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Lokaler Entwicklungsplan

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Jugendhilfeausschuss Eibach Haushalt & Finanzen Soziales & Gesundheit Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Projektgruppe Internationale Jugendarbeit

Bereich 2 – Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit an Schulen, Familienbildung, Erziehungs-

beratung

Stadt Nürnberg – Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt

Stand 29.07.2022

„Partizipation – Prävention – Europa“

Lokaler Entwicklungsplan für die

Internationale Jugendarbeit

in der Stadt Nürnberg

Grundsätzliche Vision:

Möglichst alle jungen Menschen in Nürnberg haben die Mög-

lichkeit an einer internationalen Austauschmaßnahme teil-

nehmen, um dabei vielfältige Erfahrungen zu sammeln und

soziale und kulturelle Vielfalt in anderen Ländern zu erleben.

Wir unterstützen die kommunale und verbandliche Jugendar-

beit sowie freie Träger bei der Realisierung von internationalen

Maßnahmen, die junge Menschen in der Entwicklung ihrer Per-

sönlichkeit stärken und leisten damit gemäß unserem Ge-

schichtsbewusstsein einen Beitrag zu Frieden und Verständi-

gung in Europa.

Gliederung

Einführung

  1. Einbettung des Lokalen Entwicklungsplans in jugendpolitische Programme auf nationaler und europäischer Ebene

1.1. IJAB – Kommune goes international (KGI)

1.2 IJAB – Fachkräfteinitiative.International (FKI)

1.3 Nationalagentur JUGEND für Europa – Modellprojekt EuropaLokal

1.4 Zugangsstudie 2019 von Transfer e.V. und BMFSFJ – „Warum nicht? Studie zum Internationalen Jugendaustausch: Zugänge und Barrieren“

  1. Bestandsaufnahme und -analyse der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg

2.1 Soziodemographische Umweltfaktoren und Einflüsse zur Realisierung der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg

2.1.1 Chancen

2.1.2 Risiken

2.2 Erfahrungen in Nürnberg im Kontext der Internationalen Jugendarbeit

2.2.1 Stärken

2.2.2 Herausforderungen

2.3 Zusammenfassung der Bestandsaufnahme und -analyse zur Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg

  1. Zielsetzungen des Lokalen Entwicklungsplans für Internationale Jugendarbeit in Nürnberg

3.1 Mehr internationale Mobilitätsangebote für junge Menschen in Nürnberg

3.2 Vernetzung, Qualifizierung und Unterstützung der lokalen Fachkräfte

3.3 Strukturelle und personelle Verankerung – Schaffung einer Fachstelle für Internationale Jugendarbeit in Nürnberg

  1. Grafische Darstellung des Netzwerkaufbaus bis 2027

  2. Zusammenfassende Schlussbewertung

Einführung

Internationale Jugendarbeit schafft Räume zur Begegnung und zum Austausch von jungen Menschen mit unterschiedlicher sozialer, nationaler und kultureller Identität. Durch gemeinsame Aktivitäten werden Erfahrungen und Reflexionen ermöglicht, die zu einem Perspektivwechsel und einer kritischen Auseinandersetzung mit kulturellen Zuschreibungen führen. Die verschiedenen Formate internationaler Jugendarbeit tragen neben dem Erwerb sozialer und interkultureller Kompetenzen zu einer langfristigen Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen bei und unterstützen in vielfältiger Form die Ausbildung von Offenheit, Solidarität und bürgerschaftlichem Engagement. Internationale Jugendarbeit leistet damit einen Beitrag bei der Entwicklung von Schlüsselqualifikationen in einer modernen, globalisierten Gesellschaft und bei der Prävention von unterschiedlichen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Die gesetzlichen Grundlagen für die Jugendarbeit im Allgemeinen und die Internationale Jugendarbeit im Besonderen werden im Folgenden kurz aufgeführt. Die Kinder- und Jugendarbeit ist Teil der Jugendhilfe (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII). In § 11 Abs. 1 SGB VIII werden die Aufgaben der Kinder- und Jugendarbeit wie folgt definiert: "Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.“ Die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit leisten grundlegende Sozialisationsaufgaben für junge Menschen und sind in ihrer Wirkung präventiv. Junge Menschen auf ihrem Weg vom Kind zum Erwachsenen zu unterstützen, ihnen bei der Bildung ihrer Identität zur Seite zu stehen und dabei Freiräume zum Ausprobieren zuzulassen und zu gestalten, sind die zentralen Inhalte der Kinder- und Jugendarbeit. Als ein Schwerpunkt in der Jugendarbeit wird im § 11 Abs. 3 die Internationale Jugendarbeit benannt. Dass internationale Jugendbegegnungen, Workcamps oder Freiwilligendienste im In- und Ausland besonders geeignet sind, Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, Lebenserfahrungen und Bildungshintergründen zu fördern, belegen wissenschaftliche Untersuchungen. Jugendliche werfen in einer internationalen Begegnung oder einer Mobilitätsmaßnahme nicht nur einen Blick über den Tellerrand und erwerben Sprachkenntnisse, soziale Kompetenzen und eine demokratische Haltung, sie werden auch zu Botschafterinnen und Botschafter der eigenen Stadt und der Region, aus der sie kommen, und erfahren dabei Anerkennung.

Um den Aktivitäten und den planerischen Prozessen zur Internationalisierung der Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg einen Handlungsrahmen und Zielformulierungen zu geben, wurde bereits 2013 im Rahmen des Programms Kommune goes International ein Lokaler Entwicklungsplan erstellt.

Die Zielsetzungen wurden dort wie folgt definiert:  Aufbau eines Netzwerkes in Nürnberg  Bestands- und Bedarfsanalyse  Unterstützung und Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

In den vergangenen neun Jahren konnten einzelne Ziele zumindest teilweise realisiert werden, andere traten in den Hintergrund oder verloren an Tagesaktualität. Nun erfolgt mit der Aktualisierung des Lokalen Entwicklungsplans von 2013 einerseits die Analyse der bestehenden Situation im Feld der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg, andererseits haben sich, nicht erst durch die Coronapandemie und dem Krieg in der Ukraine, die Lebenssituationen und Herausforderungen für junge Menschen geändert. Mit dem vorliegenden Plan soll diesen Entwicklungen Rechnung getragen werden. Deshalb hat die Projektgruppe Internationale Jugendarbeit im Jugendamt die Aktualisierung des Lokalen Entwicklungsplan initiiert und federführend koordiniert. Die Projektgruppe, in der

vier Personen insgesamt 27,5 Wochenarbeitsstunden einbringen, wird über das Programm „Fachkräfteinitiative.International“ der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB) bis 31.12.2022 gefördert. Des Weiteren waren das Amt für Internationale Beziehungen, der Kreisjugendring Nürnberg- Stadt und die Bayerische Sportjugend Nürnberg an der Erstellung des Lokalen Entwicklungsplans beteiligt.

Der Aufbau des Lokalen Entwicklungsplan stellt sich wie folgt dar: Unter „1. Einbettung des Lokalen Entwicklungsplans in jugendpolitische Programme auf nationaler und europäischer Ebene“ wird die durchaus langjährige und strukturelle Teilnahme Nürnbergs an mehreren Förder- und Unterstützungsprogrammen auf Bundes- und Europaebene dargestellt. Mit der aktuellen Situation in Nürnberg wird sich unter „2. Bestandsaufnahme und -analyse der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg“ gründlich auseinandergesetzt. Unter „3. Zielsetzungen des Lokalen Entwicklungsplans für Internationale Jugendarbeit in Nürnberg“ werden die Ziele und die Strategie für die Umsetzung einer verstärkten Internationalisierung von Jugendarbeit, um möglichst für alle jungen Menschen in Nürnberg eine Austauscherfahrung ermöglichen zu können, vorgestellt. Unter „4. Grafische Darstellung des zukünftigen Netzwerkaufbaus bis 2027“ zeigt ein Schaubild die aktuelle Vernetzungssituation und eine Vision der in 5 Jahren angestrebten erweiterten Netzwerkstruktur. Zuletzt erfolgt unter „5. Zusammenfassende Schlussbewertung“ eine Erläuterung der Umsetzung des Lokalen Entwicklungsplans für die Jugendarbeit in Nürnberg.

  1. Einbettung des Lokalen Entwicklungsplans in jugendpolitische Programme auf nati-

onaler und europäischer Ebene

1.1 IJAB -– Programm Kommune goes International (KGI)

Die Teilnahme des Jugendamts Nürnberg als eine von 22 Modellkommunen an der bundesweiten jugendpolitischen Initiative „Kommune goes International“ war der erste Neuanfang zum Wiedererstarken der Aktivitäten in der Internationalen Jugendarbeit. KGI, ein Programm der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB), richtete sich an alle interessierten Kommunen, die die Internationale Jugendarbeit vor Ort stärken wollten um möglichst vielen, wenn nicht gar allen, jungen Menschen vor Ort eine Teilnahme an Mobilitätsmaßnahmen zu ermöglichen. Aus dem zwischen 2011 und 2014 durchgeführten Modellprojekt mit Modellstandorten aus dem gesamten Bundesgebiet ist ein bundesweites Netzwerk von Kommunen entstanden, die Internationale Jugendarbeit auf unterschiedliche Weise vor Ort verankert haben oder auf dem Weg sind, Strukturen und Angebote Internationaler Jugendarbeit zu schaffen und zu implementieren. Ein weiterer Schwerpunkt neben der bundesweiten Vernetzung liegt in der Beratung und Qualifizierung der Fachkräfte in den jeweiligen Kommunen für das Arbeitsfeld der Internationalen Jugendarbeit. Auch die Kooperation und Vernetzung verschiedener Akteurinnen und Akteure vor Ort, wie z. B. Träger der freien Jugendhilfe, der Jugendverbandsarbeit, der Jugendsozialarbeit, Initiativen, Organisationen sowie Vereine von jungen Menschen mit Migrationshintergrund sowie Partnerinnen und Partner aus angrenzenden Arbeitsfeldern, soll unterstützt werden.

Ein zentrales Instrument ist dabei die Erstellung eines Lokalen Entwicklungsplans (LEP) zur Internationalen Jugendarbeit, der von einer Bestandsaufnahme über Zielformulierungen bis hin zur Maßnahmenplanung reicht. Die Aufstellung eines Entwicklungsplans bedeutet zudem, dass sich die Akteure zu einer Evaluation und Ergebnissicherung verpflichten, um damit eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen.

