Bericht
Nürnberg engagiert:
Vereins- und Ehrenamtsakademie
Zwischenstand Juli 2022 / Zwischenbericht Nr. 3
In diesem dritten Zwischenbericht wird eine neue Bilanz vorgelegt, die auch die hochintensiven Phasen der letzten Monate, seit der letzten Berichterstattung im Oktober 2021 (Vorbereitung des Regelbetriebs ab 1.1.2023) widerspiegelt. Im Einzelnen umfasst der Bericht:
I. Chronologische Übersicht über die Meilensteine der Prüfphase
II. Dank für die Ermöglichungen in der Prüfphase 2020-2022
III. Krisen-Engagement: Corona und Ukraine / Künftige Krisen
IV. Netzwerk-Aufbau für Zukunftsthemen
V. Gewinnung von überörtlichen Drittmitteln für das Engagement in Nürnberg
VI. Ausbau der Engagementgewinnung und -förderung
VII. Kleiner Epilog und „Executive Summary“
VIII. Personal und Finanzen
IX. Zukunftskonzept und Vorschlag ab 1.1.2023
Obwohl die Prüfphase der Vereins- und Ehrenamtsakademie fast komplett in die Corona-Zeit fiel und damit wesentliche Gelingensfaktoren für Bürgerschaftliches Engagement – persönliche Begegnung, Kontaktaufbau und Netzwerkarbeit – erheblich beeinträchtig waren, sind viele wichtige Schritte gegangen worden, die das Bürgerschaftliche Engagement in Nürnberg, seine Förderung und Verbreitung auf eine neue Ebene gehoben haben. Wir sind der festen Überzeugung, dass gerade in den kommenden Jahren die Mobilisierung und Unterstützung des bürgerschaftlich-ehrenamtlichen Engagements ein zentrales Fundament für eine den Herausforderungen und Krisen gewachsenen Nürnberger Stadtgesellschaft ist. Mit dem vorliegenden ausführlichen Bericht wollen wir deutlich machen, wie sehr das Engagement der Vielen für eine Stadtgesellschaft unerlässlich ist – schon immer und in Zukunft noch mehr! Ab 1.1.2023 wollen wir – zusammengefast unter dem Titel „Nürnberg engagiert – Vereins- und Ehrenamtsakademie Nürnberg“ die Innovationen der Prüfphase 2020 - 2022 mit den seit 2008 herausgebildeten Programmen und Projekten zusammenführen. Die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement im Sozialreferat ist dabei der „Kümmerer“ für alle Aktivitäten: Selbst durchführend, maßgeblicher Partner in Netzwerken, Ermutiger und Unterstützer von Aktivitäten Dritter, manchmal auch nur der Informierende bei positiven Entwicklungen. Angesichts der Breite der Maßnahmen und der Vielfalt der „Kümmerer“- Rollen nehmen wir die sehr stark und für viele ausschließlich auf Qualifizierung bezogene Bezeichnung der „Vereins- und Ehrenamtsakademie“ in den Untertitel, und benutzen den bereits eingeführten Slogan „Nürnberg engagiert“ als Hauptüberschrift. Die in diesem Bericht beschriebene Arbeit ist in der Summe größer als ihre Teile: Als Symbol und Substanz des Zusammenhalts aller Bürgerinnen und Bürger (als „Makro- Ebene“), Als Voraussetzung für die Arbeitsmöglichkeiten in vielen Themenbereichen (z.B. Sport und Kirchen), in vielen Organisationsformen (z.B. Wohlfahrtsverbände und Umweltorganisationen) und für viele Zielgruppen an Bedürftigen (als „Meso-Ebene“), Auf der „Mikro-Ebene“ aber auch für den jeweils Aktiven selbst – was häufig nicht genug beachtet wird. „Die Würde des Gebraucht-Werdens“ ist eine sehr zutreffende Formulierung für den einzelnen Ehrenamtlichen.
I. Chronologische Übersicht über die Meilensteine der Prüfphase
Mai 2019: Stadtrats-Antrag auf Prüfung einer Vereins- und Ehrenamtsakademie (SPD-Fraktion) Oktober 2019: Umfassender Vorschlag mit 34 Prüfaufträgen, einstimmige Zustimmung im Sozialausschuss des Stadtrats für eine dreijährige Prüfphase (2020 bis 2022) 1.1.2020: Start der finanziellen Unterstützung durch Förderer und Kommune März 2020: Beginn Corona-Pandemie September 2020: Pressekonferenz mit den Förderern der Prüfphase der Akademie Oktober 2020: Erster Zwischenbericht im Sozialausschuss des Nürnberger Stadtrats Juni 2021: Zwischenbericht für Förderer inkl. digitalem Meeting Oktober 2021: Zweiter Zwischenbericht und Beschluss des Stadtrats: Beauftragung der Verwaltung für die Vorbereitung des Regelbetriebs der Akademie ab 1.1.2023 Februar 2022: Beginn Ukraine-Flucht in Folge von Putins Angriffskrieg Seit April 2022: Verstärkte Bemühungen um Drittmittel für „Nürnberg engagiert“ 28. Juli 2022: Befassung des Stadtrats zum Stand der Vorbereitung inkl. Personal- und Finanzfragen sowie Auftrag zur Fortführung unter dem Titel „Nürnberg engagiert – Nürnberger Vereins- und Ehrenamtsakademie“ ab 1.1.2023.
