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Entscheidungsvorlage-KitaApp

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Jugendhilfeausschuss Schule & Bildung Soziales & Gesundheit Digitalisierung & Verwaltung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage 7.1

zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 16.12.2021

Entscheidungsvorlage

Digitale Kommunikation für Kitas – Auswertung des Modellversuchs Kita-App

Der Jugendhilfeausschuss hat die Verwaltung am 9. Dezember 2020 beauftragt, den Modellversuch Kita-App durchzuführen, auszuwerten und einen Vorschlag zur Implementierung vorzulegen.

1. Durchführung des Modellversuchs

Am 1. Februar 2021 wurde die Kita-Info-App der Firma Stay Informed in 16 städtischen Kindertageseinrichtungen1 eingeführt. Die grundsätzliche Teilnahme am Modell wurde vorab mit dem Elternbeirat abgestimmt, anschließend wurde die gesamte Elternschaft der beteiligten Einrichtungen über das Vorhaben und die damit verbundenen Möglichkeiten schriftlich informiert. Um eine möglichst breite Beteiligung zu erreichen, haben die Einrichtungen gezielt für die Teilnahme und kostenlose Nutzung geworben. Für die Nutzung der Kita-App durch die Fachkräfte wurde in Abstimmung mit der Personalvertretung ein Regelwerk erstellt, indem beispielsweise festgelegt wurde, dass die Benutzung nur während der regulären Öffnungszeiten der Einrichtung zu erfolgen hat. Der Modellversuch wurde durch einen regelmäßigen Austausch begleitet, indem vierteljährig ein digitaler Jour Fixe stattfand, im Sinne einer kollegialen Beratung für die verschiedenen Anwendungen und zur Klärung von offenen Fragestellungen. Zusätzlich stand durch den Kita-App-Betreiber ein technischer Support zur Verfügung. Darüber hinaus wurde die Beteiligung der Eltern quartalsweise dokumentiert und ausgewertet. Um die App auch ganztägig und flexibel nutzen zu können, wurden alle Modellkitas mit einem Tablet ausgestattet. Die Einrichtungsleitung ist Administrator und verteilt die Zugangs- und Nutzungsrechte innerhalb der Einrichtung. In der Hälfte des Modellzeitraums wurden die derzeit noch nicht beteiligten städtischen Kitas über den Verlauf und bisherigen Erfolg des Vorhabens informiert.

2. Auswertung des Modellversuchs

Die Kita-App ist mit Einführung im Februar 2021 von den Kitas und den Eltern sehr interessiert und gut angenommen worden. Bereits im März 2021 lag in fünf von 16 Kitas die Beteiligung bei über 90 Prozent. Einerseits kann dies auf das grundsätzliche Interesse der Familien an digitaler Kommunikation zurückgeführt werden, aber sicherlich auch auf die pandemiebedingten eingeschränkten analogen Kommunikationsmöglichkeiten. Die Beteiligung ist im Laufe des Modellversuchs kontinuierlich angestiegen, wie die folgende Übersicht bestätigt:

Einrichtungsart 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal
Durchschnitt 64,8 % 78,0 % 86,2 % 90,0 %

Die Beteiligung hat mit Beginn des neuen Kitajahres 2021/2022 nochmals zugenommen, da es für die neu hinzugekommenen Familien keinen „Übergang“ mehr zwischen den gewohnt analogen Prozessen und der neu eingeführten digitalen Kommunikation gab.

Bei welchen Prozessen kommt die Kita-App zum Einsatz:

 Weitergabe von allgemeinen Informationen zum Kitabetrieb, z.B. Speisepläne, kurzfristige Änderungen, Ankündigungen von Veranstaltungen, Elternschreiben, Berichte zu Veranstaltungen etc.  Terminvereinbarungen, z.B. Elternveranstaltungen, Elterngespräche etc.  Abwesenheitsmeldung, mit Angabe eines Grundes

1 Kinderkrippen, Kindergärten und Kinderhorte aus den verschiedenen Nürnberger Stadtteilen

 Rückmeldungen zu Terminen und Abfragen  Verwaltung von Kontaktdaten

Innerhalb der Einrichtung können sowohl Sammelnachrichten als auch Gruppen- und Einzelnachrichten versandt werden. Jede Familie hat mindestens einen Zugang, auf Wunsch können auch beide Sorgeberechtigten einen Zugang erhalten. Die von der Einrichtung übermittelten Termine können direkt in das persönliche Smartphone übertragen werden.