Insofern verfolgt KGI zwei Stoßrichtungen:

ressierten Partnerinnern und Partnern vor Ort zusammen und schaffen auf diesem Wege ein lokales Bündnis

men bundesweiten Netzwerktreffen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kommunen aus.

Für beide Ansätze stehen den Kommunen zahlreiche bedarfsgerechte Qualifizierungsangebote in Form von Förderberatung, Mobilitätslotsenausbildung, Trainingsseminaren und Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Ein Beratungsteam von „Kommune goes International“ steht den Kommunen zusätzlich beratend zur Seite. Die Beratung umfasst z.B. die Informationen über unterschiedliche Formate Internationaler Jugendarbeit, Unterstützung beim Finden von Finanzierungsquellen, vor allem aber Hilfe, wenn es darum geht, Projekte zu entwickeln und durchzuführen. Der Beratungsprozess schließt darüber hinaus auch die Fortbildung und Qualifizierung von Fachkräften und die Sensibilisierung von Politik und Verwaltung für interkulturelle Anliegen ein. KGI wurde nach dem Projektzeitraum fortgeführt, allerdings ohne die bis dahin enge Beratung und Betreuung des IJAB. Nürnberg ist nach wie vor Mitglied bei KGI. (https://ijab.de/projekte/kommune-goes-international)

1.2 IJAB – Fachkräfteinitiative.International (FKI)

Mit der Fachkräfteinitiative.International fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) einen mehrjährigen Prozess, in dem IJAB in Kooperation mit dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim Fachkräfte und Organisationen von 26 ausgewählten Projekten aus unterschiedlichen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe deutschlandweit begleitet, die Internationalisierung der Einrichtung bzw. des Netzwerks als eigene Aufgabe in den Blick zu nehmen. Dafür werden unterschiedliche Formate vorgehalten, um vor allem die Fachkräfte für das Thema zu sensibilisieren, zu qualifizieren und in einen gemeinsamen Dialog zu bringen. Darüber hinaus soll jungen Menschen aus den 26 Projekten die Teilhabe an den jeweiligen Internationalisierungsvorhaben ermöglicht werden.

Das Jugendamt der Stadt Nürnberg ist dabei eines der 26 Projekte der Fachkräfteintiative.International und verfolgt unter anderem das Ziel, innerhalb der nächsten Jahre eine Fachstelle für Internationale Jugendarbeit zu installieren und damit langfristig Informations-, Beratungs-, Qualifizierungs- und nicht zuletzt Mobilitätsangebote für junge Menschen und Fachkräfte zu ermöglichen. Denn nur durch eine strukturelle und personelle Verortung wird es möglich sein, die durch Kommune goes International begonnenen und die mit der Fachkräfteinitiative.International nun weitergeführten Prozesse zur Internationalisierung der Kinder- und Jugendarbeit nachhaltig im Arbeitsfeld der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg fortzuführen. (https://ijab.de/projekte/fachkraefteinitiativeinternational) Zur Umsetzung dieses LEP in seiner geplanten Breite mit Nutzen für möglichst alle jungen Menschen in Nürnberg sind diese Strukturen unabdingbar.

1.3 Nationalagentur JUGEND für Europa: Modellprojekt EuropaLokal

In den letzten zwei Jahrzehnten haben jugendpolitische Entwicklungen auf europäischer Ebene zunehmend an Bedeutung für die Ausgestaltung der kommunalen sowie bundesweiten Jugendarbeit gewonnen. Die EU-Jugendstrategie von 2018 bildet den Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa. Schwerpunktthemen sind dabei Beteiligung, Begegnung und Befähigung junger Menschen (BMFSFJ - Die EU-Jugendstrategie). Die Jugendstrategie und entsprechende europäische Förderprogramme bieten Kommunen eine Grundlage dafür, nicht nur die Jugendhilfe fachlich voran-

zubringen und die Chancen junger Menschen zur Teilhabe an Mobilitätsmaßnahmen zu erweitern, sondern sie leisten auch einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung und den Ausbau einer weltoffenen und europäisch ausgerichteten Kommune. Die deutsche Nationalagentur JUGEND für Europa, die nationale Agentur für die Umsetzung der beiden EU-Jugendprogramme Erasmus+-Jugend und Europäischer Solidaritätskorps, arbeitet im Modellprojekt „EuropaLokal“ seit 2018 mit Kommunen daran, das Thema Europa in der kommunalen Jugendhilfe insbesondere in den Feldern der Jugendarbeit (§ 11 SGB VIII) und der Jugendsozialarbeit (§ 13 SGB VIII) nachhaltig zu verankern. Die Nationalagentur möchte die zukünftige inhaltliche und strukturelle Orientierung der Programmumsetzung stärker mit der Unterstützung kommunaler Prozesse vereinbaren. Vorrangiges Ziel von EuropaLokal ist es, die Akteure vor Ort dazu anzuregen, ihre Angebote für junge Menschen um grenzüberschreitende Aktivitäten zu erweitern. Darüber hinaus will EuropaLokal Wege für alle kommunalen Akteure aufzuzeigen, wie europäische Projekte trotz Schwierigkeiten realisiert und in das kommunale Angebotsspektrum der Jugendhilfe integriert werden können. (https://www.jugendfuereuropa.de/ueber-jfe/projekte/europalokal )

1.4 Zugangsstudie 2019 von transfer e.V und BMFSFJ: „Warum nicht? Studie zum In-

ternationalen Jugendaustausch: Zugänge und Barrieren“

In einer breit angelegten Untersuchung, koordiniert von Transfer e.V. und gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), wurden zwischen 2016 und 2018 Zugangsbarrieren für junge Menschen analysiert und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die sogenannte Zugangsstudie formuliert als jugendpolitische Vision, dass jeder junge Mensch die Möglichkeit haben sollte, eine Auslandserfahrung zu erleben. Die Ergebnisse bestätigen, dass viele Gruppen, besonders Haupt-, Real- und Berufsschülerinnen und -schüler, Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie junge Menschen aus bildungsfernen Familien, im internationalen Austausch deutlich unterrepräsentiert sind. Die Autorinnen und Autoren der Studie stellen klar, dass allgemeine strukturelle Hindernisse beseitigt werden müssen, um mehr junge Menschen zu erreichen. Zentrale Bedeutung kommt laut den Forscherinnen und Forschern dabei der Stärkung der Internationalen Jugendarbeit in Städten, Kreisen und Gemeinden, Vereinen und Jugendorganisationen zu. Jugendarbeit braucht nach Ansicht der Autorinnen und Autoren ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen, um mehr zielgruppenorientierte Angebote zu erzielen. Besonderer Bedarf besteht laut den Forscherinnen und Forschern in der (Weiter-)Qualifizierung von Fachkräften für Internationale Jugendarbeit. (www.zugangsstudie.de). Eine Kurzzusammenfassung der Studie findet sich unter Fact-Sheet-Zugangsstudie-22.03.- X3.pdfwww.zugangsstudie.de).

2. Bestandsaufnahme und -analyse der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg

Zur Bestandsaufnahme der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg ist es unter anderem hilfreich einen Blick auf die bestehenden äußeren Strukturen und Einflüsse zu werfen. Aus diesen Umweltfaktoren ergeben sich eine Vielzahl an Chancen und Risiken, die es zu nutzen oder gegebenenfalls zu beachten gilt. Im Folgendem sollen zunächst anhand der Umweltfaktoren, die Nürnberg kennzeichnen, die Chancen und Risiken für die Internationale Jugendarbeit beschrieben werden. Anschließend zeigt die Bestandsanalyse, welche Stärken und Schwächen in Nürnberg im Jahr 2022 bestehen. Die Gegenüberstellung von Schwächen und Chancen in den jeweiligen Unterpunkten folgt der Systematik SWOT-Analyse, um zu zeigen, wo sich Risiken und Stärken im Bereich der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg befinden.

2.1 Soziodemographische Umweltfaktoren und Einflüsse zur Realisierung der Internati-

onalen Jugendarbeit in Nürnberg

2.1.1 Chancen

Heterogene Stadtgesellschaft

Nürnberg ist die zweitgrößte Stadt Bayerns und gehört zu den 15 größten Städten in Deutschland. Mit rund 530.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Nürnberg das Dienstleistungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum Nordbayerns und Mittelpunkt der Metropolregion Nürnberg, in der rund 3,6 Millionen Menschen (Stand 2019) leben. Die Stadt Nürnberg profitiert insbesondere seit der EU-Osterweiterung von ihrer zentralen Lage im europäischen Wirtschaftsraum. Nürnberg ist ein alter und traditionsreicher Industriestandort und eine attraktive und wachsende Stadt. Die Geburtenraten sind seit Jahren stabil und durch Zuzug wächst die Stadt. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund von ca. 48 Prozent (Stand 2022) liegt weit über dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Hierdurch ist im Laufe der Jahre eine heterogene Stadtgesellschaft entstanden, womit auch vielfältige Zielgruppen für die Jugendarbeit verbunden sind. Die Stadt Nürnberg ist daher durch eine hohe Internationalität geprägt. Enge Kontakte mit Städten in ganz Europa haben in Nürnberg eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition. So ist ein intensiver geistiger und kultureller Austausch von großer Bedeutung für das gesellschaftliche Leben in einem weltoffenen Nürnberg.

Stadtgeschichte mit besonderer Verantwortung

Der Name Nürnbergs ist auch mit der Geschichte des Nationalsozialismus unweigerlich verbunden als Stadt der Reichsparteitage, der Nürnberger Gesetze und der Nürnberger Prozesse. Viele Akteurinnen und Akteure in der Stadt sehen die besondere Verantwortung angesichts dieser Vergangenheit. Nürnberg hat sich mit der Bezeichnung „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“ neue, positiv gewendete Ziele und Leitbilder gesetzt, die besonders auch für die Bildungs- und Jugendarbeit wichtig sind. Die Stadt Nürnberg hat dazu unter anderem das Menschenrechtsbüro eingerichtet und verleiht seit 1995 im Turnus von zwei Jahren den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.

