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Sachverhalt

Anlage · 03.02.2022 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Gostenhof Langwasser Gibitzenhof Schweinau Schule & Bildung Muggenhof Galgenhof Steinbühl St. Leonhard Weststadt Eberhardshof Gesundheitsausschuss Soziales & Gesundheit Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Sachverhaltsdarstellung: Gesundheit für alle im Stadtteil.

Zwischenbericht zur stadtteilbezogenen Gesundheitsförderung in Nürnberg

1. Rahmenbedingungen des Projekts

Das Projekt „Gesundheit für alle im Stadtteil“ startete im Mai 2017 als Kooperation des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg mit der AOK Bayern, gefördert aus dem Schwerpunkt „Gesunde Kommune“. Grundlage für eine Projektförderung stellt das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention (PrävG) (SGB V §20a) dar, mit dem Ziel, Lebensbedingungen zu gestalten und einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu unterstützen. Das Präventionsgesetz sieht vor Angebote der Verhaltens- und Verhältnisprävention in der Lebenswelt der Menschen, d.h. dort wo sie wohnen, spielen, lernen und arbeiten, zu implementieren sowie die Zusammenarbeit der Einrichtungen und Akteure und Akteurinnen1 in der Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken.

Ziel des Projekts ist es, die gesundheitliche Lebensqualität in vier Projektgebieten zu verbessern: St. Leonhard/Schweinau, Langwasser, Röthenbach, West (mit Gostenhof, Bärenschanze, Muggenhof, Eberhardshof). Dabei greift das Projekt auch die zentralen Handlungsfelder des Bayerischen Präventionsplans wie gesundes Aufwachsen, gesundes Altern und gesundheitliche Chancengleichheit auf.2 Direkt in der Lebenswelt der Bewohnerinnen und Bewohner im jeweiligen geförderten Stadtteil wurden von den Gesundheitskoordinatorinnen und Gesundheitskoordinatoren gemeinsam mit den lokalen Akteurinnen und Akteuren, Netzwerken, Einrichtungen sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern entsprechende nachhaltige Strategien zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation vor Ort entwickelt und etabliert.

Der Projektzeitraum beläuft sich auf Mai 2017 bis Juni 2022, die ursprüngliche Projektlaufzeit bis April 2021 wurde aufgrund der Corona-Pandemie um 14 Monate verlängert, da das Projektteam von März 2020 bis einschließlich Juni 2021 in der Bearbeitung der Sars-CoV2- Pandemie eingesetzt war. Das bisherige Finanzvolumen für das Projekt von Mai 2017 bis Dezember 2020 beläuft sich auf eine Gesamtsumme von 1.408.400 Euro, davon wurden 1.186.040 Euro durch die AOK Bayern gefördert.

2. Vorgehensweise in den Stadtteilen

In den Stadtteilen haben die Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter zu Beginn eine Bestands- und Bedarfsanalyse durchgeführt, umfangreiche Experteninterviews mit Akteurinnen

1 Als Akteurinnen und Akteuren werden betrachtet z.B. handelnde Personen im Stadtteil, die sich mit ihrer Arbeit für den Stadtteil, Netzwerke oder freigemeinnützige Organisationen, Beschäftigte aus Einrichtungen oder Institutionen im Stadtteil sowie Personen, die das Leben in dem Stadtteil (mit)gestalten oder diese koordinieren (wie z.B. Seniorennetzwerkkoordination, Stadtteilkoordination). 2 https://www.stmgp.bayern.de/ministerium/staatsminister/#Initiativen

