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Bericht Kinderkommission 2020 Stand 28.04.2022

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Marcus König Jugendhilfeausschuss Schule & Bildung Stadtentwicklung & Planung Verkehr & Mobilität Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage 5.2

Sitzung des gemeinsamen Schul- und Jugendhilfeausschusses vom 30.06.2022

Bericht

Kinderkommission Nürnberg: Angebote der Jahre 2020 und 2021

Auch während der Corona-Pandemie ist es der Nürnberger Kinderkommission und der Verwaltung des Jugendamts gelungen, notwendige Angebote zu entwickeln und attraktive Maßnahmen für Kinder und Jugendliche vorzuhalten.

Im Folgenden wird über die besonderen Formate der zur Kinderversammlung in den Jahren 2020 und 2021, über die Entwicklung der 10. Station an der Straße der Kinderrechte, dem Beteiligungsatelier sowie zu den Angeboten zum Weltkindertag 2020 und 2021 berichtet. Zum Abschluss werden als Ausblick die Planungen zum Jubiläum 30 Jahre Nürnberger Kinderkommission im Jahr 2023 vorgestellt.

1. Kinderversammlungen 2020

Ein bewährtes Format, für welches die Kinderkommission Nürnberg federführend steht, sind die Nürnberger Kinderversammlungen. Seit 1996 finden diese nachmittags vor jeder Bürgerinnenversammlung statt. Sie sind ein wichtiges Instrument der Beteiligung sowie ein wesentlicher Baustein einer kinderfreundlichen Stadtentwicklung.

Aufgrund der pandemischen Lage und den damit verbundenen Auflagen wurden die Kinderversammlungen im zweiten Halbjahr 20201 erstmals in deren Geschichte in Präsenz ausgesetzt. Es war erforderlich, mithilfe eines neue Formats neue Wege zu beschreiten, um die Beteiligungsrechte der Kinder trotz der damaligen Lage im Blick zu behalten. Zur Entwicklung des Formats wurden im Vorfeld verschiedene Online-Angebote wie z. B. eine kindgerechte Web-Seite oder die E-Partizipation intensiv geprüft. Auch wurde beim digitalen Bürgerversammlungsformat hospitiert, um an dortigen Erfahrungswerten anknüpfen zu können. Aufgrund der Tatsache, dass es bei allen Online-Angeboten erforderlich ist, dass jedes Kind in vollem Umfang auf die Technik zurückgreifen kann und kein Kind aufgrund fehlender Technik ausgegrenzt werden darf, wurde sich für eine analoge, veränderte Variante der „Post für Dich“, den altbewährten Brief der Nürnberger Kinderversammlungen, entschieden.

Die „Post für Dich“ ist ein Baustein der Nürnberger Kinderversammlungen. Jedes Kind der ersten bis vierten Klasse erhält circa drei Wochen vor den Versammlungen diesen Brief an die Schule gebracht und über die Lehrkräfte ausgehändigt. Die „Post für Dich“ enthält im Regelfall eine persönliche Einladung des Oberbürgermeisters und der Kinderkommission sowie die Anregung, sich Gedanken zum Stadtteil zu machen. Auch liegt ein kindgerechter Flyer mit dem Titel „Wieso es sich lohnt, zur Kinderversammlung zu gehen“ bei. In der Regel erhalten diesen Brief bei bis zu neun Kinderversammlungen in Präsenz bis zu 10.000 Kinder pro Jahr.

Im Jahr 2020 wurden insgesamt fünf Alternativen zur klassischen Kinderversammlung für junge Menschen bis 14 Jahre angeboten, hierfür wurde die „Post für Dich“ bedarfsgerecht abgewandelt. Das angepasste Schreiben haben 6.400 Schüler/-innen nach dem ersten Lockdown im Herbst über ihre Schulen erhalten.2 Der Brief wurde als Informations- und Mitmachinstrument gestaltet. Zunächst teilten der Oberbürgermeister und die Kinderkommission den Kindern mit, wieso im Jahr 2020 von einer Kinderversammlung „Face to Face“ Abstand genommen wurde. Dann wurden die Kinder über einen kindgerechten, geänderten Flyer in Kenntnis gesetzt, dass sie sich

