STAATLICHE
SCHULE FÜR KRANKE
| 2) NÜRNBERG-
FÜRTH
Schule f. Kranke | Schnieglinger Str. 38 | 90419 Nümberg
Stadt Nürnberg |
Amt für Allgemeinbildende Schule
Frau D. Volland 1
Hauptmarkt 18 Or
90403 Nürnberg -
Nürnberg, den 01.12.2021
Namensgebung für die Schule für Kranke Nürnberg-Fürth
Anlagen
Sehr geehrte Frau Volland,
noch einmal wenden wir uns an Sie, um unserer Schule für Kranke einen neuen Namen zu
geben. Mittlerweile haben wir eine sehr geeignete Namenspatin gefunden: Frau Gertrud Steinl.
Den beigelegten umfangreichen Unterlagen können Sie entnehmen, wie sie sich verdient
gemacht hat. Neben dem Bundesverdienstkreuz wurde sie auch als Gerechte unter den
Völkern geehrt. Es liegt auch eine schriftliche Erlaubnis der Rechtsnachfolgerin vor, den
Namen zu verwenden.
Über einen positiven Bescheid würden wir uns sehr freuen und bitten um weitere
Veranlassung.
Mit freundlichen Grüßen
Km N L.
T. vom Busch L. Gleuwitz
Schulleiter stellvertr. Schulleiterin
sel glinger Str.38 Fon: 0911/33 28 53 jail: verwaltung@sfk-nfue.de 90419 Nümberg Fox: 0911/33 73 18 www.sik-nfue.de r
Dr. Doris Katheder Rednitzgrundweg 2 91154 Roth Tel. 0170 8038 937
Einverständniserklärung
Hiermit erkläre ich, Doris Katheder, als Rechtsnachfolgerin (Erbin} von Frau
Gertrud Steinl, geb. 17.03.1922 in Graslitz, gest. 16.03.2020 in Nürnberg, mein
ausdrückliches Einverständnis für die Umbenennung der bisherigen „Schule für
Kranke“ in Nürnberg in „Gertrud-Steinl-Schule“.
«Dors Katıeok |
Roth, 29. Oktober 2021
Gelegenheit nehmen, dabei zu sein. Beim Gespräch vor der ersten Andacht an der Plachtiner Mariensäule bei den „Mälas“ sagte Steffen Hörtler zu ihm: „Heute würde ich normalerweise den Bayerischen Ministerpräsidenten in unseren Reihen begrüßen, heute begrüße ich den Richard hier!“ Gemeinsam legte er dann mit Andreas Schmalcz einen Kranz an der Muttergottes-Säule nieder, mit der Inschrift: „In Verbundenheit und Liebe zur Heimat — Sudetendeutsche Landsmannschaft, Landesgruppe Bayern‘. Der Verlauf der Andachten ist immer ähnlich. Nach einer Strophe eines Marienliedes in Tschechisch folgt die Begrüßung durch den Pfarrer, der auch Texte zum Nachdenken mitbringt. Dann folgt die ‚Lauretanische Litanei“ in Tschechisch, vorgetragen vom Mäla Richard Sulko. Zum Abschluss des tschechischen Teiles folgt wieder ein tschechisches Marienlied. Der zweite, deutsche Teil, ist dann ähnlich aufgebaut.
v.l: Andreas Schmalcz, Steffen Hörller, Mäla Richard
Sulko an der Mariensäule
Foto: Martin Zajac
In der Kirche. Foto: Richard $ulko Eine besondere heillge Messe Nach Plachtin kam Netschetin und die St. Jakobus-Kirche an die Reihe. Weil noch eine Stunde Zeit war, lud der Mäla Richard die besonderen Gäste zum Mittagessen in die P. Günther Ecklbauer bei der Ansprache. Gaststätte „Am Rathaus“ ein. Wegen Corona- Foto: Richard $ulko Maßnahmen musste man draußen im „Biergarten“ bei starkem Wind das Mittagessen einnehmen, aber nur die Kaffeetrinken nach der Ankunft. Diese deutsch- Tatsache, dass man die Grenzen überhaupt mit einem tschechischen Maiandachten organisiert der „Bund der geringen Aufwand überschreiten und außerdem noch Deutschen in Böhmen, e.V.“ schon mehr als zwanzig etwas essen kann, ist schan nach mehr als einem Jahr Jahre. Immer abwechselnd in Plachtin, Preitenstein (Hrad Corona-Pandemie ein Wunder! Nach der Maiandacht in Neätiny), Deutsch Neustadl (Nov& Mösteöko) oder der Kirche folgte ein besonderer Gottesdienst. Eine Taufe Netschetin {Neötiny) werden bei den Kapellen, stand an diesem Pfingstsamstag auf dem Programm. Weil Mariensäulen oder in der Kirche tschechische und in Netschetin die Gottesdienste am Samstag stattfinden deutsche Litaneien gesungen. und zwar mit Sonntagstexten, war das auch etwas Mäla Richard ersetzt den Bayerischen anderes. Schade nur, dass die Orgel wegen überhitztem Ministerpräsidenten Motor nicht funktionierte. „Da müsst ihr noch einmal Seitdem der P. Günther Ecklbauer, OMI aus Österreich kommen!“ verabschiedete sich der Vorsitzende Mäla die Verwaltung der Pfarrei in Manetin, zu der auch Richard von den besonderen Gästen aus Deutschland. Netschetin gehört, übernahm, ließ er sich nie die
Gertrud Stein! — eine Heldin aus Graslitz
Text: Dr. Petr Rojik
Als ich im vorigen Jahr den Brief aus Deutschland von Frau Dr. Katheder noch von Frau Steinl zuvor etwas Frau Dr.phit. Doris Katheder erhalten hatte, erschrak und gehört. Und jetzt, liebe Leser, zeigt es sich, dass wir eine staunte ich zugleich. Der Brief enthielt die Nachricht vom Heldin haben, deren Geschichte einen Spielfilm wert ‚Ableben der in Graslitz geborenen Frau Gertrud Steinl. Ich wäre. Beurteilen Sie selbst. weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich hatte weder von
