InnoVet Projekt BIRD – Fortbildung zum/zur „Berufsspezialisten/Berufsspezialis-
tin für Industrielle Transformation“
hier: Sachverhalt
1. Zusammenfassung
BIRD steht für „Bereichsübergreifende Bildungsangebote für Industrie 4.0 auf der Plattform der DQR-Stufe 5 als Katalysator der Durchlässigkeit“ und ist eines von 17 Gewinnerprojekten aus 176 Einreichungen zu InnoVet, dem Innovationswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für exzellente berufliche Bildung1. Zentrales Ziel von BIRD ist es, neue Aufstiegsfortbildungen zur/zum Berufsspezialisten/-in für Industrielle Transformation (Abk. BIT; DQR Stufe 5) zu schaffen, um die Lücke zwischen 3-jähriger Ausbildung (DQR Stufe 4) und Bachelor (DQR Stufe 6) zu schließen. Es sollen darin zukunftsweisende Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden, für die großer Bedarf bei den Unternehmen besteht. Hierdurch soll auch dem Fachkräftemangel in bestimmten Schlüsselbereichen in der Region ein Stück weit begegnet werden. Zukunftsweisende Blended-Learning-Konzepte kommen zum Einsatz. Der Beginn der Fortbildung kann für Auszubildende bereits während der Ausbildungszeit aber auch nach der Erstausbildung erfolgen. In der Umsetzungsphase des Projektes kooperieren: die FAU, die Berufliche Schule Dir. 2 mit Rudolf-Diesel-Fachschule, die Berufliche Schule Direktorat 4, die Berufsschule 1 in Bayreuth, die Industrie- und Handelskammern Mittelfranken und Oberfranken sowie die Qualitus GmbH Köln. Die Erstellung des Aufbaus und der Inhalte der Fortbildungsmodule und die Akkreditierung der Fortbildung durch die Industrie- und Handelskammern wurden in den ersten beiden Projektjahren erfolgreich abgeschlossen. Im Mai 2022 startete die erste Kohorte mit 17 Schülerinnen und Schülern in Nürnberg und 15 in Bayreuth. Sie werden im Oktober 2022 die Prüfung für das erste Modul ablegen. Eine Ausdehnung der Fortbildung auf weitere Berufe an den Direktoraten 1 und 9 ist geplant.
2. Das Projekt
2.1. InnoVET
Die Berufsbildung in Deutschland steht aktuell vor großen Herausforderungen. Von Seiten der Unternehmen werden in immer mehr Bereichen Fachkräfteengpässe beklagt, die sich bereits im Ausbildungsgeschehen abzeichnen. Um diesen Entwicklungen mit innovativen Konzepten und Initiativen zu begegnen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der vergangenen Legislaturperiode den Bundeswettbewerb „Zukunft gestalten – Innovationen für eine exzellente berufliche Bildung“ (InnoVET) initiiert, der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) umgesetzt wird. Ab dem Herbst 2020 starteten 17 InnoVET-Projekte, die aus 176 Einreichungen ausgewählt wurden und in den kommenden Jahren mit einem Volumen von 82 Millionen Euro (Bundesmittel) gefördert werden. Die neuen Maßnahmen sollen die berufliche Bildung zukunftsfest machen. In allen Projekten arbeiten eine Reihe von Partnern zusammen, um Lösungen in der Praxis für die Praxis zu entwickeln, zur Anwendung zu bringen, zu evaluieren und weiter zu verbessern. Die insgesamt 89 Verbundpartner sind wiederum in der Berufsbildungslandschaft vernetzt, was die Verbreitung von innovativen Ansätzen erleichtern soll. Von politischer Seite steht bei InnoVET das Ziel im Vordergrund, Attraktivität, Qualität und Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung zu erhöhen. Gerade für leistungsstarke Jugendliche sollen durch Berufsbildung attraktive Karrierewege eröffnet werden, die sich als praxisnahe und anwendungsorientierte Alternativen zu hochschulischen Bildungsgängen behaupten können. Unternehmen profitieren von
1 Vgl. https://www.inno-vet.de/innovet/de/home/home_node.html
einer frühen Bindung von leistungsstarken Jugendlichen, die sie durch berufliche Bildung zu qualifizierten Fach- und Führungskräften entwickeln können.2
2.2. BIRD
Das InnoVET-Projekt BIRD ist mit einer Laufzeit von vier Jahren im Zeitraum vom 01.10.2020 bis zum 30.09.2024 angelegt. Übergeordnet verfolgt das Projekt das Gesamtziel der Schaffung attraktiver, durchlässiger und transferfähiger Bildungs- und Beratungsangebote in der schulischen und außerschulischen beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie in der akademischen Bildung im Blended-Learning-Design am Beispiel neuer Anforderungen durch Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz unter strategischer Nutzung der ersten Fortbildungsstufe bzw. der DQR-Stufe 5 für den städtischen und ländlichen Bildungsraum.
