Entwicklung der Klassen- und Schülerzahlen an den beruflichen Schulen in Nürn-
berg im Schuljahr 2021/22
hier: Sachverhalt
- Gesamtentwicklung der Schüler- und Klassenzahlen an den öffentlichen beruflichen
Schulen
Die Gesamtschülerzahl verringerte sich an den öffentlichen beruflichen Schulen im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 584 Schülerinnen und Schüler (-2,67%). Sie liegt aktuell bei 21.142 Jugendlichen und jungen Erwachsenen in 897 Klassen. Die Zahl der Auszubildenden in den Fachklassen der Berufsschulen ist ebenso leicht rückläufig (-2,46%). Allerdings meldeten die Berufsschulen im Herbst 2021 kurzfristig noch einen Anstieg der Neuanmeldungen, trotz stark reduzierter Berufsorientierungsmöglichkeiten (insbesondere Praktika) für die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an den allgemeinbildenden Schulen. Die unterschiedlichen Trends an den Berufsschulen werden im Folgenden dargestellt. Deutlich rückläufig ist die Zahl jener Schülerinnen und Schüler, die an den Berufsschulen der Stadt Klassen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz besuchen (-20,92%). Berufsfachschulen verzeichneten ebenso leicht rückläufige Schülerzahlen (-3,11%). Insgesamt erlernen 1.248 Jugendliche einen Ausbildungsberuf an den städtischen Berufsfachschulen. Die städtischen Weiterbildungsinstitutionen, Fachschulen, Meisterschulen und Fachakademien, büßten Schülerinnen sowie Schüler und Studierende ein (-6,33%). Öffentliche Fach- und Berufsoberschulen wie auch die Wirtschaftsschule verzeichneten hingegen steigende Schülerzahlen. Dabei dürfte die Corona-Situation im letzten Schuljahr mit erweiterten Wiederholungsmöglichkeiten und der Möglichkeit, die 13. Klasse an der Fachoberschule zu besuchen, zu einem Anstieg der Gesamtschülerzahlen geführt haben.
| Schülerzah- len an öffent- lichen beruf- lichen Schu- len | SJ 2017/18 | SJ 2018/19 | SJ 2019/20 | SJ 2020/21 | SJ 2021/22 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Berufsschule duale Ausbil- dung *) | 15.160 | 15.091 | 15.233 | 14.573 | 14214 | -2,46% |
| Berufsschule BVJ, BIK, JoA | 1.475 | 1.310 | 1.226 | 1.042 | 824 | -20,92% |
| Berufsfach- schulen | 1.166 | 1.274 | 1.286 | 1.288 | 1.248 | -3,11% |
| FOS/BOS | 3.481 | 3.507 | 3.266 | 3.164 | 3.238 | 2,34% |
| Berufliche Weiterbildung (Fachakade- mien/ Fach- schulen) | 1.105 | 1.120 | 1.299 | 1122 | 1.051 | -6,33% |
| Wirtschafts- schule (inkl. IVK-WS) | 620 | 582 | 548 | 537 | 570 | 6,15% |
| GESAMT | 23.007 | 22.884 | 22.858 | 21.726 | 21.142 | -2,67% |
*) inklusive BGJ Quelle: SchB-Statistik 2021/22
Folgende grafische Darstellung zeigt die längerfristigen Trends: Deutlich zu erkennen sind die kontinuierlich leicht sinkenden Schülerzahlen der Auszubildenden im dualen System seit 2010/11.
