Beilage 3.2
zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 28. Juli 2022
Fachdienst Inklusion als Unterstützungsangebot für Kindertageseinrichtungen
in Nürnberg
Der Fachdienst Inklusion hat letztes Jahr begonnen Kindertageseinrichtungen im Umgang mit Kindern, die herausforderndes Verhalten im sozial-emotionalen Bereich zeigen, zu begleiten. Neben dem großen Bereich der Einzelfallarbeit besteht großer Bedarf von Seiten der Einrichtungen, die Themen Inklusion und ressourcenorientierter Umgang mit Kindern, die herausforderndes Verhalten zeigen, in den pädagogischen Teams zu etablieren. Die Intension des Fachdienstes Inklusion liegt insbesondere darin, das pädagogische Personal in den Kindertageseinrichtungen auf dem Weg hin zu einer wirklich gelebten Inklusion zu begleiten. Inklusion als gesetzlicher Auftrag und als Zielsetzung des Aktionsplans zur Umsetzung der UN-BRK der Stadt Nürnberg muss noch wirksamer in den Kindertageseinrichtungen verankert werden. Der Fachdienst Inklusion gibt hierzu gewinnbringende Impulse.
Erste Erfahrungen aus dem Einsatz des Fachdienstes Inklusion
Die zugrundeliegende Zahlenbasis aus dem Jahr 2021 ist noch nicht breit genug, um bereits valide Aussagen treffen zu können. Es zeichnen sich aber bereits erste Trends ab, die im Folgenden dargestellt werden. Die weitere Entwicklung der nächsten Jahre bleibt abzuwarten.1
Der Fachdienst Inklusion ist seit Ende Februar 2021 in den Nürnberger Einrichtungen tätig. Insgesamt wurden im Jahr 2021 59 Kinder mit ihren Familien bzw. Einrichtungen durch den Fachdienst begleitet. Es ist sowohl möglich, dass die Sorgeberechtigten als auch die Einrichtungen oder andere Institutionen den Fachdienst Inklusion um Unterstützung bitten. Im letzten Jahr kam der Kontakt zu 86 % der Fälle durch die Kindertageseinrichtung, zu 8 % durch die Eltern und zu 6% durch andere Institutionen zustande. In der Regel war es dem Fachdienst möglich, sehr zeitnah das Erstgespräch mit den Beteiligten zu führen. Nachdem die Kontaktaufnahme erfolgt ist, fand das Erstgespräch zu 64 % der Fälle in den ersten 10 Tagen statt, mit den Sorgeberechtigten wurde zu 55% der Fälle innerhalb von 20 Tagen ein ausführliches Gespräch geführt. Dies zeigt eine sehr schnelle und niederschwellige Fallaufnahme.
Das Angebot des Fachdienstes Inklusion kann in drei verschiedene Leistungen unterteilt werden. Die Kindertageseinrichtung kann nach Rücksprache der Eltern eine Einwilligungserklärung zum Austausch zwischen der Einrichtung und dem Fachdienst vorlegen, damit sich der Fachdienst einzelfallbezogen mit dem Kind, der Familie, dem Kita-Team und den Netzwerkpartnern beraten kann, um die Bedingungen für das Kind in der Familie und in der Kindertageseinrichtung zu verbessern. Hier führt der Fachdienst insbesondere zeitintensive Hospitationen in der Einrichtung, Interaktionsbeobachtungen mit den Eltern, Austausch- und Reflexionsgespräche mit der Einrichtung und den Eltern, sowie Runde Tische und Absprachen mit weiterführenden Hilfen durch. Darüber hinaus wer-
1 Abweichende Zahlen ergeben sich, da die einzelnen Fälle auf unterschiedichem Bearbeitungsstand sind und somit nicht immer alle Daten bis zum Zeitpunkt der Auswertung erhoben werden konnten. Insbesondere bei den Teambegleitungen oder bei anonymisierten Fallberatungen konnten nicht alle kindbezogenen Daten erhoben werden.
den bei Bedarf Teameinheiten durchgeführt, damit das pädagogische Personal Sicherheit und Struktur im Umgang mit dem Kind erlangen kann. Diese einzelfallbezogene Leistung wurde 2021 49 Mal in Anspruch genommen.
