Beilage
Betreff:
Bebauungsplan Nr. 4656 "Technische Universität Nürnberg" (TU Nürnberg)
für die Gebiete westlich der Münchener Straße und östlich der Brunecker Straße sowie südwestlich der U-Bahnlinie 1 - Beschluss der Fortschreibung des Strukturkonzeptes als
Grundlage der weiteren Planungen für die TU Nürnberg -
Entscheidungsvorlage
1. Ausgangssituation
Das Land Bayern hat auf Grundlage des am 09.12.2021 vom Bayerischen Landtag beschlossenen Gesetzes zum 01.01.2021 die Technische Universität Nürnberg (TU Nürnberg) ins Leben gerufen, die innerhalb der Konversionsfläche am ehemaligen Südbahnhof errichtet wird. Das Land erwarb zu diesem Zweck 2019 eine ca. 37 ha große Fläche östlich der Brunecker Straße sowie südwestlich der U-Bahnlinie 1. Die TU Nürnberg ist Bestandteil des städtebaulichen Entwicklungsgebietes für den neuen Nürnberger Stadtteil Lichtenreuth. Dessen weitere Bereiche befinden sich teils bereits in der baulichen Umsetzung (BP Nr. 4635 „Südlicher Hasenbuck“ für das Modul I – u.a. Wohnen, Grundschule, Kita, Einzelhandel), teils werden sie planungsrechtlich vorbereitet (künftiger Teil-BP für das Modul II – Ziel Grün, Wohnen, Kita, Einzelhandel).
künftiger Teil-BP
Modul II
in Aufstellung
BP 4635
Modul I
in Realisierung
BP 4656
Module der
künftigen UTN
in Aufstellung
Teilbereich zu BP 4635
Modul I
in Realisierung
Abbildung 1: Städtebauliches Entwicklungsgebiet Lichtenreuth mit den Modulen I, II und TU Nürnberg (Grundlage: 1 Übersichtsplan AfS 19.09.2019; Quellen: West 8, Rotterdam / Planungsbüro Vogelsang, Nürnberg; Geobasisdaten © Bayerische Vermessungsverwaltung
Im Jahr 2018 wurden zunächst durch die eine vom Freistaat Bayern eingerichtete Strukturkommission die konzeptionellen und fachlichen Schwerpunkte entwickelt und darauf verwiesen, dass diese auch Konsequenzen auf die physische Ausgestaltung der TU Nürnberg haben müssen. Dies war Grundlage für die weiterführenden Planungen, die u.a. hinsichtlich der verkehrlichen Erschließung und der umweltfachlichen Belange mit der Stadt Nürnberg abgestimmt wurden.
Die neue TU Nürnberg wird eine Universität mit Modellcharakter werden – konsequent interdisziplinär, mit einem innovativen Fächerspektrum, neuen Lehrmethoden und einer Departmentstruktur. Als räumliches Leitbild für die junge Universität gilt es, insbesondere einen urbanen, dichten, grünen, weitgehend autofreien und lebendigen Campus zu bauen, der sich funktional mit der Umgebung vernetzt. Das Projekt wird von Beginn an nachhaltig und ressourcenschonend sein und seiner Verantwortung in Hinblick auf den Klimaschutz gerecht werden.
Die TU Nürnberg ist bestrebt, mit dem Campus und dem Universitätsbetrieb möglichst geringen Ziel- und Quellverkehr zu generieren. Dazu werden u.a. die Verlängerung der Straßenbahntrasse ebenso wie die Anwendung des Mobilitätsbaukasten der Stadt Nürnberg beitragen.
Unter diesen Maßgaben wurde 2020 eine konkurriendes Verfahren mit vier interdisziplinär besetzten Planungsgemeinschaften durchgeführt. Mit Entscheidung der Empfehlungskommission wurde am 30.04.2021 das Strukturkonzept der Planungsgemeinschaft Ferdinand Heide Architekten, Frankfurt, und TOPOS Landschaftsarchitekten, Berlin, zur Umsetzung ausgewählt.