II. Dank für die Ermöglichungen in der Prüfphase 2020-2022!
Die für die Prüfphase 2020-2022 zur Verfügung gestellten Mittel waren die Grundlage für die Realisierung aller im Folgenden beschriebenen Maßnahmen. Neben den im fünfstelligen Bereich erhöhten Haushaltsmitteln der Stadt kamen diese von: Der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg (als größter Förderer) Der Win gGmbh / Leihhaus Der Bürgerstiftung Kerscher Dem Preis des Siemens Regionalreferats Der in.media.vitae foundation Der Bürgerstiftung Nürnberg u Dem Rotary Club Nürnberg-Connect. Ihnen gebührt unser besonderer Dank – alle Förderer sind dem Thema „Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements“ eng verbunden. Auf der Basis der inhaltlichen Erfolge und der Zusammenarbeit erlauben wir uns, bei diesen Partnern um erneute Förderung zu bitten: Ohne ihre Unterstützung wären die Erfolge der letzten drei Jahre nicht möglich gewesen, und ihre Unterstützung wird auch in Folgejahren elementar sein.
III. Krisen-Engagement
1) Corona
Ab Anfang 2020 konnte der bisherige Personalstamm der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement im Sozialreferat durch die Förderung der Prüfphase erweitert werden. Deswegen konnten Ende März sofort eine telefonische Hotline in der Corona-Pandemie freigeschaltet werden und innerhalb von Tagesfrist Hilfen organisiert werden (Einkäufe, Apothekengänge, andere Besorgungen, Haustierbetreuung u.v.a.m.). In kürzester Zeit wurden über 700 Ehrenamtliche mobilisiert, die für Hilfsdienste (insbesondere für ältere Menschen) zur Verfügung standen. Diese konnten sehr wohnortnah und schnell den Kontakt zu Bedürftigen aufnehmen und Bedürfnisse in Tagesfrist befriedigt werden. Die besonders wichtigen Nachbarschaftshilfe-Gruppen wurden zusätzlich unterstützt. Mit anderen Plattformen wurde eng zusammengearbeitet. Über 3.000 Kontakte – zu Hilfsbedürftigen, zu Hilfeleistenden, zu Kooperationspartnern – sind über diese Hotline und die Mailadresse engagiert@stadt.nuernberg.de in zwei Jahren erfolgt. In der Hotline und den Corona-Projekten im Bildungsbereich wurden in den letzten zwei Jahren von der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement mehr als 8 Vollzeit-Jahre Arbeitszeit investiert.
Die Hotline ist – derzeit wieder mit geringer Nachfrage, nach starken Ausschlägen je nach Inzidenzverläufen – nach wie vor unter 0911 / 231 2344 aktiviert und besetzt (ursprünglich Mo-Sa 10-18 Uhr, jetzt Mo-Fr 10- 16 Uhr) und wird für aufkommende Problemsituationen bereit stehen.
In den Corona-Wellen standen natürlich der Gesundheitsbereich, die Alteneinrichtungen, die KiTas und Schulen im Mittelpunkt und der Fokus lag stark auf institutionellen Regelungen. Aber gerade hier haben das freiwillige Engagement und die Nachbarschaftshilfe sehr schnell sehr wesentliche Unterstützung zur Schließung von Hilfe-Lücken geleistet.
2) Ukraine-Flucht
Am 24. Februar 2022 begann Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine, am 25. Februar hat die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement den ersten Aufruf zur ehrenamtlichen Unterstützung gestartet. Die Stabsstelle war im März und April zentraler Partner, Organisator und wesentlicher Teil bei der Besetzung der Anlaufstelle Heilig-Geist-Spital. Die Info-Mail zur ehrenamtlichen Ukraine-Hilfe wird (Stand: Anfang Juni 2022) an 2.720 Mail-Adressen verschickt, mit jeweils zahlreichen Informationen zu rechtlichen Fragen, zu Hilfsangeboten, zu Angeboten für Geflüchtete, zur Suche und zum Angebot von Ehrenamtlichen (usw.). Bisher wurden zwischen 9. März und 6. Juli 19 Info-Mails mit etwa 420 Informationsnotizen, Angeboten und Anfragen veröffentlicht. Zehn Tage nach Ankunft der ersten Geflüchteten wurde eine Wohnraumbörsen-App zur privaten Wohnungssuche und -vermittlung durch die Stabsstelle freigeschaltet. In März und April wurden zweimal pro Woche, seit Mai einmal pro Woche, Abfragen durchgeführt, um unter den besonders wichtigen ukrainisch-/russisch-sprachige Übersetzungshelfer/-innen (Personenkreis von rund 480 Personen) für die wichtigsten 10 Einsatzstellen Freiwillige zu finden. Seit 31. März gibt es wöchentliche Videokonferenzen für Ehrenamtliche, zum Teil zum Austausch, zum Teil in Kooperationen mit Fach-Referent/-innen (Themen u.a. Trauma-Umgang, Sozialamts- und JobcenterInformationen) Die Stabsstelle hat durch Informations-Sammlung und -Aufarbeitung zentral zum schnellen Aufbau der Integreat-App ab 31.März beigetragen. Das Teilzeit-Team der Stabsstelle hat in den zwei Monaten von Anfang März bis Ende April rund 3.200 Arbeitsstunden in die Ukraine-Hilfe eingebracht; das entspricht etwa zwei Jahren Arbeitszeit einer Vollzeitstelle.
