Pilotprojekt Sportstättenentwicklung
im Nürnberger Westen
1. Einführung
In der RWA Vorlage vom 07.07.2022 wurde eine Flächenbilanzierung der Sportstätten in der Stadt präsentiert. Hierbei wurde eine sehr unterschiedliche Versorgungsquantität, abhängig vom jeweiligen Stadtbereich, festgestellt.
Als nächster Schritt sollte ein unterdurchschnittlich mit Sportstätten versorgtes Stadtgebiet in einem Pilotprojekt in Bezug auf vorhandene Potenziale zur Verbesserung der Sportstättensituation untersucht werden. In einem Gremium aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von BGA Stab Stadtentwicklung, STPL, Ref. IV und SpS fiel die Entscheidung auf den Nürnberger Westen.
Die professionelle Begleitung bei der Erstellung der Sportstättenentwicklungsplanung für das Stadtgebiet wurde nach einer Ausschreibung an das Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS) vergeben.
Die finanziellen Mittel des Projekts waren auf 15.000 Euro begrenzt, so dass sich die Ziele auf eine Bestandsanalyse und das Herausarbeiten von Potenzialen zur Verbesserung der Sportstättensituation bezogen. Das Pilotprojekt ist mittlerweile abgeschlossen, der ausführliche Bericht hängt als Anlage an. Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild.
2. Bestandsanalyse
2.1. Sportstättenbestand (Sporthallen und Freisportflächen)
Stark unterdurchschnittliche Versorgung an genormten Freisportflächen und Sporthallen im Vergleich zum städtischen Durchschnitt. Prognostisch vor allem im Westen der Stadt deutliches Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahren, vor allem in den statistischen Bezirken Großreuth bei Schweinau, Eberhardshof und Höfen. Prognostisch unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums und der geplanten Sportstättenneubauten (Tiefes Feld, Grundschule Henry-Dunant) bis zum Jahr 2030 keine Verbesserung der Versorgungsgrade, lediglich Stabilisierung. Perspektivisch weiterhin hoher Nutzungsdruck auf die Hallen und Räume und auf die Freisportanlagen im Westen. bei Begehungen und den Abgleich mit der Auslastungsstatistik der Hallenvergabe, wurde bei den Hallen mit hohem Sanierungsbedarf festgestellt, dass sie auch wenig ausgelastet sind (<40%) (Gymnastikhalle GS St. Leonhard, Carl-von-Ossietzky-Schule Turnhalle und Gymnastikhalle)
2.2. Bestand Bewegungsflächen im öffentlichen Raum
Ungleiche Versorgung der statistischen Bezirke mit Freizeitsportflächen: vier von zehn Stadtbezirken im Untersuchungsgebiet weisen gar keine Flächen für Bewegung auf. Nur zwei der 28 ermittelten Bewegungsflächen sind explizit auch für Erwachsene vorgesehen; bei den anderen finden sich Altersbeschränkungen auf 18 Jahre, teilweise 27 Jahre. Durchschnittlich liegen 0,20m² pro Einwohner Bewegungsfläche im öffentlichen Raum vor; dies ist ein sehr geringer Wert z.B. im Vergleich zu den Zielkennzahlen anderer Städte wie München und Stuttgart (zwischen 0,5m² und 0,8m²) oder im internen Vergleich zum ermittelten Bestand im Stadtbereich Langwasser (0,4m² pro EW); zum gesamten Stadtgebiet liegen noch keine Daten vor.
2.3. Bedarfe Schulsport
Derzeit besteht im Gebiet ein weiterer Bedarf an 6 Übungseinheiten (1 Übungseinheit = 1-fach Halle) für den Hallensport der Schulen Es besteht ein ungedeckter Bedarf an 8 Rasenspielfeldern. Die meisten Schulen sind für den Freisport der Anlage der SG Viktoria zugeteilt, dort steht ein Rasenspielfeld für die Schulen zur Verfügung. Bei den Schulneugründungen GS Tiefes Feld und GS West werden neue Hallen realisiert. Der bestehende Fehlbedarf wird dadurch nur bedingt ausgeglichen, lediglich der entstehende neue Bedarf gedeckt. Die entstehenden Freisportanlagen werden den steigenden Bedarf aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahlen nicht vollständig abdecken können.
