Haushaltssperre

← Sitzung des Stadtplanungsausschusses (07.04.2022)

Sitzung gesamt öffentlich mit Nachreichung

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Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Sitzungsunterlagen

Sitzung des

Stadtplanungsausschusses

(direkt im Anschluss an die

gemeins. Sitzung!)

07.04.2022

Inhaltsverzeichnis

Sitzungsdokumente 3 Nachreichung 3 Vorlagendokumente 4 * TOP Ö 5 Umgestaltung Obstmarkt, Beschluss der Entwurfsplanung 4 Sitzungsvorlage Stpl/222/2020 4 Antrag_SPD_Gedenktafel_Hauptmarkt_25012012 Stpl/222/2020 8 Antrag_CSU_Baeume_fuer_den_Hauptmarkt_16112018 Stpl/222/2020 10 Antrag_CSU_Moeblierungskonzept_Hauptmarkt_11022019 Stpl/222/2020 11 Antrag_SPD_Denkmal Hauptmarkt_23042021 Stpl/222/2020 12 Entscheidungsvorlage Stpl/222/2020 14 Obstmarkt_494b_3_A01_Entwurf_220322 Stpl/222/2020 29 Obstmarkt_494b_3_A02_Konzept Barrierefreiheit_220322 Stpl/222/2020 30 Obstmarkt_494b_3_P01-09_Längsprofil_PL01_220322 Stpl/222/2020 31 Obstmarkt_494b_3_P01-09_Straßenquerprofil_P04_220322 Stpl/222/2020 32 Obstmarkt_494b_3_P01-09_Straßenquerprofil_P06_220322 Stpl/222/2020 33 Obstmarkt_494b_Entwurf-Objektbeschreibung_22-03-22 Stpl/222/2020 34 Obstmarkt_Entwaesserung_Erlaeuterung Stpl/222/2020 54 Obstmarkt_Entwaesserung_Lageplan Stpl/222/2020 58 Obstmarkt_Entwaesserung_Prinzipskizzen Stpl/222/2020 59 Obstmarkt_Skizze_Baumpflanzungen-Buden_Christkindlesmarkt Stpl/222/2020 60 Stellungnahme STK Umgestaltung Obstmarkt Stpl/222/2020 61

Stadt Nürnberg - Rathausplatz 2 - 90403 Nürnberg

An die Mitglieder des Stadtplanungsausschusses

E-Mail: obm@stadt.nuernberg.de

Internet: www.nuernberg.de

Datum: 28.03.2022

NACHREICHUNG

ZUR SITZUNG

DES STADTPLANUNGSAUSSCHUSSES AM 07.04.2022

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

im Nachgang zur bereits zugestellten Einladung/Tagesordnung übermittle ich die Unterlagen zu

Öffentliche Sitzung

5. Umgestaltung Obstmarkt Beschluss

Beschluss der Entwurfsplanung

Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 25.01.2012, Gedenktafel

Hauptmarkt

Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 16.11.2018, Bäume für den

Hauptmarkt

Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 11.02.2019,

Möblierungskonzept für den Hauptmarkt

Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 23.04.2021, Denkmal am

Nürnberger Hauptmarkt

Ulrich, Daniel

Mit freundlichen Grüßen

Abbildung 1

Marcus König Oberbürgermeister

Beschlussvorlage Stpl/222/2020

Beratung Datum Behandlung Ziel

Stadtplanungsausschuss 11.11.2021 öffentlich Beschluss

Stadtplanungsausschuss 07.04.2022 öffentlich Beschluss

Betreff:

Umgestaltung Obstmarkt

Beschluss der Entwurfsplanung

Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 25.01.2012, Gedenktafel Hauptmarkt

Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 16.11.2018, Bäume für den Hauptmarkt

Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 11.02.2019, Möblierungskonzept für den Hauptmarkt Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 23.04.2021, Denkmal am Nürnberger Hauptmarkt

Anlagen: Antrag_SPD_Gedenktafel_Hauptmarkt_25012012 Antrag_CSU_Baeume_fuer_den_Hauptmarkt_16112018 Antrag_CSU_Moeblierungskonzept_Hauptmarkt_11022019 Antrag_SPD_Denkmal Hauptmarkt_23042021 Entscheidungsvorlage Obstmarkt_494b_3_A01_Entwurf_220322 Obstmarkt_494b_3_A02_Konzept Barrierefreiheit_220322 Obstmarkt_494b_3_P01-09_Längsprofil_PL01_220322 Obstmarkt_494b_3_P01-09_Straßenquerprofil_P04_220322 Obstmarkt_494b_3_P01-09_Straßenquerprofil_P06_220322 Obstmarkt_494b_Entwurf-Objektbeschreibung_22-03-22 Obstmarkt_Entwaesserung_Erlaeuterung Obstmarkt_Entwaesserung_Lageplan Obstmarkt_Entwaesserung_Prinzipskizzen Obstmarkt_Skizze_Baumpflanzungen-Buden_Christkindlesmarkt Stellungnahme STK Umgestaltung Obstmarkt

Sachverhalt (kurz): Für die Neugestaltung von Hauptmarkt, Obstmarkt und Ostseite Augustinerhof im Stadterneuerungsgebiet Nördliche Altstadt wurde bereits 2011/2012 ein städtebaulicher Ideenund Realisierungswettbewerb durchgeführt.

Da der Obstmarkt baulich in einem sehr schlechten Zustand ist, soll seine Umgestaltung gemäß AfS-Beschluss vom Januar 2013, zusammen mit dem Umfeld der Frauenkirche vorgezogen und in Bauabschnitten realisiert werden.

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse des seinerzeitig durchgeführten städtebaulichen Ideenund Realisierungswettbewerbs, der Ergebnisse der Bürgerbeteiligungen vor und nach dem Verfahren und den Anregungen aus der digitalen Bürgerinformation zum Vorentwurf im Jahr 2020 wurde in enger Zusammenarbeit von Verwaltung und externen Planern, Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner/ Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, die vorliegende Planung zur Umgestaltung des Obstmarktes erarbeitet.

Um den Herausforderungen durch den Klimawandel auch in der Innenstadt Rechnung zu tragen, wurde die Entwurfsplanung innerhalb der vergangenen zwei Jahre im Sinne einer zukunftsgerichteten Planung und einer angemessenen Grünausstattung weiterentwickelt und im Hinblick auf die Entsiegelung von Flächen und Versickerung und Rückhalt von

Regenwasser („Schwammstadt“) deutlich verbessert. Im Zuge der städtischen Klimaanpassungsstrategie wurden Maßnahmen konkretisiert, die das Prinzip der Schwammstadt aufgreifen und richtungsweisend für künftige Planungen im öffentlichen Raum sein sollen

Die Entsiegelung des Stadtratsparkplatzes durch eine Blühwiese wird nach derzeitigem Stand erst in einem zweiten Bauabschnitt realisiert werden können. Dennoch wird der Parkplatz bereits mit der Neugestaltung des Obstmarktes einen Teil der Infrastruktur während des Christkindlesmarkts aufnehmen und so das Umfeld der Frauenkirche am Obstmarkt entlasten. Die Entwurfsplanung und das Konzept zur Barrierefreiheit sind mit dem Behindertenrat der Stadt Nürnberg abgestimmt.

Die Gesamtkosten der Maßnahmen belaufen sich nach aktuell ermittelten Kosten auf 11.200.000 Euro. Für die Maßnahme sind im MIP 2022 - 2025 unter der Maßnahmennummer 654 / Obstmarkt Umgestaltung 11.000.000 Euro bereitgestellt. Der MIP-Ansatz ist auf Grundlage der aktuell ermittelten Kosten fortzuschreiben.

Vorbehaltlich der Beschlussfassung und der Mittelbereitstellung sowie des zeitlichen Verlaufs der weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren ist ein Baubeginn 2024 vorgesehen.

Die Maßnahme ist im Rahmen der Städtebauförderung grundsätzlich förderfähig.

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten 11.200.000 € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Im MIP 2022-2025 stehen 11.000.000 Euro zur Verfügung. Die Planung ist im weiteren Prozess anzupassen.

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Umgestaltungsmaßnahme führt zu einer Verbesserung der stadträumlichen und städtebaulichen Situation und schafft eine hohe Nutzungs- und Aufenthaltsqualität für alle Bürgerinnen und Bürger.

  1. Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Ref. I/II/StK

SÖR

Beschlussvorschlag: Die Entwurfsplanung von Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner/Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH vom 22.03.2022, Plan-Nr. 494b_3_A01, soll umgesetzt werden. Die weiteren Planungsschritte sollen beauftragt werden.

Die Planung ist im weiteren Prozess so zu überarbeiten, dass der gesteckte Kostenrahmen im MIP von 11,0 Mio. € sicher eingehalten werden kann.

CSU®

Fraktion der Christlich-Sozialen Union im Stadtrat zu Nürnberg

CSU-Stadtratsfraktion Rathausplatz 2 90403 Nürnberg Wolffscher Bau des Rathauses Zimmer 58 Herrn Oberbürgermeister Rathausplatz 2 Dr. Ulrich Maly 90403 Nürnberg C 3! Rathausplatz 2 Telefon: 09 11 231-2907

t 2. FEß. 2019 Telefax: 09 11 231-4051

90403 Nürnberg Nr. E-Mail: csu@stadt.nuernberg.de / ■. <;hrr»3 www.csu-stadtratsfraktion.nuernberg.de

viT i 11.02.2019

Pirner

Möblierungskonzept für den Hauptmarkt

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

im Zuge der Qualitätsoffensive und der Neugestaltung- und Anordnung der Markstände hat sich auf dem Nürn­ berger Hauptmarkt viel Positives entwickelt. Eine Forderung aus der durchgeführten Passantenumfrage war der Wunsch nach mehr Sitzgelegenheiten. Eine Testphase mit unterschiedlichen Ausführungen von Sitzgelegenhei­ ten - Bänke, Stühle, etc. - wurde letztes Jahr begonnen, weitere Tests mit unterschiedlichen Modellen folgen.

Die während der Versuchsphase angebotenen Sitzgelegenheiten wurden vom Publikum gut angenommen, auch die Möglichkeit des Verschiebens oder Zusammenstellens wurde gerne genutzt. Gleichzeitig sorgte diese Mobi­ lität der Möbel - ohne festen Standort - auch für Kritik, die lose Verteilung auf dem Platz wirke im Stadtbild ungeordnet.

Eine mögliche Alternative bzw. Ergänzung der mobilen Sitzgelegenheiten könnten Sitzbänke rund um die bereits vorhandenen Kandelaber sein. Diese Möglichkeit wird auch schon in anderen Großstädten genutzt und wirkt wesentlich wertiger als Bierbänke oder lose herumstehende Stühle. Zudem stünden diese Sitzgelegenheiten auch außerhalb der Marktzeiten zur Verfügung. Unterschiedliche Steck- und Klappsysteme bieten auch bei sol­ chen Möbeln die Möglichkeit einer schnellen Demontage z.B. anlässlich von Events oder Christkindlesmarkt.

Die CSU-Stadtratsfraktion stellt daher zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden

Antrag:

Die Verwaltung prüft im Rahmen der weiteren Versuchsphase auch eine Möblierung, welche die Kan­ delaber als Fixpunkt für runde oder hexagonale Sitzbänke nutzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Bänke neben hochwertigem Design, Stabilität und Wetterfestigkeit auch über eine Möglichkeit zur schnellen (De-)Montage verfügen.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus König Fraktionsvorsitz^nder

A19012501 BestuhlungHauptmarkt.docx

Beilage

Betreff:

Umgestaltung Obstmarkt

Beschluss der Entwurfsplanung

Entscheidungsvorlage

1. Ausgangssituation

Für die Neugestaltung von Hauptmarkt, Obstmarkt und Ostseite Augustinerhof im Stadterneuerungsgebiet Nördliche Altstadt wurde 2011/2012 ein städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt.

Sein Ziel war es, eine Verbesserung und Aufwertung dieses für Bewohner, Besucher und Touristen gleichermaßen wichtigen öffentlichen Raumes in der Altstadt unter Beachtung der vorhandenen Nutzungen zu erreichen. Es sollte eine städtebauliche Leitidee entwickelt werden, die den stadträumlichen Zusammenhang im Bereich der Frauenkirche wiederherstellt und diese als Bindeglied in den Mittelpunkt stellt, dabei den jeweils eigenen Charakter von Hauptmarkt und Obstmarkt herausarbeitet und den Augustinerhof stadträumlich anbindet.

Da der Obstmarkt baulich in einem sehr schlechten Zustand ist, soll seine Umgestaltung gemäß AfS-Beschluss vom Januar 2013, zusammen mit dem Umfeld der Frauenkirche vorgezogen und in Bauabschnitten realisiert werden.

Im Zuge einer Weiterentwicklung des Wettbewerbsergebnisses wurde die Umgestaltung des Obstmarktes - vor dem Hintergrund der europaweiten Diskussion über die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen in den Städten und des Grundsatzbeschlusses der Stadt Nürnberg vom Juli 2019 zur Umsetzung der Pariser Beschlüsse zum Klimaschutz – vertiefend unter nachhaltigen und zukunftsgerichteten Gesichtspunkten betrachtet. Dabei wurde der Umgang mit dem Verkehr neu bewertet und neben einer angemessenen Grünausstattung Maßnahmen zur Klimaanpassung des Stadtraumes im Sinne eines dezentralen Regenwassermanagements

Kombination aus Regenrückhalt, Entsiegelung von Flächen, Versickerung und
Verdunstung

Stadtbäumen gefördert werden.

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse des seinerzeitig durchgeführten städtebaulichen Ideenund Realisierungswettbewerbs, der Ergebnisse der Bürgerbeteiligungen vor und nach dem Verfahren und den Anregungen aus der digitalen Bürgerinformation zum Vorentwurf in 2020 wurde in enger Zusammenarbeit von Verwaltung und externen Planern, Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner / Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, die vorliegende Planung zur Umgestaltung des Obstmarktes erarbeitet.

2. Planungsprozess und digitale Bürgerinformation zum Vorentwurf

Seit 2018 wurde auf der Grundlage des städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerbs und der Ergebnisse der in diesem Zusammenhang durchgeführten Bürgerbeteiligungen in enger Zusammenarbeit von Verwaltung und externen Planern ein Vorentwurf erarbeitet und als Grundlage für eine öffentliche Veranstaltung in der Sitzung des AfS vom 30.01.2020 beschlossen.

Leider war es Corona bedingt im letzten Jahr nicht möglich, den Vorentwurf in einer öffentlichen Präsenzveranstaltung mit vielen Teilnehmern vorzustellen.

Vor Konkretisierung der Planung in der Entwurfsphase war der Verwaltung aber wichtig, den öffentlichen Dialog über das künftige Aussehen des Obstmarktes zu diesem Zeitpunkt zu führen, um eine möglichst hohe Transparenz und Mitsprache der Bürgerschaft bei Planungen im öffentlichen Raum zu gewährleisten und die Planungen zügig weiterzuführen. Aus diesem Grund hat sich die Verwaltung entschieden, das Projekt und die Planung in einem digitalen Format einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und Meinungen abzufragen. Begleitend dazu gab es auch ein nicht-digitales Informationsangebot im Quartiersbüro Altstadt für die Bürgerinnen und Bürger.

Als Auftakt zur digitalen Bürgerinformation wurden in einer Veranstaltung am 17.09.2020 vor Ort vorab exklusiv Anliegerinnen und Anlieger sowie Gewerbetreibende am Obstmarkt durch Oberbürgermeister Marcus König über das Projekt, den Planungsprozess und den aktuellen Planungsstand informiert. Weitere Teilnehmer der Veranstaltung waren Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich und der für die Planung verantwortliche Landschaftsarchitekt Ludwig Schegk von Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner.

Corona bedingt musste die Anzahl der Teilnehmer der Veranstaltung klein gehalten werden. Daher wurde der Teilnehmerkreis auf die oben genannten, unmittelbar von der Planung, Betroffenen beschränkt. Der Bürgerverein Altstadt wurde über die Veranstaltung informiert.

Das Projekt, der Planungsprozess und die aktuelle Planung wurden in Form einer digitalen Bürgerinformation dann im Zeitraum vom 05. bis 30. Oktober 2020 auf der Webseite www.obstmarkt.nuernberg.de der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich viele Bürgerinnen und Bürgern über das gewählte Format informiert haben. Am Häufigsten sind Kommentare und Anregungen zum Thema Grün eingegangen, gefolgt von den Themen Radverkehr/Fahrradparken, KfZ-Verkehr/ Parken, Brunnen, Sitzgelegenheiten, Zeitplanung und allgemeines Lob der Planung. Dass die Bürgerinnen und Bürger mit der Planung grundsätzlich zufrieden sind, bestätigte sich in den Rückmeldungen. In diesem Zusammenhang wurde immer wieder genannt, dass eine zeitnahe Umsetzung der Maßnahme erwartet wird. Die eingegangenen Kommentare und Anregungen sind im Rahmen der Entwurfsplanung geprüft und eingearbeitet worden.

