Beilage
Standortsuche für das Projekt Weltacker
Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 24.09.2021
Antrag der ÖDP vom 18.11.2021
Entscheidungsvorlage
Ausgangssituation
Im Frühjahr 2021 kam die „Innovation und Zukunft Stiftung“ auf die Stadtverwaltung zu und präsentierte das Projekt Weltackers“. Es handelt sich dabei um ein Bildungsprojekt, das primär die SDGs („Sustainable development goals“ der Vereinten Nationen) veranschaulicht. Konkret wird verräumlicht wie viel Nutzfläche jeder Mensch weltweit im Mittel benötigt, um sich zu ernähren und zu versorgen. Rechnerisch sind das 2.000 m².
Das Projekt Weltacker stellt als Lernort anschaulich dar, wie Ernährung und Versorgung in einer globalisierten Welt stattfinden und gibt Hinweise, wie dies nachhaltig gelingen kann. In Berlin und anderen Städten in Deutschland wie weltweit gibt es bereits „Weltäcker“. Die „Innovation und Zukunft Stiftung“ (Stifter sind die Eheleute Schmitz) möchte auch in Nürnberg einen Weltacker etablieren, vollständig finanzieren und mit Partnern betreiben. Die Stiftung hat um Unterstützung bei der Suche eines geeigneten stadteigenen Standortes gebeten.
Entstehen soll ein Lernort als Teil des „SDGs go local“ Projektes, das durch Mitmach-Projekte die Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) in der Bevölkerung bekannter machen und verankern möchte.
Das Projekt Weltacker in Nürnberg
Im Rahmen des Weltackers soll ein vielfältiges Angebot an kulturellen, integrativen und Lerninhalten geschaffen werden. Er bietet eine praktische, "greifbare" Plattform zur Auseinandersetzung mit Flächenverbrauch, Agrarwirtschaft, Klima, Umwelt, Gesundheit, Armut, Hunger, gerechter Verteilung und nachhaltigem Konsum/Produktion. Er soll eine grüne Lernoase in der Großstadt darstellen und zur Bildung und Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger beitragen. Der Weltacker soll als Kultur- und Begegnungsstätte fungieren, der Generationen, unterschiedlichste soziale Schichten und Menschen jedweder Herkunft vereint.1 Er berührt somit auch Gender und Diversity Aspekte.
Für den Weltacker in Nürnberg wird eine 2.500 m² große Fläche benötigt, die neben den 2.000 m² für den Anbau der Pflanzen noch 500 m² für die Infrastruktur (Geräte-/Lagerhaus, Kompost, Versorgungswege, Schulungspunkte, Treffpunkt für Besuchergruppen) bereitstellt. Ideal ist eine zentrale Lage im Stadtgebiet mit einer guten Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Wünschenswert wäre zudem, wenn durch die Entsiegelung einer bisher befestigten Fläche zudem ein ökologischer Mehrwert verbunden ist. Das Projekt richtet sich an alle Interessierten und sollte damit rund um die Uhr der Öffentlichkeit zugänglich sein. Eine Einzäunung wird dezidiert ausgeschlossen, damit die Fläche nicht zum „Kleingarten“ mutiert. Baurechtlich und in Teilen seiner Struktur erinnert der „Weltacker“ damit an das Projekt „Wolfsgarten“, das andere Ziele verfolgt, sich stadträumlich aber nicht unähnlich zeigt.
Die „Innovation und Zukunft Stiftung“ ist bereit, das Projekt lang andauernd zu tragen und alle Kosten von Umwidmung über Umbau bis zum Betrieb in eigener Regie zu tragen. Die Stadt Nürnberg stellt dazu lediglich das Grundstück zur Verfügung. Zudem sichert die Stadt Nürnberg die Einbindung des „Weltackers“ in den Westpark (Wegenetz).
