. Der Fokus soll hierbei auch wieder auf einer Vielschichtigkeit von Angeboten liegen. Im Frühjahr 2023 soll in der Kongresshalle eine erste Kunstausstellung in einem „Pop-Up“-Format stattfinden, die erste Erfahrungen von Kunstausstellungen in der Kongresshalle sichtbar machen wird. Eine Evaluation der Perspektive der Besuchenden, aber auch der Künstlerinnen und Künstlern ist ein fruchtbarer Input für die inhaltliche Konzeption der Ermöglichungsräume. Weitere Formate befinden sich in Planung. Auf Grund der hohen Nachfrage nach den öffentlichen Rundgangstagen wird am 19. November 2022 Bürgerinnen und Bürgern wieder die Möglichkeit gegeben, sich in kostenlosen Rundgängen einen Eindruck von den Innenräumen der Kongresshalle zu verschaffen. Je nach Baufortschritt wird im Jahr 2023 mindestens ein weiterer Rundgangstag stattfinden.

Bahnhof Märzfeld

Die Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände als Ort nationalsozialistischer Selbstdarstellung kann nicht ohne Berücksichtigung der Verbrechenskomplexe des NS-Regimes im Allgemeinen und speziell nach Kriegsbeginn 1939 auf dem Gelände selbst erfolgen. Der vormalige Bahnhof Märzfeld im Eigentum der Deutschen Bahn AG steht als Erinnerungsort für die lange Zeit nicht im öffentlichen Bewusstsein präsente Geschichte des Geländes während des Zweiten Weltkriegs. Die weiterhin im Betrieb befindlichen Gleisanlagen dienten sowohl dem Antransport von Kriegsgefangenen aus ganz Europa sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern vorrangig aus den Ländern der früheren Sowjetunion als auch als Ausgangpunkt zweier Massendeportationen von jüdischen Einwohnerinnen und Einwohnern aus ganz Nordbayern 1941 und 1942. 2. BM/ZEP ist seit Längerem mit unterschiedlichen Gesprächspartnern der Deutschen Bahn bzw. Tochtergesellschaften über eine Verbesserung der Aufenthalts- und Informationssituation vor Ort im Gespräch. Bereits im Integrierten Stadtentwicklungskonzept für den Nürnberger Südosten wurde dies 2015 als gesamtstädtische Aufgabe benannt. Zusammen mit KuM/3-1 konnte dem Kulturausschuss bereits 2016 ein erstes gestalterisches Konzept als Grundlage zu eruierender Kosten vorgelegt und an die Deutsche Bahn übermittelt werden. Im Februar 2022 wurde dies nun durch KuM/3-1 weiter präzisiert, wozu

auch die Ergebnisse eines internationalen Forschungs- und Ausstellungsprojektes zum „Gelände im Krieg“ beigetragen haben. Seitens der Deutschen Bahn wurde die Thematik des Umgangs mit dem früheren Bahnhof Märzfeld und seiner Geschichte zwischenzeitlich fest auf Ebene der Konzernspitze im Bereich des Landesbeauftragten für Bayern verankert. 2. BM/ZEP ist hier im Austausch und koordiniert weiterhin das Vorgehen. Am 25. März 2022 wurde dem Kulturausschuss auf Grundlage der geführten Gespräche ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung der gewünschten Verbesserungen am historischen Erinnerungsort vorgelegt. In Abstimmung mit der Deutschen Bahn sollen diese bis zum 20. April 2025, dem 80. Jahrestag der Befreiung der Kriegsgefangenenlager Langwasser durch die US-Armee, umgesetzt werden. Noch 2022 soll eine gemeinsame Förderstruktur erarbeitet und mit konkreten Finanzierungsvorschlägen hinterlegt werden, die dem Stadtrat zum Beschluss für 2023 über das weitere Vorgehen dienen sollen.

