Zielgruppenspezifische Aktivitäten für Bewe-
gung und Sport
Inhalt A. Einführung ...................................................................................................................... 1 B. Inklusion im Sport ........................................................................................................... 1 C. Frauen in Sportvereinen ................................................................................................. 5 D. Menschen mit geringem Einkommen .............................................................................. 7 E. Migrantinnen und Migranten ........................................................................................... 8
A. Einführung
Im Rahmen der Anträge „Sport für alle“ der SPD Stadtratsfraktion vom 19.09.2019 und „Inklusion im Nürnberger Sport“ der CSU Stadtratsfraktion vom 26.09.2022 wurde über den Sachstand und die Möglichkeiten der Einbindung verschiedener Zielgruppen in den Sport und in die Sportvereine Auskunft erbeten. Im Folgenden wird entsprechend näher auf die Zielgruppen Menschen mit Beeinträchtigung, Frauen, Menschen mit geringem Einkommen sowie Migrantinnen und Migranten eingegangen.
B. Inklusion im Sport
B.1 Jahr der Inklusion 2023
Im Laufe der letzten Wochen und Monate hat sich gezeigt, dass das Host Town Program 2023 die erwünschte Strahlkraft besitzt um Akteurinnen und Akteure für Inklusion in Nürnberg zu begeistern. Immer mehr Menschen, Dienststellen, Sport- und andere Vereine, Schulen, so wie Institutionen der offenen Behindertenarbeit zeigen Interesse sich im Rahmen des Host Town Programs 2023, aber auch weit darüber hinaus für eine inklusivere Stadt einzusetzen und zu engagieren. Schon jetzt kann man feststellen, dass es mit dem Projekt Host Town Program 2023 gelingt, all diese Gruppen besser miteinander zu vernetzen. Und es gelingt eben auch, mit diesem Projekt diejenigen zu begeistern, die sich bis dahin nicht oder nur wenig mit dem Thema Inklusion beschäftigt haben.
Diese sehr positive Dynamik zeigt, dass die Teilnahme am Host Town Program 2023 die richtige Entscheidung war. Zusammen mit den Verantwortlichen für die Umsetzung des Aktionsplans der UN-BRK in Nürnberg soll diese Veranstaltung genutzt werden um Inklusion in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sichtbar zu machen und sie Schritt für Schritt umzusetzen.
Diese positive Dynamik soll genutzt werden, um 2023 zum „Jahr der Inklusion im Sport“, aber auch in allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, zu machen, denn die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, dass mit dem Besuch der Delegation im Juni endet der Weg hin zu einer inklusiveren Stadt nicht endet.
Folgende Aktionen und Projekte könnten im Rahmen des Inklusionsjahres 2023 umgesetzt werden:
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Familiensportfest am Hauptmarkt
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Special Olympics Turnier oder Wettkampf in Nürnberg
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Spendenlauf rund um den Wöhrder See mit Einbindung der Inklusions-Cafés
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Kinderfest für Grundschulen (Sport mit Handicap ausprobieren in Zusammenarbeit
mit KUF und / oder BLSV)
- Wettbewerb für Schulen und / oder Kindergärten (Malaktion oder Geschichten zum
Thema Inklusion mit anschließender Ausstellung und Prämierung
- SPO Sportlerinnen und Sportler bei bestehenden Sportveranstaltungen, die noch
nicht inklusiv sind mit einzubinden
- Schulungen für Vereine / Übungsleiterinnen und –leiter / Kampfrichterinnen und –
richter / Schiedsrichterinnen und –richter
-
Spieltagaktionen mit weiteren Bundesligavereinen (Ice Tigers, Falcons…)
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Wettbewerb zur Förderung eines neu geschaffenen inklusiven Sportangebotes im
Rahmen des Team Nürnbergs mit Preisverleihung Ende 2023
- Schulprojekt für Mittel- oder Oberstufe: Wo ist Nürnberg barrierefrei, Einträge in
Wheelmap (App für Barrierefreiheit)
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Organisation eines Schülermarathons im Rahmen des Metropolmarathons 2024
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Fotoprojekt mit der Berufsschule 6 mit anschließender öffentlicher Ausstellung
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Teilnahme an den Nürnberger Sportdialogen
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Schaffung einer Online Plattform „Nürnberg inklusiv“, die Angebote und Anfragen
bündelt und vermittelt
- Symbolische Unterzeichnung einer Vereinbarung hin zur Inklusionsstadt beim Fest-
abend des Delegationsbesuches
Ressourcen
Die Anforderungen, die der Besuch der Delegation in Nürnberg so wie die bisher geplanten Aktionen im Rahmen des Host Town Programs mit sich bringen, sind sehr arbeitsintensiv und haben gezeigt, dass es noch viele weitere Bereiche in der Stadt gibt, deren Bearbeitung sich im Rahmen einer inklusiven Stadt anbieten. Die durchweg positive Resonanz und Energie auf das Projekt kann genutzt werden um den Weg hin zur inklusiven Stadtgesellschaft weiter zu gehen.