Vernetzung und Zusammenarbeit von Kommune, Verbänden und freien Trägern

Auch die Kinder- und Jugendarbeit hat in Nürnberg eine ausgeprägte Tradition. Die historischen Wurzeln reichen bis in die reformpädagogischen und sozialreformerisch orientierten, jugendbewegten Ansätze der Weimarer Republik zurück. Seit Ende der 60er Jahre wird das Handlungsfeld Kinder- und Jugendarbeit als eine der zentralen kommunalpolitischen Aufgaben verstanden. So betreibt die Stadt selbst fast 40 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, das sind Jugendtreffs, Kinder- und Jugendhäuser, Streetworkangebote und mobile Angebote. Weitere rund 10 Einrichtungen der OKiJA befinden sich in der Trägerschaft des Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, seiner Verbände oder freier Träger. Darüber hinaus gibt es in Nürnberg 17 pädagogisch betreute Aktivspielplätze, die sich im sogenannten Nürnberger Modell in der Trägerschaft von Vereinen befinden. Auch in der aktuellen Jugendhilfeplanung Offene Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg wird im „Band 1 Fachliche Planung und Weiterentwicklung“ die Internationale Jugendarbeit als eines der zentralen Handlungsfelder aufgeführt und die Weiterentwicklung dieses Arbeitsschwerpunktes gefordert. (https://www.nuernberg.de/internet/jugendhilfeplanung/band1.html)

Die große Anzahl an Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit und die dort wirkenden Fachkräfte in Verbindung der Zielsetzungen in der Nürnberger Jugendhilfeplanung stellen ein großes Potential für Internationale Jugendarbeit in Nürnberg dar. Im Handlungsfeld der Internationalen Jugendarbeit sind auch der Kreisjugendring Nürnberg- Stadt und seine Jugendverbände sowie freie Träger und Initiativen aktiv tätig. Hier konnten in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Erfahrungen gesammelt werden.

Auch einige Einrichtungen des Jugendamtes führten bereits internationale Maßnahmen durch. Das Jugendamt, der Kreisjugendring Nürnberg-Stadt und seine Verbände sowie freie Träger und Initiativen stehen dabei in engem Austausch. Die Coronapandemie hat allerdings zu einem Einschnitt geführt, der den Rückgang von Maßnahmen in den Jahren zuvor noch verstärkt hat. Um Strukturen der fachlichen und inhaltlichen Zusammenarbeit neu zu beleben, wurde Ende 2020 mit dem Netzwerk joiN ein Neustart in der Zusammenarbeit begonnen. Innerhalb der Strukturen der Stadtverwaltung ist ein wesentlicher Partner beim Aufbau und bei der Pflege internationaler Kontakte das seit 1990 bestehende eigenständiges Amt für Internationale Beziehungen. Dabei unterhält die Stadt Nürnberg freundschaftliche Kontakte und Beziehungen zu mittlerweile 14 Partnerstädten und 7 befreundeten Kommunen.

2.1.2 Risiken

Sozialpolitische Herausforderungen

Der wirtschaftliche Strukturwandel Nürnbergs vom ehemaligen Industriestandort hin zu einer Hochburg von Dienstleistung, Wissenschaft, Forschung und Bildung ist weitgehend abgeschlossen und insgesamt gut gelungen. Sozialpolitische Herausforderungen wie z.B. Jugendarbeitslosigkeit und fehlende Chancengleichheit von jungen Menschen und Familien mit Transferleistungsbezug, bestimmen dennoch in vielfältiger Weise das Leben vieler junger Menschen. Die große Vielfalt des Lebensabschnitts Jugend erfordert ein breites Spektrum an Möglichkeiten, junge Menschen mit unterschiedlichen Bildungschancen und unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergründe die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Kommunale Haushaltslage

Die Möglichkeiten der IJA sind immer stark abhängig von den vorhandenen und bereitgestellten Ressourcen. Doch gerade die kommunalen Mittel sind im Moment besonders knapp und im Zusammenhang mit der Bewältigung der Coronapandemie, des aktuellen Krieges in der Ukraine und anderer wirtschaftlicher sowie gesellschaftlicher Herausforderungen noch angespannter geworden. Der Ausbau der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg braucht zusätzliche kommunale Finanzmittel, die gut investiert sind und vervielfältigt werden, wenn dann Nürnberger Akteure in der Folge deutlich mehr Drittmittel für internationale Jugendbegegnungen auf bayerischer, nationaler und europäischer Ebene akquirieren.

Besondere gesellschaftliche Krisen

Als wesentliche Umweltfaktoren sind besondere gesellschaftliche Krisen zu nennen. Die Covid-19 Pandemie hat zeitweise zu einem kompletten Stillstand bei der Durchführung von Maßnahmen geführt. Hohe Hürden durch den Infektions- und Gesundheitsschutz mussten bewältigt werden und all dies führte zu Unsicherheit und teilweise auch Überforderungssituationen bei jungen Menschen aber auch bei Fachkräften. Über zwei Jahre hinweg mussten geplante Maßnahmen immer wieder abgesagt werden. Dies sowie viele krankheitsbedingte Ausfälle führten zu einer hohen Frustration bei Fachkräften. Der im Februar 2022 von Russland begonnene Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt eine Zäsur für den Frieden und die Friedensarbeit in Europa dar. Das Brüchigwerden oder gar Abbruch von Kontakten in die Ukraine, zu Russland und die erschwerten Bedingungen in den angrenzenden Ländern stellen neben den globalen wirtschaftlichen Folgen große Herausforderungen dar. Mit dem Andauern des Krieges werden sich diese Schwierigkeiten voraussichtlich auf längere Zeit sogar noch verstärken. Allen Hürden zum Trotz wird es wichtiger Bestandteil der IJA in Europa bleiben, langfristig auch wieder Jugend- und Fachkräfteaustauschmaßnahmen in diesen Ländern aufzunehmen bzw. zu erhalten. Der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union (EU), der mit dem Austrittsabkommen am 1. Februar 2020 vollzogen wurde, hat die Austauschaktivitäten zumindest

verändert, wenn nicht sogar erschwert. Europäische Fördermittel, zum Beispiel über Erasmus+, sind in der Regel nicht mehr bei Maßnahmen mit dem Vereinigten Königreich abrufbar. Hier müssen nun alternative Fördermöglichkeiten erschlossen werden. Auch die veränderten Einreise- und Ausweisregelungen, vor allem für Personen außerhalb der EU, stellen zusätzliche Hürden dar.

Arbeitsbelastung der Fachkräfte und Fluktuation

Die oben benannten Risiken wirken sich besonders auf die Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit aus. Die daraus entstehende hohe Arbeitsbelastung stellt die Mitarbeitenden vor große Herausforderungen. Für wichtige neue Erfahrungen und Kompetenzen in der Internationalen Jugendarbeit bleiben den Fachkräften dabei oft nur wenig zeitliche und personelle Ressourcen neben der Alltagsarbeit übrig. Durch Fluktuation geht Wissen verloren und die Hürde Maßnahmen durchzuführen verstärkt sich weiter.

2.2 Erfahrungen in Nürnberg im Kontext der Internationalen Jugendarbeit

Das folgende Kapitel zeigt auf, welche Erfahrungen im Kontext von Internationaler Jugendarbeit bereits vorliegen und welche internationalen Aktivitäten und Maßnahmen umgesetzt wurden bzw. werden sollen. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf die aktuellen Erfahrungen und Maßnahmen der Kommune sowie der Verbände und freien Träger im Bereich der Internationalen Jugendarbeit unter Berücksichtigung der Stärken und Schwächen.

2.2.1 Stärken

Konkrete Erfahrungen

In der Vergangenheit konnten in Nürnberg etliche Erfahrungen in der Internationalen Jugendarbeit gesammelt werden. Hier einige Beispiele:  Internationaler Austausch von Einrichtungen des Jugendamtes: Das städtische Kinder- und Jugendhaus Nordlicht hat seit über 10 Jahren jährlich Jugendbegegnungen mit der Kommune aus der Partnerstadt Glasgow durchführen können und trägt damit wesentlich dazu bei, diese Städtepartnerschaft zu vertiefen. Das Kinder- und Jugendhaus Pastorius befindet sich seit 2020 im Aufbau einer Kooperation mit der Partnerstadt Klausen, in Südtirol. Eine neue Zusammenarbeit konnte 2018 vom Kinder- und Jugendhaus Geiza mit einer Einrichtung in Moskau entwickelt werden. Die Pandemie und der russische Krieg in der Ukraine machen die Fortsetzung sehr ungewiss. Und seit 2021 arbeitet das Kinder- und Jugendhaus Mosaik an einer Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Brasov, Rumänien. Im Sommer 2022 konnte eine erste Jugendbegegnung in Nürnberg realisiert werden.  Internationale Jugend- und Fachkräftebegegnungen der Verbände des KJR Nürnberg- Stadt: Verschiedene Jugendverbände in Nürnberg haben in den letzten Jahrzehnten Erfahrungen mit internationalen Jugendbegegnungen gesammelt. Traditionell sehr aktiv ist die Bayerische Sportjugend Nürnberg-Stadt und einzelne Vereine in der Austauscharbeit. Seit über 30 Jahren gibt es eine bilaterale Jugendbegegnung mit Japan. Im jährlichen Wechsel werden zwei Jugendgruppen für ca. zwei Wochen in Nürnberg in den Sommerferien betreut. Im Folgejahr startet dann eine Gruppe nach Japan. Zentrale Elemente des Austausches für 15 bis 21jährige ist das gemeinsame Tagesprogramm und die Unterbringung in Gastfamilien. Aber auch die einzelnen Sportvereine sind aktiv. Mit wechselnden Partnerstädten Nürnbergs (v.a. mit Nizza, Prag, Cordoba, Charkiw) veranstaltete zum Beispiel der TV Eibach 03 e.V. Begegnungen im gegenseitigen Wechsel. Weitere Aktive im internationalen Jugendaustausch sind der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) in Nürnberg, die auch 2022 wieder internationale Jugendbegegnungen geplant haben.