2.3. Zielsetzung
Konkret werden mehrere Teilziele verfolgt: 1. Schaffung durchlässiger Strukturen innerhalb des Berufsbildungsbereichs sowie bildungsbereichsübergreifender Strukturen zwischen akademischer und Beruflicher Bildung 2. Schärfung des Profils der DQR-Stufe 5 und des Fortbildungsabschlusses “Geprüfte Berufsspezialistin“ bzw. „Geprüfter Berufsspezialist” am konkreten entwickelten Beispiel „Berufspezialist/-in für Industrielle Transformation“ 3. Gestaltung der Zusammenarbeit und Zusammenführung der Sichtweisen der unterschiedlichen Projektpartner bei der Entwicklung von Lehrplan und Fortbildungsordnung 4. Entwicklung von Geschäftsmodellen für bildungsbereichsübergreifende Angebote 5. Aufbau eines Orientierungskonzepts mit Informations-, Beratungs- und Reflexionsangeboten 6. Entwicklung fachspezifischer Angebote für Industrie 4.0 auf Basis einer Bedarfserhebung im Blended-Learning Format Aus fachlicher Sicht bezieht sich die Fortbildung speziell auf industrielle Prozesse im Rahmen der digitalen Transformation. Darüber hinaus werden aus geografischer Sicht zwei unterschiedliche Kontexte berücksichtigt, indem sowohl der städtische Raum (Nürnberg) wie auch der ländliche Raum (Bayreuth) betrachtet werden.3
2.4. Partner
Durchgeführt wird das Projekt durch die Verbundpartner Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg, die IHK Nürnberg für Mittelfranken, die IHK für Oberfranken Bayreuth und die Qualitus GmbH sowie durch die Kooperations- bzw. Netzwerkpartner Stadt Nürnberg (Amt für Berufliche Schulen, Berufliche Schule 2 mit Rudolf-Diesel-Fachschule, die Berufliche Schule 4), Universität Bayreuth und die Staatliche Berufsschule 1 Bayreuth. Die Projektleitung und Verbundkoordination obliegt dem Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der FAU. Die Förderung des Projekts erfolgt innerhalb des Wettbewerbs InnoVET durch das BMBF und außerhalb durch das Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und die Stadt Nürnberg4.
