Haushaltssperre

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Sachverhalt Bericht ESP 02.12.2021

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Sozialausschuss Energie & Versorgung Umwelt & Klima Haushalt & Finanzen Soziales & Gesundheit Digitalisierung & Verwaltung

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Beilage

zur Sitzung des Sozialausschusses am 02.12.2021

Sachstandsbericht

Das Energiesparprojekt: soziale, wirtschaftliche und ökologische Wirkungen

Seit mehr als 12 Jahren beraten Fachleute aus dem Bereich Bau, Umwelt und Technik kostenlos Leistungsempfangende und einkommensschwache Haushalte im Rahmen des Energiesparprojekts der Stadt Nürnberg. Finanziert wird das Projekt mit einer jährlichen Spende des Energieversorgers N-ERGIE sowie kommunalen Mitteln der Armutsprävention. Ziel ist es dabei, die Haushalte zu befähigen, einen bewussten Umgang mit Strom, Heizung und Warmwasser zu erlernen und so Kosten und Energie einzusparen.

Neben dem sozialen Schwerpunkt, die Haushalte in ihrer indiviuellen Lebenslage beim Thema Energie zu unterstützen, sowie dem wirtschaftlichen Schwerpunkt, Haushalten bei der Reduktion ihrer Energiekosten behilflich zu sein, tritt auch der ökologische Schwerpunkt CO einzusparen vermehrt 2 in den Vordergrund. Das Thema Klimaschutz wird die nächsten Jahre und Jahrzehnte prägen. In diesen Prozess müssen alle Bevölkerungsgruppen mit einbezogen werden.

Das Energiesparprojekt leistet dabei für die Nürnberger Bürgerinnen und Bürger einen wichtigen Beitrag. Im Folgenden wird ausgeführt, welche Maßnahmen konkret als Unterstützungsleistungen im Rahmen des Energiesparprojekts angewandt werden und wie diese bei den Betroffenen wirken.

Einordnung des Beratungsangebots

Im Sozialbericht der Stadt Nürnberg aus dem Jahr 2006 wurden Armutsfallen definiert, dabei wurden die „Energiekosten“ als eine der „Armutsfallen“ identifiziert. Dieser Sachverhalt betrifft in besonderem Maße Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger sowie Geringverdienende. Um das Risiko für eine sich verschärfende Armutslage zu veringern, wurde das Energiesparprojekt im Jahr 2008 konzipiert und im Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt im Stab Armutsprävention angesiedelt. In einem Pilotversuch startete das Beratungsangebot 2009 für eine ausgewählte Zielgruppe.

Das Konzept sieht vor, selbstständige berufserfahrene Fachleute (Diplom-Ingenieurinnen und Ingenieure, Architektur, Bauphysik, Heiz-/Anlagentechnik) mit abgeschlossener Energieberater-Ausbildung (qualifiziert für Eintrag in die BAFA-Expertenliste) für die Beratungen vor Ort, zu beauftragen. Neben der bautechnischen Ausbildung und Qualifizierung, die nachzuweisen ist, erhalten die Energieberaterinnen und Energieberater regelmäßig Schulungen im sozialen bzw. sozialrechtlichen Bereich. Die Haushalte melden sich freiwillig für das kostenlose Beratungsangebot an. Meist kommt der Kontakt über Kooperationspartner (Jobcenter, Sozialamt oder Sozialdienste der Stadt Nürnberg) zustande.

Die Erstberatung findet dann zu einem verbindlichen Vor-Ort- oder Onlinetermin statt, bei dem eine erste Analyse der Situation des Haushaltes hinsichtlich des Nutzerverhaltens (Umgang mit Energien) und seiner Wohnsituation (bauliche Gegebenheiten) durchgeführt wird. Im Beratungsverlauf kann der Haushalt dank verschiedener Maßnahmen weiter unterstützt werden, beispielsweise durch eine Stellungnahme zum Heizkostenaufwand aufgrund baulicher Nachteile oder eine Spende (finan-

zielle Unterstützung durch Kooperationspartner `Freude für Alle´) für ein energieeffizientes Elektrogroßgerät. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Formen der Unterstützung genauer beleuchtet und ihre Wirkung identifiziert.

Soziale Wirkung

Ein wichtiges Projektziel ist die Energieschuldenprävention und Kostenentlastung für einkommensschwache Haushalte. Diese sollen zu einer nachhaltigen Senkung ihres Energieverbrauchs befähigt werden. Durch eine dauerhafte Energieeinsparung kann Verarmungstendenzen gezielt und nachhaltig entgegengewirkt und können Stromsperren abgewendet werden.

