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Sachverhalt

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Schule & Bildung Soziales & Gesundheit Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Projektarbeit an städtischen Schulen in Nürnberg

Arbeiten in und an Projekten stellt für Schülerinnen und Schüler oftmals eine willkommene Abwechslung dar. Kinder und Jugendliche können dabei außerdem ihre eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Interessen einbringen und erleben dadurch eine Wertschätzung der eigenen Person. Gleiches gilt für die engagierten Lehrkräfte oder das pädagogische Personal, welche vorwiegend Projekte an ihren Schulen initiieren. Diese Erfahrungen unterstützt die Stadt Nürnberg durch die Vergabe von pädagogischen Projektmitteln an die Nürnberger Schulen.1 Daneben gibt es aber auch noch Netzwerke oder Initiativen, welche Projektarbeit meist zu einem vorgegebenem Thema unterstützen. Exemplarisch soll in diesem Bericht auf das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und das vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration bewilligte Projekt zur Förderung im Leistungssport mit dem Schwerpunkt Integration und Inklusion an der städtischen Bertolt- Brecht-Schule.

1. Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist ein bundesweites Schulnetzwerk. Schulen,

die den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen und Teil des Netzwerks

werden möchten, einigen sich in einer Selbstverpflichtung mehrheitlich darauf, aktiv gegen

Diskriminierung, insbesondere Rassismus, an ihrer Schule vorzugehen. In einer geheimen

Abstimmung müssen mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder zustimmen. Das Schild mit

dem Logo am Schulgebäude soll täglich daran erinnern, dass sich viele Menschen an dieser

Schule aktiv gegen Ungleichwertigkeitsdenken und Diskriminierung jeder Art einsetzen. In

Bayern gibt es über 700 Schulen mit dem Titel, in Nürnberg über 40 über alle Schularten

verteilt.2

Der aktuelle Bericht „Courage und Solidarität in Zeiten der Pandemie“ der Bundeskoordination

von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zeigt, dass sich die Courage-Schulen den

Herausforderungen von 2020 gestellt haben und innovative und außergewöhnliche Wege

gefunden haben, um sich gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit zu engagieren.3

Dies gilt natürlich auch für die Nürnberger Schulen.

Exemplarisch sei hier ein Projekt der B7 genannt. Dort

wuchs im Schuljahr 2020/21 die Idee, einen Song für

die Menschenwürde und gegen Diskriminierung zu

schreiben, zu produzieren und als Projekt bei „Schule

ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu

präsentieren. Zusammen mit Schülerinnen und

Schülern der BVJ4-Klassen entstand der Song

„Mensch ist Mensch“.

Abbildung 1

Toleranz und Menschlichkeit – Grundpfeiler von Demokratie und des gesellschaftlichen Werteverständnisses, das innerhalb der B7 gelebt und vermittelt wird. 1 Quelle: B7 der Stadt Nürnberg

1 TOP 4 im Schulausschuss vom 15.10.2021 2 https://www.schule-ohne-rassismus.org/netzwerk/courage-schulen/ 3 https://www.schule-ohne-rassismus.org/produkt/bericht-der-bundeskoordination-2020/ 4 BVJ = Berufsvorbereitungsjahr; Schülerinnen und Schüler dieser Klassen haben aus unterschiedlichen Gründen noch keinen passenden Ausbildungsplatz bzw. Anschluss gefunden. Innerhalb eines Jahres werden sie intensiv darauf vorbereitet, den Sprung in einen neuen Lebensabschnitt (Aus- oder Weiterbildung) sicher zu bewältigen.

2. Werkstattbericht: Projekt zur Förderung im Leistungssport mit dem Schwerpunkt

Integration und Inklusion an der städtischen Bertolt-Brecht-Schule

Das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration bewilligte der Stadt Nürnberg für die Bertolt-Brecht-Schule zur Förderung von Projekten im Leistungssport mit dem Schwerpunkt Integration und Inklusion einen großzügigen Finanzrahmen in Höhe von 100.000 € (hiervon sind 10% Eigenanteil vom Zuschussempfänger selbst vorzuhalten). Die Bertolt- Brecht-Schule, ein kooperatives Schulzentrum mit einer kommunalen Realschule, einem kommunalen Gymnasium und einer staatlichen Mittelschule sowie u. a. Eliteschule des Sports, Partnerschule des Leistungssports, UNESCO-Projektschule, Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage entwickelte nach der Bekanntmachung der Fördersumme ein Konzept für ein integratives Projekt. Im Fokus der Projektplanung standen von Beginn an folgende drei Aspekte, die im finalen Projektplan zentrale Berücksichtigung finden:

Migration/Integration

Nürnberg hat im bundesdeutschen Vergleich mit einem Anteil von knapp 50% an Menschen mit einem Migrationshintergrund eine besondere Rolle. Diese Menschen erfolgreich zu integrieren, ist von Bedeutung für alle hier lebenden Bürgerinnen und Bürgern. Dabei können Schulen einen wertvollen Beitrag leisten.

