Beilage 4.2
Sitzung des gemeinsamen Schul- und Jugendhilfeausschusses vom 30.06.2022
Sachverhalt
Die familienfreundliche Schule
Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in Nürnberg
Anspruch und gesellschaftspolitischer Auftrag
Bildungs- und Teilhabechancen sollen allen Kindern, unabhängig ihrer sozialen und kulturellen Herkunft gleichermaßen offenstehen. Eltern, Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte und alle anderen am Bildungsprozess Beteiligte haben eine gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung der Kinder. Alle Kinder sollen die bestmögliche Bildung und Förderung ihrer Begabungen erhalten und dadurch zur gesellschaftlichen Teilhabe befähigt werden. Eine erfolgreiche Erziehungs- und Bildungsarbeit von Familie, Schule, Jugendhilfe und weiteren Kooperationspartnern kann dazu beitragen. Mit dem Programm „Die familienfreundliche Schule – Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in Nürnberg“ setzt sich die Stadt Nürnberg seit vielen Jahren für gerechte Bildungs- und Teilhabechancen von Schulkindern ein.
Grundlegende Informationen
Anfang und Verstetigung
Entstanden ist das Programm „Die familienfreundliche Schule – Erziehungs- und Bildungspartnerschaft“ bereits 2004 als Modellprojekt: „Neue Wege zur Erziehungs- und Bildungspartnerschaft: Die familienfreundliche Schule“ (01.10.2004 – 30.09.2007) im Bündnis für Familie der Stadt Nürnberg. Die Finanzierung erfolgte durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (heute: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales). Im Anschluss verstetigte die Stadt Nürnberg das Projekt. Die Koordinationsstelle familienfreundliche Schule (39 WAS) bildet die Zentrale und ist im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt der Stadt Nürnberg angesiedelt. Die Koordinationsstelle leitet das Programm in enger Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg und dem Nürnberger Elternverband (NEV).
Grundlagen des Programms
Als Handreichung und Arbeitshilfe steht den Mitgliedsschulen das Handbuch familienfreundliche Schule digital zur Verfügung und wird bei Bedarf durch die Koordinationsstelle aktualisiert. Mit den umfassenden Erläuterungen der zentralen Inhalte, der jeweils aktuellen Fassung des Angebotskatalogs und allen Formularen wie Frage- und Statistikbogen, bildet es die Basis allen schulischen Engagements als familienfreundliche Schule. Gegliedert ist es in drei Teile: 1. Informationen rund um das Programm 2. den Angebotskatalog des aktuellen Schuljahres 3. Formulare zur Evaluation; Dokumentation und Rückmeldung. Das Handbuch kann auf der Homepage: www.familienfreundliche-schule.nuernberg.de eingesehen werden. Wesentliche Punkte werden im Folgenden gekürzt vorgestellt.
Präambel
(vgl. Handbuch S. 5.) Die Präambel mit Haus hängt als Plakat in den Mitgliedsschulen.
Qualitätsstandards
Fünf Qualitätsstandards (siehe Grafik) sind die Basis und bilden die Struktur für die Umsetzung einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft an der Schule. Sie wurden gemeinsam in einem Team, bestehend aus Vertreter/-innen des Staatlichen Schulamts, Schulleitungen und Lehrkräften aus den beteiligten Schularten der Mitgliedsschulen, vom Nürnberger Elternverband (NEV), der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) und der Koordinationsstelle familienfreundliche Schule entwickelt:
1. Familienfreundlicher Lebensraum
Die Schule zeichnet sich durch eine Willkommenskultur und eine gewaltfreie Atmosphäre aus. Alle Beteiligten engagieren sich für die Gestaltung eines Miteinander und Füreinander in Respekt und gegenseitiger Wertschätzung aller Kulturen im Lern-, Lebens- und Erfahrungsraum Schule. Jeder Mensch ist in seiner Individualität willkommen. Die Schulgemeinschaft ist bei der Gestaltung des Lebensraums Schule eingebunden. Den Eltern werden Möglichkeiten der Beteiligung und Mitwirkung eröffnet.
2. Öffnung der Schule – Kooperation und Vernetzung
Die Schule ist nach innen und außen für Kooperation und Vernetzung geöffnet. Die Beteiligten gestalten Vernetzung und Kooperation in einem gemeinsamen Prozess. Die Eltern wirken aktiv mit. Dies geschieht in einem partnerschaftlichen Miteinander der Schulgemeinschaft. Die Schule öffnet sich dem Gemeinwesen. Sie arbeitet mit den im Stadtteil vertretenen Institutionen und Gruppen konstruktiv zusammen. Kooperationseinrichtungen werden als außerschulische Erfahrungsräume und Lernorte in den Bildungs- und Erziehungsprozess aller Beteiligten einbezogen. Das vernetzte Arbeiten bündelt die Angebote vor Ort und erschließt sie allen. Elternbildungsund Elternberatungsangebote im Netzwerk unterstützen den Aufbau der Elternbildung und Erziehungspartnerschaft. Die Mitgliedsschulen vernetzen sich untereinander.