Neue Impulse standen mit außergewöhnlichen Maßnahmen im Zusammenhang: die Bewerbung zur Kulturhauptstadt führte zu einem multilateralen Fachkräfteaustausch im Jahr 2019 (Youth United N2025), der – trotz der Pandemie – zu neuen Begegnungen, u.a. mit Klausen (Südtirol) und Charkiw, Ukraine, in 2020 und 2021 führte. Für 2025 ist ein internationales Jugendcamp unter Beteiligung der Nürnberger Partnerstädte geplant.  Auch freie Träger aus Nürnberg sind langjährig in der IJA aktiv – teilweise mit erheblich mehr Erfahrungen und Projekten als die verbandlichen und kommunalen Träger. Dazu gehören insbesondere der Verein Fahrten-Ferne-Abenteuer (FFA) und der Pfadfinderbund Weltenbummler e. V. Fahrten-Ferne-Abenteuer unterhält ein eigenes Netzwerk mit Partnerinnen und Partnern in verschiedenen europäischen Ländern und bietet mehrere multilaterale Projekte pro Jahr an, an denen kleine Gruppen von jungen Menschen vor allem aus der Metropolregion, aber auch aus ganz Deutschland teilnehmen können. FFA hat langjährige Erfahrung in der Akquise von Fördermitteln über Erasmus+. Der Verein ist zudem der einzige Träger in Nürnberg in der Jugendarbeit, der aktiv im Programm Europäischer Solidaritätscorps ist und seit Jahren Einsatzstelle für Europäische Freiwillige ist.  Internationale Workcamps in Nürnberg: In den letzten 20 Jahren waren mehrere Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Gastgeber für internationale Workcamps. Dazu gehörten zum Beispiel das Kinderund Jugendhaus IJZ (2010) und das Kinder- und Jugendhaus TetriX gemeinsam mit dem Aktivspielplatz Fuchsbau (2016)  Fachkräftetraining: Ein neuer Ansatz ist das 2021/22 erstmals durchgeführte Fachkräftetraining zu Grundlagen von Internationaler Jugendarbeit, das mit zwei Partnerstädten durchgeführt wurde. Das erste Seminar fand 2021 in Nürnberg mit Fachkräften aus Krakau (Polen), Brasov (Rumänien) und Nürnberg statt, die mit dem vermittelten Know-How angefangen haben, neue Jugendbegegnungsprojekte vorzubereiten. Im April 2022 fand der zweite Teil des Seminars in Krakau mit dem gleichen Teilnehmendenkreis statt. Für 2023 ist ein drittes Training in Brasov geplant. Weitere Trainings mit wechselnden Partnerstädten sollen in den nächsten Jahren folgen.

Kommunale Fördermöglichkeiten

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat die Stadt Nürnberg zur Finanzierung konkreter Angebote im Rahmen der Internationalen Jugendarbeit die nötigen Maßnahmen finanzieren können. Dazu stehen den kommunalen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mittlerweile 14.000 € jährlich für die Durchführung von durchschnittlich 3 Jugendaustauschmaßnahmen im Jahr zur Verfügung. Weiter ist die Förderung der verbandlichen Jugendarbeit ein seit langem fest verankerter Anker, auch in der Finanzierung internationaler Begegnungsformate für die verbandliche Jugendarbeit. Auch das Amt für Internationale Beziehungen ist ein wichtiger Faktor in der Unterstützung und Förderung bei internationalen Begegnungen. So hält es zum einen räumliche Unterbringungsmöglichkeiten vor und hat sich zum anderen in der Vergangenheit auch finanziell, z. B. bei den Fahrtkosten, bei Maßnahmen mit den Partnerstädten beteiligen können.

Personelle Ressourcen

Der Kreisjugendring Nürnberg-Stadt verfügt über einen geringfügigen Stellenanteil von ca. 10 Wochenarbeitsstunden für die Unterstützung der Verbände bei der Internationalen Jugendarbeit. Im Jugendamt ist Internationale Jugendarbeit als eine Querschnittsaufgabe einer Abteilungsleitung der Kinder- und Jugendarbeit zugewiesen. Die Stelle dient vorrangig als Ansprechperson. Eine systematische und strukturelle Aufbauarbeit ist allerdings nicht möglich.

Durch die Förderung des IJAB im Programm „Fachkräfteinitiative.International“ wurde im Jugendamt im Februar 2022 eine Projektgruppe eingerichtet, mit dem Ziel Impulse für die Neuausrichtung von Internationaler Jugendarbeit auf kommunaler Ebene zu entwickeln. Die Projektgruppe umfasst vier Akteure, die alle einen geringen Stundenanteil einbringen. Der Aufbau des Netzwerkes joiN, die Neufassung des Entwicklungsplans, die Akkreditierung des Jugendamts und damit aller kommunaler Einrichtungen im Programm Erasmus+ und das Fachkräftetraining sind sichtbare Wirkungen. Die Förderung ist bis zum 31.12.2022 befristet, eine Fortführung der Förderung ist vom BMFSFJ nicht vorgesehen. Die Fortsetzung und der nachhaltige Ausbau der Koordinierungsarbeit in Form strukturell verankerter Personalressourcen wird angestrebt.

joiN als Netzwerkinitiative – mit Dialogforum, Netzwerktreffen und Fachkräfteaustausch Ebenfalls konnte bereits im Rahmen des KGI-Prozesses die Vernetzung der verschiedenen Akteurinnen und Akteure zur IJA in Nürnberg ausgebaut und vertieft werden. Doch auch hier sind Strukturen und Verbindungen nach Abschluss des Prozesses zurückgegangen und abgebrochen. Um diesem Rückgang entgegenzuwirken und die Vernetzung (wieder) zu stärken, ist die Netzwerkinitiative joiN (jung – offen – international – Nürnberg) Ende 2020 entstanden. Das Netzwerk trifft sich zweimal im Jahr zu einem Netzwerktreffen. Im Rahmen des Netzwerkes entstand ein Dialogforum, das den Austausch zwischen Fachkräften der Jugendarbeit, lokalen Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie jungen Menschen selbst ermöglichen soll. Das erste Dialogforum fand im Oktober 2021 statt, im Juni 2022 folgte das zweite Forum mit ca. 50 Teilnehmenden. Zukünftig wird jährlich ein Dialogforum rund um den Europatag am 9. Mai veranstaltet. Folgende Kooperationspartnerinnen und -partner sind Mitglied bei joiN:  Jugendamt, Stadt Nürnberg  Amt für Internationale Beziehungen, Stadt Nürnberg  Kreisjugendring Nürnberg-Stadt  Einrichtungen der kommunalen und verbandlichen Offenen Kinder- und Jugendarbeit  Interessierte Verbände und freie Träger der Kinder- und Jugendarbeit  Sonstige Organisationen, Initiativen, Vereine etc.

2.2.2 Herausforderungen

Neben den positiven Ansätzen und Erfahrungen zeigten sich in den letzten Jahren aber vor allem Herausforderungen und Nachholbedarfe.

Begrenztes Austauschangebot und Rückgang internationaler Jugendbegegnungen

Das Angebot an internationalen Jugendbegegnungen für junge Menschen in Nürnberg ist für die Größe der Stadt und die starke Struktur an Einrichtungen der verbandlichen und kommunalen Kinder- und Jugendarbeit weiter ausbaufähig. Von den 37 kommunalen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit waren in den letzten Jahren nur vier Häuser in Internationaler Jugendarbeit regelmäßig aktiv. Bei den Jugendverbänden sieht es nicht erst durch die Corona-Pandemie ähnlich aus. Das Angebot an internationalen Jugendbegegnungen ist insgesamt in den letzten 20 bis 30 Jahren rückläufig gewesen. Viele Kontakte, in Partnerstädte wie zum Beispiel zu Krakau (Polen) sind verloren gegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig: teilweise ist es nicht gelungen, neue Akteurinnen und Akteure zu finden, wenn vormals aktive Mitglieder in Verbänden ihr Engagement beendeten. Verbände klagen darüber, dass sie sich schwertun, ehrenamtliche Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden. Neben den fehlenden personellen Ressourcen sind der Zugang zu jungen Menschen, die gewachsene Anzahl an alternativen Angeboten für individuelle internationale Mobilitätserfahrungen und die zunehmend aufwendige und bürokratische Finanzierung von Austauschmaßnahmen wesentliche Gründe. Die Covid-19-Pandemie hat zusätzliche Hürden geschaffen und Kontakte brüchig werden lassen.

Der Rückgang der Begegnungen insgesamt und die Angebote anderer freier Träger erreichen insbesondere die Zielgruppe benachteiligter Jugendlichen nicht oder nur eingeschränkt. Auch im Bereich der internationalen Freiwilligendienste, insbesondere beim Europäischen Freiwilligendienst, gibt es in Nürnberg Nachholbedarf. Als Einsatzstelle agiert seit mehreren Jahren der Verein Fahrten-Ferne-Abenteuer, der zwei europäische Freiwillige aufnimmt, einsetzt und betreut. Städtische Dienststellen oder Jugendverbände sind bislang nicht als Einsatzstellen aktiv. Aktuell sind im Netzwerk joiN keine Einrichtungen der Jugendarbeit (nonprofit) in Nürnberg bekannt, die junge Menschen aus Nürnberg zu einem europäischen Freiwilligendienst entsenden. Der Internationale Bund in Nürnberg vermittelt junge Menschen (aus ganz Deutschland) für andere internationale Freiwilligenprogramme. Es fehlt bislang an der Vernetzung, um stärker auch Jugendlichen aus Nürnberg die Angebote im internationalen Freiwilligenprogramm zu vermitteln. Der Blick in den Schulbereich zeigt, dass internationale Maßnahmen in den vergangenen Jahren nicht überall rückläufig waren. Hervorzuheben ist hier vor allem der Bereich der Berufsschulen. Im Vergleich zum Jugendbereich konnten hier in den letzten Jahren zahlreiche Projekte über das europäische Förderprogramm Erasmus+ finanziert werden. Der Grund für den Ausbau im Berufsschulbereich liegt in der Einrichtung einer Personalstelle zur Koordinierung von Austauschprojekten und besonders zur Unterstützung von Lehrkräften bei der Planung, Durchführung und Abrechnung von Maßnahmen. Eine vergleichbare strukturelle Stärkung fehlt im Feld der Kinder- und Jugendarbeit. Die letzten Jahre zeigen deutlich, dass trotz hohem Engagements der Fachkräfte vor Ort, die vorhandenen Ressourcen nicht ausreichen, um einen Aufbau von Jugendaustausch nachhaltig zu sichern.

Geringer Zugang zu bildungsfernen jungen Menschen

Unter 1.4 ist auf die Zugangsstudie aus dem Jahr 2019 eingegangen worden. Die Untersuchung zeigt exemplarisch, wie wichtig aber auch wie schwierig es ist, benachteiligte und bildungsferne Jugendliche bei Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit einzubeziehen. In Nürnberg gelingt dies bislang leider noch zu wenig. Die wenigen Angebote sonstiger und verbandlicher Träger der Jugendarbeit erreichen diese Zielgruppen nur begrenzt. Die kommunalen Kinder- und Jugendhäuser haben einen guten Zugang zu bildungsfernen und sozial benachteiligten jungen Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund.