2. Vorstellung des Strukturkonzepts
Das Strukturkonzept ordnet die wesentlichen Funktionen der TU Nürnberg innerhalb des Plangebietes an. Es wurde in engem Austausch mit der Stadtspitze zu der nun vorliegenden Form fortgeschrieben und soll die Grundlage der weiteren planerischen Entwicklung bilden. Daher wird es als solches dem Stadtplanungsausschuss in der heutigen Sitzung vorgestellt und zur Beschlussfassung empfohlen. Die nachfolgenden Ausführungen wurden zu diesem Zweck in Auszügen dem Erläuterungsbericht der PG FHA/TOPOS entnommen:
„Es ist eine einmalige Gelegenheit, eine neue Universität als zusammenhängendes Ganzes mit charakteristischer baulicher Identität zu planen. Unser Leitbild ist eine signifikante und unverwechselbare Struktur, die das Zusammenspiel von Forschung, Lehre und Innovation thematisiert und bei der alle Departments der neuen Alma Mater gleichberechtigt nebeneinander und um eine gemeinsame Mitte angeordnet sind. … Das Leitbild der integrativen Einheit wird überlagert von unserer städtebaulichen / freiraumplanerischen Struktur, die konsequent aus der West 8 Planung der angrenzenden Quartiere und Randbereiche übernommen wird. … Das städtebauliche Konzept legt großen Wert auf die Verzahnung mit dem angrenzenden Stadt- und Landschaftsraum. Ferner ist es von zentraler Bedeutung, dass die sich über einen recht langen Zeitraum vollziehende Entwicklung des Campus in jedem Ausbaustadium eine eigene räumliche Qualität sowie eine bauliche Identität aufweist. Daher schlagen wir vor, bereits mit dem 1. BA große Teile der neuen Mitte anzulegen und dreiseitig zu fassen. Mit dem neuen Park kann ein prägnantes vis a` vis zu Modul 2 geschaffen werden, das auf einer ähnlichen städtischen Struktur beruht und sichtbare Bezüge herstellt. Wir erachten das „städtische Gegenüber“ am Park in Form kraftvoller Gebäudezeilen als auskömmlich stark, um den Quartieren eine Adresse und dem Park eine räumliche Fassung zu geben. … Unsere Figur findet sowohl eine starke Anbindung an die Straßenbahnhaltestelle im Norden als auch an den Haltepunkt im Süden. … Die Freiraumstruktur baut auf folgenden, den Standort prägenden Elementen auf: der bestehenden, erhaltenswerten Vegetationsstruktur, der Topographie, den Vorgaben aus der bestehenden Belastung des Untergrundes, der übergeordneten Erschließung sowie den stadträumlichen/ landschaftsräumlichen Bezügen. Die vorgefundene Landschaft stellt eine Übergangs- oder Zwischenlandschaft dar, die von einer industriellen Nachfolgelandschaft mit freien, natürlich entstanden Strukturen (sowohl flächig als auch linear in der Ausrichtung entsprechend dem ursprünglichen Schienennetz) in eine neue Stadtlandschaft mit differenzierten Nutzungen überführt wird. … Durch eine Überlagerung und Integration von Teilen dieser natürlichen Fragmente in eine ansonsten relativ geometrisch ausgeformte städtebauliche Gesamtfigur entstehen spannungsvolle Übergänge und Brüche, die dem neuen Campus eine eigene spezifische Prägung geben. Hierbei entstehen Zitate und Bezüge zur
ehemaligen Nutzung, die eine Überleitung zu dem südlich angrenzenden Landschaftsraum (Lichtenreuth) herstellen, der vorwiegend der Natur als Ausgleichsfläche vorbehalten ist. Die zukünftige Freiraumstruktur besteht aus öffentlichen Freiflächen, Plätzen, Pocket-Parks und grünen Nischen/Fugen. Dazu kommen die den Gebäuden zugeordneten Freiflächen wie Innenhöfe, Dächer oder Terrassen. Die Freiraumstruktur umfasst somit unterschiedliche Ebenen und Schichtungen. … In unserem Entwurf sind die ohnehin angedachten Anschlüsse an die Münchener Straße im Süden und am Flachweiher auskömmlich, weil durch die gewählte Lage der Parkpaletten beide gleichwertig herangezogen werden. Für den Campus wird die Verkehrsbelastung dadurch minimiert, dass der Hauptfahrweg im östlichen Bereich des Campus im unmittelbaren Umfeld der Anschlüsse erfolgt. Im Modal Split könnte der MIV noch etwas zurückgenommen werden, da die perfekte Verflechtung des Radwegenetzes ideal-typisch alle Bereiche anbindet. … In den Kernbereichen ist der Fahrzeugverkehr überwiegend ausgeschlossen. Wir denken, dass mit dieser Erschließungsstruktur ein lebendiger, urbaner und weitgehend autofreier Campus geschaffen werden kann.“
Die aus dem Strukturkonzept zu vertiefende Rahmenplanung mit detaillierten Aussagen zu allen planungsrelevanten Parametern wird in enger Abstimmung mit der Stadt Nürnberg entwickelt und soll bis 03/2022 abgeschlossen werden. Im Anschluss daran soll die Rahmenplanung in einer detaillierten Vorlage dem Stadtplanungsausschuss vorgestellt und die weiteren Schritte im Hinblick auf die Aufstellung der erforderlichen vorbereitenden und verbindlichen Bauleitpläne zur Beschlussfassung empfohlen werden.
