STÄDTEBAULICHER REALISIERUNGS- UND HOCHBAU-
LICHER IDEENWETTBEWERB ALS KOOPERATIVES VERFAHREN
NEUENTWICKLUNG DES AREALS UM DIE EHEMALIGE LEDERER KULTURBRAUEREI
WOHNEN UND GEWERBE AN DER SIELSTRASSE /
REUTERSBRUNNENSTRASSE IN NÜRNBERG
PROTOKOLL ZUR PREISGERICHTSSITZUNG
- Februar 2022 mt2 ARCHITEKTEN I STADTPLANER
PROTOKOLL ZUR PREISGERICHTSSITZUNG am 24. FEBRUAR 2022
Konstituierung des Preisgerichts
Das Preisgericht tritt am 24. Februar 2022 um 9.05 Uhr zur Sitzung Auf AEG, Muggenhofer Straße 135 in Nürnberg zusammen. Als Vertreter der Ausloberin Dr. Hans Inselkammer Vermögen GbR, München eröffnet Herr Pressel die Sitzung, begrüßt die Anwesenden, bedankt sich für die Bereitschaft zur Mitarbeit und wünscht dem Preisgericht einen guten und erfolgreichen Verlauf.
Feststellung der Vollzähligkeit des Preisgerichts
Die Vorprüfung prüft die Anwesenheit.
Es sind anwesend:
Fachpreisrichter (mit Stimmrecht): Siegfried Dengler, Architekt, Dienststellenleiter Stadtplanungsamt Nürnberg Prof. Hannelore Deubzer, Architektin und Stadtplanerin, München Prof. Mikala Holme Samsøe, Architektin, München Johann Böhm, Architekt, Schwabach Stefanie Jühling, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, München
Ständig anwesender stellvertretender Fachpreisrichter: Gunther Partenfelder, Architekt, München
Sachpreisrichter (mit Stimmrecht): Dr. Nicole Inselkammer, INKA Holding, München - digital zugeschaltet - Michael Pressel, INKA Holding, München Dr. Martin Leibhard, INKA Holding, München
Ständig anwesende stellvertretende Sachpreisrichter: Fabian Schäfer, ALPHA Projekt Partner, München
Berater: Karen Kampe, Stadtplanungsamt Nürnberg Fabien Busch, Unternehmensgruppe ALDI SÜD Hans Eidenhardt, Erlangen
Gäste Stefan Schillinger - digital zugeschaltet - Markus Diegelmann - digital zugeschaltet -
Vertreter der Vorprüfung: Susanne Senf, Architektin Martin Kühnl, Architekt und Stadtplaner Kai Gebhardt, Architekt
Weitere Anwesende: Technikteam Andreas Dobner und André Ottlik
Somit ist das Preisgericht vollzählig und beschlussfähig.
Vorsitz des Preisgerichts
Auf Anregung von Herrn Pressel wird Frau Prof. Mikala Holme Samsøe als Vorsitzende vorgeschlagen und einstimmig bei eigener Enthaltung gewählt. Sie bedankt sich für das entgegengebrachte Vertrauen, nimmt die Wahl an und übernimmt die Leitung des Preisgerichts. Die Vorsitzende wünscht allen eine gute Diskussion. Frau Dr. Inselkammer ist digital zugeschaltet sowie zwei Gäste, die vom Preisgerichtsgremium einstimmig akzeptiert werden. Die Vorsitzende informiert alle Anwesenden über den Verlauf des Preisgerichtsverfahrens. Das Ziel sollte sein, die beste Lösung für die Ausloberin zu finden, um den in der Auslobung genannten Zielen gerecht zu werden. Herr Gebhardt und Herr Kühnl übernehmen die Protokollführung. Die Veranstaltung wird live gestreamt und nicht aufgezeichnet. Das Filmteam bestätigt, dass kein Video- oder Tonmaterial aufgezeichnet wird.
Versicherung der Anwesenden
Die Vorsitzende bittet die Mitglieder des Preisgerichts um eine offene Diskussion und um rege Beteiligung. Sie vergewissert sich durch Umfrage, dass keiner der Anwesenden während der Laufzeit des Wettbewerbs mit einem der Teilnehmer über die Wettbewerbsaufgabe oder deren Lösung gesprochen hat. Sie bittet darum, die Gespräche zur Meinungsbildung streng vertraulich zu behandeln. Das Protokoll wird die Ergebnisse der Preisgerichtsitzung detailliert erfassen.
Die Vorsitzende weist auf die persönliche Verantwortung der Preisrichter gegenüber der Ausloberin, den Wettbewerbsteilnehmern sowie der Öffentlichkeit hin und bittet um eine objektive Beurteilung der Arbeiten.