Bewertung
Mit dem Host Town Program und dem Jahr der Inklusion können langfristige Netzwerke und Engagements gebildet und Vorurteile und Berührungsängste abgebaut werden. Die übergreifende Arbeit mit Schulen, Berufsschulen, OBAs, Vereinen, Wirtschaftsverbänden, der Politik, einzelnen städtischen Dienststellen und privaten Personen hilft den Blick hin zur Inklusion in vielen Bereichen neu zu schärfen und zu erweitern. Das Einbeziehen unterschiedlichster Gruppierungen in das Projekt und die über das eigentliche Event hinausgehenden Veranstaltungen im geplanten Inklusionsjahr stärken das Netzwerk und bauen es nachhaltig aus. Das Thema Inklusion wird sichtbar gemacht und Barrieren werden nach und nach gemeinsam abgebaut.
B.2 Host Town Program 2023 im Rahmen der
Special Olympics World Games Berlin 2023
Steuerungsgruppe Host Town Program 2023
Die Planungen für das Host Town Program 2023 werden über eine eigens dafür ins Leben gerufene Steuerungsgruppe koordiniert. Diese besteht aus:
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SportService
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Referat IV
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SHA (Nürnberg inklusiv)
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KUF
-
Freizeitnetzwerk Sport
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Privatpersonen
Aus der Steuerungsgruppe heraus werden alle Planungen, Projekte und Termine auf kurzen Wegen gemeinsam gesammelt und an das Netzwerk weitergegeben. Alle Mitglieder der Steuerungsgruppe – ausgenommen SportService – betreuen das Projekt zusätzlich innerhalb der Dienststellen oder als Privatperson ehrenamtlich und ohne eigens dafür bereitgestelltes Budget.
Stand der Planungen
Am 10.10.2022 fand ein erstes Kennenlerngespräch mit der österreichischen Delegation statt. Hier wurde seitens der Delegation die voraussichtliche Zusammensetzung der Gruppe und die Disziplinen vorgestellt.
Training in Nürnberg
Welche Sportarten tatsächlich während des Delegationsbesuches in Nürnberg trainieren werden, steht noch nicht fest, denn dies steht den Athletinnen und Athleten frei. Trainingseinheiten werden an zwei Vormittagen angeboten und nach Möglichkeit zusammen mit den jeweiligen Sportverbänden koordiniert. Als Trainingsstätte bietet sich die Bertolt-Brecht-Schule für die meisten Sportarten an, deren Belegung bereits angefragt und reserviert ist. Konkrete Belegungen können erst erfolgen, sobald die Trainingsgruppen bekannt sind.
Unterkunft und Verpflegung der Delegation
Die Delegation wird voraussichtlich in einem Hotel in der Innenstadt untergebracht werden. Das bevorzugte Hotel wurde mit Unterstützung der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg ausgewählt. Das Haus ist zertifiziert für „Reisen für Alle“ und erfüllt den Großteil der umfangreichen, durch das Local Organizing Committee, gestellten Anforderungen. Die Verpflegung der Delegation wird zum einen durch das Hotel gewährleistet werden, aber auch in Zusammenarbeit mit der noris inklusion und der Lebenshilfe Nürnberg realisiert werden.
Vier- Tages – Programm
Das Tagesprogramm für den viertägigen Besuch steht soweit fest und wurde von der österreichischen Delegation wohlwollend angenommen:
An den Vormittagen wird jeweils Training angeboten. Es werden auch Führungen und Besichtigungen von Schulen, Behindertenwerkstätten und Sportstätten geplant.