3) Künftige Krisen
Auch bei optimistischen Prognosen ist von künftigen Krisen-Situationen auszugehen (auch wenn Corona abflachen sollte, keine neue Pandemie-Situation eintritt und die Ukraine-Situation sich hoffentlich nicht verschärft): Hitzekrisen (die vor allem Ältere gefährden), Dürrekrisen, Migrationskrisen (vor allem aus Hunger- Hitze- und Dürreregionen), lokale Wetterkrisen usw. Die wichtigsten Voraussetzungen für die wirkungsvolle Mobilisierung von Engagement in Krisensituationen sind: Die Schnelligkeit der Reaktion Eine koordinierende Anlaufstelle (vor allem auch Mail und Telefon) Die effiziente Zusammenarbeit mit Katastrophenschutz und der gesamtstädtischen Koordination Die Unterstützung von Nachbarschafts- und Selbsthilfe Schnelle und umfassende Information für die Ehrenamtlichen und ihre Organisationsformen Nicht für alle Krisensituationen ist das Engagement der Bürgerinnen und Bürger gleich leistungsfähig, aber in jeder Situation kann es wichtige, oft elementare Beiträge leisten. Mit Krisenszenarios kann man sich auf die Aufgabenstellung auch z.T. vorbereiten – zentral ist eine auch personell gut besetzte Koordinierungsstelle. (Zurzeit prüft die Stabsstelle mögliche Engagement-Handlungsfelder für eine andauernde Hitzekrise, die für Ältere und andere Vulnerable eine existentielle Bedrohung darstellen würde.) Für die Entwicklung von schnellen Reaktionsmöglichkeiten in Krisensituationen („Leben in einer Zeit der Großkrisen“, FAZ) und die Mobilisierung von ehrenamtlichen Engagement ist die Handlungsfähigkeit der Kommune (durch die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement) besonders wichtig:
Die Glaubwürdigkeit der Stadt Nürnberg als Moderator und Koordinator von ehrenamtlichem Krisen- Engagement ist eine wichtige Voraussetzung für die Bedürftigen und für die Effektivität von Maßnahmen. Die Abstimmung mit anderen handelnden Institutionen (Feuerwehr, andere Geschäftsbereiche usw.) ist vom Sozialreferat und der Stabsstelle BE am besten zu gewährleisten Die Stabsstelle BE hinterlegt das allgemeine Engagement auch mit konkreten, weiterführenden Projekten und Maßnahmen (z.B. Flucht: Aufbau von lokalen Helferkreisen, z.B. Corona: Bildung und BE). Die Stabsstelle organisiert Information (z.B. Newsletter) und Qualifizierung / Fortbildung zu den jeweiligen Themen, für die ehrenamtlich Engagierten und für deren organisierte Partner. Die Stabsstelle integriert das schnelle spontane Engagement in die Überlegungen und kooperiert mit den dort auftauchenden Hilfswilligen. (Spontane Social Media-Gruppen – wie im Corona-Kontext – sind für die betroffenen Zielgruppen nur begrenzt nutzbar.) Besondere Bedeutung hat die Unterstützung von Nachbarschaftshilfen und „Häuserdiensten“ Die Stabsstelle schafft mit einer konkreten Hotline-Telefonnummer (bei Flucht und Corona dieselbe: 0911-231 2344, mit ggf. hintereinander geschalteten Telefonen) eine Anlaufstelle. Die Stabsstelle bietet mit einer jeweils eigenen Mail-Adresse einen diesbezüglichen Anlaufpunkt. (Die Mailadresse hitze@stadt.nuernberg.de wurde bereits eingerichtet.) Die Stabsstelle schafft sehr schnell – auch verwaltungsinternen ein „Schnellboot“ – zusätzliche personelle Optionen zur Betreuung der Kommunikationswege und Projekte.
IV. Netzwerk-Aufbau für Zukunftsthemen
Trotz Corona-Pandemie konnten neue Wege beschritten werden - insbesondere sind die Netzwerk-Strukturen mit konkreten Handlungszielen und Projekten als dem Thema „Bürgerschaftliches Engagement“ besonders angemessene Arbeitsform. Dabei wurde ein Muster für die künftige Arbeit von Netzwerk-Strukturen eingesetzt, das sich schnell bewährt hat und inzwischen auch überörtlich nachgeahmt wird: 1) Netzwerk-Mitgliedschaft (bzw. -Verteiler) 2) Koordinierungsgruppe der wichtigsten Partner mit Bezug zu den Inhalten und in Verbindung mit Engagement-Themen 3) Kompetenzzentrum als Geschäftsführung und vorrangiger Handlungsakteur Diese Struktur wurde neu aufgebaut, Drittmittel akquiriert (siehe Punkt V) und insbesondere auf Zukunftsthemen angewandt. Sukzessive wird diese Herangehensweise für alle Programme und Projekte übertragen und strukturiert: Die Netzwerk-Strukturen mit vielen Partnern sind der Königsweg für den Ausbau des Bürgerschaftlichen Engagements und für die verstärkte Mobilisierung von noch nicht Engagierten – ein gemeinsamer Auftritt der Vielen ist die Basis. A) Netzwerk Bildung und Engagement: Vor dem Hintergrund der besonderen Betroffenheit von bildungsärmeren Familien von Corona wurde im Sommer 2020 dieses Netzwerk gestartet: Netzwerk: 55 (meist kleinere) ehrenamtliche Initiative und Organisationen // Steuerungsgruppe u.a. mit Bereichen Schule und Jugend, Landesnetzwerk BE, Bildungsbüro der Stadt, Stabsstelle BE, ZAB // Kompetenzzentrum beim Zentrum Aktiver Bürger / ZAB 52 Qualifizierungsveranstaltungen (!) fanden in der „fortBILDUNGsreihe“ seit Herbst 2020 statt. In einem ambitionierten