Beilage 3.1
zur Sitzung des Sozialausschusses am 02.12.2021
Quartiersorientierte Altenhilfe mit Seniorennetzwerken und kleinräumigen sozialen Treffpunkten – Auswirkungen der Pandemie auf den Ausbau und die laufende Arbeit (Jahr 2020
bis Oktober 2021)
- Ausbau der quartiersorientierten Seniorenarbeit - Aktueller Stand des Ausbaus mit Perspek-
tive 2022/2023
Die sehr unterschiedlichen Gegebenheiten in den verschiedenen, im Rahmen des Ausbaus und der Weiterentwicklung der Quartiersorientierten Seniorenarbeit noch ausstehenden Gebieten wurden anhand von Voruntersuchungen und weiterführenden Untersuchungen seitens des Seniorenamts beleuchtet. Entsprechend den jeweiligen Analyseergebnissen wurden Maßnahmen geplant und umgesetzt:
Im Süden wurde Ende 2019 das Seniorennetzwerk Nürnberger Süden (statistische Bezirke 48 „Katzwang / Reichelsdorf Ost / Reichelsdorfer Keller“ und 49 „Kornburg / Worzeldorf“) neu implementiert. Für die statistischen Bezirke 54 „Reichelsdorf“ und 55 „Mühlhof“ wurde entsprechend dem sozialräumlichen Ausbauplan der quartiersorientierten Seniorenarbeit im Sommer 2020 eine Sozialraumanalyse mit externer Unterstützung begonnen. Der für Ende 2020 geplante zweite Teil der Sozialraumanalyse, die Beteiligungsworkshops mit älteren Bewohnerinnen und Bewohnern, konnte aufgrund von Kontaktbeschränkungen nicht durchgeführt werden. Die Verzögerungen bei der Sozialraumanalyse hatten zur Folge, dass die durchführende Kraft nach Beendigung der Kontaktbeschränkungen nicht mehr zur Verfügung stand. Mit einer Fertigstellung der Analyse ist Anfang 2022 zu rechnen.
Die noch fehlenden Gebiete der Bezirke 31 „Rangierbahnhof-Siedlung“, 30 „Dutzendteich“, 40 „Hasenbuck“ und 41 „Rangierbahnhof“ werden perspektivisch in die Sozialplanung von Ref. V im Rahmen des übergreifenden Stadtentwicklungsgebietes Brunecker Straße einbezogen. Aus diesem Grund werden diese Bezirke erst im weiteren Verlauf dieser Stadtplanungsprozesse von SenA verstärkt betrachtet. Die Gebiete der Bezirke 46 „Werderau“ und 50 „Hohe Marter“ sind Bindeglieder zum Neubaugebiet „Tiefes Feld“, für das ebenfalls Stadtentwicklungsprozesse anstehen. Auch hier sind weitere Entwicklungen noch abzuwarten.
Im Osten kann mit dem Bezirk 94 „Laufamholz“ ab November 2021 der Treffpunkt „Mittwoch Aktiv“ des evangelischen Gemeindevereins Laufamholz/Rehhof in das Förderprogramm des Seniorenamts aufgenommen werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Akteure der Bezirke 28 „Tullnau“ und 29 „Gleißhammer“ werden teilweise bereits durch Angebote und Vernetzungsaktivitäten der benachbarten Seniorennetzwerke Südstadt Ost bzw. Zabo/Mögeldorf erreicht.
Im Norden mit den statistischen Bezirken 70 „Westfriedhof“, 71 „Schniegling“, 72 „Wetzendorf“, 74 „Thon“ sowie 83 „Marienberg“ konnte ab 1.11.2021 eine Kooperationsvereinbarung mit Diakoneo KdöR abgeschlossen werden. Der erste Runde Tisch Seniorenarbeit ist für das erste Quartal 2022 vorgesehen. Der an Ziegelstein grenzende statistische Bezirk 85 „Mooshof“ wurde in das Seniorennetzwerk Ziegelstein Buchenbühl eingegliedert.
Die Sozialraumanalysen für das Gebiet Knoblauchsland mit den Bezirken 73 „Buch“, 75 „Almoshof“, 76 „Kraftshof“, 77 „Neunhof“, 78 Boxdorf“ und 79 „Großgründlach“ sind für das Jahr 2022 geplant.