Am Nachmittag und Abend des 13. Juni 2023 findet der Städteachsentag mit den Partnerstädten Fürth und Erlangen statt, welcher Bestandteil der gemeinsamen Bewerbung war. Fürth wird mit einer ca. vierzigköpfigen Delegation aus Venezuela, Erlangen mit einer ca. achtzigköpfigen Delegation aus Serbien teilnehmen.
Gemeinsam mit der Klasse der Freizeitkaufleute der Berufsschule 14 in Nürnberg werden am Nachmittag verschiedene Stadtführungen angeboten. Die Berufsschule nutzt das Host Town Program als Projekt, welches die Schülerinnen und Schüler zum Abschluss ihrer Ausbildung organisieren müssen. Einbezogen werden hier alle Organisationen in Nürnberg, die Stadtführungen anbieten. Am Abend findet dann mit allen Delegationen und Vertretern der drei Städte (ca. 320 Personen) ein großer Festabend unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministers Joachim Herrmann in Nürnberg statt. Eine Location hierfür wird noch abschließend ermittelt.
Rahmenprogramm Host Town Program 2023 / Projektstand
Die Teilnahme am Host Town Program eröffnet der Steuerungsgruppe neue Möglichkeiten, um den Weg Nürnbergs zu einer inklusiveren Stadt zu unterstützen. Nach der ersten Auftaktveranstaltung im Juni 2022 ist ein großes Netzwerk entstanden, das im Rahmen des Host Town im laufenden und kommenden Jahr Aktionen und Projekte, auch mit langfristiger Wirkung plant:
- Mottospieltag „Inklusion“ beim 1. FCN (08. oder 09.04.2023) mit dem Ziel mehr Barriere-
freiheit im Stadion zu schaffen
-
Mottospieltag „Inklusion“ beim HC Erlangen
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Kommunikationstafeln an stark frequentierten Spiel- und Begegnungsplätzen für Kinder
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Kooperationen mit Schulen und Hochschulen in den Bereichen Projektplanung (Besuch
am Erfahrungsfeld der Sinne und Stadtführungen) und Volunteers
- Workshops und Schulungen für Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten
und Volunteers durch den Paritätischen Wohlfahrtsverband
- Host Town Program 2023 als Thema für Bachelor-, Master-, oder Seminararbeiten an
Hochschulen und Berufsschulen
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Teilnahme an der Inklusionskonferenz im März 2023
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stärkere Vernetzung der einzelnen Akteure in Nürnberg
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Unterstützung durch Lions Club Nürnberg
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Marketingaktion mit Erlebnis Nürnberg
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5x 5.000 € über Aktion Mensch für Projekte unter dem Motto #1Barriereweniger, z.B.
weniger Barrieren im Max-Morlock-Stadion, Kommunikationstafeln, usw.
- Informationsveranstaltung für Nürnberger und Fürther Vereine zum Thema Special
Olympics durchgeführt von Special Olympics Bayern
C. Frauen in Sportvereinen
C.1 Faktenlage
Nach einer Umfrage des Amts für Stadtforschung und Statistik (StA) aus dem Herbst 2015 zeigen sich zwischen Männern und Frauen in Nürnberg insgesamt keine Unterschiede in der sportlichen Aktivität, lediglich in einzelnen Altersgruppen. Vor allem in der Altersgruppe 25- 29 Jahre sind Frauen seltener sportlich aktiv.
Zum Frauenanteil in Nürnberger Sportvereinen liegen die Zahlen des Bayerischen Landes- Sportverbandes (BLSV) vor. Sie machen deutlich, dass die Verteilung der Mitgliedschaften auf Frauen und Männer seit mehreren Jahren gleich sind. Dieser Trend zeigt sich auch im Vergleich zu den Zahlen in Mittelfranken und in Bayern, der Frauenanteil liegt bei ca. 40 Prozent. Frauen sind folglich unterdurchschnittlich im Sportverein vertreten.
2. Frauenanteil
| 2010 2015 2016 2017 2018 Verein gesamt | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Вayern gesamt | 38,5% | 38,3% | 38,2% | 38,3% | 38,3% |
| Мittelfr. gesamt | 39,5% | 39,4% | 39,4% | 39,6% | 39,7% |
| Пürnb. gesamt | 38,8% | 38,0% | 37,9% | 37,9% | 37,9% |
(Grafik aus: BLSV – Mitgliederstatistik)
Dies kann an der Angebotsstruktur der Sportvereine liegen. Zur Sportart Fußball, mit den meisten Mitgliedern in Nürnberg, fühlen sich z.B. in Nürnberg nur wenige Frauen hingezogen (Frauenanteil in 2018 laut BLSV Kreis Nürnberg: 18,5%). In Turnabteilungen sind ca. 67% weibliche Mitglieder organisiert. So ergibt sich zum Beispiel beim Post SV Nürnberg e.V. als größten Nürnberger Verein ein Frauenanteil von 54%.