Zu wenig Akquise von Fördermitteln

Träger aus Nürnberg rufen bislang noch in zu geringem Maße die vorhandenen Mittel aus Förderprogrammen für Internationale Jugendarbeit auf bayerischer, bundesweiter und europäischer Ebene ab. Es besteht daher großer Nachholbedarf bei der Akquise von Fördermitteln. Grund hierfür ist unter anderem ein Rückgang des Erfahrungswissens und der Kompetenzen bei Fachkräften im Bereich der IJA. Die geringe Anzahl an Projekten hängt mit der weit unterdurchschnittlichen Akquise von nationalen und europäischen Fördermitteln zusammen. Wie bereits beschrieben bietet Nürnberg im Rahmen der Förderung der verbandlichen Jugendarbeit die Möglichkeit der Beantragung kommunaler Mittel zur Durchführung von Maßnahmen durch den Kreisjugendring Nürnberg-Stadt und seiner Jugendverbände. Die Mittel für internationale Jugendarbeit wurden in den letzten Jahren meist nicht vollständig ausgeschöpft.

Fehlende Erfahrungen und Kompetenzen bei Fachkräften

Zur Umsetzung von Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit bedarf es verschiedener Kompetenzen und Informationen. Durch deren Fehlen entstehen große Hürden und große Unsicherheiten bei deren Umsetzung. Fachkräfte brauchen das Wissen um die positiven Wirkungen von internationalen Jugendbegegnungen. Sie benötigen pädagogische und didaktische Kompetenzen, um Jugendbegegnungen zu planen und zu leiten. Für die Programmgestaltung brauchen sie Grundlagen von non-formaler Bildung und Ideen, wie sie eine Maßnahme thematisch und jugendorientiert gestalten können. Bei der Gestaltung einer Begegnung kommt der aktiven Partizipation der jungen Menschen eine große Rolle zu.

Die Förderung dieser Kompetenzen wurde im Lokalen Entwicklungsplan von 2013 als Ziel formuliert. Entsprechende Maßnahmen sind nur vereinzelt erfolgt, weil die Umsetzung der Ziele nicht ausreichend zielgerichtet und kontinuierlich verfolgt wurde. Es fehlte an den notwendigen Strukturen und Ressourcen, um Qualifizierungsangebote zu konzipieren und umzusetzen. Fehlende Strukturen verursachen fehlende Nachhaltigkeit von Maßnahmen. Das Interesse, im Anschluss an einen Fachkräfteaustausch selbst eine Begegnung durchzuführen, ist zwar oft groß, verliert sich aber bei fehlendem Wissen und fehlender Unterstützung durch Qualifizierung, Beratung und Begleitung im Arbeitsalltag schnell. Das Fachkräftetraining in den Jahren 2021 und 2022 mit den Partnerstädten Krakau und Brasov ist ein neuer Ansatz, um mehr Nachhaltigkeit zu erzielen.

Brüchige Vernetzung

Im Rahmen der intensiv betreuten KGI-Projektphase von 2011 bis 2014 war angedacht, eine gute lokale Vernetzung aufzubauen. Dieser Versuch ist nur im Ansatz gelungen und nach Ende der KGI-Phase und personellen Wechseln stehen geblieben bzw. muss sogar als rückläufig benannt werden. Wie beschrieben, gibt es durchaus einzelne Träger, die in der Internationalen Jugendarbeit aktiv sind. Es gab aber zwischen kommunalen, verbandlichen und sonstigen Trägern zu wenig Austausch oder Zusammenarbeit. Auch die Kooperation mit Schulen ist noch zu wenig etabliert und es fehlt an Kontakten. Eine neue Netzwerkinitiative (joiN) befindet sich seit Ende 2020 im Aufbau und versucht die Defizite in der Netzwerkarbeit auszugleichen. Durch die Verzahnung mit der Fachkräfteinitiative.International des IJAB soll das Anliegen wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Die neue Vernetzung soll nun dauerhaft stabilisiert und verstetigt werden.

Fehlendes Bewusstsein und mangelnde Anerkennung zur Bedeutung der IJA

Bei zusammenfassender Betrachtung wird deutlich, dass die Bedeutung der IJA oft nicht erkannt wird. Dies führt wiederum zu wenig Ressourcen und einer geringeren Sichtbarkeit bei der Zielgruppe sowie bei den Trägern und Akteurinnen und Akteuren der IJA. Dies spiegelt sich auch in den nur zum Teil erreichten Zielen des Entwicklungsplans von 2013 wider. Insgesamt ist dieser Plan in den Hintergrund geraten, auch aufgrund der schwierigen Situation während der Coronapandemie. Dabei spielt der Lokale Entwicklungsplan beim Aufbau der Anerkennung der Bedeutsamkeit der IJA eine wesentliche Rolle als zentrales Planungs- und Steuerungsinstrument. Zu geringe personelle Ausstattung der Internationalen Jugendarbeit, mangelndes Bewusstsein über die Bedeutung von Begegnungsformaten, Überlastung von Fachkräften, fehlende Sichtbarkeit bei der Zielgruppe und in der Öffentlichkeit sind die Gründe für eine noch immer bestehende Randständigkeit der Internationalen Jugendarbeit. Dabei bieten die internationalen Begegnungen jungen Menschen zumeist unvergessliche und lebensprägende Erfahrungen. Wenn mittel- und langfristig in Nürnberg mehr Internationale Jugendarbeit entstehen soll, dann ist es von enormer Bedeutung bessere und nachhaltigere Strukturen aufzubauen, um Ansprechpersonen für die IJA zu haben und Beratung und Unterstützung von Fachkräften zu ermöglichen und damit möglichst allen jungen Menschen die Möglichkeit einer internationalen Begegnungserfahrung zu bieten.

2.3 Zusammenfassung der Bestandsaufnahme und -analyse zur Internationalen Ju-

gendarbeit in Nürnberg

Bestandsaufnahme und -analyse
Umweltfaktoren und Einflüsse Erfahrungen
Risiken Stärken
Chancen Herausforderungen
Heterogene Stadtge- sellschaft Stadtgeschichte und daraus entstandene Einrichtungen Vernetzung und Zu- sammenarbeit von Kommune, Verbänden und freien Trägern Jugendhilfeausschuss und Stadtverwaltung Sozialpolitische Her- ausforderungen – Un- terschiedlicher Zugang zur Zielgruppe Kommunaler Haushalt Besondere gesell- schaftliche Krisen Arbeitsbelastung der Fachkräfte und Fluktu- ation Konkrete Erfahrungen im Jugendamt, beim KJR, bei freien Trä- gern, bei Workcamps und beim Fachkräftet- raining Kommunale Förder- möglichkeiten Personelle Ressourcen joiN als Netzwerkinitia- tive
Heterogene Stadtge- Begrenzte Aus-
sellschaft tauschangebote und
Rückgang internationa-
ler Jugend-begegnun-
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daraus entstandene
Einrichtungen
Fehlender Zugang zu
bildungsfernen Ju-
Vernetzung und Zu- gendlichen
sammenarbeit von
Kommune, Verbänden
und freien Trägern Geringe Akquise von
Fördermitteln
Jugendhilfeausschuss
und Stadtverwaltung Fehlende Erfahrungen
und Kompetenzen bei
Fachkräften
Brüchige Vernetzung
Fehlendes Bewusst-
sein und mangelnde
Anerkennung zur Be-
deutung der IJA
  1. Zielsetzungen des Lokalen Entwicklungsplans für Internationale Jugendarbeit in

Nürnberg

Der Lokale Entwicklungsplan zielt auf einen quantifizierbaren Ausbau und eine qualitative Weiterentwicklung von Angeboten im Arbeitsfeld der Internationalen Jugendarbeit. Auf der Basis der unter Punkt 2 beschriebenen Bestandsaufnahme werden neue, ambitionierte und zugleich aber auch realistische Zielsetzungen formuliert. Im Folgenden werden nun drei Zielbereiche definiert und dazugehörige Ziele formuliert:  Zielsetzung in Bezug auf junge Menschen (3.1)  Zielsetzung in Bezug auf lokale Fachkräfte (3.2)  Zielsetzung in Bezug auf die strukturelle Verankerung (3.3)

Im Rahmen der Teilnahme an bundesweiten Initiativen zur Stärkung von Internationaler Jugendarbeit in Kommunen setzt sich Nürnberg nach zwei Jahren der Pandemie diese neuen

Ziele, um möglichst allen jungen Menschen in Nürnberg zukünftig die Teilnahme an einer Austauschmaßnahme zu ermöglichen und die pädagogische Bedeutung von Internationaler Jugendarbeit als wichtiger Teil der Jugendarbeit in Nürnberg festzuschreiben. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Ziele aus dem vorherigen Entwicklungsplan von 2013 (Vernetzung, Qualifizierung von Fachkräften und Ausbau von Jugendbegegnungsangeboten) nicht zuletzt aufgrund eines Mangels an passenden Strukturen und Unterstützungsangeboten nur unzureichend erreicht werden konnten. Deshalb kommt einer verbesserten personellen Ausstattung eine Schlüsselfunktion zu, um neue Impulse sowie Unterstützungs- und Beratungsangebote zu schaffen. Diese kontinuierlichen und nachhaltigen Strukturen fehlen bislang in Nürnberg. Die meisten Partnerinnen und Partner für die aktuellen und zukünftigen Mobilitätsformate befinden sich in Europa. Die Europäisierung der Jugendarbeit ist auch für die Akteurinnen und Akteure in Nürnberg von wachsender Bedeutung. Entscheidend ist dabei, das Europabewusstsein und die Bedeutung der Verständigung in Europa in den Begegnungsprojekten deutlich zu machen. Der Schwerpunkt auf europäische Jugendarbeit bietet zudem die Chance, internationalen Jugendaustausch auch mit einer nachhaltigen und klimafreundlichen Mobilität zu verbinden.

3.1 Mehr internationale Mobilitätsangebote für junge Menschen in Nürnberg

Um einer größeren Anzahl von jungen Menschen Jugendbegegnungen zu ermöglichen, ist es entscheidend, dass ausreichend außerschulische Begegnungen stattfinden. Internationale Jugendbegegnungen bieten dabei die Chance für gemeinsames Lernen von internationalen Jugendgruppen. Die Auseinandersetzung mit zentralen gesellschaftlichen und globalen Themen fördert die persönliche Begegnung zwischen Teilnehmenden und stärkt ihre Persönlichkeitsbildung. Mittel- und langfristig sollen jährlich mindestens 10 bis 15 Jugendbegegnungsprojekte durch verschiedene Träger entwickelt und umgesetzt werden. Dabei soll der Anteil von jungen Menschen mit sozialer Benachteiligung bei mindestens 50% liegen.