Forschungsarbeit zur Standortsuche durch die TH Nürnberg
Die Standortsuche für den Weltacker in Nürnberg wurde durch die TH Nürnberg im Rahmen einer Forschungsarbeit (Prof. Burgstaller) durch Master-Studierende wissenschaftlich begleitet.
1 https://www.innovationzukunft.org/ein-weltacker-f%C3%BCr-n%C3%BCrnberg
Die Arbeit, im Rahmen derer sechs mögliche Standorte näher untersucht wurden, diente der Verbindung der Themen Landwirtschaft und Boden mit städtebaulichen und architektonischen Zielen. 2
Standortuntersuchung
Das Stadtplanungsamt hat im Rahmen der Standortsuche für einen Weltacker in Nürnberg sieben Standorte näher untersucht. Diese wurden vorher durch eine verwaltungsübergreifende Arbeitsgruppe sowie Anregungen von Hochschule und Stiftern erarbeitet. Auswahlkriterien waren Verfügbarkeit, aktuelle Nutzung, Flächengröße, Baurecht, ÖPNV-Anbindung sowie positive und negative Auswirkungen bezüglich des Vorhabens. Die Standorte sowie deren Eignung für einen Weltacker werden in der folgenden Tabelle kurz aufgeführt.
| Standort | Eignung | |
|---|---|---|
| Am Wegfeld | Am Wegfeld | Standort nicht geeignet |
| (Grund: geplante Erweiterung P+R-Anlage) |
Christoph-Weiß-Straße Standort sehr gut geeignet
(Grund: Lage, Größe, Erreichbarkeit, Synergien)
(Sportplatz)
| Hiroshimaplatz | Standort wenig geeignet |
|---|---|
| (Grund: Rückbau des Straßenbahntunnels) |
Westpark Standort sehr gut geeignet
(Grund: Lage, Größe, Einbindung Westpark)
Parkplatz Von-der-Tann-Straße
| Buch ggü. Kirchweihplatz | Standort nicht geeignet |
|---|---|
| (Grund: Lage, Erreichbarkeit, gewerbliches Umfeld) |
Stadtgraben Standort wenig geeignet
(Grund: unterschiedlicher Realisierungshorizont Weltacker und Urbane Gartenschau)
| Baugebiet Tiefes Feld | Standort wenig geeignet |
|---|---|
| (Grund: periphere Lage und noch wenig | |
| städtebauliche Einbindung) |
Untersuchte Standorte
Die Untersuchung hat ergeben, dass zwei Standorte sehr gut für die Ansiedlung des Weltackers geeignet sind:
Christoph-Weiß-Straße Hierbei handelt es sich um einen aus städtebaulicher Sicht besonders geeigneten Standort. Das Gelände des Sportplatzes liegt seit mehreren Jahren brach und ist für die Öffentlichkeit unzugänglich. Lediglich das Gebäude wird aktuell genutzt. Die westlich angrenzende öffentliche Grünfläche zeigt einen gewissen Sanierungsbedarf. Aus städtebaulicher Sicht ist hier eine Neuordnung und Aufwertung der Flächen erforderlich, die im Zusammenhang mit der Errichtung des Weltackers erfolgen könnte. Es werden hier Synergieeffekte zwischen dem Weltacker, dem angrenzenden Grünraum und anderen Freizeitnutzungen gesehen. Die Fläche ist momentan im Erbbaurecht an den Sportverein vergeben bzw. vermietet, eine Vertragsauflösung ist im Einvernehmen möglich, jedoch nicht unproblematisch.
