Haushaltssperre

← Sitzung des Jugendhilfeausschusses (16.12.2021)

Bericht Fachteam Sprache

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Plärrer Langwasser Jugendhilfeausschuss Schule & Bildung Eberhardshof Soziales & Gesundheit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage 8.1

zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 16.12.2021

Fachteam Sprache zur Stärkung der Sprachlichen Bildung in städtischen

Kindertageseinrichtungen – 1. Zwischenbericht

Hintergründe: Etwa 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Nürnberg stammen aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte und wachsen dementsprechend auch größtenteils mehrsprachig auf. Auch wenn die Herkunft der Eltern bzw. des Kindes aus einem nicht-deutschsprachigem Land alleine noch kein noch keinen Sprachförderbedarf auslöst, so zeigt sich im Kita-Alltag, dass in Einrichtungen mit einem hohen Anteil dieser Familien meistens ein überdurchschnittlicher Sprachförderbedarf besteht. Vor allem in kommunalen Kindergärten ist diese sprachliche Vielfalt mit 70 % im Durchschnitt und an einzelnen Standorten mit bis zu 95 % Anteil von Familien mit Zuwanderungsgeschichte überdurchschnittlich hoch vertreten. Um bei dieser Ausgangslage die Bildungs- und Teilhabechancen der Kinder mit einer intensiven sprachlichen Förderung zu unterstützen, wurde durch JHA-Beschluss vom 18. September 2019 ein Fachteam Sprache für kommunale Kitas auf den Weg gebracht. Dem vorausgegangen war eine stadtweite Erhebung in Kindergärten zum sprachlichen Unterstützungsbedarf.

Finanziert wird diese unbefristete Maßnahme durch Einsparungen des Jugendamts im Zusammenhang mit dem Gute-Kita-Gesetz. Durch die vom Freistaat Bayern getragene Beitragsentlastung wird die Stadt Nürnberg beim Kostenaufwand in der Wirtschaftlichen Jugendhilfe entlastet.

Die Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern mit unterschiedlichsten sprachlichen Hintergründen und Entwicklungsständen gestaltet sich im pädagogischen Alltag sehr herausfordernd – begonnen bei der Eingewöhnung eines Kindes über die Begleitung im Tagesablauf bis hin zur gezielten Einzelförderung. Dazu kommen die hohen Sprachbarrieren in der fortlaufenden Kommunikation mit den Eltern, die gerade bei diesen Kindern unabdingbar für eine gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft sind.

Daher sind die zusätzlichen Ressourcen einer Sprachberatung, die über einen längeren Zeitraum einen Kindergarten mit gezielten Angeboten für Kinder, Fachkräfte und Eltern betreut, wesentlich, um die sprachliche Bildung nachhaltig in den Einrichtungen zu fördern und zu verankern.

Ziele: Die Sprachberatung begleitet und coacht die pädagogischen Fachkräfte vor Ort bei ihrer fachlichen Weiterentwicklung im Bereich Sprachbildung und -förderung, unterstützt bei der Zusammenarbeit mit den Eltern und Familien und fördert die Kinder in regelmäßigen passgenauen Angeboten. Dabei steht die alltagsintegrierte Sprachbildung im Mittelpunkt, bei der die Situations- und Bedürfnisorientierung und eine hohe Interaktionsqualität maßgeblich sind. Die Kinder sollen möglichst früh und individuell in ihrer sprachlichen Entwicklung unterstützt und so ihr Potential chancengerecht gefördert werden, um ihren Bildungsweg erfolgreich meistern zu können. Kinder sollen gemäß des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans befähigt werden, ihre eigene Bildungsbiographie zu ko-konstruieren – „Lernen in Interaktion, Kooperation und Kommunikation ist der Schlüssel für hohe Bildungsqualität.“ (BEP, S. 20), dies schließt auch den sozialen Entwicklungsprozess im Sinne der Partizipation und Inklusion mit ein.