Welche Vorteile und Nutzen sehen die beteiligten Einrichtungen nach circa 10-monatiger Erprobung:

 Die Informationsweitergabe an die Gesamtelternschaft wie auch an bestimmte Elterngruppen wurde deutlich vereinfacht und optimiert. Auch kurzfristige Nachrichten können per Mausklick an einen großen Kreis weitergeleitet werden.  Nachrichten und Informationen gehen nicht mehr verloren und sind nur den betreffenden Familien sichtbar. Bei Bedarf kann geprüft werden, ob die Nachrichten gelesen wurden.  Abmeldungen der Kinder sind in digitaler Form möglich, die Störungen durch Telefonanrufe haben deutlich abgenommen.  Termine können direkt mit den Eltern vereinbart werden, ohne dass auf ein persönliches Zusammentreffen gewartet werden muss.  Durch das Rückmeldemodul können Rückmeldungen zu Terminen und zur Teilnahme an Veranstaltungen gemacht werden, ohne großen personellen und verwaltungsmäßigen Mehraufwand. Rückmeldungen der Eltern sind schnell und übersichtlicher auswertbar.  Kontaktdaten der Kinder stehen bei Bedarf schnell und papierlos zur Verfügung.  Bisherige Doppelstrukturen durch analoge und digitale Kommunikationsformate sind (fast) nicht mehr notwendig, da (beinahe) alle Eltern die App nutzen.

Es werden aber auch Grenzen des Systems und Nachteile benannt, wenn auch im geringem Umfang:

 Wenigen Eltern steht kein Endgerät zur Verfügung, damit ist eine Beteiligung an der Kita-App nicht möglich. Darüber hinaus gibt es auch vereinzelt sprachliche Barrieren2.  Die Kommunikation ist in der Regel eindimensional, eine Art Chat- oder Messengerfunktion3 für bestimmte Prozesse und Anliegen wäre wünschenswert.  Es fehlt eine Archivfunktion, das heißt, Eltern können ihre Rückmeldungen im Nachgang nicht mehr prüfen.

Wie wird die App bisher von den Eltern/Elternbeiräten bewertet:

 Schnelle und direkte Informationsweitergabe wird ausdrücklich begrüßt, vor allem mit Blick auf aktuelle und kurzfristige Rückmeldungen.  Informationen kommen sicher und verlässlich an.  Terminabstimmungen sind einfacher geworden.  Abmeldungen per App entlasten und sind ortsunabhängig möglich.  Wegfall schriftlicher Rückmeldungen wird begrüßt.  Kita-App ist werbefrei, kostenlos und die Daten sind sicher.

Auch von den Eltern wird der Wunsch nach einer Antwortmöglichkeit genannt bzw. einer Art Messengerfunktion. Darüber hinaus wird angeregt, dass es für Häuser für Kinder zukünftig nur noch einen Zugang gibt, so dass Informationen nicht mehrfach eingehen und gelesen werden müssen.