Das Ergebnis der digitalen Bürgerinformation wurde auf der Webseite www.obstmarkt.nuernberg.de veröffentlicht.

Die Entwurfsplanung und das Konzept zur Barrierefreiheit sind mit dem Behindertenrat der Stadt Nürnberg abgestimmt.

Die Entwurfsplanung wurde mit den Spartenträgern und den Fachdienststellen abgestimmt.

3. Weiterentwicklung der Planung seit 2020

Um den aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel in der Innenstadt Rechnung zu tragen, wurde die vorliegende Entwurfsplanung innerhalb der vergangenen zwei Jahre im Sinne einer zukunftsgerichteten Planung und einer angemessenen Grünausstattung weiterentwickelt und im Hinblick auf die Entsiegelung von Flächen und Versickerung und Rückhalt von Regenwasser vertiefend untersucht. Im Zuge der städtischen Klimaanpassungsstrategie wurden Maßnahmen konkretisiert, die das Prinzip der Schwammstadt aufgreifen und richtungsweisend für künftige Planungen im öffentlichen Raum sein sollen.

Übersicht der Punkte im Einzelnen:

 Baumneupflanzungen, Spartenverlegung

Zusätzlich zu den 12 Bestandsbäumen sind nun insgesamt 42 Bäume zur Neupflanzung vorgesehen. Zum Vergleich: der Wettbewerbsentwurf enthielt 17, der Vorentwurf 2020 37 neue Bäume. Um überhaupt Bäume pflanzen zu können, werden am Obstmarkt alle Sparten neu organisiert und verlegt werden. Besonders hierbei stellt die Bunkeranlage einen Zwangspunkt dar. Bei der Situierung von Baumneupflanzungen in der bewohnten und dicht bebauten Altstadt sind sehr viele Belange zu berücksichtigen und Kompromisse auszuhandeln.

 Entwässerungssystem nach dem Schwammstadt-Prinzip Vorgesehen ist eine vollständige Regenrückhaltung und Versickerung des Oberflächenwassers bei einem 10-jährigen Regenereignis, das gleichzeitig den Bäumen zur Bewässerung dienen wird und die Kanalisation entlasten wird. Das Oberflächenwasser kann sowohl oberirdisch über offene Baumscheiben mit ausgebildeten Mulden als auch unterirdisch über Pflasterrinnen und Straßeneinläufen einem Rigolen-System zugeführt werden. Das Entwässerungskonzept ist für zentrale Innenstadtbereiche neu, sehr innovativ und wegweisend. (Siehe Erläuterungen zum Entwässerungskonzept unter Punkt 4.4.2 und Anlage)

 Entsiegelung von Fläche In Anbetracht der sehr zentralen Lage mitten in der Altstadt und den vielfältigen Nutzungsanforderungen an diesen öffentlichen Raum sind einer Entsiegelung von Flächen Grenzen gesetzt. Nach überschlägigen Berechnungen sind mehr als 40 % der Gesamtfläche nur für Fahrbahn, Zufahrten, Gehbahnen insbesondere für Sehbehinderte und Blinde, Parkplätze und Taxenstand erforderlich und können nicht begrünt werden. Darin sind z.B. noch keine Sondernutzungsflächen oder Flächen für die Infrastruktur für Märkte enthalten. Auch ein Vergleich des Fußgängeraufkommens Obstmarkt mit dem Egidienplatz zeigt die unterschiedlichen Nutzungsfrequenzen, so waren 2009 am Obstmarkt rd. 4050 Fußgänger in 16 Stunden und am Egidienplatz Nord 900 Fußgänger in 16 Stunden unterwegs.

Der nun vorliegende Entwurf sieht, unter Abwägung der verschiedenen Belange, größere offene Baumscheiben vor. Nur die Fahrbahn soll in gebundener Bauweise hergestellt werden, um vor allem die Belastung durch die Buslinien und den Lieferverkehr aufzunehmen und damit diese Fahrbahn dauerhafter zu gestalten. In allen übrigen Bereichen ist die ungebundene Bauweise vorgesehen. Die offenen Fugen können mit ca. 10% ihrer Oberfläche zu einem gewissen Teil zur Entsiegelung, Kühlung und Versickerung beitragen, solange die Fugen nicht durch Salzeintrag im Winter und Feinschmutz festgebacken und damit undurchlässig sind. Insbesondere dienen die offenen Fugen aber auch dem stadtgestalterischen Anspruch.

 Stadtratsparkplatz als zweiter Bauabschnitt Die Entsiegelung des Stadtratsparkplatzes durch eine Blühwiese wird in einem zweiten Bauabschnitt realisiert werden können. Dennoch wird der Parkplatz bereits mit der Neugestaltung des Obstmarktes einen Teil der Infrastruktur während des Christkindlesmarkts aufnehmen und so das Umfeld der Frauenkirche am Obstmarkt entlasten.

 Verkehr Der Obstmarkt soll künftig verkehrsberuhigter Geschäftsbereich werden, es gilt dann Tempo 20, insbesondere um die Buslinie sinnvoll betrieben zu können. Der Ausbau lässt aber auch eine Fußgängerzone oder einen verkehrsberuhigten Bereich zu. Mit der einheitlichen Gestaltung der gesamten Fläche, der Reduzierung der Fahrbahnbreite und dem Verzicht auf 63 öffentliche Stellplätze findet eine Neuorganisation des Straßenraumes zugunsten einer

neuen Aufenthaltsqualität statt, die allen Bevölkerungsgruppen, den Gewerbetreibenden vor allem aber Fußgängern zugutekommen wird.

4. Entwurf – Erläuterung der Planung

4.1 Planungsumfang

Das Planungsgebiet „Obstmarkt“ erstreckt sich von der Theresienstraße bis zur Spitalgasse über den Fünferplatz und den Obstmarkt. Das Umfeld der Frauenkirche als zentrale Schnittstelle zwischen dem Hauptmarkt und Obstmarkt, sowie die Obstgasse und der Stadtratsparkplatz am Fünferplatz sind in die Planungen mit einbezogen. Das Planungsgebiet umfasst eine Fläche von 13.550 m².

4.2 Städtebauliche Ziele

● Umgestaltung des Obstmarktes zu einem eigenständigen, historisch begründeten Platzraum mit großzügigen Fußgänger- und Aufenthaltszonen in einem einheitlichen und durchgängigen Stadtboden und möglichst vielen Bäumen und Grün

● Neuorganisation des Straßenraumes durch Rückbau der Fahrgassen auf ein funktional, notwendiges Maß für den Begegnungsverkehr und dem Verzicht auf fentliche Stellplätze zugunsten einer hohen Aufenthaltsqualität

● Klimaanpassung des Stadtraumes durch Entsiegelung von Flächen, deutliche Durchgrünung mit Bäumen, Schaffung von Grünflächen bzw. –streifen und Rückhaltung des Regenwassers, sowie Platzieren von Brunnen und Wasserelementen im öffentlichen Raum

● Aufwertung des Umfeldes der Frauenkirche als Bindeglied zwischen Haupt- und Obstmarkt mit Freistellung des Chores

● Neuordnung der temporären, heute am Chor der Frauenkirche angeordneten, Infrastruktureinrichtungen bei Großveranstaltungen und Sondermärkte

● Einrichtung eines „Verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs'“ mit Tempo 20km/h mit dem Potential zu „mehr“.

● Einbindung von Kunst: Kunstprojekt „Obstmarktbunker“ und Stele zur historischen Geschichte des Hauptmarktes als zentraler Ort Nürnbergs

4.3 Beschreibung der Teilbereiche

Auf der in den Anlagen beigefügten Objektbeschreibung zur Entwurfsplanung vom Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner/Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH wird zur ausführlichen Erläuterung der nachfolgenden Planungsinhalte verwiesen.

Entsprechend der topografischen und städtebaulichen Strukturen lassen sich folgende stadträumlichen Einheiten definieren:

Fünferplatz

Der Fünferplatz im Norden des Planungsgebietes ist das Eingangstor zum Obstmarkt und bietet topografisch höher gelegen einen guten Ausblick auf den Chor der Frauenkirche und den an den Obstmarkt versetzten Stockzahnbrunnen. Das Planungsgebiet lässt sich einteilen in den Straßenraum und einen kleinen, geschützten Platz am „Fischbrunnen“ (heutiger Stadtratsparkplatz).

Straßenraum Künftig wird der Straßenraum durch eine Baumallee von der Theresienstraße bis zur platzartigen Aufweitung am Obstmarkt aufgewertet. Eine Leitidee des Entwurfs ist es, dass jeder

stadträumlichen Einheit eigene Baumarten zugeordnet sind, die die Charakteristik des Ortes aufgreifen und identitätsstiftend wirken. Im nördlichen Teil des Fünferplatzes steht die Begrünung unter dem Motto „Auftakt mit Ahorn“, in dem schattenspendende Bäume den Bezug zur Theresienstraße herstellen. Der südliche Teil bildet das „Grüne Entree zum Obstmarkt“ mit leicht mediterranem (Zürgelbaum, Scheinbuche) oder alternativ traditionellem (Linde, Ahorn) Charakter. Die beidseitig entlang der Fahrbahn zwischen den Bäumen angeordneten Grünstreifen stellen eine klimatisch-ökologische Aufwertung des Straßenraumes dar.

Durch Reduzierung der Fahrbahn auf eine Breite von 6,50 m und Neuordnung mit gleichzeitiger Reduzierung der Stellplätze werden beidseitig des Fünferplatzes großzügige Fußgängerbereiche geschaffen, die zum einen der historischen Rathausfassade angemessenen Raum zugestehen, zum anderen auf der Ostseite Platz für Außengastronomie bieten und im Wechsel mit den neu gepflanzten Bäumen die Aufenthalts- und Nutzungsqualität des Straßenraumes deutlich verbessern. Am Beginn des Fünferplatzes auf der Westseite sind 7 Kurzzeitstellplätze angeordnet.

Stadtratsparkplatz Auf der heute als Stadtratsparkplatz genutzten Fläche soll in historischem Umfeld ein kleiner, geschützter Platz in der Altstadt entstehen. Im Sinne einer Entsiegelung von Flächen soll hier eine Blühwiese mit Pflanztrögen und Sitzgelegenheiten entstehen. In Verbindung mit dem Baumbestand und dem dort bestehenden „Fischbrunnen“ verspricht die Gestaltung eine hohe Aufenthaltsqualität und schafft einen Ort der Identität. Gleichzeitig erhält der aus 23 Fischen bestehende „Fischbrunnen“ von Albert Feist aus dem Jahr 1963 eine ihm angemessene Aufmerksamkeit.

Entlang der Wand an der Ostseite des Platzes werden überdachte Fahrradstellplätze, einschl. einer E-Bike-Ladestation angeordnet.

Die Anlieferzone vor dem Gebäude Fünferplatz 2 bleibt entsprechend der heutigen Situation erhalten, gegenüber werden zwei öffentliche Behindertenstellplätze eingerichtet. Die Zufahrt zum Innenhof des Rathauses bleibt erhalten.

Zweiter Bauabschnitt Der Stadtratsparkplatz am Fünferplatz ist Bestandteil der Planungen, soll aber erst in einem zweiten Bauabschnitt hergestellt werden, da er heute für regelmäßige Veranstaltungen am Hauptmarkt bzw. in der Innenstadt wie z. B. Blaue Nacht, Trempelmarkt oder Bardentreffen, sowie für verschiedene Veranstaltungen, die unregelmäßig unterjährig stattfinden, benötigt wird. Neben einer Nutzung als Parkfläche zu Sitzungs- und Fraktionsterminen, dient die Fläche Mitarbeitenden und Dienstleistern (z. B. Caterer mit Kühlfahrzeugen) bei Veranstaltungen, aber auch Gästen (z. B. StaatsministerInnen etc.) in Verbindung mit repräsentativen Terminen im Rathaussaal als Parkfläche, wenn der Rathausinnenhof aufgrund einer Nutzung als Veranstaltungsort, insbesondere in den Sommermonaten, entfällt. Weiterhin wird der Stadtratsparkplatz zusammen mit dem Innenhof als Veranstaltungsfläche bei größeren Veranstaltungen benötigt.

Unabhängig von der zeitlichen Umsetzung der Maßnahme zur Umgestaltung des Stadtratsparkplatzes soll diese Fläche im Winter, während der Zeit des Christkindlesmarkt, als temporäre Fläche dem Aufstellen von Teilen der Infrastruktureinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. So soll der Aufwertung des Umfeldes der Frauenkirche mit Einbeziehung des Chores im Hinblick auf eine spätere Umgestaltung Rechnung getragen werden.

Wenn die Umbau des Stadtratsparkplatzes in einem zweiten Bauabschnitt fertig gestellt wurde, soll die künftige Grünfläche durch geeignete Maßnahmen während der Zeit des Christkindlesmarkt geschützt werden. Durch diese Mehrfachnutzung muss mit einem erhöhten Aufwand im Unterhalt gerechnet werden, der aber aufgrund der hervorzuhebenden positiven

klimatischen Auswirkung und dem Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger als Erholungsort gerechtfertigt erscheint.

Obstmarkt

Der Obstmarkt soll entsprechend seiner historischen und stadträumlichen Bedeutung gestaltet werden, um wieder an Identität zu gewinnen. Er soll künftig als urbaner Platz mit Bäumen, Brunnen und Sitzgelegenheiten erlebbar sein. Um diese besondere Bedeutung auch stadträumlich hervorzuheben, wechselt die Verlegerichtung des Pflasterbelags im Kernbereich vom linearen Reihenverband in einem richtungslosen Flechtverband. Das hat gleichzeitig auch technische Vorteile in der Standfestigkeit des Belages.

Zur Verbesserung des Stadtklimas durch Kühlung und gleichzeitig zur Attraktivitätssteigerung und Belebung des Obstmarktes soll schwerpunktmäßig das Element Wasser beitragen. Der säulenartige Stockzahnbrunnen soll hierher versetzt werden. Er ist im Sommer Anziehungspunkt besonders für Kinder. Seine Situierung im Schnittpunkt der Sichtachse aus der Tucherstraße und vom Fünferplatz kommend spielt dabei eine wichtige Rolle. Dieser Standort wurde bereits seinerzeit im Rahmen des städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerbes vom Preisträger für einen Brunnen vorgeschlagen.

Nördlich davon, im Winkel des Rathausgebäudes, wird der ehemals im Innenhof des Pellerhauses stehende, historische Apollobrunnen einen angemessenen Platz finden. Zwischen den beiden Brunnen wird ein interaktives Wasserspiel mit Trittsteinen und Wasser bzw. Wassernebel und ein Trinkwasserbrunnen als Anziehungspunkt nicht nur für Kinder situiert. Die Anlage soll sich harmonisch in den Pflasterbelag einfügen.

Die Silber-Linde an der Tucherstraße gegenüber wird durch eine weitläufig umgreifende Bank mit Lehne und angenehmer Sitzoberfläche in ihrer Bedeutung betont und bietet einen schattenspendenden Sitzplatz. An dieser Stelle befindet sich unterirdisch der ehemalige Zugang zum Obstmarktbunker, der als Teil des Kunstprojektes „Sebalder Steppe“ der Künstlerin Anja Schoeller in die Umgestaltung des Obstmarktes integriert wird.

Entsprechend dem Begrünungsleitbild „Einmal im Jahr Spektakel“ werden auf der Westseite drei japanische Zier-Kirschen (alternativ Zier-Äpfel oder Säulen-Kirschen) als Blühbäume mit Obstbaumcharakter vorgeschlagen. Sie gestalten die gastronomische Außenbestuhlungsfläche attraktiver und spenden Schatten auf der Platzfläche.

Zur Verbesserung der Aufenthalts- und Nutzungsqualität werden über den gesamten Platz unterschiedlich gestaltete Ruheplätze und Sitzgelegenheiten mit variabler Sitz- und Blickrichtung verteilt. Außerdem werden Sitzmöglichkeiten mit Holz- bzw. Holzlaminatoberflächen und Lehne, als auch Sitzmöglichkeiten im Schatten, angeboten.

Um das unerwünschte Parken am Fahrbahnrand zu verhindern, werden begrenzend u. a. Leuchten, Sitzmöbel oder Fahnenmasten aufgestellt.

Die Litfaßsäule wird an dem heutigen Standort in die Umgestaltung integriert.