Gesamtschülerzahl an den beruflichen Schulen der Stadt Nürnberg
25000 Berufsschule - dual inkl. BGJ (B11) 20000 Berufsschule + WS - BVJ und BIK Berufsschule - JoA n 15000 e n n ir Berufsfachschule e lü h 10000 c Wirtschaftsschule (mit S d n IVK-WS) u r 5000 Fachschule e lü h c S Fachakademie 0 2011/12 2013/14 2015/16 2017/18 2019/20 2021/22 Schuljahre
Quelle: SchB-Statistik 2021/22
2. Entwicklungstrends an den Schularten
a) Berufsschulen - Duale Ausbildung
Aktuelle Berichte spiegeln den Aufwärtstrend nach der Pandemie im Herbst 2021: So betitelt die Bundesagentur für Arbeit ihre Ausbildungsmarktbilanz 2020/21 mit „Ausbildungsmarkt weiter stark von der Pandemie geprägt, aber Aufhellung sichtbar“. Die IHK Nürnberg für Mittelfranken zwischenbilanziert das Ausbildungsjahr 2021 im Oktober mit der Überschrift „Beste Chancen für Schulabgänger: Unternehmen haben noch viele unbesetzte Ausbildungsplätze“. An den städtischen Berufsschulen entwickelten sich die Neuanmeldungen im Herbst sehr erfreulich und kompensierten die bis zum Schuljahresende sehr schleppenden Neuanmeldungen zu weiten Teilen.
Entwicklung der Fachklassen (duale Ausbildung) an den Nürnberger Berufsschulen
Deutlich beeinflusst wird die Entwicklung der Schülerzahlen in den Fachklassen der dualen Ausbildung weiterhin von strukturellen und konjunkturellen Veränderungen in der Wirtschaft. Genannt seien hier der Trend zur Digitalisierung in vielen Branchen sowohl in gewerblich-technischen als auch in kaufmännischen Berufen. Strukturell und pandemiebedingt ergeben sich Verschiebungen in Dienstleistungssektoren. Um den Fachkräftebedarf am Wirtschaftsstandort langfristig zu sichern, ist die Erstausbildung junger Fachkräfte auch in innovativen Berufen erforderlich. Deutschlandweit berechnete die Bundesagentur für Arbeit im September 2021 einen Überhang an unbesetzt gemeldeten Berufsausbildungsstellen (63.180) im Vergleich zu den noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern (24.610).1 Das Bayerische StMAS beschreibt den bayerischen Ausbildungsstellenmarkt trotz der Corona-Pandemie als robust. Die Ausbildungsbereit-
1 vgl. Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsmarktbilanz 2020/21, Presseinformation Nr. 36, 28.10.2021
schaft der Unternehmen in Bayern sei immer noch hoch. Ein Problem bestehe eher auf der Nachfrageseite, weil sich zu wenige Bewerberinnen und Bewerber für die offenen Ausbildungsplätze interessierten.2
Gewerblich-technische Ausbildung im Handwerk und in der Industrie Stabile bzw. steigende Schülerzahlen verzeichnet die B1 in den Berufen Anlagenmechaniker/-in Sanitär- und Heizungstechnik, Elektroniker/-in für Energie- und Gebäudetechnik sowie bei Mechatronikern/-innen. Eher rückläufig sind die Auszubildendenzahlen in den Baumetallberufen. Die B2 verzeichnete rückläufige Zahlen in den „klassischen“ Mechaniker/-innen-Berufen, Fertigungsmechaniker/-innen und Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-innen. Im Bereich KFZ werden zunehmend viele Kfz-Mechatroniker/-innen in der Fachrichtung System- und Hochvolttechnik ausgebildet, die Ausbildung der Kfz-Mechatroniker/-innen Fachrichtung PKW (für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren) sinkt proportional. Um die Ausbildung junger Fachkräfte im Bereich Kfz am Wirtschaftsstandort Nürnberg zu sichern, ist es deshalb notwendig, einen Fachsprengel für die Ausbildung von Kfz-Mechatronikern/-innen für System- und Hochvolttechnik an der B2 in Nürnberg anzusiedeln. Erste Gespräche der Innungsleitung und der Schulleitung der B2 mit der Regierung von Mittelfranken fanden dazu statt. Das Referat für Schule und Sport unterstützt die strategische Ausrichtung der Schule. Bislang wurde seitens des StMUK jedoch noch keine Fachklassenbildung für System- und Hochvolttechnik in Nürnberg genehmigt. Die Deutsche Bahn AG bildet in diesem Schuljahr vermehrt Eisenbahner/-innen im Betriebsdienst in Kooperation mit der B2 aus. Rückläufig ist die Ausbildung von Oberflächenbeschichtern/-innen und Technischen Produktdesigner/-innen. Die Zahl der Auszubildenden Fotografen/-innen und Medientechnologen/-innen an der B6 ist ebenso rückläufig. Im Bereich Bauwirtschaft (B11) steigen die Schülerzahlen in den Bau(spezial-)berufen Bauzeichner/-in, Bauwerksabdichter/-in, Fliesenleger/-in sowie Rohrleitungsbauer/-in. Die Auszubildendenzahlen im Maler- und Lackiererhandwerk sind eher rückläufig, im Holzhandwerk stabil.