Erläuterung des Verfahrens und Ablauf der Sitzung
Frau Prof. Holme Samsøe erläutert die wesentlichen Inhalte und Aspekte der Aufgabe, erklärt das Verfahren entsprechend RPW und schlägt folgenden Ablauf vor:
- Präsentation der Wettbewerbsarbeiten durch die Teilnehmer 2. Bericht der Vorprüfung und Informationsrundgang 3. Ausscheidungsrundgänge in Anzahl nach Notwendigkeit bis zur Festlegung der Engeren Wahl 4. Erstellung der Beurteilungen über die Arbeiten der Engeren Wahl 5. Festlegung der Rangfolge und Preise
Präsentation der Wettbewerbsarbeiten
Ab 9.30 Uhr beginnt die Vorstellung der Wettbewerbsarbeiten durch die Teilnehmer als digitale Beamerpräsentation. Die Teilnehmer wurden einzeln geladen und präsentieren vor dem Preisgerichts- und Beratergremium ab 9.30 Uhr in der folgenden Reihenfolge. Das BüWroB WS Wteoidhnlee nw uinrdd Gcoewroenrbaeb aend dienrg t digital zugeschaltet. Sielstraße/Reutersbrunnenstraße in Nürnberg
| Büro | Uhrzeit |
|---|---|
| 1. Bär Stadelmann Stöcker | 9.30 Uhr |
| 2. baum-kappler | 9.50 Uhr |
| 3. Bermüller + Niemeyer | 10.10 Uhr |
| 4. Hübsch + Harlé | 10.30 Uhr |
| 5. Auer Weber | 10.50 Uhr |
| 6. steidle | 11.10 Uhr |
| 7. AllesWirdGut | 11.30 Uhr |
| 8. baumschlager eberle | 11.50 Uhr |
Die Präsentationen enden um 12.40 Uhr.
Bericht der Vorprüfung
Der Bericht der Vorprüfung beginnt um 12.45 Uhr nach einer kurzen Kaffeepause. Frau Senf als Vertreterin der Vorprüfung übernimmt das Berichtswesen gegenüber dem Preisgericht. Der schriftliche Vorprüfbericht wird allen Preisrichtern übergeben.
Die Vorprüfung fand ab dem 28. Januar 2022 im Büro mt2 ARCHITEKTEN I STADTPLANER in Nürnberg statt. Es wurden insgesamt 8 Wettbewerbsarbeiten und Modelle fristgerecht eingereicht. Alle Arbeiten waren weitgehend vollständig und prüfbar und wurden von der Vorprüfung ausgewertet.
Anschließend wird der Aufbau des Vorprüfberichts erläutert. Es werden Paten für die Projekte zur Vorstellung vorgeschlagen.
Es wird ab 13 Uhr eine 45-minütige Mittagspause eingelegt.
Informationsrundgang
Um 13.45 Uhr beginnt das Preisgericht mit dem Informationsrundgang. Die Vorprüfung stellt jede Arbeit anhand der Pläne und Modelle ausführlich und wertungsfrei vor. Der Rundgang endet um 14.30 Uhr.
Das Preisgericht beschließt einstimmig, alle präsentierten Arbeiten zuzulassen.
Anschließend werden die im Informationsrundgang gewonnenen Erkenntnisse und Aspekte für die weitere Betrachtung durch die Mitglieder des Preisgerichts stichwortartig wie folgt benannt:
-
Einfügen in die Umgebung / Nachbarschaft
-
Dichte
-
Umgang mit dem Erdgeschoss
-
Grünflächen (auch außerhalb des Nachbarschaftsparks)
-
Freiflächen KiTa
-
Versiegelung
-
Sichtbarkeit für den Einzelhandel an der Reuthersbrunnenstraße
1. Wertungsrundgang
Die Vorsitzende erläutert kurz den Ablauf des 1. Wertungsrundgangs. Es werden alle Arbeiten in Bezug auf ihre grundsätzlichen Qualitäten sowie Defizite anhand der in der Auslobung genannten Bewertungskriterien betrachtet und bewertet.
Es werden keine Arbeiten wegen erheblicher Mängel ausgeschieden. Somit verbleiben alle 8 Arbeiten in der Wertung.
Der 1. Wertungsrundgang endet um 14.50 Uhr.
2. Wertungsrundgang
Der 2. Wertungsrundgang beginnt direkt im Anschluss.
Die Vorsitzende erläutert kurz den Ablauf des 2. Wertungsrundgangs. Inhaltlich werden nun die Wertungskriterien der Auslobung vertiefend betrachtet.