Umfeld Frauenkirche

Die Aufwertung des Umfeldes der Frauenkirche und Einbeziehung dieses Bereiches in die Platzfläche des Obstmarktes ist zentraler Bestandteil der Umgestaltungsmaßnahme. Sowohl die im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens durchgeführten Bürgerbeteiligungen als auch die Kommentare zum Vorentwurf im Rahmen der digitalen Bürgerinformation 2020 haben gezeigt, dass die Öffentlichkeit eine Aufwertung des Umfeldes, insbesondere der Chorseite der Frauenkirche wünscht, da sie heute als Hinterhof des Hauptmarktes, vor allem durch die Infrastruktureinrichtungen bei Veranstaltungen oder Sondermärkten, empfunden wird.

Künftig wird die Frauenkirche als zentraler Mittelpunkt zwischen Hauptmarkt und Obstmarkt durch die Einbettung in den einheitlich gestalteten Stadtboden in ihrer stadträumlichen Funktion wiederhergestellt. Die Parkplätze an der Rückseite der Frauenkirche entfallen. Durch die freie und unverstellte Sicht auf den Chor kann dieser nun seine stadträumliche Wirkung entfalten.

Eine großzügige Rundbank mit Lehne und angenehmer Sitzoberfläche unter dem bestehenden Berg-Ahorn bietet schattigen Aufenthalt am Chor der Kirche. Ein fachgerechter Rückschnitt verbessert den Lichteinfall.

Wie bereits am Fünferplatz führt die Reduzierung der Fahrbahnbreite auch hier zu großzügigen Fußgängerbereichen beidseitig der Fahrbahn. Damit wird sowohl dem Umfeld der Frauenkirche mehr Raum gegeben, als auch auf der Ostseite der Spitalgasse Platz für Außengastronomie geschaffen, so dass im Wechsel mit den neu gepflanzten Bäumen die Aufenthalts- und Nutzungsqualität des Straßenraumes deutlich verbessert wird.

Um die stadträumliche Funktion der Frauenkirche hervorzuheben, wird auf Höhe der Kirche die Fahrbahn zusätzlich auf eine Breite von 5,50m verjüngt und mit drei Bäumen markiert.

In Verlängerung der Baumallee am Fünferplatz wird auf der Ostseite der Spitalgasse eine Baumreihe entlang der Fahrspur fortgeführt. Die Auswahl der Arten folgt dem Begrünungsleitbild „Grüner Rahmen für Frauenkirche und Spitalgasse: Blüten, fiedrige Blättern und lichter Schatten“ (Robinien, Gleditschien) oder alternativ „saisonale Blattfärbung und stärkere Beschattung“ (Ahorn-Variante).

Nördlich der Frauenkirche werden die vorhandenen Berg-Ahorne vor dem italienischen Restaurant um weitere drei zu einem Hain ergänzt, die Platzoberfläche erfolgt unter den Bäumen als wassergebundene Wegedecke. Die Außenbestuhlung bleibt erhalten, eine Erweiterung entlang der südlichen Gebäudewand (gegenüber der Frauenkirche) ist möglich.

Zwei weitere neue Baumstandorte in einer großzügigen offenen Baumscheibe sind vor dem „Blockhouse“ angeordnet.

Entlang der Spitalgasse werden beidseitig insgesamt vier Behindertenstellplätze angeordnet.

Am Rande der Obstgasse sind zahlreiche Fahrradstellplätze vorgesehen.

Aufgrund ihrer Nähe zum Hauptmarkt steht die Fläche vor dem italienischen Restaurant bei Bedarf für temporär notwendige Infrastruktureinrichtungen für die Märkte zur Verfügung. Dies soll der Forderung von Ref. VII/ML Rechnung tragen, zusätzlich marktnah Infrastruktureinrichtungen aufstellen zu können.

Baumpflanzungen am Hauptmarkt

Im Hinblick auf den Klimawandel und unter Berücksichtigung vieler Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern aus den Beteiligungsverfahren vor und nach dem städtebaulichen Wettbewerb 2011/2012 und aktuell aus der digitalen Bürgerinformation zum Vorentwurf im letzten Herbst sind im Umfeld der Frauenkirche zwei Standorte für Baumpflanzungen am Rande des Hauptmarktes vorgesehen.

Unter dem grünen Leitmotiv „Grüne Spots als Schattendächer“ sind ein Solitär an der Brautkehre sowie ein „Baumhain“ mit vier Platanen südlich der Frauenkirche vor dem Gastronomiebetrieb vorgesehen. Der „Baumhain“ ist Teil des Ortes, an dem sich im Mittelalter das Nürnberger Judenviertel befand. Daher ist auch hier, im Randbereich des Baumhains, die Gedenkstele zur wechselvollen Geschichte des Hauptmarktes als zentraler Ort Nürnbergs vorgesehen.

Beide Standorte sind für Baumpflanzungen geeignet, da sie das Hauptportal der Frauenkirche räumlich und stadtgestalterisch in Szene setzen, die Aufenthaltsqualität am Hauptmarkt durch Schattenplätze verbessern und aufgrund ihrer Randlage, die Zufahrten und Anlieferungen auf dem Hauptmarkt nicht wesentlich einschränken. Die Außenbestuhlungsfläche wird unter dem Baumhain erhalten bleiben. Darüber hinaus lässt die bestehende Spartenlage dauerhafte Baumpflanzungen zu.

Durch die Pflanzung des Baumes in der Brautkehre und durch die vier Platanen wird es erforderlich, dass insgesamt vier Stände des Christkindlesmarktes den Standort wechseln müssen. Durch die Umgestaltung des Obstmarktes werden jedoch neue attraktive Möglichkeiten im Umfeld der Frauenkirche und benachbart zum Hauptmarkt geschaffen, die für die Aufstellung von Buden oder Marktständen sehr gut geeignet sind und den Betreibern interessante und hochwertige Standorte bieten werden.

Auf die Anlage dazu („Skizze Hauptmarkt; Baumpflanzungen / Buden CKM“) wird verwiesen.

In der Gesamtabwägung wurden hier die Belange des Christkindlesmarktes gegen die Chancen einer wenigstens teilweisen Begrünung des Hauptmarktes ohne weitere schwerwiegende Konsequenzen für dessen Nutzung zurückgestellt – 5 dauerhafte Bäume auf einem Ort, der wegen seiner intensiven Nutzung ansonsten baumfrei ist, sind zu würdigen.

Bushaltestelle und Wendeschleife Spitalgasse

Die Wendeschleife in der Spitalgasse liegt am südlichen Ende des Planungsgebietes. Künftig wird die Busendhaltestelle aus der Wendeschleife heraus in die Spitalgasse verlegt und geradlinig und barrierefrei ausgebaut. Durch den Rückbau der Doppelfahrbahn entsteht so eine großzügige Warte- und Bewegungsfläche für die Busnutzerinnen und -nutzer. Die Haltestelle erhält ein Buswartehaus, dessen Glaswände und –dach mit einem informativen und dekorativen Druck versehen werden sollen. Dies zeigt die Identität des Ortes und dient so der Orientierung, z.B. für Touristen.

Die Fahrbahn wird im Bereich der Bushaltestelle auf eine Breite von 8 m verbreitert.

Die Wendeschleife des Busses wird einige Meter nach Osten versetzt, so dass die bereits heute durch Außengastronomie und Schatten spendende Bäumen belebte Platzfläche im Übergang zur Fußgängerzone vergrößert werden kann. Wie bereits am Obstmarkt wird auch in diesem Bereich die besondere Bedeutung des Platzes hervorgehoben durch das richtungslos verlegte Pflaster.

Unter dem Leitmotiv „Grüner Straßenraum am Bushalt“ sind Baumpflanzungen in lockerer Anordnung vorgesehen mit der Gleditschie, die in einer großzügig bemessenen offenen Baumscheibe steht, in der Mitte der Wendeschleife. Die hier angeordnete Grünfläche spielt zudem eine wesentliche Rolle für die Regenwasserbewirtschaftung. Sie wird ausgemuldet profiliert und mit attraktiver Unterpflanzung gestaltet. Raumbildende Baumpflanzungen beidseitig der Spitalgasse werten den Straßenraum zusätzlich auf.

Um dem hohen Bedarf an Fahrradstellplätzen gerecht zu werden, sind insbesondere in der Spitalgasse neben einer Fahrradverleihstation zahlreiche, teilweise überdachte, Fahrradstellplätze für unterschiedliche Anforderungen angeordnet,, z. B. für Lastenfahrräder.

Die Taxistellplätze werden neu geordnet. Taxen können sich künftig sowohl gegenüber der Bushaltestelle als auch südlich des Bankgebäudes aufstellen. Gegenüber der Bushaltestelle wird außerdem ein Behindertenparkplatz eingerichtet.

Im Bereich der Wendeschleife sollen öffentliche Toiletten in Form eines Litfaßsäulen-WCs angeboten werden.

4.4 Wichtige Einzelthemen

4.4.1 Barrierefreiheit

Die Entwurfsplanung wie auch das Konzept zur Barrierefreiheit folgen dem Prinzip „Design für Alle“. Demnach soll der neue Obstmarkt für alle Leute gleichermaßen nutzbar und attraktiv sein, für Groß und Klein, Alt und Jung sowie Menschen mit Einschränkungen oder Behinderungen.

Das Konzept zur Barrierefreiheit sieht eine barrierefreie bzw. hindernisfreie „Route“ beidseits der Fahrbahn als zügige fußläufige Verbindung vor, wenn möglich und sinnvoll direkt an den Gebäuden entlang. Diese barrierefreien Routen sind von jeglichen Einbauten frei zu halten, wie Fahrradständern oder Bänken, aber auch Werbeaufstellern, Pflanzkübel und Mobiliar der Gastronomie. Um hier Nutzungskonflikte zu vermeiden, werden Flächen für die Außengastronomie grundsätzlich unter den Baumreihen angeordnet.

Eine weitere Orientierung bieten die Brunnen auf dem zentralen Platz des Obstmarktes im Sommer durch ihre akustische Wirkung.

Im Planungsgebiet werden mehrere Querungen über die Fahrbahn als sog. ungesicherte Querung nach DIN 32984 mit Bodenindikatoren markiert. Dazu wird jeweils ein Auffindestreifen quer zur Gehrichtung und ein Richtungsfeld am Fahrbahnrand angeordnet.

Die Stellplätze für Behinderte sind im Bereich der Gehwege ausgewiesen und ermöglichen so die normativ erforderlichen höhengleichen Bewegungsflächen für Aus- /Zustieg und Be-/Entladen.

Die Bushaltestelle ist barrierefrei gestaltet und normgerecht mit Bodenindikatoren ausgestattet.

4.4.2 Entwässerungskonzept zum nachhaltigen Umgang mit dem Oberflächenwasser

(Schwammstadt-Prinzip)

Aus Gründen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung soll am Obstmarkt im Sinne des Schwammstadt-Prinzips ein innovatives Entwässerungskonzept zum Einsatz kommen.

Das sog. Schwammstadt-Konzept sieht vor, dem Baum unterhalb der befestigten Oberfläche in miteinander verbundenen Rigolenkörpern mehr Raum zu geben. Das Substrat unter der Oberfläche ist dabei namensgebend für das Konzept und funktioniert wie ein Schwamm. Gleichzeitig kann das Substrat in den kleinen Hohlräumen Wasser speichern, das dem Baum dadurch zur Verfügung steht und langsamer an die Umgebung und die Kanalisation abgegeben wird. Somit leistet das System einen Beitrag, um den Wasserabfluss bei Starkregen zu dämpfen.

Da nur gewisse Anteile des Niederschlagswassers direkt über die straßenbegleitenden Grünstreifen und die Fugen des Pflasterbelags versickert werden können, wird auch das über die Pflasterrinne und die Straßeneinläufe ablaufende Oberflächenwasser den unterirdischen Baumgruben zugeführt. Unterhalb der Baumsubstratkörper wird ein Rigolenkörper eingebaut, der aus offenporigem Rigolensubstrat und Rohren besteht. Jeder Rigolenkörper verbindet mehrere Baumscheiben miteinander. Die Beschickung dieser Rigolen erfolgt zentral oder dezentral.

Eine ausführliche Beschreibung des Entwässerungskonzeptes mit Prinzipskizze zur anschaulichen Erläuterung ist als Anlage der Vorlage beigelegt.

Das Entwässerungskonzept wurde im Spartenkoordinierungsgespräch zum Entwurf den Spartenträgern vorgestellt. Die Fachdienststellen UwA und SUN haben dem Konzept zugestimmt. Der mit der Weiterführung der Planung bis zur Ausführung dann verantwortliche SÖR sieht in dem Konzept noch umfangreicheren technischen Abstimmungsbedarf, vor allem bei folgenden Themenstellungen:

Wanne“ bei den derzeit geplanten Abständen der Versickerungsanlagen zu den Gebäuden gewährleistet ist ?

nachgewiesen werden kann ?

bemessenen Wasserspeicher voll sind und kein anfallendes Oberflächenwasser dann mehr aufgenommen werden kann ?

Funktionsfähigkeit damit einschränken ?

Speicherung vorgesehenen Baumscheiben permanent eingestaut bzw. über längere Zeiträume gesättigt werden ?

Insofern sind diese Punkte im Rahmen der weiteren Planungen und Genehmigungsverfahren noch zu klären bzw. auszuarbeiten. Daraus können sind dann nochmal Änderungen an den Entwässerungseinrichtungen ergeben.

Kosten für die Umsetzung des jetzt konzipierten Entwässerungskonzeptes sind in der Kostenberechnung berücksichtigt. Durch das geplante Entwässerungskonzept ist mit einem deutlich erhöhten Aufwand durch Reinigung und Unterhalt der technischen Einrichtungen zu rechnen – „Schwammstadt“ ist im Unterhalt teurer als simple Wasserableitung.

4.4.3 Neuordnung der Infrastruktureinrichtungen bei Veranstaltungen und Sondermärkte

auf dem Hauptmarkt zugunsten der Aufwertung des Umfeldes an der Frauenkirche

Im Rahmen der Planungen wurde die heute städtebaulich unbefriedigende Situation am Chor der Frauenkirche bei Großveranstaltungen wie Christkindlesmarkt zur Unterbringung notwendiger Infrastruktureinrichtungen für die Ver- und Entsorgung (Müllentsorgung, Toiletten, Fettabscheider, Spülstation für Glühweintassen, etc.) betrachtet und Lösungen zur Verbesserung untersucht. Dadurch soll auch dem seit Jahren geäußerten Wunsch der Bürgerschaft, die Flächen am Chor der Frauenkirche aufzuwerten und das „Hinterhof“-Image des Obstmarktes zu beenden, Rechnung getragen werden.

Durch eine Neuaufteilung bzw. Umorganisation bietet sich nun die Chance für die Nürnberger Märkte, technische Infrastrukturen, z. B. Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse, sowie logistische Abläufe bei Großveranstaltungen zu optimieren und zukunftsträchtig zu gestalten.

Die Planung schlägt eine marktnahe, aber dezentrale Unterbringung der verschiedenen Infrastruktureinrichtungen vor, damit der Chor der Frauenkirche freigestellt bleibt und die einzelnen Infrastruktureinrichtungen sich verträglich in den öffentlichen Raum einfügen.

Zwei dafür geeignete Standorte für die Infrastruktur werden vorgeschlagen: Zum einen auf einer Fläche in der Spitalgasse nördlich der Frauenkirche, zum anderen auf der heute als Stadtratsparkplatz genutzten Fläche am Fünferplatz, die in einem zweiten Bauabschnitt zu einem kleinen, grünen Platz umgestaltet werden soll. Die Begrünung soll während der Zeit der Infrastruktureinrichtungen mit entsprechenden Schutzmaßnahmen geschützt werden.

Die Möglichkeit einer Weiterentwicklung der Nürnberger Märkte durch die Umgestaltung des Obstmarktes wird auch von Ref. VII/ML gesehen, eine Erweiterung um bestimmte Module ist vorstellbar. Voraussetzung für die Zustimmung zur Verlegung der Infrastruktureinrichtungen des Christkindlesmarkt an den Fünferplatz ist eine Lösung für den Transport der Glühweintassen vom Hauptmarkt dorthin. Der Vorschlag, hierzu elektrobetriebene Fahrzeuge einzusetzen, wird im Grundsatz befürwortet und im weiteren Planungsprozess geprüft.

4.5 Ausstattung

4.5.1 Stadtboden, Beläge

Um ein großzügiges und zusammenhängendes Erscheinungsbild zu erhalten wird für den gesamten Planungsbereich ein einheitlicher und durchgängiger Oberflächenbelag verwendet.

Gemäß dem Gestaltungshandbuch für den öffentlichen Raum der Stadt Nürnberg wird Granit- Großsteinpflaster in verschiedenen granittypischen Farbnuancen im Reihenverband vorgeschlagen. Die Steingrößen basieren auf dem Grundformat von 16 x 16 cm, die um entsprechende Steinformate zur Herstellung von Zeilen und Anschlüssen ergänzt werden. Der geplante Belag ist sehr dauerhaft und damit nachhaltig und mit gesägter und angerauter Oberfläche barrierefrei.