und Akteuren und zentralen Schlüsselpersonen sowie Gruppen im Stadtteil geführt (siehe auch Anhang B), um gesundheitliche Bedarfe zu identifizieren und anschließend in den Stadtteilen für die Themen der Gesundheitsförderung zu sensibilisieren3, Bedarfe zu diskutieren und Themen zu priorisieren. In den daraus folgenden Kooperationen konnten Angebote zur Gesundheitsförderung (Verhaltensprävention) in den Stadtteilen organisiert und durch zertifizierte und engagierte Kursleiterinnen und Kursleiter durchgeführt werden (siehe zur Vielfalt der Angebote auch die Tabellen in Anhang A); sowie die Rahmenbedingungen und Verhältnisse für gesundheitliche Lebensbedingungen mitgestaltet und teilweise auch verändert werden (Verhältnisprävention). Zentrale Handlungsfelder im Bereich der Verhaltensprävention waren dabei Ernährung, Bewegung und Entspannung/Stressbewältigung. In diesen Feldern wurden verschiedene Angebote in Kooperation mit Einrichtungen und Vereinen vor Ort umgesetzt. Teilweise können diese Angebote auch über die Projektlaufzeit durch andere Möglichkeiten der Finanzierung, aber auch durch Ehrenamtliche weitergeführt werden (siehe dazu auch Tabelle 4 unten). Es lassen sich grundlegend zwei Vorgehensweisen bei der Organisation und Durchführung von verhaltenspräventiven Angeboten unterscheiden:  Angebote, die in enger Kooperation und Abstimmung mit Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner vor Ort organisiert wurden,  „Bewegungstreffs“: Angebote zur Bewegung draußen, deren Bedarfe in allen Stadtteilen genannt wurden, jedoch die Umsetzung und Planung überwiegend in der Verantwortung der Gesundheitskoordination lag. Die damit verknüpfte und notwendige Öffentlichkeitsarbeit und Informationsweitergabe wurde in Zusammenarbeit mit den Netzwerken geleistet. Im Bereich der Verhältnisprävention standen die Themen Gestaltung und Aneignung des öffentlichen Raums, die Mitarbeit am Präventionsnetz in St. Leonhard/Schweinau, die Vernetzung von Akteurinnen und Akteure im Stadtteil zum Thema Gesundheit sowie die Schulung und den Einsatz von Multiplikatoren im Fokus. Das Thema Gesundheit wurde durch die Gesundheitskoordinatorinnen und Gesundheitskoordinatoren kontinuierlich in die Netzwerke eingebracht, Bedarfe und Angebote (v)ermittelt, stets mit dem Blick, die Interessen der von gesundheitlicher Ungleichheit betroffenen Zielgruppen zu vertreten siehe auch die Übersicht in Anhang C). Somit ist die Gesundheitskoordination als ein/e Ansprechpartnerin/Ansprechpartner in für Gesundheitsthemen sowie für die Gesundheitsförderung im Setting als eigene personelle Kapazität schon eine (temporäre) Veränderung der Verhältnisse im Stadtteil auf struktureller Ebene. Gleichzeitig stellte die Gesundheitskoordination eine Verbindung und zusätzliche personelle Ressource des Gesundheitsamtes dezentral im Stadtteil her. Dadurch konnten zahlreiche Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil (siehe Anhang) umgesetzt werden.

3 Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse der Bedarfsanalyse wurde im Gesundheitsausschuss am 29.11.2018 vorgestellt.

Aufgrund der Pandemie-Situation und den damit verbundenen Aufgaben des Gesundheitsamtes zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus pausierte das Projekt von Mitte März 2020 bis Juni 2021, alle Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter arbeiteten während dieser Phase fast vollständig in der Pandemiebekämpfung. Dennoch konnten auch in dieser Zeit während der Sommermonate an die Situation angepasste Bewegungsangebote auf Grün- und Freiflächen der Stadtteile angeboten werden (www.bewegungstreffs.nuernberg.de). Die Bewegungstreffs als niedrigschwellige, kostenlose Bewegungsangebote (z.B. „Sport im Park“, geführte Spaziergänge, Walking und Entspannungsangebote im Wald oder Yoga auf der Wiese), hatten stets wachsenden Zulauf. So nahmen teilweise bis zu 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Angeboten teil. Erfreulicherweise zeigte sich hier eine sehr gemischte Zusammensetzung der Gruppen, so dass sich hier Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der unmittelbaren Nachbarschaft (entsprechend der Zusammensetzung vor Ort), Personen unterschiedlichster kultureller Herkunft, viele Seniorinnen und Senioren, sowie Personen mit geringem Einkommen erreicht wurden. Die Angebote wurden im Sommer 2020 und von Juli bis Oktober 2021 in allen Projektgebieten fortgeführt. Zusätzlich konnten, zumindest teilweise, Angebote in ein digitales Format umgewandelt werden. Der Bewegungstag im Westen „Auf AEG“ in Kooperation mit dem Kulturbüro Muggenhof wurde 2020 in eine digitale Bewegungswoche umgewandelt, mit täglichen Videos auf sozialen Plattformen der Stadt und des Stadtteils (mit ca. 5500 Klicks auf die Videos auf YouTube und erreichten Abonnenten über Facebook). Eine Übersicht der Angebote in den Projektgebieten sowie der erzielten Teilnahmen4 im Zeitraum 2018 bis 2021 wird in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1: Angebote und Teilnahmen nach Projektgebiet

