Beilage Umweltausschuss 27.07.2022
Sachstandsbericht
Entscheidungsvorlage
Anlass
Aufgrund der vorliegenden Erfahrungen mit zunehmend heißeren und trockeneren Sommern und
den damit verbundenen gesundheitlichen Folgen, hat die Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion am
16.08.2018 den Antrag gestellt, für Nürnberg einen Hitzeaktionsplan auf Basis der Empfehlungen
des Bundesumweltministeriums zu entwickeln. Seit 08.11.2021 liegt ebenso ein Antrag der CSU-
Stadtratsfraktion vor, nach dem im Rahmen der Klimaresilienzplanung ein Hitzevorsorgeplan, der
auch auf die Anforderungen besonders schutzbedürftiger Personen Rücksicht nimmt, erstellt werden
soll.
Die Erarbeitung eines Hitzeaktionsplans ist zudem Teil der Nürnberger Klimaanpassungsstrategie
im Handlungsfeld Gesundheitsvorsorge. Bundesweit sind derzeit Kommunen dabei sich über
Hitzeaktionspläne auf die zunehmende Zahl von Hitzewellen vorzubereiten.
Erläuterung
Die Folgen des Klimawandels mit Hitzeextremwettereignissen werden vor allem in den Städten
inzwischen spürbar und als Belastung wahrgenommen. Auch in Nürnberg nehmen die heißen Tage
mit Temperaturen über 30 °C und auch die Sommertage mit Temperaturen über 25 °C zu (s. dazu
Veröffentlichung aktueller Klimadaten unter Gemessene Klimaveränderungen in Nürnberg - Wir
machen das Klima (nuernberg.de)). So sind die zehn wärmsten Jahre seit Wetteraufzeichnungen in
Nürnberg im 21. Jahrhundert gemessen worden.
Aber nicht nur die Zahl, sondern auch die Dauer von Hitzewellen steigt. Im Jahr 2018 wurde mit 17
aufeinander folgenden Tagen mit Temperaturen weit über 30°C ein neuer Höchststand erreicht.
Dies führt vor allem in den stark versiegelten und wenig durchgrünten und durchlüfteten Nürnberger
Stadtgebieten zur Ausbildung von Wärmeinseln und gesundheitlich belastenden Tropennächten (mit
Temperaturen über 20°C). Nach einer aktuellen Publikation des Landesamts für Umwelt wird die
Zahl der Hitzetage (Szenario mit der Annahme „ohne Klimaschutz“) in Bayern bis 2055 um 6 – 19
und bis 2085 um 16 bis 36 Tage noch weiter zunehmen1.
Diese Entwicklung führt dazu, dass es in den Sommermonaten zu einer Häufung hitzebedingter
Erkrankungen, insbesondere bei vulnerablen Personengruppen, wie älteren und pflegebedürftigen
Menschen, Kleinkindern, Säuglingen oder Personen, die im Freien körperlich arbeiten, kommt.
Gleichzeitig steigt damit auch die Zahl der hitzebedingten Todesfälle. Schätzungen zufolge steigt
die Zahl hitzebedingter Todesfälle bis zum Ende des Jahrhunderts bundesweit jährlich auf bis zu
8.5002. Es ist davon auszugehen, dass diese Zahl in Folge der zu erwartenden klimatischen
Veränderungen weiter steigt. Um dem entgegenzuwirken, ist die Umsetzung von Maßnahmen zur
Hitzevorsorge, wie sie mit dem nun vorliegenden Hitzeaktionsplan erarbeitet wurden, notwendig.
Das Umweltbundesamt hat mit den Mitgliedern der vom Bundesumweltministerium (BMUB)
geleiteten ehemaligen Bund/Länder-Ad-hoc Arbeitsgruppe ‚Gesundheitliche Anpassung an die
Folgen des Klimawandels (GAK)‘ Handlungsempfehlungen für die Erstellung von
Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit in Deutschland erarbeitet. Sie stellen
1 Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), 2021, Bayerns Klima im Wandel, S. 6 2 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit, 2017, S. 7
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zusammen mit der Arbeitshilfe zur „Entwicklung und Implementierung eines Hitzeaktionsplanes für
Städte und Kommunen“ der Hochschule Fulda und der Toolbox für Hitzeaktionspläne in Kommunen
des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die Grundlage für das
nun vorliegende Nürnberger Konzept dar. Es gliedert sich demnach auf in Maßnahmen die
vorbereitend vor jeder Sommerperiode ergriffen werden können
während einer akuten Hitzeperiode als Schutz für besonders vulnerable Gruppen dienen
(Hitzeaktionsplan Akut)
langfristig wirken und der Ausbildung von Hitzebelastungen in Form von Wärmeinseln und
Tropennächten entgegensteuern (Hitzeaktionsplan Präventiv)
Vor allem für die Maßnahmen, die akut und vorbereitend vor jedem Sommer ergriffen werden
müssen, liegt bisher noch kein Handlungskonzept für Nürnberg vor. Die Konzeptausarbeitung
konzentriert sich deshalb vor allem auf diese Bereiche und verweist bei den langfristig wirkenden
Maßnahmen auf bereits vorliegende Arbeiten zur nachhaltigen Verbesserung der strukturellen
Ausgangssituation.
Das nun vorliegende Konzept mit Maßnahmensteckbriefen wurde innerhalb der Verwaltung
abgestimmt. Es ist somit die Grundlage für die nächsten Umsetzungsschritte und erfasst dabei auch
die bisher bereits vorliegenden Arbeiten, auf die dabei aufgebaut werden kann. Wesentliche
Vorausaussetzung für die Umsetzung ist die Etablierung einer zentralen Koordinationsstelle im
Referat für Umwelt und Gesundheit, die in enger Zusammenarbeit mit einer zu gründenden,
dienststellenübergreifenden Arbeitsgruppe die Maßnahmen weiter ausarbeitet, die Umsetzung im
Falle einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes koordiniert und die notwendige
Kommunikationskaskade auslöst. Die Umsetzung wird dabei nur unter Beteiligung weiterer Akteure,
z.B. aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich und auch von Bürgerinnen und Bürgern, möglich sein.
Fazit
Aufgrund der zu erwartenden klimatischen Veränderungen wird der Hitzeaktionsplan als Maßnahme
zur Gesundheitsvorsorge als dringend angesehen. Ziel des Hitzeaktionsplans ist es vor allem die
gesundheitlichen Folgen von extremer Hitze effizient zu kommunizieren und so die besonders
vulnerablen Gruppen zu schützen und Hilfsangebote aufzubauen.
Durch die nun vorliegende Konzeptausarbeitung ist eine schrittweise Einführung auf Stadtteilebene
möglich. Eine Evaluierung der Maßnahmen, auch unter Kosten / Aufwand und Nutzen
Gesichtspunkten, kann nur im Zuge der Umsetzung und über einen längeren Zeitraum erfolgen.
Die Einführung des Hitzeaktionsplanes ist dabei als Prozess zu verstehen, der schrittweise erfolgt
und laufend evaluiert und weiterentwickelt werden muss, um so den aktuellen Bedarfen angepasst
werden zu können.
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