Da die Stadt Nürnberg kein Sportanbieter ist, sondern nur vorhandene Mitglieder in Sportvereinen (unabhängig ob männlich oder weiblich) bezuschusst, liegt an dieser Stelle keine strukturelle Benachteiligung von Frauen vor.
Um den Frauenanteil in Nürnberger Vereinen im großen Stil über Zuschüsse dennoch zu erhöhen, müssten entsprechend einzelne Sportarten speziell gefördert werden. Hieraus lässt sich also kein direkter Handlungsbedarf ableiten. Allerdings treiben Frauen insgesamt laut Umfrage von StA ähnlich viel Sport wie Männer. Des Weiteren könnte die Stadt auf diesem Weg nur Anreize setzen. Ob die Sportvereine deshalb ihr Portfolio zugunsten von mehr Angeboten, die von Frauen bevorzugt werden, ändern würden, liegt außerhalb des direkten Einflussbereichs der Stadtverwaltung. Hier spielen sicherlich noch andere Einflussgrößen wie z.B. die Anzahl an verfügbaren Personen, die Verantwortung übernehmen möchten, eine Rolle.
C.2 Mögliche zusätzliche Maßnahmen: „Frauen in Bewegung“
Aus den oben genannten Gründen würde SpS an dieser Stelle eine enger ausgerichtete Vorgehensweise bevorzugen, um gezielt für Frauen mit Migrationshintergrund und/oder in schwierigen Lebenslagen die Barrieren zu Bewegung und Sport abzubauen. Hierfür wurde bereits im Jahr 2009 das Projekt „Frauen in Bewegung“ von der Stadtverwaltung ins Leben gerufen.
Es wurden u.a. von Frauen angeleitete Sport- und Bewegungskurse im Sportverein (mit Kinderbetreuung) für Frauen initiiert und unterstützt. Darüber hinaus wurde eine Broschüre „Frauen in Bewegung“, in der über 100 Sport- und Bewegungsangebote für Frauen zusammengestellt waren, erstellt und verteilt. Außerdem wurden Frauen ab 16 Jahren mit Migrationshintergrund über die mehrtägige Ausbildung „Sportassistentin interkulturell“ in Kooperation mit anderen Kommunen und dem BSLV an die Tätigkeit als Übungsleiterin herangeführt.
Die Federführung des Projektes „Frauen in Bewegung“ lag zu Beginn bei SpS (Konzeptionierung, Organisation, Umsetzung der Information über Sportangebote für Frauen, Anregung eines Netzwerkes zwischen möglichen Beteiligten sowie die Sorge für die Finanzierung der ersten Projektphase). Im Weiteren wurden die Voraussetzungen geschaffen, das Angebot über den Sportverein selbst anzubieten. Hier konnte das Projekt BIG einsteigen: durch finanzielle Unterstützung und die Schaffung der Stelle einer „Starthelferin“ konnte der Kontakt zur Zielgruppe gehalten, ausgebaut und neue Kurse entwickelt werden.
Das Projekt BIG, und damit die Finanzierung der Kurse und der Honorarkosten für die Starthelferin, wurden Ende 2010 beendet. Der SportService prüfte intensiv gemeinsam mit dem Gesundheitsamt, dem Sozialreferat, dem Frauenbüro, dem BLSV und dem Amt für Kultur und Freizeit (Koordination des Integrationsprogramms) Möglichkeiten, Sport- und Bewegungsangebote für Frauen in benachteiligten Lebenslagen zu unterstützen. Aufgrund der angespannten städtischen Haushaltslage waren aber in keiner der beteiligten Dienststellen Ressourcen gegeben, die vom Projekt BIG vorgegebenen Rahmenbedingungen umzusetzen, insbesondere, weil dies mit der Schaffung von Projekt-Stellen verbunden gewesen wäre.