Adressaten:

Gemäß des JHA-Beschlusses vom 18.09.2019 stehen aktuell die Kindergärten im Fokus, die aufgrund der im Frühjahr 2019 durchgeführten Befragung den höchsten Anteil an Kindern aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte betreuen und auch einen entsprechenden Unterstützungsbedarf angezeigt haben. Daneben zeigt sich aktuell, dass die beiden jüngst in Betrieb gegangenen städtischen Regionalkindergärten1 sowie der neue Kindergarten Am Thoner Espan einen hohen Bedarf an Unterstützung für die Sprachförderung und -bildung haben. Hier finden sich viele Kinder, die bereits im Vorschulalter sind, bisher noch keine Kindertageseinrichtung besucht und aufgrund ihrer Familiensprache noch wenig oder keine Deutschkenntnisse haben. Daneben sind alle Kindergärten aktuell von den stark eingeschränkten Ressourcen auf Schulseite für den Vorkurs Deutsch betroffen, der einen wichtigen Baustein zur Stärkung der Sprachkompetenz und zum Gelingen des Überganges vom Kindergarten in die Grundschule darstellt. Mittelfristig sollen natürlich auch Kinderkrippen von der Expertise des Sprachteams profitieren, um die Entwicklung der Sprachkompetenz frühestmöglich zu fördern. Darüber hinaus ist das Sprachteam bemüht, über einen „Sprachkanal“ allen städtischen Einrichtungen für Beratung zur Verfügung zu stehen und regelmäßig aktuelle Fachliteratur und Praxismethoden weiter zu geben.

Angebotsformate: Die Kindergärten werden mindestens ein bis maximal drei Betriebsjahre von einer Sprachberatung intensiv – also wöchentlich und regelmäßig – betreut. Die Sprachberatungen sind ein- bis zweimal wöchentlich fest vor Ort und arbeiten dort nach einer umfassenden Bedarfserhebung in individuell angepassten Prozessschritten gemeinsam mit dem Kita-Team an der nachhaltigen Weiterentwicklung der Sprachbildung.

Dies geschieht in jeweils den Zielgruppen entsprechenden Formaten:

Arbeit mit den Kindern: Die Bandbreite ist hier groß – von der alltagsintegrierten Sprachförderung in den bereits bestehenden pädagogischen Angeboten mit größeren Kindgruppen bis zur intensiven Kleingruppenarbeit mit Kindern mit hohem Förderbedarf wird lebensweltorientiert und unter Beteiligung der Kinder das Sprechen mit unterschiedlichsten Methoden gefördert, bspw. mit Kamishibai-Erzähltheater, Musizieren, Tanz und Bewegung, Dialogisches Lesen, verstärktem Einsatz von mehrsprachigen Büchern u.v.m. Anhand dieser unterschiedlichen Methoden werden die Elemente der Sprachbildung und -förderung wie bspw. ARS-Screening, Phonologische Bewusstheit, Literacy usw. umgesetzt.

Team-Einheiten, Einzelcoaching für pädagogische Fachkräfte: Die Sprachberatungen stehen in wöchentlichem Austausch mit Kita-Leitung und Pädagogischen Fachkräften – sowohl zum Sprachstand einzelner Kinder als auch zu einzelnen Inhalten und Methoden des Spracherwerbs. Dazu gibt es Teambesprechungen, nach Möglichkeit auch Teamtage und fortlaufend Reflexionsaufgaben und Vereinbarungen zu Prozessschritten. Die Sprachberatungen greifen sowohl den bestehenden Tagesablauf als auch die konzeptionellen Schwerpunkte der jeweiligen Einrichtung auf und stimmen sich zu den Sprachförderangeboten ab; es werden auch gemeinsam Veränderungen der Spiel- und Lernumgebung, der Wochenstruktur oder der pädagogischen Angebote auf den Weg gebracht, um der Sprachbildung den notwendigen Raum im pädagogischen Alltag zu geben.

Austausch und Aktivitäten mit den Eltern bzw. Familien:

1 Regionalkindergarten Zugspitzstraße und Regionalkindergarten Christian-Hessel-Straße

Die Einrichtungen haben die Sprachberatung in ihrer Elternschaft vorgestellt und soweit derzeit pandemiebedingt möglich, auch in kleinen Präsenzveranstaltungen eingeführt. Auch einzeln sind die Sprachberatungen zu Eltern in Kontakt. Angedachte Angebote mit Eltern-Kindgruppen, Kurzvorträge / Impulse, gemeinsame Ausflüge oder Mitwirkung bei gemeinsamen Festen usw. können aktuell leider noch nicht regelmäßig umgesetzt werden.

