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← gemeinsame Sitzung des Gesundheitsausschusses und Sozialausschuss (02.06.2022)

Diversity-Anlage zum Tätigkeitsbericht 2021

Anlage · 02.06.2022 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Sozialausschuss Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Anlage 1.3: zur Sitzung des Gesundheits- und Sozialausschusses am 02.06.2022

Diversity - Anlage zum Jahresbericht der FQA 2021

In Bezug auf die Lebensqualität der Bewohner und Bewohnerinnen in Alten- und Pflegeheimen sowie stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe lassen sich eine Reihe von Faktoren nennen, bei welchen Diversityaspekten eine Bedeutung zukommt.

Diese sollen im Folgenden aufgeführt werden:

 Frauen leben im Durchschnitt in Deutschland immer noch ca. fünf Jahre länger als Männer (83 versus 78 Jahre). Außerdem haben Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit, im Alter pflegebedürftig zu sein. Daher stellen sie die Mehrzahl, nämlich ca. 75% der in den Alten- und Pflegeheimen lebenden Bewohner.

 Frauen leiden häufiger als Männer unter chronischen Erkrankungen, Demenz und Multimorbidität.

 Ältere Frauen leben im Vergleich zu Männern häufiger alleine und waren in früheren Lebensabschnitten häufig von schlechteren Bildungs- und Berufschancen als Männer betroffen.

 Fast 30% aller Pflegebedürftigen in Bayern leben in vollstationären Pflegeeinrichtungen.

 Das Durchschnittsalter der Heimbewohnerinnen liegt mit ca. 85 Jahren deutlich über dem der Heimbewohner mit ca. 80 Jahren.

 Aus „objektiver“ Sicht sind also Frauen schon rein zahlenmäßig von den besonderen Problemen, mit denen Heimbewohner und Heimbewohnerinnen in ihrem letzten Lebensabschnitt konfrontiert sind, verstärkt betroffen.

 Auf der anderen Seite gehören Abhängigkeit und Schwäche nach wie vor oft nicht zum akzeptierten (Selbst-) Bild bei Männern. Daher haben sie, wie aus sozialpsychologischen Forschungsarbeiten bekannt ist, oft besondere psychische Probleme bei einer mit einem höheren Alter evtl. verbundenen Hilflosigkeit und Pflegebedürftigkeit

 Männer verfügen (auch) im Alter i.d.R. in geringfügigerem Ausmaß über ausreichende soziale Netzwerke als Frauen.

 Zusammenfassend haben in Alten- und Pflegeheimen lebende Männer und Frauen tendenziell also unterschiedliche Probleme und daraus folgend andere Bedürfnisse, welche sowohl bei der Pflege, im Umgang mit den Bewohnern und Bewohnerinnen allgemein als auch bzgl. Freizeitangeboten eigentlich berücksichtigt werden müssten.

 Arbeiten, die sich mit diesem Thema befassen, stellen jedoch zumeist fest, dass u.a. aufgrund der Vielzahl anderweitiger Probleme wie Überforderung von Pflegekräften etc., GM- (= Gender Mainstreaming) Aspekte im Alltag der Heime derzeit noch nicht in angemessener Weise beachtet werden.

 Erschwert wird eine Einbeziehung von GM- Gesichtspunkten auch dadurch, dass das Personal in ganz überwiegendem Maße weiblich ist; derzeit stellen Männer nur ca. 10% der Pflegenden in den stationären Einrichtungen der Altenpflege.

 Begründet ist dies zum einen durch das wie bei den meisten anderen sozialen Berufen auch bestehende und durch potentielle männliche Auszubildende tendenziell eher negativ bewertete weibliche Image des Berufes. Zum anderen spielen weitere harte Faktoren wie bspw. die damit immer noch verbundene geringere Bezahlung eine Rolle.

 Entscheiden sich Männer doch für den Altenpflegeberuf, so sind sie oft in höherem Ausmaß als ihre Kolleginnen in verwaltenden und koordinierenden Tätigkeiten und entsprechendem geringeren Maß in der direkten Pflege der Bewohner und Bewohnerinnen zu finden.

 Eine ungünstige Situation kann durch die geschilderte Situation v.a. für männliche Heimbewohner in Altenpflegeeinrichtungen entstehen, für die es zu wenig Ansprechpartner des eigenen Geschlechts hinsichtlich ihrer spezifischen Interessen gibt, ca. 14% des Personals bei Altenpflegern ist männlich.

 Das Personal in Einrichtungen für MmB ist ebenfalls vorwiegend weiblich, allerdings ist hier der Anteil der Männer mit 30 % deutlich höher als in der Altenpflege.

 Personen mit niedrigerem sozioökonomischen Status haben ein signifikant höheres Krankheitsrisiko und somit auch einen höheren Pflegebedarf.

 Menschen mit Behinderung sind deutlich häufiger von Krankheiten betroffen als Nichtbehinderte.

 Ältere Menschen mit Migrationshintergrund werden häufiger als „nicht pflegebedürftig“ begutachtet und werden im Durchschnitt in niedrigere Pflegestufen eingruppiert. Außerdem beantragen ältere Menschen mit Migrationshintergrund vergleichsweise seltener Leistungen der sozialen Pflegeversicherung.

 Es gibt zunehmend Pflegekräfte mit Migrationshintergrund, auch in leitender Funktion, sodass durchaus auch Interesse und Verständnis für die Bedürfnisse von Bewohnern mit Migrationshintergrund (ca. 4% der Bewohner) vorhanden ist.

 Ca. 200.000 Menschen leben in Deutschland mit geistiger, körperlicher oder Sinnesbeeinträchtigung in Wohnformen der Eingliederungshilfe nach § 53 ff SGB XII.

 Ca. 800.000 Menschen leben in Deutschland mit geistiger, körperlicher oder Sinnesbeeinträchtigung in vollstationärer Dauerpflege nach §43 SGB XI.

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