3. Beteiligung und Mitwirkung der Eltern
Die Schule arbeitet mit den Eltern vertrauensvoll und konstruktiv zusammen. Sie sieht diese Zusammenarbeit als Voraussetzung für eine erfolgreiche Erziehung und Bildung der Kinder. Grundlage des Zusammenwirkens ist eine wertschätzende, offene und partnerschaftliche Kommunikation. Eltern werden über Mitbestimmungsmöglichkeiten und schulische Abläufe informiert. Eltern und Elternbeiräte bringen sich aktiv in das Schulgeschehen ein. Ihre Teilhabe und Beteiligung wird seitens der Schule gefördert und unterstützt. Die Beteiligten identifizieren sich mit ihrer Schule. Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Eltern werden berücksichtigt, ihre Ressourcen einbezogen und ihr Expertenwissen genutzt. Die rechtlichen Grundlagen werden von allen respektiert.
4. Familienbildung: Fortbildung und Qualifizierung für alle Eltern
Die Schule ist Lernort für Kinder und Erwachsene. Die elterlichen Erziehungs- und Bildungskompetenzen werden gestärkt und weiterentwickelt. Die Familienbildungs-veranstaltungen sind auch für Lehrer/-innen, pädagogische Mitarbeiter/-innen, Ehrenamtliche und auch für Mitarbeiter/-innen kooperierender Einrichtungen offen. Die Schule bietet bedarfsgerechte Angebote zu erziehungs- und bildungsrelevanten Themen an, durch die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden. Die Anliegen und Bedürfnisse der Eltern werden einbezogen. Die Veranstaltungen werden evaluiert und sind im Allgemeinen für die Eltern kostenfrei.
- Lehrerfortbildung und Qualifizierung für alle an Erziehung und Unterricht Beteiligten Die an der Schule tätigen Fachkräfte sowie Ehrenamtliche und Kooperationspartner bilden sich für die Umsetzung der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft fort und erweitern u.a. ihre Methoden- und Handlungskompetenz in der Elternarbeit. Sie haben den Fortbildungskatalog der familienfreundlichen Schule im Blick. Darüber hinaus können die Mitgliedsschulen weitere Fortbildungen für die Umsetzung der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft eigenverantwortlich durchführen. (vgl. Handbuch S. 6 ff.)
Vernetzung, Struktur und Gremien
Für eine gelingende Zusammenarbeit wurden verschiedene Gremien gegründet, die jeweils spezifische Aufgaben haben und miteinander gut vernetzt und im Austausch sind.
(vgl. Handbuch S. 18.)
Zusammen mit der Koordinationsstelle obliegt dem Kooperationsteam (Vertreter/-innen des Staatlichen Schulamts) die Steuerung des Programms, während im Fachteam der fachliche Austausch im Mittelpunkt steht. Durch die Zusammensetzung mit Vertreter/-innen von Schule, Elternvertretung und Jugendhilfe können unterschiedliche Perspektiven einfließen. Das multiprofessionelle Team greift zudem virulente Themen (wie zuletzt die Pandemie und den Krieg in der Ukraine) auf. Regelmäßig stattfindende Runde Tische fördern den Austausch unter den Schulen und geben Informationen zu aktuellen Themen.
Kriterien der Mitgliedschaft
Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Bedingung ist die Erfüllung der fünf Qualitätsstandards (s.o.) über einen Zeitraum von zwei Jahren. Zum Nachweis erstellen die Mitgliedsschulen eine schulspezifische Dokumentation, in der sie beschreiben, wie sie Erziehungs- und Bildungspartnerschaft umsetzen. Dies trägt wesentlich zur Qualitätssicherung bei. Darüber hinaus gibt es an jeder Schule ein Team, das gemeinsam mit der Schulleitung die Umsetzung der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft gestaltet, Kontakt zur Koordinationsstelle hält und für den Informationsfluss innerhalb der Schule zuständig ist. Hierzu gehört auch die Auswahl, Buchung und Evaluation von Veranstaltungen aus dem Angebotskatalog familienfreundliche Schule (s. u.). Die Gesamtverantwortung für die Umsetzung des Programms liegt bei der jeweiligen Schulleitung.