Um das Projekt wiederaufleben und in die Breite bringen zu lassen, würde weiterhin eine Koordinatorin in Höhe von ca. einer halben Vollkraftstelle benötigt. Sie könnte z.B. die Broschüre „Frauen in Bewegung“ wieder auflegen, die Ausbildung von Übungsleiterinnen mit Migrationshintergrund anschieben, neue Vereinsangebote „von Frauen für Frauen“ unter Einbindung der Sportvereine initiieren und einen Frauensporttag organisieren. Vereinsprojekte können bereits jetzt über den bereits existierenden „Sonderzuschuss Vereinsentwicklung“ Zuschüsse erhalten.
D. Menschen mit geringem Einkommen
D.1 Faktenlage
Im Jahr 2008 trieben nur 47,6% der Menschen mit geringem Einkommen (unter 1.000 Euro) in Nürnberg Sport, nur 13,8% der Zielgruppe waren Mitglied in einem Sportverein.
Um an einem Sportvereinsangebot dauerhaft teilnehmen zu können, müssen Mitgliedsbeiträge bezahlt werden. Dies kann eine finanzielle Barriere für die Teilnahme bedeuten. Die gegenwärtigen Mitgliedsbeiträge lagen 2020 im Durchschnitt bei 154 Euro (Vereine mit eigenen Sportstätten) bzw. 124 Euro (Vereine ohne eigene Sportstätten) pro Jahr.
Um bei der Stadt Nürnberg die Kriterien für die Sportförderung zu erfüllen, muss ein Verein u.a. monatliche Mindestbeiträge in Höhe von 10 Euro für Erwachsene (Mitglieder ab 18 Jahre) und 5 Euro für Kinder und Jugendliche (Mitglieder bis 18 Jahre) von seinen Mitgliedern erheben. Familienbeiträge sowie Beitragsermäßigungen für bestimmte Gruppen (z.B. Schüler, Auszubildende, Rentner, Passive) oder aus sozialen Gründen für Einzelfälle stehen der Förderung nicht entgegen.
Dies ermöglicht den Vereinen, Ermäßigungen für bestimmte Zielgruppen festzulegen, ohne die Förderfähigkeit zu verlieren. So ist z.B. der Grundbeitrag beim Post SV Nürnberg e.V. für Nürnberg-Pass Besitzer von 15 Euro auf 8 Euro reduziert. Eine gesonderte Statistik, wie viele Vereine Ermäßigungen für welche Zielgruppen in welcher Höhe anbieten, liegt nicht vor.
Um finanzielle Hürden zum Beitritt in einen Sportverein zu überwinden gibt es in Nürnberg zwei dauerhafte Werkzeuge: die Bildungs- und Teilhabe Gutscheine Rahmen der „Leistungen für Bildung und Teilhabe“ und die Aktion „Hinein in den Sportverein“. Im Schuljahr 2021/2022 verteilte der Freistaat Bayern zudem Gutscheine in allen Grundschulen für eine Vereinsjahresmitgliedschaft bei Neueintritt.
D.2 Leistungen für Bildung und Teilhabe
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, welche die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, erhalten 15 Euro pro Monat für soziale und kulturelle Teilhabe in Form von Gutscheinen. Neben der Mitgliedschaft im Sportverein können auch weitere sportbezogene Leistungen wie zum Beispiel Gebühren im Tanzstudio, im Kampfsportcenter oder in der Schwimmschule Berücksichtigung finden.
Die Leistung „soziale und kulturelle Teilhabe“ ist in die drei Rubriken Kunst und Kultur, Freizeit und Bildung, Sport und Bewegung gegliedert.
Letztere ist die größte Rubrik: im Jahr 2019 rechneten 95 Nürnberger Vereine für 1.678 Kinder und Jugendliche Teilhabegutscheine in einem Wert von 167.951,60 € mit dem Dienstleistungszentrum BUT des Sozialreferats ab. Weitere 77.013 Euro wurden über andere Sportanbieter eingereicht. Die Zahlen waren im Vergleich zu vergangenen Jahren auf einem stabil hohen Niveau. Ca. 69% der leistungsberechtigten Kinder nahmen ebenfalls Leistungen in Anspruch.
