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Stellungnahme Stadtarchiv

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Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

412-47.29.05-5/39/3

Maluga, Christian - Namensgebung Schule für Kranke Nürnberg-Fürth

hier: Gutachten zur Benennung der Schule für Kranke Nürnberg-Fürth

nach Gertrud Steinl in Gertrud-Steinl-Schule

I. Gutachten:

Die Benennung der Staatlichen Schule für Kranke Nürnberg-Fürth in Gertrud-Steinl-Schule kann durch Av befürwortet werden.

Gertrud Steinl wurde am 17. März 1922 in Graslitz (Kraslice, Tschechien) im Sudetengebiet geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Anton Wenzel Steinl (1894–1971) und Julie Steinl, geborene Fischer (*1895). Die Familie hatte wie die meisten der Einwohnerinnen und Einwohner von Graslitz deutsche Vorfahren und gehörte der römisch-katholischen Kirche an; Gertrud Steinl war das einzige Kind. Als sie 16 Jahre alt war, erfolgte auf Grundlage des Münchner Abkommens vom 30. September 1938 die Annexion des tschechoslowakischen Sudetengebietes durch das Deutsche Reich, Graslitz gehörte nun bis 1945 zum Regierungsbezirk Eger. Gertrud Steinl verfolgte zunächst ihre Ausbildung weiter, sie besuchte das deutsche staatliche Realgymnasium in Graslitz sowie die Sprachschule in Chotieschau (Chotěšov) und schließlich die Deutschen Handelsakademien in Karlsbad und Prag, wo sie im Juni 1942 ihr Abitur machte. Anschließend wollte sie Wirtschaft studieren, wurde aber durch den Reichsarbeitsdienst zum Arbeitseinsatz verpflichtet. Vom 1. November 1942 bis zum 31. Mai 1944 arbeitete sie für die KarpartenÖl AG in Stryj – heute in der Ukraine, damals im von den Deutschen besetzten polnischen Gebiet – als Handelsassistentin. Anschließend ging sie nach Graslitz zurück und arbeitete hier vom 1. September 1944 bis Anfang April 1946 als Sekretärin des Technischen Leiters der Zweigstelle der Firma AEG Apparatefabriken Treptow, die hier während des Kriegs Zündanlagen für die so bezeichnete Rakete V 2 herstellte. Im April 1946 mussten Gertrud Steinl und ihre Eltern Graslitz verlassen, sie kamen nach Deutschland, wo sie schließlich in Nürnberg unterkamen. Getrud Steinl versorgte die Familie, sie verdiente ihr Geld nun als Stenotypistin, zunächst beim Internationalen Militärgerichtshof, dann beim Office of Military Government for Germany (OMGUS), dem US-Board of Review sowie bei dem für Rückerstattungssachen zuständigen Court of Restitution Appeals. Nach der Verlegung des Gerichts nach Herford, arbeitete sie bis zum Eintritt in den Ruhestand bei der Stadt Nürnberg. Gertrud Steinl verstarb am 16. März 2020 in Nürnberg.

Am 4. September 1979 wurde Gertrud Steinl durch die Internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt. Das Gedenken an Menschen, die Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus geholfen hatten, nimmt Bezug auf den Spruch aus dem Talmud: „Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“ (Mischna, Sanhedrin 4:5). Den Titel eines Gerechten hatten bis Ende 2004 20.757 Personen bekommen, unter anderem 5.874 Polen und 4.638 Niederländer, aber lediglich 410 Deutsche, darunter Gertrud Steinl. Ihr Name wurde auf der Ehrenmauer der Gedenkstätte eingraviert. Der israelische Botschafter in Bonn, Yohanan Meroz, überreichte ihr im Namen von Yad Vashem am 22. Oktober 1980 die Medaille und die Urkunde. Sie erhielt die Auszeichnung, weil sie einer Jüdin geholfen hatte unerkannt zu bleiben. Sarah Shlomi, geborene Fröhlich (1924–2014), und Gertrud Steinl begegneten sich 1942 in Stryj, wohin Sarah Shlomi von Lemberg (Lwiw, Ukraine) geflohen war und den Namen Jadwiga Kamianka angenommen hatte. Sarah Shlomi fand Arbeit in der Firma, in der auch Gertrud Steinl beschäftigt war. In der für Yad Vashem von Sarah Shlomi angefertigten Zeugenaussage gab sie an, dass Gertrud Steinl dort ihre „Chefin“ gewesen sei, sie schrieb weiterhin: „Ihr Verhalten den Arbeitern gegenüber war überaus menschlich. Als ich ihr erzählte, daß ich Jüdin bin, wurde sie nur umso fürsorglicher und versuchte, ein Versteck für mich zu finden. […] Sie hat mir unzählige Male in gefährlichen Situationen beigestanden und geholfen, ohne dafür jemals einen Gegenwert erhalten oder verlangt zu haben. Ich kann weiterhin bezeugen, daß sie auch noch anderen Juden in ähnlichen Notsituationen geholfen hat.“ („Aus der Zeugenaussage der Geretteten, Sarah

Shlomi“, Anlage zur Pressemitteilung der Botschaft des Staates Israel über die Ehrung von elf Deutschen im Auftrag von Yad Vashem am 22.10.1980 in Bonn-Bad Godesberg). Ende 1943 brachte Gertrud Steinl Sarah Shlomi zu ihren Eltern nach Graslitz, wo sie als Hausmädchen angestellt wurde. Die Eltern wussten nicht, dass sie Jüdin war. Die entkräftete und erkrankte Sarah Shlomi war dort gut versorgt und wurde „wie eine Tochter“ behandelt, wie sie später sagte. Nachdem es verboten worden war, Hausangestellte zu beschäftigen, besorgte Gertrud Steinl ihr eine Arbeit in einer Fabrik, wohnen konnte sie weiterhin bei den Steinls. Dank der Hilfe und Unterstützung von Gertrud Steinl, was für sie und ihre Eltern auch eine Gefahr bedeutete, blieb Sarah Shlomi unentdeckt und überlebte. Sie und ihr Mann gingen nach Kriegsende nach Tel Aviv, der Kontakt zu Getrud Steinl blieb bestehen. Gertrud Steinl war Ehrenmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, außerdem wurde sie am 1. April 2019 für ihren Mut und ihre Selbstlosigkeit mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Eine Anfrage an das Bundesarchiv Berlin bezüglich der Mitgliedschaft von Gertrud Steinl in NS- Organisationen wurde seitens Av 2020 gestellt. Die Eltern, Julie und Anton Wenzel Steinl, waren am 31. Dezember 1938 der NSDAP beigetreten. Zu Gertrud Steinl wurden keine entsprechenden Unterlagen gefunden.

Die Rechtsnachfolgerin von Gertrud Steinl, Frau Dr. Doris Katheder, hat unter dem 29. Oktober 2021 ihr Einverständnis zur Benennung der Schule nach Gertrud Steinl erklärt.

II. 2. BM, Hr. Zahlaus

III. Ref. IV, Fr. Hesse

IV. Amt für Allgemeinbildende Schulen, Hr. Maluga

Nürnberg, 07.07.2022 Stadtarchiv i. A.

gez. Stadler (86 37) (Unterschrift liegt elektronisch vor)

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