1 Anmerkung: Im ersten Halbjahr 2022 waren aufgrund der Kommunalwahl keine Versammlungen geplant. 2 Die ursprünglich geplanten Bürgerversammlungen der Versammlungsbereiche 2, 4, 5, 9 und 12, zu denen die Kinderversammlungen i. d. R. parallel laufen, wurden aufgrund der Pandemie verschoben. Die „Post für Dich“ wurde aber wie ursprünglich geplant in diesen Bereichen verteilt.

telefonisch, per E-Mail oder per Brief beteiligen oder auch auf Wunsch die Geschäftsführung der Kinderkommission zu einem Gespräch in die Schule oder Kindertagesstätte einladen können.

Über diese Angebote haben im Jahr 2020 insgesamt 246 Briefe und 67 Anträge die Kinderkommission erreicht. Alle aufgenommenen Anliegen und Anträge wurden dann wie in den normalen Kinderversammlungszeiten auch zur Bearbeitung an die zuständigen Dienststellen weitergeleitet. So konnte die Beteiligung und Bearbeitung sichergestellt werden. Von den 67 Anträgen wurden insgesamt 28 Anträge positiv bearbeitet. Für 22 Anträge wurde eine Kompromisslösung gefunden und 17 Anträge mussten mit Erklärung leider abgelehnt werden. Wie bei allen Kinderversammlungen gab es auch bei dieser Version thematische Schwerpunkte. Das Thema „Spielflächen und Verkehr“ war genauso vertreten wie das Thema „Müll“. Aber es gab auch ein paar exklusive Anfragen und Anliegen. So wünschte sich zum Beispiel ein Kind ein begehbares Papageienhaus für den Nürnberger Tiergarten und ein anderes Kind wollte gerne, dass der Alte Kanal eingezäunt wird. In Kooperation mit den beteiligten Dienststellen konnte jeweils eine ausführliche Antwort auf ihre Fragestellungen zugesandt werden.

Die Anträge und Ergebnisse können im Einzelnen dem Anhang entnommen werden. Hierbei sind die Ergebnisse der gelisteten Anträge zur besseren Übersicht mit einem der folgenden Symbole versehen:

 Bedeutung „positiv“: Der Antrag wurde im Sinne der Kinder bearbeitet.  Bedeutung „neutral“: Manches aus dem Antrag hat geklappt, manches nicht. Es haben sich andere, neue Möglichkeiten aufgetan. Die unterschiedlichen Stellen haben die Kinder ernst genommen und sind tätig geworden.  Bedeutung „negativ“: Der Antrag konnte nicht im Sinne der Kinder bearbeitet werden. Die Gründe wurden den Kindern erklärt.

Auch die Formate im Jahr 2020, fördern demokratische Bildungsprozesse und ermöglichen soziales Lernen und Selbstwirksamkeitserfahrungen. Wie viele Kinder insgesamt an diesem neuen Format teilgenommen haben, lässt sich nicht ermitteln, da auch Briefe und Anträge von Schulklassen und weiteren Kindergruppen eingereicht wurden. Abschließend soll aber nicht das Engagement von Eltern unerwähnt bleiben. Durch deren Unterstützung konnten die Kinder bei den Kinderversammlungen mitwirken. Das ging von der Zusendung der Anliegen per E-Mail bis über die Bereitstellung von Briefmarken. Es entstand der Eindruck, dass es den Eltern sehr wichtig ist, dass ihre Kinder bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Möglichkeit erhalten, demokratische Prinzipien kennenzulernen und einzuüben. Auch viele Lehrkräfte, Kolleginnen der Jugendsozialarbeit an Schulen, Fachkräfte in Kindertagesstätten und sozialen Einrichtungen haben die Schüler/-innen bei der Mitwirkung unterstützt. Die Resonanz auf das Angebot war sowohl von den Kindern als auch von den Erwachsenen durchgängig positiv. Aktuelle Information zu den Nürnberger Kinderversammlungen sind auch auf der Internetseite unter www.kinderversammlung.nuernberg.de veröffentlicht.