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Juli 2021 Seite 7
Gertrud Steinl wurde am 17. März 1922 in Graslitz Gertrud absolvierte das deutsche staatliche geboren. Sie war Tochter des Geschäftsmanns Anton Realgymnasium in Graslitz, die Sprachschule in Wenzel Steinl und Julia Steinl, geb. Fischer. Wie die Chotieschau bei Pilsen (heute Chotö$ov) und die Mehrheit der damaligen Stadtbewohner war Familie Stein! Deutschen Handelsakademien in Karlsbad und deutschstämmig und sie bekannte sich zur römisch- anschließend in Prag, wo sie am 23. Juni 1942 das Abitur katholischen Kirche. ablegte. Sie meldete sich dann zum Wirtschaftsstudium, aber statt des Studiums berief sie der Reichsarbeitsdienst zum Arbeitseinsatz ein. Gertrud trat am 1. November 1942 bei der Erdöl- und Gasgesellschaft Karpatenöl in Stryj an, das sich auf dem von den Deutschen besetzten polnischen Gebiet in den Karpaten {heutzutage ist Stryj Teil von der Ukraine) befand. Sie arbeitete dort bis zum 31.5.1944 als Handelsassistentin. In einer rauen Umwelt trug sie Sorge für Verwaltung, Personal, Küche, Lager, Wagenpark und die Datscha (Firmenlandsitz) an der ungarischen Grenze. Im Zusammenhang mit dem Lauf der Kriegsfront kehrte sie nach Graslitz zurück. Hier arbeitete sie vom 1.9.1944 bis Anfang April 1946 als Sekretärin des technischen Leiters bei der Zweigstelle der AEG Apparatefabriken Treptow. In dieser Firma wurden Zündanlagen für Waffen v2 erzeugt. Bei der Vertreibung im April 1946 wurde Gertrud Steinl aus ihrem Geburtsort in Graslitz verwiesen und in die amerikanische Zone in Deutschland vertrieben. Nach der Erwerbung des Hauptwohnsitzes in Nürnberg arbeitete sie als Stenotypistin in der Auslandsabteilung des Internationalen Militärtribunals. Ab Ende Januar 1949 setzte sie die gleiche Arbeit für Board of Review, OMGUS, fort. Später wurde sie Vertreterin der Geschäftsführerin Gertrud Stein! im Jahr 1937 und auf diesem Posten verblieb sie auch in der Nachfolgeorganisation - U. S. Court od Restitution Appeals (1.6.1949 - 6.8.1955). Später vertrat sie den Geschäftsführer beim Senat des Höchsten Berufungsgerichtes in Nürnberg (7.8.1955 - 1.11.1961). Vor dem Abgang in den Ruhestand arbeitete sie in der Kommunalpolitik der Stadt. Sie starb am 16.3.2020 in Nürnberg im Alter von 98 Jahren.
Zeugenaussage der geretteten Sarah Schlomi Sarah Schlomi (geb. 1924), geborene Stella Fröhlich, war Jüdin aus dem ukrainischen (früher polnischen) Lemberg/Lwiw. Vor der Errichtung des Ghettos fioh sie nach Sombor/Sambir und nach Stryj, wo sie sich unter einem falschen Namen verbarg. Sie überlebte als einzige der von den Nationalsozialisten ermordeten Familie. Gertrud Stein! nahm sie in die Arbeit in der Raffinerie auf und wurde ihre Vorgesetzte. Das Verhalten von Gertrud auch zu anderen Arbeitnehmern war außerordentlich menschlich. Sarah hatte sich Gertrud anvertraut, dass sie Jüdin ist, und Gertrud halfihr, sich einen Unterschlupf und falsche Dokumente auf den Namen Jadwiga Kamianka zu beschaffen. Später gelang es ihr, SarahiStellalladwiga bei einer abenteuerlichen Fahrt mit dem Miitärzug nach Berlin und anschließend zu ihren Eltern nach Graslitz einzuschmuggeln. Aus Vorsicht verriet sie ihren Eltern nicht, dass sie eine Jüdin mitgebracht hatte, aber mit der Zeit erahnten sie das. Die Eltern nahmen Sarah als Dienstmädchen auf und sie verhielten sich zu ihr so gut, „als ob sie ihre eigene Tochter wäre.“ Nach dem Verbot Dienstmädchen einzustellen, trat SarahiStella/ladwiga die Arbeit in einer Graslitzer Fabrik an, sie durfte jedoch weiterhin bei Steinls wohnen. Sarah hatte in Polen einen Partner, Chaim/lmek, der bis zum Kriegsende unentdeckt unter einem falschen Namen Familie Steinl in Stryj verblieb, aber einige Male reiste er auch nach
Grenzgänger Nr. 100 Juli 2021 Seite 8
Eltern nach Graslitz, aber sie verriet ihnen deren jüdischen Ursprung nicht. Schlomi blieb bei ihnen von 1943 bis zum Kriegsende, Zuerst arbeitete sie im Haushalt als Dienstmädchen, und später in einer Munitionsfabrik.“ Nach dem alten jüdischen Sprichwort ‚Wer ein einziges menschliches Leben rettet, rettet die ganze Welt“ wurden die eingegangenen Anträge und Empfehlungen für Yad Vashem gründlich überprüft. Unter ungefähr 1500 Menschen, die bisher den Titel „Gerechter unter den Völkern“erhalten haben, sind mehr als 100 Deutsche. Alle, die diese Auszeichnung erhalten haben, haben das Recht, einen Baum in der Allee der Gerechten in Jerusalem zu pflanzen.
