Haushaltssperre

← Sitzung des Stadtplanungsausschusses (09.12.2021)

Bericht Pellerhaus

Anlage · 09.12.2021 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Altstadt Schule & Bildung Stadtentwicklung & Planung Umwelt & Klima St. Sebald Rad- und Fußverkehr Kultur, Sport & Freizeit

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage

Betreff:

Stadtreparatur durchs Schwarze Pellerhaus?

Bericht über das Hearing am 04.10.2021 in der Egidienkirche

Sachverhalt Im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung des Pellerhauses entstand die Frage, ob das Grundstück des ehemaligen Schwarzen Pellerhauses Teil der Erschließung des „Haus des Spiels“ und der Entwicklung am Egidienberg sein soll. Dies wurde in einem Hearing am 04.10.2021 in der Egidienkirche diskutiert.

1. Ausgangssituation Hearing

Das „Schwarze Pellerhaus“ wurde ebenso wie das eigentliche Pellerhaus (ehem. Stadtbibliothek, heute „Haus des Spiels“) und weite Teile der anderen Bebauung am Egidienberg im Zweiten Weltkrieg zerstört. Während beim Wiederaufbau des eigentlichen Pellerhauses als Stadtbibliothek ein Meilenstein Nürnberger Nachkriegsarchitektur gelang, blieb das Grundstück des Schwarzen Pellerhauses ebenso unbebaut wie das westlich anliegende größere Grundstück des Peststadels. Diese städtischen Flächen wurden seither als Grünflächen genutzt, bis sie in den letzten Jahren durch verschiedene Baustelleneinrichtungen belegt waren. Die (Wieder-)Nutzung als Grünfläche auf dem Areal „Peststadel“ ist dabei gesetzt.

Im Zuge der Sanierung und des Umbaus des Pellerhauses als „Haus des Spiels“ hat sich gezeigt, dass ein zusätzlicher Erschließungskern nötig ist, um den Saal im obersten Geschoss nutzbar zu machen und einen weiteren Kellerraum zu erschließen. Ein solches Treppenhaus mit Aufzug und Maßen von etwa 6.00 m x 7.50 m Länge kann nur im Westen angebaut werden.

Verlauf des Hearings und öffentliche Diskussion Etwa 125 Besucherinnen und Besucher sind der Einladung unter 3G Bedingungen gefolgt. Die Teilnehmerzahl war unerwartet hoch.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Herr Ref. VI vier Möglichkeiten vor:

 keine Änderungen westlich des Pellerhauses (Einschränkungen für Nutzung der ehem. Stadtbibliothek, Überarbeitung Nutzungskonzept), Grünfläche bliebe in Gänze erhalten  isolierter Anbau eines zurückgesetzten Treppenhauses an der Westseite der ehem. Stadtbibliothek zur Erschließung des Saales im Obergeschoss und des Kellers, städtebaulich wie gestalterisch nicht vertretbar und wegen der rückwärtigen Lage der Erschließung mit fast ebenso hoher Versiegelung verbunden wie  Rekonstruktion eines Teilbereiches des sog. schwarzen Pellerhauses durch die Altstadtfreunde mit gemeinsamem Treppenhaus auch für die ehem. Stadtbibliothek.  Zeitgemäßer Anbau an das Pellerhaus, unter Berücksichtigung des Denkmals Pellerhaus in geicher Kubatur, ggf. zu einem späteren Zeitpunkt.

Zunächst legte Frau Sesselmann für die Initiative Pro Pellerhaus mittels einer Präsentation ihre Haltung dar. Sie spricht sich für den isolierten Anbau des erforderlichen Treppenhauses für das „Haus des Spiels“ aus, um zu einem späteren Zeitpunkt hierfür bauliche Entwicklungsoptionen in moderner Form und in respektvollem Umgang mit dem Denkmal Pellerhaus zu ermöglichen. Das Grundstück soll dafür in städtischer Hand bleiben und bis dahin seine Grünflächennutzung behalten.

Im Anschluss veranschaulicht Herr Enderle für die Altstadtfreunde Nürnberg e.V. den Teilnehmenden den Standpunkt der Altstadtfreunde hinsichtlich einer Rekonstruktion des Schwarzen Pellerhauses mit gemeinsamem Treppenhaus, das als städtebauliche Platzkante

den Egidienplatz ergänzen würde. Insbesondere die angezweifelte Einfügung in den Stadtkörper des Ensembles Altstadt sieht er nicht gefährdet, vielmehr sei das Projekt eine einmalige Chance, ein gelungenes Bürgerhaus der Renaissance wieder sichtbar zu machen. Sponsoren stünden bereit, eine Nutzung sei vielfältig denkbar.