Einzelhandel und Lebensmittelhandwerk: Die Ausbildungsbetriebe des stationären Einzelhandels bilden in Nürnberg insgesamt weiterhin viele Jugendliche aus. Festgestellt wird eine „Verschiebung“: Unternehmen, die traditionell in hohem Maße erstausbildeten, halten sich zurück, andere Einzelhandelsbetriebe stellten wesentlich mehr „neue“ Auszubildende ein. Die Zahlen sind bei Fachverkäufer/-innen im Bäckereihandwerk rückläufig, im Fleischerhandwerk nahm die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Verkauf zu, bei den Fleischern/-innen selbst ab. Konditoreien bilden deutlich mehr Fachkräfte aus. Im HWK-Beruf Friseure/-innen ist die Schülerzahl rückläufig. Floristen/-innen werden weiterhin auf stabilem Niveau ausgebildet (nach einem kleinen Einbruch der Schülerzahl in der Eingangsklasse im Schuljahr 2020/21).
Dienstleistungsberufe und kaufmännische Ausbildung: (Leicht) rückläufige Schülerzahlen verzeichnet die B4 in den Berufsbereichen Automobilkaufmann/-frau und Bankkaufleute. Im Großhandel bilden Unternehmen wieder vermehrt junge Nachwuchskräfte aus. Stabil sind die Schülerzahlen in den Berufsbereichen Versicherungswirtschaft, bei Industriekaufleuten und den Steuerfachangestellten.
2 vgl. dazu StMAS: „Ausbildungsstellenmarkt“, https://www.stmas.bayern.de/berufsbildung/stellenmarkt/index.php, Stand 05.11.2021
Deutlich verringerte sich die Zahl der Auszubildenden in den Fachklassen für Kaufleute für Büromanagement an der B9. Sozialversicherungsfachangestellte und Verwaltungsfachangestellte werden weiterhin in gleichbleibendem Maße ausgebildet. An der B14 lernen im aktuellen Schuljahr etwas mehr Jugendliche den Ausbildungsberuf Fachkraft für Lagerlogistik, Fachlageristen/-innen werden konstant stark ausgebildet. Die Zahl der Auszubildenden Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen ist leicht rückläufig. Erneut deutlich weniger Nachwuchskräfte qualifiziert der Bereich Touristik. Insgesamt stabilisierten sich die Ausbildungszahlen nach einem Corona-bedingt sehr schwierigen Ausbildungsjahr 2020/21 im Hotel- und Gaststättengewerbe etwas: Dennoch sank die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Fachklassen für Hotelfachleute und Köche. Fachgehilfen/innen im Gastgewerbe wurden im Schuljahr 2021/22 vermehrt eingestellt, Unternehmen der Systemgastronomie bilden nahezu auf Vorjahresniveau aus.
Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen: Die B8 verzeichnet im aktuellen Schuljahr im Vergleich zum Vorjahr etwas mehr Jugendliche und junge Erwachsene in den Fachklassen für Medizinische Fachangestellte, Zahnmedizinische und Tiermedizinische Fachangestellte. Die Ausbildung von Augenoptikern/-innen, Chemielaboranten/-innen, Zahntechnikern/-innen und Pharmazeutisch-kaufm. Angestellten ist hingegen leicht rückläufig.
b) Berufsvorbereitung und Berufsintegration
Seit dem Schuljahr 2020/21 werden an den Berufsschulen keine Eingangs(-teilzeit-)klassen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz mehr eingerichtet. In der zwölften Jahrgangsstufe lernen insgesamt 90 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz (JoA) letztmalig an den Direktoraten B3 und B5. Jedem berufsschulpflichten Abgänger und jeder berufsschulpflichtigen Abgängerin der Mittelschule wird, soweit sie keine weiterführenden Schulen besuchen oder in eine duale bzw. vollschulische Berufsausbildung einmünden, ein vollschulisches Berufsvorbereitungs- bzw. Berufsintegrationsangebot gemacht. Seit diesem Schuljahr gilt für sie ein bayernweit einheitlicher Lehrplan mit Basis- und Wahlmodulen. Im Rahmen des neuen Lehrplans können die Lehrkräfteteams der Berufsvorbereitung und Berufsintegration den Klassen für sie passgenaue Schwerpunkte setzen. Der Fächerkanon umfasst Basis- und Wahlmodule in Mathematik, Medienwelten, Lebensgestaltung, Politik und Gesellschaft sowie berufliche Handlungsfähigkeit. Eingerichtet sind BVJ-Klassen in schulischer oder kooperativer Form an den Berufsschulen B1, B2, B3, B4, B5, B6 und an der B7.
Neues Aufnahmeverfahren für berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildungsplatz Erstmals nahm das Amt für Berufliche Schulen3 (Verfolgung der Berufsschulpflicht) gemeinsam mit dem Team SCHLAU-Berufsschulberatung sowie in enger Abstimmung mit allen Berufsschulen Schulpflichtige zentral auf. Dabei galt wie bisher der Vorrang der Eigeninitiative. Alle Absolventinnen und Absolventen der Mittelschulen waren über das BVJ-Angebot sowie über das Berufsfachschulangebot der Stadt im Rahmen der Berufsschulberatung von SCHLAU informiert worden. Sollten sie keinen dualen Ausbildungsplatz vereinbart oder sich für eine weiterführende Schule entschieden haben, dann konnten sie sich bis Ende Juli zum Berufsvorbereitungsjahr an einer Berufsschule anmelden. Berufsschulpflichtige, die ab dem 02.08.2021 noch „unversorgt“ waren, wurden zu SchB eingeladen, individuell mit ihren Eltern beraten und erhielten einen verbindlichen Platz in einer Berufsvorbereitungsklasse.
3 Amt für Berufliche Schule im Folgenden kurz SchB
Das Büro „Berufsschulberatung und Berufsschulpflicht“ war während der Sommerferien werktäglich vormittags besetzt. Bis zum Beginn des Unterrichts Mitte September hatten die meisten Jugendlichen einen verbindlichen Schulplatz. Hatten sie zwischenzeitlich z. B. noch einen Ausbildungsplatz gefunden, dann wurde dies natürlich gleich berücksichtigt. Das nachrangige, zentrale Aufnahmeverfahren hat sich im ersten Durchgang bewährt. Verbesserungsvorschläge gilt es im nächsten Sommer umzusetzen.
Berufsintegrationsvorklassen bietet die B5 weiterhin zentral an. Vor der Aufnahme in eine Berufsintegrationsvorklasse nehmen die Schülerinnen und Schüler an einem Sprachtest teil, damit sie in die für sie passgenaue Sprachintegrationsklasse aufgenommen werden können. Die Bandbreite der BIK/Vs-Klassen umfasst zwei Alphabetisierungsklassen bis hin zu Sprachlernklassen auf B1-Niveau. Zusätzlich bietet die Wirtschaftsschule seit diesem Schuljahr Integrationsvorklassen an. Sie führen Jugendliche (mit Sprachkenntnissen in Englisch) gestuft nach ein oder zwei Jahren zu einem sprachlichen Niveau, welches ihnen im Anschluss entweder die Aufnahme einer dualen Berufsausbildung oder die Aufnahme an der zweistufigen Wirtschaftsschule ermöglicht. Berufsintegrationsklassen (zweites BI-Jahr) sind im laufenden Schuljahr an den Direktoraten B2, B3, B5, B6, B7, B9 sowie an der B11 eingerichtet. Die folgende Grafik zeigt deutlich den Rückgang der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz in Teilzeitklassen (JoA), ebenso einen Rückgang der Schülerinnen und Schüler in der Berufsvorbereitung insgesamt. Der Rückgang resultiert insbesondere aus der jetzt greifenden Änderung der Beschulung von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz in einjährigen Vollzeitklassen. Bei regelmäßigem Schulbesuch erfüllen die Jugendliche nun innerhalb eines Jahres ihre Berufsschulpflicht (Vorjahre: drei Jahre Schulbesuch in Teilzeitklassen JoA oder BVJ).