Was verriet Gertrud Stein! selbst? v.l. Gertrud Steinl, Stella Shiomi, Imek Shlomi „Es war eine beträchtliche Portion Furchtiosigkeit und Mut notwendig. Nur so war das möglich. Manchmal war ich von Graslitz. Nach dem Krieg heiratete Sarah Chaim und mir selbst überrascht, aber erst nachträglich. Ich fühlte nahm seinen Familiennamen Shlomi an. Das Ehepaar zog mich nicht als Heldin, obwohl ich eine war. ich bin wie ein nach Tel Aviv um, aber sie blieben mit Gertrud Stein in Kaktus, nach außen stachelig, aber innerlich weich.“ engem Kontakt bis zu ihrem Tod 2014. Sarah/Stella/Jadwiga, die 1944 als polnische Emigrantin nach Graslitz gekommen war, sagte vor den israelischen Behörden aus: „Obwohl ich als damalige Polin eine verkleinerte Zuteilung von Lebensmittelmarken erhalten hatte, durfte ich vom ersten Tag an am gemeinsamen Familientisch essen. Ich muss sagen, dass man mich wie eine eigene Tochter aufgenommen hatte. Nach Graslitz kam ich krank, völlig erschöpft und vällig ohne Mittel. Während meiner Krankheit kümmerte sich Frau Steinl fürsorglich um mich. Als ich Graslitz verließ, war ich gut ernährt, sehr gut gekleidet und Frau Stein! gab mir sogar eine Brautausstattung mit. Das Ehepaar Steinl erlebte wegen meiner Aufnahme in der Familie oft Unannehmlichkeiten und große Streitigkeiten mit den zuständigen politischen Ämtern, aber es gelang ihnen immer, mich vor den Eingriffen der nazistischen Organe Gertrud Stein! wird 2019 in Nürnberg das zu beschützen.“ Bundesverdiensitkreuz am Bande des Über Gertrud sagte sie aus: „Frau Steinl half mir unzählige Verdienstordens der Bundesrepulik Deutschland von Male und sie stand mir bei in gefährlichen Situationen, der Staatssekretärin Anna Stolz und dem ohne dass sie irgendwann Gegenleistung erhalten, oder Oberbürgermeister Ulrich Maly verliehen. etwas verlangt hätte.“ Sie half auch anderen Juden in Notsituationen.“ Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Ankündigung der Botschaft des Staates Israel Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die Yad Vashem, die israelische Behörde für Verewigung des die Bundesrepublik für Verdienste um das Gedächtnisses der Märtyrer und Helden in Jerusalem, Gemeinwohl ausspricht. reihte am 4. 9. 1979 Gertrud Stein! unter der Nummer 1818 in die Liste der „Gerechten unter den Völkern“ ein. Der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ ist die Liebe Leser, auf den Brief vom vorigen Jahr von Dr. Doris höchste Auszeichnung, die der israelische Staat Katheder mußte ich einfach reagieren. Dank unseres Menschen anderer als der jüdischen Nationalität verleihen Kulturverbandes in der CR, der Ortsgruppe Graslitz, kann. Im Auftrag von Yad Vashem zeichnete der finden Sie jetzt unterhalb der Neruda-Straße, neben dem Botschafter des Staates Israel Yohanan Meroz am 22. jüdischen Denkmal, eine Gedenktafel, die der gebürtigen Oktober 1980 in Bonn mit einer Medaille und Urkunde Graslitzer Landsmännin Gertrud Steinl gewidmet wurde. diejenigen Deutschen aus, die in unmenschlichen Zeiten Herzlicher Dank für die Zusammenarbeit gebührt der unter Einsatz des eigenen Lebens den jüdischen Bürgern Stadtverwaldtung Graslitz, dem Dipl. Ing. Pavel Palüch geholfen hatten. Steinl war, so heißt es, die letzte noch und dem Verein der Freunde der Stadt Graslitz. lebende Deutsche, die diese Auszeichnung erhielt. In der Begründung heißt es: „Gertrud Steinl, Die biographischen Daten setzte ich aufgrund folgender Sudetendeutsche, arbeitete als Meisterin bei der Dokumente zusammen: eigener Lebenslauf von Gertrud Karpatenöl AG in der polnischen Stadt Stryj. Ihre Steinl, ausgefertigt in Nürnberg am 20. Oktober 1961, Beziehung zu den Arbeitnehmern war freundlich und Zeugenaussage der geretteten Jüdin Sarah Schlomi, Yad menschlich. Als sich ihr eine angeblich polnische Frau Vashem: Liste der „Gerechten unter den Völkern“, anvertraut hatte, dass sie Jüdin ist, kümmerte sich Stein] Ankündigung der Botschaft des Staates Israel aus dem um sie und unterzog sich der ganzen Mühe, ihr einen 22.10.1980, Interview mit Gertrud Stein! geführt am Unterschlupf zu verschaffen. Sie brachte diese 6.3.2013 von Dr. Doris Katheder und Annemarie Rufer. Arbeitnehmerin — Sarah Schlomi, geb. Fröhlich - zu ihren Grenzgänger Nr. 100 Juli 2021 Seite 9
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Bayerisches Staatsministerium für
Unterricht und Kultus
PRESSESTELLE
PRESSEMITTEILUNG xxx/2019 5. April 2019
„Ihr Mut und ihre Selbstlosigkeit sind Vorbild für uns“
Kultusstaatssekretärin Anna Stolz händigt Gertrud Stein!
