Beilage 7.1
zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 30.06.2022
Bereitstellung von Menstruationsartikeln in Schulen und Jugendeinrichtungen
hier: Antrag Die Linke Stadtratsfraktion „Kostenlose Menstruationsartikel in Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit“ vom 13.10.2021
Antrag Bündnis 90 Die Grünen Stadtratsfraktion „Menstruations-Artikel für Nürnbergs Schüler*innen“ vom 17.03.2022
Die Pubertät ist für die Heranwachsenden seit jeher eine herausfordernde Zeit. Wann dieser Zeitraum einsetzt, ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ein wesentlicher Bestandteil der Pubertät sind die körperlichen Veränderungen, wobei gerade bei Mädchen das Einsetzen der Regelblutung von hoher Bedeutung ist. Laut der Studie „Jugendsexualität“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) erfolgt die Menarche beim Großteil der Jugendlichen zwischen 12 und 13 Jahren.1
Damit die Jugendlichen diese körperlichen Veränderungen akzeptieren und informiert sind, ist es wichtig, dass ihnen Vertrauenspersonen zur Seite stehen. Bei der Wiederholungsbefragung 2019 des BzgA2 wurden als wichtigste Personen der Sexualaufklärung die Jugendlichen im Kreis der Gleichaltrigen sowie die eigenen Eltern genannt. Doch Lehrkräfte sind in diesem Zusammenhang auch hochrelevant, denn Mädchen und Jungen nennen sie gleichermaßen an dritter Stelle. Der Schulunterricht ist laut der Studie immer noch die wichtigste Quelle der Sexualaufklärung, wobei die häufigsten Themen im Sexualkundeunterricht Anatomie, sexuelle Entwicklung, Menstruation, Verhütung und Geschlechtskrankheiten sind. Sexualerziehung ist Teil der gemeinsamen Erziehungsaufgabe von Erziehungsberechtigten und Schule. Dabei orientiert sich Sexualerziehung an den allgemeinen Bildungszielen, wie sie in Artikel 1 und 2 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) ausgewiesen sind. Damit kommen die Schulen ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag nach.
An den Nürnberger Schulen gibt es keine flächendeckende und koordinierte Ausgabe von Menstruationsartikeln für Schülerinnen. Die beiden derzeit an den Nürnberger Schulen beheimateten Firmen CWS und Ille bieten keinen solchen Service an. Eine erste Recherche der HVE – Schule und Sport hat ergeben, dass sich die reinen Anschaffungskosten ohne Montage und Bestückung für einen Tampon- und Bindenspender um die 200€ bewegen. In Nürnberg gibt es insgesamt fast 2.500 Toiletten an den Schulen. Wenn man niedrig geschätzt von jeweils drei Mädchentoiletten an den über 60 Standorten der weiterführenden und beruflichen Schulen ausgeht, würde dies alleine für die Anschaffung von Tampon- und Bindespendern eine Investition von fast 40.000€ bedeuten. Weiterhin müsste geklärt werden, welche Produkte von welchen Firmen angeschafft werden sollen. Für eine effektive Beschaffung wären einheitliche Produkte für die Schulen zielführend. Außerdem offen ist die Frage der Zuständigkeit bei der Befüllung von Tampon- und Bindenspendern. Die örtlichen Hausmeister der HVE – Schule und Sport zusätzlich mit dem Monitoring, Bestellen und Befüllen zu beauftragen, ist aufgrund
1 „Jugendsexualität – Repräsentative Wederholungsbefragung – Die Perspektive der 14- bis 25-Jährigen 2015“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ S. 90 (Abrufbar unter https://shop.bzga.de/jugendsexualitaet-2015-13316300/; zuletzt aufgerufen am 24.05.2022) 2 „Jugendsexualität 9. Welle“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ (abrufbar unter: https://publikationen.sexualaufklaerung.de/fileadmin/redakteur/publikationen/dokumente/Jugendsexualitaet/Faktenblaetter/2021-Factsheet-Jugendsexualitaet-Sexualaufklaerung-Schule_Version_1-1.pdf; zuletzt aufgerufen am 24.05.2022)
der bereits vorhandenen Fülle an Aufgaben nicht zu bewerkstelligen. Daher müsste dies von externer Stelle übernommen werden.
Aufgrund der hohen Kosten und ungeklärten dargestellten Punkte (Anschaffung und laufende Kosten für die Artikel sowie Wartung und Bestückung durch externe Stellen) empfiehlt die Verwaltung eine einheitliche für alle Nürnberger weiterführenden und beruflichen Schulen koordinierte Vorgehensweise nicht weiterzuverfolgen. Die Bereitstellung von Menstruationsartikeln aus dem Schulbudget der einzelnen Schulen sowie die schulinterne Organisation und Koordination steht natürlich weiterhin allen Nürnberger Schulen offen.
In den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bestimmen die lebensweltlichen Fragen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wesentlich die pädagogischen Inhalte, Programme und die Ausgestaltung der Einrichtungen mit. Menstruation, Zyklus etc. werden damit zu Alltagsthemen. Folgerichtig gehören die gemeinsame fach- und sachkundige Auswahl der Hygieneartikel mit dazu und die Platzierung der Artikel zum frei zugänglichen Standardangebot der 34 Kinder- und Jugendhäuser, Jugendtreffs, Streetwork-Projekte und der mobilen Jugendarbeit sowie der weiteren 14 Aktivspielplätze.