Arbeitsprogramm sind mehrere Projekte für besonders bildungsbedürftige Kinder und Jugendliche in Arbeit Geförderte FSJ-Stellen für Bildungsthemen wurden für Nürnberg mobilisiert und z.B. in der Stabsstelle BE selbst eingerichtet- Die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement hat selbst zwei Projekte begründet und setzt sie um: Das Eins-zu-Eins-Patenschaftsprojekt „Teamplay“ (bisher über 125 Patenschaften, zum jeweiligen Zeitpunkt etwa 80 Teams aktiv – allerdings durch Corona stark erschwert) sowie das Laptop-Spenden-Projekt „Digiteers“, bei dem seit dem Start im März 2021 Hunderte von durch Ehrenamtliche aufbereitete Computer an bedürftige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene weitergegeben werden konnten. B) Netzwerk „Warmstart für aktives Alter“: Ein zentraler Prüfauftrag schon im Herbst 2021 war es, angesichts des sukzessiven Eintritts der geburtenstärksten Jahrgänge in das Rentenalter,
diese häufig gebildete, gestaltungswillige und durchaus jugendliche Altersgruppe verstärkt für das Engagement zu gewinnen. Seit Herbst 2021 konnte das Netzwerk (als Kompetenzzentrum agiert das „Curatorium Altern gestalten“) zahlreiche Aktivitäten starten („Warmstart-TV“, „Warmlauf“, breite Informationen zum Thema über Homepage, Kooperationen mit zahlreichen Initiativen und Organisationen, und Angeboten für Arbeitgeber mit Übergangsmanagement. Auch ein eigener Arbeitskreis für „Engagement für Senior/-innen“ wurde gegründet und hat das große „Wertvollfest“ im Mai 2021 gestaltet. Zielgruppen sind neben besonders qualifizierten und besonders zur Übernahme von ehrenamtlichen Leitungsaufgaben bereiten Nachberufler/-innen auch diejenigen, die sich – im Vergleich zum Berufsleben – für ganz andere Inhalte und weniger Verantwortlichkeit interessieren. Und denjenigen, denen aus verschiedensten Gründen – niedriger Bildungsstatus, gebrochene Erwerbsbiografien und Arbeitslosigkeit, Sprachbarrieren – bisher die Chancen des Engagements verwehrt geblieben sind, soll hier unsere besondere Aufmerksamkeit durch Vermittlung und Projekte gelten. C) Netzwerk Klimaschutz und Engagement: Im Frühjahr 2022 begann der Aufbau dieses Netzwerks, das den Fokus auf die Sensibilisierung anderer (nicht klimabezogener) Engagementbereiche und -organisationen setzt. Eine große Befragung von gemeinnützig-ehrenamtlichen Organisationen und Informationsveranstaltungen findet im Sommer 2022 statt. D) Demokratie: Über die (bayernweite) „Nacht der Demokratie“ soll die besondere Verbindung der demokratischen Grundordnung mit dem Bereich des Bürgerschaftlichen Engagements und der Aktivbürgerschaft („der Humus der demokratischen Gesellschaft“) vorgestellt und aktiviert werden: Die Vorbereitungen für eine sehr große „Lange Nacht“ am 2. Oktober 2022 laufen auf Höchsttouren, auf dem Gewerbemuseumsplatz und im ganzen Bildungszentrumsgebäude. Die Leitmotive sind: Demokratie macht Spaß! Das bürgerschaftliche Engagement als Basis für unsere Demokratie Das Erreichen von „Nicht-sowieso-Demokratie-Begeisterten“ als Zielgruppe Zusätzlich sind in den folgenden Bereichen Netzwerkstrukturen bereits entstanden: E) „Social Entrepreneurship“ (Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit / ISKA) F) „Inklusion“ (Zentrum Aktiver Bürger / ZAB) Auch schon früher vorhandene Netzwerke mit großer Zukunftsrelevanz wurden und werden verbessert aufgestellt: G) Von besonderer Bedeutung ist dabei – auch vor dem Hintergrund möglicher künftiger „Migrationskrisen“ - das Netzwerk zum Thema Integration von Geflüchteten aus den Jahren 2015ff. Zusammen mit den nach wie vor in hoher Zahl vorhandenen Engagierten und Engagement-Interessierten soll das Netzwerk neu aufgestellt werden. H) Das „Nürnberger Netzwerk Engagementförderung“, das schon seit 2009 besteht, wurde gezielt seit Ende 2019 als regelmäßige Austauschplattform und ideeller Träger mit nunmehr über 45 Dachverbänden und großen Engagementträgern erweitert. I) Das „Nürnberger Corporate Social Responsibility (CSR-) Netzwerk ‚Unternehmen Ehrensache‘“ hat sich nach 10 Jahren grundsätzlich erneuert und neben einer großen Mitgliedschaft einen hochaktiven Kümmererkreis und einen Fachbeirat und wird seine Aktivitäten ausbauen. Am 5. Juli 2022 fand der 10. „Corporate Volunteering“-Tag des Netzwerks statt: Im Stadtteil Galgenhof- Steinbühl mit der Rekordbeteiligung von 250 Unternehmens-Mitarbeiter/-innen in 25 Projekten in gemeinnützigen Einrichtungen. J) Die „Stifter-Initiative Nürnberg“ konnte nach den lähmenden Corona-Monaten am 3. Juni 2022 wieder einen Stiftertag und ein Stifter-Dankessen durchführen und wird ihr Aktivitätsspektrum erweitern. K) Das Netzwerk der „Stadtteilpatenschaften“ für sechs strukturschwache Stadtteile ist auch nach mehr als zehn Jahren äußerst stabil (mit ideellem Engagement und jeweils mindestens € 25.000 pro Jahr für Mikro-Projekte in den sechs Stadtteilen) und kann sich ggf. noch erweitern.