Anschließend folgte eine lebhafte Diskussion.

Auf dem Podium diskutierten: Herr Dr. Martin Brons, 1. Pfarrer für St. Sebald und St. Egidien Herr Karl-Heinz Enderle, 1. Vorsitzende Altstadtfreunde Frau Prof. Dr.-Ing. Architektin Barbara Engel, BKB Herr Architekt Andreas Grabow, Vorsitzender des Kreisverbandes BDA Herr Generalkonservator Prof. Dr.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, BLfD Theo Noll, Vertreter des Fördervereins Kulturhistorisches Museum Frau Architektin Brigitte Sesselmann, Pro Pellerhaus Prof. Dipl.-Ing. Architekt Thomas Will, Vorsitzender des BKB

Durch die Diskussion des Abends führte Dr. André Fischer, Chefredakteur Nürnberger Zeitung. Zur Übersicht des Abends liegt das Protokoll und die Präsentationen der beiden Vereine bei.

Neben funktionalen und bautechnischen Erwägungen spielten auch die Fragen städtebauliches Platzgefüge, historisierende Rekonstruktionen oder modernes Bauen in der Altstadt, Erhalt der Grünfläche sowie die Identität des Ortes eine Rolle.

Zusammenfassend sind folgende Punkte aus dem Hearing zu benennen:

 Da es sich um ein öffentliches Grundstück handelt ist die Formulierung der Bauaufgabe und eines Nutzungskonzeptes für einen möglichen Anbau besonders dringlich.  Aufgrund unterschiedlicher Geschosshöhen im „Haus des Spiels“ und des rekonstruierten Schwarzen Pellerhaus bzw. eines Neubaus sind ein gemeinsames Treppenhaus mit Aufzug planerisch eine Herausforderung, die vor einer Entscheidung zu lösen ist.  Die Planungen für den neuen Pocket Park gehen weiter. Er soll für mehr Aufenthaltsqualität in der Altstadt sorgen. Insbesondere das „Haus des Spiels“ sowie das Johannes-Scharrer-Gymnasium werden dadurch profitieren.  Jede Lösung wirkt sich negativ auf den Baumbestand (eine mächtige Platane, ein mehrstämmiger Ahorn) aus.  Die Entwicklung und Gestaltung des Egidienberges als Ganzes, bestehend aus Egidienplatz, Pellerhaus, Egidienkirche und Willstättergymnasium, sollte im Fokus stehen und ein Bauvorhaben nicht isoliert betrachtet werden. Dabei ist die Gestaltung des Platzes selbst ein wichtiger Baustein: die Stellplätze sollten reduziert werden oder entfallen. Mehr Grün und die (ohnehin gesicherte) Einrichtung eines Cafés im „Haus des Spiels“ könnten die positive Wahrnehmung des Egidienplatzes in der Bevölkerung stärken. Dies würde dem Ensemble Egidienberg ein angemessenes Umfeld schaffen.  die Frage der Einfügung ins Ensemble (Firsthöhen usw.) wurde intensiv diskutiert.  Mehrheitlich zeigte sich, dass die erste Frage der Sinn (Inhalt) eines Neubaus sein müsse, eingebunden in ein Gesamtkonzept des Stadtraumes. Erst dann käme die Form des Neubaus zur Debatte, und erst dann die Frage der Fassade. Unter dieser Voraussetzung war keine mehrheitliche Ablehnung der Rekonstruktion einer Fassade gegeben.

2. Machbarkeitsstudie für den Egidienberg von 2009

Bereits seit 2008 steht der Egidienberg immer wieder im Fokus. 2009 wurde das Büro für Städtebau und Architektur von Professor Holl (Würzburg) mit einer Machbarkeitsstudie zur Verbesserung der städtebaulichen Situation des Egidienplatzes, hier insbesondere mit einer Aufwertung des öffentlichen Raumes beauftragt. Das Büro sollte für den Egidienplatz eine räumliche und städtebauliche Konzeption zur Umgestaltung und Aufwertung des öffentlichen Raumes entwickeln. Grundlage dafür sollte eine historische Recherche und eine Qualitätsanalyse des öffentlichen Raumes und der angrenzenden Nutzungen des Egidienberges sein. In die Untersuchung wurde neben der Platzfläche die nördliche Erschließungsstraße mit Wendehammer und der Theresienplatz einbezogen.

Die Ergebnisse der Studie sind immer noch aktuell, liefern wertvolle Anregungen und Denkanstöße zur Diskussion und zeigen anhand von Visualisierungen welche Potentiale in einer Aufwertung des Egidienplatzes als wichtiger Bestandteil des Egidienberges stecken.