Das westliche Gebiet mit den statistischen Bezirken 60 „Großreuth bei Schweinau“, 61, „Gebersdorf“, 62 „Gaismannshof“ und 63 „Höfen“ sind noch nicht in die quartiersorientierte Seniorenarbeit des Seniorenamts eingebunden. Im Zuge der Ausbauplanungen ist eine Sozialraumanalyse geplant, die den Bedarf an Infrastruktur aus Sicht der Akteure sowie der Bewohnerinnen und Bewohner gezielt ermitteln soll. Diese ist frühestens für das Jahr 2022 geplant.
In der Altstadt bildet die Cafeteria im Treff Heilig-Geist einen wichtigen Ausgangspunkt. Der bisherige Träger hatte den Betrieb aufgrund unternehmensstruktureller Veränderungen im Frühjahr 2020 aufgegeben. Eine Revitalisierung der Begegnungsstätte im Heilig-Geist-Haus als Tagescafé und zugleich attraktiver Seniorentreff mit unterschiedlichsten Angeboten und Programmen wird Aufgabe für das nächste Jahr sein.
Mit den genannten, jeweils mehrere statistische Bezirke umfassenden Gebieten ist das gesamte Stadtgebiet weitgehend vollständig in die sozialräumlichen Planungen bzw. den Ausbau von Teilhabestrukturen einbezogen. Die Umsetzung der aufgezeigten Planungen ist auf 3 Jahre angelegt, allerdings ist die Umsetzung maßgeblich von der Haushaltsentwicklung abhängig. Auch die unabsehbare Entwicklung der pandemischen Lage erschwert eine seriöse Prognose über die Geschwindigkeit des Ausbaus der quartiersorientierten Seniorenarbeit in Nürnberg.
- Auswirkungen der Pandemie auf die laufende Arbeit der quartiersorientierten Senioren-
arbeit für die Jahre 2020/2021
Im Jahr 2020 sind im Vergleich zum Jahr 2019 die Kontakte zu älteren Menschen im Rahmen von Veranstaltungen, Gruppenangeboten und Kursen stark rückläufig. (Für 2021 erfolgte eine qualitative Auswertung, detaillierte Zahlen lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch nicht vor.) Die mit der Pandemie einhergehenden Kontaktbeschränkungen, insbesondere zu Zeiten des Lockdowns, haben zeitweise zum vollständigen Erliegen von Gruppenangeboten geführt.
Wegen umzusetzender Abstands- und Hygieneregeln konnten auch in Phasen, in denen Kontakte gemäß Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wieder erlaubt waren, die Gruppenaktivitäten nicht wie gewohnt wiederaufgenommen werden. Gruppen mussten verkleinert werden und manche Angebote konnten nicht wiederaufgenommen werden, weil z.B. keine von der Größe geeigneten Räume zur Verfügung standen. Hinzu kommt, dass sich ein Teil der älteren Menschen aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus sehr stark zurückgezogen hat.
Die Koordinierenden der Seniorennetzwerke haben schon in der ersten Phase der Pandemie in enger Abstimmung mit dem Seniorenamt schnell auf die veränderten Umstände und Bedingungen in ihrer Arbeit reagiert. Bereits zu Beginn der Pandemie wurden besonders ältere Menschen als vulnerable Personen für einen schweren Krankheitsverlauf identifiziert. Dies führte dazu, dass gerade dieser Personengruppe angeraten wurde, Kontakte wo möglich zu vermeiden und zu Hause zu bleiben. Um die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs für Ältere sicherzustellen, wurde seitens der Stadt ein Angebot ehrenamtlich tätiger Einkaufshilfen aufgebaut. Mit dieser telefonischen Hotline haben die Koordinierenden der Seniorennetzwerke zusammengearbeitet und bei Bedarf auch weiterführende Unterstützung, z.B. zur Vermeidung von Einsamkeit, angeboten.