Sprachförderung

Die Schülerinnen und Schüler befinden sich ständig miteinander im Kontakt und damit in sozialen Prozessen; sie erproben die deutsche Sprache in fantasievoller Weise (z. B. Jugendsprache untereinander vs. Hochsprache im Unterricht).

Resilienz

Belastungen und Hindernisse treffen zu einem gewissen Zeitpunkt auf jedes menschliche Individuum, so auch in der Schule. Die Widerstandsfähigkeit, damit angemessen umgehen zu können, ist eine Kompetenz, die es auszubilden gilt. Die Stärkung der psychischen Widerstandskraft ist letztlich eine wesentliche Säule der aktiven Gesundheitsvorsorge.

Das Projekt untergliedert sich in drei Teilprojekte:  Sprachsensibler Unterricht  Handlungskonzept Glück  BBS5 on bike - Gemeinsam Bayern erfahren

Das Projekt wird über den gesamten Zeitraum hinweg von zwei Projektkoordinatorinnen in Kooperation mit der Organisationsleitung der Bertolt-Brecht-Schule betreut. Sollte es die seit 2020 andauernde Corona-Pandemie erfordern, können Bausteine auch online über MS Teams oder hybrid stattfinden.

Inhaltliche Gestaltung des Projektteils zur Stärkung der Resilienz

A. Sprachsensibler Unterricht

Der Begriff „sprachsensibler Unterricht“ steht für unterschiedliche Unterrichtskonzepte, die Sprache bewusst als Mittel des Denkens und des Kommunizierens einsetzen, um fachliches und sprachliches Lernen zu verknüpfen. Die Lernenden werden in ihrer Gesamtheit erfasst, das bedeutet, dass die Sprache, das jeweilige Fach und die Sozialisation untrennbar miteinander verbunden werden.

5 BBS = Bertolt-Brecht-Schule

Dieses Projekt soll durch vier Säulen, die im Schulalltag der BBS verankert sind und zeitgleich durch die Expertise externer Kooperationspartner gestützt wird, umgesetzt werden.

Mitte Dezember 2021 ist das Projekt in seinen Anfängen erfolgreich angelaufen; die Bücherkisten und Lizenzen für das Online-Programm sind in Beschaffung. Der Vortrag und die Workshops zur Fortbildung der Lehrkräfte sind für Februar 2022 geplant. Das interkulturelle Training mit Schülerinnen und Schülern wurde auf Pfingsten 2022 angesetzt. Auch wenn das Programm online umsetzbar ist, bevorzugt die Schule eine Durchführung in Präsenz. Der Theaterworkshop mit dem Gostner Hoftheater wird ebenfalls ab Februar 2022 beginnen.

B. Handlungskonzept Glück

Vielfältige Belastungen, denen die Schülerinnen und Schüler des Leistungssports ausgesetzt sind, bestehen auch außerhalb der Corona-Pandemie. Mentales Training z. B. im Rahmen des Unterrichts soll deshalb ausgebaut werden. Es ist wichtig, den Jugendlichen Strategien an die Hand zu geben, die ihnen dabei helfen, ihre Resilienz zu stärken und sich ihrer Ressourcen bewusst zu werden. Das sog. „Handlungskonzept Glück“ verfolgt mit einem ganzheitlichen Ansatz das Ziel, diese Kompetenz bei den jungen Leistungssportlerinnen und

wurde auf wissenschaftlicher Basis positiver Psychologie, positiver Pädagogik, der Salutogenese sowie Grundlagen der Philosophie seitens des Fritz-Schubert-Instituts für Persönlichkeitsentwicklung in Heidelberg entwickelt. Dabei handelt es sich um eine 144stündige Ausbildung für die betreffenden Lehrkräfte in der Zeit von Juni 2021 bis Mai 2022, die einmal im Monat freitags und samstags stattfindet und schließlich mit einem Zertifikat endet. Diese Ausbildung findet zusammen mit Studierenden der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen/Nürnberg statt und wird vom Lehrstuhl für Schulpädagogik (Fr. Prof. Dr. Michaela Gläser-Zikuda) begleitet. Die fundierte Ausbildung der Lehrkräfte ist unabdingbar, weil sowohl sensible wie auch therapeutische Ansätze Inhalte des „Handlungskonzepts Glück“ sind. In der BBS selbst soll dieses Handlungskonzept in mindestens fünf Klassen (Umfang etwa 36 Doppelstunden im Schuljahr 2021/22) durchgeführt werden. Dabei können wöchentlich 90 Minuten im Rahmen von z. B. Ethik bzw. anderen Fächern/Kursen mit entsprechendem Lehrplanbezug oder gezielt in Projektwochen – auch unter der Mithilfe von fünf Studierenden der FAU – herangezogen werden.