Es werden nach ausführlicher Diskussion die folgenden 4 Arbeiten wegen der darin erkannten Mängel mehrheitlich ausgeschieden:
Bär, Stadelmann, Stöcker (0:8)
Baum-kappler (2:6)
Bermüller + Niemeyer (2:6)
Hübsch + Harlé (1:7)
Damit verbleiben 4 Arbeiten mit folgenden Voten im Verfahren:
Auer Weber (8:0)
Steidle (7:1)
AllesWirdGut (8:0)
baumschlager eberle (8:0)
Der 2. Wertungsrundgang endet um 16.15 Uhr.
Engere Wahl
Das Preisgericht bestimmt einstimmig die verbliebenen 4 Arbeiten zur Engeren Wahl und beschließt diese detailliert zu betrachten und schriftlich zu beurteilen.
Es wird vereinbart, bis 17.15 Uhr die Beurteilungen fertigzustellen.
Schriftliche Beurteilung der Arbeiten der engeren Wahl
Die Gliederung erfolgt gemäß der in der Auslobung genannten Kriterien:
-
Städtebauliches Gesamtkonzept
-
Architektonische und funktionale Qualitäten
-
Nutzungsqualität
-
Freiraumqualität
-
Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit
-
Klimaschutz/ -anpassung und Nachhaltigkeit
Um 17.20 Uhr werden die schriftlichen Bewertungen verlesen, diskutiert, teilweise korrigiert bzw. ergänzt und vom Preisgericht verabschiedet (siehe Anhang). Die Bewertung der Arbeiten der Engeren Wahl endet um 18.00 Uhr.
Rangfolge und Preise
Nach einer ausführlichen vergleichenden Erörterung der Arbeiten und Diskussion wird vorgeschlagen, zwei erste Ränge zu vergeben. Nach einer Abstimmung, die mit einem Stimmverhältnis von 4 : 4 endet, wird dies nicht weiterverfolgt. Es wird der Antrag gestellt, zwei dritte Ränge zu vergeben. Nach einer Abstimmung, die mit einem Stimmverhältnis von 3 : 5 endet, wird dies nicht weiterverfolgt.
Nach weiterer ausführlicher vergleichender Erörterung der Arbeiten und Diskussion wird die Rangfolge der Beiträge der engeren Wahl mehrheitlich wie folgt abgestimmt:
- Rang steidle ( 8 : 0 ) 3. Rang baumschlager eberle ( 8 : 0 ) 2. Rang AllesWirdGut ( 3 : 5 ) Abstimmung findet keine Mehrheit 2. Rang Auer Weber ( 5 : 3 ) 1. Rang AllesWirdGut ( 5 : 3 )
Nach einer erneut vergleichenden und final abwägenden Diskussion beschließt das Preisgericht einstimmig die Zuordnung der Preise und Preissummen wie folgt:
- Preis 22.000 € netto AllesWirdGut ( 8 : 0 ) 2. Preis 15.000 € netto Auer Weber ( 8 : 0 ) 3. Preis 12.000 € netto baumschlager eberle ( 8 : 0 ) Engere Wahl steidle ( 8 : 0 )
Empfehlung des Preisgerichts
Aufgrund der knappen Abstimmungsverhältnisse und der hohen Qualität der beiden Arbeiten (1. und 2. Preis) empfiehlt das Preisgericht der Ausloberin einstimmig, mit den Verfassern der mit dem ersten und zweiten Preis ausgezeichneten Entwürfe weiter zu arbeiten und in einen Dialog zu treten, um die Konzepte zu konkretisieren und entsprechend anzupassen. Hierbei sollen die in der schriftlichen Beurteilung genannten Kritikpunkte sorgfältige Berücksichtigung finden. Das Preisgericht sowie die Stadt stehen in der abschließenden Diskussion gerne zur Verfügung.
Abschluss des Preisgerichts
Verlesen des Protokolls
Das Preisgericht verzichtet einstimmig auf die vollständige Verlesung des Preisgerichtsprotokolls und beauftragt den Vorsitzenden zusammen mit der Vorprüfung, die endgültige Fassung des Protokolls zu erstellen.
Verlesen der Verfassererklärungen
Auf ein Verlesen der Verfassererklärungen wird verzichtet, da es sich um ein nicht anonymes Verfahren handelt.
Die exakten und vollständigen Verfasserbezeichnungen entsprechend den Verfassererklärungen sind im Anhang enthalten.
Entlastung der Vorprüfung
Die Vorsitzende dankt der Vorprüfung für die äußerst professionelle und engagierte Begleitung des Verfahrens. Mit einstimmigem Beschluss des Preisgerichts erfolgt die Entlastung.