Einen Wechsel der Verlegerichtung des Belags vom Reihenverband auf einen richtungslosen (Flecht- )Verband wird für die platzartige Aufweitung im zentralen Teil des Obstmarktes mit der Einmündung Tucherstrasse sowie für die Buswendeschleife am südlichen Abschluss in der Spitalgasse gewählt, um den Platzcharakter hier besonders hervorzuheben.. Neben der gestalterischen Intention bewirkt dies auch technische Vorteile in der Standfestigkeit des Belages

Der Übergang zum Pflasterbestand am Hauptmarkt wird durch Vermengung von Alt- und Neumaterial gestaltet. Die genaue Grenzlinie am Hauptmarkt zwischen alter und neuer Oberfläche wird in der weiteren Planung definiert sowie die technische Ausführung, wie Höhenplanung, etc., konkretisiert.

Unter Abwägung der Aspekte Gestaltung, Ökobilanz, Recycling, Kühlung und Biodiversität werden die Verkehrsflächen in den Fußgänger- und Seitenbereichen entsprechend den technischen Regelwerken in ungebundener Bauweise mit gebundener wasserdurchlässiger Tragschicht hergestellt. Eine Rolle spielen bei der vorgeschlagenen Bauweise die ungebundenen, bis zu einem gewissen Grad versickerungsfähigen Pflasterfugen. Der Fugenanteil beträgt bei der geplanten Verlegeart je nach genauer Fugenbreite und Steingrößenanteilen bis zu 10 %. Aus stadtgestalterischen Gründen ist die sehr viel „lebendigere“ ungebundene Bauweise unbedingt zu fordern.

Aufgrund der Verkehrsbelastung wird allerdings die Fahrgasse der Buslinien und der Liefer- und sonstigen Verkehre in gebundener Bauweise ausgeführt, also mit vollflächig betonverfugtem Granitstein.

Der Verkehrsflächenaufbau in jeder Bauweise muss so dimensioniert sein, dass überfahrbare Bereiche (vor allem durch Liefer- und Veranstaltungsverkehr) und deren Belastungen vor allem aus Schub beim Lenken schadlos aufgenommen werden können, um lockere Oberflächenplatten als negative Folgeerscheinung zu vermeiden.

Die zu erwartenden Folgekosten sind in den Kosten berücksichtigt und im Kapitel 5 gesondert aufgeführt.

4.5.2 Bäume, Grünflächen, Sparten

Bäume

Eine hohe Bedeutung zur Verbesserung des Stadtklimas innerhalb der dicht bebauten und urban vielfältig genutzten Altstadt haben Bäume. Bei der Situierung von Baumneupflanzungen in der bewohnten und dicht bebauten Altstadt sind viele unterschiedliche Belange, wie Außenbestuhlung, Erholung, Feuerwehrzufahrten, Marktstände, o. a. zu berücksichtigen und Kompromisse auszuhandeln.

Der Baumbestand als integraler Bestandteil der Planungen soll weitestgehend erhalten werden. Da zwei Baumstandorte (Gleditschie, Robinie) im Bereich der umgestaltenden Buswendeschleife in der Spitalgasse im Konflikt mit der Neuplanung stehen, soll bei beiden eine Verpflanzung angestrebt werden. Der Baumbestand wird mit raumbildenden Straßenbäumen am Fünferplatz und in der Spitalgasse ergänzt. Im zentralen Bereich am Obstmarkt führen die neuen Obstbäume zusammen mit den geplanten Brunnen zu einem deutlich verbesserten Lokalklima und darüber hinaus zu einem attraktiven, belebten Platz. Alle Bestandsbäume erhalten großzügig bemessene, offene, begrünte Baumscheiben, die der Versickerung und Rückhaltung von Regenwasser dienen.

Es werden innerhalb des Planungsbereiches 42 neu zu pflanzende Bäume vorgeschlagen, einschließlich der genannten Umpflanzungen. Es sollen Hochstämme mit einem Lichtraumprofil vom 3,50 m Höhe verwendet werden, so dass die Nutzung unter deren Krone flexibel ist., z. B. für Außenbestuhlung, Marktstände, Parken. Die Artenauswahl erfolgt entsprechend dem „Standardsortiment für Baumstandorte im Straßenraum“ der Stadt Nürnberg.

Eine Leitidee des Entwurfs ist es, jedem Teilbereich spezifische Baumarten zuzuordnen, die die Charakteristik des Ortes aufgreifen und identitätsstiftend wirken, z. B. Blühbäume mit Obstbaumcharakter am Obstmarkt. Gleichzeitig entspricht die Pflanzung von unterschiedlichen Baumarten dem Wunsch von SÖR nach einer nachhaltigen Begrünung.

Bei den neu gepflanzten Bäumen sind die Baumscheiben in Abhängigkeit des Standortes als offene bzw. wasserdurchlässige (Grün-)flächen oder, im Sinne einer barrierefreien Nutzbarkeit der Flächen, mit einer in die Belagsfläche integrierten Baumscheibe geplant. Die offenen Baumscheiben können zur direkten Versickerung von Oberflächenwasser genutzt werden, deren Bepflanzung dient darüber hinaus der Biodiversität.

Die Pflanzbarkeit der vorgeschlagenen Baumstandorte wurde 2020 anhand von Suchschlitzen im gesamten Planungsbereich geprüft. Um bereits frühzeitig die Lage von Leitungen, Bodendenkmäler und des Obstmarktbunkers und die Auswirkungen auf neue Baumpflanzungen planerisch beurteilen zu können, wurde die Durchführung von Suchschlitze zum Stand der Vorentwurfsplanung beauftragt. Dabei stellt besonders die Bunkeranlage einen Zwangspunkt dar. Das Ergebnis wurde in die Entwurfsplanung eingearbeitet: Um optimale Lebensbedingungen für die Bäume zu schaffen, werden alle Sparten verlegt und neu organisiert, so dass ausreichend Raum für die Baumsparte und die unterirdischen Einrichtungen des Rigolensystems entsteht.

Grünflächen, wassergebundene Flächen

Zusätzlich zu den vorgeschlagenen Bäumen sieht der Entwurf mehr als 700 m² offene bzw. begrünte Flächen vor, die zur direkten Versickerung von Oberflächenwasser genutzt werden und darüber hinaus der Biodiversität dienen. Neben den beidseitig der Fahrbahn angeordneten, bereits vorher genannten, Grünstreifen mit klimatisch-ökologischer Funktion soll die als Stadtratsparkplatz genutzte Fläche am Fünferplatz in einem zweiten Bauabschnitt durch eine Blumenwiese, Pflanztrögen und Sitzgelegenheiten zu einer kleinen, wegen seiner zurückgezogenen Lage, ruhigen Innenstadtoase aufgewertet werden.

Vor dem italienischen Restaurant nördlich der Frauenkirche werden die Standortbedingungen der drei Bestandsbäume und der drei als Ergänzung vorgesehenen neuen Bäume durch eine offenporige, wasserdurchlässige Belagsfläche deutlich verbessert.

Sparten

Im Zuge der Realisierung der Planung ist eine Neuordnung der Sparten vor Beginn der Ausbauarbeiten erforderlich. Mit der Koordinierung der Sparten wurden die externen Planer, Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner/Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, beauftragt.

Im Hinblick auf den Zeit- und Kostenaufwand für die erforderlichen archäologischen Grabungen und Sicherung der kulturhistorischen Funde im Vorfeld der eigentlichen Baumaßnahme wird eine Bündelung der Leitungstrassen auch von der Unteren Denkmalschutzbehörde empfohlen..

Ein Trassenplan, der den unterirdischen Straßenraum unter Berücksichtigung der neuen „Baumsparte“ neu ordnet, wurde mit den Spartenträgern und Fachdienststellen abgestimmt und wird in den weiteren Planungen konkretisiert.

Die Kosten für die neue Trassierung der Sparten sind in der Kostenberechnung enthalten.

Darüber hinaus wurde die Forderung des Stadtentwässerungsbetriebes nach Aufnahme einer Ersatztrasse für den Kanal, damit eine eventuelle Kanalauswechslung ohne Beeinträchtigung der Bäume nach Fertigstellung der Maßnahme möglich ist, in der Kostenberechnung berücksichtigt. Mitaufgenommen wurde aufgrund der geplanten Doppelbaumreihe bzw. aufgrund beengter Untergrundverhältnisse die Kosten für die Verlegung einer Ersatztrasse von der Theresienstraße über den Fünferplatz und westlich des Obstmarktbunkers.

4.5.3 Brunnen und Wasserelemente

Zur Verbesserung des lokalen Mikroklima, der Schallsituation und um der zunehmenden Aufheizung der Innenstadt im Sommer durch Kühlung entgegenzuwirken, werden im Platzbereich des Obstmarktes verschiedene Elemente zum Thema Wasser platziert und dadurch eine hohe Aufenthalts- und Nutzungsqualität des öffentlichen Raumes erreicht.

Zu Beurteilung der Standorte der Brunnen und Wasserelemente wurden erste Sondierungen zur Lage und Überdeckung des unterirdischen Obstmarktbunkers durchgeführt. In die Entwurfsplanung sind die Ergebnisse mit eingeflossen.

Die Kosten für Auf- und Abbau, Reinigung/Sanierung Stockzahnbrunnen, Apollobrunnen, Fischbrunnen, soweit erforderlich; einschl. neuer Wassertechnik bei Stockzahn- und Apollobrunnen, sowie die Einrichtung eines Trinkwasserbrunnens einschl. Gutachter- und Planungsleistungen sind in der Kostenberechnung berücksichtigt.

4.5.4 Sitzgelegenheiten

Die verschieden gestalteten Sitzelemente aus dauerhaftem Material wie z. B. Faserbeton oder Naturstein werden speziell für den Obstmarkt entwickelt und basieren auf einem modularen System. Insbesondere auf den langen Bänken sind Sitzauflagen und Lehnen aus Holz oder Holzlaminat vorgesehen. Gleichzeitig gibt es mobile (aber nicht tragbare) Elemente, die flexibel zur Steuerung ungewünschter Verkehre einsetzbar sind und bei Großveranstaltungen für notwendige, temporäre Nebeneinrichtungen entfernt werden können.

Bei der bestehenden Silber-Linde auf dem Obstmarkt und unter dem Berg-Ahorn am Chor der Frauenkirche gibt es zwei individuell gestaltete Bänke als Rund- bzw. Halbrundbank. Diese gewährleisten gleichzeitig einen gewissen Schutz der Baumstämme.

4.5.5 Beleuchtung

Für die Straßenbeleuchtung ist eine Beibehaltung bzw. Erneuerung der Überspannungsbeleuchtung vorgesehen. Bestehende Überspannungen werden erneuert bzw. ergänzt und mit neuen Leuchten versehen. In den Bereichen, wo es keine Überspannung gibt und eine solche auch wegen fehlender Anschlagpunkte nicht möglich ist, werden Leuchtstelen vorgeschlagen. Dies betrifft den Bereich des Fünferplatz im Norden und insbesondere auch das Umfeld der Frauenkirche.

4.5.6 Einbindung des Kunstprojektes „Obstmarktbunker“

Das Kunstprojekt „Obstmarktbunker“ wurde von Anja Schoeller in einem ortsspezifischen Beteiligungs-Kunstprojekt mit Zeitzeugen und Bürgern der ehemaligen "Sebalder Steppe" in St. Sebald in der nördlichen Altstadt als Erinnerungs-Denkmal ab 2017 entwickelt.

Das Projekt besteht in der Sichtbarmachung und Gestaltung des Aufgangs des Obstmarktbunkers an der Oberfläche. Das Kunstprojekt soll in die Umgestaltung des Obstmarktes mit einbezogen werden. Erste Abstimmungsgespräche mit der Künstlerin haben stattgefunden.

Der Beirat Bildender Kunst (BBK) hat die Umsetzung des Projektes am Bunkeraufgang befürwortet.

Die Finanzierung des Kunstprojektes ist in die Maßnahme „Umgestaltung Obstmarkt“ aufgenommen.

4.5.7 Ort zur historischen Bedeutung des Hauptmarktes als zentraler Ort Nürnbergs Es ist seit vielen Jahren politischer Wunsch, einen Ort zur wechselvollen Geschichte des Hauptmarktes anzubieten. In den aktuellen Planungen zur Umgestaltung des Obstmarktes wird ein Standort für eine spezielle Info-Stele nahe der Frauenkirche vorgeschlagen.

Erste Gespräche innerhalb der Verwaltung und u. a. mit Geschichte für alle e. V. bezüglich einer angemessenen Gestaltung des Denkmals und Präsentation der vielschichtigen, historischen Inhalte haben stattgefunden. Für die Vermittlung kulturhistorischer Inhalte wird eine virtuelle Lösung angestrebt.

Bei der Gestaltung des Objekts und bei der Standortwahl ist zu berücksichtigen, dass – unabhängig seiner historischen Ausprägung - die gesamte Fläche des Hauptmarktes durch Märkte und Veranstaltungen ganzjährig stark genutzt wird. Gleichzeitig sind Flächen für Anlieferung, Feuerwehrzufahrt, etc. von Einbauten freizuhalten.

Einen würdigen und geeigneten Standort für die Aufstellung einer Stele mit Geschichtsbezug sieht der Entwurf am Rand des geplanten „Baumhaines“ südlich der Frauenkirche im Übergang zum Hauptmarkt. Auch an diesem Ort befand sich im Mittelalter das Nürnberger Judenviertel. Die Stele würde dem Ort eine Identität geben und seine Besonderheit hervorheben.

Die Gestaltung der Stele, ihre Ausstattung und kulturhistorischen Inhalte werden innerhalb der Verwaltung weiter abgestimmt.

5. Kosten der Maßnahme

Auf Grundlage der Kostenberechnung von Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner/Schüßler- Plan Ingenieurgesellschaft mbH vom 22.03.2022 ergeben sich aktuell noch Gesamtkosten der Maßnahme in einer Höhe von brutto 11.194.963 Euro, gerundet 11.200.000 Euro.

Die Gesamtkosten gliedern sich auf wie folgt::

● Herstellung der Platzfläche (Kostengruppe 200/Herrichten und Erschließen, 500/Außenanlagen, 600/Ausstattung und Kunstwerke)

Auf der Grundlage der Kostenberechnung von Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner/Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH belaufen sich die Gesamtbaukosten für die Platzfläche auf brutto 10.046.563 Euro.

In den Gesamtbaukosten sind u. a. folgende Kosten berücksichtigt:

soweit erforderlich; einschl. neuer Wassertechnik bei Stockzahn- und Apollobrunnen

Beeinträchtigung der Bäume nach Fertigstellung in Teilbereichen

Kunstprojekt „Obstmarktbunker“ und Aufstellen einer Stele zur historischen Bedeutung des Hauptmarktes

Darüber hinaus sind Folgekosten für die ungebundenen Tragschichten enthalten:

Folgejahren in einer Höhe von brutto 30.940 Euro

● Kunstprojekt Obstmarktbunker in einer Höhe von 30.000 Euro

● Baunebenkosten (Kostengruppe 700) Die Baunebenkosten in einer Höhe von 1.118.400 Euro enthalten die erforderlichen Gutachten (Erweiterung des Bodengutachtens, Statisches Gutachten) für die Brunnen- und Freianlagenplanung, das Planungshonorar für die noch zu vergebende Brunnenplanung und das Planungshonorar für Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner/Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH einschl. Bauverwaltungskosten.

In den Gesamtkosten der Maßnahme sind nicht enthalten: ● Anschaffung von elektrobetriebenen Fahrzeugen zum Transport der Glühweintassen während der Zeit des Christkindlesmarkt zur temporären Versorgungs- und Entsorgungsstation am Fünferplatz

6. Finanzierung und zeitliche Umsetzung

Die Maßnahme "Umgestaltung Obstmarkt" ist im MIP 2022 - 2025 als eigene Maßnahme mit Finanzmitteln in einer Höhe von 11.000.000 Euro eingestellt.

Der MIP Ansatz ist mit 11,0 Mio. € bemessen, die Planung wird in den nächsten Leistungsphasen so angepasst, dass dieser Rahmen eingehalten werden kann. Die Maßnahme ist im Rahmen der Städtbauförderung (Sanierungsgebiet Nördliche Altstadt) grundsätzlich förderfähig. Unter Berücksichtigung der förderfähigen Kosten sind zweckgebundene Mittel aus der Städtebauförderung in einer Höhe von rund 60 % vorgesehen.

Um die weiteren Detailplanungen und die für die archäologischen Grabungen und Spartenneuordnung als Grundlage zu leistenden Gutachten- und Planungsleistungen im Vorfeld sicherzustellen, stehen für die Beauftragung weiterer Planungsschritte in 2022 noch nicht gebundene bisher bereitgestellte Finanzmittel in ausreichender Höhe zur Verfügung.

