Bericht zum Stand der Bauinvestitionsbedarfe bei den Museen der Stadt Nürnberg
Die Museen der Stadt Nürnberg befinden sich aktuell in der größten Umbruchphase seit Gründung des Verbundes vor beinahe 30 Jahren. Sechs der insgesamt acht Häuser sind von entsprechenden Maßnahmenbedarfen betroffen. Die historischen Gebäude, in denen die meisten Ausstellungen und Sammlungen der städtischen Museen untergebracht sind, wurden seit Jahrzehnten nicht mehr grundlegend ertüchtigt. Über Bauunterhalt und Baupauschale konnten zwar akute Schäden begrenzt werden. Der Sanierungsbedarf ist jedoch inzwischen häuserübergreifend enorm gewachsen und führt zu stets steigenden Betriebskosten. Fast alle Häuser befinden sich derzeit in schlechtem baulichen Zustand. Die Aufrechterhaltung des enormen Besucherzuspruchs von inzwischen 800.000 jährlichen Besuchenden aus In- und Ausland (vor 2020) droht in grundsätzliche Gefahr zu geraten.
Besonders dringend ist der Handlungsbedarf dort, wo Mängel im Brandschutz einen Weiterbetrieb als öffentliches Ausstellungshaus gefährden und wo Kulturgüter nicht mehr ausreichend geschützt sind. So ist etwa das gesamte Tragwerk der ehemaligen Schraubenfabrik im Museum Industriekultur in einem für den Brandschutz nicht ausreichenden Zustand.
Der Reformstau betrifft neben den baulichen Mängeln und Sanierungsbedarfen auch die größtenteils überalterten Themensetzungen und Vermittlungsmedien in den Dauerausstellungen, die ja die Kernfunktion der Museen ausmachen. Sie entsprechen weder den aktuellen Standards, noch vermögen sie es, ein stimmiges und attraktives Gesamtbild zu erzeugen. So fehlt etwa das inzwischen standardmäßige Angebot digitaler musealer Vermittlungswerkzeuge an die Besucherinnen und Besucher weitgehend. Einige Dauerausstellungen der städtischen Museen basieren auf Konzepten der 1980er Jahre. Berufsverbände wie der Deutsche Museumsbund raten zu einer konzeptionellen Erneuerung nach 10 bis 15 Jahren. Dies gilt in besonderem Maße für die Ausstellungen in den Häusern der Erinnerungskultur, nicht zuletzt wegen der dort politisch sensiblen Thematik und des dadurch besonders ins Gewicht fallenden pädagogischen Auftrags zur Vermittlung.
Die bauliche und die konzeptionelle Erneuerung bedingen sich häufig gegenseitig. Für eine inhaltliche Erneuerung sind bauliche Eingriffe meist Voraussetzung. Umgekehrt zieht die bauliche Ertüchtigung die auch konzeptionelle Neugestaltung zwingend nach sich. Baurechtlich gebotene Sanierungen wie sie derzeit für das Museum Industriekultur und das Pellerhaus vorgesehen sind, machen es ohnehin notwendig, die Sammlungen temporär auszulagern und neue Raumprogramme zu erstellen. Umgekehrt erfordert die konzeptionelle Erneuerung einer Dauerausstellung, wie sie mit durch die Anschubförderung der Theo und Friedl-Schöller-Stiftung im Fembo-Haus angestoßen wurde, auch bauliche Anpassungen. Langfristig ist es daher wirtschaftlicher, die baulichen und die konzeptionellen Neuerungen zusammen anzugehen.
Auf die Gründergeneration des Museumsverbunds sind inzwischen in allen Bereichen jüngere Kolleginnen und Kollegen nachgefolgt, die intensiv und mit zeitgenössischer museologischer Kompetenz an Plänen und Konzepten zur Erneuerung ihrer Häuser und Sammlungen arbeiten. Sie sehen sich einem zunehmenden Handlungsdruck gegenübergestellt, der bei weiteren Verzögerungen die Stadtverwaltung sowohl finanziell als auch personell zu überfordern droht. Besonderer Handlungsbedarf besteht dort, wo die Planungen bereits seit längerem begonnen haben, und teils erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen investiert wurden. Ruhen diese Vorhaben weiterhin über längere Zeit, müssen sie in der Regel noch einmal völlig neu begonnen werden.