Rückgabe des Vorsitzes an die Ausloberin
Frau Prof. Mikala Holme Samsøe dankt allen Beteiligten für die engagierte Mitarbeit im Preisgericht und die konstruktive Zusammenarbeit. Sie bedankt sich bei der Ausloberin für das Vertrauen und gibt den Vorsitz zurück.
Schlusswort der Ausloberin und der Stadt
Herr Dengler erkennt in den Arbeiten der ersten beiden Preisträger ein großes Potential und sieht einen guten Weg für die weiteren Planungsschritte. Herr Pressel dankt allen Beteiligten für ihr Engagement. Er zieht ein positives Resümee zum Ablauf des Verfahrens und freut sich auf die weiteren Schritte. Er bedankt sich bei Frau Prof. Mikala Holme Samsøe für die souveräne Leitung der Preisgerichtssitzung und der Vorprüfung für die äußerst professionelle und engagierte Begleitung des Verfahrens.
Ausstellung
Die Ausstellung aller Arbeiten findet vom 25. Februar bis 3. März 2022, von 14 -17.00 Uhr, auf AEG, Muggenhofer Straße 135 in Nürnberg sowie von 21. März bis 6. April 2022 im OFFENEN BÜRO, Lorenzer Straße 28 in Nürnberg statt.
Die Sitzung endet um 19.15 Uhr.
Für die Richtigkeit:
........................................................................ Prof. Mikala Holme Samsøe, Vorsitzende Preisrichterin
Schriftliche Beurteilung der Arbeiten der engeren Wahl
Steidle
Es ist überzeugend, bei den Grundüberlegungen zur Neubebauung dieses offenen Baufeldes auf städtische Grundprinzipien zu setzten, die vorhandene Straße als den übergeordneten öffentlichen Raum zu stärken und auf eine eindeutige Zuordnung der öffentlichen, halböffentlichen und privaten Außenräume zu setzen. Klare Abgrenzung und Annäherung erleichtern die Orientierung und schaffen die Basis für eine schlüssige bauliche Setzung. Es ist schon verblüffend, wie diese einfachen raumbildenden Maßnahmen ein schönes Kontinuum von selbstverständlichen Vis-á-vis erzeugt. Schön ist die bauliche Reaktion auf das imposante Schulhaus und die Überleitung hin zur Flussaue.
Die Rahmenbedingungen sind also gesetzt und das Baufeld abgesteckt, das sich in drei unterschiedlich codierte Höfe gliedert. Die Prägung der Höfe erklärt sich aus den Anforderungen der jeweiligen Situation. Die Qualität der Arbeit liegt also in der Konzentration auf das Wesentliche.
Die gewerbliche Nutzung an der Reutersbrunnenstraße ist flächendecken in den ersten Hof eingeschrieben. Alles routiniert gemacht, die Anlieferung über einen Drehteller ist hier die einzige offene Frage. Auch, dass die Anlieferung – mit diesem technischen Hilfsmittel – kräftig in der Tiefgarage einbindet, ist noch nicht berücksichtigt.
Zwei brückenartige Bauteile definieren den zweiten Hof – den öffentlichsten. Hier wird Zweifel an der Aufenthaltsqualität angemerkt und ob unter den Brückenbauteilen überhaupt eine gute Stimmung erzielt werden kann. Und der Dritte ist richtig eng. Eine Belichtung der Räume, die sich zu dem Hof orientieren, ist nicht möglich. Auch die Beispiele für Wohnungsgrundrisse sind nicht alle brauchbar. Das lässt sich alles vermutlich noch korrigieren, optimieren, verbessern.
Überraschend ist aber die Dimension der neuen Baumasse, die hier von den Kollegen als vertretbar erachtet wird. Das ist an diesem realen Ort nicht vorstellbar. Es bleibt zweifelhaft, ob die Abstaffelung der Geschosszahlen, die mögliche Gliederung der Baublöcke in einzelne Adressen, die schiere Größe und Masse verharmlosen kann. Es fehlen eine klare Strategie und ein entschiedener baulicher Ausdruck, der nicht in die Gefahr beliebiger, austauschbarer Gestaltungvorstellungen absinkt.
Die Gestaltung der Sielstraße ist durchwegs gut gelungen, die Gliederung mit Baumgräben ermöglicht differenzierte Nutzungen, schafft sinnvolle Sickerflächen und schränkt PKW-Verkehr wirksam ein. Sehr schön ist die Aufweitung vor dem Dürergymnasium und das Angebot der Sitztribünen unter dem Baumbestand. Ein guter Übergang zur Pegnitzaue ist gelungen. Die unterschiedlichen Charaktere der Höfe mit differenzierter Nutzung sind ein gutes Angebot für die Bewohner, wobei die starke Verschattung des Hofes in der Passage etwas kritisch gesehen wird, umso mehr begrüßt man den „wilden Hof“ als Übergang zum Bürgerpark. Der behutsame Umgang mit dem Bürgerpark mit nur schonenden Eingriffen wird sehr begrüßt. Besonders gelungen ist der große Rundgang über die Dachgärten aller Baukörper, ein sehr guter Ausgleich für die relativ kleinen Höfe.
