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Sachverhaltsdarstellung

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Jugendhilfeausschuss Stadtentwicklung & Planung Haushalt & Finanzen Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage 4.1

zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 29.09.2022

Sachverhalt:

Sanierungsbedarf der Burg Hoheneck

Die Burg Hoheneck, Nürnbergs einzige Burg in kommunalem Besitz, dient seit 1984 als Jugendbildungsstätte für Mittelfranken, in Trägerschaft des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt. Inzwischen entspricht sie nicht mehr den baulichen, gesellschaftlichen und fachlichen Standards einer Bildungsstätte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und weist außerdem erhebliche bauliche Mängel auf. Deshalb werden seit Jahren immer wieder akute Mängel behoben und eine Generalsanierung mit gleichzeitiger Erweiterung diskutiert und dafür nötige Voruntersuchungen durchgeführt.

Inzwischen haben die Stadtratsfraktionen von CSU, SPD und Bündnis 90/ Die Grünen sich mit dem Thema auseinandergesetzt und mit ihren Anträgen vom 16.11.2020 (CSU), 03.12.2020 (SPD) und vom 11.07.2022 (SPD gemeinsam mit Bündnis 90/Die Grünen) auf die Agenda gebracht.

Die Verwaltung des Jugendamts erörtert in enger Absprache mit dem Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, unter Berücksichtigung von aktuellen Informationen aus dem Hochbauamt, den Sachverhalt.

1. Die Burg Hoheneck als Jugendbildungsstätte

Die Burg Hoheneck ist seit 1953 in Besitz der Stadt Nürnberg und wird seit 1984 durch den Kreisjugendring Nürnberg-Stadt als einzige Jugendbildungsstätte in Mittelfranken gemäß dem Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung betrieben.

Die Burg hat als Jugendbildungsstätte für die außerschulische Bildung in Mittelfranken eine zentrale Bedeutung, insbesondere für das gesamte Spektrum der Jugendarbeit der freien Träger und Verbände, aber auch in der Funktion als Bildungsstätte für Schülerinnen und Schüler, bei beruflicher Orientierung und als Ort der sozialen Bildung. Die Angebote wenden sich an Kinder, Jugendliche, Ehrenund Hauptamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit und der Jugendhilfe. Daneben werden unter der Woche Seminare für Haupt-, Mittel-, Förder- und Berufsschulklassen angeboten. (Jugend)verbände, Vereine, Schulklassen und organisierte Gruppen führen eigenständig Seminare, Tagungen oder Klassenfahrten durch. Alle Fortbildungen und Angebote der Bildungsarbeit bewegen sich im Themendreiklang „politische Bildung, Schlüsselkompetenzen und kulturelle Bildung“.

Im Jahr 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, fanden 63 eigene Seminare, 17 Fortbildungen für Fachkräfte, 46 Jugendbildungsmaßnahmen inkl. Ferienangebote mit über 15.000 Teilnehmer/innentagen statt. Viele der Beleger, Belegerinnen und Seminarteilnehmenden, die auf der Burg zusammentreffen, haben einen Migrationshintergrund. Daher ist Migrations- und Integrationsarbeit sowie interkulturelle Arbeit, integraler Bestandteil der pädagogischen Arbeit der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck und wird in der alltäglichen Arbeit umgesetzt, ohne dass sie explizit als solche ausgewiesen wird. Die Daten aus dem Corona-Jahr 2021 sind im Anhang beigefügt.

Die Teilnehmenden kommen überwiegend aus Nürnberg sowie aus dem weiteren Mittelfranken. Neben der Förderung durch den Bayerischen Jugendring (BJR) und den Teilnehmendenbeiträgen teilen sich Stadt Nürnberg und Bezirk entsprechend der Herkunft der Nutzungsanteile die Betriebskosten. Die Aufgaben der Jugendbildungsstätte sind in einem Grundlagenvertrag mit der Stadt Nürnberg festgelegt. In einer Anlage ist geregelt, dass der Zuschussbedarf der Einrichtung nach dem Besucher/innen-Verhältnis des jeweiligen Vorvorjahres zwischen der Stadt Nürnberg und dem Bezirk Mittelfranken aufgeteilt wird.

