Öko-Modellregion Nürnberg, Nürnberger Land, Roth
Bericht und Perspektive bis 2026
Inhaltsverzeichnis
1 Wirkungsbericht ................................................................................................................................. 1 1.1 Region .......................................................................................................................................... 1 1.2 Schwerpunkte der bisherigen Arbeit ....................................................................................... 2 2 Zukünftige Handlungsfelder mit Projektbeispielen ....................................................................... 4 3 Neue Fördermöglichkeiten in der Öko-Modellregion ................................................................... 4 3.1 Management und Planung ....................................................................................................... 5 3.2 Neue, eigene Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte....................................................... 5
1 Wirkungsbericht
1.1 Region
Die Öko-Modellregion Nürnberg – Nürnberger Land – Roth existiert seit Anfang 2015. Die Partner bieten einen Absatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte für 830.000 Menschen (Statistik von 2021: Nürnberg 532.000, Nürnberger Land 171.000, Roth 127.000).
In der bisherigen Arbeit standen die Ziele des Bewerbungskonzepts von 2014 im Vordergrund:
Stadt-Land-Kooperation: Absatzmarkt Großstadt für regionale Bio-Lebensmittel erschließen Regionale Wertschöpfungsketten stärken und den regionalen Umsatz steigern Zahl der Umstellungsbetriebe steigern Projekte der Solidarischen Landwirtschaft das Interesse und die Zufriedenheit der Verbraucher für regionale Bio-Produkte steigern.
Das Projektmanagement ist bei der Stadt Nürnberg, Referat für Umwelt und Gesundheit, Biometropole angesiedelt und arbeitet eng mit den Landratsämtern Nürnberger Land und Roth zusammen. Die Stelle der Projektmanagerin wird mit Mitteln des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten anteilsmäßig gefördert. Ein Steuerungskreis mit Vertretern vom Amt für ländliche Entwicklung, der Wirtschaftsförderung und des Klimaschutzmanagements (LRA), der Ökoberatung (AELF), der Bio-Landwirtschaft und aus aktuell relevanten Projekten kommt halbjährlich zusammen, um die nächsten Schritte zu diskutieren.
Übergeordnetes Ziel gibt die Initiative BioRegio 2030 der bayerischen Staatsregierung vor: 30 % Ökolandbau bis 2030. Blickt man auf die Zahlen in der Öko-Modellregion wird deutlich, dass dies ein ambitioniertes Ziel ist. Trotz eines deutlichen Aufwärtstrends bei der Anzahl der landwirtschaftlichen Öko-Betriebe mit B10 KULAP-Förderung (2015: 100; 2021: 176) und der ökologisch bewirtschafteten Fläche (2015: 3356ha; 2021: 6408ha) liegt man aktuell bei rund 11 % Ökolandbaufläche in der Öko-Modellregion.
In der Öko-Modellregion gibt es eine Vielzahl von Verarbeitern und weiteren Dienstleistern im Öko-Bereich. Die Grafik unten zeigt die Zunahmen aller bio-zertifizierten Unternehmenssparten seit existieren der Öko-Modellregion auf (2015: 339; 2021: 535). Grafik oben: Öko-Modellregion, Daten: Invekos, StMELF (Nur Betriebe/Flächen mit KULAP B10 wurden erfasst).
Grafik links: Öko-Modellregion, Daten: LfL Bayern, IEM 6 (Öko-Kontrollstellen; Betriebe die in mehreren Sparten tätig sind wurden doppelt aufgeführt.)
1.2 Schwerpunkte der bisherigen Arbeit
Erzeugung
Die Wissensvermittlung und Vernetzung von Bio-Betrieben und solchen die es werden wollen wurde in den letzten beiden Jahren intensiv durch Praxistage gefördert: „Fruchtbare Böden aufbauen und erhalten“, „Praxis Zwischenfruchtanbau“, Feldabende zum Lupinen- und Sojaanbau sowie das Umstellerseminar: „Der Weg zum Ökolandwirt“. Begleitet von Online-Veranstaltungen zum Austausch im Winterhalbjahr.