Umgesetzt wird dieses Ziel mittels einer intensiven, persönlichen Vor-Ort-Beratung (seit 2020 auch Onlineberatung) durch geschulte Energieberater und Energieberaterinnen. Aus einer Auswertung des Forderungsmanagements der N-ERGIE, anhand einer Stichprobe von Kunden, bei denen eine Sperrung angedroht wurde und die eine Beratung in Anspruch genommen haben, wurde ersichtlich, dass diese Haushalte nicht erneut das Sperrprocedere der N-ERGIE durchlaufen mussten. Das Energiesparprojekt scheint in diesem Bereich zu wirken

Neben der finanziellen Entlastung, die sich auf die soziale Lage der Haushalte auswirkt, spielt auch die Vernetzung der Energieberaterinnen und Energieberater zu weiteren Stellen eine zentrale Rolle. Im Rahmen der Energieberatung nehmen die Beratenden die Problematiken im Zusammenhang mit Strom, Heizung und Warmwasser als einen Teil der Lebenssituation des Haushalts wahr. Oft kommen weitere Bedarfe hinzu, bei denen die Energieberaterinnen und Energieberater auf entsprechende Unterstützungsangebote verweisen oder Kontakt herstellen können. Es bestehen intensive Kontakte zu den sozialen Diensten der Stadt (ASD und SFD), sowie zum Deutschen Mieterbund Nürnberg e. V. (DMB) oder der ISKA Schuldnerberatung. Rund 400 bis 500 Anmeldungen zu Erstberatungen werden pro Jahr verzeichnet.

Bei jedem dritten Haushalt wird Kontakt zu weiteren Stellen, sei es die Leistungsabteilung des Sozialamtes, Sachbearbeiterinnen und -bearbeitern des Jobcenters, Bezirkssozialarbeiterin bzw. Bezirkssozialarbeiter oder zu verschiedenen Beratungseinrichtungen, aufgenommen. Dies geht aus den Beratungsprotokollen, die im Rahmen der Energieberatung von Beraterinnen und Beratern ausgefüllt werden, hervor.

Die Anzahl der Anmeldungen zur Energieberatung sowie die Anzahl der jährlich verfassten Stellungnahmen werden im Folgenden im Verlauf der Jahre 2009 bis 2020 aufgeführt. Im Jahr 2020 ist ein deutlicher Einbruch aufgrund der Corona-Pandemie zu verzeichnen.

ESP ENTWICKLUNG

663377

558877 559922

551199

448877 448866 550000

443300

440000

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227733 228844

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117777 118866 118822 119966 117755

112244 111122

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5544 6688

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Anzahl der Beratungsanfragen Stellungnahmen

Wirtschaftliche Wirkung

Auf Basis eines standardisierten Erfassungsbogens, der im Rahmen der Energieberatungen genutzt wird, wurde errechnet, dass die Haushalte rund 250 € im Jahr durchschnittlich einsparen, wenn sie nach der Energieberatung die Informationen und Hinweise umsetzen. Im Beratungskontext erhalten die Haushalte kostenlose Give Aways, wie zum Beispiel energiesparende LED Leuchtmittel oder schaltbare Steckerleisten, die sie beim Energiesparen motivieren und unterstützen sollen.

Wird in der Energieberatung ein veraltetes oder reparaturbedürftiges Elektrogroßgerät (sogenannte „Weiße Ware“: Kühlschrank, Waschmaschine) identifiziert, kann der Energieberater oder die Energieberaterin die Anschaffung eines energieeffizienten Neugeräts durch einen Spendenantrag (aus der Spendenaktion `Freude für Alle´) mit 300 € unterstützen. Die Bedürftigkeit wird hier über die sozialen Dienste der Stadt Nürnberg geprüft. Gerade veraltete Elektrogroßgeräte können zu einem erheblichen unbewussten Stromverbrauch führen. Neben der kostenlosen Lieferung und Montage des Neugeräts ist bei diesem Vorgang auch die Entsorgung des Altgeräts (Kooperationspartner Media Markt) vorgesehen. Im Jahr werden durchschnittlich 30 bis 40 Unterstützungsprozesse dieser Art angestoßen.

Eine weitere Unterstützungsmaßnahme, die zu einer wirtschaftlich positiven Wirkung für die Haushalte führt, ist die individuelle Festlegung der angemessenen Heizkosten in Form der Stellungnahme zum Heizkostenaufwand. Hier spielt die Lage und Ausrichtung der Wohnung, der Zustand der Gebäudesubstanz und auch der Heiztechnik eine zentrale Rolle. Der durch den Energieberater oder die Energieberaterin errechnete individuelle Betrag wird in der Regel durch die Leistungsträger anerkannt. Vor allem Haushalte in schlecht isoliertem Gebäudebestand mit veralteter Heiztechnik (z. B. Nachtspeicherofen) können von dieser Kooperation mit dem Jobcenter und dem Sozialamt profitieren. Im Jahr 2020 wurden coronabedingt lediglich 82 Stellungnahmen verfasst, 2019 waren es 175. Für das Jahr 2021 stellt sich ein ähnliches Niveau wie 2019 ein.

Ökologische Wirkung

Eine wesentliche Maßnahme, um dem Klimawandel und seinen Folgen zu begegnen, ist die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes.

Es kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass Nutzern einer Wohnung die bauphysikalischen Hintergründe der Bedienung von Thermostatventilen ihrer Heizkörper, des regelmäßigen und korrekten Lüftens sowie zahlreicher weiterer relevanter Verhaltensweisen bekannt sind. So spielen beispielsweise kulturelle Hintergründe, der Energiegewinnung und infolge der Umgang mit Energie im Herkunftsland sowie der Bildungsstand eine Rolle. Auch der Umgang mit Elektrogroßgeräten sowie das Entziffern energetischer Kennwerte auf Verpackungen bei Geräteneuanschaffungen sind nicht selbstverständlich.