Im Folgenden wird ein Überblick des aktuellen Sachstandes der sechs derzeit in Maßnahmen befindlichen oder kurz vor notwendigen Erneuerungen stehenden Museen und erinnerungskulturellen Einrichtungen gegeben:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Baumaßnahme Ausbau Dokuzentrum: läuft seit 2017 und wird voraussichtlich Q1 2024 fertiggestellt Gesamtkosten Stand 08.2022 (Nachtragsobjektplan): 25,8 Mio. EUR Die Kostensteigerung war vor allem eine Folge erheblicher Preissteigerungen und nach Planungsbeginn festgestellter Baumängel an der Ausführung der Architektur von Günther Domenig von 2001. Ursprünglich geplante Kosten bei Projektstart: 16,8 Mio. EUR Finanzierung: Bund 7,0 Mio. EUR, Freistaat 4,0 Mio. EUR, Stadt Nürnberg 5,8 Mio. Eine Anfrage auf Erhöhung der Fördermittel bei den Fördergebern wurde im Sommer 2022 gestellt.
Neukonzeption Dauerausstellung Dokuzentrum: Vergabeverfahren Ausstellungsgestaltung: 02.2021 bis 09.2022 Ausstellungsneukonzeption: seit 2021 bis voraussichtlich 2025 Geplante Gesamtkosten: 7,4 Mio. EUR Finanzierung: Bund 3,7 Mio. EUR (50 %), Freistaat 1,85 Mio. EUR (25 %), Stadt 1,85 Mio. EUR (25 %)
Memorium Nürnberger Prozesse
Baumaßnahme im Ostbau des „Justizpalastes“, Fürther Straße:
Nach der Nutzungsüberlassung des Justizpalast-Ostbaus an das Memorium Nürnberger Prozesse und die Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien (IANP) im September 2016 wurde vom staatl. Bauamt (der Justizpalast ist eine Immobilie des Freistaats Bayern) eine Machbarkeitsstudie mit Kostenrahmen für die bauliche Ertüchtigung des Gebäudes in Auftrag gegeben. Für das Memorium waren die Erweiterung der Dauerausstellung vom 3. auf das 2. OG sowie die Einrichtung von Büroräumen für die bislang im IPSN untergebrachten Mitarbeiter geplant. Die anteiligen Kosten für die bauliche Ertüchtigung der Bereiche für das Memorium wurden auf 8,5 Mio. EUR beziffert.
Für die Aufteilung der Kosten zwischen dem Freistaat und der Kommune wurde trotz der Vermittlung der Kulturbürgermeisterin und des Oberbürgermeisters bislang keine Lösung gefunden. Lediglich die bauliche Ertüchtigung für die Räume der IANP im Erdgeschoss des Gebäudes wurde finanziert und 2020 umgesetzt.
Neugestaltung Dauerausstellung:
Die Erweiterung der Ausstellungsfläche im 2. OG (gleichgeschossig im Umgriff des Saal 600) ist notwendig, um die internationale Relevanz der Nürnberger Prozess für die Entwicklung des Völkerstrafrechts – die weltweiten Wirkungen des Geschehens im Saal 600 – bis zur Gegenwart zu dokumentieren. Das leistet die bisherige Ausstellung noch nicht in ausreichendem Maße. Sie ist, zweitens, erforderlich, um Räume zu schaffen, in denen Besucherinnen und Besucher stärker eingebunden werden und eigene Reflexionen anstellen können („Was hat das mit mir zu tun?“). Auch das kommt bisher zu kurz. Die zusätzliche Neugestaltung der bisherigen Dauerausstellung im 3. OG des Ostbaus ist hingegen deshalb unabdingbar, weil a) die inzwischen über zehn Jahre alte
Dauerausstellung technisch störanfällig und schadhaft geworden ist, sie sich b) inhaltlich nicht mehr auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand befindet und sie c) im Blick auf die massiv gewandelten Rezeptionsgewohnheiten und Anforderungen an Barrierefreiheit ein großes Revisionsbedürfnis aufweist.
Ursprünglich war die Neukonzeption der Dauerausstellung in einem Zuge zusammen mit der baulichen Ertüchtigung des Gebäudes geplant. In den Jahren 2018/2019 wurden die gesamten Ausstellungskosten hierfür auf 5 Mio. EUR geschätzt und als Einzelmaßnahme in den MIP aufgenommen. Allerdings konnte auch für die Erneuerung der Dauerausstellung noch keine bundund/oder landesgeförderte Gesamtfinanzierung vorgelegt werden, da das BKM Nürnberg mit den Mitteln aus der Gedenkstättenförderung für Zeppelintribüne und Dokuzentrum bereits „als ausreichend bedacht“ ansah.