Auer Weber
Die Vertreter des Büros präsentieren in überzeugender Weise die Entwurfsschritte, die zu dieser, auf den ersten Blick sehr eigenständigen, ja eigenwilligen Baukörperfiguration führen. Ausgehend von der Idee, eine für den Stadtteil ursprünglich typischen Blockrandbebauung anzubieten, wird versucht mittels Substraktion die erheblichen Baumassen zu gliedern und in das Umfeld einzupassen. Hierbei entstehen 9 teilweise miteinander verbundene Einzelbauten mit jeweils eigener Adresse. Durch den Kunstgriff, ab dem 3. bzw. 4. OG die Fassade zu knicken und hiermit ein für Nürnberg durchaus typisches Steildach neu zu interpretieren, gelingt es, die erheblichen Baumassen - und es sind die höchsten Dichtewerte aller vorgelegten Arbeiten - überraschend gut einzufügen. Und es sei dabei dahingestellt, ob die Abschrägung nun architektonischen Überlegungen folgt, oder doch vielmehr mit der Notwendigkeit einhergeht, die geforderten Abstandsflächen nachzuweisen. Zweifelsohne wird hiermit ein bemerkenswerter Beitrag geleistet, die Kubaturen verträglich zu gestalten, wenngleich der damit verbundene baukonstruktive Aufwand durchaus ebenso Fragen aufwirft, wie die Herausforderungen der Detailarbeit, die notwendig sein wird, um das Vorhaben in der gestalterischen Qualität umzusetzen, die dieser Entwurf zweifelsohne verdient und auch erfordert.
Eine Reihe weiterer Aspekte der Arbeit gilt es als positiv herauszustellen. So ist der Straßenraum am Dürer Gymnasium im nördlichen Bereich deutlich zu einer gut nutzbaren Platzfläche aufgewertet, was zudem den Erhalt des dortigen Baumbestandes zumindest als grundsätzlich möglich erscheinen lässt. Die angebotenen ineinander fließenden Freiflächen versuchen eine gut ausdifferenzierte Balance zwischen öffentlichem, halböffentlichen und privat genutzten Räumen. Die Grünfläche des ehemaligen Biergartens wird komplett erhalten und auch nicht durch die Freiflächen der Kita belastet. Das Angebot einer Gastronomiefläche knüpft an die Tradition des Ortes an und würde helfen, den Verlust der bestehenden Bausubstanz zu verschmerzen. Allgemein nutzbare Dachterrassen sind ein zeitgemäßes Angebot im Kontext einer flächensparenden, kompakten Bauweise im urbanen Umfeld. Hinsichtlich der Einzelhandelsnutzung ist die gute Integration der Anlieferung hervorzuheben, wobei Schleppkurven und Höhenlage der Aufstellflächen zu überprüfen wären. Bemängelt wird die fehlende Außenbeziehung des großen Verkaufsraumes, was als nicht zeitgemäß erachtet wird. Die hohe Gesamtgrundrissfläche sollte genug Puffer bieten, um die Mängel in den Wohngrundrissen beheben zu können, was jedoch durch die sehr prägnante Baukörperform wiederum begrenzt wird. Begrüßt wird z.B. die Erschließung mit der geschickt eingeplanten Loggia, statt Technik einzusetzen, um Brandsicherheit zu gewährleisten. Unglücklich im wirtschaftlichen sowie nachhaltigen Sinne ist es aber, dass ein Teil der mittelgroßen Wohnungen nicht nur innenliegende Bäder, sondern auch innenliegende Küchen und Aufenthaltsräume haben.
Die grüne Klammer zwischen Pegnitzauen und Stadteilpark ist über die -auf den ersten Blick- starke Durchgrünung gut erkennbar. Auf Grund der hohen Dichte verbleibt jedoch bei genauerem Hinsehen häufig nur das wenig nutzbare Abstandsgrün als wichtiger Schutz für die Wohnnutzung. Die Ausnahme bildet der schöne große Wohnhof mit Spiel und Nachbarschaftstreff. Die Nutzung des Höhensprungs mit südorientierten Sitzstufen bietet attraktiven Aufenthalt. Gut gelungen ist prinzipiell der Shared Space vor dem Dürergymnasium, wobei der Bezug zum Eingang der Schule noch herausgearbeitet werden könnte. Ein guter Beitrag sind die gut erreichbaren Dachgärten auf den Zwischengebäuden. Die scheinbar starke Überformung in der Mitte des städtischen Parks muss sorgfältig betrachtetet werden, kann aber zu einer guten Nutzbarkeit führen.