Mitgliedsschulen
Das Programm „Die familienfreundliche Schule“ richtet sich an Grund, Mittel- und Förderschulen. Es können sich bis zu 30 Schulen beteiligen. Im Schuljahr 2021/22 sind 30 Mitgliedsschulen im Verbund. Davon 19 Grundschulen, sieben Mittelschulen, eine Grund- und Mittelschule und drei Förderzentren. Die Warteliste umfasst aktuell neun Schulen. Aktuelle Liste der Mitgliedsschulen nach Zugehörigkeitsdauer:
| 1 | Birkenwald-Schule, Grundschule, Herriedener Straße 25 |
|---|---|
| 2 | Reutersbrunnenschule, Grundschule, Reutersbrunnenstr. 12 |
| 3 | Sonderpädagogisches Förderzentrum Nürnberg An der Bären- schanze, Sielstr.15, Dependance Knauerstr. 20 |
| 4 | Grundschule Paniersplatz, Paniersplatz 37 |
| 5 | Konrad-Groß-Grundschule u. Konrad-Groß-Mittelschule, Oedenberger Str. 135 |
| 6 | Mittelschule Neptunweg, Neptunweg 19 |
| 7 | Grundschule Bismarckstraße, Bismarckstr. 20 |
| 8 | Michael-Ende-Schule, Grundschule, Michael-Ende-Str. 20 |
| 9 | Dr.-Theo-Schöller-Grundschule, Schnieglinger Str. 38 |
| 10 | Grundschule Insel Schütt, Hintere Insel Schütt 5 |
| 11 | Georg-Paul-Amberger-Schule, Grundschule, Ambergerstr. 25 |
| 12 | Friedrich-Wilhelm-Herschel-Grundschule, Herschelplatz 1 |
| 13 | Friedrich-Wilhelm-Herschel-Mittelschule, Herschelplatz 1 |
| 14 | Mittelschule Bismarckstraße, Bismarckstr. 20 |
| 15 | Sperberschule, Mittelschule, Sperberstr. 85 |
| 16 | Sperberschule, Grundschule, Sperberstr. 85 |
| 17 | Mittelschule St. Leonhard, Schweinauer Str. 20 |
| 18 | Johann-Daniel-Preißler-Mittelschule, Preißlerstr. 6 |
| 19 | Knauerschule, Grundschule, Knauerstr. 20 |
| 20 | Henry-Dunant-Schule, Grundschule, Dunantstr. 10 |
| 21 | Bartholomäusschule, Grundschule, Bartholomäusstr. 16 |
| 22 | Wahlerschule, Grundschule, Holsteiner Str. 2a |
| 23 | Friedrich-Wanderer-Schule, Grundschule, Wandererstr. 170 |
| 24 | Holzgartenschule, Grundschule, Holzgartenstr. 14 |
| 25 | Carl-von-Ossietzky-Grundschule, Ossietzkystr. 2 |
| 26 | Friedrich-Hegel-Schule, Grundschule, Neue Hegelstr. 17 |
| 27 | Paul-Moor-Schule, Sonderpädagogisches Förderzentrum, Schaf- hofstr. 27 |
| 28 | Carl-von-Ossietzky-Mittelschule, Ossietzkystr. 2 |
| 29 | Gretel-Bergmann-Schule, Bertolt-Brecht-Str. 35, Außenstelle: Zugspitzstraße 123 |
| 30 | Schule am Westpark, Förderzentrum Förderschwerpunkt Sprache, Bertha-von-Suttner-Str. 29 |
Schule als Ausgangspunkt
Das Programm „Die familienfreundliche Schule“ setzt direkt an der Schule an, weil Schule ein wesentlicher Bildungsort und ein entscheidender Sozialisationsfaktor ist. Durch die geltende Schulpflicht sind alle Kinder dort „zu finden“. Im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) wird ausdrücklich auf den Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule verwiesen. In Kooperation mit Jugendhilfeangeboten sollen Familien in ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag unterstützt und ins schulische Geschehen eingebunden werden. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Kind. Schule als ein Ort, an dem Eltern/Erziehungsberechtigte Unterstützung finden, um wiederum ihre Kinder bestmöglich begleiten zu können.
Adressaten
Das Programm „Die familienfreundliche Schule“ bezieht alle Adressatengruppen ein, die für Erziehung und Bildung relevant sind. Das sind: Eltern, Erziehungsberechtigte, Familien der Schüler/-innen; Lehrer/-innen und Schulleitungen; Mitarbeiter/-innen der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS); Mitarbeiter/-
innen der Ganztags- und Mittagsbetreuung; Pädagogische Mitarbeiter/-innen kooperierender Einrichtungen (Familienzentren, Kindergärten, Horte, Freizeiteinrichtungen…), sowie Ehrenamtliche, z.B. NEST-Elternlotsen für schulische Bildung. Die Zielgruppe ist also die gesamte Schulgemeinschaft.
Angebotskatalog
Exklusiv für die Mitgliedsschulen stellt die Koordinationsstelle mittels des „Angebotskatalogs Die familienfreundliche Schule“ ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm zur Verfügung, das der Umsetzung der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft dient. Der Angebotskatalog ist gewissermaßen das Herzstück des Programms. Die Mitgliedsschulen erhalten jeweils am Ende eines Schuljahres den für das kommende Schuljahr gültigen Angebotskatalog. Aus diesem wählen die Mitgliedsschulen für sie relevante Familienbildungsangebote, Fortbildungen, Projekte, etc. aus. Der Angebotskatalog des Schuljahres 2021/22 umfasst aktuell 103 Veranstaltungen für Eltern, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Ehrenamtliche sowie Schülerinnen und Schüler. Die Fortbildungen sind für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte anerkannt und kostenfrei. Insbesondere für die Eltern/ Familien ist es wichtig, dass die Veranstaltungen kostenfrei sind, denn der finanzielle Hintergrund darf und soll kein Hinderungsgrund sein. Zur Qualitätssicherung werden die Veranstaltungen evaluiert. Hierzu gibt es im Handbuch entsprechende Auswertungsbögen. Dient die qualitative Evaluation mittels der Fragebögen der Qualitätssicherung, so gibt uns die quantitative Evaluation Hinweise auf favorisierte Veranstaltungen, wichtige Thematiken und die Akzeptanz verschiedener Formate (Präsenz, Online). Neben vielen städtischen Einrichtungen (Bildungszentrum, Jugendamt (hier insbesondere die Jugendsozialarbeit an Schulen und die Stadtteilkoordination), Menschenrechtsbüro, Sozialamt, Stadtbibliothek, Institut für Pädagogik und Schulpsychologie…) unterstützen uns Kooperationspartner wie Kinderschutzbund, Polizeiberatung, Staatliche Schulberatung, Fränkisches Bildungswerk für Friedensarbeit, Vereine u.a. meist schon viele Jahre. Die Themenvielfalt im Angebotskatalog ist groß und steht immer in Zusammenhang mit den Themen Erziehung und Bildung. An dieser Stelle eine kleine Auswahl: Aus dem Bereich für Fortbildungen für Fachkräfte: „Resilienz“; „Schule trägt: Profi(le) der Betroffenheit im Kontext der Pandemie; „Handlungsmöglichkeiten bei Mobbing“; „Gewaltfreie Kommunikation“; „Leicht verständliche Sprache“; „Einblicke in die Schulsysteme anderer Länder“; „Interkulturelle Elternarbeit“; „Helikopter-Eltern“; „Häusliche Gewalt und Kinder“. Aus dem Familienbildungsbereich: „Wie kann Erziehung unsere Kinder stark machen?“; „Verstehen was unsere Kinder digital spielen“; „Stressbewältigung für Eltern“; „Rituale in der Familie“; „Sicher im Netz“; „Leseförderung in der Familie“; „So können Sie Energiekosten sparen“. Aus dem Bereich Schüler/-innen und Eltern: „Stadtteilrundgang“; „Entspannung und Körperwahrnehmung“; „Eltern-Kind-Kochkurs“. Aus dem Bereich Projekte für Schüler/-innen, Eltern und Lehrkräfte: „Bewegt und entspannt in der Schule“; „Auf die Spiele fertig los“; „Achtung Grenze“. Aus dem Online-Bereich: „Virtueller Elterntreff – Wir für Familien, verschiedene aktuelle Themen“. Darüber hinaus können Mitgliedsschulen weitere im Kontext der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft stehende spezifische Angebotswünsche und Bedarfe bei der Koordinationsstelle anfragen. Hinzu kommen Veranstaltungen, die aus aktuellem Anlass (z.B. Pandemie) zusätzlich angeboten werden.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden, aber auch die quantitative Entwicklung zeigen, wie wichtig und wertvoll der Angebotskatalog für die Mitgliedsschulen ist. Eltern und Lehrkräfte erhalten Unterstützung bei vielfältigen Fragestellungen und können sich gerade bei Veranstaltungen, die sich sowohl an Eltern als auch an Fachkräfte wenden, auf Augenhöhe begegnen und austauschen. Eltern erweitern ihre Kompetenzen im Bereich Erziehung und Bildung und können so ihre Kinder besser unterstützen. Die Mitgliedsschulen öffnen sich auf diese Weise als Bildungseinrichtung auch für Eltern und Schule wird Lernort für Kinder und Erwachsene, wird zu einem Haus des Lernens. Diese Veranstaltungen können außerdem dazu beitragen, dass sich Eltern mit der Schule ihrer Kinder identifizieren und tragen so auch zu einem positiven Schulklima bei. Die Veranstaltungen haben sich als geeignetes Mittel auf dem Weg zu einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft erwiesen.
Aufgaben der Koordinationsstelle
Der Koordinationsstelle obliegt die Gesamtkoordination des Programms. Hierbei arbeitet sie mit dem Staatlichen Schulamt, der öffentlichen Jugendhilfe und dem Nürnberger Elternverband eng zusammen. Die Koordinationsstelle unterstützt und begleitet die Mitgliedsschulen hinsichtlich einer familienfreundlichen Ausrichtung. Die Mitgliedsschulen erhalten sowohl bei der Konzipierung als auch bei der Umsetzung ihrer familienfreundlichen Ausrichtung eine individuell auf die Schule zugeschnittene und prozessorientierte Unterstützung und Begleitung. Dies beinhaltet auch finanzielle Unterstützung, bzw. Sponsorenakquise für schulische Projekte. Die Koordinationsstelle ist für die Mitgliedsschulen die zentrale Anlaufstelle. Bei der Bereitstellung von Bildungsangeboten mittels des oben beschriebenen Angebotskatalogs ist die Koordinationsstelle für die inhaltliche Planung, die Akquise der Referentinnen und Referenten, die Zusammenarbeit mit Organisationen, die Evaluation und für die fortlaufende Aktualisierung zuständig. Die alle zwei Jahre erstellte schulspezifische Dokumentation der einzelnen Mitgliedsschulen wird von der Koordinationsstelle nach Erfüllung der Qualitätsstandards überprüft und in einer Gesamtdokumentation zusammengefasst. Die Gesamtdokumentation wird auf der Homepage www.familienfreundliche-schule.nuernberg.de veröffentlicht und steht allen zur Verfügung. So können gute Beispiele verbreitet werden. Die Mitgliedsschulen werden nach jeweils zwei Schuljahren (Ausfall während der Pandemie) bei einem kleinen Festakt für ihr gesellschaftlich wichtiges Engagement ausgezeichnet, indem ihnen vom Oberbürgermeister unterzeichnete Urkunden überreicht werden. Diese Anerkennungskultur ist für ein wertschätzendes Miteinander sehr wichtig.
(vgl. Handbuch S. 21.)
Stärken und Erfolgsfaktoren
Das Programm „Die familienfreundliche Schule – Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in Nürnberg“ ist seit vielen Jahren gut in der Jugendhilfe und Schullandschaft etabliert und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Von Anfang an war es uns wichtig, dass das Programm als Prozess angelegt ist, das heißt, das Bemühen um eine erfolgreiche Erziehungs- und Bildungspartnerschaft endet nicht.