Bi- und multilaterale Begegnungen mit Partnerstädten

Internationale Jugendbegegnungen zeichnen sich dadurch aus, dass der interkulturelle Austausch und das gegenseitige Kennenlernen junger Menschen aus verschiedenen Ländern, die sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzen, im Zentrum stehen. Sie sind grundlegender Bestandteil der Internationalen Jugendarbeit. In den kommenden Jahren sollen neue Begegnungsprojekte mit den Nürnberger Partnerstädten entstehen. Es gehört zu der Zielsetzung von Städtepartnerschaften, einen Beitrag zu Frieden und Verständigung sowie zum Abbau von Vorurteilen und Rassismus, Intoleranz und Menschenfeindlichkeit zu leisten. Nürnberg ist aufgrund seiner besonderen historischen Geschichte und Verantwortung sehr bemüht, sich als "Stadt des Friedens und der Menschenrechte" neue Impulse zu setzen und im Rahmen von kommunalen Partnerschaften, Freundschaften und weiteren interkommunalen und internationalen Beziehungen einen nachhaltigen Beitrag zu leisten. Im Jahr 1954 wurden zwischen Nürnberg, Nizza, Venedig, Locarno und Brügge die ersten Städtebeziehungen Nürnbergs in der Nachkriegszeit vereinbart. Zwischen 1979 und 2010 folgten weitere 13 Partnerschaften mit Städten in Europa, Nord- und Lateinamerika, Ostasien und im Nahen Osten. Nürnberg hat neben sieben befreundeten Kommunen insgesamt 14 Partnerstädte. Es finden bereits seit Jahren insbesondere bilaterale Formate mit verschiedenen Partnerstädten wie Glasgow (Schottland) und Klausen (Südtirol) statt. Diese sollen weitergeführt werden. Darüber hinaus konnte 2022 eine erste Jugendbegegnung mit Brasov (Rumänien) realisiert werden, weitere Maßnahmen sind zum Beispiel mit Krakau (Polen) geplant. Mittel- und langfristig sollen weitere bi- und multilaterale Angebotsformate unter Beteiligung von weiteren Partnerstädten, wie zum Beispiel Nizza (Frankreich), Skopje (Mazedonien), Prag (Tschechien), Charkiv (Ukraine), Hadera (Israel), Antalya (Türkei), Kavala (Griechenland), Atlanta (USA), Córdoba (Spanien) und Venedig (Italien) entstehen.

Ausbau der Angebote in den kommunalen Einrichtungen der OKiJA

Damit mehr Jugendaustauschmaßnahmen in Nürnberg durchgeführt werden können, stellt das Jugendamt für den Zeitraum 2023 bis 2027 einen Antrag auf Akkreditierung im Programm Erasmus+. Eine Akkreditierung bei Erasmus+ gilt für die Programmlaufzeit bis 2027 und gibt dem Träger eine Planungssicherheit für die Förderung der Austauschmaßnahmen. Das Jugendamt als akkreditierter Träger stellt dann einmal jährlich einen vereinfachten Budgetantrag für die kommunalen Mobilitätsaktivitäten der Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Somit wird die geplante Ausweitung der Mobilitätsangebote nicht den städtischen Haushalt belasten Die Umsetzung der intensivierten Internationalen Jugendarbeit soll in folgenden Schritten erfolgen:  2023 und 2024: je 5 bilaterale Jugendbegegnungen  2025 und 2026: je 6 bilaterale Jugendbegegnungen  2027: 7 bilaterale Jugendbegegnungen  2023 bis 2027: einmal jährlich ein multilaterales Angebot  2023 bis 2027: einmal jährlich ein Fachkräfteaustausch Ziel ist es demnach, dass in den Jahren 2023 bis 2024 jeweils fünf bi- bzw. trilaterale Jugendbegegnungen mit den Partnerstädten Glasgow, Klausen, Krakau, Brasov, Antalya und Nizza stattfinden. In den Jahren 2025 und 2026 sollen die bilateralen Begegnungen um eine weitere Begegnung mit einer Partnerstadt (z. B. Hadera) erweitert werden, sodass jeweils sechs Jugendbegegnungen stattfinden. Zusätzlich sollen von 2023 bis 2027 jeweils jährlich mindestens je ein weiterer Fachkräfteaustausch und je ein multilaterales Angebot durchgeführt werden. In der kommunalen Offenen Kinder- und Jugendarbeit sollen zudem neue Angebotsformate entstehen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den kommunalen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg zu. Langfristig sollen sich deutlich mehr Einrichtungen an Internationaler Jugendarbeit beteiligen. Das ist in unterschiedlicher Weise möglich, zum Beispiel durch jährliche Austauschprojekte, Begegnungsprojekte alle zwei oder drei Jahre, von mehreren Einrichtungen gemeinsam durchgeführte Projekte in Kooperation etc.

Stärkung der Angebote der Jugendverbände

Neben der Schaffung neuer Angebote durch kommunale Einrichtungen setzt sich Nürnberg zum Ziel Jugendverbände in ihrer Internationalen Jugendarbeit zu stärken. Sie sollen ermutigt und unterstützt werden wieder mehr internationale Jugendbegegnungen anzubieten und durchführen zu können. Ziel ist es, dass die kommunalen Mittel für internationale Jugendarbeit, die zur Förderung der verbandlichen Jugendarbeit zur Verfügung gestellt werden, wieder stärker abgerufen werden und dass der Kreisjugendring sowie einzelne Verbände auch wieder mehr an überregionalen Fördermöglichkeiten partizipieren. Um die Jugendverbände zu unterstützen, soll der Kontakt und die Vernetzung ausgebaut werden. Das neue Netzwerk joiN bietet dafür eine große Chance. Eine enge Vernetzung ermöglicht einen regelmäßigen Informations- und Wissensaustausch, aber auch die gemeinsame strategische Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg. Die angestrebte Fachstelle für Internationale Jugendarbeit des Jugendamts soll sich dabei auch als Ansprechpartnerin für Jugendverbände verstehen und diesen bei Fragen rund um die Realisierung einer Jugendbegegnung unterstützen und Vernetzungsangebote vorhalten. Die Anzahl der Maßnahmen der Jugendverbände in Nürnberg könnte so bis 2027 auf insgesamt bis zu 14 gesteigert werden.

Aufbau von Einsatzstellen und Projekten im Rahmen des Europäischen Solidaritäts-

korps mit den Partnerstädten

Neben gruppenpädagogischen Projekten wie internationalen Jugendbegegnungen sind individuelle Mobilitätsangebote, wie z. B. Freiwilligendienste, ein zentrales Instrument von Internationaler Jugendarbeit. Auch beim Europäischen Freiwilligendienst gibt es in Nürnberg bislang wenige Angebote und daher Nachholbedarf. In den kommenden Jahren sollen Einsatzstellen für Freiwilligendienste aufgebaut und Fachkräfte in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und in der Verwaltung als Betreuungspersonen

qualifiziert werden. Der Aufbau von Einsatzstellen, die langfristig einjährige Freiwilligendienst- Projekte bei sich etablieren, bedeutet, europäische Fördergelder für Freiwilligenarbeit nach Nürnberg zu lenken und über die individuellen Wirkungen hinaus in den Einrichtungen zur Professionalisierung der Freiwilligenarbeit, zur interkulturellen Öffnung und zu einem stärkeren Europabewusstsein beizutragen. Die Städtepartnerschaften und die Kontakte des Amtes für Internationale Beziehungen bieten gute Grundlagen für den Aufbau eines Aufnahme- und Entsendenetzwerkes für Maßnahmen im Rahmen des europäischen Solidaritätskorps. Die Voraussetzungen für die Schaffung derartiger Einsatzstellen befindet sich momentan in der Prüfung.

3.2 Vernetzung, Qualifizierung und Unterstützung der lokalen Fachkräfte

Verlässliche und nachhaltige Netzwerkstrukturen – das Netzwerk joiN

Für die kommunale Stärkung kommt der lokalen Vernetzung eine besondere Rolle zu. Bislang fehlt es an Kapazitäten, um eine wirkungsvolle und nachhaltige Vernetzungsarbeit zu realisieren. Im Herbst 2020 wurde aus einem informellen Kreis von Akteurinnen und Akteuren der Jugendarbeit das Netzwerk joiN (jung – offen – international – Nürnberg) zur Stärkung von Internationaler Jugendarbeit in Nürnberg gegründet. Die Gruppe umfasst Vertreterinnen und Vertreter des Jugendamts, des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt, des Amts für internationale Beziehungen, von Jugendverbänden und anderen freien Trägern und Aktiven. Das Netzwerk joiN soll in den kommenden Jahren das Forum für Austausch, Qualifizierung und stärkere Sichtbarkeit von Internationaler Jugendarbeit in Nürnberg werden. joiN bietet die Plattform für regelmäßigen Informationsaustausch über durchgeführte und geplante Mobilitätsangebote und über Fördermöglichkeiten und dient der fachlichen und strategischen Weiterentwicklung der IJA in Nürnberg. Das Netzwerk organisiert Veranstaltungen (u.a. ein jährliches Dialogforum und zwei Netzwerktreffen im Jahr), um den Informationsaustausch und die Vernetzung mit Trägern der Jugendarbeit zu festigen und den fachlichen und politischen Diskurs zu beginnen und zu verstetigen. Die Träger, die Jugendbegegnungen im pädagogischen Angebot haben, nutzen für ihre Öffentlichkeitsarbeit und Informationsvermittlung bislang verschiedene Formate. Das sind z.B. soziale Medien, Flyer oder verschiedene Internetauftritte. Die Angebote der verschiedenen Träger sind untereinander und bei den Zielgruppen nur teilweise bekannt. Im Rahmen des Netzwerkes soll die bisherige Informationsvermittlung auf ihre Wirksamkeit überprüft und für folgende Zielgruppen adäquate Zugänge gefunden werden:  für junge Menschen und deren Kontakt- bzw. Ansprechpersonen  für Fachkräfte  für Fachpolitikerinnen und -politiker

Das Netzwerk soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Dabei sollen neben Jugendverbänden, kommunalen Einrichtungen und freien Trägern auch Kontakte zu Schulen und zur beruflichen Ausbildung entstehen. Wichtige Partnerinnen und Partner sind dabei unter anderem das Europabüro der Stadt und der Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Diversity Education und internationale Bildungsforschung der Universität Erlangen-Nürnberg.