2. Kinderversammlungen 2021

Ende 2020 zeichnete sich deutlich ab, dass aufgrund der weiter anhaltenden pandemischen Lage auch im Jahr 2021 keine Kinderversammlungen im klassischen Sinne stattfinden könnten. Um mit den Bürgerversammlungen wieder in einen gemeinsamen Turnus zu kommen, wurde die „Post für Dich“- Variante aus 2020 nicht wiederholt.3 Dennoch sollten Kinder wieder die Möglichkeit haben, sich einzubringen und ihre Anliegen mitzuteilen. Um möglichst viele Kinder aus Nürnberg zu erreichen, wurden für das laufende Jahr 2021 daher sowohl analoge als auch digitale Formate angeboten.

 Mitmachen: „Meine Stadt, Deine Stadt, Unsere Stadt!“ Alle Grundschulkinder sowie Kinder aus Kindertagesstätten der städtischen und freien Träger wurden mit einem Schreiben eingeladen, vom 15. April bis 30. Juli 2021 an einer Fragebogenaktion mitzuwirken. Die Kinder hatten die Möglichkeit mitzuteilen, was ihnen in Nürnberg besonders gut gefällt, was die Stadt aus ihrer Perspektive noch mehr für Kinder tun könnte und was sie im Jahr 2020 am meisten vermisst haben. Ziel dieser Aktion war es, mit den jungen Menschen in Kontakt zu bleiben und ihnen in Zeiten diverser Kontaktbeschränkungen ein Sprachrohr zu bieten. Der Rücklauf dieser Kampagne konnte zum Start durch die Kinderkommission nur schwer eingeschätzt werden, da sich die Kinder und die Bezugspersonen in einer sehr unsteten und belasteten Zeit befanden. Umso erfreulicher war es, dass im Kinderbriefkasten der Kinderkommission rund 400 Briefe und 150 Bilder eingeworfen wurden. Zur Auswertung und Aufbereitung der zahlreichen Einreichungen gestaltete eine Arbeitsgruppe der Kinderkommission eine Wanderausstellung inklusive Begleitbroschüre. Durch dieses Format wird sichergestellt, dass die Sichtweisen der Kinder eine breite Öffentlichkeit erreichen. Ab Mai 2022 können Schulen und Einrichtungen für bis zu sechs Wochen diese Wanderausstellung mit Rollups, Sitzwürfeln und interaktiven Bodenkarten entleihen. Mit der Ausstellung können vor Ort eigene Dialogräume für Unterrichts- und Gesprächseinheiten gestaltet werden. Des Weiteren gibt es die Broschüre mit allen Ergebnissen der Fragebogenaktion „Meine Stadt, Deine Stadt, Unsere Stadt!“ in einer geringen Auflage als Druckformat. Die gedruckten Exemplare werden den beteiligten Kindern und Bezugspersonen sowie städtischen Fachdienststellen zugesandt. Digital kann die Broschüre als Download unter www.kinderversammlung.nuernberg.de abgerufen werden.

 Digitale Kinderkonferenzen: „Was gibt es Neues in der Stadt?“ Erstmalig wurden im Jahr 2021 drei digitale Kinderkonferenzen unter Beteiligung einer Kindertageseinrichtung mit Schwerpunkt Medien und verschiedenen Grundschulen angeboten. Bei diesen Konferenzen nahmen sich Herr Oberbürgermeister Marcus König und die beiden Referentinnen Elisabeth Ries und Cornelia Trinkl Zeit für ein Gespräch mit Schüler/-innen der dritten und vierten Klassen. Hauptanliegen der Kinder bei diesem Format war es zunächst, mehr über die beteiligten Menschen zu erfahren. So fragten die Kinder den Oberbürgermeister in jeder Konferenz private Dinge wie z. B.: “Was essen Sie am liebsten, was lesen Sie gerne, welchen Sport machen Sie und wo verbringen Sie am liebsten ihren Urlaub?“ Auch den Referentinnen wurde die ein oder andere private Information entlockt. Aber es gab auch viele Fragen und Anregungen zu einer kinderfreundlichen Infrastruktur, zum Homeschooling und zu Armut und Obdachlosigkeit im Stadtbild. Trotz des für Kinder langen digitalen Zeitfensters von 1,5 Stunden zuzüglich Vorbereitungszeit sind die Kinder nicht müde geworden, mit den Vertretern/-innen der Stadtspitze im Gespräch zu bleiben. Im Anschluss haben sich die Kinder oft noch die Mühe gemacht, eine schriftliche Rückmeldung mit Verbesserungsvorschlägen und Lob an die Kinderkommission oder den Oberbürgermeister weiterzuleiten.

