Beilage zur Sitzung des Sozialausschusses am 13.10.2022
Sachstand der Umsetzung des Konzepts zur Weiterentwicklung des Treffs
Bleiweiß „Bewegung und Begegnung“
I. Ausgangslage
Der Bedarf zu einer Weiterentwicklung der Begegnungsstätte Treff Bleiweiß ergibt sich vor allem aus demografischen Herausforderungen, wie zum Beispiel der Verrentung der Babyboomer-Generation. Diese zukünftige Zielgruppe der offenen Seniorenarbeit hat in der Regel andere Ansprüche an für sie attraktive Angebote. Ebenso bedarf es einer geänderten Ansprache, um diese Gruppe zur Teilnahme an und zum Engagement für offene Angebote zu gewinnen.
Ebenso geht es um eine konzeptuelle Aktualisierung des Angebots, in Abgleich mit der im Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts der Stadt Nürnberg erfolgten Neuformulierung strategischer Zielsetzungen des Seniorenamts in 2018.
Wie das am 02.07.2020 beschlossene Konzept „Treff Bleiweiß - Bewegung und Begegnung“ umgesetzt wird und welche Entwicklungen vorangetrieben wurden, wird im Folgenden skizziert.
II. Entwicklungen seit Juli 2020
1. Organisationsstruktur des Fachbereichs
Die durch die Verschränkung der Bereiche „Kommunikation“ und „Angebote zur Teilhabeförderung“ bedingten Veränderungsziele in der Organisationsstruktur des Fachbereichs wurden erreicht. Der neue Aufgabenzuschnitt der Stelle „Fachbereichsleitung“ wurde in einer neuen Stellenbeschreibung fixiert, wobei der Fachbereichsleiter schwerpunktmäßig auch vor Ort im Treff Bleiweiß tätig ist. Ebenso wurde eine neue Stelle „Veranstaltungs- und Hausmanagement“ geschaffen, die nun personell besetzt werden muss.
2. Bauliche Veränderungen/Instandsetzungsbedarfe
Bezüglich der im Konzept aufgeführten baulichen Veränderungs- und Instandsetzungsbedarfe sind die anvisierten Maßnahmen inzwischen weitgehend abgeschlossen:
Fassade: Verwitterte Holzbalken im Bereich des „Fluchtbalkons“ wurden ausgetauscht. Die Fluchttreppe wurde instandgesetzt. Schallschutz zwischen Cafeteria und Obergeschoss: Es wurden vertikal abhängende Lamellen entlang der Betonträger installiert; dies bietet einen gewissen Schallschutz bei gleichzeitiger Erhaltung des offenen Charakters des gesamten Hauses. Stuhl- und Tischlager Saal: Ein Vorhang zur Abtrennung des hinteren Saalbereichs wurde installiert; so können Tische und Stühle im Saal hinter der optischen Barriere gelagert werden und müssen nicht während des laufenden Betriebs durch den Gastraum der Cafeteria transportiert werden. Belüftung: Fenster im Glassatteldach sowie Motoren zum Öffnen und Schließen wurden instandgesetzt, um eine bessere Luftzufuhr im Gebäude zu ermöglichen.
Bezüglich des defekten außenliegenden Sonnenschutzes des Glassatteldaches ist die Installation einer neuen Sonnenschutzanlage noch für 2022 geplant. Mit Blick auf die Zielgruppe des Treffs ist diese Maßnahme essentiell, um einen entsprechenden Hitzeschutz für den Betrieb zu gewährleisten. Das Haus heizt sich in den Sommermonaten durch die direkte Sonneneinstrahlung über das Glassatteldach stark auf.
Geplante Instandsetzungen an der Holz- und Betonfassade (vor allem im Bereich des Haupteingangs) konnten aufgrund knapper Budgets leider im Rahmen der Hochbaupauschale 2021 bisher nicht umgesetzt werden.
3. Kooperationen
Cafeteria und Quartiersarbeit Die Cafeteria erfüllt für den Treff eine wichtige Funktion. Als nicht programmgebundener Ort dient sie als Raum für Begegnungen der Besucherinnen und Besucher untereinander. Zum Zeitpunkt der Verabschiedung des Konzepts „Bleiweiß – Bewegung und Begegnung“ war die Zusammenarbeit mit der arbewe gGmbH, welche die Cafeteria seit 2006 betrieben hatte, bereits beendet.
