Beilage 5.1
Sitzung des gemeinsamen Schul- und Jugendhilfeausschusses vom 30.06.2022
Sachverhalt (Kurzfassung)
Kinderkommission Nürnberg: Angebote der Jahre 2020 und 2021
Am 5. April 1992 hat die Bundesregierung die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Ein Jahr später wurde die Nürnberger Kinderkommission per Beschluss des Jugendhilfeausschusses autorisiert, sich für die Kinderrechte, deren Achtung und Umsetzung einzusetzen. Der Auftrag der Kinderkommission ist vielschichtig, zeitintensiv, fachlich komplex und damals wie heute stets aktuell. Mit ungebrochenem Engagement wird das Wohl der Kinder im Blick behalten, die breite Öffentlichkeit über die Rechte der Kinder informiert, für Beteiligung der Kinder und deren berechtigten Interessen eingestanden. Öffentlichkeitswirksame Projekte, Publikationen, Beratungs- und Serviceangebote, Vernetzungsarbeit und Fortbildungsangebote für Multiplikatoren/-innen sowie Veranstaltungen wie der Weltkindertag sind auch heute, 30 Jahre nach der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention, weiterhin wichtige Aufgaben. Dem ehrenamtlichen Gremium der Kinderkommission steht hierbei zur Umsetzung des komplexen Arbeitsauftrags eine Vollzeitstelle im Arbeitsfeld Präventive Kinder- und Jugendhilfe, Geschäftsführung Kinderkommission/Beteiligung von Kindern in der Verwaltung des Jugendamtes zur Seite.
Nach wie vor sind die Rechte der Kinder nicht durchweg bekannt. Hier gilt es, qualifizierte Informationen und Angebote sowohl für Kinder als auch für Multiplikatoren/-innen und Eltern zur Verfügung zu stellen. Es bedarf der Aufklärungsarbeit, dass die UN-Kinderrechtskonvention ein einfaches Bundesgesetz mit einer Umsetzungsverpflichtung ist.
Durch unterschiedliche Formate setzt sich die Kinderkommission insbesondere für die Beteiligung von jungen Menschen ein. Der gesetzliche Auftrag zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ergibt sich nicht nur aus der UN-Kinderrechtskonvention, sondern ist auch im SGB VIII fest verankert. Beteiligung wird auch im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) nochmals deutlich hervorgehoben. Das KJSG setzt den Fokus stärker als bisher auf die Beteiligung junger Menschen und deren Selbstbestimmungsmöglichkeiten. Auch der Orientierungsrahmen des Referates für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg formuliert eine deutliche Vorgabe zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Leitlinie 3: Rechte von Kindern und Jugendlichen durchsetzen.
Im Orientierungsrahmen zu den zehn strategischen Leitlinien ist unter anderem zu lesen:
„
gelegenheiten beteiligt sein und in der Stadtgesellschaft und Kommunalpolitik mitwirken.“1 Somit ist es selbstverständlich, dass Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der gesamten Jugendhilfe ein zentrales Grundprinzip ist. So gibt es neben den Angeboten der Kinderkommission Beteiligung in allen Bereichen, wie z. B. über das Partizipationsprojekt „laut!“, über die Jugendverbandsarbeit des Kreisjugendringes Nürnberg-Stadt, in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, in Kindertageseinrichtungen, im Bereich Hilfen zur Erziehung sowie im Rahmen der Nutzerbeteiligungen von Kindern und Jugendlichen und bei der Planung von Spiel- und Aktionsflächen.
Die Corona-Pandemie hatte zahlreiche Auswirkungen und Einschränkungen auf das öffentliche Leben und auf Maßnahmen und Angebote für Kinder und Jugendliche zur Folge. Die Kinderkommission und die Verwaltung des Jugendamtes haben dennoch, soweit organisatorisch und bezüglich der jeweils gültigen Vorschriften möglich, attraktive Angebote während der Pandemie für junge Menschen vorgehalten.
1 Orientierungsrahmen abrufbar unter Orientierungsrahmen 2016 (nuernberg.de)
Besonders zu erwähnen sind hierbei folgende Maßnahmen:
Im Jahr 2020 konnte kurzfristig eine neue Beteiligungsmöglichkeit zur klassischen Kinderversammlung entwickelt werden. Durch die bedarfsgerechte Abwandlung der „Post für Dich“ wurden in fünf Bürgerversammlungsbereichen 6.400 Schüler/-innen per Schreiben zum Mitmachen eingeladen. Kinder bis 14 Jahre hatten die Möglichkeit, sich u. a. telefonisch, per E-Mail oder per Brief zu beteiligen und ihre Anliegen zu ihrem Stadtteil mitzuteilen. Insgesamt haben daraufhin 246 Briefe und 67 Anträge die Kinderkommission erreicht. Alle Anträge wurden zur Bearbeitung und zur Beantwortung an die zuständigen Dienststellen weitergeleitet. Von den 67 Anträgen wurden insgesamt 28 Anträge positiv bearbeitet. Für 22 Anträge wurde eine Kompromisslösung gefunden und 17 Anträge mussten mit Erklärung leider abgelehnt werden.
