Entwicklungsplan Wöhrder Wiese
Es wurde ein Plan erstellt, der eine nachhaltige Perspektive für die Grünanlage unter den Bedingungen des fortschreitenden Klimawandels bietet. Dabei wurde besonderes Wert auf die Entwicklung von Flächen gelegt, welche die Biodiversität fördern und stärken.
Charakteristik der Parkanlage
Die Wöhrder Wiese zeigt, dass ein Nebeneinander von Natur und Freizeitnutzung auf engem Raum möglich ist. Seit rund zehn Jahren gibt es hier ein Biberrevier und entlang der Pegnitz und des Goldbachs findet man wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die häufig nur wenige Meter von denen durch die Stadtbevölkerung stark genutzten Wiesenflächen im Herzen der Grünanlage liegen.
Die Nürnberger Innenstadt hat nur wenige Grünflächen zu bieten. Die zentrale Lage der Wöhrder Wiese, die sich unmittelbar an die östliche Altstadt anschließt, macht sie für alle Bewohner*innen zu einem schnell erreichbaren Ort, der sowohl Naturerlebnis und als auch vielfältige Freizeitnutzung bietet. Darüber hinaus erfüllt die Wöhrder Wiese eine wichtige Klimafunktion als Kaltluftschneise, welche die angrenzenden Stadtteile in den heißen Sommermonaten mit kühlerer, frischer Luft versorgt.
Der wertvolle Baumbestand und die unterschiedlichen Wiesenbereiche bilden das Rückgrat der Wöhrder Wiese. Hier wird es vor allem bei den Bäumen in den nächsten Jahren zu spürbaren Veränderungen kommen, da ein Teil der Altbäume bereits jetzt stark unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet. Die heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre haben die Bäume geschwächt. Krankheiten und Pilzbefall haben zugenommen. In Mitleidenschaft gezogen sind auch die großen, markanten Pappeln entlang des Wöhrder-Wiesen-Wegs.
Der nun erstellte Entwicklungsplan hat die Probleme und Herausforderungen der gegenwärtigen Situation analysiert und daraus eine Perspektive für die nächsten zehn Jahre entwickelt.
Beurteilung der gegenwärtigen Vegetation
Der Vegetationsbestand der Parkanlage Wöhrder Wiese setzt sich aus rund 600 Einzelbäumen sowie aus vielen weiteren Bäumen in unterschiedlich großen Baumgruppen zusammen. Sie prägen das Erscheinungsbild der Wöhrder Wiese und bilden einen wertvollen Baumbestand. Die Einzelbäume stehen zum großen Teil in Form von Baumreihen entlang der Wegeverbindungen, zum Teil aber auch in den zusammenhängenden Baumbeständen. Der Saum des Gehölzbestandes besteht überwiegend aus kleinen Bäumen mit schwach entwickelter Struktur und ist von artenarmen Wildaufwuchs geprägt. Aufgrund der Dichte und Konkurrenz durch ältere Bäume hat dieser Jungwuchs kaum eine Möglichkeit, zu größeren Bäumen heranzuwachsen. Hier ist ein Mangel an ökologisch hochwertigen Strauchstrukturen festzustellen. Die Wiesenbereiche werden im Wesentlichen als Gebrauchsrasen gepflegt und bieten daher ein nur sehr eingeschränktes ökologisches Potential. Allerdings sollten die großen zusammenhängenden Rasenflächen im Zentrum der Parkanlage zwischen Johann-Soergl-Weg und Wöhrder-Wiesenweg als wertvoller Freiraum unbedingt erhalten bleiben.