Gemeinsam mit der Noris Arbeit (NOA) gGmbH wurde im Herbst 2020 eine Kooperation vereinbart, die neben dem Betrieb der Cafeteria auch die Koordination des Seniorennetzwerks Südstadt-Ost (mit Anlaufstelle im Treff Bleiweiß) umfasst.
Da der Betrieb der Gastronomie durch die NOA auf einem AGH-Projekt basiert, ist die Cafeteria im Bleiweiß seither in zweifacher Hinsicht teilhabefördernd: einerseits werden Integration und Teilhabe der langzeitarbeitslosen AGH-Beschäftigten gefördert; zudem wird Menschen (auch mit geringen finanziellen Mitteln) soziale Teilhabe ermöglicht, da sie Speisen und Getränke zu günstigen Preisen in Gesellschaft einnehmen können.
Die coronabedingt erst im September 2021 neu eröffnete Cafeteria „Bistro Bleiweiß“ erfreut sich seither sowohl bezogen auf die Speisen, als auch die Service-Qualität, großer Beliebtheit. Die, anders als beim Vorpächter, frisch vor Ort zubereiteten, überwiegend vegetarischen Speisen sowie das Kuchenund Getränkeangebot erhalten von der Besucherschaft durchwegs positive Rückmeldung. Der zuvorkommende und freundliche Service – sowohl im alltäglichen Betrieb, als auch beim Veranstaltungscatering – darf an dieser Stelle positiv herausgestellt werden.
Mit dem Seniorennetzwerk Südstadt-Ost wurde die Kooperation seit der Übernahme der Trägerschaft durch die NOA im März 2021 intensiviert. Die regelmäßigen Seniorenstammtische des Seniorennetzwerks finden nun im Treff Bleiweiß statt. Im Semesterprogramm werden zudem verschiedene Kooperationsveranstaltungen (Theater, Musik, Bewegungsangebote) angeboten.
Wege in die digitale Welt für Ältere Im Digitalcafé, welches der Fachbereich Quartiersentwicklung und Seniorennetzwerke des Seniorenamts mit Unterstützung ehrenamtlich Engagierter seit September 2021 zweimal monatlich im Bistro Bleiweiß anbietet, können Ältere, die nach ihrem Einstieg in die digitale Welt am Ball zu bleiben möchten, sich zu digitalen Themen austauschen. Auch Tandems ehrenamtlicher Digital-Lotsinnen und -Lotsen mit Senioreninnen bzw. Senioren kommen regelmäßig im Treff Bleiweiß zusammen, um mit digitalen Medien vertraut zu werden. Alle Angebotsformate des Projekts, die im Treff Bleiweiß stattfinden, erfahren regen Zuspruch.
Dezentrale Pflegeberatung Seit Herbst 2021 bietet der Pflegestützpunkt Nürnberg im Treff Bleiweiß einmal wöchentlich, jeweils am Donnerstag, seine Beratungsleistungen zu den Themen Pflege, Unterstützung im Alter und Wohnraumanpassung im Treff Bleiweiß an. Im ersten Halbjahr konnten vor Ort im Treff bereits 40 Beratungen realisiert werden. Hinzu kommen regelmäßige Fachvorträge zu Pflegethemen, die teils bis zu 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wahrnehmen.
4. Programmangebot
Insgesamt folgt die Angebotsgestaltung dem Ziel, den Bedürfnissen der langjährigen Stammbesucherschaft zu folgen und gleichzeitig neue Zielgruppen mit attraktiven Angeboten anzusprechen. So findet ein Erproben neuer Angebotsformate und –inhalte bei gleichzeitiger Beibehaltung bewährter Kurs- und Veranstaltungsstrukturen statt.