das Bundesverdienstkreuz am Bande aus
NÜRNBERG. „Durch ihr mutiges, beherztes Handeln hat Gertrud Stein während der Zeit des Dritten Reiches eine jüdische Mitbürgerin vor Verfolgung bewahrt und dabei auch ihr eigenes Leben riskiert. Ihr Mut, ihr couragierter Einsatz für ihre Überzeugung und ihre Selbstlosigkeit sind Vorbild für unser eigenes Handeln“ betonte Kullusstaatssekretärin Anna Stolz in Nürnberg bei der Aushändigung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gertrud Steini, Der Orden wurde Stein! als „Unbesungene Heldin“ in Würdigung ihres mutigen und solidarischen Handelns verliehen. Staatssekretärin Anna Stolz überreichte ihr die Auszeichnung im Beisein von Nürmnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und weiteren Wecbegleitern. Gertrud Stein hat in den letzten Kriegsjahren unter großem persönlichen Risiko eine ihrer Mitarbeiterinnen bei der polnischen Karpaten-Öl AG, die ihr anvertraut hatte, dass sie Jüdin sei, bei ihren Eltern im Sudetenland versteckt. 1979 erkannte Yad Vashem Gertrud Steinl als „Gerechte unter den Völkern‘ an. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.
Carolin Völk, 089-2186 2526
Günther Schuster, Leiter der Pressestelle und Pressesprecher Saivatorstraße 2 - 80333 München Elena Schedibauer, Stellv. Pressesprecherin E-Mail: presse@strnuk.bayern.de Internet: www.km.hayern.de ‚Sekretariat: Tel. 089-2186 2108: Telefax: 089-2188 2881
au”, New York, Freitag, 31, üktober 1980
elf deutsche "Gerechte”
tober 1980 das Recht, an der Aloe er im Yod Vashem cien Baum zu pflanzen, wurde übnen — ei die Medaille der Gerechten lüberreicht. Als der Botschafter des Staates Israel, Yohanan Meroz, in seiner Residenz in Bonn Urkunden und Medaillen üherreichte, sagte re zu den bei « genblicken eines israelischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, Menschen ehren zu dürfen, "die unter Einsatz ihres Lebens jüdischen Bürgern in Zeibenb end"e.r Unmenschlichkeit geholfen Das Ehepaar Eva und Johannes | hı de Lattr6 hat im Ruhrgebiet drei ‚Die Komemisson im Ya Var jüdische Ehepaare zuerst bei sich shem, die damütser entscheidet, wor aufgenommen und später in die Juden gerettet hat, konnte bisher | Niederlande in Sicherheit gebracht. etwa 1.500 Menschen in alter Welt | Georg Hammer und seine Tochter finden. Unter ihnen sind mehr als i Gertrud zusamnen mit dem einhundert Deutsche, Ehepaur Frieda und Mathias MUl- .‚ier dafür gesorgt, dass ein Vater |und dessen beide Töchter solunge |) vor der Gestapo versteckt werden konnten, bis amerikanische Trupven das Dörfchen Ziegelhausen bei Mannheim befreiten. Das Ehepaar Hedwig und Otto Hafner hat zahl. reiche Juden monatelang versteckt und mit Lebensmitteln versorgt, »0- | dass sie nicht deportiert wurden, t „Diese elf "Gerechten unter den | Völkern“ haben seit dem 22. Ok-|
Der Arzt Dr. Rudolf Bertram hat in einem Krankenhaus in Gelsonkirchen zeitlreiche ER. letzte jüdische Zwangsarbelterinnen aufopfernd versorgt und cine Jüdin, der ein Bein amputiert wotden war, vor Gestapo versteckt u und so gerettet. Frau Gertrud o | Stein! hat in der CSSR eine junge | Nidin in ikr Haus aufgenommen Arad, sie fand, Frau Else Rouge hat im Ruhrgebiet ein jüdisches Ehepaar mehr als eineinhalb Jahre lang bei sich aufgenommen und bis zur Be- | freiung durch US-Truppen verborgen. .erew N kruals Botschafter ehrt .