Darüber hinaus ist es möglich, dass der Fachdienst Inklusion das Kita-Team unabhängig von einem Einzelfall berät. Dies ist entweder durch eine anonymisierte Fallberatung oder durch eine Teambegleitung möglich. Die anonymisierte Fallberatung beinhaltet nach Rücksprache mit der Einrichtung eine ausführliche Hospitation und Teamgespräche zu einem anonymisierten Fall (in sechs Fällen 2021).
Als drittes Angebot gibt es Teambegleitungen, ein längerer Prozess über mehrere Monate. Hier finden neben der zeitintensiven Hospitation mehrere Team-Einheiten zu bestimmten Themen statt, um insgesamt die Bedingungen in der Einrichtung unabhängig von einem Kind zu verändern (in vier Fällen 2021).
Art der Fallberatung
6 4 fallbezogen einrichtungsbezogen anonym 49
Für das Jahr 2022 ist aktuell eine Tendenz zu erkennen, dass die Teambegleitungen vermehrt in Anspruch genommen werden. Was für die pädagogische Arbeit in den Kindertageseinrichtungen sicherlich äußerst gewinnbringend ist, da sich hier die Haltung auf eine inklusive Sichtweise in den Einrichtungen dauerhaft verändern kann und so Kinder mit herausforderndem Verhalten im sozialemotionalen Bereich in ihren Kitas verbleiben und am Angebot teilhaben können.
Im Folgenden wird die Verteilung der Geschlechter in 2021 dargestellt:
Verteilung auf die Geschlechter
6
7 männlich weiblich anonym / Teambegl.
46
Es wurden 46 Jungen (78 % der Fälle) und sieben Mädchen begleitet deren Alter im Folgenden dargestellt wird:
Alter zu Maßnahmenbeginn
Gültige Pro- Häufigkeit zente 1 1,9
| unter 3 Jahre (Krippenalter) | |
|---|---|
| 3 bis unter 6 Jahre (Kindergar- tenalter) | |
| 6 bis 10 Jahre (Grundschulal- ter) | |
| älter als 10 Jahre | |
| Gesamt (7 Fälle ohne Angaben | |
| des Alters) |
3 bis unter 6 Jahre (Kindergar-
tenalter)
33 63,5
6 bis 10 Jahre (Grundschulal-
ter)
17 32,7
1 1,9
52 100,0
16 der begleiteten Kinder sind Einzelkinder, 19 haben ein Geschwisterkind, 15 haben zwei oder mehr Geschwister, bei 9 Fällen gab es keine Angaben. In 38 haben Familien eine Zuwanderungsgeschichte und in 24 Familien wird vorrangig deutsch gesprochen. In 35 dieser Familien ist der Aufenthaltsstatus gesichert. Die Kinder leben sowohl in klassischen Kernfamilien (35 %), in Patchworkfamilien (10 %) als auch bei einem alleinerziehenden Elternteil (20 %), in 35 % gab es keine Angaben. Die finanzielle Situation in der Familie ist bei 20 Kindern eher prekär, entweder leben die Familien von Transferleistungen oder mindestens ein Elternteil ist arbeitssuchend.
Nachfolgend der Hauptanlass für die Kontaktaufnahme:
Hauptanlass für die Kontaktaufnahme
regelverletzendes Verhalten 33% 36% Defizite k. Ausdrucksweise
fehlende Integration…
17% 14% andere Anlässe
Es zeigen sich bisher überwiegend drei Haupttypen von herausfordernden Verhalten bei Kindern, die zu Unterstützungsanfragen beim Fachdienst führen. Dies sind zu 36% aggressives, dissoziales und regelverletzendes Verhalten oder Gewalt gegenüber Personen oder Sachen, zu 14 % Defizite der kommunikativen Ausdrucksweise und zu 17 % fehlende Integration sowie Schwierigkeiten beim Aufbau und der Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten.
In vielen Familien waren bei Fallaufnahme bereits andere Hilfen installiert. Dies waren insbesondere eine sozialpädagogische Familienhilfe (27 % der Fälle), der/die Mobile Sonderpädagogische Dienst/Hilfe (MSH/MSD in 46 % der Fälle), die interdisziplinären Frühförderstellen (58% der Fälle), Therapeuten (33 % der Fälle) und Fachärzte bzw. Fachkliniken (33 % der Fälle).
Der Fachdienst Inklusion hat im Jahr 2021 überwiegend Kinder betreut, die bereits mehrere Betreuungssituationen durchlaufen haben. 27 % der Kinder haben vor dem Kindergarten eine Krippe besucht.