2 Quelle: Wilbers, Karl [Hrsg.]: Durchlässigkeit und industrielle Transformation auf dem DQR-Niveau 5 gestalten. Konzeption einer beruflichen Fortbildung zum/zur „Geprüften Berufsspezialisten/in“ im Inno- VET-Projekt BIRD. Berlin: epubli 2022, S. 344 3 Quelle: Projektantrag BIRD 4 Vgl. Beschlussvorlage 3. BM/086/2020 verabschiedet im Ferienausschuss vom 22.04.2020
2.5. Ablauf und Status Quo des Projekts
| Meilenstein | Zieldatum | Status |
|---|---|---|
| Projektstart & Kickoff: in der Aula an der Beruflichen Schule 2 in Nürnberg | 08.10.2020 | |
| Besondere Rechtsvorschrift: Erlass durch den Berufsbil- dungsausschuss der IHK Nürnberg für Mittelfranken | 12.10.2021 | |
| Genehmigung und Bestätigung der besonderen Rechts- vorschrift durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie im Benehmen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales | 21.03.2022 | |
| Fertigstellung des Rahmenplans | 29.07.2021 | |
| Fertigstellung Anrechnung auf Studiengänge an der FAU | 29.07.2021 | |
| Fertigstellung Blended-Learning Training für Lehrkräfte | 29.07.2021 | |
| Beginn Orientierungsangebote für potentielle Teilnehme- rinnen und Teilnehmer | 08.01.2022 | |
| Beginn Unterrichtsentwicklung | 15.10.2021 | |
| Einrichtung Kursstruktur auf MS Teams und LMS | 25.04.2022 | |
| Fortführung und Konkretisierung der Bedarfserhebung, Überarbeitung des Rahmenplans | 05.2022- 01.2023 | |
| Startschuss: erste Kohorte 4 Fachkräfte: 3 Industriekaufleute 1 Zerspanungsmechaniker 11 Auszubildende: 3 Mechatroniker (B1) 1 Industriekauffrau (B4) 8 Industriemechaniker (B2) | 05.2022- 07.2023 | |
| Abschluss Modul 15 | 22.07.2022 | |
| Beschulung der ersten Kohorte an B2, B4 und RDF | 05.2022- 07.2023 | |
| Fokus auf Orientierung für Fachkräfte und Studienzweifler | 07.2022- 04.2023 | |
| Selbstlernteile für Wahlmodule KAI und TAI in Endabstim- mung | 31.08.2022 | |
| Prüfung zu Modul 1 im Oktober 2022 | 13.10.2022 | |
| Schärfung des Geschäftsmodells der Zusammenarbeit | 11.2022 | |
| Ausarbeitung des Moduls KIP | 11.2023 | |
| Durchführung des Moduls KIP | 12.2022- 01.2023 | |
| Durchführung der Module KAI/TAI | 02.2023- 03.2023 | |
| Überprüfung und ggf. Hinzunahme weiterer Berufe | 09.2022- 04.2023 | |
| Ausarbeitung des Moduls PIU | 04.2023 | |
| Durchführung des Moduls PIU | 05.2023- 07.2023 | |
| Klärung Anrechnung auf die Fachschule mit StMUK | 04.2023 | |
| Transferaktivitäten von lokaler bis internationaler Reich- weite | dauerhaft | |
| Evaluation der Module, der Zusammenarbeit des Bildungs- personals und Durchführung von Teilnehmendenanalysen | dauerhaft |
5 Erläuterung der Modulabkürzungen und –inhalte siehe Abschnitt 3.3
| Zielgerichtete Förderung der BL-Kompetenzen der Lehr- kräfte auf Basis der Evaluationen | dauerhaft |
|---|---|
| Evaluation und Revision der Lernmanagement-Lösung | dauerhaft |
Quelle: Eigene Darstellung aus dem Projekt BIRD, FAU, 16.08.2022
3. Die Fortbildung zum/zur Berufsspezialisten/-in auf der DQR-Stufe 5
3.1. Zielgruppe
Mit der Fortbildung soll für interessierte Personen aus der Industrie ein attraktives Fortbildungsangebot geschaffen werden. Konkret handelt es sich dabei um die drei Erprobungsberufe: Mechatroniker/-in, Industriemechaniker/-in und Industriekauffrau/-mann.
Die Zielgruppen lassen sich wie folgt gliedern: Auszubildende in den drei Erprobungsberufen Fachkräfte mit Ausbildung in den drei Erprobungsberufen Fachkräfte ohne Ausbildung in den drei Erprobungsberufen6 Zudem befindet sich aktuell ein Konzept für Studienabrechende in Entwicklung.
Potentieller Teilnehmerkreis für die Fortbildung BIT
Quelle: Eigene Darstellung aus dem Projekt BIRD, FAU, 16.08.2022
6 Die Entscheidung über die Zulassung von Absolventen anderer Ausbildungsberufe trifft der Prüfungsausschuss.
3.2. Umfang der Fortbildung
Die Fortbildung zum/zur Berufsspezialisten/-in befindet sich auf der DQR-Stufe 5, hat einen Umfang von 400 Stunden7, findet im Blended-Learning-Design statt und kann bereits während der Ausbildung begonnen werden. Durch den vergleichsweise geringen zeitlichen Umfang, die kurze Dauer und das Blended-Learning-Konzept bietet die Fortbildung eine echte Alternative, um guten Auszubildenden und Fachkräften eine Perspektive zur beruflichen Weiterentwicklung zu bieten und sie in den Unternehmen zu halten.