An der Realschule sind vor den Weihnachtsferien und den Faschingsferien mehrtägige Projekte geplant. Am Gymnasium findet ebenfalls vor den Faschingsferien eine dreitägige Veranstaltung statt. Die Mittelschule führt derzeit das Handlungskonzept in der siebten Jahrgangsstufe durch.

C. BBS on bike – Gemeinsam Bayern erfahren

Die BBS vereint Leistungssport mit einer Schulfamilie, die von einer großen Anzahl an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund geprägt ist. Dieses Projekt soll Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Herkunft oder ihren physischen und psychischen Voraussetzungen zusammenführen. Gemeinsam sollen sie in einer intensiven Erfahrung Bayern mit dem Fahrrad erleben.

Derzeit umfasst diese Radtour eine Distanz von etwa 1.000 km rund um Bayern, geplant wird eine Schülergruppe zwischen 30 und 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese werden von einem Team aus Lehrkräften und ggf. Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen aus dem Offenen Ganztag begleitet. Das Besondere ist, dass der Unterricht in diesen Tagen auf dem Fahrrad und in den Pausen nach einem angepassten Konzept des mobilen außerschulischen Lernorts erfolgt. Hier sind die Mehrsprachigkeit (bilingualer Unterricht), das Festhalten der Ergebnisse in einem Blog (Informatik), die geographischen Exkursionen (Geographie), der

historischer Bezug der erlebten Landschaft (Geschichte), Physikunterricht am Beispiel des Reifendrucks, der Drehbewegungen etc. zu nennen.

Das Projekt war ursprünglich für September/Oktober 2021 angedacht und musst aus organisatorischen Gründen auf 2022 – vermutlich Pfingsten – verschoben werden. Auch diese Planungen stehen vorbehaltlich der pandemischen Lage. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler sollen aus drei verschiedenen Schularten kommen; nach Möglichkeit jeweils aus der siebten Jahrgangsstufe. Im Moment ist eine Durchmischung dieser Art auf Grund der Corona- Pandemie nicht haltbar. Es steht zu hoffen, dass sich Ende Frühling/Anfang Sommer 2022 die Lage soweit beruhigt hat, dass sowohl die Gruppenzusammensetzung als auch die eventuelle Übernachtung in Beherbergungsbetrieben sowie die Nutzung von gastronomischen Einrichtungen kein Problem darstellt.

Förderung

Das vorliegende Projekt mit seinen drei Untergliederungen fördert verschiedene Kompetenzen, die nicht nur vom Lehrplan gefordert, sondern auch von gesellschaftlicher Seite betrachtet erwünscht sind. Dazu gehören sowohl fachliche wie auch soziale Kompetenzen, die in ihrer Förderung und Weiterentwicklung in den letzten beiden Jahren Pandemie-bedingt nicht so erfolgen konnten, wie es seitens der Schule ursprünglich geplant war. Nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern des Leistungssports traten Veränderungen auf, die sie vor diverse Schwierigkeiten stellten z. B. Trainingsverbote in Stadien, Wettkampfausfälle etc., sondern auch für die Lehrkräfte, deren individuelle bzw. differenzierte Unterrichtsgestaltung für die Leistungssportschülerinnen und -schüler via Wechsel von Distanz- und Präsenzunterricht anders verlief.

Alle drei Projekte werden das Sprachvermögen der Schülerinnen und Schüler erweitern. Nicht zuletzt dadurch, dass die Inhalte den kommunikativen Austausch zu bestimmten Themen erfordern. Unabhängig davon, ob sprachliche Defizite vorhanden sind oder nicht, ist auch das adressatengerechte Sprechen eine Kompetenz, die beherrscht werden soll. Gerade bei praktischen Aktivitäten wie im Sport, in Seminaren oder beim Theater wird sie gefördert.

Das Projekt ist zudem auch von inklusiver Seite betrachtet für die BBS interessant, die sich dem Thema Inklusion schon seit vielen Jahren in ihrer schulischen Arbeit annimmt. Bei allen drei Projektteilen können Schülerinnen und Schüler, die von einem Handicap betroffen sind, ohne Probleme teilnehmen.

Da die Lehrkräfte in der BBS in der Vergangenheit schon viele Projekte zum Thema „Diskriminierung vorbeugen bzw. vermeiden“ durchführten, ist die Thematik in der Schulentwicklung verankert und genießt einen hohen Stellenwert.

Des Weiteren möchte die BBS das Projekt nachhaltig anlegen. Es soll in der Schulentwicklung implementiert und auch für folgende Schuljahre als Möglichkeit zur Förderung inklusiver und integrativer Ideen und Gedanken herangezogen werden. Nach Abschluss der ersten Projektrunde erfolgt eine Evaluation (unter Mithilfe des Amtes für Allgemeinbildende Schulen) zur Überprüfung von Verbesserungen und positiven Erkenntnissen. Der Evaluation folgend sind mehrere Szenarien möglich, wie das Projekt in der BBS bzw. anderen weiterführenden Schulen in Nürnberg (weiter) ausgestaltet, adaptiert bzw. implementiert werden kann.

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