Projektgebiet Angebote Teilnahmen

Gesamt 191 17.677

St. Leonhard/Schweinau 51 2.968 Langwasser 46 2.095 Röthenbach 49 3.962 WEST 40 3.052 online 5 5.600

Tabelle 2 gibt eine Übersicht der Angebote und Teilnahmen nach den Themenschwerpunkten der Angebote; Tabelle 3 nach Jahren. Eine ausführliche Übersicht zu den Konzepten und Angeboten aufgegliedert nach Stadtteil befindet sich in Anhang A.

Tabelle 2: Angebote und Teilnahmen nach Themenschwerpunkt

Themenschwerpunkt Angebote Teilnahmen

4 Durch die Ausgestaltung der Angebote als niedrigschwelliges Format ohne Anmeldung oder Datenerfassung (außerhalb der Kontaktnachverfolgung), werden nur je Termin die Anzahl der anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Kursleitung gezählt. Daher werden hier nur die Teilnahmen aufgeführt.

Gesamt 191 17.677

Bewegung 83 12.742 Entspannung 63 2.997 Ernährung 22 773 Gesundheitsinformation 23 1.165

Tabelle 3: Angebote und Teilnahmen nach Jahren

Themenschwerpunkt Angebote Teilnahmen

Gesamt 191 17.677

2021 34 1.998 2020 68 9.659 2019 71 4.986 2018 18 1.034

3. Evaluationsergebnisse

Alle Angebote wurden anhand von Dokumentationsbögen und Feedbackbögen erfasst. Im Zeitraum von Juli 2020 bis Oktober 2021 wurde das Projekt durch die Evangelische Hochschule Nürnberg, unter der Leitung von Prof. Dr. John, (zwischen) evaluiert. Das Evaluationsteam bewertete die Prozesse und Ergebnisse des Projekts multiperspektivisch und wertete dafür Sekundärdaten (Feedbackbögen, Dokumente des Projekts etc.), eine Onlineerhebung unter den Akteurinnen und Akteuren, Netzwerkteilnehmerinnen und Netzwerkteilnehmer und Kursleiterinnen und Kursleiter sowie Fokusgruppen mit den Akteurinnen und Akteuren in den Stadtteilen aus. Der Evaluationsbericht befindet sich in der Fertigstellung und wird nachgereicht

Die Evaluation bewertet die Umsetzung der Ziele des Projektes positiv und kommt zu dem Schluss, dass langfristig Akteurinnen und Akteure sensibilisiert wurden und Angebotskonzepte nachhaltig verankert werden konnten. Zielgruppen, von denen aufgrund der städtischen Statistik ausgegangen wird, dass sie besonders von gesundheitlicher Ungleichheit betroffen sind, konnten teils gut erreicht werden. So wurden Seniorinnen und Senioren und Frauen überdurchschnittlich gut erreicht und Personen unterschiedlicher Bildungsabschlüsse den Durchschnitten in den Stadtteilen meist entsprechend. Erwachsene aus Haushalten mit Kindern wurden schwer erreicht. Kinder und Jugendliche selbst konnten vor allem über die Betreuungseinrichtungen oder Jugendhäuser angesprochen werden. Gerade während der Pandemie konnten aufgrund der Rahmenbedingungen und der fehlenden institutionellen Anbindung weniger Angebote für Kinder und Jugendliche realisiert werden. Insgesamt waren die Teilnehmenden mit den Angeboten sehr zufrieden. Die Teilnehmenden konnten die Inhalte der Angebote gut in den Alltag transferieren und gaben im Schnitt mit „trifft voll und ganz zu“, dass sie eine positive Veränderung ihrer Gesundheit bemerkten. Ein ausführlicher Bericht zu den Ergebnissen der Evaluation wird erstellt und befindet sich in Abstimmung.