Insgesamt stellte der Entwurf einen sehr guten und eigenständigen, aber auch mit hohem Aufwand verbundenen Beitrag mit potentiell hohem Wiedererkennungswert zur Lösung der Aufgabenstellung dar.
Baumschlager Eberle
Der Entwurf zielt auf die Typologie des Weiteren historischen Quartierumfelds bestehend aus geordnet gewachsener Straßenrandbebauung in Verbindung mit heterogener Innenhofbebauung. Hierzu werden zwei zunächst geschlossen angesetzte Vierseithöfe aufgebrochen. Die sich hieraus ergebenden Fragmente werden verdreht und verschoben. Dies ermöglicht eine gut verträgliche Einfügung mittels Parallelbezugsetzung zu bestehenden Straßenkanten und Nachbarbebauungen und schafft eine abwechslungsreiche, wie spannungsvolle Kleinteiligkeit an Bauvolumen und Zwischenraum im Inneren des Quartiers. Dies unterstützt durch die lebendig gestaffelten Obergeschoße mit unterschiedlichen Wand- und Traufhöhen.
Die somit insbesondere im Inneren des Quartiers erreichte Adressbildung und Maßstäblichkeit wird über ablesbar gestaltete Einzelhäuser auch auf die Straßenraum fassenden Großformen übertragen, was vom Preisgericht sehr begrüßt und geschätzt wird. Die kontrastierenden Ansätze zur räumlichen Fassung von Straßen- und Hofraum werden mit den Schlagworten „hart“ und „weich“ belegt. Folgerichtig geben sich die Fassaden in ihrer Materialität und haptischer Ausgestaltung zum Straßenraum zurückhaltend geschlossen und mineralisch, wohingegen sich diese äußere Strenge zu den Hofräumen hin auflöst, die Fassaden sich öffnen und zusätzlich zu Loggien hier raumgreifende Balkone einen fließenden Übergang vom Wohnraum und begrüntem Hofraum entstehen lassen. Die lineare Straßenraumfassung zur Sielstraße hin wirkt sehr aufgeräumt. Jedoch wäre gegenüber dem Einzeldenkmal des Albrecht-Dürer-Gymnasiums ein Zurückweichen zugunsten einer platzartigen Aufweitung im Sinne höherer Aufenthaltsqualität im öffentlichen Stadtraum wünschenswerter. Die erdgeschossigen Nutzungen sind sinnvoll und geeignet zur täglichen Versorgung und Belebung des Straßenraums sowie der Quartiersgasse und des Quartiersplatzes angeordnet. Die offene Anliefergasse wird jedoch kritisch betrachtet, da sie die unattraktive „Rückseite“ eines Lieferhofs an den zentralen Quartiersplatz heranträgt und sowohl hinsichtlich Emission wie auch hinsichtlich der Verkehrssicherheit inmitten des Wohnquartiers in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kinderspielbereich liegt. Auch erscheint sie als fußläufige Anbindung an die Reutersbrunnenstraße weder attraktiv noch erforderlich. Mehr Quartiersqualität verspräche man sich hier durch eine Deckelung zur Schaffung eines zusammenhängenden Grünhofs mit Anbindung an den Quartiersplatz. Die funktionierenden, gut belichteten und belüftbaren Wohnungen werden punktuell erschlossen, wodurch sich angenehm überschaubare Etagen- und Hausgemeinschaften ergeben. Die längen der Treppenläufe wie auch die Tageslicht- und Entrauchungsquerschnitte wären jedoch im Einzelfall zu prüfen.
Die Umgestaltung der Sielstraße besteht im nördlichen Teil aus der Platzierung eines großen Baumclusters mit Sitzbänken, das ist begrüßenswert. Weniger verständlich sind die beiden schmalen Pflanzbeete vor dem Eingang zur Schule, als Übergang zu den Pegnitzauen haben sie zu wenig Aussage. Insgesamt wäre ein großzügigerer Vorplatz für das Gymnasium eine Überlegung wert. Etwas schwer nachvollziehbar sind die weit über die TG Zufahrt hinaus angeordneten PKW- Stellplätze, der Verkehr sollte möglichst mit der TG Zufahrt enden. Der Eingang ins Quartier mit
Solitärbaum und Wasserbecken kann sehr attraktiv werden. Auch die Gemeinschaftshöfe bieten hohes Potenzial, wobei im südlichen Hof der große Anteil der Privatgärten nochmal geprüft werden sollte. Der Betriebshof hingegen mit seinen zwei Grünstreifen stellt keine attraktive Durchwegung dar, insbesondere bei Nutzung als Anlieferung, deren Funktionalität ohnehin bezweifelt wird. Der schonende und im Ansatz spielerische Umgang mit dem Bürgerpark hingegen wird sehr begrüßt.