Folgende übergreifende Kompetenzen werden mit der Fortbildung verfolgt: Berufliche Handlungsfähigkeit in der Industrie als Fachkräfte der Zukunft Projektmanagementkompetenz mit Verantwortungsübernahme Methodenkompetenz für kooperatives Arbeiten Selbstgesteuertes, strukturiertes Arbeiten in einem komplexen Umfeld Bewältigung schnittstellenübergreifender Arbeitsprozesse Jedoch keine disziplinarische Führungsverantwortung8
3.3. Aufbau und Module der Fortbildung
Die Fortbildung besteht aus insgesamt vier Modulen, deren Fokus auf unterschiedlichen Schwerpunkten liegt.
Module der Fortbildung
Quelle: Eigene Darstellung aus dem Projekt BIRD, FAU, 16.08.2022
7 Jedes Modul umfasst etwa 50 Stunden Präsenzunterricht zzgl. Selbstlernphasen, für die Lernmaterialien online zur Verfügung gestellt und die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer digital bearbeitet werden. 8 Müller F., Renner M., Schächtner S., Seitle J., Wilbers K.: Das InnoVET-Projekt BIRD: Eine Einführung in Ziele und Arbeitsbereiche In: Wilbers, K. (Hrsg.): Durchlässigkeit und industrielle Transformation auf dem DQR-Niveau 5 gestalten. Konzeption einer beruflichen Fortbildung zum/zur „Geprüften Berufsspezialisten/-in“ im InnoVET-Projekt BIRD, Berlin, 2022
Die Fortbildung besteht aus vier Modulen, welche jeweils einen Umfang von 100 Stunden haben. Die Module „Digitale Transformation und schnittstellenübergreifende Kommunikation“ und „Kooperation in industriellen Prozessen“ werden zusammen sowohl von den kaufmännischen als auch den gewerblich-technischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern absolviert. In den Vertiefungsmodulen „Kaufmännische Arbeit in der digitalen Industrie und technische Kommunikation“ sowie „Technische Arbeit in der digitalen Industrie und kaufmännische Kommunikation“ setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiver je nach Wahl, mit dem eigenen Fachbereich auseinander und erhalten zudem einen Einblick in den jeweils anderen Fachbereich. Das Modul „industriespezifische Projektarbeit“ komplettiert die Fortbildung, indem die Inhalte der vorlaufenden Module in der selbstständigen Erstellung der Projektarbeit anhand eines Praxisfalls verarbeitet werden.
Inhaltlicher Einblick in die Module:
Modul: Digitale Transformation und schnittstellenübergreifende Kommunikation
Kaufmännisch und gewerblich-technische Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen gemeinsam Veränderungen durch die Digitalisierung zu verstehen und im Berufsalltag umzusetzen. Beispielthemen:
-
Betriebliche Prozesse visualisieren, optimieren und digitalisieren
-
Office-Software (z. B. Tabellenkalkulation) erweitert anwenden
-
Sprache, Begriffe und Auswirkungen der Digitalisierung verstehen
-
Projekte planen, steuern und abschließen
Vertiefungsmodule
Modul: Kaufmännische Arbeit in der digitalen Industrie und technische Kommunikation Die kaufmännischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen unternehmensrelevante Daten entlang eines Prozesses digital zu managen. Beispielthemen:
-
Daten digital recherchieren, sammeln, aufbereiten, analysieren, verarbeiten und schützen
-
Kundenorientierte (z. B. Social-Media) Marketingmaßnahmen erlernen
-
Grundlagen einer Programmiersprache erlernen, um Geschäftsprozesse zu automatisie-
ren
- Technische Grundlagen und Trends von Produktionsverfahren (z. B. Robotik) erlernen
Modul: Technische Arbeit in der digitalen Industrie und kaufmännische Kommunikation Die gewerblich-technischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen technische Prozesse zu transformieren, notwendige Anpassungen an Produktionsanalagen vorzunehmen und die generierten Daten auszuwerten und zu interpretieren. Beispielthemen:
-
Produktionsabläufe digitalisieren und bei der Vernetzung von Maschinen mitwirken
-
Grundlagen von Programmiertechniken (z. B. Programmiersprache und SPS) erlernen
-
Maschinendaten in der Fertigung sammeln, aufbereiten, analysieren, verarbeiten und
schützen
-
Neue Instandhaltungsmöglichkeiten (z. B. AR, VR, digitaler Zwilling) anwenden
-
Kaufmännische Grundlagen in der Produktion erlernen
Modul: Kooperation in industriellen Prozessen
Kaufmännische und gewerblich-technische Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen gemeinsam und vertiefen die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den beiden Bereichen.
