Stadtreparatur durchs „Schwarze Pellerhaus“? Hearing - Protokoll
Datum: 04.10.2021
Zeit: 19:00 bis 21:30 Uhr
Ort: St. Egidien
Podiumsgäste:
Dr. Martin Brons 1.Pfarrer St. Sebald und St. Egidien
| Karl-Heinz Enderle | 1.Vorsitzender Altstadtfreunde e.V. |
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Prof. Dr.-Ing. Barbara Engel KIT Karlsruhe, BKB Nürnberg
| Andreas Grabow | Vorsitzender Kreisverband BDA |
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Theo Noll Förderverein Kulturhistorisches Museum
| Brigitte Sesselmann | Initiative Pro Pellerhaus |
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Prof. Dipl.-Ing. M. Arch. Thomas Will TU Dresden, BKB Nürnberg
Anhang: 2 Präsentationen
1. Begrüßung und Einführung
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßt Herr Ulrich (Planungs- und Baureferent) die Teilnehmenden, stellt die Podiumsgäste vor und führt in die Thematik ein. Vier Möglichkeiten stehen zur Wahl: keine Änderung (Wegfall der Nutzungen im KG und OG der ehem. Stadtbibliothek) Anbau eines zurückgesetzten Treppenhauses an der Westseite der ehem. Stadtbibliothek zur Erschließung des Saales im Obergeschoss und des Kellers. Rekonstruktion des sog. schwarzen Pellerhauses durch die Altstadtfreunde mit gemeinsamem Treppenhaus auch für die ehem. Stadtbibliothek. Zeitgemäßer Anbau an das Pellerhaus, unter Berücksichtigung des Denkmals Pellerhaus.
2. Vorstellung der Positionen
Fr. Sesselmann (Initiative Pro Pellerhaus) stellt die Positionen ihrer Initiative dar: Sie spricht sich für den Anbau des erforderlichen Treppenhauses aus, um zu einem späteren Zeitpunkt bauliche Entwicklungsoptionen für das Haus des Spiels in moderner Form und in respektvollem Umgang mit dem Denkmal Pellerhaus zu ermöglichen. Das Grundstück soll dafür in städtischer Hand bleiben und bis dahin seine Grünflächennutzung behalten. Im Anschluss veranschaulicht Hr. Enderle den Teilnehmenden den Standpunkt der Altstadtfreunde hinsichtlich einer Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses mit gemeinsamem Treppenhaus, das als städtebauliche Platzkante den Egidienplatz ergänzen würde.
3. Diskussion
Nutzungskonzept und Gebäude Erschließung Einigen Podiumsgästen fehlt die konkrete Bauaufgabe und ein Nutzungskonzept für eine Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses. Zwar benötigt das Haus des Spiels einen Rettungsweg in Form eines Treppenhauses mit Aufzug, allerdings ist die Nutzung des Neubaus mit historischer Fassade des Schwarzen Pellerhauses unklar. Allein der Wunsch die historische Fassade zum Egidienplatz und ein Treppenhaus für das Haus des Spiels errichten zu wollen, sei zu wenig. Aufgrund unterschiedlicher Geschosshöhen im Haus des Spiels und des rekonstruierten Schwarzen Pellerhaus sind ein gemeinsames Treppenhaus mit Aufzug planerisch eine Herausforderung, die sicher nur schwer zu lösen ist. Da es sich heute um ein öffentliches Grundstück handelt ist die Formulierung der Bauaufgabe besonders dringlich. Zunächst sollte deshalb ein Nutzungskonzept erarbeitet und Fragen der Erschließung geklärt werden, um auf Grundlage dessen die Planung als Grundlage für eine Grundsatz - Entscheidung zum weiteren Vorgehen zu konkretisieren. Zudem wird betont, dass die Nutzung vor den Grundstücksverhandlungen geklärt werden muss. Es wird betont, dass das benötigte Treppenhaus auch unabhängig von der Rekonstruktion der Fassade gebaut werden kann und kostengünstiger sei, städtebauliche Mängel dieser Lösung werden zugleich kontrovers diskutiert. Im Erdgeschoss des Neubaus könnten sich die Altstadtfreunde eine öffentliche Nutzung vorstellen. So könnte beispielsweise der Infopoint, der sich derzeit im Haus des Spiels befindet, in das neue Gebäude verlagert werden. Auch würden Büros im rekonstruierten Schwarzen Pellerhaus Platz finden können.