„nor dssken Ihe Lruuı oi ine sec. omd : gestellte unbedingt vor Ablaut cr for k t u a r b le writ E in M g in 4 Editorial in . Frist em 30.. November 1980 ein- !The New York Timör” Zureichen, wäre es empichlenswert,‘ address: the German: —— des Petitionen. an ‚den deutschen y A elome Arbeitsninister ‚gerwierdcen h| tjusetie te nd % chen“ Gentration dieses Landes mit der Aufforderung. im Sinne der Iy ca ienz;. Die neuem Anhang gewinnt. Gerechtügkent md Gleichteband- vantagad persons by reale, or die: von ‚Die Feierlichekeiten . beginnen dung, durch cine Ausführungsver- der the Tigbz to make: Sonsrhbautrons: ty for ihe mi. teine m: Galabankett im New ardımerg die Nachentrichtung von accı 10 ‚he base "gespielt; Yorker Hotel Waldorf Astoria am Beiträgen fir amerikanische Aus- ! {or the year 1957 (as in Israel aid
vnagogen bildengsgeschädizte (wie für solche
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jemisch -- gehaltenes Symposium. |
‚n Land, de in Israel ad anderswo) unter Zu- The letter is 10 be addresseAn.d dze n inersemi- Kaplans bedeutendstes Work "Ju- | grundelegung der Beiragsworte des Bundesininister für Arbeit und Sozibt eine daism as a Civilisation” wird an- Juhres 1937 anstatt des Jahres zialordnung, Dr. Herben Ehren- ‚ i i o n n , s ow e i i e n l a ä u s f s g t e i l ch e gt de w r e rd H e u n n . d er H t ö j h a e hr p f u e n i k e t r al n l e e u r 197 D 3 a s zu S g c e h w r ä e h i r be e n n . ist zir ehren: | | m b a er n g y , . Postfach, 53 Bomn/ Wes M t A . G er- \wwch 42 Veranstaltungen wird die Geburtsen j t u s n t g a e n r - s f t e e i n e r J s a e h l r b e e s r , se d i e n, m a T m a g. 1 1. an J un d i e m näc d h e - r Israels Botschafter ehrt ifpauP}ak ulturellen kürzlich aus Israel nach New York elf deutsche “Gerechte”2, 2.7. 7 Bewe- 2 urückgekehrie Rabbiner seinen "rundesten” aller Geburtstage fei- & ın wird, Der Arzt Dr. RudoN Bertram taber 1980 das Recht. an der Alles Richard Yaffe hat in einem Krankenhaus in Gel- der Gereohten im Yad Vasiem eisenkirchen zahlreiche schwerver. nen Barmı zu pflanzen, Ausserdem
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um Karl Koepckes nen aufopfernd versorgt und eine
die Medaille der Gerechten über- Jödin, der ein Bein amputiert wor- reicht. und nie einen. ersten deutschen Job, beim} den war. vor der Gestapo versteckt Als der Botschafter des Staates Freund a menKanischen Gene ralkonsulat in | und so gerettet. Frau Gertnd israel, Yohanan Meroz, in seiner Hamburg und spann dabei die Fä- Am von den, His werig später zum Em| - S F t ü e d i i n n t h i a n t i i h n r de H r a us C S5 a R u fg ei e n n e om j m un e g n e Residenz in Bonn Urkunden und = Nönd, wandergogswinm mach "USA ver-| Medaillen überzeichte, sagle er, es und. verfindert, dass die Gestapo gehöre -zu den. bei "Au Waufchanse: helfen. Zuerst in verschiedenen Be. sie fand, Frau Else Rouge hat im geublicken zines israelischen Bo! als Pres- rufen: tätig, ‚wie das ein: Einwande- Ruhrgebiet ein jüdisches. Ehepaar rungsschicksal gewöhnlich mit sich schafters in der Bundesrepublik hef. dieser mehr als eineinhalb Jahre lang bei Deutschland, “Menschen: ehren zu kamischen b h r a i n n s g a t , — ist u ie n s d s : - e b r l ieb e nd d l a i b c e h i . zur Luft- |fsircehi unagu fdguerncoh mmUeSn- Truundp pebnis zvuerr boBre-- gürfen, “die. unter Binsatz ihres" ! Lafrfahrt- Lebens jüdischen Bürgern in Zeian deren Es war primär Karl Koepcke zu gen. ten der Unmenschlichkeit geholfen Zen einer vordanken, dass diese Kunde Das Ehepaar Eva und Johannes haben”, dezu mit Loftline ute Bezschumgen j de ü . d is L c a h t e tr E Rh h e a p t a - a i r m e R z u u h e r r g st e bie be t i s ı ‚ i d c re h i Die- Kommission um -Yad Vaachkriegs- | " "American Jewish Cormmutepe:: ker shem, die darüber entscheidet, wer ‚astet war, stellen konetie, es war Karl Koep- aufgenommen und später in die Juden gerettet har, konnte bisher tablierten cke, der. dan Kampf gegen die um- N G i e e o d r e g r la H n a d m e m e in r Si u c n h d e rh s e e i i t ne . ge T b o r c a h c t h e t r . eiwa-1.500 Menschen in aller Welt indischen strittene. "alte" Fassung. den ee Germud haben zusammes, nz. dem finden. Unter ihnen sind. mehr als £ ‚pektablen ammengzuer Passionsspieie: auf- einhundert Deutsche, dem inter- nahm, mit der 'Ihese, dass Luft Ehepaar Frieda und Mathias Mül- ar. un. “ ler dafür gesorgt, dass ein Vater markt zu hanısa sich weigere für einen amiwgkeit. Es semitisch getönten Text zu. werben, und dessen