Das Projekt wurde durchgängig von einem Projektbeirat, der sich aus Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis zusammensetzt, begleitet und beraten.5

4. Projekterfolge und offene Bedarfe

Durch die Interessenvertretung des Projektteams der Personen im Stadtteil, die von gesundheitlicher Ungleichheit betroffen sind, konnten gesundheitliche Bedarfe aufgegriffen und gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren ein Fokus auf Gesundheit gesetzt werden. Die Konzeptionierung, Umsetzung und Finanzierung von bedarfsgerechten und niedrigschwelligen Angeboten wurde im Bereich Bewegung, Entspannung, Gesundheitskompetenz und Ernährung durchgeführt. Diese Themenbereiche wurden in allen Stadtteilen als Bedarfe genannt und nachgefragt und spiegeln auch die Schwerpunktbereiche des Präventionsleitfadens wider. Auch wenn bereits vor Projektzeit vielen Akteurinnen und Akteuren die Bedeutung von Gesundheit bewusst war und dies in ihre Arbeit mit einbezogen haben, konnte durch die Gesundheitskoordination das gesundheitsbezogene Handlungsfeld mit nun vorhandenen personellen wie auch finanziellen Ressourcen im Stadtteil gestärkt und (weiter) etabliert werden.

Hervorzuheben ist auch die enge und sehr gute Kooperation und Zusammenarbeit im Stadtteil mit der Stadtteilkoordination sowie der Seniorennetzwerkkoordination. Stadtteilthemen wurden gemeinsam diskutiert, Bedarfe gemeinsam angegangen und bei der Entwicklung von Konzepten „Hand-in-Hand“ gearbeitet. Eine ausführliche Stellungnahme des Geschäftsbereichs Jugend, Familie und Soziales (Ref. V) liegt in Anlage bei.

Die teilnehmenden Bewohnerinnen und Bewohner der vier Projektgebiete wurden durch die kostenfreien und niedrigschwelligen Formate der Angebote für das Thema Gesundheit sensibilisiert. Für die Teilnehmenden stand vor allem auch der soziale Aspekt im Fokus: neue Gruppen haben sich gebildet, neue soziale Kontakte wurden geknüpft, die auch über die Angebote hinaus Bestand haben und somit auch zur (sozialen) Gesundheit beitragen. Durch die durchgeführten Angebote wie beispielsweise gemeinsame Kochaktionen mit Seniorinnen und Senioren, die Bewegungstreffs in den Parks und Freiflächen, dem Bewegungstag für Jugendliche in St. Leonhard/Schweinau, der Beteiligungsaktion zur Umgestaltung des Marie- Juchacz-Parks oder einem partizipativ geplanten und umgesetzten Stadtteilspaziergang mit Langzeitarbeitslosen, konnten verschiedenen Zielgruppen neue (Frei-) Räume, aber auch Einrichtungen in direkter (Wohn-Umgebung) nähergebracht werden.

Mit der Aneignung öffentlicher Räume geht eine Veränderung der Verhältnisse im Stadtteil einher, neue Möglichkeiten der Nutzung der Wohnumgebung werden habitualisiert. Während der Pandemiebedingungen 2020 und 2021 konnte das Projekt durch die Bewegungsangebote

5 Beiratsmitglieder: Herr Böttinger (Soziale und Psychologische Dienste Ortenaukreis); Frau Prof. Köckler (Hochschule für Gesundheit Bochum); Frau Prof. Limmer (TH Nürnberg); Herr Dr. Rosner (Seniorenamt Nürnberg); Frau Dr. Schröder (Jugendamt Nürnberg); Herr Süß (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf).

im Freien dazu beitragen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in den Stadtteilen dennoch die Möglichkeit hatten, in der Gemeinschaft und angeleitet sportlich aktiv zu sein oder werden.