Übersicht Zuschüsse Burg Hoheneck 2017 - 2022

Antrag Zuschuss Stadt Zuschuss Bezirk Gesamt Anteil Stadt
2017 221.700,00 € 221.700,00 € 311.200,00 € 532.900,00 € 42%
2018 241.400,00 € 241.400,00 € 298.300,00 € 539.700,00 € 45%
2019 228.000,00 € 228.000,00 € 289.000,00 € 517.000,00 € 44%
2020 218.700,00 € 218.700,00 € 315.300,00 € 534.000,00 € 41%
2021 240.200,00 € 220.200,00 € 321.200,00 € 541.400,00 € 41%
2022 238.000,00 € 222.800,00 € 318.000,00 € 540.800,00 € 41%

2. Sanierungs- und Modernisierungsbedarf

Nach fast 40 Betriebsjahren und 20 Jahren des Bemühens um eine Erweiterung und Generalsanierung, beeinträchtigt der Sanierungs- und Modernisierungsbedarf die tägliche Arbeit inzwischen massiv und gefährdet den langfristigen Betrieb der Burg Hoheneck als Jugendbildungsstätte.

Für eine Sicherung des Betriebs und eine langfristige Perspektive muss die historische Gebäudesub-

stanz gesichert und saniert und müssen die Seminar- und Unterbringungsräume auf einen zeitgemä-

ßen Stand gebracht und um einen barrierefreien Neubau erweitert werden, da die erforderlichen Flä-

chen nicht in der Burg unterzubringen sind.

Vorplanungen und -arbeiten wurden seit 2014 angestellt. Die Sanierung der westlichen und südlichen

Stützmauer konnte 2019 abgeschlossen werden. Der historische Rittersaal musste Ende 2019 aus

statischen Gründen gesperrt werden, seither steht als größerer Veranstaltungsraum ein dafür errichte-

tes Interimsgebäude auf dem Gelände vor der Burg zur Verfügung.

Der Modernisierungsbedarf besteht für folgende Bereiche:

Fehlende Unterbringungs- und Sanitärstandards

Die Jugendbildungsstätte verfügt über folgende Übernachtungszimmer: 20 Einzel-, 8 Doppel-, 10

Mehrbettzimmer mit insgesamt 80 Betten. Keines dieser Zimmer verfügt über Dusche und WC, son-

dern es gibt ausschließlich Gemeinschaftstoiletten und –duschen, die etagenweise, manchmal auch

gemeinsam für zwei Etagen angeordnet sind.

Fehlende Seminarräume

Ursprünglich wurde von einem Gruppenraum je Belegungsgruppe ausgegangen. Inzwischen haben

sich die Standards weiterentwickelt. Parallele Belegungen und Kleingruppenarbeit sind aber nur ein-

geschränkt möglich.

Fehlende Barrierefreiheit

Für die Bildungs- und die Kinder- und Jugendarbeit müssen mindestens die Kantinen-, Tagungs- und

Sanitär- und Schlafbereiche auch in historischer Bausubstanz barrierefrei erreichbar sein. Ebenso

muss wegen der fehlender Barrierefreiheit die Transportlogistik in der Burg (Wäsche, Material, u.a.)

händisch erfolgen, was den KJR als Arbeitgeber mit einem hohen Anteil an schwerbehinderten Mitar-

beitenden vor besondere Herausforderungen stellt.

Erneuerung von Haustechnik und Infrastruktur

Nach annähernd 40 Betriebsjahren ist das Leitungssystem (Zu- und Abwasser, Strom, Telefon und

EDV) am Ende seiner Lebensdauer angekommen. Auch Küche und weitere Funktionsräume müssen

neu ausgestattet und digitale Voraussetzungen geschaffen werden. Außerdem wird die Möglichkeit

zur Anlieferung bemängelt.

Erweiterung der Räumlichkeiten

Zur Abdeckung des benötigten Raumbedarfs sind sowohl Modernisierungsmaßnahmen innerhalb des

bestehenden Gebäudes als auch die Schaffung neuer Flächen (in einem Neubau) notwendig. Hier hat

das Hochbauamt auf Grundlage des mit dem KJR und dem Jugendamt abgestimmten Raumpro-

gramms einen Bedarf von 25% über dem Bestand festgestellt.