Daher soll die Erweiterung und Neukonzeption des Memoriums nun unter neuer Leitung in drei einzelnen, inhaltlich und baulich begründeten Realisierungsabschnitten erfolgen:
Als erster Schritt der Neukonzeption ist die Medieninstallation im Saal 600 mit geschätzten Gesamtkosten von 800.000,- EUR bereits als Teil der o.g. MIP-Einzelmaßnahme finanziert. Der Freistaat übernimmt davon 362.500,- EUR. Die Umsetzung läuft, geplante Fertigstellung der Maßnahme ist November 2022. Die Kosten für den zweiten Erweiterungsschritt im 2. OG des Oberlandesgericht-Ostbaus werden derzeit noch ermittelt. Im dritten und letzten Schritt soll die bisherige Dauerausstellung im 3. OG neugestaltet werden.
Daher werden derzeit neue Planungen erstellt, welche die Ertüchtigung der einzelnen Stockwerke und damit verbunden die Umsetzung der neuen Dauerausstellung in mehreren Etappen vorsehen. An der Kostenermittlung und Finanzierungsmodellen wird derzeit gearbeitet.
Baumaßnahme Besucherzentrum Vorplatz: Parallel zu diesen im engeren Sinn musealen Ertüchtigungsmaßnahmen im Gebäude des Saals 600 läuft derzeit in Verantwortung von H ein Realisierungswettbewerb zur Gestaltung des Ostbau- Vorplatzes, dem ehemaligen PitStop-Areal, welches momentan den temporären Ausstellungsraum Cube 600 beherbergt („Offener hochbaulicher und freianlagenplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb Umgestaltung des Umfeldes am Memorium Nürnberger Prozesse und Neubau eines BesucherInnenzentrums“). Teil dieses Wettbewerbs ist ein zu errichtendes Besucherzentrum für das Memorium Nürnberger Prozesse. Dieses Besucherzentrum soll im Falle einer erfolgreichen Bewerbung Ausstellungsflächen für das UNESCO-Welterbezentrum beinhalten. Die Kosten können erst nach Durchführung des Wettbewerbs Ende 2022 ermittelt werden. Erste Schätzungen von H gehen von einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag aus.
Für die Umsetzung der Maßnahme müssen noch Kapazitäten bei H bereitgestellt werden.
Die Finanzierung dieses Besucherzentrums ist noch nicht geklärt. Mittel aus der regulären Städtebauförderung scheiden aus, da es sich um einen Ort von nationaler Bedeutung handelt. Eine Berücksichtigung beim Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ scheint unrealistisch, da Nürnberg hier in den vergangenen Jahren bereits großzügig bedacht wurde.
Museum Industriekultur
Baumaßnahme:
Seit 2011 laufen Planungen zur notwendigen Brandschutzsanierung im Museumsgebäude. Die 2012 in das BIC aufgenommene Maßnahme wurde zusammengelegt mit einer weiteren BIC-Maßnahme zur Abdichtung der nördlichen Stützwand, da es aufgrund der undichten Nordwand des Museumsgebäudes bei Regen immer wieder zu erheblichen Wassereinbrüchen kommt. Diese Maßnahme wiederum wurde 2019 um weitere notwendige Sanierungsbereiche erweitert. Hierzu zählt die klimatische Ertüchtigung der Südfassade, welche nicht zuletzt durch die neue Wohnbebauung im Süden („TafelQuartier“) notwendig geworden ist. Die Ertüchtigung dieser Glasfassade im Süden durch Mehrscheiben-Isolierglas, die Dämmung des Daches sowie eine PV- Anlage auf dem Dach sollen dabei helfen, das Museum weitgehend CO2-neutral werden zu lassen. Hinzu kommen noch einige längst überfällige bauliche Umstrukturierungen in Foyer, Einführungsraum und Ende der Museumsstraße, die das in über dreißig Jahren kaum veränderte Museum heutigen Seh- und Nutzungsgewohnheiten anpassen. Die vom Fachbereich Arbeitssicherheit bereits mehrfach aufgrund von Sicherheitsbedenken angemahnte Überarbeitung des Werkstattbereichs wird durchgeführt und der Werkstattbereich zugunsten eines neuen Seminarund Museumspädagogikbereichs verkleinert. Ein Behinderten-WC im EG passt das Museum an die Anforderungen der Inklusion an.