2 Die Navigation der App wird ab 11/2021 nicht nur in Deutsch und Englisch verfügbar sein, sondern auch in weiteren Sprachen (Türkisch, Arabisch, Französisch etc.). 3 Messengerfunktion wird ab 11/2021 optional zur Verfügung gestellt, J/B1 prüft die Einführung

Fazit:

 Die beteiligten Kitas und Familien sind mehrheitlich sehr zufrieden mit der Kita-App. Kleine Optimierungen sind noch vorstellbar, aber bereits die bestehenden Funktionen werden als deutliche Bereicherung und als Optimierung von gängigen Verfahren und Prozessen verstanden.  Alle Modellstandorte wünschen sich eine übergangslose Fortsetzung des Angebots.  Eine Messengerfunktion sollte im Rahmen einer Implementierung mit einem definierten Nutzungsrahmen mit ausgeschrieben werden.  Die persönliche Kommunikation zwischen Kitas und Eltern wird durch die Kita-App weder eingeschränkt noch behindert, im Gegenteil, die Kommunikation wird insgesamt verlässlicher und vielfältiger.  Eine mehrsprachige Version wird als notwendig erachtet, um möglichst allen Familien einen Zugang zu ermöglichen.  Das Interesse der bisher nicht beteiligten Kitas ist groß.

3. Vorschlag zur Implementierung

Aufgrund des Erfolgs des Modellversuchs wird eine dauerhafte Ausweitung auf alle städtischen Kitas ab dem Jahr 2022 als sinnvoll und zeitgemäß erachtet. Die flächendeckende Implementierung mit einer Kita-App ist ein wichtiger Bestandteil in der digitalen Transformation4 des Kitasystems.

Für die bestehenden Modellstandorte läuft die bisherige vertraglich vereinbarte Nutzung Ende des Jahres aus. Bis zur neuen Beauftragung – nach entsprechender Beschlussfassung – soll für die Piloteinrichtungen das bisherige Angebot verlängert5 werden.

Für das Jahr 2022 kann das Vorhaben über das Förderprogramm „Leitungs- und Verwaltungsbonus“ (anteilig) finanziert werden, sofern der Freistaat Bayern die Mittel wieder zur Verfügung stellt. Sollte der Freistaat Bayern eine kostenfreie Kita-App für bayerische Eltern anbieten, wäre dies vorrangig zu prüfen.

Die Verwaltung des Jugendamts bittet den Jugendhilfeausschuss um Zustimmung für eine flächendeckende Implementierung einer Kita-App in den städtischen Kindertageseinrichtungen.

4. Perspektive „Digitale Kitas“

Neben der Kita-App wird auch das Thema Medienerziehung in Kitas weiterentwickelt. Bereits in den Jahren 2018 bis 2020 haben zwei städtische Kindertageseinrichtungen erfolgreich am Modellversuch „Medienkompetenz in Frühpädagogik stärken“ 6teilgenommen. Zwischenzeitlich wurde bereits die Kampagne „Startchance kita.digital“7 auf den Weg gebracht.

Ausgangspunkt der neuen Kampagne ist der oben genannte Modellversuch, der 2020 erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Erfahrungen und Ergebnisse haben gezeigt, wie digitale Bildung mit jungen Kindern in einer Kita unter Einbezug der Eltern gelingen kann. „Die mehrjährig angelegte Kampagne ist das Kernelement der Digitalisierungsstrategie der Bayerischen Staatsregierung für Kindertageseinrichtungen in Bayern. Sie startete im September 2021. Leitziel der Kampagne ist es, Kitas bei der Sicherstellung ihres bestehenden digitalen Bildungsauftrags (§ 9 AVBayKiBiG; BayBEP, Kap. 7.4) zu unterstützen. Dafür wird das pädagogische Personal in seiner Kompetenz gestärkt, diesen Auftrag

4 Eva Reichert-Garschhammer, Kita 4.9 –Digitalisierung als Chance und Herausforderung 5 Minimum 6 Monate, max. 12 Monate 6 Durchgeführt vom Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP), gefördert durch den Freistaat Bayern 7 Kooperation Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Institut für Frühpädagogik, Institut für Medienpädagogik und Zentrum für Medienkompetenz in der Frühpädagogik, mitfinanziert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend frühkindliche Medien

chancenreich umzusetzen, d.h. den Medieneinsatz mit Kindern, unter Einbezug der Eltern, professionell zu gestalten.“8 Die Einrichtungen erhalten drei Fortbildungstage und drei selbstorganisierte Lerneinheiten. In der Praxisphase werden die Kitas von einem ausgebildeten Medien-Coach begleitet, für interne Inhouse-Coachingtermine, die Durchführung eines Elternabends, für die Umsetzung von mindestens eines Praxisvorhabens und der gemeinsamen Abschlussreflexion.