Vorbehaltlich der Beschlussfassung und der Mittelbereitstellung sowie des zeitlichen Verlaufs der weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren ist ein Baubeginn frühestens ab 2024 möglich.

UMGESTALTUNG OBSTMARKT NÜRNBERG

Objektbeschreibung zur Entwurfsplanung

VORABZUG

Stand: 22.03.2022

Abbildung 2

Abbildung 01: Visualisierung Kernbereich Obstmarkt zum Vorentwurf

Inhalt

Vorbemerkung S. 03

A. Bestand

  1. Lage und Topografie S. 04 2. Städtebaulicher Kontext S. 04 3. Nutzung und Verkehr S. 05 4. Stadtboden S. 05 5. Grünbestand S. 05 6. Ausstattung S. 06 7. Archäologie und Denkmalschutz S. 06

B. Planung

  1. Gestalterische Leitlinien und Entwurfsprinzipien S. 07 2. Städtebauliche Gestaltung S. 07 2.1 Städtebauliche Gliederung 2.2 Stadträumliche Gestaltung 2.3 Stadtboden, Belagsgestaltung 3. Verkehr und Nutzung S. 08 3.1 Verkehrsrechtliche Einordnung 3.2 Funktionale Gliederung 3.3 Technischer Aufbau der Verkehrsflächen 4. Barrierefreiheit S. 10 4.1 Grundrissgestaltung und Orientierung 4.2 Fahrbahnquerungen 4.3 Sonstige Maßnahmen 5. Stadtklima und Ökologie S. 11 5.1 Bäume 5.2 Sonstige Grünelemente 5.3 Wassermanagement 6. Ausstattung S. 14 6.1 Brunnen und Wasserelemente 6.2 Sitzgelegenheiten 6.3 Beleuchtung und weitere Ausstattung 7. Kurzbeschreibung der vier städtebaulichen Abschnitte S. 16 7.1 Fünferplatz 7.2 Obstmarkt 7.3 Spitalgasse/Umfeld Frauenkirche 7.4 Spitalgasse/Buswendeplatz Quellenverzeichnis S. 20

Vorbemerkung

Vorliegende Objektbeschreibung erläutert die Entwurfsplanung zur Umgestaltung des Obstmarktes, einschließlich dem Fünferplatz und des nördlichen Abschnitts der Spitalgasse, in Nürnberg. Entwurfsverfasser sind SCHEGK Landschaftsarchitekten Stadtplaner in Arbeitsgemeinschaft mit der Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH. Der Entwurf basiert auf folgenden vorangegangenen Planungsschritten:

mit Ideenteil des Büros 'realgrün Landschaftsarchitekten', die für diesen als Ideenteil zu bearbeitenden Planungsabschnitt mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde,

vom Februar 2015, erarbeitet von realgrün Landschaftsarchitekten und Schegk Landschaftsarchitekten Stadtplaner, die im Realisierungsteil desselben Wettbewerbs für den Hauptmarkt den ersten Preis erzielt haben, sowie

Bürgerbeteiligungsverfahren vorgestellt und diskutiert wurde. Der Rücklauf aus der Instruktion auf die Entwurfsfassung vom 29.07.2021 sowie die Ergebnisse weiterer Besprechungen im Herbst 2021 und Januar 2022 wurden berücksichtigt. Die Beschreibung bezieht sich insbesondere auf die in Tabelle 01 gelisteten Planzeichnungen. Tabelle 01: Pläne Entwurfsplanung (Stand 22.03.2022)

Plan-Nr. Plantitel Maßstab
494_3_A01 Entwurfsplan 1:200
494_3_A02 Konzept Barrierefreiheit 1:500
494_3_PL01 Straßenlängsprofil 01 1:200
494_3_PL02 Längsprofil 02 Bereich Baumallee/Grünfläche West 1:100
494_3_PL03 Längsprofil 03 Bereich Baumallee/Grünfläche West 1:100
494_3_P01 Straßenquerprofil 01 1:50
494_3_P02 Straßenquerprofil 02 1:50
494_3_P03 Straßenquerprofil 03 1:50
494_3_P04 Straßenquerprofil 04 1:50
494_3_P05 Straßenquerprofil 05 1:50
494_3_P06 Straßenquerprofil 06 1:50
494_3_P07 Straßenquerprofil 07 1:50
494b_3_A07 Entwurf - Ausschnitt Frauenkirche mit temp. Versorgungsstation Variante 01 1:200
494b_3_A08 Entwurf - Ausschnitt Frauenkirche mit temp. Versorgungsstation Variante 02 1:200
o. Nr. Entwässerungskonzept einschl. Erläuterungstext, Lageplan, Längsschnitte, Prinzipskizzen und Bemessung vom 16.02./02.03.2022 verschiedene

A. Bestand

1. Lage und Topografie

Das insgesamt als 'Obstmarkt' bezeichnete Planungsgebiet liegt im Herzen der Nürnberger Altstadt, in der sog. Sebalder Altstadt, östlich des zentralen Hauptmarkts, mit dem es über den Bau und das Umfeld der Kirche 'Unsere Liebe Frau', kurz Frauenkirche, sowie die Engelsgasse direkt verbunden ist. Es erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung und umfasst den Fünferplatz, inklusive den im Entwurf als 'Ratshof' bezeichneten, derzeit als Parkplatz genutzten Freiraum östlich des alten und nördlich des neuen Rathauses, den eigentlichen Obstmarkt und die Obstgasse sowie die Spitalgasse mit der Buswendeschleife im Süden. Einschließlich der im Entwurf dargestellten Anschlussbereiche an die Platzfläche des Hauptmarkts umfasst der Bearbeitungsbereich eine Fläche von etwa 1,3 Hektar (ca. 13'000 m²). Der Stadtraum fällt nach Süden zur Pegnitz hin ab und weist vom Anschluss an die Theresienstraße im Norden mit einer Höhe von ca. 305 m ü. NN bis zur Nordfassade des Heilig-Geist-Spitals im Süden mit knapp 297,60 m ü. NN einen Höhenunterschied von knapp 7,5 m auf. Dies ermöglicht Blickbeziehungen vom nördlichen Eintritt in das Planungsgebiet unter anderem auf Dach und Turmspitzen der St. Lorenz-Kirche in der südlich der Pegnitz gelegenen Lorenzer Altstadt. Am deutlichsten ist das Längsgefälle mit ca. 8 % im Norden, im Bereich des Fünferplatzes. Im Bereich des Obstmarkts selbst beträgt die Neigung nach Süden noch gut 4 %, weiter südlich verflacht das Längsgefälle bis auf unter 1 %. Dieser Höhenverlauf prägt die Identität des Stadtraums und verdeutlicht die Gesamttopografie der Nürnberger Altstadt zwischen der erhabenen Lage der Kaiser- Burg auf der nördlichen Hochterrasse der Pegnitz, deren Hangkante hier etwa die Theresienstraße nachzeichnet, bis hinab zu ihrem heutigen Flussbett.

2. Städtebaulicher Kontext

Städtebaulich stellt der Stadtraum des Obstmarkts Schnittstelle und gleichzeitig verbindenden Freiraum zwischen der strukturell historischen Altstadtbebauung im Westen und der östlich an den Straßenraum anschließenden wiedererrichteten Nachkriegsbebauung der Altstadt dar. Das wichtigste Bauwerk in diesem Kontext ist der ab Mitte des 14. Jahrhunderts erschaffene prägende Solitär der gotischen Frauenkirche, die mit ihrem dem Obstmarkt zugewandten Chor in etwa die Mitte des Stadtraums markiert. Sie entstand nach dem Judenprogrom vom Dezember 1349 auf dem Platz der früheren Synagoge. Daneben prägen der Gebäudekomplex des Rathauses, der nach Baumeister Jakob Wolff d. J. benannte sog. Wolff'sche Bau, aus dem frühen 17. Jahrhundert zusammen mit dem im Stile der deutschen Frührenaissance erbauten Rathauserweiterungsbau aus dem späten 19. Jahrhundert am Fünferplatz Nr. 2 das nördliche Entrée des Planungsgebiets. Durch mehrere Versprünge der Gebäude-Fassaden entsteht im Zusammenwirken mit dem Chor der Frauenkirche und der zuvor beschriebenen Topografie eine einprägsame Raumabfolge, die den Obstmarkt zu einem einzigartigen öffentlichen Stadtraum in Nürnberg macht. Im Kernbereich des Planungsgebiets deckt sich die heutige Bebauung weitgehend mit der im Urkataster von 1811 dokumentierten (vgl. Abbildung 02). Die besondere Charakteristik dieses typischen Straßenmarktes gilt es bei der Umgestaltung besonders herauszuarbeiten und in einen zeitgenössischen urbanen Raum zu übersetzen (vgl. Abbildung 03).

3. Nutzung und Verkehr

Der Obstmarkt ist heute stark geprägt von der Nutzung durch den motorisierten Individualverkehr. Der Straßenraum gliedert sich in eine ca. 12 m breite Fahrbahn die beidseitigen durch Hochborde abgegrenzten, teilweise kaum 3 m breiten Gehsteige. Dabei nimmt der ruhende Verkehr erhebliche Flächenanteile ein. Parkende PKWs bestimmen maßgeblich das Stadtbild und bilden zu beiden Seiten deutlich wirksame räumliche wie auch visuelle Barrieren. Im südlichen Abschnitt zweigt eine separate Busspur mit Buswendeschleife ab. Die hier zur Funktionstrennung angeordneten Borde und Verkehrsinseln verstärken die Barrierewirkung zwischen beiden Straßenseiten noch weiter. Fußverkehr und weitere typische urbane Nutzungen wie z.B. Außengastronomie sind im Wesentlichen auf die Gehsteige und die Zugänge zum Hauptmarkt beschränkt.

4. Stadtboden

Entsprechend der vorherrschenden Verkehrsnutzung wird der Stadtboden im Straßenraum von Asphaltbelägen und funktionstrennenden Einbauten und Elementen wie Hochborden etc. bestimmt. Daneben ist –vor allem auf den Gehsteigen– eine Vielfalt an unterschiedlichen Belagsmaterialien und -formaten zu finden: Während im nördlichen Planungsgebiet quadratische Gehwegplatten aus Schlacke-Werkstoff und in Ausbesserungsbereichen auch Beton vorherrschen, sind weiter südlich auch Flächen aus verschiedenen Beton(verbund)-Pflastersteinen, Granitmosaiksteinpflaster (vor Commerzbank), Porphyrkleinsteinpflaster und Granitgroßsteinpflaster (Busspur) zu finden.

5. Grünbestand

Im Planungsgebiet befinden sich eine Reihe von Bestandsbäumen, die als stadtbildprägend beurteilt werden können. Nach nachrichtlicher Übernahme handelt es sich um die Gehölze gemäß Tabelle 02. Tabelle 02: Baumbestand im Bereich Obstmarkt (Stand: Juli 2018)

Standort Art STU Pflanzjahr
Fünferplatz, 'Ratshof' Rotdorn 40 cm 2000
Fünferplatz, 'Ratshof' Bergahorn 122 cm 1958/59
Fünferplatz, 'Ratshof' Bergahorn 110 cm 1958/59
Fünferplatz, 'Ratshof' Bergahorn (abgängig) 94 cm 1958/59
Fünferplatz Ecke Theresienstraße Spitzahorn 116 cm 1973
Obstmarkt, östlicher Gehbereich Silberlinde 132 cm 1988
Obstmarkt, südlich Obstgasse Bergahorn 97 cm 1958
Obstmarkt, südlich Obstgasse Bergahorn 126 cm 1958
Obstmarkt, südlich Obstgasse Bergahorn 100 cm 1958
östlich Chor Frauenkirche Bergahorn 107 cm 1965
Spitalgasse, in Buswendeschleife Gleditschie 100 cm 1989
Spitalgasse Süd Robinie (Ersatzpflanzung) o. A. nach 2011
Spitalgasse Süd Robinie (Ersatzpflanzung) o. A. nach 2011
Spitalgasse Süd Robinie (Ersatzpflanzung) o. A. nach 2011

6. Ausstattung

Die Ausstattung des Obstmarkts ist insgesamt heterogen und stark geprägt von verkehrstechnischen Elementen wie Beschilderung oder Parkscheinautomaten. Daneben existiert eine Vielzahl von unterschiedlichen Fahrradständern, Pollern, Pflanzkübeln, Abfallbehältern, Mastleuchten und vielfältigen Möblierungselementen in den Außenbewirtungsflächen. Unter diesen Ausstattungen erscheint allein die auf dem Obstmarkt südlich der Silberlinde bestehende Litfaßsäule erhaltenswert. Mit ihrem historisierenden Blechdach erinnert sie an die charmante Urbanität um 1900 und soll am Standort erhalten bleiben. Ein besonders prägendes Element im Bestand stellt die Natursteinskulptur des sog. Stockzahnbrunnens dar, der im südlichsten Bereich des Planungsgebiets östlich der Buswendeschleife platziert ist.

7. Archäologie und Denkmalschutz

Die mittelalterliche Altstadt Nürnbergs innerhalb des heute nahezu noch geschlossenen Mauerrings steht unter Ensembleschutz. Gleichzeitig entspricht dieser Bereich dem flächig ausgewiesenen Bodendenkmal 'Nürnberger Altstadt'. Entsprechend einer diesbezüglichen Stellungnahme vom Januar 2015 bzw. des Rücklaufs auf die Instruktion erfordern Bodeneingriffe mit mehr als 50 cm Tiefe der fachlich archäologischen Begleitung. Eingriffe in Tiefen zwischen 1,20 bis 5,50 m bedürfen einer vorherigen denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis nach Art. 7 Denkmalschutzgesetz, da es sich hier um eine 'hochmittelalterliche Auffüllschicht nach Niederlegung des Judenviertels sowie ehemals aufgehende bauliche Reste des Judenviertels (Hausmauern)' handelt. Baudenkmale im Planungsgebiet sind neben der Frauenkirche und den beiden Rathauskomplexen (vgl. Abbildung 03) das sog. Chörlein, ein zweigeschossiger Sandsteinerker aus der Mitte des 17. Jahrhunderts am Nachkriegsgebäude Obstmarkt Nr.3 sowie der unter der Platzfläche liegende Obstmarktbunker. Diese eingeschossige, vielräumige Tiefbunkeranlage, wurde 1941 bis 42 errichtet und 1948 zum Bunkerhotel umfunktioniert. Der Eingang zum Bunker liegt im nordöstlichen Teil des Obstmarkts. Eine Nutzung des Obstmarktbunkers ist aufgrund belastender Asbestbaustoffe im Bunkerinneren in näherer Zukunft ausgeschlossen.

Abbildung 3

Abbildung 4

Abbildung 02 (links): Der Obstmarkt im Urkataster von 1811 (Quelle: Bayernatlas) Abbildung 03 (rechts): Der Obstmarkt auf einer Postkarte von 1903 (Quelle: Dr. Trenkler Co. Leipzig)

B. Planung

1. Gestalterische Leitlinien

Das Hauptziel der Umgestaltung ist die Schaffung eines attraktiven Stadtraums, dessen großes Potenzial allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung steht - als attraktiver und vielseitig benutzbarer öffentlicher Raum. Der historisch bedeutende stadträumliche Kontext im Zentrum der Nürnberger Altstadt wird dabei respektiert und gleichzeitig durch Aufwertung in Szene gesetzt. Dies erfordert insbesondere folgende gestalterische Leitlinien:

räumliche und/oder visuelle Barrieren und Zäsuren;

(Individual-)Verkehrs und deutliche Verringerung des ruhenden Verkehrs, wodurch ein erhebliches Flächenpotenzial entsteht;

Durchgrünung mit Bäumen und Schaffung offener Grünflächen bzw. -streifen sowie bestmögliche Rückhaltung des Niederschlags- bzw. Oberflächenwassers;

Orientieren und Navigieren sowie angenehmen Aufenthalt für alle Menschen ermöglichen und fördern, auch für Menschen mit Behinderung;

Teilräume und möglichst selbstverständliche Zonierung in vielseitige Nutzungsbereiche unterschiedlicher Qualität.