Der Brandschutznachweis, der 2017 im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens an die BOB ergangenen ist, listet etliche gravierende Mängel auf. Unter anderem liegt der Feuerwiderstand des gesamten Stahltragwerks des Tafelwerks/Museum Industriekultur mit F16 statt F30 intolerabel weit unter dem vorgeschriebenen Widerstandsbereich. Der Einbau einer Sprinkleranlage im gesamten Haus soll alle diese Mängel beseitigen. Bei einer weiteren deutlichen Verzögerung der Sanierung steht die Betriebsfähigkeit des Hauses in Frage.
Die Baugenehmigung wurde 2020 nach einer dreijährigen Prüfungsphase erteilt. Vier Jahre nach Erteilung droht der Verfall der Baugenehmigung, wenn nicht mit dem Bau begonnen wurde. Baubeginn müsste demnach im Januar 2024 sein.
Kostenberechnung der Gesamtmaßnahme Stand 07.2022: 13,61 Mio. EUR
Die Freigabe durch Rpr nach Prüfung der Zahlen ist zum Abschluss der Leistungsphase 3 erfolgt und an die Kämmerei weitergeleitet. Allerdings wurde die Aufnahme in den MIP im August 2022 auf unbestimmt verschoben. Wie oben angeführt ist eine Aufnahme in den MIP erforderlich, um im Jahr 2024 rechtzeitig beginnen zu können.
Externe Optionen der Finanzierungsbeteiligungen sind noch ungeklärt. Die Städtebauförderung kommt für die Baumaßnahme nicht in Frage, da das Museum in keinem der Stadterneuerungsgebiete liegt. Eine Förderung der PV-Anlage ist im Rahmen des Förderprogramms BEG Effizienzgebäude Denkmal zu 30% der Bruttokosten möglich, setzt aber ein generelles Umsetzungscommitment des Antragstellers voraus.
Neukonzeption Dauerausstellung:
Die geplante (Teil-)Neukonzeption muss als Bestandteil der Baumaßnahme betrachtet werden, da durch die Notwendigkeit, das Museumsgebäude auszuräumen, gleichzeitig die Gelegenheit besteht, die dringend notwendige Überarbeitung der Dauerausstellung umzusetzen. Die Planung der Gestaltung muss sich daher am Zeitplan der Baumaßnahme orientieren.
Geschätzte Kosten: 3,43 Mio. EUR
Die Finanzierung ist noch ungeklärt. Eine Förderung der Neukonzeption durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen ist wahrscheinlich.
Deutsches Spielearchiv Nürnberg im Pellerhaus / Haus des Spiel(en)s
Das Pellerhaus beherbergt seit 2012 das Deutsche Spielearchiv Nürnberg (DSAN). Für die Bewerbung Nürnbergs zur Kulturhauptstadt 2025 wurde die Idee eines „Haus des Spiel(en)s“ entworfen und das Konzept seit 2018 in einem laufenden und stetig ausgebauten Testbetrieb weiterentwickelt. Inzwischen hat sich das Haus des Spiel(en)s mit DSAN als Kompetenzzentrum zum Thema Spiel mit internationalen Kooperationen und zuletzt über 20.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr überregional etabliert.
Geschätzte bisherige Gesamtkosten für die Generalsanierung: 36 Mio. EUR
Derzeit läuft die Umplanung zu einer kostengünstigeren Variante ohne Treppenturm und Veranstaltungsraum im Dachgeschoss. Die Kostensenkung wird wegen der dadurch notwendigen Eingriffe in das Bestandsgebäude vermutlich nicht erheblich ausfallen.
Es sind bereits Planungskosten von insgesamt über 1,5 Mio. EUR angefallen.
Finanzierung: Bislang konnte lediglich die in einem Vorauswahlverfahren erfolgreiche Inaussichtstellung von 1 Mio. EUR aus dem Bundesprogramm SJK (Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur) erreicht werden. Die Zuschussgewährung ist jedoch an eine verbindliche Zusicherung der Gesamtfinanzierung und terminlich präzisierte Projektumsetzung gebunden. Bekennt sich die Stadt nicht zu dem Projekt, muss die Bewerbung zurückgezogen werden. Weitere Anträge bei potentiellen Fördergebern wie der Städtebauförderung können ebenfalls erst bei Klärung der Gesamtfinanzierung und Eigenmittelbestätigung durch die Stadt gestellt werden. Eine Denkmalförderung durch die Bayerische Landesstiftung ist seit 2022 für Nürnberg nicht mehr möglich.