Im ersten Durchlauf nehmen aus Nürnberg 12 Kindertageseinrichtungen teil, davon vier städtische Kitas.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Digitalisierung von pädagogischen Programmen und Anwendungen. Aktuell wird in den städtischen Kindertageseinrichtungen für die gesetzlichen vorgegebenen Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren die Software Kitalino eingeführt. Durch die Bereitstellung von Tablets können die Programme im Alltag der Kita entsprechend angewandt und effektiv genutzt werden.

Wie digital bzw. medial erfolgreich die Kindertageseinrichtungen bereits unterwegs sind, zeigt die aktuelle Auszeichnung des städtischen Haus für Kinder Salzbrunner Straße.

Am vergangenen Freitag wurde das Haus für Kinder mit dem Dieter Baacke Preis 20219 in der Kategorie „Projekte von und mit Kindern“ ausgezeichnet. „Mit dem Dieter Baacke Preis zeichnen die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beispielhafte Projekte der Bildungs-, Sozial- und Kulturarbeit aus. Ziel ist, herausragende medienpädagogische Projekte und Methoden zu würdigen und bekannt zu machen, die Kindern, Jugendlichen und Familien einen kreativen, kritischen Umgang mit Medien vermitteln und ihre Medienkompetenz fördern.“10

Das Haus für Kinder Salzbrunner hat sich mit dem während der Pandemie entwickelten „Salzbrunner TV“ beworben. Ziel war es, mit den Kindern auf digitalem Weg Kontakt zu halten. Das Team konzipierte ein Webvideo-Format mit Spiel- und Bastel-Tipps gegen die Langeweile, bastelte sich ein provisorisches Studio in der Kita und hatten bereits nach nur zwei Wochen die erste Episode produziert. „Salzbrunner TV“ wurde auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Stadt Nürnberg veröffentlicht. Die Kita kam so zu ihren Kindern nach Hause, zumindest auf digitalem Weg, und ließen sich per Mail oder Post die Ergebnisse und Anregungen der Kinder zuschicken, um sie interaktiv einzubeziehen. Einige Kinder produzierten mit ihren Eltern sogar eigene Videobeiträge, die in die Show aufgenommen wurden. Der Erfolg bestärkte das Team, so dass im ersten Monat gleich 13 Folgen mit einer Dauer von jeweils 5 bis 20 Minuten entstanden.

Als aufgrund der Lockerungen die ersten Kinder zurück in die Einrichtung kamen, wurde das populäre Format an die veränderten Bedingungen angepasst und die Kinder aktiv in die Entwicklung der der Filme mit einbezogen. Mittlerweile sind 38 Folgen erschienen, die inhaltlich enorm unterschiedlich und variationsreich gestaltet sind: Es gibt Kurzfilme, Erklärvideos, Bastelanleitungen, Musikvideos, Trickfilme, Quizformate, Sportübungen und vieles mehr. Eben alles, was Kinder interessiert. In der Laudation heißt es: „In der Jury waren wir beeindruckt vom Einfallsreichtum und Output des Salzbrunner Teams. Das Webvideo-Format hat sich zu einem partizipativen Modellprojekt der aktiven Medienarbeit entwickelt, das von Kindern für Kinder gestaltet wird. Die Videos sind authentisch und unterhaltsam, und so können wir uns auf weitere Folgen des spannenden Formats freuen. Wir gratulieren dem Projekt Salzbrunner TV zum Dieter Baacke Preis 2021!“

8 https://www.ifp.bayern.de/projekte/qualitaet/startchancekitadigital.php 9 Der Preis mit 1.000 Euro dotiert. 10 https://dieter-baacke-preis.de/wp-content/uploads/2021/11/pm_verleihung_dieter_baacke_preis_19112021.pdf

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