Erfolgsfaktoren: Beständigkeit und Flexibilität
Das Programm agiert zwischen diesen beiden Polen.
Beständigkeit: Viele Abläufe sind mittlerweile standardisiert, wie das Prozedere rund um die Buchung von Veranstaltungen, Dokumentation und Qualitätssicherung. Die Treffen in den verschiedenen Gremien sind ritualisiert. Die Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg und dem Nürnberger Elternverband (NEV) ist gut eingespielt und vertrauensvoll. Bewährte Bausteine im Sinne einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft wurden an vielen Mitgliedsschulen etabliert. Hier eine kleine Auswahl: Der Schule ein Gesicht geben, Orientierung und Transparenz. Als Teil der Willkommenskultur sind im Eingangsbereich fast aller Mitgliedsschulen Fotos mit Namen der an der Schule tätigen Personen sowie deren Funktionen ausgehängt. Auch die Mitglieder des Elternbeirats und der Jugendsozialarbeit an Schulen werden vorgestellt. Oft gibt es Wegweiser durch das Schulhaus. Aushänge und Flyer informieren über die aktuellen Angebote und Veranstaltungen. Auf die Mitgliedschaft als familienfreundliche Schule wird per Plakat hingewiesen. Mittlerweile werden viele Informationen auch über die Schulhomepages veröffentlicht. Elternlotsen des Nürnberger Elternbüro Schulerfolg und Teilhabe (NEST) unterstützen Eltern mit Migrationshintergrund zum Beispiel bei Elternsprechabenden und Gesprächen mit der Lehrkraft. Sie laden zu Elterncafés ein, an denen überwiegend Mütter teilnehmen, die hier in Austausch kommen und Informationen erhalten. ACHTUNG GRENZE!® – Gewalt beginnt, wo Grenzen überschritten werden. Dieses Präventionsprojekt findet in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund statt und wird an vielen Mitgliedsschulen sowohl in Regelklassen als auch in Deutschklassen seit vielen Jahren durchgeführt. In Workshops werden Kindern Handlungsmöglichkeiten bei (sexuellen) Übergriffen aufgezeigt, Eltern werden für das Thema sensibilisiert und Lehrkräfte nehmen jährlich an einer Fortbildung zu den Themen rund um sexualisierte Gewalt teil. Die Nachfrage der Schulen nach diesem Projekt überschreitet leider die Kapazitäten des Kinderschutzbundes. An vielen Mitgliedsschulen finden jährlich wiederkehrende Veranstaltungen bzw. Veranstaltungsreihen wie „Eltern-Kind-Zirkus“; Eltern-Kind-Kochkurs; Eltern-Kind-Spielenachmittag; „W.I.R.-Projekt“; Medientage; Elterncafés… statt.
Flexibilität: Je nach den Bedingungen vor Ort und der jeweiligen Zusammensetzung der Schüler- und Elternschaft und den Bedarfen der Schulfamilie wählt jede Mitgliedsschule ihre familienfreundlichen Schwerpunkte selbst aus und entwickelt hierfür entsprechende Konzepte. Dementsprechend erhalten die Mitgliedsschulen eine individuell auf sie zugeschnittene, prozessorientierte Unterstützung durch die Koordinationsstelle. So gibt es eine große Vielfalt der Umsetzung von Erziehungs- und Bildungspartnerschaft an den verschiedenen Mitgliedsschulen. Diese sind u.a. (alphabetische Reihenfolge):
| Callcenter zur Gewinnung eines Elternbeirates | Demokratie ler- nen und leben | Engel der Kultu- ren | Eltern-Experten- Kurse |
|---|---|---|---|
| Elternschule | Familienausfüge | Fest der Nationen | Gefühle-Projekt |
| Gesunde Ernäh- rung | Gewalt-präven- tion | Gewaltfreie Kom- munikation | Kulturelle Vielfalt |
| Kunstprojekte | Mehrsprachige Elternabende | Methodentage | Schulhaus-ge- staltung |
| Stadtteil-rund- gänge | Theateraktionen | Projekttage zu unterschiedlichen Themen | Zu Fuß zur Schule |
Viele gute Beispiele an den Mitgliedsschulen können in den Dokumentationen und in der Festschrift: „10 Jahre Die familienfreundliche Schule“ und auf der Homepage unter www.familienfreundlicheschule.nuernberg.de (Über uns - Handbuch) eingesehen werden.