2. Städtebauliche Gestaltung

Im Sinne eines zeitgenössischen urbanen Straßenmarkts soll ein als städtebauliche Einheit erlebbarer in durchgängiger Gestaltungssprache konzipierter Stadtraum für vielfältige urbane Nutzungen entstehen. Trotz dieser Haltung soll die in Teil A Pkt. 1 und 2 beschriebene Identität erhalten und ihre Ablesbarkeit noch gestärkt werden. 2.1 Städtebauliche Gliederung Entsprechend der topografischen und städtebaulichen Gegebenheiten sowie des Bestands an historischen Strukturen und Gebäuden lassen sich folgende städtebaulichen Einheiten definieren:

ehemaliger Talaue der Pegnitz mit seiner charakteristischen Topografie und den dominanten Rathaus-Bauten, der sich wiederum in zwei unterschiedliche Raumtypen untergliedern lässt: den Straßenraum und ruhigeren ‚Ratshof‘, der –nach der übrigen Umgestaltungsmaßnahme– zeitlich folgend in einem zweiten Bauabschnitt realisiert werden soll;

abzweigenden Obstgasse, die den Platz mit Rathausplatz und Hauptmarkt verbindet, und Einmündung der Tucherstraße im Osten;

die den Kirchenbau nördlich und südlich flankierenden Gassen, die Obstmarkt und Hauptmarkt verbinden;

bildet und nach Osten in den Hans-Sachs-Platz übergeht; hier befinden sich Bushaltestelle und Buswendeplatz. Die jeweilige Gestaltung dieser vier Teilräume wird unter Pkt. 7 genauer beschrieben. 2.2 Stadträumliche Gestaltung Im Sinne einer Gestaltung als einheitlicher Stadtraum wird die physische Trennung von Funktionsbereichen weitestgehend aufgehoben bzw. so minimal wie möglich vollzogen. Die Hauptbegrenzung des Stadtplatzes bilden die Gebäude. In dieser Rolle sollen sie wieder gestärkt und der dazwischenliegende Raum freigeräumt werden. Neben punktuellen bedeutenden Einzelelementen sind es vor allem Bäume, die bei der unverzichtbaren räumlichen Gliederung helfen. Als Hochstämme stellen sie aus der Nutzenden-Perspektive keine visuelle Barriere dar und verbessern das Lokalklima und damit die Aufenthaltsqualität erheblich (vgl. Pkt. 5.1). 2.3 Stadtboden, Belagsgestaltung Entsprechend dieser Raumauffassung wird der einheitliche und durchgängige Stadtbodenbelag aus Wettbewerbsbeitrag und Vorentwurf beibehalten. Unabhängig von den Funktionen auf den Flächen (Fahr- und Fußverkehr, Aufenthalt etc.) wird in allen Bereichen des Obstmarktes der gleiche Pflasterbelag verwendet. Entsprechend dem Nürnberger Gestaltungshandbuch wird hierfür Granitgroßsteinpflaster in verschiedenen granittypischen Farbnuancen bzw. Grautönen im Reihenverband vorgeschlagen. Die Steingrößen basieren auf dem Grundformat von 16 x 16 cm, das um sog. Anderthalber bzw. Bindersteine (16 x 24/25 cm) sowie Doppel- bzw. Langsteine (16 x 32/33 cm) zur Herstellung von Zeilen und Anschlüssen ergänzt wird, jeweils in prozentualen Anteilen (vgl. Abbildung 04 und 05). Material und Verlegeart sind auch im Übergangsbereich zum Hauptmarkt bis an den Rand des Kernbereiches des Hauptmarkts vorgesehen, für den das Wettbewerbskonzept für den Hauptmarkt eine planvolle Vermengung von Alt- und Neumaterial vorsieht. Der geplante Belag ist sehr dauerhaft, wiederverwendbar und damit nachhaltig und mit gesägter und angerauter Oberfläche auch barrierefrei. Gemäß dem Gestaltungshandbuch 'Nürnberger Linie' sind entlang der Hausfassaden sind je nach Bedarf ein- bis dreireihige Traufzeilen vorgesehen. Die platzartige Aufweitung im zentralen Teil des Obstmarktes mit der Einmündung Tucherstrasse sowie die Buswendeschleife am südlichen Abschluss des Raumes in der Spitalgasse werden durch einen Wechsel der Verlegerichtung des Belags vom Reihenverband auf einen richtungslosen (Flecht-) Verband gekennzeichnet und hervorgehoben. Neben der gestalterischen Intention bewirkt dies auch technische Vorteile in der Standfestigkeit des Belages.

3. Verkehr und Nutzung

Das gesamte Planungsgebiet soll zugunsten der 'schwachen' Verkehrsteilnehmenden aufgewertet werden, Fuß- und Fahrradverkehr sollen gegenüber dem motorisierten Verkehr gestärkt werden. Um dies zu erreichen, wird insbesondere das Angebot an Kfz-Stellplätzen drastisch reduziert. Die Einfahrt in den Obstmarkt mit dem PKW zum Zwecke der Parkplatzsuche soll damit vermieden werden. Dementsprechend werden nur mehr 7 öffentliche PKW-Stellplätze im Bereich des Fünferplatzes angeboten, zudem 7 Behinderten-Stellplätze und 3 Taxistände. Gleichzeitig entsteht mehr Raum für die über 180 geplanten Fahrradstellplätze und neue Nutzungen wie Aufenthalt, Außenbewirtung, Markt und Veranstaltungen.

3.1 Verkehrsrechtliche Einordnung In der gesamten Nürnberger Altstadt gilt heute bereits eine Höchstgeschwindigkeit von 30km/h. Der Obstmarkt wird als 'Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich' mit Tempo 20km/h nach Straßenverkehrsordnung eingeordnet. Im Gegensatz zu 'Shared-Space'-Konzepten erfordert diese Einordnung eine gewisse Ablesbarkeit der Fahrbahn gegenüber den Gehbereichen. Auch den in hoher Frequenz verkehrenden Buslinien des ÖPNV muss bei der Straßenraumgestaltung Rechnung getragen werden. Die funktionale Gliederung soll jedoch so gestaltet werden, dass eine Abstufung des Raumes, z.B. in eine verkehrsberuhigte Zone (Schrittgeschwindigkeit) oder eine sogar Fußgängerzone jederzeit möglich ist. 3.2 Funktionale Gliederung Die zumindest in Teilen durch bewusste Abweichung von üblichen Standardmaßen und -breiten gekennzeichnete Zonierung der Verkehrsflächen im Wettbewerbskonzept und Vorentwurf wird grundsätzlich beibehalten, jedoch an einigen Stellen noch konkreter an den Bedarf angepasst. Die neue, etwas ungewohnte Linienführung vor allem im Bereich des zentralen Platzbereichs mit Übergang zur Tucherstrasse eröffnet hier im Wortsinn auch Möglichkeiten für ‚informelles‘ Halten/Parken von Fahrzeugen, z.B. zum Zwecke der Anlieferung, auch neben den oben genannten regulär ausgewiesenen und gekennzeichneten Stellplätzen. Außerhalb des Platzbereichs hat die Fahrbahn eine mit der Verkehrsplanung abgestimmte Regelbreite von 6,50 m. Im Bereich der Frauenkirche verschmälert sie sich jedoch auf eine Engstelle von 5,50 m Breite, bevor sie im Bereich der Bushaltestelle wieder auf bis zu 8,00 m verbreitert wird. Generell entstehen dadurch im Vergleich zum Bestand deutlich großzügigere Bereiche, die dem fußläufigen Verkehr und dem Aufenthalt vorbehalten bleiben. Die westliche Abgrenzung der Fahrbahn zu den Geh- und Aufenthaltsbereichen erfolgt entsprechend dem Nürnberger Gestaltungshandbuch mit einer dreizeiligen Entwässerungsmulde. Die östliche Abgrenzung wird als höhenversetzter Zwei- bzw. Dreizeiler mit wasserführender 2 cm-Kante ausgebildet. Beides kann aus dem zuvor beschriebenen Pflastermaterial ausgebildet werden (vgl. Pkt. 2.3). Alternativ sind gemuldete Rinnensteine und Flachborde mit gerundeter Kante denkbar.

Abbildung 5

Abbildung 6

Abbildung 04: Reihenverband und Ausbildung Abbildung 05: Reihenverband und Ausbildung westlicher Fahrbahnrand als Rinnenmulde mit östlicher Fahrbahnrand dreizeilig mit 2 cm oder ohne Aufkantung Aufkantung

3.3 Technischer Aufbau der Verkehrsflächen Der Regelaufbau im Bereich der Verkehrsflächen weist entsprechend einschlägiger Normen und Richtlinien folgende Schichten auf (von oben, vgl. auch Straßenquerprofile):

bzw. 16 cm (reiner Gehbereich) mit ungebundener Fugenfüllung auf...

Kies 0/32 (reine Gehbereiche), Dicke entsprechend Bestand/Erfordernis ca. 20 cm bis zu einem Gesamtaufbau von bis zu 60 cm. Dieser Regelaufbau vereint die erforderliche Standfestigkeit des Belags mit den Anforderungen an die Nachhaltigkeit. Neben technischen und ökonomischen Vorteilen wie der Wiederverwendbarkeit der Pflastersteine und zerstörungsfreien Reparaturmöglichkeiten der Pflasterdecke sind vor allem auch die wasserdurchlässigen Fugen ökologisch und kleinklimatisch positiv wirksam. Abweichend von diesem Regelaufbau wurde für die Fahrbahn mit Busverkehr ein Aufbau mit gebundener Deckschicht und folgendem Aufbau festgelegt:

zementgebundener Fugenfüllung, Druckfestigkeit 40 N/mm² auf...

über...

Bestand und Erfordernis ca. 22 cm bis zu einem Gesamtaufbau von ca. 65 cm. Im Bereich des Obstmarktbunkers sind die Aufbauhöhen über der Bunkerdecke nach den vorliegenden Angaben teilweise so gering, dass nur ein entsprechend angepasster Aufbau ausgeführt werden kann.

4. Barrierefreiheit

Die Entwurfsplanung, die auch ein Konzept zur Barrierefreiheit miteinschließt, folgt dem Prinzip 'Design für Alle'. Dies bedeutet, dass der neue Obstmarkt für alle Leute gleichermaßen nutzbar und attraktiv sein soll, für Groß und Klein, Alt und Jung sowie Menschen mit Einschränkungen oder Behinderungen. Dabei werden gewisse Wahlfreiheiten angeboten, z.B. ob eine steileres, stufenloses Gefälle oder eine Treppe bevorzugt wird, ob lieber der Weg am Gebäude entlang oder über den Platz etc. Gleichzeitig werden Nutzungskonflikte möglichst vermieden, z.B. durch die Definition von Bereichen für die Außengastronomie. Aufgrund seiner gegebenen Topografie ist der Fünferplatz nicht barrierefrei im Sinne der DIN 18040, Teil 3 gestaltbar, da das bestehende Längsgefälle mit ca. 8 % deutlich über dem maximal zulässigen (6 % auf max. 10 m Länge) liegt (vgl. Pkt. 7.1). 4.1 Grundrissgestaltung und Orientierung Eine klare Grundrissgestaltung mit Merkmalen, die das Orientieren und Navigieren in der Stadt erleichtern, kommt allen Menschen zu Gute. In der Entwurfsplanung bzw. im Konzept zur Barrierefreiheit wird daher eine barrierefreie bzw. hindernisfreie 'Route' beidseits der Fahrbahn als zügige fußläufige Verbindung ausgewiesen. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist es vorteilhaft, wenn diese Gehbahn an den Gebäuden entlangführt.

Werbeaufsteller, Pflanzkübel und Mobiliar der Außenbewirtung beeinträchtigen diese Funktion erheblich und stellen unter Umständen sogar eine Gefährdung für nicht oder schlecht Sehende dar. Dementsprechend sind die Flächen für Außengastronomie im Entwurf nahezu ausnahmslos unter den Baumreihen angeordnet. Auch Fahrradstellplätze, Ruheplätze und Bänke liegen außerhalb dieser barrierefreien Routen. Die Brunnen auf dem zentralen Platz des Obstmarkts (vgl. Pkt. 7.2) bieten im Sommer durch ihre akustische Wirkung zusätzliche Orientierung. 4.2 Fahrbahnquerungen Im Planungsgebiet werden mehrere Querungen über die Fahrbahn als sog. ungesicherte Querung nach DIN 32984 und DIN 32975 mit Bodenindikatoren markiert. Solch barrierefreie Querungen sind an folgenden Stellen vorgesehen:

Bindergasse,

Dazu wird entsprechend DIN 32984 jeweils ein Auffindestreifen quer zur Gehrichtung angeordnet und ein Richtungsfeld am Fahrbahnrand. 4.3 Sonstige Maßnahmen Neben der barrierefreien Gestaltung des Bodenbelags und gezielten Einzelmaßnahmen, z.B. im Bereich des starken Längsgefälles am Fünferplatz (vgl. Pkt. 7.1), sieht der Entwurf u.a. folgende weiteren Maßnahmen zur verbesserten Barrierefreiheit vor:

ermöglichen so die normativ erforderlichen höhengleichen Bewegungsflächen für Aus- und Zustieg sowie Be- und Entladen.

ausgestattet (vgl. Pkt.7.4).

5. Stadtklima und Ökologie

Der vorliegende Entwurf für den Obstmarkt trägt der aktuell allgemein so präsenten und gleichermaßen brisanten Notwendigkeit des Klimaschutzes, der Klimaanpassung und der Förderung von Biodiversität in hohem Maße Rechnung. Verglichen mit Wettbewerbsentwurf und früheren Vorplanungen wurde der Durchgrünung und Wasserrückhaltung quantitativ und qualitativ noch weit mehr Bedeutung gegeben. Insofern wurde auch der in der Nürnberger Gestaltungsleitlinie formulierte Grundsatz "Bäume sind im mittelalterlichen Stadtbild immer als Einzelelemente zu verstehen" hier verlassen bzw. stark relativiert. Im Gegensatz zum benachbarten Hauptmarkt, der sowohl unter Denkmalschutz- wie auch ganz besonders unter Nutzungsaspekten weniger Raum für wirksame Grünelemente bietet, stellt der Obstmarkt hier eine Potenzialfläche dar.

5.1 Bäume Die wichtigste Rolle innerhalb urbaner Grünstrukturen spielen Bäume, in der Regel Hochstämme mit einem Lichtraumprofil von 3,50 m, unter deren Krone alle geplanten Nutzungen möglich sind. Sie beschatten und kühlen den Stadtraum, bieten Lebensräume für Insekten und Vögel und können Niederschlagswasser aufnehmen und rückhalten. Gleichzeitig unterstützen sie meist fahrbahnbegleitend angeordnet der räumlich-funktionalen Gliederung des Raums. Im Begrünungskonzept für den Obstmarkt spielen sie dementsprechend die Hauptrolle. Die in Teil A, Abschnitt 5 aufgelisteten Bestandsbäume werden weitestgehend erhalten. Da zwei Baumstandorte (Gleditschie, Robinie) im Bereich der umgestaltenden Buswendeschleife in der Spitalgasse im Konflikt mit der Neuplanung stehen, soll bei beiden eine Verpflanzung an andere Stellen in der Stadt angestrebt werden. Für die Gleditschie in der Buswendeschleife ist eine entsprechende Ersatzpflanzung vorgesehen. Die übrigen 11 Bäume verbleiben am Standort und sind während der Bauzeit entsprechend zu schützen. Bei allen Bestandsbäumen erfolgt eine Entsiegelung im Wurzelbereich zugunsten einer offenen meist begrünten Fläche. Der Entwurf schlägt innerhalb des Bearbeitungsbereichs insgesamt 43 neu zu pflanzende Bäume vor. Die Artenauswahl erfolgt entsprechend dem "Standardsortiment für Baumstandorte im Straßenraum" für die Stadt Nürnberg, das der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) Nürnberg, Planen und Bau Grün zusammengestellt hat (vgl. Abschnitt 7.1 bis 7.4). Achtzehn der neugepflanzten Bäume stehen in offenen bzw. wasserdurchlässigen (Grün-)Flächen (vgl. Pkt. 5.2). Diese Anzahl wurde nach dem Rücklauf auf die Entwurfsfassung vom 29.07.21 und im Zuge der Konkretisierung des Entwässerungskonzepts nochmals erhöht. Alle übrigen Neupflanzungen werden mit einer in die Belagsfläche integrierte Baumscheibe mit entsprechender Unterkonstruktion als Wurzelschutz-Brücke und zur Wurzelraumversorgung versehen. Im Interesse einer möglichst homogenen Platzgestaltung sowie barrierefreien Nutzbarkeit der Flächen unter den Bäumen ist eine Auspflasterung der Baumscheibenoberfläche im durchlaufenden Pflasterverband wünschenswert. Pro Baum ist als Wurzelraum eine unterirdische Baumgrube von mindestens 16 m³ und einer Tiefe von 1,20 m vorgesehen. Diese Baumsubstratkörper werden in Form einer 'Baumsparte' bzw. eines 'Baumkanals' zusammengefasst. Im Zuge der Umgestaltung des Obstmarkts werden auch die übrigen Sparten neu geordnet, um bestehende Konflikte mit bestehenden Leitungen zu vermeiden. Darüber hinaus werden die Baumstandorte zur Entwässerung bzw. Wasserrückhaltung genutzt (vgl. 5.3). 5.2 Sonstige Grünelemente Zusätzlich zu den vorgeschlagenen Bäumen sieht der Entwurf mehr als 700 m² offene bzw. begrünte Flächen vor, die zur direkten Versickerung von Oberflächenwasser genutzt werden und darüber hinaus der Biodiversität dienen. Vorgesehen ist die Schaffung von mageren, trittfesten Standorten mit robusten, aber attraktiv blühenden Kräuter-Stauden-Gräser-Mischungen. Der Aufbau wird so konzipiert, dass die Flächen entweder im Winter temporäre Nutzungen aufnehmen können, z.B. als Aufstellorte für Infrastrukturelemente zur Zeit des Christkindlesmarkts (Ratshof), oder als Regenwasserrückhaltungs-/Versickerungsflächen funktionieren (Fünferplatz, Buswendeschleife). Östlich des Gebäudes Obstgasse 2 (Cucina Italiana) werden die Standortbedingungen für die drei bestehenden Bergahorne und die drei als Ergänzung und späterer Ersatz geplanten Ahorne (Acer platanoides ‚Columnare‘) durch eine offenporige, wasserdurchlässige Belagsfläche (wassergebundene Decke bzw. Belag mit Vegetationsfugen) deutlich verbessert. Zusätzlich soll an geeigneten Stellen als weiterer ‚Klima-Baustein‘ Fassadenbegrünung vorgesehen werden (vgl. Abschnitt 7).