D.3 Aktion „Hinein in den Sportverein“
„Hinein in den Sportverein“ ist ein gemeinsames Projekt des Sozialreferats und des SportService. Die Aktion stellt eine Ergänzung zu der Übernahme der Mitgliedsbeiträge
durch Gutscheine des Bildungs- und Teilhabepakets dar. Zusammen mit Nürnberger Sportvereinen wird das Motto „Bewegung und Sport für alle“ gezielt verfolgt. Über das spendenfinanzierte Projekt erhalten Kinder, Jugendliche sowie junge Erwachsene unter 27 Jahren aus einkommensschwachen Familien eine Förderung.
Unterstützt werden in der Regel Anschaffungen und Gebühren, die über den reinen Mitgliedsbeitrag hinausgehen, für eine aktive Teilnahme im Sportverein aber erforderlich sind (unter anderem Sportbekleidung, Sportgeräte, Trainingslager, Freizeitaktivitäten, Fahrten). Ende des Jahres 2020 zählte die Aktion 41 teilnehmende Sportvereine. In 2021 konnten Unterstützungsleistungen in Höhe von 4048 Euro ausbezahlt und damit Aktivitäten im Sportverein von insgesamt 70 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterstützt werden (24 Anträge für Mitgliedsbeiträge, 11 Anträge für Teilnahme Kindersportschule, 35 Anträge Bekleidung).
D.4 Mögliche zusätzliche Maßnahmen
Gegenwärtig finden in erster Linie Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre aus einkommensschwachen Familien durch die Stadt Unterstützung. 18-27 Jährige können noch in vermindertem Maße profitieren. Ab einem Alter von 27 Jahren greift gegenwärtig keine Maßnahme.
In Nürnberg gibt es aktuell ca. 28.000 Nürnberg-Pass Besitzer ab 27 Jahren (Stand Januar 2022). Um entsprechend mehr Menschen mit geringem Einkommen die Teilhabe an Sport und Bewegung zu ermöglichen, könnte z.B. die Aktion „Hinein in den Sportverein“ auf jedes Alter ausgeweitet werden. Hierzu müsste das Budget der Aktion wesentlich erhöht und ein regelmäßiger Haushaltposten dafür eingerichtet werden, denn gegenwärtig finanziert sich die Aktion aus Spenden. Aufgrund der gegenwärtigen Haushaltssituation erscheint dies schwierig.
E. Migrantinnen und Migranten
E.1 Faktenlage
In der Untersuchung im Rahmen der Sportentwicklungsplanung 2008 unterschied sich der Grad der sportlichen Aktivität der deutschen (64%) deutlich von der nicht-deutschen Bevölkerung (42%).
Im Jahr 2015 wurden allerdings bei der sportlichen Aktivität kaum mehr Unterschiede zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen festgestellt. Unter Befragten mit anderer Staatsangehörigkeit ist der Anteil der sportlich nie Aktiven leicht erhöht. Alle übrigen Unterschiede zwischen Nichtdeutschen und Deutschen mit oder ohne Migrationshintergrund sind so gering, dass sie im Bereich statistischer Schwankungsbreiten liegen. Genauere Betrachtungen einzelner Nationalitäten sind aufgrund geringer Fallzahlen nicht aussagekräftig. (Quelle: Wohnungs- und Haushaltserhebung „Leben in Nürnberg“ vom 11.08.2017).
Aktuelle Zahlen zum Anteil von Migrantinnen und Migranten, die ihren Sport in Sportvereinen ausüben, gibt es nicht. Im Jahr 2008 waren nur ca.10% der nicht-deutschen Bürgerinnen und Bürger Mitglied in einem Sportverein. Gründe für die geringeren Quoten können unterschiedlich sein, z.B. Sprachbarrieren bei der Information über Angebote, keine Kenntnis über die deutsche Vereinskultur, andere Sportkultur.
E.2 „Sport integrativ“
Der integrativen Wirkung des Sports bedient sich die Stadtverwaltung bereits seit 2015: seitdem arbeitet die Stadtverwaltung mit dem Projekt „Sport integrativ“ intensiv an der Einbindung von Geflüchteten in die Sportvereine. Über offene Sportangebote und über speziell ausgebildete Assistenzen (Sportcoaches) als beratende Unterstützung wird Kontakt mit Geflüchteten aufgebaut und der Zugang zum Vereinsleben angebahnt. Der Fokus bei „Sport integrativ“ liegt stark auf Geflüchteten, das Programm ist aber für alle Menschen in Nürnberg offen.
Über das Programm Sport integrativ wurde zuletzt in der Sportkommission am 26.11.2021 und am 24.06.2022 berichtet.