Berufsvorbereitung/Berufsintegration und JoA
1200 1100 r e 1016 lü h1000 c S d 800 n u 4 n 600 e n n ir 400 e lü h 200 c S 0 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 2019/20 2020/21 2021/22 Schuljahre Berufsschule + WS - BVJ und BIK Berufsschule - JoA
| 752 723 772 771 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| 480 | 459 | 558 525 | |||
| 380 | 307 | ||||
| 90 |
Berufsschule (+WS) Klassen der Berufsvorbereitung
BVJ-, BIK/V-, BIK-, IVK-WS-Klassen
90
| 70 | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 56 | 28 | |||||||||||
| 6 | 14 | 18 | 18 | 24 | 37 | 36 | 33 | 23 | ||||
| 6 | ||||||||||||
| 22 | ||||||||||||
| 17 | 14 | 12 | 11 | 9 | 10 | 9 | 8 | 9 | 18 | 17 |
80
70
60
50
40
30
20
10
0 SJ SJ SJ SJ SJ SJ SJ SJ SJ SJ SJ SJ 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 2019/20 2020/21 2021/22
Anzahl der Berufsintegrationsklassen (1./2. Jahr einschl. Sonderform IVK-WS) Anzahl der Klassen im BVJ (einschl. Sonderformen)
Quelle: SchB-Statistiken 2021/22
c) Berufsfachschulen
An den Berufsfachschulen der Stadt Nürnberg qualifizieren sich im aktuellen Schuljahr 1.248 Jugendliche als Fachkräfte mit dem Ziel einen staatlichen Abschluss in einem Beruf oder einen Abschluss in einem handwerklichen oder industriellen Ausbildungsberuf zu erreichen. Dies sind 40 Schülerinnen und Schüler weniger als im Vorjahr. Die Schülerzahlenentwicklung an den Berufsfachschulen variiert: Die Modeschulen der B5 verzeichnen stabile Schülerzahlen. Einen größeren Schülerzulauf verzeichnen die BFS-MTLA (B8) sowie die BFS-Sozialpflege (B7). Rückläufig sind die Schülerzahlen der BFS-Kinderpflege (B19, an der BFS-Ernährung/Versorgung (B7), leicht rückläufig an der B11 (BFS-Farb- und Raumgestaltung sowie BFS-Bautechnik), an der B2 (BFS-Fertigungstechnik) sowie an der B1 (BFS-Informatik). Alle weiteren Berufsfachschulen verzeichnen stabile Schülerzahlen.
Neuordnung der Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk Mit der Neuordnung der Berufe im Maler- und Lackiererhandwerk entfällt der zweijährige Ausbildungsberuf Bauten- und Objektbeschichter/-in. Letztmalig konnte hier eine Eingangsklasse mit Genehmigung der Regierung von Mittelfranken und Zustimmung der Handwerkskammer Mittelfranken eingerichtet werden. Bisher bot diese Berufsfachschule mit fachpraktischen Kompetenzen und Interesse am Malerberuf eine gute Möglichkeit des Berufseinstiegs. Mit Wegfall des zweijährigen Ausbildungsberufs in dieser Handwerkssparte verlieren die beruflichen Schulen eine wertvolle Qualifizierungsschiene.
