Kulturelle Teilhabe für Alle in Nürnberg ermöglichen
Bericht im Kulturausschuss am 14. Oktober 2022
Im Folgenden sollen die verschiedenen Fragestellungen des Antrages der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen vom 02.08.2022 beantwortet werden.
1. Bestehende Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe
Die Stadt Nürnberg verpflichtet sich in Ihrer Kulturstrategie unter anderem dazu, dass jede und jeder Kulturangebote produzieren und wahrnehmen können soll – unabhängig von Herkunft, Sprache, Bildung, körperlichen Besonderheiten oder Alter. Eine an der diversen Bürgerschaft ausgerichtete Angebots- und Ermöglichungsstruktur soll Kunst und Kultur als verbindendes Element unserer Stadtgesellschaft weiterhin stärken. Im Zuge der Jahrzehnte der Soziokultur haben sich in der Stadt Nürnberg eine umfassende teilhabeorientierte kulturelle Infrastruktur und Geisteshaltung der Akteurinnen und Akteure herausgebildet. Im Folgenden sollen exemplarisch an diversen Beispielen die verschiedenen Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe in Nürnberg aufgezeigt werden. Hierzu zählen kostenfreie Angebote (z.B. in Kulturläden oder im Rahmen von Festivals), Möglichkeiten der Vergünstigungen (Kulturkarten, Nürnberg-Pass), aber auch das KulturTicketNürnberg der Bürgerstiftung Nürnberg.
1.1. KulturKarten
Die KulturKarte berechtigt als wichtiger Bestandteil der kulturellen Teilhabe in Nürnberg für ein Jahr beliebig oft zum Eintritt in elf städtische und drei staatliche Museen und Ausstellungen:
Kunsthalle Nürnberg
Kunstvilla im KunstKulturQuartier
Kunsthaus im KunstKulturQuartier
Stadtmuseum Fembohaus
Dokumentationzentrum Reichsparteitagsgelände
Museum Industriekultur
Spielzeugmuseum
Museum Tucherschloss
Albrecht-Dürer-Haus
Memorium Nürnberger Prozesse
Vorführungen im Planetarium von Montag bis Freitag
Germanisches Nationalmuseum
DB / Verkehrsmuseum
Museum für Kommunikation
Für die KulturKarte für Schülerinnen, Schüler und Studierende wird dabei ein jährlicher Unkostenbeitrag von 5,00 Euro, für die KulturKarte für Senioren 18,00 Euro (mit Nürnberg-Pass 9,00 Euro) und die KulturKarte für Menschen mit Behinderung 12,00 Euro erhoben.
1.2. Leistungen für Bildung und Teilhabe
Die Leistungen für Bildung und Teilhabe des Sozialamtes bieten u. a. Angebote zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben an - für alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 18 Jahre, wenn sie selbst oder ihre Eltern Sozialleistungen erhalten Microsoft Word - Anbieterübersicht_Kunst_und_Kultur.docx (nuernberg.de). Mit den Leistungen für Bildung und Teilhabe können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Familien mit geringem Einkommen gleichberechtigt Angebote der Schule, Kindertageseinrichtung und in der Freizeit wahrnehmen. Kinder und Jugendliche
erhalten 15 Euro pro Monat in Form von Gutscheinen, zum Beispiel auch für Angebote in den Bereichen Kultur, Kunst oder Bildung. Diese können u.a. für Angebote von verschiedenen Musikschulen inkl. Musikalischer Früherziehung, für Kreativkurse oder für Vorführungen verschiedener Theater (Theater Pfütze, Theater Mummpitz, Theater Salz und Pfeffer, StageWorld, Theaterta) eingelöst werden.
1.3. Kulturläden
Nicht nur zugewanderte Nürnbergerinnen und Nürnberger sowie Menschen mit geringem Einkommen machen von den Angeboten in den Kulturläden regen Gebrauch. Die Nürnberger Kulturläden sind elf soziokulturelle Zentren, die sich über das Nürnberger Stadtgebiet erstrecken. Unter dem Slogan „Auf gute Machbarschaft“ sind sie für die Menschen in den Stadtteilen da und gestalten mit ihnen gemeinsam ein vielfältiges kulturelles Programm für die gesamte Stadtbevölkerung. Die Kulturläden bieten kulturelle Veranstaltungen auch abseits vom Zentrum in den Stadtteilen, sie schaffen Anlässe, bei denen sich Menschen treffen, sich beteiligen oder austauschen können. Junge Menschen zieht es mittlerweile aber eher seltener in diese Einrichtungen.
1.4. Festivals
Ein wesentliches Merkmal der Nürnberger Kulturlandschaft ist die überaus facettenreiche Festivalkultur. Festivals wie die Blaue Nacht und das Klassik Open Air sind über die Grenzen Nürnbergs und seiner Region hinaus bekannt. Das Bardentreffen gilt als jährliche kulturelle Magnetveranstaltung und das größte Umsonst & Draußen Musikfestival Deutschlands. Mit diesem außergewöhnlichen Angebot an Festivals, die im Freien stattfinden und eintrittsfrei zugänglich sind, führt die Stadt Nürnberg die Tradition einer auf Teilhabe ausgerichteten Kulturpolitik fort.