 Ausweichspielstätte der Oper Ausgehend von dem Beschluss des Stadtrats vom 15. Dezember 2021, wonach im "Rahmen des Vergabeverfahrens von den Bietern Fachbeiträge zu einer denkbaren Platzierung des Ergänzungsbaus abgefragt werden" sollen, hat die Verwaltung am 2. Mai 2022 insgesamt acht international renommierte Architekturbüros mit städtebaulichen Gutachten beauftragt. Im Rahmen eines (auch per Live-Stream übertragenen) Hearings waren am 16. Mai insgesamt 60 Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Akteure der Stadtgesellschaft eingeladen, ihre Positionen öffentlich zu formulieren und in das Verfahren einzubringen. Nach einer fachlichen Vorprüfung präsentierten die acht Büros am 30. Juni 2022 ihre Gutachten. Ein hochkarätig besetztes Beratungsgremium sprach die Empfehlung aus, den Ergänzungsbau für das Interim – Bühnenraum, Orchestergraben, Zuschauerraum und zwingend bühnennahe Nebenflächen – an der nordwestlichen Innenseite des Kongresshallen-Torsos zu verorten. Alle anderen Funktionen des Theaterbetriebs sollen, baulich verbunden mit dem Ergänzungsbau, im Bestand der Kongresshalle verortet werden. Gleichfalls ausgehend vom Ratsbeschluss vom 15. Dezember 2021 hat die Verwaltung die erforderlichen Vergabeverfahren für die Planungsleistungen durchgeführt und nach Beschluss durch die zuständigen Ratsgremien beauftragt sowie eine gemeinsame Projektstruktur zwischen den Vorhaben der Etablierung kultureller Ermöglichungsräume im Rundbau der Kongresshalle und der Ausweichspielstätte für ein Operninterim in der Kongresshalle erarbeitet. Aktuell zentrale Aufgabe ist die Klärung der Finanzierung und die Aufstellung einer Förderstruktur.

 Kulturförderung Zu den im Geschäftsbereich Kultur angesiedelten Fördermöglichkeiten (Kultur in der Stadt, Fonds für Initiativgruppen, Fördertopf Kindertheater, feste Kostenstellen, Heimatpflege sowie den Kulturpreisen der Stadt Nürnberg) finden sich nähere Informationen in der Anlage.

 Höhepunktveranstaltungen

Rückschau auf den Festivalsommer 2022

Das Projektbüro stand vor einem Jahr vor der Herausforderung, die kulturellen Großveranstaltungen „Die Blaue Nacht“, „Bardentreffen“, „Klassik Open Air“, „Stars im Luitpoldhain“ und „Stadt(ver)führungen“ mit vielen Unwägbarkeiten und Planungsvorläufen von bis zu zehn Monaten vorzubereiten und durchzuführen. Unsicher war, welche Corona-Regelungen von Mai bis September 2022 gelten würden, welche Engpässe es beim Personal der Veranstaltungsbranche geben würde, mit welchen Ausfällen man rechnen müsse und vor allem mit welcher Bereitschaft die Gesellschaft die niedrigeschwelligen Kulturangebote nach zwei Lockdowns annehmen würde. Heute lässt sich feststellen: Alle Veranstaltungen wurden von der Stadtgesellschaft sowie regionalen Tourist*innen und internationalen Gästen mit großem Interesse angenommen. Das Publikum stimmte mit den Füßen ab: 140.000 Menschen strömten zur Blauen Nacht, rund 200.000 Musikbegeisterte besuchten das Bardentreffen, 150.000 Klassik-Liebhaber*innen genossen die Klassik Open Airs samt Familienkonzert der beiden Nürnberger Orchester, 60.000 Jazz-Fans lauschten den Stars im Luitpoldhain und ca. 15.000 Besuche verzeichneten die Stadt(ver)führungen. In Summe ca. 550.000 Besucher*innen. Die Festivals binden die lokalen Szenen in neue Zusammenhänge ein und machen sie der Stadtgesellschaft bekannt. 210 Ensembles und Künstler*innen treten bei der Blauen Nacht in 70 Kultureinrichtungen auf. Beim Weltmusikfestival Bardentreffen, bei dem sich Nürnberg einmal mehr