Im Sommer 2021 wurden die Nürnberger Kinder zu der Fragebogenaktion „Meine Stadt, Deine Stadt, Unsere Stadt!“ eingeladen. Über dieses stadtweite Angebot erhielten die Kinder die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mitzuteilen. Was haben sie seit Ausbruch der Pandemie als „anstrengend“, aber auch als „unterstützend“ erlebt? Wie empfinden sie ihre Stadt? Was ist schon richtig gut und was könnte noch besser sein? Zur Aufbereitung der eingesendeten 400 Briefe und 150 Bilder wurde eine Wanderausstellung inklusive Begleitbroschüre entwickelt. Durch dieses Format wird sichergestellt, dass die Sichtweisen der Kinder eine breite Öffentlichkeit erreichen.
Die Kinderkommission Nürnberg engagiert sich für die Stärkung der Kinderrechte und gestaltet daher unter anderem die Straße der Kinderrechte gemeinsam mit jungen Menschen in der Stadt. Seit 2018 plant die Kinderkommission mit Kindern aus der Tagesstätte der Jakob-Muth-Schule der Lebenshilfe e.V., den regionalen Kunstschaffenden Ursula Rössner, Jürgen Eckart und Eva Mandok, einer Landschaftsarchitektin sowie unterschiedlichen Dienststellen die 10. Station. Diese wird den Artikel 23 „Förderung behinderter Kinder“ abbilden. Aufgrund der pandemischen Lage kam es zwar zu zeitlichen Verzögerungen bei einzelnen Projektschritten, die Entwicklung der 10. Station an der Straße der Kinderrechte ist aber erfolgreich gelungen. Die Station wird im Juli 2022 durch Herrn Oberbürgermeister Marcus König der Öffentlichkeit übergeben werden.
Beteiligung und Partizipation ist eine Aufgabe aller Fachkräfte der Jugendhilfe. Damit dies gelingen kann sind Angebote der Qualifizierung von großer Bedeutung. Diese werden regelmäßig im Bildungsprogramm für soziale Berufe und Kindertageseinrichtungen des Referats für Jugend, Familie und Soziales, Fachstelle PEF:SB in Kooperation mit der Geschäftsführung der Kinderkommission angeboten. Um das bestehende Angebot noch bedarfsgerecht zu erweitern, wurde das Kurzzeitkonzept „Das Beteiligungsatelier“ für die kompetente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen entwickelt. Die mehrtägige Fortbildung hat zum Ziel, dass theoretisches, methodisches und projektbezogenes Wissen über das große Feld der „Partizipation“ kompakt vermittelt, ausprobiert und reflektiert wird. 2021 konnte diese neue Veranstaltung erfolgreich an den Start gehen. Aufgrund der positiven Rückmeldungen ist ein zweiter Durchlauf für 2022/2023 geplant.
Seit 1989 wird der Weltkindertag in Nürnberg, unter der Federführung des Jugendamts der Stadt Nürnberg und in Zusammenarbeit mit der Kinderkommission und zahlreichen Kooperationspartnern begangen. Er hat sich zu einem großen Familienfest entwickelt, das jährlich von mehreren tausend Kindern und Erwachsenen besucht wird. Besonderes Augenmerk hat die vielfältige und spielerische Vermittlung der Kinderrechte. Aufgrund der Pandemie wurde für 2020 und 2021 jeweils ein neues Format zur Feier des Weltkindertages entwickelt. Im Jahr 2020 wurden unter dem Motto „Kinderrechte ge-
stalten Zukunft“ viele Online-Angebote zu den Kinderechten zum Mitmachen bereitgestellt. 2021 war das Jahresmotto „Kinderrechte jetzt!“. Hier gab es 1500 Aktionstüten, einen Weltkindertagslauf, Pop-Up-Kinderkonzerte und Jonglagevorführungen.
Im beiliegenden Bericht wird ausführlich über diese und weitere Angebote der Nürnberger Kinderkommission in den Jahren 2020 und 2021 informiert.