3 Die für 2020 geplanten Bürgerversammlungen wurden aufgrund der Pandemie in 2021 angeboten.

Trotz aller positiver Resonanz bezüglich der digitalen Möglichkeiten muss zusammenfassend festgehalten werden, dass ein digitales Format keine Kinderversammlung in Präsenz ersetzen kann. Im digitalen Raum gibt es gerade auch für Kinder Hürden und Grenzen wie zum Beispiel fehlendes technisches Wissen, ein instabiles WLAN, fehlende technische Ausstattung und die Reduktion der menschlichen Wahrnehmung auf einen kleinen Bildausschnitt. Das kann dazu führen, dass einerseits die Kommunikation nicht in vollem Umfang auf allen Sinneskanälen möglich ist und andererseits das Format unabsichtlich aufgrund seiner technischen Anfordernisse Kinder ausgrenzt. Des Weiteren sind Versammlungen, an denen alle Schulen und Einrichtungen aus einem Stadtteil teilnehmen, digital durch die Kinderkommission nicht kindgerecht umsetzbar. Der Schwerpunkt soll daher zukünftig wieder auf analogen Verfahren liegen. Ab 2022 werden auch wieder die Kinderversammlungen im altbewährten Format analog angeboten.

3. Die 10. Station an der Straße der Kinderrechte

Die Kinderkommission setzt sich seit ihrer Einberufung in den 1990er Jahren für die Bekanntmachung der Kinderrechte ein. Aus diesem Grund war es ihr ein Anliegen, dass die Rechte der Kinder in der Stadt Nürnberg im öffentlichen Raum fest verankert sind. Seit 2005 gibt es unter der Federführung der Kinderkommission die Straße der Kinderrechte im Nürnberger Stadtpark. Die Kinderrechtsskulpturen wurden und werden mit kontinuierlicher und verbindlicher Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gemeinsam gestaltet und vor Ort für die breite Öffentlichkeit als bespielbare Stationen aufgebaut.

Seit 2018 plant die Kinderkommission mit Kindern aus der Tagesstätte der Jakob-Muth-Schule unter der Trägerschaft der Lebenshilfe e.V., unterschiedlichen Dienststellen, den regionalen Künstlern Ursula Rössner, Jürgen Eckart und Eva Mandok sowie einer Landschaftsarchitektin die 10. Station an der Straße der Kinderrechte. Diese Station wird den Artikel 23 „Förderung behinderter Kinder“ abbilden. Trotz der pandemischen Lage und den damit verbundenen Herausforderungen konnten diese Planungen weiterverfolgt und 2022 in die Umsetzung gebracht werden. Nach dem erfolgten Spatenstich Ende März 2022 wurde der Regenbogenpavillon und der barrierefreie Regenbogenweg im Nürnberger Stadtpark gebaut. Neben dem Pavillon wird es für alle Stationen an der Straße der Kinderrechte eine eigens angelegte und von Kindern aus dem städtischen Hort Hintere Bleiweißstraße gesprochene App für Menschen mit einer Sehbehinderung geben. Ergänzend ist es ab Mitte Juli 2022 möglich, über YouTube unter http://go.nuernberg.de/b74394f7 eine Playlist mit elf Videos für Menschen mit einer Hörbehinderung aufzurufen. Mittels Avataren sind hier alle Stationen und die UN-Kinderrechtskonvention in Gebärden erklärt.