Entwicklungsziele
Langfristig sollen die Vegetationsstrukturen, also Bäume, sowie Strauch- und Wiesenflächen, im Hinblick auf mehrere Aspekte angepasst werden. Die zukünftige Planung ermöglicht eine ökologische Aufwertung der Wöhrder Wiese und erhöht damit gleichzeitig die Freiraumqualitäten der Anlage. Darüber hinaus wird die Robustheit der Gehölzbestände gegenüber den sich ändernder Klimaverhältnissen gestärkt. Und nicht zuletzt müssen die Pflegeanforderungen für den Unterhalt so hergestellt werden, dass ein effektives und gut durchdachtes Pflegekonzept den Aufwand so gering wie möglich hält und dabei trotzdem die Entwicklungsziele der Anlage erreicht. Dieses soll im Wesentlichen durch eine Kombination aus der gezielten Nachpflanzung von Einzelbäumen, einer Verdichtung und Strukturanreicherung des strauchartigen Gehölzbestandes sowie der Anlage mehrjähriger Blühwiesen gelingen. Dabei spielen neben ökologischen Aspekten auch gestalterische, funktionale, pflegeorientierte und Klimaanpassungs-Aspekte eine Rolle. So wird eine lückenlose Blühabfolge im Hinblick auf die Förderung und Versorgung von Insekten – hier seien vor allem Wildbienen genannt – angestrebt. Ein weiteres Leitmotiv wird der Aspekt der Herbstfärbung sein. Durch die gezielte Auswahl und Zusammenstellung verschiedener Baumarten, kann ein gestalterischer Effekt erzielt werden, der dem sogenannten „Indian Summer“ im westlichen Nordamerika ähnelt und eine hochwertige und nachhaltige Entwicklung der Parkanlage auf den Weg bringt.
Die Entwicklungsziele lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Deutliche ökologische Aufwertung der Vegetation durch langfristige Vegetationsanpassung. Sukzessive Anpassung und Umbau des Gehölzbestandes aus klimatischer Sicht. Förderung der Trockenheitsresistenz als Reaktion auf die Zunahme sommerlicher Trockenperioden Förderung von Flächen, die eine temporäre Überflutung bei Starkregenereignisse ermöglicht. Erhöhung und Förderung der Biodiversität zur Förderung der Insekten/Bienen. Verbesserung der Gehölzpflege. Förderung und Weiterentwicklung der Freiraumqualitäten und des Naturraumes Wöhrder Wiese. Potential der Wöhrder Wiese als bioklimatischer Ausgleichsraum beachten und stärken. Erhalt der Sichtachsenbeziehung „Wöhrder Wiese – Innenstadt“. Einbindung der Sondernutzungsflächen (Erfahrungsfeld der Sinne, Biergarten, Zirkus).
Maßnahmen zur Entwicklung der Parkanlage Wöhrder Wiese
Hauptmaßnahme zum Vegetationsumbau ist die Nach- und Neupflanzung von Bäumen und Sträuchern, sowohl als Ausgleich und zur Erhöhung der Baumanzahl. Bei der Baumartenauswahl zur Nach- und Neupflanzung ist einerseits zu beachten, dass die Wöhrder Wiese in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Andererseits ist zwingend auf die Klimafestigkeit neu gepflanzter Gehölze zu achten. Für die Auswahl geeigneter Arten bezüglich des Aspektes „Klimafestigkeit“
wurde unter anderem auf die Ergebnisse des „Projektes Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) zurückgegriffen. Folgende wichtige Entwicklungsmaßnahmen gemäß beiliegender Plandarstellung sind umzusetzen: 1) Böschungssicherung mit Sträuchern 2) Blühwiese für Schattenlagen 3) Freistellung des Zugangswegs zum Prinzregentenufer 4) Aufbau naturnaher, mehrstufiger Gehölzsäume aus Blühsträuchern 5) Anlage von Zeidler-Wiesen: mehrjährige Blühwiesen am nördlichen Rand (Südhang) und am Südrand der Parkanlage als Biotop.
Die übrigen im Plan genannten Maßnahmen sind Vorschläge zur Objektplanung und werden gesondert geplant, instruiert und vorgestellt. Der Entwicklungsplan dient dem Erhalt der bestehenden Gestaltung und soll diese optimieren. Alle Maßnahmen werden im Einklang mit geltendem Naturschutzrecht umgesetzt und die Festsetzung der Wöhrder Wiese als Landschaftsschutzgebiet wird bei allen Aktionen beachtet. Der Artenschutzaspekte, hier seien Fledermäuse und Biber beispielhaft genannt, finden dabei eine besondere Berücksichtigung.
Die Maßnahmen sind mit dem Umweltamt und dem Naturschutzbeirat abgestimmt.