beide Töchter solange Fleiss und umd es war zum grossen Teil Kart vor der Gestapo versteckt werden Briefe Baargelds gesucht \ Koepekez u verdanken, dass. dieser konnten, bis amerikanische -Trup- Wer hat Briefe des Dadkisten <öpfe be- |1 K ampf anmerhin mit einem (fra- v M e a n n n d h a e s im D örf be c f h r e e n it en Z , i eg D e a l s h au E s h e a n p aa be r i Johannes Theodor Der ich nicht restlos befriedigenden) Biograph Baargelcs, der. :Köl-' Hedwig und Otto Hafner hat zahl- Teilerfolg endete. Und es war Karl reiche Iuden monatelang versteckt er Kunsikritiker Walter Vitt, ein Koepcke, der als Pionier zu den " Aufbau” und mit Lebensmitteln versorgt, *0- geschätzter es. Au, gaten Eeziehungen des bau”, sucht für den.drkernentarimi der Larfthansa wirkte und bis dass sie nicht deportiert wurden. zum heutigen Tage und hoffentlich Diese elf “Gerechten unier den noch-auf lange Zeit diese freund- Völkern“ haben seit. dem 22. Ok-
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oben eg ud festägt, „Grussan Arthur Steiner | R ‚Wen. soll men on Loblind sm- Imtvorigen “Aufbau” wurde gemeldet, diss unser Kollege -Arthur Steiner, ehemaliger “Aufbau”-Mitarbeiter, in -Wien -verstorben sei. Ein sehr irdisch klingender Telefonanruf von ihm- selber, vorübergehend in New York, belehrte H. OPPENHEIMER CO. uns erfreulicherweise eines. Besseren. Ein.an'ihn in Wien gerichte- PRIME MEATS ter Brief ‚war zurückgekommen von a österreichischen Post, mit
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135 West 72ud Straet, New York many Padinger, Women's zit
Richard Yafte, United Naslanı und ran MENS SHOES + WOMEN’S SHOES dudwig Wronkow, Consulting Editor \Ber Ah Page Ummir. Catalsewnum Bemwet
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Bonn-Bad Godesberg, im Oktober 1980 h w c g A B e J h i a u m i o ü e r b n n t d n d g e e i s : M n r s c , i c h t e d h a r e t F e s f w e I n t o m i d c e e e A h r n r n A , B s d u ü t e f r f d u n t g o e d n k r e s l e e d a r g m n e g n e s S n t 2 d a 2 v i D e , n a o e a n n t n u e t Z O s s Y M e d k c a i i e t h e d t d o e I e a b , s n e i r M V r l a ä a l e s r d d e l h t e i n , 1 e y r e 9 m r 8 , e 0 u U Y u r , n n n o d t m h d e a e e u 1 r r n n n E 5 d a s h . n c 3 r B E 0 h e e H i l n h e n M i u ö l s e U c r r d a r h d h e t k o r e n z k z u , , e n i d i t z e i e n u h n h i r r m r t e J g s e ü e V R r b h e a d u e r o h e L s r e l m r e a r w f e b e l i e n e i e - n n - n s , Hedwig und Otto Hafner Georg Hammer (posthum) und seiner Tochter Gertrud Hammer
- die Ehrung wird Frau Gertrud Hammer entgegennehmen
Frieda und Mathias Müller (posthum)
e di n e t ge E g h e r n un n g e hm w e e n r den die Söhne Kurt und Walter Müller Eva und Johannes de Latträ (posthum)
- d e i n e t ge E g h e ru n n n g e hm w e i n r d die Tochter, Frau Lilly de Lattr&,
Elise Rouge Gertrud Steini
Dr, med. Rudolf Bertram (posthum)
- B d e ie r tr E a h m r , u ng e nt wi g r e d g en s n e e i h n m e e n, G attin, Frau Dr. med, Margot J h s i V Y 1 d r N i e a i 5 ö s i a e e d c r e 0 l c r t h l 0 u k h t a t s e e e e V z r a t l m n a M " a , l d i e , s e h e e s h h n m l m c r e s r e h r m c e h r e e a h i a h t e a l e c b l t i i t n a h s e n e e e u , S n e t l n f t n t a 1 e e a 0 d d d i t n e J 0 a i B a i n ü s e s a n g d u e D e a - i m n e R g s b s u e a i c d o g c t s n h i z N a r h s e u e g i n g t c n e z c , f h h n e h ä p e e h e t u l f , ö G n - t l t c i W r e J a i n h e u n u g s l A n A z d t s t l d n d e d e e t " l s e t e n n e e r a n r . , t ä A w z g u v " E u g e s e A r d h e z l r i d p r e " l e g e r e W u e i n e ü n n e e b f c t d r e t e h i i , n n i t n m d u e E e e e n l i m r n k g p U L a , A n f a n t u G u e " M n e f s e h G e r e r z l e d n e e u i r s - c e i n e c d d h c g c h e e b t h e h n r e e e d n n t n f e n u e r l i * n J e n e a t g b d b w h e d e e a i r e i n n e r n e r-
Simrockaller 2 - 5300 Bonn 2 - Tel. 622.21 /823-1
Frau Gertrud, Steinl
- Medaille und Ehrenurkunde -
Aus der Zeugenaussäge der Geretteten, Sarah Shlomi:
Ich stamme aus Iwov (Lemberg/Pılen). Bevor das Ghetto
entstand, flüchtete ich nach Sambor (Polen). Ven 1942