Für alle Bemühungen rund um die 10. Station hat die Nürnberger Kinderkommission bereits im Oktober 2021 den „Mittelfränkischen Inklusionspreis“ erhalten. Der finanzielle Rahmen des Projekts beläuft sich auf rund 140.000 Euro, der komplett mit Spenden und Stiftungen gedeckt werden konnte. Ein besonderer Dank gilt hier der Zukunftsstiftung der Sparkasse, welche durch ihre Unterstützung den Regenbogenpavillon inkl. des Regenbogenwegs ermöglicht hat. Weitere Zuwendungen wurden von der WBG und der Firma Lebkuchen Schmidt zur Verfügung gestellt, was dem Gesamtprojekt und dem Umbau der Straße der Kinderrechte für den Einsatz der App für Menschen mit einer Sehbehinderung zum Erfolg verhalf.

Wie bei den vergangenen Stationen auch wurde das gesamte Projekt durch das Jugendamt Nürnberg koordiniert und fachlich vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum begleitet und über Amtshilfe unterstützt. Aufgrund des Ansatzes der „Inklusion“ waren auch viele weitere Partner wie z. B. das Berufsförderungswerk Veitshöchheim, der Behindertenrat der Stadt Nürnberg, der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e.V., die bayerische Architektenkammer für barrierefreies Bauen und viele mehr in den gesamten Prozess eingebunden.

Als die Idee zur Straße der Kinderrechte im Jahr 2005 entstanden ist, konnte niemand erahnen, welchen Prozess diese Vision einschlagen und durchlaufen würde. Dass die Straße der Kinderrechte heute in der Bundesrepublik und über die Bundesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt wird, ist neben den Ideengeber/-innen der Verdienst vieler Kinder, Erwachsener, Förderer/-innen und Unterstützer/-innen. Sie alle haben durch ihr Wirken auf unterschiedlichen Ebenen (ideenreich, kreativ, künstlerisch, finanziell, fachlich etc.) eine gemeinsame Haltung gezeigt. Sie waren und sind davon überzeugt, dass Kinder Träger eigener Rechte sind und dass man diese Tatsache in die Welt tragen und an wichtigen Orten in einer Stadt sichtbar verankern muss.

4. Das Beteiligungsatelier

Angebote der Qualifizierung von Fachkräften sind für die Weiterentwicklung der Beteiligung in der Jugendhilfe von großer Bedeutung. Daher werden regelmäßig im Bildungsprogramm für soziale Berufe und Kindertageseinrichtungen des Referats für Jugend, Familie und Soziales, Fachstelle PEF:SB, die Schulungen „Was bedeuten Kinderrechte im Arbeitsalltag“ oder „Mitmachen, mitplanen. Dabei sein! Wie Beteiligung gelingt“ angeboten.

Außerdem konnten 2018 acht Mitarbeitende des Jugendamts eine Fortbildung zu Prozessmoderator/-innen abschließen. Gemeinsam mit den Städten Mannheim und Ludwigsburg und unter der Federführung der Landeshauptstadt München wurde im Jahr 2016 ein Curriculum für eine städteübergreifende Qualifizierung für Prozessmoderatoren/-innen im Bereich der Kinder- und Jugendbeteiligung entwickelt. Die Ausbildung wurde vom Deutschen Kinderhilfswerk abschließend zertifiziert. Diese Fortbildung war sehr erfolgreich, kann aber aufgrund des erhöhten Ressourceneinsatzes (100 Theoriestunden zzgl. Praxisanteil) nicht in die Breite gebracht werden. Auf Grundlage der ab 2016 gesammelten Erfahrungen wurde daher das Kurzzeitkonzept „Das Beteiligungsatelier“ für die kompetente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen entwickelt. Die Fortbildung beinhaltet zwei Theorietage, einen Praxisanteil sowie einen Reflexionstag. Ziel ist es, dass sowohl theoretisches als auch methodisches und projektbezogenes Wissen über das große Feld der „Partizipation“ kompakt vermittelt wird, praktisch ausprobiert werden kann und im Anschluss gemeinsam reflektiert wird. Der gesamte Prozess sowie die Praxisphase wird von den beiden Referenten/-innen fachlich begleitet. Der ursprünglich geplante Start im Jahr 2020 musste aufgrund der Pandemie nach 2021 verschoben werden. Insgesamt neun Kolleginnen von städtischen und freien Trägern durchliefen in 2021/ 2022 erstmals diese Kurzzeitfortbildung und haben sich mit einer praktischen Projektidee angemeldet. Neun Projekte wurden in der Praxis erprobt, verschriftlicht und ausgewertet. Die bisherigen Rückmeldungen sind sehr positiv, sodass ein zweiter Durchlauf für 2022/2023 geplant ist.