Motivation von Eltern – beständig und flexibel Als zentrales Thema beschäftigt uns fortwährend, wie wir Eltern zur Zusammenarbeit mit Schule und Jugendhilfe motivieren können und hier dürfen wir auch nicht nachlassen immer wieder neue Wege zu finden. Eltern sind die wesentlichen Bildungsbegleiter ihrer Kinder und wir unterstützen sie entsprechend, damit sie ihrer Aufgabe gut nachkommen können. Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass viele Eltern aktiviert werden, wenn sie an der Schule willkommen sind und ihnen die Möglichkeit zum Engagement in der Schule ihrer Kinder gegeben wird. Wichtig ist, die Heterogenität der Eltern zu berücksichtigen, denn Eltern sind keine homogene Gruppe, sie haben unterschiedliche familiäre, kulturelle und sozioökonomische Hintergründe. Deshalb bieten wir unterschiedliche Zugänge und Unterstützungsformate. Die zentralen Fragen sind: Für welche Eltern (adressatenspezifisch) ist welches Setting (Einzelgespräche, Vorträge, Kurse, Gruppenangebote…) geeignet? Welche Zugänge braucht es für welche Eltern? Eltern, die sich bereits aus Eigeninitiative in die Erziehungs- und Bildungsarbeit an der Schule/dem Hort einbringen und ihre pädagogischen Kompetenzen erweitern möchten, können oft als Klassenelternsprecher und/oder Elternbeirat gewonnen werden. Diese Eltern unterstützen wir hierbei durch Fortbildungen für die Elternbeiratstätigkeit. Auch elterliche Ressourcen aus dem beruflichen oder dem privaten Bereich, beispielsweise als Elternexperten, werden genutzt. Durch die Teilnahme an der Organisation von gemeinsamen Projekten, gewinnen wir diese Eltern für schulisches Engagement. Dies ist auch die Adressatengruppe, die am besten mit Familienbildungsveranstaltungen, inklusive Elternkursen erreicht werden kann. Eltern, die aus verschiedensten Gründen eher zurückhaltend sind, aktivieren wir über die Handlungsebene, wie zum Beispiel durch die Mitarbeit bei Schulhausverschönerungen oder durch Mitmachaktionen wie Eltern-Kind-Spielaktionen oder Eltern-Kind-Kochen.
Eltern mit Migrationshintergrund und wenig Deutschkenntnissen werden auch durch den Einsatz von Sprach- und Kulturmittlern erreicht. Diese unterstützen z.B. bei Elterngesprächen und Elterninformationsveranstaltungen. Ebenso lohnend hat sich das Angebot von Elterncafés/Teerunden für Mütter gezeigt. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich heraus, dass Veranstaltungen, die einen handlungsorientierten Ansatz haben und das gemeinsame Tun von Eltern, Kindern und zum Teil Lehrkräften in den Mittelpunkt stellen, besonders gerne von Familien angenommen werden. Besonders beliebt sind: „Auf die Spiele fertig los“; „Bewegt und entspannt in der Schule – nach dem Samurai- Shiatsu-Programm“ oder „Eltern-Kind-Kochkurs“. Diese handlungsorientierten Veranstaltungen haben sich als gute Wege herauskristallisiert, um Eltern an die Schule zu bringen und dies zudem in einem positiven Kontext.
Um möglichst vielen Eltern die Teilnahme an schulischen Veranstaltungen zu ermöglichen, bieten viele Mitgliedsschulen Kinderbetreuung an. Diese wird von Mittelschüler/-innen durchgeführt, die im Rahmen des Programms eigens dafür ausgebildet werden. Eltern, die zur aktiven Zusammenarbeit noch nicht motiviert sind, benötigen einen sehr niederschwelligen Zugang. Sie können zunächst als Zuschauer bei Veranstaltungen teilnehmen, wo Kinder etwas darbieten und sie als Eltern stolz auf ihre Kinder sein können. Hilfreich sind auch individuelle mit den Eltern geschlossene Vereinbarungen hinsichtlich der Zusammenarbeit. Für manche Eltern, die Gruppen beispielsweise aus den unterschiedlichen Gründen scheuen, kann eine individuelle Begleitung notwendig sein. Im Einzelsetting werden die Eltern unterstützt, Bildungsbegleiter ihres Kindes zu sein. Auch Hausbesuche sind ein Format, um Eltern für die weitere Zusammenarbeit zu erreichen. Die verschiedenen Settings bauen bei Eltern Schwellenängste ab, fördern die Zusammenarbeit von Eltern und Fachkräften auf Augenhöhe, tragen zur Verständigung und zum Verständnis bei und lassen Eltern positive Erfahrungen mit der Institution Schule machen. Um den Handlungsspielraum im Umgang mit diesen heterogenen Elterngruppen zu erweitern, bilden sich Lehrkräfte gezielt fort.
Aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen – Flexibilität Flexibel reagieren wir auf die gesellschaftlichen Herausforderungen auch in Zeiten von Krisen. Wie zuletzt auf die Pandemie und auf den Krieg in der Ukraine. Mit den Schulschließungen kam es zunächst zu einem abrupten Stopp fast aller Aktivitäten. So mussten u.a. in der zweiten Hälfte des Schuljahres 2019/20 58 bereits vorbereitete und gebuchte Veranstaltungen und viele Vorhaben an den Schulen abgesagt werden. Alternativen waren gefordert. Nach Beratung im Kooperations- und Fachteam haben wir bereits in 2020 reagiert, um Eltern nicht alleine zu lassen. Zunächst haben wir mehrsprachige Informationen rund um das Thema Pandemie zusammengestellt, zum Beispiel: Elternbriefe mit Tipps zum Umgang mit den eigenen Kindern/Jugendlichen in der belastenden Zeit „Hilfreiche Adressen für Eltern“ sowie „Hilfreiche Adressen und Schüler/-innen“ „Muttersprachliche Informationen“ All diese Informationen wurden durch die Mitgliedsschulen an die Familien weitergeleitet.