Die Alternative zur zeitnahen Generalsanierung wäre ein provisorischer Weiterbetrieb als Haus des Spiel(en)s auf aktueller Basis in Kooperation mit Vereinen, Instituten und Initiativen. Das DSAN bleibt mit seinem Depot und den Büroräumen im unsanierten Pellerhaus. Die bereits seit 10 Jahren praktizierte Interimsnutzung des Gebäudes würde fortgeführt, während der akute Sanierungsstau die Voraussetzungen für eine weitere Nutzung von Peller- und Imhofbau stetig verschlechtert. Besonders gravierend sind die Mängel beim Brandschutz. Aber auch die Kanalisation, das Dach und die Fenster sind dringend sanierungsbedürftig. Wegen der zu erwartenden hohen Kosten sollte dies aus wirtschaftlichen Gründen mit einer Generalsanierung verknüpft werden. Die Mängel lassen sich nicht über die knappen Mittel aus Bauunterhalt und Baupauschale beseitigen. Die Aufrechterhaltung eines Betriebs ist daher akut gefährdet.
Wenn die notwendigen Sanierungen nicht durchgeführt werden können, droht die Schließung des Hauses. Zu klären wäre dann die mittel- und langfristige Unterbringung des DSAN mit Spielesammlung (40.000 Spiele), Büros (8 Arbeitsplätze) und Veranstaltungsflächen. Daneben sind derzeit verschiedene Vereine und externe Träger (u.a. Ali Baba Spieleclub e.V. mit 600 Mitgliedern und 5.000 Spielen im Bestand, Medienzentrum Parabol e.V. mit Studio und Streaming-Raum, Noris- Liga e.V. mit Retro-Spielebereich und Kreativwerkstatt) im Pellerhaus untergebracht. Veranstaltungsflächen und Kooperationspartner sind essentielle Bestandteile der mittlerweile etablierten Institution Haus des Spiel(en)s.
Das Denkmalschutzgesetz verpflichtet zum Erhalt, weshalb das Hochbauamt für das Pellerhaus dringenden Handlungsbedarf sieht.
Stadtmuseum im Fembo-Haus
Neukonzeption Dauerausstellung: Vergabeverfahren Ausstellungsgestaltung: 02.2022 bis 06.2022 Ausstellungsneukonzeption: seit 2021 bis voraussichtlich 2025 (in zwei Bauabschnitten) Geplante Kosten: Bauabschnitt 1 (2021-2023): 1,7 Mio. EUR (MIP 2022); die Kosten für Bauabschnitt 2 werden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie bis voraussichtlich Ende 2022 ermittelt Finanzierung/ Projektmittel: Bauabschnitt 1 (vollständig finanziert): Theo und Friedl Schöller- Stiftung (59 %), Stadt Nürnberg (41 %); Bauabschnitt 2 (erste Anschubförderungen): Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern: 7.000 EUR für eine Machbarkeitsstudie, Zukunftsstiftung der Sparkassen Nürnberg: 43.750 EUR für eine VR-Einheit zum Nürnberger Hauptmarkt (Mittelabfluss bis Ende 2022); in Aussicht gestellt: Förderverein Kulturhistorisches Museum Nürnberg (ca. 5.000 €) für eine Leseecke; geplante Drittmittelantragstellungen: Ernst von Siemens Kunststiftung für Restaurierungen Finanzierung/ Personalkosten: 1 wissenschaftliche Mitarbeiterin/ Kuratorin für sämtliche konzeptionelle und baulichen Erneuerungen (07.2022-12.2026, gesamt rund 384.000 EUR) 2018 hatte die Theo und Friedl-Schöller-Stiftung dem Fembo-Haus eine Anschubfinanzierung für die Neugestaltung eines ersten Teils der Dauerausstellung zugesprochen, die als Auftakt einer umfassenden Erneuerung des Hauses geplant war. Als Zeitraum hierfür wurden im Jahreskontrakt 2019 fünf Jahre veranschlagt. Für die Fertigstellung wird seit dem Jahreskontrakt 2020 Ende 2025 anvisiert. Baumaßnahme: Im Fembo-Haus sind das Rückgebäude sowie das Dach im Zwischen- und Rückgebäude dringend sanierungsbedürftig und die als Büroräume genutzte ehem. Hausmeisterwohnung muss zwingend eine bauliche Anpassung erfahren. Eine Erneuerung in (bau)technischer Hinsicht ist unter anderem aus Gründen des Kulturgutschutzes dringend geboten. So verlaufen in dem seit 1976 nicht mehr sanierten Gebäude etwa die Wasserleitungen zu den oberen Stockwerken direkt dort, wo sich die wertvollsten Einbauten und Ausstellungsstücke befinden. Mehrere Zusagen, die der Theo und Friedl-Schöller-Stiftung im Rahmen des Förderantrags gemacht wurden, lassen sich erst innerhalb der baulichen Maßnahme verwirklichen. Deshalb sollen im Zuge der Maßnahme auch das Kellergeschoss ausgebaut sowie das Foyer und der Innenhof saniert werden und eine Anpassung an die aktuellen Standards der Inklusion erfolgen. Schließlich sind in Vorbereitung auf Bauabschnitt 2 dringend erforderliche Verbesserungen in der Klimatisierung und der Sicherheit (Einbruch- und Brandschutz) vorzunehmen. Aus den genannten Gründen erfolgte 2021 eine Aufnahme mit höchster Priorität in die BIC-Liste 2022. Ein Kostenrahmen ist noch nicht ermittelt. Das Hochbauamt rechnet mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag.