Durch das offene und differenzierte Angebot je nach Leistungsniveau der Teilnehmenden boten die Bewegungstreffs einen ersten Einstieg in die Bewegung. Somit konnten auch Personen ohne jegliche Vorerfahrung und in unterschiedlichsten Sozial- und Lebenslagen sowie unterschiedliche Altersgruppen erreicht werden. Eine nachhaltige Weiterführung der Angebote ist teilweise bereits jetzt gelungen (siehe Tabelle 4), sofern eine Übernahme der Organisation und Finanzierung gesichert werden kann (bspw. über die Seniorennetzwerkkoordination; siehe auch die Überblickstabellen in Anhang A).

Tabelle 4: Stand bezüglich Weiterführung und Nachhaltigkeit der Maßnahmen

Langwasser St. Leonhard/ Röthenbach West Gesamt
Schweinau

Erfolgreich in Nachhaltigkeit überführt 1 8 2 6 17 Format bereits während Projektzeit 4 3 7 9 23 eingestellt Keine Weiterführung nach Projektzeit 15 6 6 5 32 möglich (finanz. + person. Ressourcen nicht vorhanden)

Gesamtergebnis 20 17 15 20 72

Weiterhin offen sind jedoch die Bedarfe an Präventions- und Gesundheitsförderungsangeboten zur seelischen Gesundheit. Akteurinnen und Akteure der Stadtteile, besonders im Westen, in St. Leonhard/Schweinau sowie Langwasser, weisen seit langem darauf hin, dass Kinder und Jugendliche aus Familien in prekären und/oder belasteten Lebenslagen hohe psychosoziale Gesundheitsrisiken aufweisen. Durch die fehlenden Kompensationsmöglichkeiten und existenziellen Belastungen vieler Familien aufgrund der Folgen der Pandemie haben sich Problemlagen verstärkt. Da von weiterhin wachsenden und komplexeren Bedarfen der betroffenen Kinder, Jugendlichen und deren Eltern auszugehen ist, kann das aktuelle Projekt hier nur auf diese Problemlagen und Bedarfe hinweisen.

Mit den während der Pandemie stark eingeschränkten personellen Ressourcen des Projekts konnten keine bedarfs- und zielgruppengerechten Angebote mehr realisiert werden. Zudem konnte pandemiebedingt keine kontinuierliche Weiterentwicklung der Konzepte und Überführung in die Nachhaltigkeit der einzelnen Angebote stattfinden, da auch weiterhin keine „normalen“ Bedingungen bestehen. Gleichwohl wird die personelle Ressource für Organisation, Koordination und Konzeption von weiteren Angeboten und gesundheitlichen Schwerpunkten zukünftig in den Stadtteilen fehlen, da die Aufgaben der Gesundheitskoordination nur teilweise an andere Akteurinnen und Akteure (z.B. Stadtteilkoordination oder Seniorennetzwerkkoordination) oder Einrichtungen und Vereine übertragen werden kann. Häufig fehlt es nicht nur an der Finanzierung, sondern auch an der kompetenten und

organisatorisch-koordinativen Kapazität, um Angebote und Themen weiter für die Stadtteile bearbeiten und vorantreiben zu können.

Die hierfür geplanten neuen Kapazitäten im Fachbereich Gesundheitsförderung und Gesundheitsplanung im Umfang von 1,0 VK Stellen zur „Sicherung von Nachhaltigkeit und Verstetigung in der Gesundheitsförderung“ sowie das neue Sachgebiet „dezentrale Gesundheitsförderung“ mit einer Sachgebietsleitung im Umfang von 1,0 VK Stellen, die sich auch um die Requirierung von Drittmitteln für weitere Gesundheitsförderungsprojekte kümmern soll, können hier eine entsprechend wichtige Ressource darstellen.