Parallel dazu arbeiteten wir daran, möglichst viele Veranstaltungen aus dem Angebotskatalog nun auch online anbieten zu können, da nicht absehbar war, wann Präsenzveranstaltungen an den Schulen wieder möglich sein würden. Dieses Format bauten wir kontinuierlich aus. Zu Beginn waren es im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2019/20 drei Online-Angebote, im Schuljahr 2020/21 bereits 29. Im aktuellem Schuljahr 2021/22 sind es 61 Online-Veranstaltungen.
Veranstaltungsübersicht aus dem Angebotskatalog Schuljahr 2021/22
| Art der Veranstaltung | Als Präsenz- | Als Online- | ||
|---|---|---|---|---|
| Veranstaltung | Veranstaltung | |||
| Lehrerfortbildung und Qualifizierung für alle an Erziehung und Unterricht Beteiligten (vgl. Qualitätsstandard 5) | 26 | 19 | ||
| Familienbildung: Fortbildung und Qualifizierung für alle Eltern (vgl. Qualitätsstandard 4) | 37 | 25 | ||
| Angebote speziell für Eltern mit Migrationshinter- grund (vgl. Qualitätsstandard 4) | 03 | 01 | ||
| Elternkurse (vgl. Qualitätsstandard 4) | 06 | 02 | ||
| Angebote für Elternvertreter/-innen (vgl. Qualitätsstandard 4) | 03 | 03 | ||
| Angebote für Schüler/-innen und deren Eltern (vgl. Qualitätsstandard 1) | 11 | 02 | ||
| Projekte für Schüler/-innen, Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter/-innen (vgl. Qualitätsstandard 1) | 12 | 03 | ||
| Kinderbetreuungsausbildung – Angebot für Schülerinnen und Schüler (vgl. Qualitätsstandard 1) | 02 | - | ||
| Gesprächskreise | 03 | 03 | ||
| Weitere reine Online-Angebote | - | 03 | ||
| Insgesamt | 103 | 61 |
Die Online-Formate werden wir auch weiterhin beibehalten und als Ergänzung zu den Veranstaltungen in Präsenz anbieten. Zudem hat sich gezeigt, dass wir auf diese Weise weitere Eltern akquirieren können, die sonst nicht teilnehmen. Auch bei vielen Lehrkräften und Mitarbeiter/-innen der Jugendsozialarbeit an Schulen kommen die Online-Fortbildungen gut an. Sie sind aber in vielen Bereichen kein adäquater Ersatz. Für die handlungsorientieren Veranstaltungen gibt es im Online-Format selten Alternativen (s. Tabelle oben), da diese von der realen Anwesenheit der Teilnehmenden leben. Weil diese Veranstaltungen überwiegend fehlten, aber sehr wertvoll sind, gibt es für die Zeit nach Ostern bereits Buchungen für Präsenzveranstaltungen.
Vor der Pandemie haben die einzelnen Mitgliedsschulen überwiegend ihre Veranstaltungen selbst ausgewählt. Nun gibt es vermehrt Themen, die von der Koordinationsstelle gemeinsam mit Kooperationspartnern konzipiert und zentral angeboten werden. So können wir schnell Themen anbieten, die von aktueller Relevanz sind. So haben wir mit unserem langjährigen Kooperationspartner dem Kinderschutzbund seit Februar 2021 eine Online-Veranstaltungsreihe eingerichtet, den „Virtuellen Elterntreff – Wir für Familien – online“. Wir wollten Eltern in dieser belastenden Krise eine Plattform bieten, wo sie sich mit anderen Eltern und Profis zu Problemen, die sich aus der Pandemie heraus ergaben, auszutauschen konnten und Unterstützung erhielten. Eine Auswahl der Themen: Tagesstruktur und Rituale: Warum ist das gerade jetzt so wichtig?
Lernatmosphäre im Homeschooling Manchmal gibt es Streit: Umgang mit Konflikten zwischen Kindern sowie Eltern und Kindern Seit Wochen zu Hause: Wie geht es meinem Kind? / Wie geht es uns als Eltern? Austausch und Gespräch Pubertierende zu Hause: Wenn Ihre Kinder nicht auf „Empfang sind“ Diese virtuellen Elterntreffs bieten wir, mit jeweils angepassten Themen, weiterhin zentral für alle Eltern an. Bis April 2022 fanden sechs „Staffeln“ mit insgesamt 18 Terminen statt. Anfang 2022 boten wir zudem vier Treffen für eine feste Elterngruppe an.
„Medien im Lockdown: Tipps für Familien“ war eine Online-Veranstaltung, die wir mehrmals mit unserem Kooperationspartner Parabol anboten.
Lehrkräfte und Mitarbeiter/-innen der Jugendsozialarbeit an Schulen erhielten ebenfalls durch Online- Angebote Unterstützung. Zum Beispiel: „Schule trägt: Profi(le) der Betroffenheit“. Diese Veranstaltung trug zur Reflexion und zum Austausch über die Auswirkungen der Pandemie bei Kindern, Eltern und Lehrkräften bei. „Häusliche Gewalt“. Diese Veranstaltung wurde notwendig, nachdem sich abzeichnete, dass es in Familien zur Zunahme von häuslicher Gewalt kam.