Getreide
Gemeinsam mit benachbarten Öko-Modellregionen arbeiten wir daran einen Wertschöpfungskettenmanager für den Bereich „Bio-Getreide Nordbayern“ zu installieren. Der Vertragsanbau für Bio-Dinkel mit der Bäckerei Dr. Karg aus Schwabach und der Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH, als Koordinator der Landwirte, konnte unter Vermittlung der Öko-Modellregion 2021 wieder verlängert werden.
Fleisch
Seit Herbst 2021 sind zwei Geflügelschlachtmobile in der Region unterwegs und können eine Schlachtung direkt am Hof anbieten. Die Öko-Modellregion stellt den Kontakt zwischen interessierten Geflügelhaltern und den Betreibern her. Die Vorkehrungen zum Betrieb einer teilmobilen Schlachtung, auch im Großtierbereich, wurden von der Öko-Modellregion wesentlich unterstützt. Aktuell führen wir Gespräche mit einer Metzgerei um eine mobile Schlachtbox zu realisieren.
Sojaölmühle
Die SAATBAU Deutschland GmbH, unter der Geschäftsführung von Herrn Müller, plant die Eröffnung einer Bio-Sojaölmühle im Nürnberger Hafen im Herbst 2022. Die Öko-Modellregion unterstützte bereits im Vorfeld mit dem Sojafeldabend im Nürnberger Land und der Information aller Bio-Landwirte aus der Region. Die SAATBAU ist an langfristen Lieferverträgen interessiert und bietet somit Planungssicherheit für Landwirtinnen.
Nüsseprojekt
Anbau, Pflege, Ernte und Verarbeitung von Walnüssen, Haselnüssen und Edelkastanien für die regionale Selbstversorgung werden gefördert. Langfristiges Ziel ist eine Bio-Zertifizierung, die auf Grund der geringen Flächengröße und Erntemengen noch nicht umgesetzt wurde. Die Öko-Modellregion hat bei der Fortführung des Projektes unterstützt und „Nüsse fürs Nürnberger Land“ wird seit Herbst 2021 durch Land.belebt, eine Initiative der Bayerischen Verwaltung für ländliche Entwicklung, finanziell gefördert.
Streuobst
Die Zusammenarbeit mit der SIHA UG, Vermarktungsgesellschaft für Bio-Streuobstsäfte der Marke „Pomme200“ aus dem Nürnberger Land, wurde fortgeführt. Im Austausch mit der Streuobstinitiative Hersbrucker Alb unterstützen wir das Projekt weiterhin bei der Gewinnung von Lieferanten sowie bezüglich Absatz- und Fördermöglichkeiten.
GemüseWert
Das Projekt GemüseWert, bei dem es unter Federführung der Frankengemüse eG um die Absatzförderung für Bio-Gemüse aus dem Knoblauchsland geht, ist eng mit der Öko-Modellregion verzahnt. Über einen Bio-Wertschöpfungskettenmanager bei der Erzeugergenossenschaft Franken-Gemüse eG werden Kooperationen aus- und aufgebaut und die regionale Wertschöpfung gestärkt. Die Öko-Modellregion fungiert als Schnittstelle zu den Bio-Landwirten aus den beiden Landkreisen.
Öffentlichkeitsarbeit
Feldtage, Seminare und Veranstaltungen werden in der lokalen Presse beworben und auch im Nachgang durch Berichterstattungen gewürdigt. Die Öko-Modellregion war zudem mit der Regioplus-Challenge in Radiobeiträgen und der BR-Frankenschau (Start der Challenge, Bilanz nach der Challenge) vertreten.