3. Zeitliche Umsetzung
Die Zeitplan zur Umsetzung der TU Nürnberg ist ehrgeizig. Ein erster Baustein wird dabei das interimsweise zu nutzende Verfügungsgebäude im Südosten des Plangebiets am Knotenpunkt Münchener Straße / Erschließungsstraße Süd sein (s.a. „A“ in nachfolgender Abbildung). Westlich des Verfügungsgebäudes entsteht ein – ebenfalls interimsweise zu errichtendes – Gebäude für die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (s.a. „B“ in nachfolgender Abbildung).. Die Genehmigung der beiden Provisorien erfolgt und auf Grundlage des § 34 BauGB. Beide Gebäude werden in der aus der o.g. Rahmenplanung definierten räumlichen Struktur aufgehen.
Weitere Einzelvorhaben könnten weiterhin nach bestehendem Planungsrecht ("überwirkender Bestandsschutz") und unter Berücksichtigung der Gesamtplanung beurteilt werden. Die Entwicklung erfolgt insgesamt auf Basis der – nach Behandlung im Stadtrat am 04.03.2020 – zwischen der Stadt Nürnberg und dem Land geschlossenen Gemeinsamen Erklärung zur Entwicklung der TU Nürnberg.
4. Realisierungswettbewerb für die Gründungsgebäude
Die tatsächliche räumliche Entwicklung der TU Nürnberg beginnt mit dem ersten Realisierungsabschnitt im Norden des Plangebiets (s.a. „C“ in nachfolgender Abbildung). Hier entstehen das Präsidiumsgebäude der Hochschulleitung sowie erste Departments der einzelnen Fachbereiche und weitere arrondierende Gebäude mit ergänzenden Nutzungen (u.a. Studierendenwohnheim, Kindertagesstätte, Parkhaus, Logistik- und Energiezentrum).
Als Teil der sogenannten Gründungsgebäude der TU Nürnberg, die den ersten Realisierungsabschnitt darstellen, sollen nun die ersten beiden Gebäude mit zentralen Einrichtungen geplant und errichtet werden. Mit einer besonderen Funktionsmischung und nicht zuletzt durch die Lage an der Schnittstelle des zukünftigen zentralen Campus-Freiraums und der Kante zum entstehenden Park im Quartier Lichtenreuth, kommt den beiden Gebäuden eine besondere Bedeutung zu. Mit diesen beiden Bauten nimmt die junge Universität erstmalig eine konkrete bauliche Gestalt an und setzt damit sozusagen den Fuß auf den neuen Campus in Nürnberg. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, vertreten durch das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg lobt einen Realisierungswettbewerb nach RPW 2013 aus, um diesen ersten, wichtigen Baustein der TU Nürnberg zu vergeben.
Die Ausloberin und die Nutzerin erwarten funktional optimierte, nutzungstechnisch und gestalterisch anspruchsvolle Entwürfe, die dem Anspruch einer universitären Lehre gerecht werden, ein
energie- und kosteneffizientes Gebäudekonzept vorsehen und einen identitätsstiftenden, zukunftsweisenden und innovativen ersten Baustein der TU Nürnberg entwickeln.
C
B A
Abbildung 2: Darstellung Verfügungsgebäude (A), TH-Gebäude (B) und erster Realisierungsabschnitt (C); Grundlage: Rahmenplan (Arbeitsstand 09/2021); Quelle: Ferdinand Heide Architekten, Frankfurt
5. Fazit und empfohlene Beschlüsse
Die konzeptionellen Überlegungen des Strukturkonzeptes bzw. seiner Fortschreibung dienen als Grundlage für eine Konkretisierung im Rahmen eines einheitlichen einzuleitenden Bauleitplanverfahrens. Die Verwaltung empfiehlt dem Stadtplanungsausschuss somit, die Fortschreibung des Strukturkonzeptes mit Stand vom 06.12.2021 als Grundlage der planerischen und baulichen Entwicklung – insbesondere im Bereich des ersten Realisierungsabschnitts – zu beschließen.
Eine detaillierte Beschlussvorlage zur weiteren planerischen Entwicklung des Strukturkonzeptes hin zu einer Rahmenplanung mit detaillierten Aussagen zu allen planungsrelevanten Rahmenbedingungen und die Einleitung der nächsten Schritte im Hinblick auf die erforderlichen Bauleitplanungen (FNP und BP) wird dem Stadtplanungsausschuss nach Abschluss der Rahmenplanerarbeitung im ersten Halbjahr 2022 vorgelegt..