Die Jury erkennt eine bemerkenswerte Arbeit, die sich mutig von der prägnanten Großform abwendet um mit Fingerspitzengefühl und Hingabe ein menschliches Wohnumfeld zu erschaffen und mit hohem Durcharbeitungsgrad und perfekter Darstellung ein hohes Maß an zu erwartender Qualität in der Umsetzung vorwegnimmt.
Eine besondere Qualität der Arbeit ist der Ansatz zu Nachhaltigkeit, was hier explizit als Langlebigkeit und eine flexible Grundrissgestaltung verstanden wird. Dieses Verständnis spiegelt sich konsequent und sympathisch in der Materialwahl und Formensprache.
AllesWirdGut
Der Entwurf überzeugt durch seine Kombination von Poesie und pragmatischer Realisierbarkeit. Aufbauend auf dem poetischen Storytelling der Persönlichkeiten von Agnes und Albrecht Dürer entsteht konsequent an der Reutersbrunnenstraße eine geschlossene Blockrandbebauung „Agnes“ und zum Nachbarschaftsgrün ein offen gestaltetes, in sich gestaffeltes Gebäude, genannt „Albrecht“, das einen qualitativ hochwertigen Platz umrahmt. Adresse und Identitätsbildung ist bemerkenswert gut gelöst. Das städtebauliche Konzept ist nachvollziehbar, da beide Strukturen in den Typologien der umliegenden Bebauung vorhanden sind.
Der Entwurf geht trotz seiner hohen Dichte und bebauten Fläche sensibel mit seiner Umgebung um. Der Massivität der Blockrandbebauung „Agnes“ wird durch deutlichen Rücksprung etwa auf Höhe der Traufe des Dürer-Gymnasiums adäquat entgegengewirkt.
Der Raum zwischen Dürer Gymnasium und Agnes ist an der richtigen Stelle sensibel aufgeweitet und schafft damit einen Schulvorplatz. Der Umbau der Sielstraße mit starker Durchgrünung ist grundsätzlich ein sehr guter Ansatz, die vielen Vorsprünge können rausbildend wirken.
Die Rückstaffelung der 4 Baukörper „Albrecht“ um den Platz und die Verbindung / Öffnung zum Bürgerpark lassen eine hohe Aufenthaltsqualität für sowohl BewohnerInnen als auch Passanten, erwarten. Die Terrassengärten von Albrecht stellen ein sehr attraktives Angebot dar. Der Quartiersplatz könnte jedoch als Ergänzung zu dem vorgeschlagenen Wasserspiel zu Gunsten des Platzklimas mehr Grünzonen erhalten.
Die Andeutungen im Bürgerpark legen starke Nutzungen nahe, hier sollte schonend vorgegangen werden. Schwer nachzuvollziehen ist die breite Erschließung nördlich des Parks.
Es ist lobenswert, dass der Entwurf mit den Wohnateliers im Süden und Osten von „Agnes“ alternative Wohnformen vorschlägt. Diese Wohnungen tragen zu einer gut belebten, nicht von Konsum geprägten, Erdgeschosszone bei.
Ein schöner Beitrag ist der große grüne Wohnhof im Obergeschoss über den Nahversorgern, wobei die Erschließung über nur 2 Aufgänge für die Bewohner umständlich ist, obwohl sich sämtliche Treppenhäuser mit dem Wohnhof anbinden lassen könnten. Es scheint gleichzeitig naheliegend, dass Wohnungen in dem untersten Geschoss eine kleine private Austrittszone bekommen könnten, und damit den Hof zusätzlich beleben.
Die Rasterung der Baukörper in Maßstäben, die auch Holzhybridbau zulassen sind ökonomisch und ökologisch gut gelöst. Die Grundrisse der Wohnungen sind überwiegend durchgesteckt und gut geplant.
Die Platzierung der Nahversorger und deren Andienung sind gut gelöst, es werden jedoch für die Anlieferzone mehr Flächen benötigt werden als dargestellt. Die Anbindung der Tiefgaragenstellplätze zu den Einzelhandelsflächen muss noch vertieft werden.
Die Parzellierung der Baukörper durch entsprechende Fassadengestaltungen ist im Entwurf angedeutet, gut lösbar, fügt sich damit in das städtische Gefüge des umgebenden Quartiers mit Selbstverständlichkeit ein und behält seine Eigenständigkeit sowie seinen zeitgemäßen Anspruch.