Nachdem pandemiebedingt geplante Angebote nur sehr eingeschränkt bzw. teilweise überhaupt nicht durchgeführt werden konnten, wurden seit Frühsommer 2021 Bemühungen unternommen, die Stammbesucherschaft für die Wiederaufnahme der Angebote zu reaktivieren. Zu Kurs- und Veranstaltungsprogrammen wurden, neben der Kommunikation in Programmpublikationen und über das Magazin sechs+sechzig, langjährige Teilnehmerinnen und Teilnehmer direkt kontaktiert, sowohl postalisch als auch telefonisch. Durch diese Kundenbindungsaktivitäten konnte, entgegen dem allgemeinen Trend zu einer gewissen Vorsicht bzw. Zögerlichkeit bezüglich der Wahrnehmung von Kultur, eine solide Auslastung der Angebote erreicht werden.
Im Veranstaltungsbereich wurden, gemeinsam mit dem Seniorennetzwerk Südstadt-Ost, neue Kooperationen erprobt: mit der Amateurgruppe „Bühnenreiz“ und dem JugendKinderKulturHaus Quibble wurden verschiedene, auch generationenübergreifenden Angebote zum Themenbereich Theater organisiert.
Auch neue Kooperationsangebote mit der Alten-Akademie e.V. (Vortragsangebote und Konzerte) sowie der Hochschule für Musik Nürnberg finden seit 2021 im Bleiweiß statt. Für Herbst 2022 sind Bluesund Dixiekonzerte im Saal des Treffs Bleiweiß geplant.
Bei einer Auftaktveranstaltung „Queeres Älterwerden in Nürnberg“ im Juli 2022 lud das Seniorenamt gemeinsam mit dem Menschenrechtsbüro Vertreter*innen von LSBTIQA+-Communities ein, um Bedarfe für queersensible Angebote in den Bereichen Pflege, Wohnen und Offene Seniorenarbeit zu eruieren. Im letztgenannten Bereich wurde vor allem Bedarf an einem „offenen queeren Stammtisch“ für Ältere artikuliert. Ein Umsetzungskonzept wird im Herbst 2022 gemeinsam mit Vertreter*innen der genannten Communities erarbeitet, sodass das Angebot voraussichtlich Anfang 2023 starten kann.
III. Perspektiven
Künftig sollen Kooperationen mit den umliegenden Kinder- und Jugendeinrichtungen (benachbarte KiTa, Hort, Quibble) im Sinne intergenerationaler Projekte verstärkt in den Fokus gerückt werden. Dabei stellt die gemeinsame Erarbeitung eines Konzepts zur Umgestaltung und Aufwertung der zwischen Treff Bleiweiß, KiTa und Hort gelegenen Fußgängerzone als Platz der Begegnung von Jung und Alt eine vielversprechende Perspektive dar.
Auch die Ansprache migrantischer Communities älterer Menschen im Bleiweißviertel soll weiterhin verstärkt in den Blick genommen werden.
Zu betonen bleibt vor allem weiterhin die wichtige Balance zwischen etablierten Angeboten und neuen Perspektiven: Neue Angebote brauchen Platz, Zeit und binden personelle Kapazitäten. Der Treff Bleiweiß ist eine gut angenommene, renommierte und bekannte Begegnungsstätte für Seniorinnen und Senioren, was auch bedeutet, dass die Veranstaltungsräume mit regelmäßigen Angeboten bereits gut ausgelastet sind. Diese Angebote sind für viele der Besucherinnen und Besucher des Treffs sehr wichtige, alltagstrukturierende Elemente und ermöglichen Begegnung, Gemeinschaft und Freude.
Solange etablierte Angebote gut nachgefragt sind, bilden diese die Basis der offenen Seniorenarbeit in der Begegnungsstätte Bleiweiß. Der Wandel in der Angebotsstruktur soll kein abrupter oder gar disruptiver sein, der bisherige Klientinnen und Klienten verschreckt. Die stetige Anpassung des Portfolios,
an offenen Angeboten, Veranstaltungen, Kursen, Räumen und Begleitung für Initiativen, verstehen wir als kontinuierlichen Prozess. Es geht uns um ein aufmerksames Beobachten gesellschaftlicher Entwicklungen und sich kontinuierlich verändernder heterogener Gruppen Älterer. Die dabei gewonnenen Perspektiven gilt es über das pilotartige Erproben neuer Formate aufzugreifen.