  1. Perspektive nach Sanierung und Modernisierung

Eine Mehrzweckhalle im Neubau für bis zu 150 Personen bietet die Möglichkeit, sich als Veranstal-

tungsort für größere Tagungen anzubieten. In der Seminararbeit ist ein Methodenwechsel zwischen

Plenums- und Einzelarbeitsgruppen möglich, da jedem großen Seminarraum einer bis zwei kleinere

Seminarräume zugeordnet werden können. Darüber hinaus werden flexiblere Belegungen unter-

schiedlicher Gruppen möglich. So können entweder eine Großgruppe bis zu 80 Personen, bis zu vier

Seminargruppen zu je ca. 20 Personen und überschneidende Gruppenwechsel angenommen werden.

Wirtschaftlich bedeutet dies eine effizientere Nutzung der vorhandenen Kapazitäten. Auch für die In-

halte des Seminarprogramms erschließen sich neue Möglichkeiten, etwa zu Themen wie Hallen- und

Großgruppenspielen oder Fortbildungen speziell für Ehrenamtliche im Bereich des Sports.

Nach erfolgter Sanierung und Modernisierung nach den o.g. Kriterien können neben den Angeboten

für Kinder-, Jugendgruppen und Schulklassen auch wieder verstärkt Seminarangebote für weitere

Zielgruppen, u.a. für hauptberufliche Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe/ Kinder- und Jugendar-

beit, vorgesehen werden. Insbesondere Kooperationsfortbildungen mit der Stadt Nürnberg, dem Be-

zirksjugendring Mittelfranken, dem Bayerischen Jugendring sowie weiteren Trägern (Bayer. Landesju-

gendamt, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Lehrer/-innenfortbildungen) werden angestrebt.

  1. Bisheriger Verlauf des Sanierungs- und Modernisierungsprozesses

Ca. 2000 Feststellung Modernisierungsbedarf und Entwicklung eines Konzeptes „neues Bettenhaus“

2002 Kommunikation des Bedarfs und der Planungen in alle beteiligten politischen Ebenen.

2005 „Küchensanierung“ als Bauabschnitt I: Austausch verbrauchter Großgeräte

2010 Wiederaufnahme des Projekts Modernisierung Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck

Juni 2012 Überarbeitung der Einrichtungskonzeption (bis Anfang 2014) und Entwicklung eines Raumbedarfskonzepts

2013/2014 Klärung verschiedener Rückfragen aus Kämmerei und Sozialreferat

März 2016 Installation Task Force Hoheneck bestehend aus Baureferat, Sozialreferat/Jugendamt und KJR

2016 BIC-Verfahren (Projektbeginn=2019) Schritte: Planung (2019)  „Preisschild“ (geplant für 2020)  MIP-Anmeldung 2021-2024

2017 Kanalsanierung

2018 Raumbedarf auf Basis der Einrichtungskonzeption wurde überarbeitet. Aktuelle Raumbestandsdaten wurden erhoben Der Kontakt zum Architekten der Sanierung 1977-84 wurde hergestellt und dem Hochbauamt weitergegeben. Die Einbindung des Bezirks Mittelfranken wurde durch einen Briefverkehr OB-Bezirkstagspräsident hergestellt. Akten-/Bauunterlagensichtung durch das Hochbauamt auf der Burg Hoheneck

2018/19 Sanierung der Stützmauer

2019 Planungsmittel in Höhe von 380.000 Euro stehen im städtischen Haushalt für 2019 für die Grundlagenermittlung zur Verfügung. Das vorgelegte Raumprogramm wurde von den für die Jugendarbeit zuständigen Planungsverantwortlichen begutachtet. Gespräch mit Baubehörde Landratsamt Neustadt/Aisch-Bad Windsheim (beteiligt auch Naturschutz und Denkmalschutz) Schadstoffuntersuchung Voruntersuchung zur speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (SAP) ist beauftragt. Kampfmittelbelastung wird geprüft. Als erste Stufe erfolgt hier eine Luftbildauswertung.

Statische Untersuchung wird beauftragt. Notfall Rittersaaldecke wird entdeckt und muss vorrangig bearbeitet werden.

2020 Die Interimsraumlösung „Almhütte“ wird organisiert. Über dem Rittersaal wird über ein Jahr lang entkernt, rückgebaut und begutachtet.

2021 Das Hochbauamt informiert den KJR am 16.12.2020, dass das Finanzreferat in Abstimmung mit dem Baureferat die weiteren Planungen stoppt. Somit hat das Hochbauamt auch keine Personalkapazitäten mehr für die Maßnahme vorgesehen und die Planungen werden eingestellt.