als „Stadt der Menschenrechte“ präsentiert und die Stadtgesellschaft ein Fest der Toleranz, des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Miteinanders feiert, sind es im offiziellen Bühnenprogramm rund 250 (inter-)nationale Musiker*innen und ca. 150 aus Nürnberg und der Region, sowie mehrere hundert lokale Straßenmusiker*innen. Bei den Stadt(ver)führungen beteiligen sich 350 Akteur*innen der Stadtgesellschaft. Beim Klassik Open Air sind es die beiden großen Orchester der Stadt. Mit Medienpartnern wie dem Bayerischen Rundfunk wurde das Image der Kulturstadt Nürnberg weit über die Grenzen der Region, mit dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte sogar europaweit über die Grenzen Deutschlands hinausgetragen und bekräftigt. Folglich war - allen Widrigkeiten zum Trotz - die Entscheidung der Kommunalpolitik richtig, zurück zu den Höhepunktveranstaltungen zu kehren. Diese Traditionsfestivals ermöglichen gesellschaftliche Glücksmomente, beleben die Innenstadt und stärken insbesondere in Krisenzeiten den Tourismus (ca. 10 Mio. € Umwegrendite pro Jahr!) und das soziale Miteinander in Nürnberg.

Ausblick 2023

Die Planungen für 2023 sind bereits vollumfänglich im Gange. Eröffnet wird die Festivalsaison des Projektbüros durch Die Blaue Nacht am 6. Mai (mit Preview des Kunstwettbewerbs am 5. Mai) unter dem Motto „Botschaften“. Das Bardentreffen findet vom 21. – 23.7.2023 statt und geht thematisch der Frage „Global Pop aus Deutschland?“ nach. Die Klassik-Open-Air-Konzerte werden am 30. Juli mit der Staatsphilharmonie Nürnberg (letzter Auftritt der Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz und am 5. August mit den Nürnberger Symphonikern im Luitpoldhain durchgeführt. Das Galeriewochenende zur Förderung der lokalen Kunstszene RathausART findet in den Räumen des Alten Rathauses vom 8. bis 10. September statt, die Stadt(ver)führungen stehen vom 15. bis 17. September unter dem Motto „Schlüsselmomente“. Zusätzlich zu den o.g. Traditionsveranstaltungen realisiert das Projektbüro vom 22. September bis 8. Oktober 2023 ein Festival an der Stadtmauer (Arbeitstitel „Mauerblümchen“), das mit bereits bewilligten Mitteln des Sonderfonds zur Belebung der Innenstädte aus dem Bayerischen Städtebauförderprogramm (120.000 €) und Mitteln des Gesamthaushalts (30.000 €) finanziert wird. Die künstlerische Bespielung des südlichen Stadtgrabens sowie angrenzender Gärten, Türme oder der neu geschaffenen Fußgängerzone in der Königstraße rückt wenig beachtete, „abseitige“ Orte in einen neuen Kontext. Zur Unterstützung der lokalen Kulturszene sind Kooperationen mit u.a. hiesigen Kunstschaffenden aus den Bereichen Bildende Kunst, Performance oder Literatur vorgesehen. Durch die gestiegenen Kosten bei der Errichtung der Festival-Infrastruktur sowie der Personalkosten durch die Anpassung des Mindestlohns für die Veranstaltungshilfskräfte, bleibt die Finanzlage bei 2.BM/Pb weiter angespannt, die Refinanzierung durch Drittmittel ist mit ca. 70% glücklicherweise sehr hoch, aber auch volatil und Abhängig von Witterung sowie Bereitschaft zum Sponsoring. 2.BM/Pb bemüht sich weiterhin intensiv um die Akquise von Förderern und zieht zusätzlich Gebührenerhöhungen zur Kostendeckung in Betracht. Unterstützt werden die Kulturfestivals von: Albrecht-Dürer-Airport, Bayerischer Rundfunk, Bayern LB, Datev, ESW Bayern, Funkhaus Nürnberg, GEMA, GMN, Henriette-Schmidt-Burkhardt-Stiftung, Hüttinger Interactive Exibitions, Koch Invest, Lebkuchen Schmidt, N-Ergie Aktiengesellschaft, NÜRNBERGER Versicherung, Sparda-Bank Nürnberg, Sparkasse Nürnberg, Schutzverband Nürnberger Rostbratwürste, VAG, wbg Nürnberg.

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