5. Weltkindertag 2020 und 2021

Um ein weltweites Zeichen für die Kinderrechte zu setzen, wird der Weltkindertag jährlich im September gefeiert. Seit 1989 beteiligt sich auch Nürnberg an dieser wichtigen, symbolischen Aktion. In der Regel gibt es zu diesem Anlass ein großes Fest und viele Mitmachstationen auf dem Nürnberger Jakobsplatz. Die Veranstaltung findet jeweils unter einem Motto statt, das für den Weltkindertag gemeinsam von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk herausgegeben wird. Ziel der Familienveranstaltung ist es, auch hier auf die Rechte und Bedürfnisse von Kindern aufmerksam zu machen. Aufgrund der Pandemie wurde für 2020 und 2021 jeweils ein neues Programm zur Feier des Weltkindertages entwickelt.

Im Jahr 2020 wurden unter dem Motto „Kinderrechte gestalten Zukunft“ viele Online-Angebote zum Mitmachen, sich mit den Kinderrechten beschäftigen und selbst aktiv werden bereitgestellt. Zu finden waren z. B. thematisch gestaltete Mal- und Bastelvorlagen, Lieder, Koch- und Wellnessrezepte, Filme, Lesestoff und auch eine Videobotschaft des Nürnberger Oberbürgermeisters

Marcus König. Tim, das beliebte Nürnberger Kinderrechtemaskottchen, hatte ihn und Mitglieder der Nürnberger Kinderkommission zu den Kinderrechten und dem Weltkindertag interviewt. Kinder und Jugendliche konnten sich zudem am Mal-Foto-Bau-Bastel-Schreib-Wettbewerb beteiligen. Per Brief, gemaltem Bild, Foto, einer Bastelarbeit oder abfotografiertem Bauwerk – eine Skulptur etwa aus Bausteinen, Spielfiguren oder Naturmaterialien – konnten junge Menschen bis zu 18 Jahren ihre Eindrücke, Ideen und Vorstellungen zum Weltkindertag oder zu den Kinderrechten gestalten und einsenden. Alle Teilnehmenden erhielten ein kleines Dankeschön. Unter allen Einsendungen wurden außerdem 60 Preise per Zufallsprinzip ausgelost und versendet.