Anträge SPD- und CSU-Fraktion zum Stand/Umfang der Maßnahmen. 2021/22 Die Notfallmaßnahme Rittersaaldecke wird fertig geplant und Zimmererund Dachdeckerarbeiten vergeben.

KJR startet Spendenaktion „Fundraising mit dem #BurgBauBooster“

März 2022 Der Gebäudeteil mit dem Rittersaal ist eingerüstet. Die Notfallsanierung der

Rittersaaldecke schreitet voran. In diesem Zuge wird auch der gesamte Dach-

bereich über dem Rittersaal überarbeitet als sogenannte „Notfallmaßnahme“.

Juni/Juli 2022 Neuer Antrag der Fraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten an der Rittersaaldecke starten.

  1. Aktueller Stand

 Laut Hochbauamt wurden für den Bauunterhalt der Burg Hoheneck in den letzten fünf Jahren 228.000 EUR brutto benötigt.  Für Sanierung und Erweiterung sind bislang Planungskosten in Höhe von 133.000 EUR brutto angefallen.  Desweiterenn mussten für die Kanalsanierung 257.000 Euro brutto finanziert werden.  Für die Sanierung der Decke des Rittersaals wurden insgesamt 1.751.152 € (inkl. BVK) bereitgestellt.  Hinzu kommen noch die Kosten für die Sanierung der Stützmauer, die mit 282.000 EUR brutto zu Buche schlugen.

In der BIC-Sachstandsliste wurde 12/20 festgehalten, dass die finanziellen Risiken so gering wie möglich gehalten werden sollen. „Um die planerischen Ressourcen gezielt einsetzen zu können, ist von einem planerischen Beginn abzusehen, bis die politische Entscheidung hinsichtlich der Realisierung getroffen ist.“ Die statische Sicherung der Decke im Rittersaal ist davon unberührt und wird weiterhin mit hoher Priorität saniert.

Gespräche von Herrn OBM mit Herrn Staatsminister Füracker und Herrn Bezirkstagspräsidenten Kroder ergaben, dass grundsätzlich Fördermittel für eine Sanierung geprüft werden können. Eine vollständige oder teilweise Übernahme der Liegenschaft Burg Hoheneck unter Beibehaltung der Nutzung als Jugendbildungsstätte für Nürnberg, Mittelfranken und das restliche Bayern komme hingegen derzeit weder für den Freistaat noch für den Bezirk in Betracht. Verbindlichere Aussagen über das Ob

oder die Höhe einer finanziellen Unterstützung wurden von keiner der bisher angefragten politischen Ebenen getroffen, wobei stets auch auf das Fehlen konkreter Planungsgrundlagen und Kostenschätzungen verwiesen wurde.

6. Fazit und Empfehlung

Neben der Verantwortung für das Anwesen Burg Hoheneck, der einzigen Burg im Eigentum der Stadt Nürnberg, hat die Stadt Nürnberg auch als öffentlicher Träger der Jugendhilfe die Verpflichtung, Angebote der Jugendarbeit sicherzustellen (SGB VIII, § 11, Abs. 1). Dazu gehören auch Angebote der Jugendbildung (ebd. Abs. 3, Ziff.1). Abgebildet wird diese Verpflichtung im Grundlagenvertrag zwischen der Stadt Nürnberg und dem Kreisjugendring Nürnberg-Stadt. Es ist daher im Interesse der Stadt Nürnberg, die Burg Hoheneck als einzige Jugendbildungsstätte Mittelfrankens nachhaltig zu erhalten und als Zentrum der mittelfränkischen Kinder- und Jugendarbeit weiterzuentwickeln.

Die Sanierung und Modernisierung der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck ist für den weiteren Betrieb zwingend erforderlich. Auch wenn vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltslage noch keine Aussage zu einer möglichen Zeitschiene getroffen werden kann, ist es dringend notwendig, für die weiteren Schritte zumindest eine Kostenplanung zu erstellen, damit klar wird, welche Summe investiert werden muss und damit auf potenzielle Zuschussgeber zugegangen werden kann. Dafür müssen wieder Planungsmittel in den Haushalt eingestellt werden. Nur mit einer Sanierung und Modernisierung kann die Burg Hoheneck als Jugendbildungsstätte erhalten bleiben.

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