Die Förderung durch die AOK endet zum 30. Juni 2022. Die Unterstützung der Verstetigung von Aktivitäten dieses und anderer, künftig implementierter Projekte ist durch die Schaffung personeller Ressourcen im Bereich Gesundheitsförderung in 2022 in Form eines Sachgebiets für dezentrale Gesundheitsförderung geplant, die im Rahmen des ÖGD Paktes geschaffen wurden.

5. Ausblick

Für die letzte Projektphase ist geplant, im Januar 2022 die Ergebnisse der Evaluation sowie die Erfolge und „Stolpersteine“ des Projekts in einer gemeinsamen Veranstaltung mit den Akteuren und Akteurinnen und Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern aus den Stadtteilen zu diskutieren. Weiterhin offene Bedarfe in den Stadtteilen können dabei erfasst und gesammelt werden. Im Frühsommer 2022 wird das Projekt mit einer Abschlussveranstaltung mit fachlichen Vorträgen unter Einbindung des Projektbeirates beendet.

Die Ergebnisse des Projekts werden in den folgenden Monaten der Projektlaufzeit verschriftlicht und in Fachmedien veröffentlicht. Gerade durch die Publikation von innovativen Best-Practice- Konzepten aus Nürnberg sollen andere Kommunen, die sich ebenfalls auf den Weg der kommunalen und dezentralen Gesundheitsförderung machen wollen, durch bereits gesammelte Erfahrungen profitieren. Durch die Auseinandersetzung auf fachlicher Ebene können die Erfahrungen und Erfolge des Projektes reflektiert und eingeordnet werden. Die derzeit stattfindende Diskussion bezüglich gesellschaftlicher Transformation und gesundheitlicher Ungleichheit ist sowohl für Projekte in der eigenen Kommune, als auch für andere Kommunen, von großem Nutzen, um die Verbesserung gesundheitlicher Lebensverhältnisse für die Menschen weiter voranzutreiben.

6. (Folge-)Projektantragstellung „Seelisch gesund aufwachsen im Stadtteil“

Im Rahmen eines Folgeprojekts zum Thema psychische Gesundheit mit dem Fokus auf den Zielgruppen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen die oben aufgeführten Bedarfe konzentriert angegangen werden. Durch die Coronapandemie sind insbesondere für Kinder und Jugendliche zusätzliche Bedarfe in Bezug auf seelisches gesundes Aufwachsen deutlich

geworden. Bereits vorhandene Problemlagen haben sich durch die Pandemie verschärft und Expertinnen und Experten sprechen von schon jetzt sichtbaren Auswirkungen der Pandemie für die jungen Generationen.

Das Folgeprojekt soll konzeptionell eng mit vorhandenen internen Ressourcen im Gesundheitsamt (wie z.B. dem Bündnis Junge Psyche, der aGH, Kinderärzten, der Fachstelle Trauma) sowie den entsprechenden fachlichen Stellen aus dem Sozialreferat (u.a. Ref. V Jugendamt, /Regiestelle Sozialraumkoordination, Sozialamt) zusammenarbeiten. Auch wenn einige Bedarfe schon klar sind, ist geplant, mit einer partizipativen Bedarfsanalyse zu beginnen, um die konkreten Bedarfe bestmöglich - auf die Zielgruppe bezogen - zu ermitteln und darauf aufbauend Angebote zu entwickeln. Neben der Ermittlung von Bedarfen, sollen Konzepte entwickelt werden, zur nachhaltigen Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Vorhandene Angebote im Stadtteil sollen genutzt und ggf. erweitert werden. Diese sollen in den Stadtgebieten St. Leonhard/ Schweinau, dem Nürnberger Westen, und im Süden von Nürnberg mit den Gebieten Galgenhof/Steinbühl sowie Gibitzenhof Rabus mit einer Gesundheitskoordination vor Ort angegangen werden. Dabei können auf die im Projekt „Gesundheit für alle im Stadtteil“ gesammelten Erfahrungen bezüglich Organisation und Koordination und die gute Kooperationserfahrung mit den Stadtteilkoordinatorinnen sowie die aufgebauten Netzwerke in den bisherigen Projektgebieten zurückgegriffen werden.