Verstärkte Unterstützung und Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Eine nachhaltige Entwicklung von Internationaler Jugendarbeit setzt fortlaufende Fortbildungsund Qualifizierungsangebote voraus. Die Unterstützung und Qualifizierung von hauptamtlichen sowie ehrenamtlichen Fachkräften sind dafür elementare Bausteine. Durch Informationen, Aus- und Fortbildungen, Reflexionsseminare sowie Fachkräfteaustausche können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pädagogische und organisatorische Kompetenzen zur Konzipierung und Durchführung von Jugendbegegnungen und adressatengerechte Zugänge erschließen. Die Koordinierung der Angebote soll bei der geplanten Fachstelle liegen. Die inhaltliche Gestaltung einer Jugendbegegnung ist das zentrale Mittel, um die persönliche Begegnung von Teilnehmenden zu fördern. Fachkräfte, die gemeinsam mit internationalen

Partnerinnen und Partnern ein Programm planen, brauchen dazu pädagogische und methodische Kenntnisse, um eine Begegnungswoche teilnehmerorientiert und themenzentriert zu gestalten. Inhalte und Ziele werden dabei mit den jungen Teilnehmenden entwickelt. Für die Programmgestaltung einer Jugendbegegnung eignen sich z. B. kulturelle wie politische Bildung, Erlebnispädagogik und Sport. Den Fachkräften sollen durch Einführungsseminare und (internationale) Trainings praktisches Handlungswissen und theoretische Grundlagen vermittelt werden. Mit Videokonferenzen gibt es ganz neue Kommunikations- bzw. Austauschformate, die gerade in der Vorbereitung der jungen Menschen auf den Austausch „vor Ort“ ganz neue und niederschwellige Möglichkeiten bieten.

Internationale Fachkräftetrainings

Für die erfolgreiche Umsetzung einer Jugendbegegnung braucht es zuverlässige Partnerinnen und Partner, mit denen eine tragfähige und dauerhafte Partnerschaft aufgebaut und gepflegt werden kann. Das gelingt dann besonders gut und erfolgversprechend, wenn sie Gelegenheit haben, sich kennenzulernen und gemeinsame Vorstellungen für eine Zusammenarbeit zu entwickeln. Geplant ist deshalb in den kommenden Jahren eine Reihe von internationalen Fachkräftetrainings, bei denen hauptamtliche und ehrenamtliche Fachkräfte aus der Nürnberger Jugendarbeit auf Kolleginnen und Kollegen aus den Partnerstädten treffen. Die Trainings sollen Grundlagen von Internationaler Jugendarbeit vermitteln, Interesse und Motivation wecken und als Projektschmieden dienen, bei denen neue Partnerschaften geknüpft und Jugendbegegnungen geplant werden. Im Rahmen der Trainings lassen sich auch Hürden und Herausforderungen auf dem Weg zu einer Jugendbegegnung thematisieren und gemeinsam Strategien entwickeln.

Denkbar ist auch Job-Shadowing von Fachkräften, bei dem eine Fachkraft im Inland durch eine Fachkraft aus dem Ausland für eine gewisse Zeit bei der Arbeit begleitet wird und dabei Einblicke in das jeweilige Tätigkeitsfeld bekommt. Das EU-Programm Erasmus+-Jugend fördert diesen Perspektivenwechsel auf Zeit finanziell.

Diversitätsbewusstsein – more than culture

Nürnberg besitzt eine heterogene Stadtgesellschaft. Der respektvolle und wertegebundene Umgang mit sozialer und kultureller Vielfalt ist eine wichtige Kompetenz für das Zusammenleben in Nürnberg. Internationale und europäische Jugendarbeit bietet Lerngelegenheiten, um das eigene Denken und Handeln in Bezug auf Diversität zu reflektieren. Die Fachkräfte sollen in ihren Begegnungen zeitgemäße Konzepte und Methoden anwenden, die das Bewusstsein von Teilnehmenden für Diversität und Ungleichheiten erhöht und eine Haltung vermittelt, die jede Art von Diskriminierung kritisch reflektiert und ablehnt. Damit leisten Jugendbegegnungen einen Beitrag zur Präventionsarbeit gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die geplante Fachstelle soll dabei die Fachkräfte durch Trainings zur Entwicklung einer diversitätsbewussten Haltung unterstützen und Module für den Einsatz in den internationalen Jugendbegegnungen entwickeln und weitergeben.

Projektsteuerung und Akquise von Fördergeldern

Neben inhaltlichen und pädagogischen Kompetenzen brauchen Fachkräfte auch Kompetenzen und Fertigkeiten, um ein anspruchsvolles internationales Projekt planen und organisieren zu können. Dazu gehören Teamfähigkeit, Projektsteuerung und Erfahrungen bei der Akquise und Abrechnung von Fördergeldern. Mit gezielten Fortbildungen sollen die Fachkräfte aus der Jugendarbeit für die verschiedenen Schritte einer Projektplanung „Jugendbegegnung von A bis Z“ fit gemacht werden. Bislang wurden nur in Einzelfällen Fördergelder für Internationale Jugendarbeit (Erasmus+, Kinder- und Jugendplan des Bundes, Jugendwerke, Kinder- und Jugendprogramm der Staatsregierung etc.) beantragt. Schritt für Schritt soll es zum Normalfall werden, dass die Begegnungsprojekte über Fördergelder aus Bundes- oder Europamitteln (anteilig) finanziert werden. Interessante Perspektiven bietet die 2021 gegründete Stiftung „Jugendaustausch Bayern“.

3.3 Strukturelle und personelle Verankerung – Schaffung einer Fachstelle für Internati-

onale Jugendarbeit in Nürnberg

Die Analyse der Entwicklung von Internationaler Jugendarbeit in Nürnberg in den letzten Jahren zeigt, dass es an Angeboten für junge Menschen in der Fläche, an Wissen und Erfahrungen bei den Fachkräften und an Kapazitäten und Ressourcen für eine wirkungsvolle Vernetzung und Koordinierung in der Fläche noch mangelt. Die verschiedenen und umfangreichen Defizite in diesen Bereichen machen deutlich, dass es von zentraler Bedeutung ist, über bestehende Strukturen hinaus neue Kapazitäten aufzubauen. Dazu ist die Schaffung einer lokalen Fach- und Koordinierungsstelle für Internationale Jugendarbeit in Nürnberg unerlässlich. Daher wurde beim Jugendamt eine Stelle in Vollzeit für den Haushalt 2023 beantragt. Die bestehende Verortung der Internationalen Jugendarbeit in einem von mehreren Querschnittsfunktionen einer Abteilungsleitung Kinder- und Jugendarbeit beim Jugendamt und die bestehenden geringfügigen Personalstunden beim KJR haben nicht ausgereicht, um in den letzten Jahren Vernetzung und Weiterentwicklung von Internationaler Jugendarbeit ausreichend und nachhaltig zu gewährleisten oder gar voranzubringen. Die Förderung durch das Programm Fachkräfteinitiative.International (IJAB) zeigt ganz deutlich, dass durch die zusätzlichen personellen Ressourcen in der Projektgruppe Internationale Jugendarbeit die Aktivitäten in diesem Arbeitsfeld breitflächiger und damit auch, zumindest bis Ende 2022, wesentlich nachhaltiger angelegt werden können. Denn um die jugendpolitisch wichtigen Aufgaben (Persönlichkeitsentwicklung, Demokratiebewusstsein, Einbeziehung von benachteiligten Jugendlichen etc.) in Nürnberg erfolgreich umsetzen zu können, braucht es einen Motor, eine Fachstelle für Internationale Jugendarbeit, die in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Aktiven im Arbeitsfeld der Internationalen Jugendarbeit eine Strategie entwickelt und diese dann auch zielgerichtet umsetzt. Die Verortung der Fachstelle liegt dabei inhaltlich-fachlich im Jugendamt. Andere vergleichbare Kommunen, wie Wiesbaden oder Leipzig, haben in den letzten Jahren durch den Aufbau von internationalen Fachstellen in der Jugendarbeitsstruktur der Kommune nachhaltige Entwicklungen umsetzen können und bieten heute erfolgreich mehr und zielgruppenadäquate Begegnungsprojekte für mehr junge Menschen an. Nürnberg wird mit einer Fachstelle diesem bundesweit modellhaften Weg folgen. Mit der Einrichtung einer kommunalen Fach- und Koordinierungsstelle können die Bedarfe bei den Fachkräften und Trägern aufgegriffen und folgende zentrale Arbeitsschwerpunkte Entwicklungsschritte nachhaltig umgesetzt werden:

Beratung und Servicefunktion

Fachkräfte der Jugendarbeit stehen bereits in ihrer Alltagsarbeit unter einer hohen Arbeitsbelastung. Bei Bedarfsabfragen wurde immer wieder deutlich, dass der hohe Arbeitsaufwand in der Internationalen Jugendarbeit haupt- und ehrenamtliche Kräfte in der verbandlichen Jugendarbeit, in den Einrichtungen der OKiJA und bei sonstigen Trägern das verstärkte Engagement in der Internationalen Jugendarbeit behindert. Diese Zugangshürden sollen in Nürnberg durch die Einrichtung einer Koordinierungs- und Fachstelle abgemildert werden. Die Beratung und Unterstützung bei organisatorischen Fragen soll ein Schwerpunkt der Fachstelle werden. Die Weitergabe von Informationen, die Hilfe bei der Antragstellung, die Vermittlung von Kontakten, der Austausch bei Themen wie Teilnehmendengewinnung und die Beratung bei der inhaltlichen Gestaltung sollen für eine spürbare Entlastung sorgen, sodass sich die Kolleginnen und Kollegen leichter für die Planung einer Jugendbegegnung entscheiden können. Die Beratung soll allen Fachkräften in Nürnberg zur Verfügung stehen. Besondere Bedeutung kommt der Bekanntheit und der Erreichbarkeit der Fachstelle zu. Dies soll durch gute Vernetzung und die Schaffung ausreichender Kapazitäten (mindestens eine Vollzeitstelle) erreicht werden.

