Haushaltssperre

← Sitzung des Kulturausschusses (14.10.2022)

01 Sachstandbericht

Anlage · 14.10.2022 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Dutzendteich Fischbach Stadtentwicklung & Planung Kulturausschuss Gleißhammer Umwelt & Klima Soziales & Gesundheit Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Sachstand zum Lern- und Begegnungsort Zeppelintribüne und Zeppelinfeld im

Kulturausschuss am 14. Oktober 2022

1. Bahnhof Dutzendteich und Neuausschreibung des bisherigen „Los 2“

1.1. Eignungsprüfung und Grundstückserwerb Bahnhof Dutzendteich

Am 22. Juni 2022 beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, die Immobilie des ehemaligen Bahnhofs Dutzendteich (Zeppelinstraße 5, Gemarkung Gleißhammer) zum Zweck der Integration in das Projekt „Lern- und Begegnungsort Zeppelintribüne und Zeppelinfeld“ aus Privateigentum zu erwerben.

Der 1871 an der Eisenbahnstrecke Nürnberg–Regensburg errichtete Bahnhof Dutzendteich wurde zwischen 1934 und 1936 für die Bedarfe der nationalsozialistischen Reichsparteitage grundlegend umgebaut. Er war wesentlicher Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur, um die Massenveranstaltungen beispielsweise am Zeppelinfeld abhalten zu können. Das Bahnhofsgebäude steht als Teil des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes seit 1973 unter Denkmalschutz. Der dortige Bahnhalt bestand bis 1993 und wurde dann aufgegeben. Ab dem Jahr 2000 wurde die mittlerweile in Privateigentum befindliche Immobilie noch bis 2021 als Gaststätte mit Biergarten betrieben. Seither stand die Immobilie leer und wurde durch die Dr. Hans Inselkammer Holding zur Jahreswende 2022 auf dem freien Markt zum Verkauf angeboten.

Seit März 2022 prüften 2. BM/ZEP, KuM/3-1 und H/R, ob das insgesamt 5.251 Quadratmeter große Grundstück eine mögliche Alternative anstelle des Neubaus für einen Informationspavillon zur Orientierung und ersten Anlaufstelle für die Vermittlungsangebote des Dokumentationszentrums auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände darstellen könnte. Vorrangig geklärt wurde, ob die angedachten Funktionen für eine Erstinformation über den historischen Ort in Form von Ausstellungseinheiten ebenso gegeben waren wie ein witterungsunabhängiger Unterstand für Besuchergruppen, Ticketing usw. Die Nutzfläche im Inneren, im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sowie in der überdachten Wartehalle erwies sich dabei als völlig ausreichend und belässt außerdem Raum für Büros oder Seminarräume sowie ein kleines gastronomisches Angebot. Parkplätze und Sanitäranlagen sind ebenfalls bereits angelegt.

Durch die Nutzung der Bestandsimmobilie entfällt ein Neubau auf der Grünfläche westlich der Zeppelintribüne. Damit findet weder eine weitere Flächenversiegelung im Bereich des Volksparks Dutzendteich statt, noch sind Ausgleichsmaßnahmen für das dortige Biotop oder das Überschwemmungsgebiet (Zufluss Dutzendteich durch den Fischbach) notwendig. Während der Großveranstaltungen kann zudem das Bahnhofsgebäude mit seinem Informationsangebot wahrscheinlich auch während der Auf- und Abbauphase geöffnet bleiben, was am Standort des angedachten Neubaus nicht möglich gewesen wäre.

1.2. Vergaberechtliche Folgen bezüglich „Los 2“

Um eine einheitliche architektonische Gestaltungssprache zu gewährleisten, war ursprünglich vorgesehen, die Planungen für einen Neubau des Informationspavillons zusammen mit einer Ausstellungsgestaltung zu finden. Dieses als „Los 2“ bezeichnete Ausschreibungsverfahren wurde im Juli 2021 veröffentlicht. Durchgeführt wurde es als zweigeteiltes Verfahren mit einerseits Teilnahmewettbewerb und andererseits mit Verhandlungsverfahren inklusive wettbewerblichen Elementen unter Einbeziehung externer

Fachleute sowie der Fördergeber von Bund und Land. Vor der finalen Vergabeentscheidung musste das Verfahren jedoch gemäß § 63 Abs. 1 Nr. 2 der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge in Gänze aufgehoben werden, da „sich die Grundlage des Vergabeverfahrens wesentlich geändert hat“. RA/3-VMN sah diesen Fall, nach der Konkretisierung der Ankaufpläne zugunsten des Bahnhofs Dutzendteich, im April 2022 als eingetreten an, da mit dessen Gebäudenutzung die Planung eines Neubaus für einen Informationspavillon entfällt.