Bewusstseinsbildung
Bio-regionale Lebensmittel werden seit 2020 jährlich mit der Regioplus Challenge im Herbst intensiv beworben. Die Bevölkerung wird dazu aufgerufen sich folgender Herausforderung zu stellen: Eine Woche kommt nur das auf den Teller, was in der Region wächst und das möglichst bio, fair und saisonal. In 2022 lädt die Öko-Modellregionen wieder zum Mitmachen ein:
vom 26. September bis 2. Oktober gibt es dann vielfältige Aktionen. Von bio-regionalen Kochkurs bis hin zu Kinoabenden mit Filmgesprächen.
2 Zukünftige Handlungsfelder mit Projektbeispielen
Alle unter 1.2 genannten Schwerpunkte werden weiterhin von der Öko-Modellregion betreut. Die Bereiche Erzeugung, Getreide, Fleisch, Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung mit der Regioplus Challenge sind auch zukünftig als primäre Aufgaben des Umsetzungsmanagements zu sehen. Die Sojaölmühle, das Nüsseprojekt, GemüseWert, die Streuobstinitiative Hersbrucker Alb und die Solawi-Initiative sind hingegen selbst organisiert und werden nur bei konkreten Anliegen unterstützt.
Kontaktbörse für bio-regionalen Vertragsanbau
Der Aufbau direkter Lieferverträge zwischen Erzeugern und Verarbeiterinnen / Gastronomen ist ein Mehrwert für alle Beteiligten. Als Plattform für einen ersten Austausch kann eine Kontaktbörse mit „Speed-Dating“ dienen. Bei weiteren Gesprächen und Verhandlungen kann von Seiten des Umsetzungsmanagements unterstützt werden.
Bio als Chance für das Lebensmittelhandwerk
Erste Schritte mit Umfragen und Online-Workshops für Lebensmittelhandwerker wurden bereits durchgeführt. Die Vernetzung unter Bäckerinnen, Metzgern und Konditoren soll weiter verbessert werden und Umstellungsinteressierte Unterstützung finden. Angeboten werden Praxisworkshops mit dem Fokus auf Unternehmensnachfolge und „Bio als Chance“.
Haus der Esskultur in Nürnberg
Das Kopenhagener Modell vom „House of Food“ soll auf Nürnberger Verhältnisse übertragen werden. Es ist als ein Kompetenzzentrum für Ernährung zu sehen, in dem Weiterbildungen für Gastronomie / Gemeinschaftsgastronomie / Cateringunternehmen der gesamten Region stattfinden. Die Verarbeitung von Lebensmitteln und der Aufbau bio-regionaler Lieferketten stehen im Mittelpunkt.
Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung
Die Umsetzung des Ministerratsbeschlusses von mindestens 50% bio / regionalem Rohstoffeinsatz soll mit Fokus auf den bioregionalen Warenanteil v.a. in den beiden Landkreisen unterstützt werden. Im Mai fand gemeinsam mit Bioland der Workshop „Bio kann jeder – Bio erfolgreich in den Speiseplan“ für Kitas und Schulen statt. Individuelle Beratungen sowie Praxisworkshops in Kooperation mit Verbänden und Ämtern sollen folgen.
Klimalandwirtschaft
Über ein Humusaufbau-Programm Klimalandwirte in der Öko-Modellregion ausbilden. Beim Klimafond der Metropolregion Nürnberg wurde ein Förderantrag der Öko-Modellregion eingereicht. Ziel: Einen finanziellen Anreiz für Landwirtinnen schaffen, die den Humusaufbau fördern und damit einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Kompensation des CO2-Ausstoßes und Unterstützung der Biodiversität leisten.
3 Neue Fördermöglichkeiten in der Öko-Modellregion
Regionen mit aktivem Öko-Modellregionsmanagement sollen bis zum Jahr 2030 vom Freistaat Bayern unterstützt werden. In 2021 wurden mit dem Programm BioRegio 2030 neue Förderbereiche benannt, die wir in der Öko-Modellregion umsetzen können.