Auffallend ist, dass 59 % der Kinder im Kindergartenalter schon einen Kindergartenwechsel durchlebt haben. Dies ist immer mit einem Beziehungsabbruch verbunden. Aus diesem Grund ist es auch ein Anliegen des Fachdienstes nicht zu tief in die Beziehungsarbeit mit dem Kind einzusteigen, da der Fachdienst nur eine kurz- bis mittelfristige Intervention darstellt.
Natürlich fanden auch Angebote in der Einrichtung mit dem Kind statt, diese waren aber in der Regel immer darauf ausgerichtet, dass das pädagogische Fachpersonal in der Einrichtung die Methoden am Modell erlernen oder mitgestalten konnte. So fand beispielsweise ein soziales Kompetenztraining in der Kleingruppe statt, das gemeinsam von einer Fachkraft der Einrichtung zusammen mit dem Mitarbeitenden des Fachdienstes durchgeführt wurde.
Der Fokus des Fachdienstes liegt immer darauf, das bestehende System des Kindes zu stärken und zu stabilisieren. Somit ist die Arbeit mit der Familie und dem Kita-Team hier von großer Bedeutung. Das pädagogische Personal in der Einrichtung und die Eltern sollen in ihrer Beziehung und Bindung zu dem Kind gestärkt werden. Dies führt auch dazu, dass neben intensiven Reflexions- und Beratungsgesprächen weiterführende Hilfen eingeleitet oder verstetigt wurden. Durch intensive Elterngespräche ist es möglich, die Hemmschwellen der Eltern zu verringern weiterführende Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Die Eltern werden durch den Fachdienst zu Terminen gegebenenfalls begleitet und bei Anträgen unterstützt. Die wichtigsten eingeleiteten weiterführenden Hilfen waren in neun Fällen Leistungen des Allgemeinen Sozialdienstes und in acht Fällen Leistungen durch die interdisziplinären Frühförderstellen. Neun Kinder wurden bei niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder bei Kliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kinder- und Jugendalter angebunden. Weitere sechs Kinder sind freien Praxen, wie Logopädie, Ergotherapie sowie der Heilpädagogik angegliedert.
Der Fachdienst Inklusion ist für bestimmte Einrichtungen in vorgegebenen Stadtteilen zuständig. Darüber hinaus hat der Fachdienst auch Einrichtungen aus dem gesamten Stadtgebiet unterstützt, wenn die Hilfe dort dringend notwendig war. Elf Einrichtungen kamen aus den Stadtteilen Gostenhof, Bärenschanze, Eberhardtshof, Muggenhof, sieben Kindertageseinrichtungen lagen in den Stadtteilen Gibitzenhof, Steinbühl und Veilhof, und weitere neun in den Stadtteilen Leonhard und Schweinau. Knapp die Hälfte der Einrichtungen kam aus dem restlichen Stadtgebiet.
Der Fachdienst wurde sowohl von Einrichtungen in städtischer als auch von Einrichtungen in freier Trägerschaft gleichermaßen angefragt. Die Einrichtungen sind zu 51 % der städtischen und 47 % der freien Trägerschaft zuzuordnen. Knapp die Hälfte der Einrichtungen arbeitete mit einem offenen Konzept (49 %), aber auch teiloffen (19 %) bzw. im festen Gruppensetting (22 %); in 10 % der Fälle gab es noch keine Angaben zum Zeitpunkt der Erhebung oder das Kind war aufgrund einer Kita- Kündigung unversorgt.
Anschließend die besuchten Einrichtungsformen:
Einrichtungsformen
4 Kindergarten 4 Familienzentren 8 Kinderhorte 5 4 Kinderkrippen Förderhorte 33 Haus für Kinder
33 der Kinder wurden im Kindergarten betreut, weitere wichtige Einrichtungsformen waren Familienzentren, Kinderhorte und Kinderkrippen, ein Kind hatte keinen Betreuungsplatz.
