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Sachbericht (Ordnungsamt)

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Sicherheit & Ordnung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Ausschuss für Recht, Wirtschaft und Arbeit am 11.05.2022

Rock im Park: Sexismusproblem

Antrag der Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 06.08.2019

Nachdem Rock im Park (RiP) 2020 und 2021 wegen der Corona-Beschränkungen für Veranstaltungen ausfallen musste, hat der Veranstalter, die Firma ARGO Konzerte GmbH, für 2022 ein Awareness-Konzept gegen Diskriminierungen und Belästigungen erstellt. Nachfolgend wird dieses Konzept von ARGO vorgestellt und zu den Antragspunkten Stellung genommen.

  1. Die Verwaltung legt dar, welche Möglichkeiten sie hat, beispielsweise über entsprechende Auflagen bei Vermietung des Geländes, Einfluss zu nehmen.

Das Jugendamt ist seit 1997 bei RiP vor Ort präsent und versucht seitdem, das Angebot auf beobachtete Trends oder Entwicklungen auszurichten. Neben den Auflagen zum Kinder- und Jugendschutz hat das Jugendamt ab 2009 auf den bedenklichen Alkoholkonsum reagiert, die seitdem ein fester Bestandteil auf RiP sind. In den vergangenen Jahren konnten verschiedenste Entwicklungen, Niveaus und Ausprägungen von Sexualisierung beobachtet werden. In früheren Jahren wurden z.B. an Zelten Aushänge mit sexuellen Inhalten („Anmachsprüche“) beobachtet. Zuletzt fielen vermehrt Besucher mit T-Shirts inkl. anzüglichen provokanten Aufdruck oder aufblasbare Geschlechtsteile auf. Insgesamt schätzt das Jugendamt dieses Problem trotz sich wandelnder Erscheinungsformen als quantitativ gleichbleibend ein.

ARGO hat sich an der von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geförderten Umfrage „act-aware“ der Universität Köln beteiligt. Hier wurden Besucher/-innen von Festivals nach konkreten Formen von Diskriminierungen, Benachteiligungen und Grenzüberschreitungen gefragt, die sie auf den Veranstaltungen erlebt haben. Ziel des Projektes ist es, „Wissen zu bündeln, Leitlinien zu entwickeln, einen positiven Einfluss auf ein besseres Miteinander bei Events zu nehmen und damit über den Veranstaltungskontext hinaus einen gesellschaftlichen Transformationsprozess anzustoßen.“ Die Umfrage lief bis 28.02.2022. Laut ARGO zeigen erste Ergebnisse, dass RiP insgesamt kein gesteigertes Antidiskriminierungsproblem zu haben scheint, allerdings grenzüberschreitende Vorkommnisse eindeutig auch auf dem Nürnberger Festival vorkommen. Bei Betrachtung der Art der Vorkommnisse zeigt sich, dass diese nahezu vollständig im Bereich der sexuellen Diskriminierung, jedoch nicht in den Bereichen Homophobie, Rassismus oder Drogenkonsum angesiedelt waren.

Die Entwicklung und die Erfahrungen bei RiP 2019 wurden mit der Frauenbeauftragten dem Jugendamt, der Polizei und dem Veranstalter im Oktober 2019 besprochen. Die Polizei verzeichnete sechs Sexualdelikte im Vergehensbereich, insgesamt aber mehr sexuelle Übergriffe als 2018. Man war sich einig, dass Sexismus bzw. sexuelle Belästigung kein alleiniges oder spezifisches Thema bei RiP ist, sondern ein gesellschaftliches und alltägliches Problem, das sich bei Festivals durch veranstaltungsspezifische Verhaltensweisen in Verbindung mit enthemmender Wirkung von gesteigertem Alkoholkonsum äußert. Der damit verbundenen Diffamierung von Frauen als bloße Objekte ist daher entschieden entgegenzutreten und vor allem auch sichtbar zu machen. Insbesondere müssen die Besucher/-innen und der Ordnungsdienst über verschiedene Informationskanäle für das Thema deutlich sensibilisiert werden.

Der Veranstalter hat dies aufgenommen und für RiP 2022 Maßnahmen vorgestellt, mit denen Belästigungen und Diskriminierungen entgegengewirkt werden soll:

Testfragen, in der Festivalfibel für das Ordnungspersonal und Dienstleister/-innen sowie im Umhängeregister für das Ordnungspersonal.

cher/-innen vor und auf dem Festival durch geschulte Personen (Guardian Angels).

wege.

Stützpunkten als Informationsstellen und Schutzräume für Betroffene mit 33 Fachkräften.

renessteams und der Frauenbeauftragten der Stadt Nürnberg und einer daraus abgeleiteten Handlungsempfehlung für 2023.

Bei den Botschaften der Guardian Angels und dem Inhalt der Onlineschulung und der Arbeitsmaterialien des Ordnungsdienstes soll die städtische Frauenbeauftragte eingebunden werden. Einzelheiten hierfür werden noch abgestimmt.

Das Konzept zeigt, dass sich ARGO dem Thema sehr umfassend angenommen hat und die Zusammenarbeit mit den städtischen Fachstellen sucht. Die Umsetzung und Wirkung der Maßnahmen wird beobachtet und mit ARGO besprochen. Zusätzliche Auflagen bei erforderlichen Genehmigungen sind nicht erforderlich.