bis 1943 wohnte ich in der Stadt Stryjs (ebenfalls Polen) unter falschem Namen, Ich war damals schon verheiratet. Ich arbeitete in der Zweigniederlassung einer deutschen Firma und Frau Steinl war meine Chefin. Ihr Verhalten den Arbeitern gegenüber war überaus menschlich. Als ich ihr erzählte, daß ich Jüdin bin, wurde sie nur umso fürsorglicher und versuchte, ein Versteck für mich zu finden. - Sie brachte mich zu ihren Eltern nach Graslitz (heute Tschechoslowakei). Das war Ende 1943, Ihren Eltern sagte sie nicht, daß ich Jüdin bin, Sie nahmen mich bei sich
auf, und ich arbeitete bei ihnen als Hausmäächen. Frau
Steinls Eltern waren sehr gut zu mir und behandelten mich wie eine Tochter, Als es verboten wurde, Hausangestellte zu beschäftigen, nahm ich Arbeit in einer Fabrik an, aber ich konnte weiterhin bei ihnen wohnen, Mein Mann Chaim blieb unter falschem Namen und ohne als Jude entdeckt zu werden bis Ende des Krieges in Stryjs, Er besuchte mich oft in Graslitz und kann Frau Steinls
Hilfe und Haltung bezeugen, Sie hat mir unzählige Male
in gefährlichen Situationen beigestanden und geholfen, ohne dafür jemals einen Gegenwert erhalten oder verlangt zu haben. Ich kann weiterhin bezeugen, daß sie auch noch anderen Juden in ähnlichen Notsituationen geholfen hat,
Rede Steinl Beisetzung
Gertrud Stein! wurde am 17. März 1922 in Graslitz im Sudetenland als einziges Kind der Eheleute Anton und Julia Steini geboren. Der Vater betrieb einen Textilhandel. Möglich, dass Gertrud hier Zug um Zug hätte einsteigen sollen, erste Kontakte zu Geschäftspartnern des Vaters in die Schweiz waren wohl geknüpft. Ein Studium an der Handelakademie in Prag mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Englisch legen dies nahe. Der Krieg veränderte diese Perspektiven. Gertrud Stein! wurde zum Reichsarbeitsdienst einberufen. Über einen Vetter kam sie nach Stryje, einer Kleinstadt in den Karpaten, damals in Polen gelegen. Die dort lebenden rund 12.000 Juden waren ihres Lebens nicht mehr sicher. Gertrud Steinl leistete ihren Einsatz im Geschäftsbereich der Firma Karpaten-Öl, einer von den Deutschen besetzten Raffinerie. Dort wurde ihr eines Tages eine junge Frau vorgestellt, die anfragte, ob man nicht Arbeit z. B. in der Küche für sie habe. Frau Stein! vermittelte ihr eine solche Tätigkeit dort. Nach und nach vertraute die junge Frau mit dem Namen Stella (Sarah) Shlomi, geborene Fröhlich, Ihr an, dass sie Jüdin sei und ihre Ermordung befürchten müsse. In ihren Aussagen gegenüber der Gedenkstätte Yad Vashem gab sie später an, Frau Stein! habe eine „warme und menschliche Einstellung gegenüber ihren Arbeiterinnen gezeigt“. Mit Kriegsfortgang mussten die Deutschen die besetzten Gebiete räumen. Gertrud Stein! besorgte Stella Shlomi einen falschen Pass und beschloss, sie mit nach Hause nach Graslitz in ihr Elternhaus zu nehmen. Die Rückfahrt mit der Eisenbahn schildert sie später wegen der dort durchgeführten Kontrollen als lebensbedrohlich für sie beide. Stella wird als eine Art Haushaltshilfe im Steinl-Haushalt aufgenommen. Gertrud schilderte oft, dass ihre Eltern sie wie eine zweite Tochter behandelten, die Mahlzeiten nahm man wie selbstverständlich am gleichen Tisch ein. Wohl wissend, dass sie mit dieser Aktion auch ihre Eltern in höchste Gefahr brachte, ging irgendwie „alles gut“. Stella überlebte. Sie wanderte nach dem Krieg nach Israel aus und lebte mit ihrem Mann Imek in Tel Aviv. Ein lebenslanges Band der Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen, Briefen und regelmäßigen Telefonaten verband die drei bis zum Tod von Stella und Imek (2014).
Auch Gertrud Steinl und ihre Eltern mussten zwangsweise ihre Heimat verlassen und kamen über Neustadt/Aisch nach Nürnberg, wo eine Tante ein Hutmachergeschäft betrieb und erste Brücken für die neue „Heimat“ schlug. Sie vermittelte Gertrud eine erste Stelle am neu gegründeten Court of Restitution appeals in der Fürther Straße, einem von den Amerikanern initiierten Gerichtshof, der für die Rückerstattung unrechtmäßig erworbenen arisierten Eigentums zuständig war. Nach anfänglich großen Bedenken, ob sie den Anforderungen dieser Stelle gerecht werden könne, sagte sie zu und blühte regelrecht auf im Kontakt mit den dort tätigen Menschen. Ein Richter
- ein Engländer wollte sie unbedingt nach London abwerben. Die Verpflichtung, ihre Eltern
nicht im Stich zu lassen, überwog. Am Court lernte sie Fritz Neuland kennen, der dort als jüdischer Rechtsanwalt Mandanten vertrat und bei seinen regelmäßigen Besuchen wohl ein menschlich sehr stimmiges Verhältnis zu Gertrud Stein! aufbaute. Er war der Vater von Charlotte Knobloch, der späteren Vorsitzenden der IKG München-Oberbayern. Es war Gertrud ein Bedürfnis, Charlotte Knobloch irgendwann einmal von diesen persönlichen Begegnungen zu erzählen.