3.1 Management und Planung
Im Anschluss an die aktuelle Förderphase des Öko-Modellregionsmanagements (01/2020 – 12/2022), können Personal- und Sachkosten der Öko-Modellregion bis 2030 weiterhin mit bis zu 20 % über die Ländliche Entwicklung gefördert werden. Wir haben im März das Konzept der Öko-Modellregion für den Zeitraum 01/2023 – 12/2026 fortgeschrieben und einer Jury vorgestellt. Mittlerweile haben wir die Bewilligung des Förderzuschusses bis Ende 2026 erhalten. In der Stadtratssitzung am 23.10.2019 hatte der Nürnberger Stadtrat bereits beschlossen, dass die Förderung der Öko-Modellregion bis 2026 fortgesetzt werden soll. Nach einer Zwischenevaluation in 2026 planen wir das Konzept bis Ende 2030 zu erweitern.
3.2 Neue, eigene Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte
Die Verlängerung schafft zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten, da den Öko-Modellregionen zukünftig Fördermittel für Projekte von insgesamt 95.000 Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt werden. Dieses Fördervolumen teilt sich in die Förderung von Kleinprojekten einerseits und außergewöhnlichen Projekten andererseits. Diese zusätzlichen Fördermittel verbessern die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterarbeit der Öko-Modellregion deutlich.
Verfügungsrahmen für Kleinprojekte
Erstmals für 2022 stellte das Amt für ländliche Entwicklung 45.000 € Fördermittel zur Verfügung, die Öko-Modellregion fügte 5.000 € hinzu und somit standen insgesamt 50.000 € bereit, um Öko-Kleinprojekte in der Region zu starten. Grundsätzlich müssen die Projekte zur Erreichung der Ziele der Öko-Modellregion beitragen. Wesentlich ist es dabei, den Aufbau regionaler Bio-Wertschöpfungsketten voranzubringen und/oder das Bewusstsein für regionale Bio-Lebensmittel zu stärken. Es wurden 22 Förderanfragen mit Gesamtkosten in Höhe von 218.000 € eingereicht. Anhand festgelegter Öko-Kriterien entschied Ende Februar ein Expertengremium welche Projekte, mit 50% der Nettoausgaben, bezuschusst werden. Folgende Projekte werden gefördert und sollen bis Ende September umgesetzt werden: Erzeugung und Verarbeitung
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Anschaffung eines Camembert-Reifeschranks
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Verarbeitungsraum für Direktvermarktung und Erlebnisbauernhof
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Landwirtschaft wiederbeleben durch die Bio-Biene!
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Pasteur zur Käseherstellung
Vermarktung
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Verkaufsautomat zum Verkauf von selbst hergestelltem Bio-Käse, -Gemüse, …
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Anschaffung eines Selbstbedienwarenautomaten
Bildung und Veranstaltungen
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regionale BIO-Lebensmittel - Azubis zum Landwirt informieren die Gesellschaft
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Auf dem Weg zur Bio-Gastronomie
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AgriKulturfestival
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Forum der Ökolebensmittelhandwerker:innen
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„Fruchtfilme“ – Bauernportraits und Lieferketten von regionalen Smoothies
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Videoclip Bio in der Öko-Modellregion Nürnberg
Auch in den kommenden Jahren möchte die Öko-Modellregion den Verfügungsrahmen Ökoprojekte nutzen, um innovative Öko-Kleinprojekte zu unterstützen.
Förderung außergewöhnlicher Projekte
Ab 2022 können zudem bis zu 50.000 € jährlich für die Vorbereitung und Begleitung außergewöhnlicher Projekte und Ideen über die Ländliche Entwicklung gefördert werden. Ein konkreter Projektantrag für 2022 liegt noch nicht vor. Die Absprache dazu erfolgt im Steuerungskreis der Öko-Modellregion, um ein Pilotprojekt in der Region und Finanzierungspartner für den Eigenanteil (50%) zu finden.