Konzepte anderer Veranstaltungen

Konzepte und Maßnahmen anderer Veranstaltungen sind aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten (Veranstaltungsart, Publikumsstruktur, Dauer, Örtlichkeit) nicht in derselben Art und Weise auf Rock im Park übertragbar. Die städtische Frauenbeauftragte hält es aber bei der Überlegung, einen Security-Point bei Rock im Park einzurichten, für sinnvoll, vorher die Akzeptanz und die Inanspruchnahme solcher Angebote bei anderen Veranstaltungen zu berücksichtigen. Sie hat dazu Informationen zu den Konzepten beim Münchner Oktoberfest und der Erlanger Bergkirchweih eingeholt.

Das Konzept „Sichere Wiesn“ für das Münchner Oktoberfest ist breit aufgestellt und befasst sich nicht nur mit (sexualisierter) Gewalt, sondern auch mit anderen Problemlagen weiblicher Besucherinnen (verlorene Schlüssel, Nachhauseweg-Begleitung, saubere Kleidung, Lebenskrisen). Eine vorläufige Bilanz für 2019 zeigt, dass deutlich mehr Mädchen und Frauen als im Jahr zuvor Hilfe am Security Point suchten. Insgesamt 299 Besucherinnen nahmen das Angebot der Anlaufstelle in den 16 Wiesn-Tagen wahr. Im Jahr zuvor erhielten insgesamt 234 Frauen Hilfe und Unterstützung. Dies bedeutet einen Anstieg um 28 Prozent. Der Anstieg sei zum einen durch die erweiterten Öffnungszeiten zu erklären. Aber auch der Sanitätsdienst, die verschiedenen Security Dienste und die Polizei verwiesen vermehrt Besucherinnen in Notlagen an den Security Point. Zudem wandten sich deutlich mehr Besucherinnen selbstständig an die Anlaufstelle. Der Anstieg in den verschiedenen Bereichen sei nicht nur auf die intensive Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld der Wiesn zurückzuführen, sondern auch auf die gelungenen Kooperationen mit den verschiedenen Organisationen vor Ort. (Daten aus: Bilanz der Aktion "Sichere Wiesn" - Newsletter #7).

Die „Rettungsinsel“ bei der Erlanger Berkirchweih konzentriert sich auf Hilfsangebote bei sexualisierter Gewalt. Sie wurde 2019 weniger oft in Anspruch genommen als im Jahr zuvor. Der Frauennotruf in Erlangen vermutet, dass dies u. a. daran liegen könnte, dass der Ort der Rettungsinsel Mitte nicht so gut sichtbar und weniger bekannt war wie im Vorjahr. Zugleich sei aber eine Zunahme zu erkennen bei der Zahl der Frauen, die direkt von den Sicherheitskräften Hilfe bekamen und nicht mehr zur Rettungsinsel gelangen. Teilweise wandten sich die Frauen direkt an das Sicherheitspersonal vor Ort, teilweise sprachen die Sicherheitskräfte die betroffenen Frauen an. Hier greift das Schulungskonzept: in einer zweistündigen Abendschulung sensibilisiert der Frauennotruf Erlangen Sicherheitspersonal, Rettungsdienste und Kellerwirte.

  1. Die Stadt unterstützt die Vereine (Frauenberatung o.a.) finanziell, um mit entsprechenden Ansprechpartner*innen vor Ort zu sein.

Das Jugendamt ist seit 1997 bei RiP mit einem umfangreichen Beratungs- und Hilfsangebot präsent; ARGO stellt hierfür Strom, Wasser und Arbeitskarten zur Verfügung:

der jungen Menschen auf. Die Streetworkerinnen geben Mädchen und jungen Frauen bei Bedarf Hinweise, wie sie sich schützen können.

tiefende Gespräche zur Verfügung.

Aufklärungsmaterial zu Risiken (z.B. K.O.-Tropfen) und Beratungsstellen.

gebot soll vor allem junge Männer auf Sexismus aufmerksam machen. Im Rahmen eines lockeren Gesprächs wird mit einem Quiz auf die Problematik eingegangen. Ziel ist es, Grenzen im Umgang miteinander zu erkennen, zu wahren und für diese einzutreten. Sexistischen und abwertenden Sprüchen und Verhalten sollen die Mitglieder des „XtraClass – Gentleman Club“ eine Absage erteilen. Alle Mitglieder erhielten ein auffälliges Geschenk (z.B. Sonnenbrille, Turnbeutel) als Erkennungszeichen, um damit auf das Thema aufmerksam zu machen.

Es besteht die Möglichkeit, auch andere Organisationen an diesem Beratungspunkt hinzu zu ziehen. In den vergangenen Jahren boten dort auch die frauenBeratung nürnberg (2015, 2016, 2017) und die AIDS-Beratung der Stadtmission (2018, 2019) Informationen, Beratungen und Hilfen an.

Nachdem RiP zwei Jahre ausfallen musste, erscheint es aus Sicht der Verwaltung sinnvoll, zunächst die erweiterten Maßnahmen des Veranstalters umzusetzen und im Anschluss zu bewerten, im Bewusstsein der Besucher/-innen zu verankern und mit der Bearbeitung von Meldungen und Vorfällen durch andere Beteiligte (Ordnungsdienst, Sanitätsdienst, Polizei) zu verbinden, bevor zu den bereits vorhandenen Beratungs- und Hilfsangeboten weitere Projekte finanziert werden.

Nürnberg, 19.04.2022 Ordnungsamt i.V. Pollack (5330)

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