Strukturreform in der Ausbildung von Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistenten/-innen
Am 01.01.2023 tritt das MTA-Reformgesetz bundesweit in Kraft. Die Struktur der Ausbildung und die Aufgaben der Schule ist in den §§ 13 und 22 – 25 des Reformgesetzes geregelt. Die Ausbildung wird dann aus theoretischem Unterricht, praktischem Unterricht (an der Schule) sowie einer
praktischen Ausbildung in Kliniken und Labors bestehen. Die Umstellung der schulischen Ausbildung (mit betrieblichen Praktika) wird nach Information der Regierung von Mittelfranken zum Schuljahr 2023/24 erfolgen. An der BFS-MTLA können dann nur noch Auszubildende aufgenommen werden, die einen Ausbildungsvertrag mit einer Klinik oder einem Labor abgeschlossen haben. Gleichzeitig gilt es für die BFS-MTLA Kooperationsverträge mit Kliniken und Labors zu schließen, die die Zusammenarbeit mit der B8 im Rahmen einer betrieblich-schulischen Ausbildung festlegen. Krankenhäuser können die Kosten der Ausbildung im Rahmen des Krankenhausfinanzierungsgesetzes refinanzieren. Die B8 wird bereits in diesem Schuljahr Kliniken und Labors über die Neustrukturierung der Ausbildung informieren, damit Kooperationen initiiert werden können. Sehr wünschenswert wäre eine Kooperation mit Kliniken vor Ort, die MTLA ausbilden, insbesondere auch mit dem Klinikum Nürnberg. Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten/-innen sind bereits heute sehr gesuchte Fachkräfte. Sie werden im Großraum Nürnberg auch zukünftig dringend in den Betrieben des Gesundheitswesens gebraucht. Die B8 bietet als Kooperationspartner eine erstklassige schulische Ausbildung.
d) Fachschulen
An der Rudolf-Diesel-Fachschule ging die Schülerzahl insgesamt leicht zurück (2020: 396 Fachschüler/-innen; 2021: 381). Die Schülerzahl an der FS-Druck- und Medientechnik stabilisierte sich. Die Fachschule für Bekleidungstechnik meldet ebenso eine konstante Schülerzahl (25 Fachschüler/-innen; 1 Klasse). Auch die Meisterschule für das SHK-Handwerk ist mit 24 Meisterschülern/-innen wie seit vielen Jahren gut besucht. Etwas rückläufig sind die Meisterschüler/-innen an der B11/Meisterschule für Maler und Lackierer.
e) Fachakademien
Rückläufige Trends hinsichtlich der Zahl der Studierenden meldeten die städtischen Fachakademien, die Fachakademie für Sozialpädagogik (B10)4, die Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement (B7) sowie die Fachakademie für Wirtschaft (B6).
f) Wirtschaftsschule
Seit dem Schuljahr 2020/21 führt die Wirtschaftsschule Nürnberg eine Vorklasse. Auch in diesem Schuljahr ist die Vorklasse mit 19 Schülerinnen und Schülern gut besucht. Das Bestreben der Wirtschaftsschule, in einem Modellversuch mit der Jahrgangsstufe 5 zu beginnen wird aktuell seitens des StMUK nicht unterstützt, wäre aber zur Stärkung der Wirtschaftsschule durchaus interessant. Erstmals im Schuljahr 2021/22 sind an der B12 (Staatliche WS) zwei staatliche Integrationsvorklassen (IVK-WS) eingerichtet und mit 18 bzw. 19 Schülern/-innen gut besucht.
g) FOS/BOS und Berufsschule Plus
Fachoberschulen Die öffentlichen Fachoberschulen in der Stadt verzeichneten zu Schuljahresbeginn steigende Schülerzahlen. Dies resultiert in erster Linie nicht aus einer Zunahme der Neuanmeldungen als vielmehr eines Schüleranstiegs in den aufsteigenden Klassen. Die erweiterten Wiederholungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, die 13. Klasse zu besuchen, aufgrund der Corona-Situation im Schuljahr 2020/21 dürften diese Entwicklung zumindest mitverursacht haben.