5.3 Wassermanagement Aus Gründen des Klimaschutzes und Klimaanpassung wird im Obstmarkt ein innovatives Entwässerungskonzept umgesetzt: Um die Entwässerung der befestigten Flächen nachhaltig zu gestalten und so wenig Wasser wie möglich in den städtischen Kanal einspeisen zu müssen, soll es bevorzugt in den Baumscheiben versickert werden. Neben dem besseren Stadtklima und verringerten Abflussmengen ist ein weiterer Vorteil, dass die Bäume nach der Anwuchsphase nicht mehr aktiv bewässert werden müssen. Da nur gewisse Anteile des Niederschlagswassers direkt über die zuvor beschriebenen Grünstreifen (vgl. Abb. 06) und die Fugen des Pflasterbelags versickert werden können, wird auch das über die Pflasterrinne und die Straßeneinläufe ablaufende Oberflächenwasser den unterirdischen Baumgruben zugeführt. Unterhalb der Baumsubstratkörper wird ein Rigolenkörper eingebaut, der aus offenporigem Rigolensubstrat und Rohren besteht. Jeder Rigolenkörper verbindet mehrere Baumscheiben miteinander. Die Beschickung dieser Rigolen erfolgt zentral oder dezentral (vgl. Abb. 07). Die genauere Funktionsweise und Bemessung der Entwässerungseinrichtungen ist in einem eigenen Entwässerungskonzept detailliert ausgeführt. Dieses Konzept wurde innerhalb der Stadtverwaltung Nürnbergs mit allen zuständigen Stellen abgestimmt. Abbildung 06 (links): Prinzip der geplanten direkten Oberflächenentwässerung über offene Baumscheiben (vgl. Entwässerungskonzept)

Abbildung 7

Abbildung 07 (unten): Prinzip der geplanten Oberflächenentwässerung über geschlossene Baumscheiben (vgl. Entwässerungskonzept)

Abbildung 8

6. Ausstattung

Die Ausstattung rundet das Belags-und Grünkonzept ab. Dabei wird allzu große Vielfalt vermieden. Abgesehen von der notwendigen (verkehrs-)technischen Ausstattung, zu der vor allem die Fahrradständer zählen, beschränken sich die vorgeschlagenen Ausstattungselemente im Wesentlichen auf drei Kategorien: Brunnen bzw. Wasserelemente, Bankelemente bzw. Sitzgelegenheiten sowie die Beleuchtung. 6.1 Brunnen und Wasserelemente Urbane Wasserelemente stellen stets hochattraktive Anziehungspunkte im öffentlichen Raum dar. Zudem verbessern sie das Lokalklima und sorgen im Sommer für Kühlung und Erfrischung. Insofern wird die Chance auf dem Obstmarkt genutzt, hier gleich zwei bereits bestehende Nürnberger Brunnen zu platzieren. Im Sichtachsen-Schnittpunkt der Tuchergasse mit dem breiten westlichen Gehbereich am Fünferplatz steht künftig der visuell wirksame, säulenartige Stockzahnbrunnen, dessen Wasseraustritt an der Krone der Skulptur zum Spielen und Erfrischen einlädt. Im Bereich des nördlichen Gebäuderücksprungs wird auf Wunsch öffentlicher Vertreter der zierliche Apollobrunnen situiert. Er bildet so den Auftakt zum Platzraum und schafft eine etwas intimere Situation gegenüber dem Stockzahnbrunnen. Als drittes Wasser-Element ist hier ein Spielpunkt mit Trittsteinen und einem Trinkbrunnen geplant, mit denen beim Betreten interaktiv der Austritt von Wasser und/oder Wassernebel aus dem Boden bewirkt werden kann. Die Anlage soll sich möglichst harmonisch in den Pflasterbelag einfügen. Für ein möglichst ressourcenschonendes und effektives Wassermanagement ist eine unterirdische Brunnenstube mit der erforderlichen Raumkapazität für alle drei Wasserelemente südlich der Südwand des Obstmarktbunkers vorgesehen. 6.2 Bankelemente, Sitzgelegenheiten Ruheplätze und Sitzgelegenheiten außerhalb von Bewirtungsflächen und ohne Konsumzwang stellen wesentliche Ausstattungselemente im öffentlichen Raum dar. Auch im Verständnis des 'Designs für Alle' sind Ruhebänke anzubieten, die aber im Idealfall auch eine gewisse Bespielbarkeit aufweisen und damit auch für Kinder interessant sind. Dementsprechend wurde für den Obstmarkt Nürnberg ein Banktypus entwickelt, der im Sinne dieser Multicodierung mehrere Funktionen erfüllen kann, z.B. Sitzen, Liegen, Spielen, Absperren, Leiten etc. Dieser weicht bewusst vom (überwiegend monofunktional nutzbaren) im Gestaltungshandbuch der Stadt vorgesehenen historisierenden Banktypus für die Altstadt ab und trägt der dort dargestellten Kategorisierung des Obstmarkts unter ‚Plätze und Flächen mit gesonderter Betrachtung‘ Rechnung. Die Obstmarktbank ist im Grundtypus ca. 3,70 m lang und an der breitesten Stelle ca.0,80 m breit. Sie ist komfortabel unterschnitten und an beiden Enden abgerundet. Um möglichst vielen Situationen gerecht werden zu können, lässt sie sich in vier Untertypen fraktionieren: eine große und eine kleine Hälfte (Länge 1,90 m bzw. 1,80 m) und einen größeren und einen kleineren 'Hocker' (Länge 0,70 m bzw. 0,60 m) aus den gerundeten Enden. Diese Hocker als lockere Gruppen sind vor allem auch dort vorgesehen, wo allzu wildes Parken vermieden und gleichzeitig auf monofunktionale Absperrpoller verzichtet werden soll. Der Korpus der Sitzelemente soll aus dauerhaftem Material wie z.B. Faserbeton oder Naturstein bestehen. Insbesondere auf den langen Bänken sind Sitzauflagen und Lehnen aus Holz oder Holzlaminat vorgesehen (vgl. Abbildung 08). Neben diesen Grundtypen gibt es noch zwei individuell gestaltete Bänke im Bereich der bestehenden Silberlinde auf dem Obstmarkt und unter dem Bergahorn am Chor der Frauenkirche.

Als Rund- bzw. Halbrundbank nehmen diese beiden Sitzelemente die 'weiche' Formensprache des Grundtypus auf und verstärken diese noch. Sie gewährleisten gleichzeitig einen gewissen Schutz der Baumstämme. Auf ergänzende Abfallbehälter soll nach Ansicht der Entwurfsverfasser möglichst verzichtet werden, da diese auch zur unkontrollierten Müllentsorgung einladen. Ohne Müllbehälter im öffentlichen Raum ist die Hemmschwelle, persönliche Abfälle einfach liegen oder fallen zu lassen häufig so groß, dass diese mitgenommen werden. Erweist sich dieser Ansatz als inakzeptabel, könnten Abfallbehälter in den Hockerelementen untergebracht werden.

Abbildung 9

Abbildung 08: Konzept der 'Obstmarktbank' mit Sitzauflagen und Lehnen aus Holz bzw. Holzlaminat

6.3 Beleuchtung und weitere Ausstattung Für die Straßenbeleuchtung sieht der Entwurf wie bereits der Vorentwurf eine Beibehaltung bzw. Erneuerung der Überspannungsbeleuchtung vor. In dem Bereich, in dem bereits im Bestand Überspannungen vorhanden sind, werden diese erneuert bzw. ergänzt und mit neuen Leuchten versehen. Im Platzbereich des Obstmarkts werden leicht gegenüber dem Bestand veränderte Überspannungen vorgesehen. In den Bereichen, wo es keine Überspannung gibt und eine solche auch wegen fehlender Anschlagpunkte nicht möglich ist, werden Leuchtstelen vorgeschlagen. Dies betrifft neben dem Bereich des Fünferplatzes im Norden insbesondere auch den Übergangsbereich zum Hauptmarkt an der Frauenkirche. Im Zuge der weiteren Planung werden sich noch weitere Ausstattungselemente wie z.B. Infotafeln, Infopunkte, Gedenkstelen, Fahnenmasten etc. als notwendig erweisen. Einige werden bereits diskutiert, z.B. eine Stele mit geschichtlicher Information im Übergangsbereich zum Hauptmarkt im Bereich des Platanengevierts. Auf derartige Elemente wird bei der Kurzbeschreibung der einzelnen Raumanschnitte eingegangen (vgl. Pkt. 7). Die auf der Ostseite des Obstmarkts bestehende Litfaßsäule bleibt mehr oder weniger standortgleich erhalten (vgl. Pkt. 7.2).

7. Kurzbeschreibung der vier städtebaulichen Abschnitte

Trotz größtmöglicher gestalterischer Einheitlichkeit und Durchgängigkeit soll jede der vier städtebaulichen Untereinheiten des Obstmarkts ihren eigenen Charakter behalten. Dieser wird sogar jeweils noch herausgearbeitet, insbesondere durch verschiedene Leitbilder und Artenkombinationen für die Baumpflanzungen. Folgend werden die vier Teilräume kurz porträtiert. 7.1 Fünferplatz Der Fünferplatz lässt sich in drei städtebauliche Untereinheiten gliedern: Im Ratshof wird durch die zentrale Grünfläche der bestehende Fischbrunnen wieder besser in Szene gesetzt. Überdies entsteht in den Sommermonaten eine ruhige Oase mit Bänken und ggf. Kübelpflanzen. Den Zugang bzw. die Zufahrt zum Rathaus-Ensemble/Rathausplatz markieren zwei Neupflanzungen (vgl. Tabelle 03, Bäume 1 und 2). Im Winter steht der gesamte Hof, einschließlich der Grünfläche, den Nebennutzungen des Christkindlmarkts zur Verfügung. Dieser Bereich ist als zweiter Bauabschnitt vorgesehen. Oberhalb der Treppe zum Ratshof und oberhalb des starken Gefälles von ca. 8 % wird ein Aufmerksamkeitsfeld im Boden zur Warnung von blinden und sehbehinderten Personen verlegt. Ein verbesserter, beleuchteter Handlauf an der Mauer zwischen Ratshof und Gehweg erleichtert die Bewältigung dieses An- bzw. Abstiegs. Der östlich benachbarte Straßenraum, der obere Fünferplatz, bildet das Tor zum gesamten Straßenmarkt und bietet aufgrund der topografischen Situation einen guten Überblick bzw. Ausblicke auf den Stockzahnbrunnen und den Chor der Frauenkirche. Hier sind 7 PKW-Stellplätze angeordnet. Als Verbindung zwischen Ratshof/Rathausplatz und Bindergasse wird hier eine barrierefreie Querung geschaffen. Die Begrünung steht unter dem Motto 'Auftakt mit Ahorn' und bietet schattenspendende Bäume mit wirksamem Laub und Bezug zur Theresienstraße (vgl. Tabelle 03, Bäume 3 bis 8). Tabelle 03: Baumarten Fünferplatz (grüne Zeilen mit offener Baumscheibe)

Lfd. Nr. Geplante Baumart Alternativ-Vorschlag
1 Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.) Amelanchier arborea 'Robin Hill'
2 Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.) Amelanchier arborea 'Robin Hill'
3 Acer buergerianum Corylus colurna
4 Acer buergerianum Corylus colurna
5 Acer buergerianum Corylus colurna
6 Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.) Acer campestre 'Elsrijk'
7 Acer buergerianum Corylus colurna
8 Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.) Acer campestre 'Elsrijk'
9 Celtis australis Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.)
10 Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.) Acer campestre 'Elsrijk'
11 Celtis australis Tilia cordata 'Rancho'
12 Acer platanoides 'Erectum' Acer campestre 'Elsrijk'
13 Acer platanoides 'Erectum' Acer campestre 'Elsrijk'
14 Celtis australis Tilia cordata 'Rancho'
15 Celtis australis Tilia cordata 'Rancho'
16 Celtis australis Tilia cordata 'Rancho'

Der untere Fünferplatz vor dem (neuen) Rathaus bildet das 'grüne Entrée zum Obstmarkt'. Die gemischte Doppelbaumreihe mit viel Blattgrün und leicht mediterranem (Zürgelbaum) oder alternativ traditionellerem Charakter (Linde, Ahorn) in beidseitigen Grünstreifen stellt eine erhebliche klimatisch-ökologische Aufwertung des Straßenraums dar (vgl. Tabelle 03, Bäume 9 bis 16). Im Bereich des Rathausrücksprunges werden Fahrradständer angeboten, zusätzlich verhindern drei Fahnenmasten bzw. Infobanner am Fahrbahnrand das Beparken in diesem Bereich. Zudem ist in diesem Abschnitt auch Fassadenbegrünung vorgesehen, insbesondere auch an den öffentlichen Gebäuden (Rathaus, Polizeiinspektion). Im Zuge der weiteren Detailplanung werden potenzielle Standorte für Kletterpflanzen und ggf. erforderliche Rankhilfen in Abgleich mit Gebäudeeingängen, Lichtschächten, Sockel- und Fassadengestaltung ermittelt sowie entsprechend geeignete Arten vorgeschlagen.

7.2 Obstmarkt Der Kernbereich des Obstmarkts, der 'eigentliche' Obstmarkt, wird als Einheit hervorgehoben durch einen Wechsel in der Verlegerichtung des Pflasterbelags vom linearen Reihenverband in einem richtungslosen Flechtverband. Die Grenze zwischen beiden Verlegearten bildet eine weitere barrierefrei gestaltete Fahrbahnquerung. Die Fahrbahn wird mit Hilfe der Muldenrinne auf der Westund dem höhenversetzten Dreizeiler auf der Ostseite leicht verschwenkend über den Platz geführt. Den Schwerpunkt des Platzes markiert der hierher versetzte Stockzahnbrunnen im Schnittpunkt der Sichtachsen aus der Tuchergasse und vom Fünferplatz herunter. Dieser Standort wurde bereits in der preisgekrönten Wettbewerbsarbeit für einen Brunnen vorgeschlagen. Im oberen nordwestlichen Teil des Platzes wird der Apollobrunnen und ein Wasserspiel mit Trittsteinen und Trinkbrunnen als Anziehungspunkt nicht nur für Kinder situiert. Die erforderliche unterirdische Brunnenstube findet im unteren Platzbereich südlich des Obstmarktbunkers Platz (vgl. Pkt. 6.1.). Begleitend werden Bänke angeboten, die –auf der geneigten Fläche höhenlinienparallel aufgestellt– einen guten Überblick über das Treiben auf dem Platz ermöglichen und gleichzeitig unerwünschte Parknutzung verhindern. Als Kontrapunkt zu dieser belebten Szenerie entsteht auf der Ostseite des Platzes unter der prägenden bestehenden Silberlinde ein Platz zum ruhigen Verweilen auf der neu geschaffenen weich geformten Rundbank. Dies wird ergänzt von Sitzgelegenheiten des Typus 'Hocker' (vgl. Pkt. 6.2), die auch die Funktion von Absperrpollern erfüllen. Südlich davon am Fahrbahnrand wird die bestehende Litfaßsäule in die Umgestaltung integriert. Sie fügt an ihrem derzeitigen Standort beinahe passgenau in die geplante Linienführung ein und verhindern das 'wilde' Beparken der Platzfläche in diesem Bereich. Entsprechend dem Begrünungsleitbild 'Einmal im Jahr Spektakel' werden auf der Westseite drei japanische Zierkirschen (Prunus serrulata 'Kanzan', alternativ Zieräpfel oder Säulenkirschen, Bäume Nr. 17 bis 19 im Entwurf) als Blühbäume mit Obstbaumcharakter vorgeschlagen. Sie bilden das Pendent zur Silberlinde, bilden das grüne Ambiente für die Außengastronomie und rahmen das denkmalgeschützte Chörlein an der Ostfassade der Gaststätte Bratwurst-Röslein. Standorte für Fassadenbegrünungspflanzen sollen auch hier geprüft und ggf. mit den Anliegern und Hauseigentümern abgestimmt werden. Die nach Westen zum Rathausplatz abzweigende Obstgasse wird im Reihenverband gepflastert und über eine zweizeilige Mittelrinne entwässert. Die Beleuchtung im Bereich Obstmarkt und Obstgasse erfolgt von teilweise bestehenden Überspannungen aus.