Nach erfolgter Rücksprache mit den Fördergebern von Bund und Land über die zeitliche Verzögerung durch die Verfahrensaufhebung wurden am 14. Juli 2022 die teilnehmenden Büros aus ganz Deutschland und der EU darüber informiert. Die Leistungen für den Umbau des Bahnhofs Dutzendteich und die Ausstellungsgestaltung wurden im August 2022 nun getrennt voneinander ausgeschrieben. Unter Einhaltung der vergaberechtlich vorgegebenen Fristen ist mit einer finalen Beauftragung bis spätestens Jahresanfang 2023 zu rechnen. Zwischenzeitlich finden Planungen und Untersuchungen in den Bereichen Naturstein, Statik, Haustechnik, Schadstoffe, Grünanlagen und Freiraum durch die bereits beauftragten Büros statt.

2. Planungs- und Untersuchungsfortgang

2.1. Start der baulichen Untersuchungen

Im Januar 2022 starteten die konkreten Bauplanungen mit den externen Fachplanern. Neben den Erkenntnissen aus den bisherigen Musterflächen an der Zeppelintribüne und dem Zeppelinfeld sowie dem jährlichen Monitoring der dort angewandten Sicherungsmaßnahmen finden seit Sommer 2022 umfangreiche Untersuchungen insbesondere an den Natursteinelementen von Tribüne und Feldtürmen im witterungsabhängigen Außenbereich statt. Insgesamt werden rund 50.000 Quadratmeter Natursteinoberfläche durch das Bamberger Fachbüro ProDenkmal GmbH auf Schäden untersucht und aufwendig kartiert. Daneben untersucht der Tragwerksplaner, die Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG, den statischen Zustand, insbesondere in den Innenbereichen und der Wallanlage. Desgleichen finden für die künftige Sport- und Freizeitnutzung relevante Konkretisierungen durch die Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten GmbH, Eichstätt, statt. Die Projektsteuerung der komplexen und langjährigen Maßnahme hat im Juli 2022 die Pfaller Ingenieure GmbH & Co. KG aus Nürnberg bzw. Neumarkt in der Oberpfalz übernommen.

Für die Untersuchungen der Wand-, Boden- und sonstigen Oberflächen innerhalb der Zeppelintribüne sowie in den Feldtürmen war es notwendig, die dortigen Nutzungen städtischer und externer Mietparteien zu beenden. In Zusammenarbeit mit LA wurde im Bedarfsfall versucht, für alle Beteiligten einvernehmliche Lösungen oder ggf. räumliche Alternativen zu finden, was in der Regel auch gelang.

Bis Jahresmitte 2023 sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein. Deren Genauigkeit ist Voraussetzung für eine denkmalgerechte, wirtschaftlich kalkulierbare, baulich nachhaltige und trotz der Komplexität zügige Umsetzung der Entwicklung des Lern- und Begegnungsorts. Die handwerklich anspruchsvolle und im Außenbereich stark witterungsabhängige Umsetzungsplanung findet unter Berücksichtigung der sommerlichen Großveranstaltungen am Zeppelinfeld statt. Der Baubeginn ist ab 2024 vorgesehen und wird in den folgenden Jahren in Etappen vollzogen, so dass die bisherigen Nutzungen zur Geschichtsvermittlung, für Freizeit und Sport in räumlich eingeschränkter Form weiterhin möglich sein werden.

2.2. Planungsstand

Begleitet werden die baulichen Untersuchungen zum einen durch die regelmäßige Information und Einbindung bestehender Fachgremien wie des Kuratoriums Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, des Wissenschaftlichen Beirats für den Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände oder des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege.

Zum anderen wurden zur Verklarung baulicher und inhaltlicher Entscheidungen im Sinne der Zielsetzung einer vertieften Vermittlung mehrere Gesprächsrunden mit Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen geführt. Diskutiert wurde am 25. Oktober 2021 zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Kultur- und Bauverwaltung mit Frau Prof. Dr. Uta Hassler (vormals Leiterin des Instituts für Denkmalpflege und Bauforschung an der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich), Herrn Prof. Dr. Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte München) sowie Herrn Prof. Dr. Leo Schmidt (vormaliger Lehrstuhlinhaber für Denkmalpflege an der Technischen Universität Cottbus) über Themen der Materialität der Originalsubstanz und möglicher Ersatzstoffe für den an der Zeppelintribüne und den Feldtürmen verbauten Naturstein. Ihre Einschätzungen gaben wichtige Anregungen bezogen auf die Aussagekraft von Originalmaterial und möglicher Austauschvarianten im Falle eines erforderlichen Ersatzes.

