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01 Sachverhalt

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Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

Museen der Stadt Nürnberg - Jahreskontrakt 2022

Auch in 2022 gilt es für die Museen der Stadt Nürnberg, langfristig wirksame Weichen hinsichtlich baulicher Erneuerung und musealer Perspektivwechsel angesichts oft überholter Erzählungen zu stellen. Allein für sechs der acht Häuser sind solche technischen und formatspezifischen Ertüchtigungen grundsätzlicher Dimension in Planung: Sie betreffen Sanierung und Präsentationserneuerung von Spielzeugmuseum, Stadtmuseum im Fembo-Haus, Museum Industriekultur und Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

Des Weiteren ist für das Memorium Nürnberger Prozesse ein separates Besucherzentrum in Vorplanung. Und das noch junge Haus des Spiels am Egidienplatz wird für seinen zukünftigen Vollbetrieb von der vorherigen Sanierung des historisch wertvollen Baukomplexes Pellerhaus/Imhofhaus abhängig sein. Für diese beiden Vorhaben besteht zudem Abhängigkeit von der Erringung externer Bundes- oder Landesfördermittel, für das Memorium verbunden mit der Aussicht auf einen UNESCO-Welterbetitel.

Die Museen der Stadt Nürnberg bemühen sich in enger Kooperation mit anderen Dienststellen auch in 2022 mit größtem Elan um solche Drittmitteleinwerbungen.

Im Veranstaltungsprogramm liegt das Augenmerk 2022 darauf, ein divers-attraktives Themenportfolio anzubieten. Es umfasst stadthistorische Themen (Dürer und Wien, Mental Maps) und partizipative Formaten (Begehbares Besucherbuch) ebenso, wie Interkulturelles (Türkisches Spielzeug) und brisante Themen gegenwartsbezogener Erinnerungskultur (Geschichte des Rechtsterrorismus).

A) Langfristige Maßnahmen: Fortgang der strukturellen Erneuerungen und Sanierungen der städtischen Museumsfamilie in 2022, Strukturprojekte aus der Kulturhauptstadtbewerbung, Strategieentwicklung Nachhaltigkeit und Gemeinwohlsensibilität in der Museumsorganisation

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände wird auch im einundzwanzigsten Jahr seines Bestehens vor großen Aufgaben stehen. In 2022 wird im nördlichen Kopfbau der Kongresshalle eine weitere Geschossebene erschlossen (Baumaßnahme 2020-2024). Der Baufortschritt verläuft Stand Okt. 2021 auch in 2022 nach Plan. Mit einer Kostensteigerung ist aufgrund massiv erhöhter Preise im Baugewerbe zu rechnen (nun gesamt etwa 20 Mio. Euro). Weiterhin wird in 2022 die Neukonzeption der dort zu installierenden Dauerausstellung sowie eines Medien- und Recherchezentrums fortbetrieben (gesamt 7,4 Mio. Euro, zu 75% von Bund und Freistaat gefördert werden). Eröffnungsszenario: 2024

Nach inzwischen erfolgter BIC-Anmeldung werden Sanierung und technische Modernisierung des Stadtmuseums im Fembo-Haus in Angriff genommen. Sie erfolgen in Verbindung mit der Einrichtung einer neuen Dauerausstellung in zwei Gebäudeabschnitten. Das Vorhaben wird erheblich unterstützt durch bereits länger in Aussicht gestellte und in 2022 nun abrufbare Mittel der „Theo und Friedl Schöller-Stiftung“ (1 Mio. Euro).

In Fortsetzung befinden sich in 2022 auch die beiden aus der Kulturhauptstadtbewerbung resultierenden Strukturprojekte bei den städtischen Museen: Haus des Spiels (HdS) und Museum Industriekultur (IK). Das HdS mit dem Spielearchiv als Nukleus im Pellerhaus wird dazu drei Komponenten der Kulturhauptstadtbewerbung weiter betreiben: die Weiterführung der Bauplanung ab LP 5, die programmatische Ausrichtung des Hauses durch die Veranstaltungsreihe „Testspiele“ und die Sammlungsarbeit des Deutschen Spielearchivs. In 2022 soll das HdS zudem als perspektivischer kultureller Hotspot zur Steigerung der Aufenthaltsqualität am Egidienplatz intensiv in der Bürgerschaft

kommuniziert und rückgekoppelt werden. Zum Strukturprojekt Museum Industriekultur werden in 2022 die Weiterentwicklung des inhaltlichen Konzepts für die museale Neukonzeption ebenso zählen wie die Fortführung des Oral-History-Projekts „Im Schleudergang“ (Originalaufnahmen von Arbeitererinnerungen der 1970er Jahre) sowie die Vorbereitungen für das Ausräumen des Museums.

Nach Abschluss der Foyer-Erneuerung (Oktober 2021) steht im Spielzeugmuseum für die Folgejahre die Erneuerung der Obergeschosse 1 bis 3 an. Das Spielzeugmuseum hat dabei weiterhin Pionierfunktion im Hinblick auf zukünftige Nachhaltigkeitssensibilität im städtischen Museumsbetrieb, auf Gemeinwohlbilanz und Berücksichtigung der „Sustainable Development Goals“ bei KuM. In 2022 werden dort Erfahrungen zu deren praktikabler Umsetzbarkeit für die anderen in Erneuerung befindlichen städtischen Museen gesammelt.