Der Fachdienst Inklusion hat im September 2021 mit den ersten Teambegleitungen begonnen, da der Bedarf nach den ersten Monaten der einzelfallbezogenen Leistungen deutlich wurde. Seitdem sind vermehrt Anfragen hinzugekommen, was den hohen Bedarf der Einrichtungen an Beratung und Unterstützung zeigt. Es fehlt hier an Reflexion, Sicherheit und Informationen zu bestimmten Themen. Es fanden 2021 vier Teambegleitungen in einem größeren Umfang mit mehreren Einheiten von in der Regel vier bis acht Teamsitzungen zu je 1,5 Stunden statt. Die Beratungsgegenstände waren die Erweiterung der Methoden im Umgang mit herausforderndem Verhalten und die Kommunikation in der Kindertageseinrichtung auf verschiedenen Ebenen. In den Prozess waren zeitintensive Hospitationseinheiten eingeplant. Die Teambegleitungen haben das Ziel das Team insgesamt zu stärken und neue Handlungsschritte abzuleiten bzw. zu implementieren. Durch die Prozessbegleitung werden die pädagogischen Fachkräfte vor Ort befähigt und angeleitet Bedingungen für Kinder mit herausforderndem Verhalten im sozial-emotionalen Bereich zu schaffen. Hier geht es insbesondere um Strukturen in der Einrichtung, das Selbstverständnis des Teams zu seiner pädagogischen Haltung und seiner pädagogischen Interventionen. Es handelt sich hierbei um eine zeitlich begrenzte Prozessbegleitung, die neue Impulse von außen geben kann. Nur durch die Umsetzung und Verinnerlichung der Ergebnisse im Team kann eine nachhaltige Veränderung erzielt werden. Das niederschwellige, kostenfreie Angebot kann vor Ort in den Einrichtungen durchgeführt werden und wird dankbar angenommen.
Ergebnisse und Wirkungsanalyse
Das zentrale Ziel des Fachdienstes Inklusion ist es, das pädagogische Personal in den Kindertageseinrichtungen anzuleiten und zu befähigen, dass sie Bedingungen für Kinder mit herausforderndem Verhalten im sozial-emotionalen Bereich schaffen, damit diese in den Einrichtungen am Angebot teilhaben können.
Wichtig ist es deshalb zunächst gemeinsam zu analysieren, ob die Bedingungen für die Kinder angepasst werden können, damit ein Verbleib des Kindes in der Einrichtung gesichert werden kann und somit Beziehungsabbrüche vermieden werden können. Dies ist dem Fachdienst in 52 von 59 Fällen gelungen. Dennoch muss darauf verwiesen werden, dass die Bedürfnisse von Kindern in
einzelnen Einrichtungen nicht befriedigt werden können und diese Kinder für Ihre körperliche, geistige und persönliche Entwicklung ein geschützteres Setting oder intensivere Förderung benötigen. Somit war es in sieben Fällen notwendig, dass Kinder die Einrichtung wechselten, aber weiterhin versorgt und laut der Gesamtbewertung besser betreut sind.
In der Regel ist der Fachdienst Inklusion im Mittel 5,5 Monate intensiv mit dem Fallgeschehen beschäftigt. Im Jahr 2021 wurden erst 28 Fälle beendet. Aus diesem Grund können die Aussagen zum Erfolg der Leistung nur sehr vorsichtig getroffen werden. Trotzdem zeichnen sich einzelne Tendenzen ab. Will man nun den Erfolg des Fachdienstes bewerten, sind zwei Perspektiven zu betrachten. Zum einen die Gesamtbewertung der Adressaten und zum andern die Zielerreichung.
Im Folgenden die Hilfebewertungen der Eltern, des Kita-Personals und der Fachdienst-Mitarbeiter*innen (FI):
| Hilfebewertung Eltern 18% 46% 25% 7% 4% | Hilfebewertung Kita 32% 32% 14% 22% | Hilfebewertung FI 14% 36% 36% 14% |
|---|---|---|
| sehr geholfen eher geholfen eher nicht geholfen gar nicht geholfen keine Angabe |
Die Hilfe wird von den Eltern zu 18 % mit „sehr geholfen“ und zu 25 % mit „eher geholfen“ bewertet, nur 4 % bewerten die Hilfe mit „eher nicht geholfen“ und 7 % mit „gar nicht geholfen“. Leider konnten von 46 % der Eltern keine Auskunft eingeholt werden. Auch das Kita-Personal hat die Hilfe als äußerst gewinnbringend erlebt. 32 % der Einrichtungen hat die Leistung „sehr geholfen“ und 22 % „eher geholfen“. Nur 14 % bewerteten die Hilfe als „eher nicht geholfen“. Auch hier haben 32 % der Einrichtungen keine Auskunft erteilt. Auch die zuständigen Mitarbeitenden des Fachdienstes (FI) erlebten die Hilfe als insgesamt sehr positiv: in 14 % der Fälle hat die Hilfe „sehr geholfen“, in 36 % der Fälle hat sie „eher geholfen“ und in nur 14 % der Fälle eher nicht geholfen. Auch hier wurden in 36 % der Fälle keine Auskunft erteilt.