Beispielthemen:
- Richtige digitale Methoden (z. B. Videokonferenz) im Austausch mit Kunden und Vorge-
setzten einsetzen
-
Zusammenarbeit im Team kooperativ und konfliktfrei gestalten
-
Veränderungen im Betrieb und am eigenen Arbeitsplatz vorantreiben
-
Umweltbewusstes Arbeiten erlernen
-
Kollegen bzw. Kolleginnen und Azubis in neue digitale Arbeitsabläufe einarbeiten
-
Eigene Lern- und Arbeitsstrategien entdecken
Modul: Projektarbeit im eigenen Unternehmen (PIU)
Das Modul PIU wird durch alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigenständig durchgeführt. Hierfür ist eine Dokumentation eines unternehmensspezifischen Projektes vorgesehen. Grundlage bilden hierbei die vermittelten Kompetenzen aus den vorangegangenen Modulen. Der Rahmenplan in seiner Struktur, seinem Aufbau und seinen Inhalten übersetzt somit die Anforderungen des Kompetenzstrukturmodells des DQR auf der fünften Stufe in eine Fortbildung zur geprüften Berufsspezialistin für Industrielle Transformation oder zum geprüften Berufsspezialisten für Industrielle Transformation. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiten eine selbstgewählte Projektsituation (real oder fiktiv) aus ihrem Unternehmen. Sie dokumentieren bzw. skizzieren Projektprozesse unter Berücksichtigung von schnittstellenübergreifenden Aspekten und interdisziplinärem, kommunikativem und kollaborativem Austausch.9
3.4. Ablauf der Fortbildung
Die Fortbildung ist auf eine Dauer von 14 Monaten und einen Zeitbedarf von 400 Stunden berufsbegleitend angelegt, in denen die vier Module absolviert werden können.
Der idealtypische Ablauf der Fortbildung in Nürnberg
Quelle: Eigene Darstellung aus dem Projekt BIRD, FAU, 16.08.2022
9Quelle: Müller F.: In: Karl Wilbers (Hrsg.): Durchlässigkeit und industrielle Transformation auf dem DQR- Niveau 5 gestalten. Konzeption einer beruflichen Fortbildung zum/zur Geprüften Berufsspezialisten/in im InnoVET-Projekt BIRD, Berlin: epubli GmbH, 2022, S. 109-165
Die Unterrichtseinheiten der einzelnen Module werden teilweise an den beruflichen Schulen von erfahrenen Lehrkräften, an der FAU von Dozierenden aus der Wissenschaft oder an der IHK- Akademie durch Dozierende aus der Wirtschaft angeboten, so dass das Lehrangebot für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen optimalen Mix aus den Kompetenzbereichen der Kooperationspartner enthält. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird durch den modularen Aufbau optimale Freiheit in der Gestaltung ihres Lernpfades geboten. So gibt es zu jedem der vier Module einzelne, voneinander unabhängige Modulprüfungen. Um die DQR Stufe 5 zu erreichen, müssen alle vier Prüfungen abgelegt werden. Da Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Zertifikat für jede abgelegte Prüfung erhalten, ist das Risiko für Interessierte deutlich verringert, da das Bestehen eines Moduls für sich schon einen Abschluss darstellt, und nicht die gesamte Fortbildung abgeschlossen werden muss. Die Zertifikate der Module dienen unter anderem in der Weiterbildung bzw. der Universität zur Anrechnung auf weitere Bildungs-, Studiengänge für Qualifizierungen auf DQR Stufe 6. Zudem werden zahlreiche Möglichkeiten für eine individuelle Gestaltung eröffnet: die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können die Prüfungen in der Geschwindigkeit ablegen, in der sie das möchten und damit z. B. Pausen einlegen, die Module strecken oder zeitlich an die Ausbildung anschließen, falls sich die Doppelbelastung von Berufsschule und Fortbildung als zu groß herausstellt, ohne die Fortbildung abbrechen zu müssen. Die Durchlässigkeit wird hierdurch zusätzlich erhöht.