1.6. NürnbergPass
Der Nürnberg-Pass gilt als das zentrale Steuerungsinstrument der Armutsprävention und –bekämpfung. Er stellt sicher, dass soziale und kulturelle Teilhabe auch Bürgern ermöglicht wird, die nur über geringe finanzielle Mittel verfügen und Sozialleistungen beziehen. Dabei handelt es sich um vergünstigte und kostenfreie Angebote mit vielen Kooperationspartnern bei städtischen Einrichtungen, Vereinen und Verbänden in den Bereichen Bildung, Kultur, Freizeit, Gesundheit und Sport Angebote mit dem Nürnberg- Pass - Sozialamt Nürnberg (nuernberg.de). Die Kooperationspartner brauchen selbst keine Prüfung der Bedürftigkeit vornehmen, da mit dem Nürnberg-Pass die Prüfung durch das Sozialamt erfolgte, und zwar in sehr niedrigschwelliger Form. Das Leistungsangebot für Kinder und Jugendliche findet in enger Verzahnung mit dem Angebot des „Bildungs- und Teilhabepakets“, z.B. bei Angeboten in den Ferien statt.
Im Folgenden sollen exemplarisch einige Beispiele benannt werden:
Theater Mummpitz (20% Ermäßigung)
Theater Pfütze (6,00 € für Kinder)
Amt für Kultur und Freizeit (50 % Ermäßigung, maximaler Preis: 5,00 €)
Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne (Kinder: 3,00 €, Schulkinder 3,70 €,
Erwachsene 4,50 €)
Bildungszentrum (50 % Ermäßigung)
DB Museum (Eintritt frei)
Germanisches Nationalmuseum (2,00 €, Familienkarte 4,00 € Mittwoch ab 17:30 Uhr
freier Eintritt)
Gostner Hoftheater (Kostenfrei an bestimmten Tagen)
Casablanca Filmkunsttheater (Eintritt: 4,00 €, montags von 17 – 20 Uhr „Zahl so viel
Du kannst“)
Filmhauskino (Eintritt 4,50 €)
Kunsthaus (Eintritt 1,00 €)
Kunsthalle (Eintritt 1,00 €)
Kunstvilla (Eintritt 1,00 €)
Musikschule Nürnberg (50 % Ermäßigung des Schulgelds)
Nürnberger Symphoniker (50 % Ermäßigung)
Theater Salz+Pfeffer (Ermäßigung: 1,50 – 5,00 €, je nach Vorstellung)
Staatstheater Nürnberg (50% Ermäßigung)
Theater rote Bühne (Freier Eintritt an der Abendkasse)
Pocket Opera Company (50% Ermäßigung)
Stadtbibliothek (Jahresgebühr ermäßigt: 7,50 € Für Kinder und Jugendliche bis
einschl. 17 Jahre frei)
Deutsches Museum / Zukunftsmuseum (6,00 € Kinder bis einschließlich 5 Jahre freier
Eintritt)
Museen der Stadt Nürnberg (Jahreskarte 5,00 € Eintritt: 1,50 € (altersunabhängig))
Tafelhalle (50 % Ermäßigung)
Tiergarten Nürnberg (Erwachsene: 7,00 €, 4 – 17 Jahre: 3,80 €)
Eine vollständige Liste über 13 Seiten findet sich auf den Seiten des Amtes für Existenzsicherung und soziale Integration.
2. KulturTicketNürnberg der Bürgerstiftung Nürnberg
Ergänzend zum Nürnberg-Pass kann man mit selbigen auf das KulturTicketNürnberg zugreifen. Dieses Projekt hat die Bürgerstiftung Nürnberg mit Unterstützung des damaligen Kultur- und des Sozialreferats der Stadt Nürnberg und des Staatstheaters Nürnberg bereits im Mai 2015 ins Leben gerufen. Das „KulturTicketNürnberg“ soll dabei allen Menschen die Teilnahme am kulturellen Leben ermöglichen. Eine Kultur- /Sporteinrichtung gibt Restkarten für eine Veranstaltung an die Initiative „KulturTicketNürnberg“ weiter. Diese vermittelt die Karten an Nürnberg-Pass- Besitzerinnen und -Besitzer, die sich bei der Bürgerstiftung Nürnberg registrieren ließen und damit die Möglichkeit haben, die Veranstaltung kostenlos zu besuchen. Die Karten werden paarweise oder zum Teil auch für Familien abgegeben, so dass niemand alleine eine Vorstellung besuchen muss. Es leistet damit aus Sicht der Kulturverwaltung genau das, was im Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen thematisiert wird. Das Angebot von KulturTicketNürnberg richtet sich an alle Nürnberger Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren mit niedrigem Einkommen, die einen Nürnberg-Pass besitzen. Nach erfolgter Anmeldung laden ehrenamtliche Mitarbeiter die KulturGäste in einem persönlichen Telefongespräch zu den Veranstaltungen ein, für die sie Restkarten von verschiedenen KulturPartnern erhalten haben. Die Erfahrung zeigt, dass die Gäste sich durch die direkte telefonische Ansprache eingeladen und erwünscht fühlen, so dass ein Gefühl der Zugehörigkeit entsteht. Durch die Teilnahme am kulturellen Leben eröffnen sich für die Gäste zusätzliche Perspektiven und neue Inspirationen für die eigene Lebensgestaltung. Ende 2019 freute man sich über mehr als 29.000 vermittelte Karten zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen. Bis dahin nutzten 1.300 angemeldete Personen das Angebot über kostenlose Eintrittskarten.