3. Potenzialanalyse
Nach der Begehung der Sportanlagen im Untersuchungsgebiet, der Durchführung eines Beteiligungsworkshops mit Bürgervereinen und Interessensgruppen und einer verwaltungsinternen Instruktion konnten 49 Vorschläge zur Verbesserung der Sportstätteninfrastruktur durch IKPS dokumentiert werden. Zusammen mit IKPS wurden diese anschließend strukturiert und die größten Potenzialfelder identifiziert.
3.1. Potenzial: Bewegungsflächen im öffentlichen Raum
Zur Behandlung der Vorschläge, die sich auf Flächen im öffentlichen Raum beziehen, wurde ein Expertenworkshop mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung (J, SÖR, UwA, STPL, Ref. IV, SpS) durchgeführt. Folgende Vorschläge haben sich als realistisch in der Umsetzung erwiesen und werden weiterverfolgt:
Zwischennutzung von Brachflächen
In den Bestandsanalysen (Begehung, Bedarfsanalyseworkshop, Instruktion) wurden viele Flächen ermittelt, die gegenwärtig nicht genutzt werden und deshalb evtl. im Rahmen einer Zwischennutzung für Bewegungsaktivitäten geeignet wären. In der Diskussion bewertete die Expertengruppe temporäre Nutzungen grundsätzlich positiv, sofern die Rahmenbedingungen stimmen (z.B. Fläche in Eigentum der Stadt oder Übereinkunft mit Grundstückseignern). Drei Flächen wurden für eine Zwischennutzung als realistisch eingeschätzt. Hierzu ist jedoch ein Konzept zu erarbeiten, welches u.a. die Punkte Finanzierung, Unterhalt, Ausstattung klärt. J und SpS haben zwischenzeitlich weitere Arbeitsschritte vereinbart, um die Umsetzungschancen von temporären Nutzungen weiter auszuloten.
1. Westpark
Als weiteres Potenzial wurde der Westpark diskutiert. Die Überplanung des Parks in den nächsten Jahren hat für SÖR und J eine hohe Priorität. Auch die intensive Einbindung von Bewegung und Sport wird angestrebt.
2. Bolzplatz Sigmundstraße
Der Bolzplatz des Don Bosco Jugendwerks an der Sigmundstraße ist derzeit aufgrund baulicher Mängel geschlossen. Die Fläche wurde als Freizeitsportfläche aus Sicht der Beteiligten als wichtig eingestuft. J kümmert sich gegenwärtig darum, sowohl die Nutzung wieder möglich zu machen, als auch die Nutzungsvereinbarung zu verlängern (gilt noch bis 2029).
3. Weitere Ansätze
SÖR legte dar, dass man sich auf der Veit-Stoß-Anlage im Bereich der Slacklinevorrichtungen eine sportspezifische Nachrüstung vorstellen könne. Außerdem werde im Zuge einer Neugestaltung des Heinickeplatzes die Möglichkeit gesehen, an den Randbereichen punktuelle Sportangebote zu schaffen.
3.2. Potenzial: Schulsportanlage Dürer-Gymnasium
Wie die Bestandsaufnahme zeigt, ist der Nürnberger Westen mit Freiflächen für Spiel, Sport und Bewegung nur mäßig versorgt. Aus diesem Grund sind Maßnahmen zu treffen, den vorhandenen Bestand an Anlagen zu erhalten und diese zu attraktiveren bzw. qualitativ aufzuwerten.
Die Schulsportanlage des Dürer-Gymnasiums an der Pegnitz bietet ebenfalls großes Potenzial: sie befindet sich in einem desolaten baulichen Zustand und ist seit zwei Jahren gesperrt (Vandalismus). Insbesondere der Fußballplatz wird jedoch von Sportgruppen regelmäßig ohne Genehmigung genutzt.