2 https://www.th-nuernberg.de/fileadmin/fakultaeten/ar/Forschung2/211214_Weltacker_ib_fk.pdf
Vorteile des Standorts: Erhalt des Grüns als Ergänzung des angrenzenden Grünraums an der Pegnitz gute Erreichbarkeit für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende viel Laufpublikum auf Grund der Größe Synergien mit anderen Nutzungen vorstellbar (Spiel und Sport) aktuell ungenutzte Fläche gute städtebauliche Einbindung
Eine Schwierigkeit beim Standort des ehemaligen Sportplatzes an der Christoph-Weiß-Straße sind Flächenkonkurrenzen mit sportlichen Nutzungen, die bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeräumt werden konnten. Seitens Ref. IV/SpS erfolgte eine Ausschreibung interessierter Sportvereine für eine Nachnutzung des Sportplatzes. Die Bewerbungen liegen bereits vor und werden aktuell ausgewertet. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte nicht ermittelt werden, ob eine künftige Nutzung als Spiel- und Sportfläche und die Ansiedlung des Weltackers flächenmäßig auf dem Grundstück untergebracht werden können. ÖPNV-Fragen sind nicht vollständig geklärt, ebenso Details der Erbbaurechtsvereinbarung, die aufzulösen wäre.
Die Fläche wird daher für den Standort des Weltackers nicht weiterverfolgt.
Parkplatz Westpark Der Standort auf dem Parkplatz am Westpark liegt direkt an der Von-der-Tann-Straße und ist somit exponiert gelegen und gut erreichbar. Aus verkehrlicher Sicht ist der Parkplatz nicht mehr erforderlich. Durch die Entsiegelung der Parkplatzfläche wird zugleich eine ökologische Aufwertung vollzogen. Sowohl bei der Entsiegelung als auch beim Anlegen des Weltackers ist auf den Erhalt der Bäume zu achten.
Darstellung des Standortes in einer Arbeit der THNürnberg, Prof. Burgstaller, I. Bauer (D. Mercan; P. Söldner; H.-M. Chuong; D. P. Nguyen)
Vorteile des Standorts: Entsiegelung einer befestigten Fläche ÖPNV Anbindung vorhanden (Ringbuslinie) Schulexkursionen möglich gute Erreichbarkeit Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende Laufpublikum Ergänzung des angrenzenden Westparks zusätzliches Bildungsangebot im Westen gute Sichtbarkeit des Projekts an MIV-Achsen
Es gab ohnehin Überlegungen, die Parkplatzfläche im Rahmen einer anstehenden Umgestaltung des Westparks in den nächsten Jahren mit zu überplanen. Sehr frühe Konzepte, das bestehende Spielflächendefizit in der Planungsregion durch Angebote an Stelle des Parkplatzes zu verringern sollen, nun andernorts im Westpark verfolgt werden.
Durch das Angebot des Weltackers kann eine gute Ergänzung des Westparks erreicht und eine zusätzliche Bildungs- und Begegnungsstätte im Westen geschaffen werden. Besondere Rücksicht ist dabei auf den Baumbestand sowohl auf dem Parkplatz als auch im Rahmengehölz zu nehmen, der zu erhalten und zu schützen ist.
Es wird vorgeschlagen, den Parkplatz am Westpark als Standort für den Weltacker weiter zu verfolgen.
Zeitliche Umsetzung
Die „Innovation und Zukunft Stiftung“ will schon 2022 mit den Maßnahmen zur Umsetzung beginnen. Da für die weitere Planung und Vorbereitung sowie Umgestaltung des Grundstücks mit einer Dauer von etwa einem Jahr zu rechnen ist, wird die Eröffnung voraussichtlich 2023 erfolgen.
In den nächsten Schritten sollen technische (z.B. Wasser- und Stromanschluss) sowie organisatorische Details (z.B. Pachtvertrag, Genehmigungen) geklärt werden.
Fazit
Mit der Ansiedlung des Weltackers kann in Nürnberg ein Lernort geschaffen werden, der eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen ermöglicht und zugleich als grüne Kultur- und Begegnungsstätte dient. Im Rahmen der Standortuntersuchung wurde mit dem Parkplatz am Westpark eine Fläche identifiziert, die für die Ansiedlung sehr gut geeignet ist und durch die Entsiegelung einer befestigten Fläche gleichzeitig einen ökologischen Mehrwert darstellt.