Campus Pestalozzistraße Planungsstand des gemeinsamen Bauvorhabens Paul-Ritter-
Schule und GS West; hier: Antrag Bündnis 90/Die Grünen „Schulische Perspektiven für
den Nürnberger Westen: Status Quo zum Neubau der inklusiven Grundschule West auf
dem Gelände der Paul-Ritter-Schule“ vom 23.03.2022
Entwicklungsprozess des „Campus Pestalozzistraße“
Mit einstimmigem Beschluss des Stadtrates vom 25.07.18 hat sich die Stadt Nürnberg in einer Zweckvereinbarung gemäß Art. 7 Abs. 2 Satz 1 KommZG für den Neubau einer 3-zügigen Grundschule am Zentrum für Hörgeschädigte des Bezirkes Mittelfranken (Paul-Ritter-Schule) durch den Bezirk Mittelfranken ausgesprochen. Für die geplante Grundschule West soll im Rahmen der Neubauplanungen der Paul-Ritter-Schule ein Areal im nördlichen Bereich des Grundstückes vorgehalten werden, das die schulischen und Betreuungsbedarfe im Stadtteil abdecken wird. Auf Basis dieses Beschlusses haben die beteiligten Stellen des Bezirks Mittelfranken und in der Stadt Nürnberg auf operativer Ebene ab Mitte September 2021 im zweiwöchigen Turnus die Gespräche und Beratungen zur Erstellung des pädagogischen Konzeptes für den „Campus Pestalozzistraße“ (Arbeitstitel) aufgenommen. Auf Anregung des Bezirks Mittelfranken und unter Zustimmung der beteiligten Referate der Stadt Nürnberg wurde ab November 2021 das Architekturbüro stm architekten mit Herrn Prof. Stößlein als Berater in diesen Prozess eingebunden. Im Februar 2022 wurden die bzgl. des pädagogischen Konzeptes erarbeiteten Ergebnisse von stm architekten textlich zusammengefasst und als pädagogisches Gesamtkonzept in eine finale Gesamtbetrachtung geführt.
Im gemeinsamen Bildungs- und Liegenschaftsausschuss des Bezirks Mittelfranken am 10.03.22 wurde das pädagogische Konzept beider Bedarfsträger vorgestellt. Ferner wurde am
05.04.22 im Bezirkstag die Entscheidung getroffen, für das gemeinsame Projekt „Campus Pestalozzistraße“ einen Projektausschuss einzurichten, der sich ausschließlich mit vorgenannter Baumaßnahme beschäftigt. Dieser Projektausschuss, an dem von Seiten der Stadt Nürnberg zwei Vertreterinnen bzw. Vertreter aus der Leitungsebene von Ref.I/II und Ref.IV aktiv teilnehmen, hat am 17.05.22 seine Tätigkeit aufgenommen; drei weitere Termine für den Projektausschuss sind für 2022 bereits terminiert, in denen die auf Arbeits- und Leitungsebene erarbeiteten Ergebnisse Eingang finden.
Mit Behandlung des Campus Pestalozzistraße im kommenden Projektausschuss am 12.07.22, aber auch im Bezirksausschuss am 14.07.22, im Bezirkstag am 28.07.22 und im heutigen Schulausschuss soll von der Stadt Nürnberg und dem Bezirk Mittelfranken der Auftrag zur Konkretisierung der weiteren Schritte zur Realisierung des Neubaus des Zentrums für Hörgeschädigte und der Grundschule West erteilt werden.
Die Grundlage für die nun anstehende architektonische Planung eines „Inklusionszentrums am Campus Pestalozzistraße“ wurde im Rahmen von pädagogischen Besprechungen von Vertretern des Bezirks Mittelfranken und der Stadt Nürnberg mit der Erstellung eines „Rahmenkonzeptes ganztägige Bildung, Betreuung, Erziehung, Beratung und Förderung am Campus Pestalozzistraße“ geschaffen. Das als inklusives Leuchtturmprojekt geplante Bauvorhaben besteht aus dem Zentrum für Hörgeschädigte, das durch den Bezirk Mittelfranken betrieben wird, der Grundschule West mit Kombieinrichtung bzw. Hort (Sachaufwandsträger Stadt Nürnberg) und gemeinsamen Flächen („Haus der Begegnung“), in denen gemeinsame und inklusive Angebote möglich sind.
Auf Grundlage des pädagogischen Gesamtkonzepts und des von der Regierung von Mittelfranken genehmigten Gesamtraum- und Funktionsprogramms erfolgt im weiteren Verfahren die Überprüfung der bisherigen Überlegungen zur Machbarkeit und der bauabschnittsweisen Durchführung mit Zeitabläufen. Hierbei wird Ref.VI in die Betrachtungen eingebunden. Neben der Erstellung eigenständiger alternativer Überlegungen und einem Vergleich mit der derzeit vorliegenden Machbarkeitsstudie soll seitens des projektbegleitenden Architekturbüros die sinnvolle Einbeziehung des Försterbaus aufgezeigt werden. Mit ersten Ergebnissen wird im IV. Quartal 2022 gerechnet.