Schwerpunktmäßig mussten 2020, aber auch 2021 Wege gefunden werden, trotz der Kontaktbeschränkungen eine potentiell drohende Vereinsamung älterer Menschen zu vermeiden und seitens der Seniorennetzwerke veränderte Angebote der Sozialen Teilhabe zu gestalten. Mit Kreativität wurden vielfältige Ideen entwickelt, um Angebote der sozialen und kulturellen Teilhabe sowie für Bildung und Gesundheitsförderung immer wieder an die sich verändernden Bedingungen und Regelungen anzupassen. 1:1 Kontakte mit anderen Seniorinnen und Senioren sowie den Koordinierenden selbst wurden
ermöglicht bei Spaziergängen, am Telefon, beim Fenstergespräch oder per Post. Gruppen hielten Kontakt per Post, telefonisch oder wenn möglich digital. Und Angebote der sozialen Teilhabe und Gesundheitsförderung wurden ständig angepasst und weiterentwickelt (z.B. OTAGO unterwegs oder Gedächtnistraining per Post, Briefreundschaften zu Schülerinnen und Schülern)
Nachfolgend werden einige wesentliche Trends von Angeboten der sozialen Teilhabe und zur Gesundheitsförderung der letzten Jahre, die sich in der Alltagspraxis der Seniorennetzwerke zeigen, beschrieben:
Die dokumentierten absoluten Zahlen von Einzelkontakten sind zwischen 2012 (8 Seniorennetzwerke) und 2020 (16 Seniorennetzwerke) auf das rund 4-fache angestiegen (die Zahl der Seniorennetzwerke in diesem Zeitraum auf das doppelte). Der Anteil der Einzelkontakte mit Seniorinnen und Senioren bewegt sich über die Jahre bei Werten zwischen rund 60 und 72 %; schließt man die unmittelbaren Bezugspersonen der älteren Menschen mit ein (z.B. Angehörige, Nachbarn, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer), wird erkennbar, dass sich die Funktion der Koordinator/innen als Anlaufstellen und Schlüsselpersonen im Quartier (z.B. wohnungsnahe Information, Basisberatung, „Lotsenfunktion“, Weitervermittlung an andere Hilfsangebote) auf sehr hohem Niveau etabliert hat. Die Anzahl der Kontakte in Veranstaltungen hat sich zwischen 2013 und 2019 mehr als verfünffacht. Im Jahr 2020 ist die Anzahl der Kontakte in Veranstaltungen stark rückläufig und sinkt sogar unter das Niveau von 2013, was dem Umstand zuzuschreiben ist, dass die pandemiebedingten (Kontakt-)Beschränkungen über lange Phasen keine Gruppenangebote erlaubt haben. Es wird sich zeigen, ob und wann das vor-pandemische Niveau an Kontakten im Rahmen von Veranstaltungen wieder erreicht wird. Die Zahl der Seniorennetzwerke ist in diesem Zeitraum von 11 auf 16 und somit lediglich um rund ein Drittel gestiegen. Die Zahlen einschließlich des Jahres 2019 verweisen darauf, dass die Koordinierenden neben der individuellen Informations- und Beratungstätigkeit für ältere Menschen auch im Hinblick auf Teilhabeförderung, Präventionsangebote und Veranstaltungsformate in den Quartieren dauerhaft etablieren konnten und deutlich gesteigert haben. Gleiches gilt für die Vernetzungsarbeit mit Akteuren im Quartier: die Anzahl von Kontakten ist von 2012 bis 2020 um das 4,3-fache angestiegen (die Anzahl der Seniorennetzwerke in diesem Zeitraum um das 2-fache). Dies zeigt insgesamt, dass sich mit zunehmender „Laufzeit“ eines Seniorennetzwerks die Netzwerkarbeit verdichtet und intensiver wird, da zunehmend Vertrauen der Akteure in das Netzwerk entsteht und die Zusammenarbeit damit selbstverständlicher wird; auch die steigende Zahl von Kontakten zu Älteren und von Veranstaltungen führt zu mehr Organisations-, Abstimmungs-, Informations- und Kooperationsaufgaben bei den Koordinierenden; hinzu kommt im Sinne der Lotsen- und Multiplikatorenfunktion auch eine wachsende Zusammenarbeit mit stadtteilübergreifenden Organisationen. Netzwerkübergreifende Schwerpunktprojekte waren o die Implementierung von „Anlaufstellen für ältere Menschen“ und die Stärkung freiwilliger und nachbarschaftlicher Strukturen o der Umgang mit psychischen Belastungen im Alter, die Alltagsbewältigung, Alltagsgestaltung, Wohnen und häusliche Versorgung, o Armut im Alter / Gesundheit und Pflege, o sowie die Arbeit im Netzwerke (Vernetzung von Akteuren, Vernetzung der Seniorennetzwerke untereinander, Kooperation mit stadtteilübergreifenden Organisationen).