Um die Wirksamkeit der Fachdienstleistungen evaluieren zu können, wurden übergeordnete Ziele für die drei Dimensionen Arbeit mit dem Kind, Arbeit mit der Familie und Arbeit mit dem Kita-Team festgelegt. Alle individuell vereinbarten Ziele im Fallverlauf konnten jeweils einem übergeordneten Ziel zugeordnet werden. Außerdem fand für jedes übergeordnete Ziel eine Bewertung zu Maßnahmenbeginn, zu Maßnahmenende und 6 Monate nach Maßnahmenende statt. Da aktuell nur sehr wenige Fälle abgeschlossen sind, sind die Ergebnisse zur Nachhaltigkeit nach 6 Monaten zu gering.
Wirksamkeit Maßnahmenziele
60%
50%
40%
30%
20%
10%
0% Verbesserung Gleichbleibend Verschlechterung
Insgesamt zeigt sich eine Tendenz, dass durch die Hilfe eine Verbesserung bzw. keine Verschlechterung im Fallgeschehen zu erkennen ist. Die Maßnahmenziele haben sich zum Ende der Maßnahme zu 38 % verbessert und sind zu 54 % gleichgeblieben. Nur in 8 % der Maßnahmenziele ist eine Verschlechterung eingetreten.
Somit ist zum Ende der Leistung tendenziell ersichtlich, dass in Bezug auf das Kind verschiedene Ziele erreicht werden konnten und somit sich die Bedingungen sowie die Teilhabe des Kindes am Angebot in der Einrichtung insgesamt verbessert hat. Das Kind kann zumeist in der Einrichtung verbleiben. Es hält sich an die Regeln und Vorgaben der Einrichtung. Es wird in seiner persönlichen Entwicklung gestärkt und setzt adäquate Lösungsstrategien um.
Betrachtet man die Dimension Familie wird deutlich, dass die Eltern durch die Leistung für die Bedürfnisse ihres Kindes besser sensibilisiert sind und positive Eigenschaften und Fähigkeiten ihres Kindes vermehrt wahrnehmen. Außerdem sind sie bereit weiterführende Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Durch die Lotsenfunktion des Fachdienstes Inklusion können Hemmschwellen verringert werden und ergänzende Maßnahmen greifen.
Durch den Fachdienst Inklusion haben sich die Bedingungen für die Kinder mit herausforderndem Verhalten in den betreuten Einrichtungen stark verbessert. Die Rahmenbedingungen und Strukturen der Kindertageseinrichtungen entsprechen den Bedürfnissen des Kindes. Die Kita vermittelt eine offene und wertschätzende Haltung gegenüber den unterschiedlichen Persönlichkeiten und wendet Lösungsstrategien und Handlungskonzepte für den Umgang mit herausfordernden Verhalten sicher an. Somit haben vermehrt Kinder in den Einrichtungen die gleichen Teilhabechancen. Die Haltung im pädagogischen Alltag zu reflektieren ist ein großer Bestandteil der Kita-Arbeit, jedoch fehlen oft die zeitlichen Ressourcen, um sich im Team damit auseinandersetzen. Aus diesem Grund sind angeleitete Teambegleitungen durch den Fachdienst zu den aufgeführten Themen äußerst notwendig und gewinnbringend.
Kooperationen und Netzwerkarbeit des Fachdienstes Inklusion
Für die qualifizierte Arbeit des Fachdienstes ist ein vernetztes und multiprofessionelles Vorgehen nötig. Dies macht die Zusammenarbeit mit diversen Einrichtungen und Diensten notwendig. Besprechungen der kooperierenden Fachkräfte erfolgen regelmäßig, interdisziplinäre „runde Tische“ zu fallbezogenen Schwerpunkten sichern erreichte Zielvorgaben und entwickeln diese weiter. Der Fachdienst beteiligt sich regelmäßig an regionalen Kooperationsgremien im Fachbereich.