Die wesentlichen Inhalte der Studie werden zusammengefasst dargestellt. Auf die Studie und die Visualisierungen im Anhang wird verwiesen. Als Ziel formuliert die Studie:

„Der Egidienplatz sollte in Verbindung mit dem Theresienplatz als kultureller Treff- und Mittelpunkt des Egidienviertels dienen und zugleich einer Übernutzung des Hauptmarktes entgegenwirken, indem er als Alternativstandort für Veranstaltungen entwickelt wird.“

Folgende Maßnahmen werden vorgeschlagen.

eine Sperrung des Egidienplatzes für den Durchgangsverkehr nachgedacht werden. Nur noch Anliegern und dem Lieferverkehr soll eine Zufahrt ermöglicht werden. Denn der Platzraum ist derzeit nicht erlebbar. Er wirkt durch die parkenden Fahrzeuge und durch die unabgestimmte Anhäufung von Ausstattungsgegenständen wie Poller, Pflanzkübel, Bänke, Fahrradständer, Strom- und Schaltkästen und Müll-und Streugutcontainer stark überfrachtet. Eine wichtige Aufgabe der Neugestaltung ist es, den Platz frei zu machen und Ausstattungsgegenstände aufeinander abzustimmen.

zu sorgen. Die Idee einer Tiefgarage unter dem Egidienplatz soll nicht weiterverfolgt werden, da sie zu viele Nachteile mit sich bringt. (AfS am 31.01.2008). Eine Tiefgarage kann nur von der Inneren Laufer Gasse erschlossen werden, das notwendige Zu- und Ausfahrtsbauwerk würde den Zusammenhang von Theresien- und Egidienplatz jedoch stören und hätte negative Auswirkungen auf Bodendenkmäler, die dort vermutet werden.

Das Thema wurde inzwischen durch die Neuregelung der Parkordnung in der Altstadt (Stärkung der Bewohner zu Lasten kostenfreier Parkplätze für Besucher) angegangen.

Übergang vom Gehweg zur Fahrbahn sollte niveaugleich ausgestaltet werden und die Gehwegplatten durch Granitkleinsteinpflaster ersetzt werden.

Dieser Aspekt wurde durch den Beschluß zum Gestaltungshandbuch „Nürnberger Linie“ vertieft, nunmehr sind auch gute Lösungen zur Barrierefreiheit abgebildet und an anderen Orten (Rathaus, Peter-Vischer Straße) umgesetzt.

ihren transparenten Habitus gut im Zusammenspiel mit den historischen Fassaden. Die Freistellung des Kirchenportales durch Entfernen eines einzelnen Baumes wird empfohlen, um die Sicht auf die Kirchenfassade zu verbessern. Außerdem sollten die

neugepflanzten Baumhasel wieder entfernt werden, da ihr Erscheinungsbild von den vorhandenen Robinien und Gleditschien abweicht.

ein besonderes Augenmerk auf die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude gelegt werden soll. Die Grundausleuchtung sollte durch zeitgemäße Stelen erfolgen. Akzentuierungen sind durch Unterleuchtung der Bäume möglich.

Dieser Aspekt ist im Lichtkonzept Altstadt vorbereitet, das inzwischen weitgehend umgesetzt ist, siehe unten.

Bestandteil der Studie ist ein Lageplan mit den vorhandenen Nutzungen und der Darstellung der Konflikte. Außerdem sind Visualisierungen beigefügt. Zwei Visualisierungen zeigen Visionen aus verschiedenen Blickrichtungen die Spielräume, im Umgang mit den vorhandenen Parkplätzen und der verkehrlichen Erschließung und dem daraus entstehenden Flächenpotential für eine Umnutzung und Aufwertung des Platzes.

3. Realisierte Projekte und ein Projekt in Arbeit

Neue Anleuchtung für die Egidienkirche 2017 Im Rahmen des Lichtkonzeptes für die Nürnberger Altstadt wurde 2017 die Anleuchtung der Egidienkirche als wichtigstes Denkmal am Egidienplatz verbessert und erweitert. Bisher war nur die Westfassade der Egidienkirche in einem wenig differenzierten und weißlich-kühlen Licht mit Halogen-Strahlern angeleuchtet. Ziel der neuen Anleuchtung war es, die gesamten Egidienkirche mit Seitenschiff und Chor auch nachts sichtbar zu machen. Dabei erhält die Egidienkirche außer von Westen noch von Norden, Osten und Süden zusätzliche Lichtakzente. Die Egidienkirche wird erstmalig von Norden in ihrer gesamten Dimension nachts wahrnehmbar sein. Auch von Osten kommend setzt die neue Anleuchtung Akzente. Insbesondere soll aber die Anstrahlung von Süden dem vorspringenden Kirchenbaukörper Tiefe verleihen und gleichzeitig das abgerückte, ehemalige Melanchthon - Gymnasium mit dem Denkmal Melanchthons auf dem Vorplatz in Erscheinung treten lassen. Mit den neuen LED Scheinwerfern ist eine gezielte, differenzierte und atmosphärische Anstrahlung in einem warmen Licht möglich.