Städtebauliche Verträglichkeit einer Rekonstruktion Europäische Städte sind von einem Nebeneinander unterschiedlicher Baustile und damit von Kontrasten geprägt. Die Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses würde, laut einigen Podiumsgästen, eine wunderbare Verzahnung mit den bestehenden Gebäuden im Umfeld darstellen. Somit würde nicht nur die vorhandene Raumkante geschlossen, sondern das Gesamtbild des Platzes aufgewertet werden. Von anderer Seite wird betont, der Platz auch ohne Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses sehr gut funktioniere. Das Dach der Rekonstruktion würde das Denkmal der ehem. Stadtbibliothek überragen. Gerade auch weil dieses Mayer’sche Pellerhaus ein Denkmal von nationaler Bedeutung sei, müsse Respekt vor dem Gesamtensemble und den Leistungen des Wideraufbaus in der Nachkriegszeit gewahrt werden.
Mit der Frage, inwiefern sich eine Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses mit dem Mayer’schen Pellerhaus verträgt, wird sich auch der Landesdenkmalrat befassen. wie weit die Dachlandschaft vom Egiedienplatz überhaupt sichtbar ist, bleibt offen.
Pocket Park Peststadel Es wird befürchtet, dass sich die Rekonstruktion negativ auf die vorhandene Grünfläche und den alten Baumbestand unmittelbar westlich des Mayer’schen Pellerhauses auswirken würde. Hier laufen derzeit Planungen für die Errichtung eines neuen Pocket Parks der für mehr Aufenthaltsqualität für alle Nutzerinnen und Nutzern sorgt. Insbesondere das Haus des Spiels sowie das Johannes-Scharrer-Gymnasium würden dadurch sehr profitieren. Gerade in Hinblick auf den Klimawandel sind Bäume für das Mikroklima besonders in der Altstadt relevant. Durch die Rekonstruktion –aber auch durch ein isoliertes Treppenhaus- müssten bestehende Bäume weichen.
Gesamtgestaltung des Egidienberges Einige Podiumsgäste betonen, dass die Gestaltung des Egidienberges als Ganzes im Fokus stehen und das Bauvorhaben nicht isoliert betrachtet werden sollte. Der Egidienberg umfasst neben dem Platz selbst noch das ganze Umfeld der Egidienkirche mit Willstätter Gymnasium. Der Egidienplatz wird oft als Parkplatz und nicht als städtischer Raum wahrgenommen. Diesem Zustand sollte durch eine Neugestaltung des Platzes entgegengewirkt werden: Die Reduzierung der Stellplätze, mehr Grün und die (so auch geplante) Einrichtung eines Cafés im Haus des Spiels könnten die positive Wahrnehmung des Egidienplatzes in der Bevölkerung stärken. Dies würde dem Ensemble Egidienkirche und Pellerhaus sind ein angemessenes Umfeld schaffen. Die zukünftige Platzgestaltung und der Pocket Park Peststadel müssen auch das Thema barrierefreie Zugänglichkeit berücksichtigen, besonders in Hinblick auf das in Entstehung befindliche Kompetenzzentrum für Menschen mit Sinnesbehinderung. Auch sollten Lösungen hinsichtlich einer Stärkung der Zusammenarbeit zwischen St. Egidien und dem Haus des Spiels verfolgt werden.
Sonstiges Von den Teilnehmenden wurde die öffentliche Diskussion positiv hervorgehoben. Allerdings wurde angemerkt, dass vorab die Einbeziehung der Bevölkerung fehlte, zumal es sich um die Entwicklung von städtischem Eigentum handelt. Für eine Entscheidung, ob eine Rekonstruktion erfolgen sollte oder nicht, müssen die unterschiedlichen Belange sachlich betrachtet werden.
Alternative Standorte zum geplanten Treppenhaus wurden bereits geprüft, sind allerdings nicht realisierbar. Die Treppenanlage ist aber für sich alleine unter Inkaufnahme erheblicher städtebaulicher Mängel realisierbar. wesentlich wichtiger als die Frage „Rekonstruktion“ oder „modern“ wurde die Frage der Geatmtgestaltung des Platzes und der konkreten Nutzung des „schwarzen Pellerhauses“ gesehen. Die Fassade kann als Rekonstruktion ein Ergebnis der Nutzungsüberlegungen sein, sie muß es aber nicht.
Nürnberg, 14.10.2021, Quartiersmanagement Altstadt, Jennifer Ganek