Bezüglich der zentralen Vermittlungselemente wie der Umgang mit dem „Goldenen Saal“ im Mittelbau der Zeppelintribüne und dessen Wirkung, der Rednerkanzel sowie der intuitiven Reflexionsorte fand am 10. Oktober 2022 gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ein interner Workshop statt. Hierzu eingeladen wurden als Fachleute Frau Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer (Lehrstuhlinhaberin für Didaktik der Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für den Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände), Frau Dr. Sylvia Necker (Leiterin Preußenmuseum Minden), Herr Prof. Dr. Guido Fackler (Professur für Museologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg) und Herr Prof. Dr. Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte München).

Außerdem liegen mittlerweile vertiefende wissenschaftliche Studien zu den Themenbereichen „Aufmarsch der Politischen Leiter und ‚Lichtdom‘ auf dem Zeppelinfeld am Reichsparteitagsgelände“, „‚Tag der Gemeinschaft‘ am Zeppelinfeld während des Nürnberger Reichsparteitages 1938“, „‚Tag der Wehrmacht‘ auf dem Zeppelinfeld während der Nürnberger Reichsparteitage 1933 bis 1938“, „Aufmarsch des Reichsarbeitsdienstes auf dem Zeppelinfeld während der Nürnberger Reichsparteitage 1933 bis 1938“, „Deutsche ‚Ehrengäste des Führers‘ bei den Reichsparteitagen der NSDAP“, „Ausländische ‚Ehrengäste des Führers‘ bei den Reichsparteitagen der NSDAP“ sowie jüngst zur „Präsenz des US-Militärs auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände 1945–1995“ vor. Das mittels intensiver Quellenforschung in regionalen und überregionalen Archiven teilweise erstmals ausgewertete Material dient sowohl der Erarbeitung der inhaltlichen Komponenten der neuen Ausstellungselemente im neuen Informationsort Bahnhof Dutzendteich und im Mittelbau der Zeppelintribüne als auch der Neukonzeption der Dauerausstellung im umgebauten Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände.

3. Nächste Schritte

Im Zuge der Überarbeitung der Projekt-Homepage https://www.nuernberg.de/internet/nuernbergkultur/zeppelinfeld.html wird als neue Rubrik demnächst ein „Bautagebuch“ regelmäßig in Text und Bild über die Fortschritte der Untersuchungen an der Zeppelintribüne, am Zeppelinfeld und am Bahnhof Dutzendteich sowie über die anschließende Umsetzung informieren. So soll auch bei kleineren

Maßnahmen ohne größeren Neuigkeitswert transparent und verständlich die Öffentlichkeit mit eingebunden werden. Begleitend hierzu werden parallel zur Planungsphase 2023 ab Jahresanfang zu den einzelnen Schritten regelmäßig öffentliche „Werkstattgespräche“ mit den jeweiligen externen und internen Fachleuten stattfinden. Dieses Format ergänzt den seit 2011 jährlich durchgeführten Informationstag am Zeppelinfeld.

Der diesjährige „Informationstag Zeppelintribüne und Zeppelinfeld“ fand wieder am 3. Oktober 2022 statt. Allen Interessierten wurde kostenlos mittels geführter Rundgänge das Bauensemble Zeppelinfeld mit Haupttribüne, dessen Geschichte sowie das aktuelle Vorhaben der Stadt Nürnberg erläutert. Neben deutschsprachigen Rundgängen fanden auch solche in Englisch, Französisch, Griechisch und Türkisch statt, daneben in Gebärdensprache sowie Hör- und Tastführungen. Erstmals wurden auch Führungen für und von Jugendlichen angeboten, welche die Schülerinnen und Schüler des Johannes-Scharrer-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit Geschichte Für Alle e.V. – Institut für Regionalgeschichte erarbeitet hatten. Die Realisierung dieser Rundgänge ist besonders erfreulich, da es hier zwischen der Themeneinarbeitung im Unterricht und der praktischen Umsetzung zu längeren Verschiebungen wegen der COVID-19-Pandemie gekommen war.

Download ↓