Parallel bedarf es einer Überarbeitung/Aktualisierung der zwischen der Stadt Nürnberg und dem Bezirk Mittelfranken am 10.10.18 geschlossenen Zweckvereinbarung gemäß Art. 7 Abs. 2 Satz 1 KommZG über die Zusammenarbeit bei der Planung und Errichtung einer Grundschule. Neben der partnerschaftlichen Vereinbarung hinsichtlich der Übernahme von Aufgaben der Projektleitung, Projektsteuerung sowie der Planung und Baubetreuung für den Neubau der Grundschule wird eine gesonderte Betriebsvereinbarung zur Nutzung von Synergien am gemeinsamen Standort, u. a. in den Bereichen Gebäudemanagement und Essensversorgung, angestrebt. Erste Abstimmungsgespräche hierzu fanden bereits in den Pfingstferien 2022 statt.
Pädagogische Umsetzung des Campus Pestalozzistraße
Auf dem Campus in der Pestalozzistraße soll gemeinsam mit dem Zentrum für Hörgeschädigte (ZfH) (bestehend aus: Paul-Ritter-Grund- und Mittelschule, Schulvorbereitende Einrichtung, Heilpädagogische Tagesstätte (HPT), Pädagogisch-Audiologische Beratungsstelle, Interdisziplinäre Frühförderstelle) eine dreizügige Regelgrundschule (Grundschule West) mit insgesamt 200 Betreuungsplätzen realisiert werden.
In dem von der Stadt Nürnberg und dem Bezirk Mittelfranken gemeinsam entwickelten pädagogischen, inklusiven Konzept bleiben beide Schulen – Paul-Ritter-Schule und Grundschule West – als eigenständige Schulen erhalten. Die Paul-Ritter-Schule besuchen zahlreiche Schülerinnen und Schüler, bei denen die Beschulung in der Regelschule von ihnen selbst oder von den Eltern nicht gewünscht ist bzw. bei denen die Einzelinklusion in der wohnortnahen Sprengelschule nicht erfolgreich war. Auch mit Blick auf die hohen spezifischen Anforderungen von Kindern mit Hörbeeinträchtigungen stellt es eine Herausforderung dar, ein echtes inklusives Zusammenwirken von Kindern mit Hörschädigung und Regelschulkindern zu vereinbaren.
Um Inklusion am Standort der Grundschule West und des ZfH trotzdem gewinnbringend für die Schülerinnen und Schüler gemeinsam zu ermöglichen und allen Bedarfen aller Kinder zu entsprechen, wurde ein „Haus der Begegnung“ konzipiert.
Skizze 1 aus pädagogisches, räumliches Konzept stm architekten Stößlein Mertenbacher
Diese räumliche Schnittmenge soll das pädagogische, inklusive Herz der Schulanlage werden. Das Haus der Begegnung setzt sich aus Räumen zusammen, die aus den jeweils eigenen schulartspezifischen Raumprogrammen der jeweiligen Schule (ZfH/Grundschule West) entspringen und in einem eigenen Gebäudekomplex zusammengefasst sind. Dort soll es Räume für gemeinsame Angebote, für Lernen, Spielen, Feiern und Begegnungen geben. Diese Räume werden in ihrer Ausstattung an den besonderen Anforderungen der Hörbeeinträchtigten ausgerichtet.
Über das Haus der Begegnung hinaus werden sich die einzelnen Einrichtungen am Campus Pestalozzistraße gegenseitig ergänzen und weitere pädagogische Synergien werden entstehen und sich entwickeln. Das übergeordnete Ziel ist, dass alle Kinder, die die
Einrichtungen am Campus besuchen, erkennen, was es bedeutet, verschiedenartig zu
sein und voneinander zu lernen.
Dies soll insbesondere auch im Bereich der Betreuung ermöglicht werden. Hierfür werden die 200 Betreuungsplätze für die Grundschule West aufgeteilt. 50 Betreuungsplätze sollen in einem Kooperationshort verwirklicht werden, der eng mit der HPT des ZfH kooperiert. Die übrigen 150 Betreuungsplätze werden als Hort bzw. Kombieinrichtung geschaffen.
Ergänzt wird das Angebot am Campus durch entsprechende Außenflächen (leiser Pausenhof, lauter Pausenhof) und Sportbereiche (Hallensport und Freisport) sowie die notwendigen Infrastrukturflächen (Essensversorgung, Verwaltung, …).
Auf dem von den Vertretern der Stadt Nürnberg und des Bezirks Mittelfranken erstellten pädagogischen Konzept aufbauend wurde zusätzlich mit externer Expertise von stm architekten Stößlein Mertenbacher in enger Abstimmung mit den beteiligten Dienststellen ein räumliches, pädagogisches Konzept entwickelt, das optimale funktionale Zusammenhänge innerhalb der einzelnen Einrichtungen sowie zwischen den Einrichtungen aufzeigt.