2021 war das Jahresmotto „Kinderrechte jetzt!“. Um auch dieses Motto mit Leben zu füllen, wurden im Stadtgebiet 1500 Aktionstüten an Kinder verteilt. Sie beinhalteten eine Laufarmbanduhr mit Schritt- und Distanzzähler und waren im Sinne der Kinderrechte auf Spiel, Freizeit und Information prall gefüllt mit allerlei Spiel-, Bastel- und Infomaterial zu den Kinderrechten. Die Laufbanduhr war heiß begehrt und wurde gerne direkt für die Teilnahme am Weltkindertagslauf genutzt. Über 400 Jungen und Mädchen meldeten sich an, um ihr Recht auf Gesundheit bewegungsreich und mit viel Spaß wahrzunehmen. Mehr als 50 Kinder freuten sich über einen kleinen Gewinn, nachdem per Zufall ihre Startnummer ausgewählt wurde. Da die Aktionstüten schnell vergeben waren, stellte die Kinderkommission Nürnberg kurzerhand zusätzliche 600 Laufarmbanduhren für die Ausgabe an Kindertagesstätten, sozialen Einrichtungen, Vereinsgruppen oder Schulklassen zur Verfügung. Viele von ihnen nahmen sie zum Anlass, um eigene Laufdisziplinen und bewegungsreiche Wettbewerbe zu gestalten. Eine besondere Überraschung waren auch die Pop-Up-Kinderkonzerte und Jonglagevorführungen. Die neun Spielplätze für die Pop-Up-Überraschungen konnten vorher zwar nicht explizit bekannt gegeben werden, dennoch blieb die geheime Mission nicht unentdeckt. Mehr als 800 große und kleine Gäste wurden z. B. in der Rosenau, im Stadtpark, im Cramer-Klett-Park oder auf dem Herschelplatz entweder von Eichi und dem Spaßkoffer mit Jonglagevorführungen verzaubert oder tanzten und hüpften, zusammen mit Tim dem Kinderrechtemaskottchen, zu den Liedern von Kizz Rock mit.

Der Weltkindertag wird vom Jugendamt, in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Kinderkommission und zahlreichen freien Trägern und Institutionen, thematisch vorbreitet und angeboten. So waren zum Beispiel am Weltkindertag 2021 außerdem beteiligt: AOK Bayern - Direktion Mittelfranken, Nürnberg, AWO Nürnberg Elternbildungsprogramme, BSJ im BLSV Bayerischer Landes- und Sportverband Nürnberg, Deutscher Kinderschutzbund KV Nürnberg e.V., Fränkischer Albverein Nürnberg e.V., Lebenshilfe Nürnberg e.V., NEV Nürnberger Elternverband e.V., N-ER- GIE, Stadt Nürnberg Bündnis für Familie, Stadt Nürnberg Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt Nürnberg, UNICEF Arbeitsgruppe Nürnberg, Verein für Menschen mit Körperbehinderung e.V.

Das Jugendamt, die Kinderkommission und alle Kooperationspartner planen, dass das diesjährige Motto des Weltkindertages „Gemeinsam für Kinderrechte“ wieder mit einer großen Veranstaltung auf dem Jakobsplatz im September 2022 angeboten wird.

Ausblick: Jubiläum der Kinderkommission 2023

Im Mai 1993 wurde die Kinderkommission per Beschluss beauftragt, die Rechte der Kinder in der Stadtgesellschaft bekannt zu machen und sich mit geeigneten Maßnahmen und Formaten für die Beteiligung der Kinder einzusetzen. Drei Jahrzehnte, mehr als 150 Sitzungen und viele Aktionen sowie rund 160 Kinderversammlungen hat die Kommission seit der Beschlusserteilung durchlaufen. Ein Jahr nach dem 30. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention (05.04.1992) steht somit auch das Jubiläum der Kinderkommission Nürnberg an.

Im Jubiläumsjahr 2023 möchte die Nürnberger Kommission mit ganz unterschiedlichen Angeboten für Kinder und Familien sowie politische Mandatsträger und Fachkräfte auf diesen Geburtstag aufmerksam machen.

Zum Beispiel wird es im Mai 2023 ein Fachgespräch zum Thema „Kinderrechte in Deutschland: viel erreicht und viel zu tun“ geben. Der Soziologe und Pädagoge Jörg Maywald, u. a. Honorarprofessor für Kinderrechte und Kinderschutz an der Fachhochschule Potsdam, wird als Referent für einen Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion zur Verfügung stehen. Aber natürlich sollen auch die Kinder im Jubiläumsjahr mitfeiern können. So ist u. a. ein Kinderfest für Klein und Groß im historischen Rathaussaal für den Herbst 2023 vorgesehen.

Über die Seite www.kinderkommission.nuernberg.de und weitere Kanäle wie Presse, Flyer, Schreiben wird die Kinderkommission auf diese und weitere Angebote zum Jubiläumsjahr aufmerksam machen und Einladungen für „Klein“ und „Groß“ formulieren.

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