Methoden: Neben den bereits vorhandenen Kompetenzen im Fachteam Sprache und den erworbenen Kenntnissen aus der Grundqualifizierung wird derzeit nach intensiver Programmanalyse, der Erstellung einer Leistungsbeschreibung und mittels eingeschränktem Vergabeverfahren derzeit die Einführung des Heidelberger Interaktions-Trainings (kurz HIT) vorbereit. Hierfür werden die Sprachberatungen zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren durch das Zentrum Entwicklung und Lernen der Heidelberger Universität geschult. HIT ist entstanden aus dem Heidelberger Elterntraining und setzt den Dreiklang der Förderung und Begleitung von Kindern, Eltern und Familien sowie Fachkräften konsequent und alltagsintegriert um. Dieses Programm legt gemäß der aktuellen frühkindlichen Erkenntnisse den Schwerpunkt auf die Qualifizierung der Sprachberatungen, bindet aber im Sinne der Nachhaltigkeit auch die Leitungen der beteiligten Kitas und deren Arbeit mit den Eltern mit ein. Darüber hinaus wird ein umfassender Materialien-Pool zur Verfügung gestellt. Durch die evidenzbasierte Vorgehensweise und die bereits in mehreren Interventionsstudien wissenschaftlich belegten Erfolge des Programms ist nach Qualifizierung und Coaching der städtischen Sprachberatungen von einer erfolgreichen Umsetzung der Sprachbildung und -förderung in den hoch belasteten Kindertageseinrichtungen auszugehen, entsprechend der Konzeptvorgaben. Dies auch in pädagogischer Hinsicht - sowohl bezüglich des Lebensweltorientierten Ansatzes, nach dem die städtischen Kitas arbeiten, als auch im Schwerpunkt der Umsetzung der Kinderrechte, welche eine aktive Beteiligung der Kinder in ihrer Spiel- und Lernumgebung vorsieht.

Qualitätssicherung und -entwicklung: Aktuell wird an der Entwicklung von Qualitätsstandards innerhalb des Fachteams gearbeitet. Sprachentwicklung und -bildung werden vielfältig beeinflusst. Um bei dieser komplexen Ausgangssituation Ziele und Wirkung einzelner Maßnahmen eindeutig definieren zu können, müssen direkte Bezüge hergestellt und beschrieben werden, um zu messbaren Ergebnissen zu kommen. Nach entsprechenden Recherchen und Abstimmungsrunden ist deshalb die Erarbeitung eines Wirkungsmodells und darauf basierenden indikatorengestützten Zielsystems in Zusammenarbeit mit einer Hochschule geplant. Das Wirkungsmodell und Zielsystem soll dann als Grundlage für eine stetige formative Prozess- und Qualitätsentwicklung und als Evaluationsgrundlage dienen, um die Wirksamkeit der Sprachberatung auf die Sprachentwicklung der Kinder und die Qualifikation der Pädagogischen Fachkräfte fortlaufend im Blick zu haben.

Vorbereitungen bzw. Einführung des Teams: Die Leitung des Fachteams Sprache wurde zum Oktober 2020, die 5 Stellen Sprachberatung aufgrund notwendiger pandemiebedingter Haushaltseinsparungen und der Corona-bedingten Einschränkungen im Kita-Betrieb erst zum Frühjahr 2021 besetzt. Das Team ist multiprofessionell aufgestellt, alle Kolleginnen und Kollegen verfügen über mehrere Qualifikationen, die von Erziehungswesen, Kranken- bzw. Gesundheitspflege, Logopädie, Kindheitspädagogik, bis zur Sozialpädagogik und Bildungswissenschaften reichen. In Vorbereitung wurde eine Ende März startende Grundqualifizierung zusammengestellt und durchgeführt: neben pädagogischen Inhalten wie Kinderrechte und Kinderschutz sowie Grundlagen der Sprachlichen Bildung in Kitas (bspw. Phonologische Bewusstheit, Dialogisches Lesen, gesetzlich verankerte Beobachtungs- und Dokumentationsbögen und Vorkurs Deutsch) waren wesentliche Inhalte

auch medizinisches Wissen zu pädaudiologischen und kinder- und jugendpsychiatrischen Einflussfaktoren auf die Sprachentwicklung sowie vertiefte Kenntnisse zu Spracherwerbsprozessen bzw. -störungen und zu Erst- und Zweitspracherwerb bei Kindern mit Mehrsprachigkeit.