Der wilde „Albrecht“ wird durch die ruhige „Agnes“ sanft aufgefangen, insgesamt ein stimmiger und ausgezeichneter Wettbewerbsvorschlag.
2. RUNDGANG
Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten + Stadtplaner PartGmbH, Nürnberg
Friedrich Bär, Architekt Bernd Stadelmann, Architekt Rainer Stöcker, Architekt
WGF Objekt Landschaftsarchitekten GmbH, Nürnberg
Franz Hirschmann, Heidi Lehner
Mitarbeiter: Markus Altmann, Korbinian Gräßel, Gabriel Barklam, Luca Maisch, Patrick Werthner, Yi Huang (LA)
Modellfoto
Lageplanausschnitt
2. RUNDGANG
baum-kappler architekten gmbh, Nürnberg
Dipl.Ing. Andreas Baum, Architekt
Frank Kiessling Landschaftsarchitekten, Berlin
Dipl.Ing. Frank Kiessling Landschaftsarchitekt
Mitarbeiter: Dipl.Ing. Stergios Papachristos Architekt, Florian Arnold B.A., Fabian Müller B.A., Winnie Lo (LA) Hilfskräfte: mojoimages | Tom Hemmerich, Berlin (Rendering); Architekturmodelle Erik Schmidt, Hamburg (Modellbau)
Modellfoto
Lageplanausschnitt
2. RUNDGANG
Bermüller + Niemeyer Architekturwerkstatt GmbH, Nürnberg
Sophie Bermüller Dipl. Ing., Matthias Niemeyer Dipl. Ing. FH
adlerolesch Landschaftsarchitekten GmbH, Nürnberg
Benjamin Warnecke Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitekt
Mitarbeiter: Stefanie Pesel, Dominik Schöll, Victorija Chmieliauskaite, Jas Pavit Kaur, Carlotta Krämer, Dipl. Ing. (FH) Patric Peters (LA)
Modellfoto
Lageplanausschnitt
2. RUNDGANG
Hübsch + Harlé Architekten | Stadtplaner, Fürth
Stefan Harlé, Dipl.-Ing. (FH), Architekt
landschaftsarchitekt tautorat, Fürth
Edgar Tautorat, Dipl.-Ing., Landschaftsarchitekt
Mitarbeiter: Thorsten Dorn M.Sc. in Architecture, David Honke M.A. Ingenieur, Jakob Brunner M.A. Ingenieur
Modellfoto
Lageplanausschnitt
2. PREIS
Auer Weber Assoziierte GmbH, München
Moritz Auer, Philipp Auer, Stephan Suxdorf
grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner mbb, Freising
Jürgen Huber
Mitarbeiter: Stefan Bründlinger, Léonie Köhler, Mia Salveter, Constantin Schindler, Ivan Selednikov (LA) Fachplaner: Kersken + Kirchner GmbH Beratende Ingenieure VBI, München (Brandschutz) Hilfskräfte: Grüne Modellbau Wolfratshausen (Modellbau); Loomn Architekturvisualisierung Gütersloh (Visualisierung)
Modellfoto
Lageplanausschnitt
ENGERE WAHL
steidle architekten Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH,
München
Johannes Ernst
TERRA.NOVA Landschaftsarchitektur, München
Peter Wich
Mitarbeiter: Valeria Valentini, Edda Meinertz, Simone Krieger, Jan Kretschmer, Marion Schiffer B.Eng. Landschaftsarchitektur, Margareta Pilot B.Sc Landschaftsarchitektur
Modellfoto
Lageplanausschnitt
1. PREIS
AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Wien/München
Marth, Passler, Spiegl, Waldner (Dipl.Ing.) Architektur
Mitarbeiter: Marko Acimovic, Cristina Vlascici, Karolina Pettikova, Anna Statsna, Tajana Riedl, Ewelina Pawlik, Ronja Scholz (LA), Jan Van den Bergen (LA) Landschaftsarchitekten: Treibhaus Landschaftsarchitektur, Hamburg, Dipl.-Ing. Gerko Schröder
Modellfoto
Lageplanausschnitt
3. PREIS
Baumschlager Eberle, Architekten, Lustenau
Architekt Hugo Herrera Pianno, Architekt Prof. DI Dietmar Eberle
Mitarbeiter: Gerlinde Schwärzler, Marisa Lena Veith, Johannes Burtscher, Matus Sceranka, Melanie Ghanem, Maria Jose Rodriguez de Vera Guardiola Landschaftsarchitekten: Hannes Hörr, Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitekt Hilfskräfte: Gnädinger Modellbau, St. Gallen (Modellbau)