Gezielte Beratungen durch das Energiesparprojekt für einen bewussten Umgang mit der Heizung, der Lüftung und mit Stromverbrauchern stellt sich daher als zielführender Lösungsansatz dar. Die beiden Bereiche Heizung und Warmwasser sind darüber hinaus Punkte, bei denen die Kommune aktiv Einfluss auf Gewährungsmaßstäbe bei Leistungsempfängern und -empfängerinnen nehmen kann, denn die Kosten für Unterkunft und Heizung werden in regelmäßigen Abständen von der Kommune angepasst und Richtwerte definiert.

Bei den Entscheidungen für Modernisierungsmaßnahmen spielen in Städten Mietverhältnisse und nicht selten auch komplexe Eigentumsverhältnisse eine einschränkende Rolle. Viele denkbare Maßnahmen zur CO Reduktion stehen nicht im Einflusbereich der Mieterinnen und Mieter. Mieterinnen 2und Mieter können ihren Teil zum Erreichen der Ziele dennoch durch bewusstes Wohnen beitragen. Das Nutzerverhalten bietet hierzu ein enormes Potential, denn durch einen bewussten und sparsamen Umgang mit Strom, Heizung und Warmwasser lassen sich im Durchschnitt zwischen 10 % und 15 % Energie einsparen (mit Kosten von durchschnittlich bis zu 250 € im Jahr).

Aus den Dokumentationen der vergangenen Jahre geht hervor, dass durch die Energieberatungen im Rahmen des Energiesparprojekts Haushalte pro Jahr durchschnittlich 400 kWh Strom und 500 kWh Heizenergie einsparen konnten.

Mit Hilfe von zwei Umrechnungsfaktoren lässt sich berechnen, wie viel CO damit durch das Ener- 2 giesparprojekt bereits eingespart werden konnte. Der CO -Emissionsfaktor, welcher die verursach- 2 ten Gramm Kohlenstoffdioxid pro anfallende Kilowattstunde bestimmt, fließt mit einem Wert von 0,537 für Strom und 0,202 für Heizenergie ein. Zur Vervollständigung des ökologischen Nutzens wird in diesem Zusammenhang weiter der Primärenergiefaktor, der als ein Indikator für die eingesetzte Energiemenge von der Energiequelle bis zu den Privathaushalten verstanden werden kann, angewandt. Dieser beträgt für Strom 1,8, für Gas 1,1.

Die rechnerisch ermittelten möglichen CO -Einsparungen belaufen sich, in Abhängigkeit vom tat- 2 sächlich umgesetzten Nutzerverhalten, den Witterungsbedingungen sowie den Energiepreisentwicklungen, auf durchschnittlich 315,80 kg pro Haushalt bzw. 110,5 Tonnen bei 350 beratenen Haushalten im Jahr. Für den Zeitraum 2011 bis 2021 ergeben sich damit in der Summe rund 1.110 Tonnen. Statistisch entspricht dies einer Einsparung an Primärenrgie von rund 4.450 Megawattstunden in zehn Jahren. Dies stellt auch einen relevanten Beitrag für die Erreichung der klimapolitischen Ziele der Stadt Nürnberg dar.

Fazit und Entwicklungen für die kommenden Jahre

Seit 2009 besteht das Energiesparprojekt im Regelbetrieb. Die Nachfrage hat sich dabei stetig entwickelt und ist nun (abgesehen von 2020) auf einem stabilen Niveau. Gerade im Hinblick auf die zu erwartenden Preissteigerungen im Energiesegment ist das Energiesparprojekt eine wichtige Ergänzug in der Beratungslandschaft in Nürnberg.

Mit dem Thema Klimaschutz steht uns für die nächsten Jahrzehnte eine große Aufgabe bevor. Das Energiesparprojekt kann mit seinem Beratungsangebot dabei unterstützen, wirklich alle Bevölkerungsgruppen bei diesem Prozess mitzunehmen.

Ein weiteres Thema für die nächsten Jahre wird die Digitalisierung sein. Bereits jetzt bietet das Energiesparprojekt ein Onlineberatungsformat an. Mittelfristig soll auch der gesamte Bearbeitungsprozess konsequent digital gestaltet und in den Beratungsablauf integriert werden (z.B. Aufnahme der beratungsrelevanten Daten via Tablet und Übertragung in eine Datenbank zur Schaffung umfassenderer Auswertungsmöglichkeiten).

Auch die Erschließung neuer Bewerbungskanäle ist ein Thema, das in Zusammenhang mit Entwicklungspotentialen zu nennen ist. Neben der eigenen Homepage sollen verstärkt auch soziale Netzwerke genutzt werden. Das Thema Energiesparen bietet hier Möglichkeiten, Interessierte praxisnah und niedrigschwellig mitzunehmen.

Nürnberg, November 2021 Amt für Existenzsicherung und soziale Integration - Sozialamt

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