Organisatorische Regelungen: Das Fachteam Sprache ist Teil des Fachbereichs Städtische Kindertageseinrichtungen und zusammen mit Fachberatung und Pädagogischer Qualitätsbegleitung dem Aufgabenbereich Fachlich pädagogische Planungen zugeordnet. Die Büroräume befinden sich Am Plärrer 10 im 3. und 4. OG.

Die Sprachberatungen sind bestimmten Stadtteilen / Regionen zugeordnet und betreuen die entsprechenden Kindergärten im jeweiligen Zuständigkeitsbereich, derzeit insgesamt 23 städtische Einrichtungen. Daneben sind sie zusammen mit der Teamleitung auch Ansprechpersonen für Einzelanliegen aller städtischen Kitas. Hierzu wurde ein Sprachkanal eingerichtet, bei dem die Sprachberatungen in regelmäßigem Turnus per Videokonferenz für alle städtischen Kitas zu allen Fragen und Anliegen bzgl. Sprachbildung und –förderung zur Verfügung stehen. Bei Bedarf werden auch Termine vor Ort vereinbart, um einzelne Kinder in den Blick nehmen zu können und mögliche Diagnostik- und Fördermaßnahmen mit dem Kita-Team auf den Weg zu bringen.

Aufgrund der Möglichkeit zur Teilzeit zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind derzeit 35 WAS in der Nachbesetzung – die Nachfrage aus den Kitas bzgl. weiterer Unterstützung ist groß und kann hoffentlich mit Vollbesetzung nachhaltig gedeckt werden.

Blitzlichter aus der Praxis: Förderung der Kinder: Eine Einrichtung, die das Fachteam Sprache betreut, ist das Familienzentrum Imbuschstraße in Nürnberg Langwasser. In dieser Einrichtung sind 220 Kinder untergebracht, die 24 verschiedene Muttersprachen sprechen. Hier werden aktuell 40 Vorschulkinder intensiv in Kleingruppen, Intensivfördereinheiten in Einzelsettings sowie durch alltagsintegrierte Angebote gefördert. Dies geschieht dreimal wöchentlich für jeweils zwei bis drei Stunden. Nach einem ersten Beziehungs- und Vertrauensaufbau wird der Wortschatz der Kinder spielerisch erweitert und die Sprechfreude geweckt. Der Wortschatzerwerb ist gerade für die Grammatikentwicklung eines Kindes elementar. Weiterhin werden für den späteren Schriftspracherwerb grundlegende Fähigkeiten wie die phonologische Bewusstheit, Aufmerksamkeit und Konzentration gefördert. Coaching der Pädagogischen Fachkräfte: Eine weitere Einrichtung ist der Kindergarten und Ort für Familien Wandererstraße in Nürnberg Eberhardshof. Hier finden 50 Kindergartenkinder ihren Platz, die wiederum zehn verschiedene Muttersprachen sprechen. Die Kinder werden durch sechs pädagogische Fachkräfte sowie eine Kinderpflegerin, eine Kinderpflegerin-Praktikantin und eine Optiprax-Praktikantin betreut. Zusätzlich gibt es noch eine Küchenhilfe. Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit geschieht die Arbeit mit dem Team in enger Abstimmung mit der Einrichtungsleitung und orientiert sich an den bereits vorhandenen Ressourcen der Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort. So finden im Abstand von vier bis sechs Wochen Teilnahmen an Teamsitzungen statt und es werden gesamte Teamtage bspw. zum Thema Erstspracherwerb, Zweitspracherwerb oder der Nutzung der Spiele vor Ort gefüllt. Zusätzlich bekommt das Team in regelmäßigen Abständen Aufgaben zur Vertiefung und Reflexion.

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