Nach der Verlegung des Court wechselte Gertrud Stein! zur Stadt Nürnberg ins Bürgermeisteramt und war dort viele Jahre im Geschäftsbereich von OBM Urschlechter, später wechselte sie ans Bildungszentrum der Stadt Nürnberg, wo sie bis zu ihrem Eintritt in die Rente blieb.
Ein großer Teil ihres Herzens gehörte den Bergen und der Natur. Besonders die Schweiz hatte es ihr angetan. Und wenn wir sie uns heute im Himmel vorstellten, so muss ihrer über der Schweiz liegen. Die Gegend um Pontresina, Sils Maria und Maloja besuchte sie unzählige Male - als Bergwanderin, Skiläuferin, Langläuferin. Den Piz Korvatsch nannte sie oft ‚ihren Seelenort“, dort sei es ihr immer so vorgekommen, als wäre sie in einem früheren Leben schon einmal gewesen. Sie liebte die Vegetation, die Kargheit, die Einsamkeit der Berge, aber auch die Kunst. Dem berühmtesten Maler des Engadin, Giovanni Segantini, verfolgte sie auf vielen seiner Stationen und auch von ihrem Besuch seiner Grabstätte auf dem kleinen Friedhof in Maloja erzählte sie sehr berührend. „Nur Kunst und Liebe überdauern die Zeit“, so die Inschrift dort, die sie immer wieder zitierte und deren Wesensgehalt ihr nahe war. So war es ein besonders Glück vor kaum zwei Jahren, dass sie die Enkelin dieses berühmten Molers noch im Rahmen einer Lesung in Nürnberg kennenlernen durfte, ein ihr persönlich gewidmetes Buch hielt sie wie einen Schatz. Im Engadin hatte sie auch das große Glück, Yehudin Menuhin persönlich in einem Konzert in einer kleinen Kirche zu erleben. Musik und Kunst waren ihre andere große Leidenschaft. Sie liebte Streichmusik, deshalb auch heute ihr zu Ehren einige kleine Stücke auf der Violine. Sie besuchte unzählige Konzerte, Cecilia Bartoli und Elena Garanca hörte sie noch vor wenigen Jahren in der Meistersingerhalle, sie stand bis zuletzt in der Schlange für eine Widmung in einem Buch. Sie war Mitglied der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg, regelmäßige Teilnehmerin von Ausflügen und Wanderungen in die Fränkische, sie liebte Besuche im Schmetterlingsgarten in München und fuhr auch regelmäßig zu Kunstausstellungen dorthin. Ihre Lieblingsmalerin war Gabriele Münter, ihr Lieblingsdichter Rilke.
1979 erhielt Gertrud Steinl die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nicht-Juden geben kann, die während der NS-Zeit unter Einsatz ihres eigenen Lebens Juden gerettet haben: Gerechte unter den Völkern. Im Garten der Gerechten in Yad Vashem in Jerusalem steht ihr Name seitdem auf einer Tafel eingraviert. Sie ist eine von insgesamt nur 627 Deutschen, die diese Auszeichnung erfahren haben. Sie war wohl die letzte noch lebende. Gertrud Steinl behielt diese Geschichte viele Jahre bei sich. Erst im letzten Jahrzehnt ihres Lebens wagte sie sich wieder daran, als müsse sich vielleicht einer der Lebenskreise damit schließen. Sie suchte den Anschluss zur jüdischen Gemeinde in Nürnberg, besuchte regelmäßig Veranstaltungen der Israelitischen Kultusgemeinde und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, deren Ehrenmitglied sie war. Sie genoss es, als Ehrengast bei größeren Veranstaltungen wie beispielsweise der Feier zur 70jährigen Staatsgründung in Israel eingeladen und mit standing ovations begrüßt zu werden. Sie freute sich über den persönlichen Kontakt mit den Vorsitzenden dieser Institutionen Andre Freud und Jo-Achim Hamburger, der israelischen Botschafterin und - last but not least - Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, mit der sie sich aufgrund der genannten Vorgeschichte besonders verbunden fühlte und die sie vor wenigen Jahren persönlich nach München einlud. Dort fand dann auch das lange ersehnte Gespräch unter vier Augen statt.
Sie pflegte bis zuletzt Kontakt mit einer Reihe von Menschen, denen sie wohlgesonnen war und die ihr wohlgesonnen waren.
Gertrud Stein war eine aufrechte Frau mit Blick auf das Gute und Schöne, das Wahre und Menschliche, mit einem immer klaren eigenen Willen und einer starken inneren Haltung, bis zuletzt.
Am 1. April 2019 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Am 16. März 2020 ist sie nach kurzer Zeit des Schwächerwerdens einen Tag vor ihrem 98. Geburtstag verstorben.
Wir trauern um sie.
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