3.5. Anrechnung auf DQR-6 Qualifikationen
Insgesamt können 15 ECTS (30 ECTS entsprechen einem Semester in Vollzeit) an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (WiSo) der FAU erstmals zum Wintersemester 2023/24 auf Bachelorstudiengänge angerechnet werden. Es werden insgesamt drei Module der Fortbildung zum BIT anerkannt. Zwei Wahlmodule werden als zusätzliche Module im Bachelor Wirtschaftswissenschaften im Wahlmodulbereich des Modulhandbuchs etabliert. Ein Modul wird auf ein bereits bestehendes Bachelormodul angerechnet.
An der Technischen Fakultät der FAU können nach Abschluss der Fortbildung insgesamt 25 ECTS10 auf die folgenden Bachelorstudiengänge angerechnet werden:
-
Maschinenbau
-
Mechatronik
-
Wirtschaftsingenieurwesen
-
International Production Engineering and Management
An der Rudolf-Diesel-Fachschule haben die Absolventinnen und Absolventen der Fortbildung zur Berufsspezialistin bzw. Berufsspezialisten die Möglichkeit zum Einstieg in das 2. Halbjahr11 in die Fachschulausbildung ein, wobei die reguläre Gesamtausbildung vier Halbjahre beträgt (siehe Abb.). Die Fächer Informationstechnologie (IT) sowie Wirtschaft/Politik und Gesellschaft (PuG) werden erlassen. Ebenso soll mit den Fächern Industriebetriebslehre und Projektmanagement im dritten und vierten Semester verfahren werden. Darüber hinaus sollen spezielle Unterstützungsangebote für den Einstieg an der RDF geschaffen werden. Die individuellen Angebote werden im zweiten und dritten Semester je zwei Wochenstunden betragen. Auf Wunsch ist weiterhin der reguläre Einstieg im 1. Semester möglich.
10 Bei Vorliegen eines einschlägigen gewerblich-technischen Berufsabschlusses 11 Aktuell in Prüfung bei StMUK
Ablauf der Weiterbildung an der Rudolf-Diesel-Fachschule in Kombination mit
BIT-Fortbildung
Quelle: Eigene Darstellung aus dem Projekt BIRD, B2, 16.08.2022
4. Auswirkungen
Das InnoVET Projekt BIRD hat nachhaltige Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Bildungssektors in der Metropolregion Nürnberg.
4.1. Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Das Angebot bringt für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung einige Vorteile. Möglichkeit die DQR Stufe 5 schon während der Ausbildung und/oder in direktem Anschluss zu erreichen und die Grundlage für den Anschluss einer Weiterbildung in die DQR 6 zu legen. niederschwelliger, risikofreier Einstieg für Schülerinnen und Schüler durch einzelne asynchrone Module als Zertifikatsprogramme für DQR 3/4 Schülerinnen und Schüler passgenaueres Übergangsangebot für Studienabbrecher auf DQR 5 statt DQR 3/4 Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenssituationen durch flexible Gestaltung der Fortbildung und kleinere Einzelprüfungen statt großer Abschlussprüfung
4.2. Lehrkräfte
Durch die Zusammenarbeit im InnoVET Projekt BIRD sind mehrere positive Effekte auf das professionelle Lehrhandeln der beteiligten Lehrkräfte und Schulen zu beobachten. Einblicke und Verständnis für die genauen Bedürfnisse der sich transformierenden Unternehmenswelt durch enge Kooperation mit Wissenschaft und Unternehmen Kompetenzaufbau in Bezug auf Anforderungen der digitalen Transformation und didaktische Anforderungen Know-How-Transfer in neuer Inhalte der Ebene 5 des DQR in die DQR Stufen 3 und 4 Kompetenzaufbau im Arrangement von Blended-Learning Modulen Kompetenzaufbau H5P12 als OpenSource Autorentool zur Entwicklung von e-learning Einheiten Vernetzung und Gelegenheit zur bereichsübergreifenden Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams mit weiteren Schulen, der FAU, den Industrie- und Handelskammern und einem Dienstleistungsunternehmen für Lernmanagementsysteme.