L) Kleinere Netzwerk-ähnliche Kooperationen sollen verbessert aufgestellt werden: Zum Beispiel bei den Preisen im Bereich Anerkennungskultur, zum Thema stadtteilorientiertes Engagement und
- prophylaktisch – für verschiedene Krisen-Szenarien.
Alle diese Netzwerke werden in intensiver Partnerschaft mit der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement umgesetzt bzw. von ihr selbst geschäftsführend koordiniert. Sie sind die Voraussetzung für ein gemeinschaftliches Handeln verschiedener Akteure der Zivilgesellschaft für Nürnberg. Ganz besondere Bedeutung für die Netzwerke hat die zielgerichtete Information und Kommunikation, mit der durch die Stabstelle themenspezifisch Tausende von Multiplikatoren und – bei einzelnen Themen – auch Tausende von individuellen Ehrenamtlichen erreicht werden. Dabei werden konkrete Nürnberger Veranstaltungen und Projekte vorgestellt, aber auch regionale und landesweite Themen kommuniziert und ein Blick auf „Deutschland und den Rest der Welt“ geworfen. Es geht nicht um die Information von „Nürnberg engagiert“ allein, sondern um die Breite des Themas Bürgerschaftliches Engagement. Ein besonderes Gewicht hat dabei u.a. die Information über Finanzierungsoptionen für gemeinnützig-ehrenamtliche Initiativen, Vereine und Organisationen. Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Informationsangebote: Newsletter Bürgerschaftliches Engagement in Nürnberg (seit 2008, ca. 20x jährlich, über 1.600 Multiplikatoren-Abonnements) Newsletter Integration und Flucht (seit 2015, ca. 20x jährlich, über 2.200 Abonnenten, darunter ca. 1.700 individuelle Ehrenamtliche, dazu Multiplikatoren) Info-Mail Ehrenamtliche Ukraine-Hilfe (seit März 2022, bisher mehr als einmal pro Woche, mehr als 2.700 Abonnenten, davon 85% einzelne Ehrenamtliche) Newsletter „Corporate Social Responsibility“ (seit 2011, mindestens monatlich, über 1.600 Abonnenten, über 60% aus Unternehmen) Newsletter Stifter-Initiative Nürnberg (seit 2010, ca. monatlich, über 1.000 Abonnenten) Newsletter Ehrenamtskarte (seit 2016, ca. viermal pro Jahr, über 1.300 Ehrenamtskartenträger/-innen als Abonnenten) Info-Mail Corona-Hilfe (seit 2020, im Inzidenzverlauf schwankende Häufigkeit, immer noch mehr als 640 Abonnenten, zu 95% Ehrenamtliche) Info-Mail Bildung und Engagement (seit 2020, ca. monatlich, 160 Abonnenten, Netzwerk-Mitglieder und Multiplikatoren) Info-Mail Digiteers (seit 2021, ca. monatlich, über 270 Abonnenten, Ehrenamtliche und Multiplikatoren) Geplant sind weitere Info-Mails für die Themen „Klimaschutz und Engagement“ und „Warmstart ins Aktive Alter“. Im Bereich Social Media hat der Facebook-Auftritt www.facebook.com/NuernbergEngagiert über 6.600 Abonnenten. Teile davon sind auch in den Gruppen für Kurzzeit- und Spontanengagement und bei dem Instagram- Auftritt registriert. Für die sparten- und themenübergreifende Zusammenarbeit und Qualifizierung wurde das Format der dezidiert spartenübergreifenden „Nürnberger Engagementtage“ geschaffen, die – beginnend im März 2021 mit einem „Vereinstag“ – jeweils mehrere Impulsgeber zu Angeboten zusammenbringen: Diese widmen sich (in einem auch für Ehrenamtliche leistbaren Zeitfenster) Themen, die für alle Engagementbereiche interessant sein könnten und sollten (von Fundraising über mediale Möglichkeiten bis zu Antisemitismus; im Juli 2022 zu inklusivem Agieren, im September/Oktober 2022 zum Fundraising und zu praktischen Tipps zum Klimaschutz in Vereinen). Bislang wurden acht Engagementtage 2021/2022 durchgeführt, mindestens vier weitere sind bis Ende 2022 geplant. Hervorzuheben ist auch hier, dass der Neuaufbau und die Aktivierung der Netzwerke ohne die in der Prüfphase 2020-2022 erfolgten Förderungen nicht möglich gewesen wären.