Aktuell hat das Thema „Krieg in der Ukraine“ in unser Programm Einzug gefunden. Dank unseres langjährigen Kooperationspartners, dem Fränkischen Bildungswerk für Friedensarbeit, konnten wir bereits ab Ende März 2022 folgende Online-Veranstaltungen anbieten: Für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte „Wie mit den Kindern über den Frieden und den Krieg sprechen?“ und „Wie sprechen wir über Kriege und andere Katastrophen?“ Für Eltern „Wie mit den Kindern über den Frieden und den Krieg sprechen?“
Vernetzung – Beständigkeit Es erleichtert das Arbeiten enorm, dass die enge Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt, der öffentlichen Jugendhilfe (z. B. Jugendsozialarbeit an Schulen, Kooperation Polizei – Jugendhilfe – Schule (PJS), Kinderschutz, Koordination Jugendhilfe – Schule, Familienbildung, Erziehungsberatungsstellen, Stadtteilkoordination), dem Nürnberger Elternverband (NEV) sowie mit vielen externen Kooperationspartnern (z. B. Kinderschutzbund, NEST - Nürnberger Elternbüro Schulerfolg und Teilhabe, Bildungszentrum) beständig und zuverlässig ist. Jeder einzelne Kooperationspartner unterstützt und bereichert das Programm und die Vernetzung untereinander wirkt sich positiv auf das Gesamtziel aus.
Ausblick
Auswirkungen der Pandemie
Durch die Pandemie verschlimmerten sich viele Problematiken und neue kamen hinzu. Wie wir durch die Copsy-Studie (Corona und Psyche) wissen, fühlten sich fast zwei Drittel der Schüler/-innen und Eltern belastet. Psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen (u.a. Depression, Erschöpfung, Aggressivität) haben sich in etwa verdoppelt. Der Gesundheitszustand der Schüler/-innen hat sich durch Bewegungsmangel, steigenden Medienkonsum und ungünstiges Essverhalten verschlechtert. Familien und Kinder aus niedrigem sozioökonomischem Status waren und sind von den Belastungen durch die Pandemie besonders stark betroffen. Dazu tragen vor allem beengte Wohnverhältnisse, niedriges Bildungsniveau der Eltern und auch, dass die Muttersprache nicht Deutsch ist, bei. Insbesondere bei diesen Kindern und Jugendlichen verstärkten sich auch die Bildungsdefizite. Ein für uns wichtiges Ergebnis der Copsy Studie ist aber auch, dass sich zwei Drittel der Eltern Unterstützung wünschen und dies sowohl im schulischen, als auch im psychisch-sozialen Bereich. Da gesellschaftliche Themen in der Schule virulent werden, enthalten die Ergebnisse der Studie wichtige Erkenntnisse, die Auswirkungen auf unser Programm haben.
Zentrale Schwerpunkte für die Zukunft
Eltern/Familien entlasten und stützen o Familienbildungsangebote spezifizieren Virulente Themen aktuell und schnell aufgreifen Vielfältige und niederschwellige Settings zur Auswahl stellen Plattformen zum Austausch anbieten Kurse zur Förderung von Gesundheit ausbauen o Beratungsangebote bereitstellen Hilfsbedarfe erkennen und Hilfe vermitteln Schule und Hort intensivieren den Kontakt zu den Familien Kinder stärken o Projekte zur Förderung von Resilienz o Zeit und Raum bieten o Zusammenarbeit von Schule und Hort verstärken Lehrkräfte und alle an den Schulen Tätige unterstützen o Sensibilisierung für familiäre Lagen o Gewalt in Familien erkennen o Erkennen von Auffälligkeiten bei Kindern- und Jugendlichen o Angebote zur eigenen Psychohygiene
Als ein Beispiel, wie wir aktuell Eltern, Kinder und Lehrkräfte unterstützen, sei das Projekt „Bewegt und entspannt in der Schule – nach dem Samurai-Shiatu-Programm“ hier kurz beschrieben. Kinder, Lehrkräfte und Eltern lernen Übungen, die auf einfache Weise die Aufmerksamkeit, die Konzentrationsfähigkeit, den Stressabbau, die Körperhaltung, das soziale Miteinander, sowie die Fähigkeit, eigene Grenzen einzuhalten und einzufordern, fördern. Ziel ist es, über Achtsamkeit Selbstwirksamkeit, Gesundheit und ein gutes Miteinander zu fördern. Das Projekt wird aktuell an einigen Mitgliedsschulen durchgeführt und dank eines Sponsors, ist die Fortführung auch in den nächsten Schuljahren gesichert. So können wir ein für alle Beteiligten lohnendes Angebot machen, welches bislang sehr gut angenommen und als hilfreich und entlastend bewertet wird.
Bewährtes etablieren – Neues auf den Weg bringen
Nicht zuletzt zeigen uns Krisen, dass es viel zu tun gibt. Gut, dass es erprobte Konzepte und ein breites Spektrum an Grundthemen gibt. Gleichzeitig ist es wichtig, auf aktuelle Ereignisse schnell zu reagieren und neue Wege zu gehen, beständig und flexibel.
Wir wollen uns auch künftig für Bildungsgerechtigkeit einsetzen und die Chancen aller Kinder auf Bildung und Teilhabe an der Gesellschaft stärken. Mit einer erfolgreichen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft von Eltern, Schule, Jugendhilfe und Kooperationspartnern kann die familienfreundliche Schule gelingen.