Aufbau und Pflege des Netzwerks

Der Aufbau eines langfristigen und arbeitsfähigen Netzwerkes (joiN) braucht einen Motor. Ziel ist der Kontaktaufbau und die Einbeziehung aller Träger, die in Internationaler Jugendarbeit

aktiv sind, waren, wieder einsteigen oder diese Arbeit neu aufbauen möchten. Damit die Mitarbeit im Netzwerk für alle Partnerinnen und Partner einen Mehrwert darstellt, werden regelmäßig Erhebungen durchgeführt, welche Bedarfe an Schulungen, Fachkräfteprogrammen, Informationsaustausch und Beratungsangeboten bei den Trägern bestehen. Jährlich werden zwei Netzwerktreffen angeboten und sollen von der Fachstelle mitgestaltet werden. Jahresthemen und gemeinsame Vorhaben werden in Arbeitsgruppen geplant, die die Fachstelle koordinieren wird. Die Aktivitäten im Netzwerk werden erfasst und auf der Homepage dokumentiert. Die Homepage informiert zielgruppenorientiert über Angebote der Netzwerkpartnerinnen und -partner.

Kontaktaufbau zu den Partnerstädten und internationalen Austauschpartnerinnen und

-partnern

Eine zentrale Voraussetzung für gute und langfristige Internationale Jugendarbeit sind Partnerschaften mit Einrichtungen, Trägern und Organisationen in anderen Ländern. Ein gutes Begegnungsprojekt lebt davon, dass die Partnerorganisationen und die handelnden Akteurinnen und Akteure eine gemeinsame Vorstellung von der Austauschmaßnahme und dem pädagogischen Ansatz haben. Die zahlreichen Nürnberger Partnerstädte sind eine gute Basis für die Suche nach Kooperationen. Um die Kontakte zu knüpfen wird die Fachstelle jährlich Fachkräfteprogramme anbieten, um die Nürnberger Fachkräfte mit denen aus den Partnerstädten zusammenbringen. Es hat sich bewährt, diese Programme mit Methoden der Begegnungsarbeit zu gestalten, um den Fachkräften eigene Erfahrungen zu vermitteln und die Perspektive von Teilnehmenden selbst zu erfahren. Zweiteilige Matching-Seminare sollen mit wechselnden Partnerstädten stattfinden. Es ist geplant, in den kommenden Jahren zu mindestens zehn Partnerstädten und darüber hinaus mit weiteren Partnerinnen und Partnern feste Kooperationen für Internationale Jugendarbeit aufzubauen. Um Kontakt- und Informationslücken beim Wechsel von Zuständigkeiten oder beim Ausscheiden von Ansprechpartnerinnen und -partnern in Nürnberg und im Ausland zu vermeiden, ist der Aufbau und die Pflege eines nachhaltigen Wissensmanagements dringend notwendig.

Strategieentwicklung, Zielgruppenerreichung und Teilnehmendengewinnung

Die Einbeziehung von benachteiligten jungen Menschen ist das zentrale strategische Ziel für die kommenden Jahre. Die Fachstelle soll sich in enger Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit diesem Thema annehmen und sich um die Entwicklung von Konzepten kümmern, wie Zugänge erkannt und wirksam abgebaut werden. Das Thema ist in anderen Kommunen und auf Bundesebene bereits ausführlich analysiert worden. Es wird daher auch darum gehen, von Erfahrungen anderer Kommunen und Träger zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen. Geplant sind daher eine Arbeitshilfe als Handreichung für Fachkräfte, ein regelmäßiger Austausch, u.a. bei den geplanten Netzwerktreffen, und Qualifizierungsmodule, u.a. bei den Fachkräfteseminaren. Wichtig wird zudem auch die engere Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen der Jugendhilfe und dem Bereich der formalen Bildung in Nürnberg sein.

Mehrjährige Entwicklungspläne, Akkreditierung für Förderprogramme und Sammelan-

träge

Ein zentrales Defizit in den letzten Jahren in der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg war die äußerst geringe Akquise von Fördermitteln von der Bundes- und Europaebene. In der neuen Programmlaufzeit des EU-Förderprogramms Erasmus+-Jugend besteht die Möglichkeit, dass sich Träger im Zeitraum von 2022 bis 2027 als Träger von Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit akkreditieren und dabei ein mehrjähriges Maßnahmenprogramm anmelden. Dieses Instrument bietet sich für den Ausbau von Internationaler Jugendarbeit in Nürnberg besonders an. Eine Akkreditierung setzt eine langfristige Maßnahmenplanung voraus, die die Träger im Netzwerk und durch enge Beratung der Fachstelle entwickeln sollen.

Initiierung von neuen Begegnungsprojekten

Die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit soll über ihre Koordinierungsfunktionen hinaus auch eigene Impulse für die Begegnungsarbeit in Nürnberg leisten. Gedacht ist, dass die Fachstelle sich federführend an der Planung und Durchführung von neuen, multilateralen Begegnungsprojekten beteiligt. Das betrifft u.a. den Aufbau von Begegnungsformaten, die aufgrund aktueller gesellschaftlicher und politischer Bedingungen und historischer Verantwortung von besonderer Bedeutung sind. Besondere Aufmerksamkeit soll in den kommenden Jahren zum Beispiel auf den Jugendaustausch mit Israel und der Türkei gelegt werden. Die Verantwortung für die Erinnerung an den Holocaust und die dauerhafte Notwendigkeit präventiv gegen Antisemitismus und andere Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu arbeiten, sind der Grund für eine verstärkte Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren aus der Partnerstadt Hadera (Israel). Die heterogene Zusammensetzung besonders der jungen Generation in Nürnberg und die Bedeutung von pädagogischer Arbeit für die Identitätsentwicklung sind Gründe, um neue Konzepte und Projekte mit Partnerinnen und Partner aus Antalya zu entwickeln. Das Bewusstsein für demokratische Werte, die Vermittlung der Bedeutung der Menschenrechte und der Wert europäischer und globaler Verständigung sind vor dem Hintergrund aktueller Verletzungen von Frieden, Freiheit und Menschenwürde an vielen Orten der Welt elementar wichtig. Die Fachstelle soll in den nächsten Jahren Formate für internationale Jugendwochen erarbeiten, die besonders Fragen zu Frieden, Menschenrechte und Demokratie in den Mittelpunkt stellen.

4. Grafische Darstellung des zukünftigen Netzwerkaufbaus bis 2027

Die Grafik zeigt die aktuelle Vernetzungssituation im Jahr 2022 und zeigt die anzustrebende erweiterte Vernetzungsstruktur für das Jahr 2027 auf.

Abbildung 1

5. Zusammenfassende Schlussbewertung

Selbst kurzzeitige internationale Erfahrungen haben einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung junger Menschen. Gefördert wird die Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen im Hinblick auf Selbstvertrauen, soziale Kompetenz, Offenheit für neue Erfahrungen, interkulturelle Kompetenz und Identitätsbildung. In der Zugangsstudie von 2019 wird dabei das starke Interesse und der hohe Bedarf an der Teilnahme von jungen Menschen an Mobilitätsformaten mehr als deutlich. Eine Umfrage unter 2380 jungen Menschen ergab demnach, dass die Mehrheit (insgesamt 63%) grundsätzlich an Austauschmaßnahmen interessiert sind. Lediglich 37% haben keinerlei Interesse an der Teilnahme an einem internationalen Austausch. Oft sind fehlende Informationen oder die Sorge vor zu hohen Kosten ein Grund für das fehlende Interesse. Nürnberg besitzt eine breite Aufstellung im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Dazu gehören die fast 70 Einrichtungen, die sich in kommunaler Trägerschaft oder in der Trägerschaft von Jugendverbänden bzw. dem KJR befinden und Einrichtungen in freier Trägerschaft. Internationale Jugendarbeit spielte allerdings in den vergangenen Jahren dabei in den meisten Einrichtungen eine zunehmend geringere Rolle. Die Teilnahme von Nürnberg am Förderprogramm Kommune goes International des IJAB hatte zwar kurzzeitig zu einem Schub in diesem Arbeitsfeld geführt, der allerdings danach wieder größtenteils verpuffte. Die Austauschaktivitäten beschränkten sich meist auf einzelne aktive Träger, in der Breite konnten sie nicht implementiert werden. Erst mit der Neugründung des Netzwerks joiN 2020 und die damit stärkere Vernetzung der in der Internationalen Jugendarbeit Aktiven wurde wieder eine solide Basis für das Wiedererstarken der Aktivitäten im Feld der Internationalen Jugendarbeit und der Ausweitung von Mobilitätsmaßnahmen möglichst für alle jungen Menschen in Nürnberg geschaffen. Die Teilnahme des Jugendamts an der Fachkräfteinitiative.International des IJAB und die damit verbundenen Fördermittel, auch für Personalanteile, hat dem Vernetzungsprozess weiter Vorschub geleistet. Bei Beendigung der Förderung zum 31.12.2022 steht zu erwarten, dass die initiierten Entwicklungen nicht mehr weitergeführt werden können und man relativ schnell wieder auf das Niveau vor Gründung des Netzwerks zurückfällt. In der Zugangsstudie wird aus Sicht des Forschungsteams gefordert, die Zugangsbarrieren für junge Menschen zu verringern. „Dafür ist eine Stärkung der Jugendarbeit notwendig, damit diese vor allem auf lokaler Ebene ausreichend Ressourcen zur Verfügung hat, um eine lebensweltliche Anbindung internationaler Jugendarbeit zu ermöglichen und jungen Menschen damit außerdem partizipative, d.h. selbstgestaltete Zugänge zu internationalen Formaten zu erleichtern.“ Damit der in Nürnberg begonnene Prozess der Internationalisierung in der Kinder- und Jugendarbeit auch weiterhin und damit auch nachhaltig fortgeführt werden kann, ist die Schaffung von personellen Strukturen notwendig. Die Projektgruppe Internationale Jugendarbeit im Jugendamt, die durch die Fördermittel von Fachkräfteinitiative.International des IJAB im Jahr 2022 geschaffen werden konnte, die enge Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationale Beziehungen und mit dem Kreisjugendring Nürnberg-Stadt in Verbindung mit dem neuen Netzwerk joiN, das sozusagen die Informations-, Kommunikations- und Vernetzungsplattform für alle in Nürnberg im Bereich der Internationalen Jugendarbeit Aktiven ist – dies alles zeigt sehr deutlich auf, dass eine Verbreiterung und Ausweitung der Aktivitäten sowie eine qualitative Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit aus dem Bestand nicht möglich ist. Dazu sind zusätzliche personelle Ressourcen nötig.

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