V. Gewinnung überörtlicher Drittmittel für das Engagement in Nürnberg
Ein ganz zentrales, besonders positives Signal, das die Netzwerke setzen, ist die durch die Kompetenzzentren vorangetriebene Akquise von Mitteln von Land, Bund, ggf. Europa und von überregionalen Stiftungen:
A) Das Netzwerk Bildung und Engagement erhielt – neben einigen lokalen Unterstützungen – durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung DKJS eine großzügige Förderung, die aus Landesmitteln zum Jahresende 2022 ergänzt wurde. Und für 2023 besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich das Land Bayern (erstmals!) in eine kontinuierliche Förderung begibt: Das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (LBE) hat das Nürnberger Modell für sechs Anlaufstellen zum Thema aufgegriffen und dafür die Förderung mobilisiert. B) Das Netzwerk „Warmstart ins aktive Alter“ hat mehrere Förderungen auf Bundesebene, zum Beispiel von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), mobilisiert. Die Entscheidung zu einem größeren ESF-Antrag steht noch aus. C) Das Netzwerk Klimaschutz und Engagement konnte durch einen € 50.000-Zuschuss für 18 Monate durch den Bund / BBE (Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement) starten. Auch die Unterstützung von gemeinnützig-ehrenamtlichen Initiativen vor Ort konnte ermöglicht werden und gehört zu den wichtigen Aufgaben der Netzwerk-Arbeit: Eine „Förder-Datenbank“ auf der Homepage www.engagiert.nuernberg.de wurde im Mai 2021 mit derzeit 135 hauptsächlich lokalen Einträgen freigeschaltet. Zahlreiche Unternehmen und Stiftungen engagieren sich in lange anhaltenden Kooperationen zum Thema Engagement oder beteiligen sich durch Spenden an der jährlichen Ausschreibung von „Menükarten“ mit einer Broschüre „Soziales Engagement in Nürnberg“. Darin werden über 70 Projekte von verschiedenen Trägern vorgestellt, und jährlich im Durchschnitt rund € 80.000 mobilisiert – und auch immer wieder längerfristige Kooperationen mit Unternehmen angestoßen… Die Erkenntnis ist sehr klar: Die Aufstellung der Netzwerke verbunden mit einem an den Zukunftsthemen ausgerichteten inhaltlichen Programm und der Handlungsfähigkeit durch das jeweilige Netzwerk und Kompetenzzentrum (in enger Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement im Sozialreferat) ist ein hervorragender Ausgangspunkt, um auch in Zukunft überörtliche Drittmittel für Nürnberg zu mobilisieren. (Allein im Kontext der Ukraine-Hilfe sind derzeit mehrere Anträge von der Stabsstelle vorbereitet, die wiederum zur Unterstützung von gemeinnützig-ehrenamtlichen Initiativen dienen sollen.)
VI. Ausbau der Engagement-Gewinnung und -Förderung
Trotz Corona konnten auch hier in der Prüfphase gute Akzente gesetzt werden: Bei weit über 100.000 Ehrenamtlichen in Nürnberg und vor allem bei über 160.000 Nürnbergerinnen und Nürnbergern, die sich die Aufnahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit vorstellen können, hat die Mobilisierung von neuen Engagierten hohe Priorität: Besondere Dynamik hat seit Herbst 2021 der Wunsch nach einer Engagement-Anlaufstelle entfaltet: Dank einer Landesförderung aus dem Programm „Innenstädte beleben“ – auch hier war die Handlungsfähigkeit durch die Akademie-Prüfphase entscheidend – konnte ein ideales Ladenlokal in der Klaragasse 3 vom CaritasPirckheimer-Haus angemietet werden. Nach einem „soft opening“ am 1. Juni wird das „Klara – Zentrum für Beratung und Engagement“ bereits von den Kernpartnern Kreisjugendring/Jugend-Information, Zentrum Aktiver Bürger/Freiwilligen-Info, Kuratorium Altern gestalten, der NorisArbeit (NOA) und der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement bespielt und soll sukzessive zu einer Informationsstelle und zu einem lebendigen Ort des Engagements für viele Initiativen werden. Am 13. September 2022 erfolgt die „offizielle Eröffnung“. Die Anlaufstelle soll eine besonders nachhaltige Struktur für die Niedrigschwelligkeit von Beratung und Engagement werden und bleiben! Das Netzwerk „Warmstart für Aktives Alter“ wurde bereits oben benannt . Schon im Spätherbst 2019 wurde eine spezifische Facebook-Gruppe für Kurzzeit- und Spontanengagement gebildet, mit über 1.000 Abonnenten (als Untergruppe der über 6.000 Abonnenten umfassenden Gruppe bei www.facebook.com/NuernbergEngagiert Seit April 2021 werden im N-FÜ-ER-SC-Veranstaltungskalender und auf der Nürnberg-Engagiert-Homepage Qualifizierungs- und Informationsveranstaltungen zum Engagement speziell aufgeführt.