7.3 Spitalgasse/Umfeld Frauenkirche Die Frauenkirche mit ihrem Umfeld stellt das Bindeglied zwischen Obstmarkt und Hauptmarkt dar. Eine wichtige Intention des Entwurfs ist es, diesen 'Link' angemessen und der gotischen Kirche würdig zu gestalten. Dies geschieht mit ruhigen im Reihenverband verlegten Pflasterbelägen und den Kirchenbau beidseits flankierenden zweizeiligen Entwässerungsrinnen, an denen sich jeweils drei Lichtstelen orientieren. Allein der nahe des Chores bestehende Bergahorn wird dazu genutzt, unter seiner Krone eine kleine grüne Oase aufzuspannen, die mit einer weich geformten Rundbank gefasst wird und –ähnlich wie die Bank um die Silberlinde am Obstmarkt– zum Verweilen einlädt. Baumneupflanzungen sind hier im Wesentlichen fahrbahnbegleitend und überwiegend auf der Ostseite der Spitalgasse vorgesehen. Die Artenauswahl folgt dem Leitbild 'Grüner Rahmen für Frauenkirche und Spitalgasse: Blüten, fiedrige Blättern und lichter Schatten' (Robinien, Gleditsien) oder alternativ 'saisonale Blattfärbung und stärkere Beschattung' (Ahornvariante, vgl. Tabelle 04). Die Fahrbahn verjüngt sich auf Höhe der Kirche zu einer charakteristischen Engstelle, die mit drei Bäumen markiert wird (Bäume 28 bis 30 in Tabelle 04). Die nördlich des Kirchenumfeldes auf der Ostseite des Restaurants Cucina italiana bestehenden Bergahorne werden um weitere drei Bäume (Acer platanoides ‚Columnare‘, Bäume 20 bis 22 in Tabelle 04) zu einem Hain ergänzt. Neben der hier bestehenden Außengastronomie, werden hier Fahrradständer angeordnet. Tabelle 04: Baumarten Spitalgasse/Umfeld Frauenkirche (grüne Zeilen mit offener Baumscheibe)

Lfd. Nr. Geplante Baumart Alternativ-Vorschlag
20 Acer platanoides ‚Columnare‘ Acer rubrum 'Red Sunset'
21 Acer platanoides ‚Columnare‘ Acer rubrum 'Red Sunset'
22 Acer platanoides ‚Columnare‘ Acer rubrum 'Red Sunset'
23 Robinia pseudoacacia 'Bessoniana' Acer rubrum 'Red Sunset'
24 Robinia pseudoacacia 'Bessoniana' Acer rubrum 'Red Sunset'
25 Gleditsia triacanthos 'Skyline' Acer buergerianum
26 Robinia pseudoacacia 'Bessoniana' Acer rubrum 'Red Sunset'
27 Gleditsia triacanthos 'Skyline' Acer buergerianum
28 Robinia pseudoacacia 'Bessoniana' Acer rubrum 'Red Sunset'
29 Robinia pseudoacacia 'Bessoniana' Acer rubrum 'Red Sunset'
30 Robinia pseudoacacia 'Bessoniana' Acer rubrum 'Red Sunset'

Auch im Übergangsbereich zum Hauptmarkt westlich der Frauenkirche spielen 'Grüne Spots als Schattendächer' eine Rolle. So ist ein Solitär (Sophora japonica, alternativ Quercus cerris, Baum 43 im Entwurf) an der Brautkehre nahe Prantlstein vorgesehen sowie ein Baumhain aus vier dachförmig gezogenen Platanen (Platanus acerifolia, vgl. Bäume 39 bis 42) im Westen des 'Block House'. Dieses Baumgeviert stellt eine würdige Kennzeichnung des geschichtsträchtigen Ortes dar, an dem sich beispielsweise im Mittelalter das Nürnberger Judenviertel befand, und ist somit bestens geeignet, Ausstattungen mit Informationsgehalt oder Geschichtsbezug aufzunehmen. Hier etwa ist die geplante Gedenk-Stele gut vorstellbar. Überdies bietet es unter dem horizontalen Blätterdach schattige Flächen für Außengastronomie im Sommerhalbjahr und genügend Platz für Angebote des Christkindlesmarkts im Winter.

Aufgrund der besonderen archäologischen Bedeutung dieses Bereichs dürfen die Baumgruben maximal eine Tiefe von 1,20 m erreichen. Der darunterliegende archäologische Bestand ist entsprechend zu schützen. 7.4 Spitalgasse/Buswendeplatz Der südliche Abschnitt der Spitalgasse und die Nordfassade des Heilig-Geist-Spitals bilden den Abschluss der Raumabfolge. Gleichzeitig stellt dieser Bereich mit Bushaltestelle und Taxiständen gewissermaßen einen Verkehrs-Hotspot dar, der auch großzügig als solcher gestaltet ist. Um den Platzcharakter zu betonen wird die Fahrbahn in diesem Bereich mit richtungslos verlegtem Pflaster belegt. Die barrierefrei mit Bänken gestaltete Bushaltestelle erhält ein Buswartehaus, dessen Glaswände und -dach mit einem informativen und/oder dekorativen Druck versehen werden sollen. Dies zeigt die Identität des Ortes und dient so der Orientierung, z.B. für Touristen. Darüber hinaus macht –ganz praktisch– so eine Gestaltung die Glasscheiben als potenzielles Hindernis besser sichtbar, den ggf. vorhandenen Schmutz darauf dagegen weniger. Zahlreiche Fahrradständer und eine sog. Litfaßsäulen-Toilette ergänzen die Ausstattung des Platzes. Unter dem Leitmotiv 'Grüner Straßenraum am Bushalt' sind auch hier Baumneupflanzungen vorgesehen, der Funktion des Raums entsprechend allerdings in lockerer Folge. Bedeutung als Blickpunkt und Landmarke hat der Großbaum in der Mitte der Buswendeschleife. Dementsprechend öffnen sich die beidseitigen Baumpaare parallel zu den Hausfassaden und geben den Blick darauf frei. Die hier angeordnete Grünfläche spielt zudem eine wesentliche Rolle für die Regenwasserbewirtschaftung. Sie wird ausgemuldet profiliert und mit attraktiver Unterpflanzung für den zentral situierten Großbaum (Gleditsia oder Quercus palustris, Baum Nr. 38) gestaltet. Tabelle 05: Baumarten Spitalgasse/Buswendeplatz

Lfd. Nr. Geplante Baumart Alternativ-Vorschlag
31 Zelkova serrata 'Green Vase' Aesculus carnea ‚Briotii‘
32 Zelkova serrata 'Green Vase' Aesculus carnea ‚Briotii‘
33 Zelkova serrata 'Green Vase' Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.)
34 Acer buergerianum Acer rubrum 'Red Sunset'
35 Zelkova serrata 'Green Vase' Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.)
36 Acer buergerianum Acer rubrum 'Red Sunset'
37 Zelkova serrata 'Green Vase' Gingko biloba 'Fastigiata' (männl.)
38 Gleditsia triacanthos 'Skyline' Quercus palustris

Quellenverzeichnis

Stadt Nürnberg, Planungs- und Baureferat, vertreten durch Stadtplanungsamt (2018): Nürnberger Linie. Gestaltungshandbuch für den öffentlichen Raum Bayerische Architektenkammer (BYAK) (2019): Barrierefreies Bauen 03 Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum (DIN 18040-3) Deutsches Institut für Normung (2019): DIN EN 17210 Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umgebung – Funktionale Anforderungen (Normentwurf 2019) Deutsches Institut für Normung (2020): DIN 32984: Bodenindikatoren im öffentlichen Raum (Dezember 2020) Deutscher Naturwerksteinverband (DNV) (2014): Richtlinie Pflaster- und Plattendecken für befahrene und begangene Flächen in ungebundener und gebundener Ausführung sowie in Mischbauweisen Biber, Carmen, Dickhaut, Wolfgang, Kruse, Elke (2019): Straßenbäume als Komponente der Überflutungs- und Hitzevorsorge in Städten. In Stadt und Grün/Pro Baum 01/2019, verfügbar unter: https://stadtundgruen.de/artikel/strassenbaeume-als-komponente-der-ueberflutungs-undhitzevorsorge-in-staedten-10881.html (zuletzt aufgerufen am 28.07.2021)

Nicht einzeln aufgeführt sind: Materialien und Standards der Stadt Nürnberg, z.B. des Servicebetriebs Öffentlicher Raum (SÖR) Stellungnahmen und Protokolle zu Besprechungen und Präsentationen im gesamten Planungsverlauf

Neugestaltung Obstmarkt:

Entwa sserungskonzept

Im Rahmen der Neugestaltung des Obstmarktes sollen ca. 40 Bäume neugepflanzt werden. Weitere Bestandsbäume sollen in das Grünkonzept integriert werden. Um die Entwässerung der befestigten Flächen nachhaltig zu gestalten, soll das Regenwasser bevorzugt in den Baumscheiben versickert werden. Neben dem besseren Stadtklima und der Entlastung des Kanals ist ein weiterer Vorteil, dass die Bäume nach der Anwuchsphase nicht mehr aktiv bewässert werden müssen.

Vorgaben

Aus archäologischen und denkmalschutzrechtlichen Gründen soll eine Aushubtiefe von 1,50 m eingehalten und nur in Ausnahmefällen überschritten werden. Die Baumscheiben werden entsprechend der Vorgaben von SÖR/1-A/1 ausgeführt. Die Wurzelräume werden bis zu einer Tiefe von 1,20 m mit einem Volumen von mind. 16 m³ Baumsubstrat befüllt. Bei begehbaren Baumscheiben werden die Substratkörper mit Maßen von mind. 4x4 m ausgeführt. Folgende Unterlagen und Richtlinien werden bei der Konzeptionierung berücksichtigt:

Bestandssituation

Im Bestand wird das Regenwasser von den Straßenflächen in Straßenabläufen gesammelt und direkt dem städtischen Kanal zugeführt. Der Grundwasserspiegel wurde bei den Baugrunduntersuchungen in Tiefen von 3,0 – 3,6 m angetroffen.

Planung Funktionsprinzip

Unterhalb und neben den Baumsubstratkörpern werden Rigolenkörper eingebaut, die aus offenporigem Rigolensubstrat bestehen. Jeder Rigolenkörper verbindet mehrere Baumscheiben miteinander. Die so entstehenden Rigolensysteme verfügen jeweils über ein Netz aus Drainagerohren und Spülschächten. Innerhalb der Wurzelbereiche werden die Rohre als Vollwandrohre ausgeführt und die Muffen abgedichtet, um Wurzeleinwuchs zu verhindern.

Oberirdische Beschickung (R1, R2)

Am Fünferplatz (Nord) werden über den Substratkörpern der westlichen Bäume Mulden hergestellt, die mit einer bewachsenen Oberbodenschicht bedeckt werden. Das Regenwasser wird über die Straßenquerneigung in diese Mulden geleitet. Es sickert zunächst durch den Oberboden und wird dabei gereinigt. Anschließend sickert es in das darunterliegende Baumsubstrat und wird innerhalb des Rigolen R1 und R2 verteilt, wo es von den Bäumen aufgenommen wird bzw. in den anstehenden Boden versickert.

Unterirdische Beschickung (R3 – R6)

Die Rigolen R3 – R6 verfügen jeweils über 1 – 2 Sammelleitungen, die ihnen das Regenwasser unterirdisch zuführen. Vom Obstmarkt bis zur Spitalgasse wird das Oberflächenwasser am westlichen Straßenrand in einer Rinne gesammelt und in Straßenabläufe geleitet. Von hier gelangt das Wasser in die Sammelleitungen, die zunächst in je einen Sedimentationsschacht geführt werden. Nach der Reinigung fließt das Wasser in den Einlaufschacht und verteilt sich durch das Rohrnetz der Rigole. Durch die Schlitze der Sickerrohre außerhalb der Wurzelbereiche gelangt das Wasser in das Rigolensubstrat und staut ein. Während ein Teil direkt versickert, fließt ein weiterer Teil durch das hydraulische Gefälle und Kapillarkräfte in das Baumsubstrat. Hier wird das Wasser von den Wurzeln aufgenommen oder ebenfalls versickert. Die Rigole R5 wird zusätzlich zur unterirdischen Beschickung durch die Mulde in der Buswendeschleife beschickt. Für die Rigole R6 werden die Bereiche westlich der Frauenkirche berücksichtigt.

Bemessung

Auf Grundlage der Vorgaben und der bisher ermittelten Durchlässigkeitsbeiwerte wurde eine Vorbemessung durchgeführt. Die Rigolen werden gem. DWA-A 138 auf ein 5-jährliches Regenereignis bemessen. Die Mulden werden gem. DWA-A 138 auf ein 1-jährliches Regenereignis bemessen und mit Überläufen in die Rigolen ausgestattet. Die Unterkante der Rigolen wird bei 1,50 m unter Straßenoberfläche festgelegt. Die Einstauhöhe der unterirdisch beschickten Rigolen wird zunächst mit 0,55 m festgelegt. Diese Höhe kann im Zuge der Detailplanung der Kanäle ggf. noch vergrößert werden. Die oberirdisch beschickten Rigolen werden zunächst mit einer Einstauhöhe von 0,90 m angesetzt. Die Rigolen R3 und R4 erhalten Überläufe, die das Wasser im Falle eines Überstaus in das jeweils nächste Rigolensystem weiterleiten.

Regenwasserbehandlung

Die Notwendigkeit der Behandlung des Regenwassers wird gem. DWA-M 153 abgeschätzt. Folgende Typen werden angesetzt:

Anlagen

  1. Lageplan 2. Längsschnitte 3. Prinzipskizzen 4. Bemessung nach DWA-A 138 5. RW-Behandlung nach DWA-M 153 6. Geotechnischer Bericht 7. Referenzprojekte

Stand: 02.03.2022 gez. i.A. Tim Kluge Schüßler-Plan

Abbildung 10

Aufbau gem. DNV RiLi

Deckschicht

Granitpflaster 16x16/24/32 cm Dicke 16 cm

Deckschicht Granitpflaster 16x16/24/32 cm

Dicke 16 cm

Bettung 50 mm

Sand-Splitt-Gemisch 0/5

Bettung 50 mm

Sand-Splitt-Gemisch 0/5

Tragschicht, ungebunden

Kies 0/32

Tragschicht, ungebunden

Kies 0/32

Pflanzsubstrat gem. Vorgaben SÖR

KG-Rohr innerhalb der Wurzelbereiche

~4% ~1.4% 02.0

16 m³ 16 m³ 16 m³ Einstauhöhe

03.0 05.1 Muldenrinne (4-Zeiler)

16 m³

Sammler Straßenentwässerung Neugestaltung Obstmarkt: DN 200 - DN 315 Entwässerungskonzept Rigoleneinlauf 4.00 4.00 Spülschacht Prinzipskizzen Sedimentationsschacht Sickerrohr außerhalb der Wurzelbereiche Stand 16.02.2022 Rigolensubstrat gez. i.A. Tim Kluge für Verteilung / Weiterleitung /Versickerung Schüßler-Plan

Versickerungsmulde Oberboden Pflanzsubstrat gem. Vorgaben SÖR 00.1 Aufbau gem. DNV RiLi

4.00 02.1 05.1 Offene Baumscheiben Geschlossene Baumscheiben (Mulden-Rigolen-System)

Spülschacht Sickerrohr außerhalb der Wurzelbereiche

KG-Rohr innerhalb der Wurzelbereiche 02.0

148 149

5.01 147 146 145 144143 142 7.04

135 136 137 138 139 140 134 133 132 131 130 129 128 5.02 9.07 5.81

6.10

122 123 124 125 126 R10.59 115 114 113 112 111 110 1771

4 3 108 7 109 95 96 Podium 1 7

94 Krippe

87 88 90 1774/1 86 71 70 74 73 72 76 75

63 64 65 66 67 68 6 IV 1775 51 50

Obstmarkt Konfliktplan Baum - Buden

M 1: 250 Stand: 24.03.2022 Geobasisdaten © Bayerische Vermessungsverwaltung Darstellung der Flurkarte als Eigentumsnachweis nicht geeignet. ETRS89.UTM-32N

47 46 44 45 Q_3A-4TUOYAL-tkramtsbO :EMANNALP

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