IKPS schlug vor, für das gesamte Schulsportgelände einen Masterplan zu entwickeln. Ziel soll es hierbei sein, die seit ca. zwei Jahren gesperrte Anlage so zu qualifizieren, dass wieder Schulsport möglich ist und, dass ggf. von Schulen nicht benötigte Teile des Geländes, für weitere Nutzergruppen und/oder die Öffentlichkeit nutzbar werden. Es ergibt sich die Chance einer kompletten Neukonzeptionierung - im Rahmen der förderrechtlichen Bestimmungen - für diese Sportanlage für Nutzungen, die größere Flächen benötigen (z. B. Dirt Park, großer Pumptrack) oder für vielfältige Angebote für den Freizeitsport.
Für eine Ideensammlung und Interessensabwägung wurde ein Workshop unter Beteiligung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Dürer-Gymnasiums, der Stadteilkoordination, SÖR, J, SchA, Ref. IV, HVE SuS und SpS durchgeführt (ausführliches Protokoll im Bericht von IKPS).
Nach Empfehlung von IKPS wird als nächster Schritt in einer Koordinierungsgruppe (SÖR, HvE SuS, SpS, J, Schule) ein Gesamtkonzept entwickelt werden (Masterplan), welches sowohl Überlegungen zur inhaltlichen Ausgestaltung als auch zum Betriebskonzept umfasst. Die Ergebnisse werden der SpK vorgestellt.
3.3. Potenzial: Vereinssportanlage Bertha-von-Suttner
Die Sportanlage der SGV Viktoria Nürnberg-Fürth e.V. bietet großes Erweiterungspotenzial sowohl für den Schul- und Vereinssport als auch für eine Freizeitnutzung.
Nach den gesammelten Vorschlägen soll zum einen ein Teil der Sportanlage als Freisport- und Bewegungsfläche für die öffentliche Nutzung geöffnet und umgestaltet werden. Die Potenzialfläche von 3 000 bis 4 000 m² würde den Bestand an öffentlichen Bewegungsflächen um 30% erhöhen. Zum anderen soll die Sportfläche für den Fußballsport qualitativ aufgewertet werden (Bau eines Großspielfelds aus Kunstrasen). Darüber hinaus werde die Prüfung eines Neubaus einer Sporthalle auf dem Gelände vorgeschlagen, um sowohl für den Schul- als auch für den Vereinssport zusätzlich attraktive und sportfunktionale Sporthallenflächen zu schaffen.
In einem Workshop mit Beteiligten von SGV Nürnberg-Fürth 1883 e.V., J, UwA, SÖR, Ref. VI, Stpl, Ref. IV, SchA und SpS wurden die Vorschläge in Bezug auf Umsetzungschancen diskutiert und die weitere Vorgehensweise vereinbart (ausführliches Protokoll im Bericht von IKPS).
Es wurde vereinbart, den Austausch im Februar 2023 fortzusetzen.
3.4. Potenzial: Allwetterplätze an Schulen
Allwetterplätze an Schulen sind gegenwärtig exklusiv in schulischer Nutzung. Gelänge es, alle Allwetterplätzen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so würde sich der Bestand an Bewegungsflächen im öffentlichen Raum im Untersuchungsgebiet durch diese Multicodierung um ca. 55% Prozent erhöhen (ca. 7 000 m²). Entsprechend lautet der Vorschlag im Bericht, Schulfreiräume, vor allem die Allwetterplätze, grundsätzlich zum Spielen und Bewegen für alle Altersgruppen freizugegeben. Als Vorarbeit müssen hierzu die Rahmenbedingungen geklärt werden, z.B. an welchen Stellen der Lärmschutz den Überlegungen entgegensteht, wie hoch ggf. ein erhöhter Pflegeaufwand ausfällt, wie ein öffentlicher Zugang stattfinden kann. Die Verwaltung befindet sich zu diesem Thema in der Abstimmung.
4. Ausblick / weitere Vorgehensweise
Die Potenzialanalyse im Rahmen des Pilotprojekts hat aufgezeigt, dass eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verbesserung der Sportstätteninfrastruktur vorhanden sind. Es bedarf einer Vielzahl weiterer Gespräche und Handlungsschritte, um aus den Potenzialen konkrete Maßnahmen zu formen. Von entscheidender Bedeutung wird es an dieser Stelle sein, inwieweit im Lichte einer wachsenden Stadt mit vielen Flächenkonkurrenzen, eine Multicodierung von Flächen gelingt, ohne dabei größere Nachteile für die jeweiligen Flächenbetreiber zu generieren.