12 weit verbreitete open-source Software zur Erstellung digitaler Lerninhalte
Know-How-Aufbau zu Lernmanagementsystemen: durch Beteiligung an der Konzeption und Umsetzung der e-learning Einheiten Know-How-Aufbau: agile Projektmanagementmethoden: SCRUM
4.3. Schulen
Schließen der Lücke zwischen DQR 3/4 (berufliche Erstausbildung) und DQR 6 (Bachelor Professional) Reputationsmanagement: Imagegewinn durch Ausrichtung der Inhalte an Bedürfnissen der Unternehmen Einstieg in weitere Bildungsangebote auf DQR 5 und Verstetigung des Angebots Wichtiger Schritt, um Niveaustufe DQR 7 (Master Professional) in die berufliche Bildung einzuführen und damit aufzuwerten Erhöhung der Attraktivität der Schulen auch für Lehrkräfte, die engagiert, fachlich sehr interessiert sind und gerne höhere Spezialisierungsgrade vermitteln möchten Attraktivität des Angebots der beruflichen Schulen gerade für leistungsfähige Schulabgänger oder Studienabbrecher Neue Zielgruppe für die Schulen: bereits im Unternehmen gefestigten Fachkräfte; Ausgleich der Folgen des demographischen Wandels und der Akademisierung der Bildung Neue Kontaktpunkte für die Schulen zu Unternehmen; Know-How-Transfer aus den Unternehmen in die Schulen
5. Fazit
Neben den Vorteilen, für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Lehrkräfte und den Schulstandort Nürnberg profitiert die Metropolregion in mehrerlei Weise vom InnoVET-Projekt BIRD und der Etablierung des Fortbildungsangebots zur/zum „Berufsspezialistin/-en“: Die Fachkräfteverfügbarkeit am Standort Nürnberg im Schlüsselbereich der digitalen Transformation kann durch das Fortbildungsangebot „Berufsspezialist/-in für Industrielle Transformation“ spürbar verbessert werden. Hier ansässige Unternehmen haben jetzt eine weitere Möglichkeit, Ausbildungsinteressierte mit neuen Angeboten anzusprechen und die Mitarbeitenden als Fachkräfte im Unternehmen nach Abschluss der beruflichen Ausbildung zu binden. Neuen Zielgruppen, etwa Studienaussteigenden, kann mit einer Erstausbildung plus Fortbildung zum/zur „Berufsspezialisten/-in“ ein attraktives Bildungsangebot unterbreitet werden. Die Einführung der ersten Fortbildungsstufe (auf dem DQR-Niveau 5) bietet Unternehmen darüber hinaus neue Möglichkeiten der Personalentwicklung. Dazu ist es notwendig, dass die Fortbildung zum „Berufsspezialisten/zur Berufsspezialistin“ auch auf weitere Berufe, etwa an der B1 für die Mechatroniker/-innen und an der B9 für die Büroberufe ausgeweitet wird, so dass sich die positiven Effekte auch auf andere Branchen ausbreiten. Die Innovationskraft der beruflichen Bildungseinrichtungen der Stadt Nürnberg wird durch die Beteiligung am Projekt BIRD, die Kooperation mit den Projektpartnern und durch die wissenschaftliche Begleitung deutschlandweit unterstrichen.