Die Intensität der Kommunikation mit den einzelnen Schnittstellen kann je nach Fall und Verlauf variieren. Die wichtigsten Netzwerkpartner des Fachdienstes Inklusion sind:
Allgemeiner Sozialdienst im Jugendamt, ASD Der Fachdienst Inklusion zieht den ASD hinzu, wenn der Bedarf an weiterführenden erzieherischen Hilfen deutlich wird sowie bei gewichtigen Anhaltspunkten für die Gefährdung des Kindeswohls. Die Fallverantwortung für den weiteren Hilfeprozess ist an den ASD abzugeben. Bei der Ermittlung des Hilfebedarfs bezieht die fallverantwortliche Fachkraft des ASD die Kenntnisse des Fachdienstes Inklusion mit ein und beteiligt diesen gegebenenfalls am Hilfeplanverfahren. Darüber hinaus erfragt der Fachdienst im Rahmen der Anamnese, ob der ASD in der Familie tätig ist und leitet mit Zustimmung der Eltern bei Bedarf einen fachlichen Austausch zwischen ASD und dem Fachdienst Inklusion ein. Die Mitarbeitenden beider Dienste arbeiten gegebenenfalls fallbezogen zusammen und tauschen sich nach Zustimmung der Eltern in Form runder Tische aus, um die bestmögliche Unterstützung für das jeweilige Kind zu installieren. Einmal jährlich finden Kooperationstreffen der ASD Leitung und der Fachdienstleitung statt (bei Bedarf sind zusätzliche Treffen möglich). Es wurde eine schriftliche Kooperationsvereinbarung zwischen ASD und Fachdienst erstellt.
Netzwerk der Frühen Hilfen und Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) Die Koordinierende Kinderschutzstelle steht dem Fachdienst Inklusion beratend im Sinne eines fallbezogenen Clearings zur Seite und vermittelt gegebenenfalls passgenaue Angebote. Sie hat die Rolle des Lotsen im Netzwerk der Frühen Hilfen. Somit können Eltern und Kindertageseinrichtungen auch von der KoKi an den Fachdienst Inklusion verwiesen werden. Bei gemeinsamen Fällen arbeiten die KoKi und der Fachdienst Inklusion interdisziplinär zusammen und führen bei Bedarf fallbezogene Austauschtreffen durch. Des Weiteren ist ein Kooperationstreffen zwischen der Koordinationsstelle Frühe Hilfen und dem Fachdienst Inklusion vereinbart, das mindestens einmal jährlich stattfindet (bei Bedarf sind zusätzliche Termine möglich). Themen sind hierbei u.a. die Zusammenarbeit, die Überprüfung der Schnittstellen und mögliche gemeinsame Projekte.
Interdisziplinäre Frühförderstellen Stellt der Fachdienst Inklusion im Zuge seiner Fallarbeit Entwicklungsauffälligkeiten fest, kann er die Kinder zur weiteren Abklärung an die interdisziplinären Frühförderstellen vermitteln. Der Fachdienst Inklusion kann die Kinder und Eltern in die Frühförderung begleiten und damit die Niederschwelligkeit verstärken. Bei gemeinsamen Fällen arbeiten die Frühförderung und der Fachdienst Inklusion interdisziplinär zusammen und führen bei Bedarf fallbezogene Austauschtreffen durch. Einmal im Jahr findet ein Austauschtreffen zwischen den interdisziplinären Frühförderstellen und dem Fachdienst Inklusion statt, zu dem der Fachdienst Inklusion einlädt. Im Herbst 2022 ist ein Austauschtreffen aller Mitarbeitenden der interdisziplinären Frühförderstellen der Lebenshilfe und des Vereins für Menschen und des Fachdienstes zum gegenseitigen Kennenlernen und Abstimmung der Zusammenarbeit geplant.
Erziehungs- und Familienberatungsstellen, EB Der Fachdienst Inklusion kann im Bedarfsfall Eltern und Kinder an diese Stellen vermitteln und begleiten. Nach Einwilligung der Hilfeprozessbeteiligten kann sich der Fachdienst Inklusion mit der Erziehungsberatungsstelle austauschen beziehungsweise Rücksprache halten. Im Zuge des innerstädtischen Verwaltungs-Jour-fixe kommt es zu regelmäßigen fallunabhängigen Treffen zwischen der städtischen Familienberatung und dem Fachdienst.