4 Der leichte Schülerrückgang an der B10 ist dem Lehrkräftemangel im aktuellen Schuljahr geschuldet.
Berufsoberschulen Deutlich rückläufig entwickelte sich die Schülerzahl an der Staatlichen BOS (SJ 2020/21: 441 Schülerinnen und Schüler; SJ 2021/22: 396 Schülerinnen und Schüler), stabil hingegen an der BOS der B7 mit den Ausbildungsrichtungen Sozialwesen und Gesundheit mit aktuell 196 Schülerinnen und Schülern (im Vergleich zu SJ 2020/21: 197 Schülerinnen und Schüler).
Berufsschule Plus am BBZ in Nürnberg In den insgesamt 12 Direktoraten mit Berufsschulen und/oder Berufsfachschulen der Stadt lernen sehr engagierte und leistungsfähige Auszubildende sowie Berufsfachschülerinnen und -schüler mit mittlerem Bildungsabschluss, die neben der beruflichen Erstausbildung Zusatzunterricht am Abend an der Berufsschule Plus besuchen. Sie erwerben in drei Jahren jene Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie für die Teilnahme an der Fachhochschulreife-Ergänzungsprüfung benötigen. Auch ein Start im zweiten Ausbildungsjahr ist möglich. Vorteil dabei: Die Abschlussprüfungen der zuständigen Stellen fallen zeitlich nicht mit der Fachhochschulreifeprüfung zusammen. Diese wir ein Jahr nach dem Erwerb des Berufsabschlusses abgelegt. Ein erfolgreiches Modell in Nürnberg, so zeigt sich die Berufsschule Plus auch im laufenden Schuljahr mit drei stabilen Eingangsklassen im ersten Schulbesuchsjahr.
Die Entwicklung der Schüler- und Klassenzahlen des additiven Bildungsgangs für Jugendliche in der beruflichen Erstausbildung an Berufsschulen und Berufsfachschulen veranschaulicht die folgende Übersicht:
BBZ (B2)
| Stichtag | 1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Schüler | Klassen | Schüler | Klassen | Schüler | Klassen | |
| 20.10.2018 | 16 | 1 | 15 | 1 | 13 | 1 |
| 20.10.2019 | 38 | 1 | 13 | 1 | 16 | 1 |
| 20.10.2020 | 22 | 1 | 20 | 1 | 13 | 1 |
| 20.10.2021 | 12 | 1 | 16 | 1 | 21 | 1 |
BBZ (B6)
| Stichtag | 1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Schüler | Klassen | Schüler | Klassen | Schüler | Klassen | |
| 20.10.2018 | 61 | 2 | 22 | 1 | 27 | 1 |
| 20.10.2019 | 65 | 2 | 60 | 2 | 26 | 1 |
| 20.10.2020 | 55 | 2 | 43 | 2 | 39 | 2*) |
| 20.10.2021 | 53 | 2 | 52 | 2 | 30 | 1 |
*) Genehmigung von Regierung vom 28. Juli 2020 zur Bildung von drei 3. Klassen
Fazit
Nach anfänglich sehr verhaltenen Neuanmeldungen für die duale Ausbildung an den Berufsschulen im Frühjahr/Sommer 2021 meldeten Ausbildungsbetriebe zum Schuljahresbeginn vermehrt „neue“ Auszubildende an. Im Ergebnis blieb die Zahl der Schülerinnen und Schüler nur knapp hinter jener des Vorjahres zurück.
Im Bereich der Berufsvorbereitung führt der Wegfall der dreijährigen Teilzeitbeschulung zu sinkenden Schülerzahlen. Die Wirtschaftsschule sowie die Fachoberschulen führen in diesem Schuljahr mehr Schülerinnen und Schüler als im Vorjahr. Pandemiebedingte Sondereinflüsse spielen hierbei sicherlich eine Rolle. Die Schulen der beruflichen Weiterbildung (Fachschulen, Fachakademien und die staatliche Berufsoberschule) verzeichneten insgesamt einen Schülerrückgang, ebenso die städtischen Berufsfachschulen in Summe.