B. Ausgewählte Ausstellungen und Veranstaltungen für das Jahr 2022

„Begehbares Besucherbuch“ im Museum Industriekultur

17.2. - 6.11.2022

Die zukünftig dauerhafte Präsentation im „neuen“ Museum Industriekultur will

BesucherInnenwünsche an das Museum besonders sorgfältig ermitteln. Zu den Fragen „Was holt dich

vom Sofa?“, „Was haut dich vom Hocker?“, „Worauf fährst du ab?“ können sich diese ab Frühjahr 2022

an drei Befragungsstationen wie in einem Besucherbuch zu den Themen Motivation des

Museumsbesuchs, inhaltliche Interessen und bevorzugte Formen der Vermittlung äußern. Hierzu

liegen Post-It-Notizzettel bereit. Ergänzend dazu wird ein digitaler Fragebogen auf einem Tablet

angeboten, der die vorherigen Fragen reflektiert aufgreift und systematisch vertieft.

„Albrecht Dürer? Ein rätselhaftes Meisterwerk“ im Albrecht-Dürer-Haus

19.5. - 4.9.2022

Vor kurzem kamen bei Reinigungsarbeiten im Wiener Stephansdom Reste einer Bemalung aus der

Dürerzeit zu Tage, deren Unterzeichnung an Dürer erinnert. In der Fachwelt wird seither kontrovers

ihre Zuschreibung an den Nürnberger diskutiert. Denn bisher gab es keinerlei Hinweise auf einen

Aufenthalt Dürers in Wien. Die Ausstellung wird diesen wissenschaftlichen Diskurs zum Anlass

nehmen, auf populäre Weise sogenannte „divergierende Forschungsstände“ in der Biografie des

Nürnberger Superstars darzustellen. Besucherinnen und Besucher können sich am Ende ein Bild von

den Argumenten und Gegenargumenten machen, ihr eigenes Urteil fällen und so selbst zu

DürerforscherInnnen werden. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Österreichischen

Bundesdenkmalamt, der Dombauhütte St. Stephan in Wien und der Hochschule für Bildende Künste

Dresden mit den Museen der Stadt Nürnberg.

„Mental Maps & Brüder Schmidt“ (AT) im Stadtmuseum im Fembo-Haus

15.7. - 16.10.2022

Die Sonderausstellung „Mental Maps & Brüder Schmidt“ (Arbeitstitel) im Stadtmuseum im Fembo-

Haus nimmt den hundertsten Todestag des Aquarellmalers Georg Schmidts zum Anlass einer aktuellen,

kreativen und kritischen Auseinandersetzung mit dem heutigen Nürnberg. Ausgehend von den

hunderten Aquarellen aus seinem Nachlass und den ebenso umfangreichen Fotografien seines Bruders

Ferdinand, sind BürgerInnen Nürnbergs aufgerufen, dieselben Orte neu zu erkunden und in von ihnen

frei gewählten Medien darzustellen. Eine Auswahl der Beiträge wird in der Ausstellung gezeigt und den

älteren Kunstwerken gegenübergestellt.

Ausstellung „Recht und Rechtsterrorismus seit 1945“ (AT) im Memorium Nürnberger Prozesse

seit 27.10. 2022

Die Sonderausstellung "Recht & Rechtsterrorismus seit 1945" (Arbeitstitel) hebt längere Traditionslinien von Rechtsterrorismus ins Licht. Beispiele aus der Stadt Nürnberg und Umgebung werden mit nationalen und internationalen Fällen in Beziehung gesetzt und dadurch gemeinsame ideologische Kernelemente sichtbar gemacht: Deutlich wird, dass Rechtsterrorismus keine temporäre und lokale Erscheinung der Gegenwart ist, sondern ein ständiger Begleiter der deutschen und internationalen Geschichte. Die Ausstellung wird ab Ende Oktober 2022 für ein Jahr im Ausstellungsort des Memoriums „Cube 600“ präsentiert. Gefördert wird das Projekt bislang von der Stiftung GLS- Treuhand (42.500 Euro), dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (20.000 Euro) und der Amadeu-Antonio-Stiftung

Auswahl weiterer Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationsformate bei den städtischen

Museen in 2022:

 Ausstellung „Traditionelles türkisches Kinderspielzeug“ (AT, Spielzeugmuseum)

 Ausstellung „Die Welt neu denken. Karikatur trifft Zukunft“ (Museum Industriekultur)

 „Volk Gesundheit Staat – Gesundheitsämter im Nationalsozialismus“. Kooperation mit

Gesundheitsamt Nürnberg (Memorium Nürnberger Prozesse, Cube 600)

 „Stein und Eisen. Skulpturen-Ausstellung Michaela Biet zum 65. Geburtstag“ (Garten des

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal)

 „Grenzenlos. Nürnberg trifft Afrika“. Internationales Festival der Partnerstädte (Garten des

Museums Tucherschloss und Hirsvogelsaal)

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