Spielzeugmuseum
Planungen für eine Neukonzeption der gesamten Dauerausstellung und einer parallelen baulichen Ertüchtigung des Gebäudekomplexes Spielzeugmuseum (Karlstraße 13-19) existieren bereits seit einigen Jahren. Ein inhaltliches Konzept (Stichworte: „Emotionales Weltmuseum“ / „Nachhaltigkeit für alle“) wurde gemeinsam mit dem Berliner Gestaltungsbüro Sunder-Plassmann als Vision für das gesamte Haus entwickelt und inzwischen für das Gesamtgebäude visualisiert, woraus in einem ersten Schritt das neugestaltete und 2021 fertiggestellte Erdgeschoss verwirklicht werden konnte. Dieses Konzept wurde zur BIC-Anmeldung 2021 vorgelegt, erhielt allerdings keine Priorisierung und somit keine Aufnahme in die Sachstandsliste. Das Konzept zur Neugestaltung schließt das bisher vorwiegend zu Wohnzwecken genutzte Gebäude Karlstraße 17 mit ein, in dessen Erdgeschoss sich bereits der museumspädagogische Bereich des Museums befindet, sowie die denkmalgeschützte „Dockengalerie“ des Nebengebäudes und bildet damit ein „Museumsquartier Karlstraße 13-19“.
Das Gebäude in der Karlstraße 17 wird derzeit noch vom Liegenschaftsamt verwaltet, da 4 der 8 dort untergebrachten Wohnungen aktuell noch an Privatpersonen vermietet sind. Eine Umnutzung von 3 leerstehenden Wohnungen für die Interimsnutzung als Büroräume ist bereits in der BP 2024 vorgesehen.
Im Rahmen von Begehungen durch Arbeitssicherheit und Feuerwehr im Sommer 2022 wurden im 3. OG der Ausstellung mit Kinderspielbereich Verstöße gegen den Brandschutz festgestellt, die im Kontext der weiteren Planungen priorisierend Berücksichtigung finden müssen.
Kosten: Eine erste Grobkostenschätzung des Gestaltungsbüros Sunder-Plassmann für die Gesamtmaßnahme inkl. Bau bewegt sich in einem unteren zweistelligen Millionenbereich (12 – 15 Mio. EUR). Eine genauere Prüfung und konkrete Kostenberechnungen können aus baufachlicher Sicht erst nach Planungsbeginn durch das Hochbauamt ermittelt werden.
Finanzierung: Die Erbschaften des SPM sind zu großen Teilen in die Neugestaltung des Foyers eingeflossen und mittlerweile aufgebraucht. Jedoch haben der Förderverein des Spielzeugmuseums Nürnberg und die Gerd-von-Coll-Stiftung 2022 gemeinsam eine Spendenaktion für das Spielzeugmuseum gestartet, durch die zwischenzeitlich 20.000 EUR eingegangen sind. Förderungen durch Sponsoren aus Spielzeugindustrie und -verbänden sind denkbar.
Die Entscheidung zugunsten einer Generalsanierung oder einer Sanierung und Neugestaltung einzelner Bauabschnitte Step-by-Step muss abgewogen werden. Dabei sind auch die beschränkten Planungskapazitäten des Hochbauamtes zu berücksichtigen.