Das schlafende Nashorn von der Krakauer Künstlerin Dorothea Hadrian 2019 Im südlichen Zugangsbereich des Egidienplatzes hat das Kunstwerk 2019 seinen Standort in Abstimmung mit der Künstlerin gefunden. Die auf der Verkehrsinsel vorhandenen Wertstoffcontainer und Fahrradständer konnten entfernt und in neu gestalteter Form an den Inneren Laufer Platz versetzt werden. Die Fahrradständer wurden gegenüber neu angeordnet. Um das Kunstwerk gut in die Fläche zu integrieren wurde die Verkehrsinsel unter Beachtung des vorhandenen Fernwärmeschachtes auch baulich angepasst. Mit der langen segmentförmigen Sitzbank wurde ein Rahmen geschaffen, der die Möglichkeit bietet, das Nashorn zu betrachten und auch den Blick zum Egidienplatz mit Egidienkirche und Pellerhaus zu genießen. Die Eingangssituation am Egidienplatz konnte so verbessert und eine Verweil- und Aufenthaltsmöglichkeit geschaffen werden.

Abbildung 1

Verkehrsinsel vorher

Abbildung 2

Egidienplatz mit Nashorn

Ein weiterer Pocket Park in der Altstadt: der ehemalige Peststadel wird grün Nachdem die Baustelleneinrichtungen auf dem Areal westlich des Pellerhauses abgeräumt sind, kann der größere Teil der vorhandenen Grünfläche als Pocketpark wiederhergestellt und aufgewertet werden. Der vorhandene Baumbestand soll weitgehend erhalten und neue Sitzgelegenheiten geschaffen werden. In der Planung ist dargestellt, dass ein Teil der Fläche von ca. 130 m² für einen Wiederaufbau des Schwarzen Pellerhauses mit gemeinsamem Treppenhaus für das Pellerhaus, eine andere bauliche Lösung oder einen Treppenturm anderer Art mi Zugangsflächen herangezogen werden könnte.

Abbildung 3

4. Behandlung im Landesdenkmalrat

Auf Veranlassung von Fr. Sesselmann wurde die Thematik am 29.10.2021 im Landesdenkmalrat behandelt. Frau Bürgermeisterin Prof. Lehner ist dort regelmäßiges Mitglied, Herr Planung- und Baureferent Ulrich war ebenso geladen wie Herr Prof. Stößlein (baulust) Fr. Sesselmann und Herr Enderle.

Der Landesdenkmalrat ist zuständig für besondere Fragestellungen in Ensembles nach dem DSchG. In der Debatte, die in etwa die Argumente aus dem hearing wiedergab, wurde vom Vorsitzenden des Landesdenkmalrates positiv gewürdigt, dass das Projekt früh genug debattiert würde, um es steuern zu können.

Die Haltung, sich dem Platz als Ganzes nähern zu müssen um ihn abschließend gestalten zu können wurde mehrheitlich getragen, die Frage einer Fassadenrekonstruktion mehrheitlich positiv, nicht aber unkritisch gesehen.

Aus Sicht des Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) ist eine solche angedachte Rekonstruktion fachlich ein Neubau, der sich ensembleverträglich einfügen muß. Da es sich bei der Nürnberger Altstadt um ein Denkmal des Wiederaufbaus handelt, das mit diversen rekonstruierten oder geretteten historischen Bauwerken, teils auch nur Fassaden, durchsetzt ist, ist aus Sicht des BLfD eine Rekonstruktion ebenso wie eine andere Kubatur moderner Prägung, so sie ensembleverträglich ist, möglich. Abgelehnt wird ein isolierter Treppenturm, da dieser einen Zustand verfestige, der städtebaulich keine Lösung darstelle.

Im Ergebnis übergab der Landesdenkmalrat das Projekt in die Verantwortung der Stadt Nürnberg, regte eine weitere Beteiligung (die im hearing teils schon vorweggenommen war) an und wünschte dem Gesamtvorhaben gutes Gelingen, ohne eine der bereit im hearing erkannten Ansätze auszuschießen.

Download ↓