Als zweite Stadt in Deutschland hat Nürnberg im Herbst den „Mitwirk-O-Mat“ eingeführt: Analog dem „Wahl-O-Mat“ beantworten Interessierte in weniger als 5 Minuten Fragen zur ihren Interessen und bekommen dann Organisationen mit großer Nähe zur ihren Präferenzen vorgeschlagen… Inzwischen beteiligen sich 87 Engagement-Organisationen an dieser Form der Engagementgewinnung durch „Gamification“. Das Bürgernetz als zentrale Datenbank für freie Engagement-Positionen kann nach den schweren Corona-Monaten wieder verstärkt aufgebaut werden und umfasst derzeit rund 420 „offene Stellen“ mit monatlich Tausenden von Aufrufen im Internet. Ebenfalls aufrechterhalten werden konnte während Corona die vielfältige Anerkennungskultur in Nürnberg. Dies gesamtstädtischen Würdigungen und Aktionen – jenseits der Ehrungen durch Vereine und Verbände selbst – sind in ihrer Dichte einzigartig in Deutschland. Hier zu nennen ist:
- Der monatlich seit 2009 verliehenen „EhrenWert“-Preis (mit Nürnberger Nachrichten und Universa-
Versicherungen, Deutschlands häufigster verliehener Engagement-Preis)
- der Preis „Nürnberger Herz“ (mit TucherBräu, einzigartig in Deutschland, insofern Organisationen bei
der Durchführung von originellen Dank-Aktionen gegenüber ihren Ehrenamtlichen unterstützt werden)
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der Youngagement-Preis (mit Schmitt+Sohn für junges Engagement)
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der Nürnberger Stifterpreis
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der „Kochen-Essen-Wissen-Preis (mit ebl-Naturkost, für Kinder und Jugendeinrichtungen)
Es gibt jedoch auch aus den Prüfphasen-Aufträgen von 2019 noch vieles umzusetzen; Vorkonzepte sind vorhanden und erste Schritte sind gegangen: Die bayerische Ehrenamtskarte in Nürnberg soll durch Aktionen und Ausbau der „Benefits“ zusammen mit dem Förderer Tucher aufgewertet werden; „Bildungsgutscheine“ für Ehrenamtliche sollen in Kooperation mit dem Bildungszentrum realisiert werden Konzepte für das (Einzel-)Coaching für Vereine und Initiativen sollen realisiert werden Ebenso für das erweiterte Coaching für individuelle EngagementInteressierte Ein Konzept und Netzwerk für die Verstärkung des Engagements auf Stadtteilebene soll für erweiterte Optionen für das „Engagement vor Ort“ entwickelt werden Die Digital-Kompetenz der gemeinnützig-ehrenamtlichen Initiativen und Organisationen wie auch der Ehrenamtlichen soll weiter aufgebaut werden Ein „Ehrenamts-Wiki“ soll den schnellem und einfachen Zugriff auf Informationen aller Art für gemeinnützig-ehrenamtliche Initiativen ermöglichen Die „Wissenswerkstatt“ (als Unternehmenskooperation) soll als Wissensbasis neben den vorhandenen Qualifizierungsangeboten erneuert werden Konzepte und Angebote für die Zielgruppe mit der niedrigsten Engagementquote (Niedrig-Gebildete / Arbeitslose) sollen umgesetzt werden.
VII. Epiloge
► Es geht im (oft sehr kleinteiligen) Engagement um das Große und Ganze
In allen Handlungsfeldern bedarf es – auch ohne Krisensituationen – großer Kraftanstrengungen für die Weiterentwicklung vorhandener Stränge, für die weiterführenden Innovationen und für die positive Präsenz des Bürgerschaftlichen Engagements in Nürnberg. Die Kooperationen bei den Zukunftsthemen sind in Nürnberg sehr überdurchschnittlich ausgeprägt
- nicht zuletzt dank der Unterstützungen für die Prüfphase der Vereins- und Ehrenamtsakademie.
Aber die Gemeinsamkeit von Vereinen, Verbänden, Stiftungen, engagierten Unternehmen und den vielen Ehrenamtlichen ist auch noch weiter zu gestalten und auszubauen. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass das Engagement der Bürgerinnen und Bürger zentraler Faktor für eine resiliente, zur Solidarität fähige Stadtgesellschaft ist – eine Qualität, die für die Zukunft unabdingbar sein wird, wenn viele Probleme die Fliehkräfte in der Gesellschaft verstärken. Das Bürgerschaftliche Engagement kann so viele Beiträge zum gesellschaftlichen Miteinander leisten und es gibt so viel Bereitschaft zum Helfen und Engagieren! Unsere Stadt hat es verdient, dass wir diese Potentiale gemeinsam mobilisieren. Und jeder Einzelne hat es verdient, die „Würde-des-Gebraucht-Werdens“ zu erfahren. In den Worten von Prof.
Peter Dabrock (FAU, früherer Vorsitzender des Deutschen Ethikrats): „Wir haben ein unheimliches Potential an Solidarität in Deutschland… Wir sind ein so fantastisches Land, wenn es darum geht, über sich hinauszudenken und zu helfen...“
► „Executive Summary“
- Die Ergebnisse der Prüfphase 2020 bis 2022 der Nürnberger Vereins- und Ehrenamtsakademie hat viele Innovationen ermöglicht, die es zu stabilisieren und auszubauen gilt. 2) Die immensen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und durch die Ukraine-Flucht konnten – mit einem sehr großen Beitrag des Bürgerschaftlichen Engagements – gemildert bzw. bewältigt werden. 3) Die Förderung in der Prüfphase war die Voraussetzung für die schnelle und wirksame Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements in Nürnberg durch die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement im Sozialreferat mit ihren vielen Kooperationspartnern. 4) Durch den Beschluss des Sozialausschusses des Stadtrats vom Oktober 2021 wurde die Verwaltung beauftragt, die Voraussetzungen für den Regelbetrieb von „Nürnberg engagiert –Vereinsund Ehrenamtsakademie“ ab 1.1.2023 zu schaffen. Dieser Bericht zeigt den Stand der Bemühungen auf – in den inhaltlichen, personellen und finanziellen Dimensionen. 