Außerdem ist es Aufgabe der Gesundheitskoordination im Stadtteil neue Angebote zu initiieren, Informationen zu vermitteln, vorhandene Angebote ggf. anzupassen und so das Thema seelische Gesundheit im Stadtteil dauerhaft zu platzieren und ggf. vorhandene Versorgungslücken zu schließen. Das erfolgreiche Präventionsprogramm für Schulen „Verrückt? Na und!“ (www.irrsinnig-menschlich.de) soll so z.B. in das Folgeprojekt integriert und in Koordination und Umsetzung intensiviert werden, so dass dies in den gewählten Projektgebieten verstärkt angeboten werden kann.

Ein Konzept für einen Folgeantrag über eine Förderung von vier Jahren (maximaler Förderzeitraum) wurde im November 2021 bei der AOK Bayern eingereicht.

Ein weiterer Antrag mit einem Schwerpunkt auf Stärkung der psychischen Gesundheit insbesondere durch einen Aufbau von sicheren Bindungen zu Lebensbeginn ist in Bearbeitung. Zielgruppe sind 0 bis dreijährige Kinder und ihre Eltern. Dieses Projekt soll zunächst in nur einem Modell Stadtteil (St. Leonhard/Schweinau) durchgeführt werden. Hier ist einerseits der Bedarf hoch und gleichzeitig bestehen bereits enge Netzwerkstrukturen. Zudem liegen hier günstige Voraussetzung aufgrund des bereits bestehenden Modell-Präventionsnetzwerks St. Leonhard/Schweinau mit Fokus auf Kindergartenkindern vor. In Kooperation mit der Koordinierenden Kinderschutzstelle (Koki / Frühe Hilfen) ist ein Workshop mit in diesem Bereich tätigen Anbietern und Experten in Planung, der eine differenzierte Bedarfsanalyse und vor allem die Entwicklung niedrigschwelliger und adäquater Angebote vorbereiten soll.

Anhang B: Interviewte Expert*innen nach Zielgruppe & Einrichtung/Funktion (Zeitraum 2017/2018)

Röthenbach Weststadt St. Leonhard/ Langwasser Gesamtstadt Gesamt

Schweinau

nach Zielgruppe

Kinder/Jugendliche/Familien 4 10 5 4 5 28

2 3 1 1 2 9

Senioren

unspezifisch 5 8 6 7 5 31

nach Einrichtung/Funktion

stadtteilübergreifende 1 4 2 1 1 9 Koordination

1 2 1 5 9

Gesundheitsdienste

Netzwerk 1 3 1 3 8

2 2 1 3 8

Zivilgesellschaft

Kita/Schule/Bildung 2 5 2 1 10

1 1 2

Umwelt/Raum

Beratung/Fürsorge/ Seelsorge 1 2 2 3 1 9

4 5 1 3 13

Kultur/Freizeit

Gesamt 11 216 12 12 12 68

Anhang C: Netzwerkarbeit in (Stadtteil-)Arbeitskreisen

St. Leonhard/Schweinau STARK

Netzwerk Kinder Netzwerk Jugend Runder Tisch Senioren

West STARK Goho West

STARK Goho Ost STARK Muggeley Runder Tisch Senioren Gebietsteam West AK Kitas, Horte, Grundschulen

Röthenbach Stadtteilarbeitskreis

Runder Tisch Senioren

Langwasser Geschäftsführendes Gremium

AK Jugend AK Kinder AK Kultur und Freizeit Runder Tisch Senioren

Gesamtstädtisch AK Alleinerziehende

AK Arbeitslosigkeit und Gesundheit AK Integrierte Stadterneuerung Gesundheit von Anfang an Netz gegen Armut Steuerungsgremium zum Modellprojekt BA/GKV zur Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung

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