3. Kulturelle Teilhabe für Schülerinnen und Schüler in Nürnberg
Bei den untenstehenden Projekten handelt es sich um exemplarische Initiativen, die mehreren Schulen offenstehen. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Schulleitungen bzw. Lehrkräfte auch Aktionen organisieren und in den Schulalltag einbauen, z. B. in Projekttagen oder -wochen, welche allen Schülerinnen und Schülern kostenfrei oder gegen einen geringen Sachaufwand kulturelle Teilhabe ermöglichen sollen.
KinderKulturOffensive 2021 und 2022
In den Schuljahren 2020/21 sowie 2021/22 wurden durch den Geschäftsbereich Kultur der Zweiten Bürgermeisterin, das Referat Schule und Sport sowie das Referat für Jugend, Familie und Soziales die KinderKulturOffensive 2021 und 2022 ausgerufen. Ausschlaggebend hierfür waren die durch die Corona-Pandemie notwendigen Einschränkungen für die Kinder und Jugendlichen, aber auch für die freischaffenden Künstlerinnen und Künstler. Ziel war es, niederschwellig Kulturhorizonte zu öffnen und kulturelle Teilhabe sowie Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche in Pandemiezeiten zu ermöglichen. Die Kosten der KinderKulturOffensive trug die Stadt Nürnberg in einem einmaligen Schulterschluss dreier Fachreferate. Unterstützt wurde die KinderKulturOffensive zusätzlich durch das großzügige finanzielle Engagement von Nürnberger Rotary Clubs, denn die Teilnahme an der KinderKulturOffensive sollte allen Kitas, Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen trotz schwieriger Haushaltslage möglich sein. Ein weiteres wichtiges Ziel war die Vernetzung der Schulen mit Kulturschaffenden, um nachhaltige Strukturen für weitere Kooperationen entstehen zu lassen. Durch die KinderKulturOffensive 2021 und 2022 konnten über 3.000 Kinder und Jugendliche erreicht werden. Weitere Aktivitäten im Bereich Koordination Schule & Kultur sollen nun zukunftsgerichtet und an den aktuellen Bedarfen orientiert entwickelt werden.
Pädagogische Projektmittel
Der Stadtrat stellt für die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Nürnberg insgesamt Mittel in Höhe von 85.000 Euro zur Förderung pädagogischer Projekte bereit. Hierbei werden pädagogische Vorhaben, welche den Regelunterricht ergänzen, besonders gefördert. Inhaltlich sind die Projekte vielfältig aufgestellt. Neben der Umweltbildung steht dabei das kreative Handeln und kulturelle Leben häufig im Zentrum. Über die bewilligten Projekte wird jährlich i. d. R. im Schulausschuss im Oktober berichtet.
Schule ohne Rassismus Schule mit Courage
Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist ein bundesweites Schulnetzwerk.
Schulen, die den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen und Teil
des Netzwerks werden möchten, einigen sich in einer Selbstverpflichtung mehrheitlich
darauf, aktiv gegen Diskriminierung, insbesondere Rassismus, an ihrer Schule
vorzugehen. In Bayern gibt es über 700 Schulen mit dem Titel, in Nürnberg über 40 über
alle Schularten verteilt.1 Unterstützt werden die Schulen durch weitere Partner wie
außerschulische Bildungsorganisationen, Theater, Museen, staatliche Einrichtungen,
Personen des öffentlichen Lebens, Medien usw. Die aktive Umsetzung erfolgt auf
unterschiedliche Art und Weise. So entstehen u. a. unter der Beteiligung von
Kulturschaffenden Theaterprojekte, künstlerische oder gestaltende
Auseinandersetzungen oder auch Musikprojekte wie das „Mensch ist Mensch“-Projekt der
B7 (Vorstellung im Schulausschuss vom 11.02.2022).
1 https://www.schule-ohne-rassismus.org/netzwerk/courage-schulen/