5) Die Stadt kann angesichts der massiven kommunalen Finanzprobleme das Thema, aus dem Bereich der „freiwilligen Leistungen“, nicht alleine schultern kann: Aber die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen die Mobilisierungskraft für Drittmittel durch Programme und Projekte aus dem Themenfeld „Bürgerschaftliches Engagement“. 6) Der Fokus der „Zukunftsarbeit“ für die weitere Stärkung des freiwilligen Engagements in Nürnberg – als „Arbeitsprogramm“ – soll darauf liegen: Die Krisen-Resilienz unserer Stadt durch ehrenamtliches Engagement zu stärken Die Netzwerkstrukturen, insbesondere in den Bereichen Krisen-Kooperation, Bildung, nachberufliche Tätigkeit, Klimaschutz, Unternehmenskooperationen, Stiftungskooperationen, weiter zu stärken und innovativ weiter zu entwickeln Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Themenfeldern des Engagements zu stärken und damit Synergien hervorzurufen Die Kommunikation/Information in Breite, Tiefe und Zugangsmöglichkeit weiter zu entwickeln Die Beratung und das Coaching von Initiativen und Vereinen auszubauen Die Formen der Gewinnung von potentiellen Ehrenamtlichen für ein tatsächliches Engagement kreativ und innovativ gestalten Die Formate der Anerkennung für Ehrenamtliche weiter auszubauen und auch hier innovative Lösungen zu suchen Durch Inhalte und Strukturen die Mobilisierung von überörtlichen Drittmitteln für Nürnberg erfolgreich weiter zu betreiben
VIII. Personal und Finanzen
Die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement hat seit Jahren einen städtischen „Grundetat“ von € 60.000 (minus 10% in 2021 und 2022). Zusätzlich erhielt die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement für die Prüfphase der Vereinsund Ehrenamtsakademie für 2020 bis 2022 weitere € 60.000 (minus 10% in 2021 und 2022). Bei einem derzeitigen Personalstand von acht Mitarbeiter/-innen (mit einem Vollzeitäquivalent von 5,8 Stellen) laufen fünf der acht Verträge (3,6 Vollzeitäquivalente) zum 31.12.2022 aus.(€ 40.000 aus dem Gesamtbudget inkl. Drittmittel werden für die zwei inzwischen entfristeten Teilzeit-Stellen einbehalten. Dr. Uli Glaser ist der dritte nicht befristete Angestellte und ist seit 1995 bei der Stadt Nürnberg etatisiert.) Ergänzt wird das Team durch Praktikant/-innen (77 für beide Seiten erfolgreiche Praktika seit 2009), durch kurzfristige Beschäftigungen für Einzelprojekte (z.B. „Digiteers“), und erstmals durch
2021/2022 einen FSJ-ler im zu 80% subventionierten Bildungs-FSJ (Aufholpaket Corona), was fortgesetzt werden soll. (Die Bemühungen um eine städtische Werkstudierenden-Stelle waren bisher nicht erfolgreich.) Schon in der Vergangenheit wurde ein Großteil der Projekte und Programme (inkl. Personalkosten) aus Drittmitteln finanziert. Diese Unterstützung wurde durch die großzügige Förderung von sechs Partnern in der Prüfphase der Vereins- und Ehrenamtsakademie noch einmal stark erhöht. Insgesamt kommen seit 2020 rund 75% der Sach- und Personalmittel der Stabsstelle in den vergangenen Jahren aus der erfolgreichen Akquise von Drittmitteln. Wie im obenstehenden Bericht bereits ausführlicher erläutert, hat die neue Aufstellung der Stabsstelle mit der Prüfphase der Vereins- und Ehrenamtsakademie es ermöglicht, dass in weit größerem Umfang als bisher auch Drittmittel aus überregionalen Quellen (Land, Bund, Europa, überregionale Stiftungen) mobilisiert werden können. Vor diesem Hintergrund und angesichts der zahlreichen aktuellen und künftig zu erwartenden überregionalen Förder-Programmen – vor allem in den Bereichen Corona-Folgen, Ukraine-Hilfe, Bildung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit – können wir bei entsprechender zukünftiger Aufstellung weiteren erfolgreichen Antragstellungen entgegensehen.
IX. Zukunftskonzept und Vorschlag ab 1.1.2023
Auf der Basis des Sachberichts von Ref. V / Stabsstelle BE sollten die bisherigen Mittel für „Nürnberg engagiert Vereins- und Ehrenamtsakademie“ erhöht werden. Insgesamt würde sich damit der städtische Finanzierungsanteil für Sach- und Personalkosten in der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement von € 108.000 im Jahr 2022 (inkl. 10% pauschale Einsparung) auf € 162.000 erhöhen (bei angenommener 10%iger pauschaler Einsparung). In der Übersicht: € 60.000 (seit 2014) + € 60.000 (2020 bis 2022 für die Prüfphase die Akademie) + Erhöhung um € 60.000 (ab 2023) = € 180.000 (abzüglich prozentualen Einsparungen) Dies begründet sich insbesondere mit der Gegenfinanzierung bei weiterer Drittmittel-Gewinnung (Eigenmittel) und mit den notwendigen Arbeitskapazitäten für Krisen-Management, für die Bearbeitung von Zukunftsthemen und für die Zuschussgewinnung selbst. Auf dieser Basis und angesichts der zu erwartenden künftigen Drittmittel soll die Entfristung der bisher befristeten Stellen umgesetzt werden sowie eine weitere Stelle für Krisen-Management (ebenfalls weitgehend aus Drittmitteln finanziert) geschaffen werden. Diese Punkte sind der Gegenstand des Beschlussvorschlags. (Über die Drittmittel-Gewinnung zum Stand Ende Juli wird in der Sitzung am 28.07.2022 mündlich berichtet.)
Referat für Jugend, Familie und Soziales Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement und ‘Corporate Citizenship’ 5. Juli 2022