Stadtarchiv - Jahreskontrakt 2022
Raumsituation Die Büroräume am Königstorgraben 1 konnten im Januar 2021 bezogen werden. Für die vor allem angesichts der Arbeitsaufnahme des Records Centers notwendige Erweiterung der Magazinkapazitäten zeichnete sich im Sommer 2021 eine Lösung ab, die nun schrittweise umgesetzt wird. In einem Gebäude an der Nunnenbeckstr. 6-8 konnte eine Magazinetage im Untergeschoss angemietet werden. Die ausgewählten Räume sind nicht nur sofort nutzbar, sondern auch fußläufig von der Norishalle aus erreichbar und müssen nur noch fachgerecht möbliert werden. Ein stark gesicherter Raum innerhalb dieser Etage ermöglicht auch die Lagerung besonders gefährdeter Bestände. Deshalb wurden sie in der Evaluation anderen Standorten vorgezogen, in deren zunächst günstigen Quadratmeterpreisen sich erhebliche Unsicherheiten verbargen. Eine Alternative hierzu kann mittelfristig das Konzept der Stadt zur Nutzung der Kongresshalle bieten. Die Unterbringung einer Institution der historischen Kulturgüterpflege und des kulturellen Gedächtnisses in diesem provokanten baulichen Mahnmal an die Zeit der NS-Diktatur wäre eine hervorragende Gelegenheit, dessen Bestimmung umzudeuten und durch die Einlagerung von Archivalien ein zu Propagandazwecken errichtetes Bauwerk der Erinnerungskultur und der kritischen Geschichtsforschung zu widmen.
Überarbeitung der Satzungen Die zuletzt 2013 aktualisierte Gebührensatzung wird aktuell überarbeitet, auch hinsichtlich neuer Nutzungsarten im Rahmen von Social Media. Parallel erfolgt ein Digitalisierungscheck beider Satzungen zur Beseitigung bzw. künftigen Vermeidung von Digitalisierungshindernissen.
Aus- und Weiterbildung Die FAMI-Auszubildenden der letzten Generation haben im Juli 2021 ihre Prüfungen sehr erfolgreich abgeschlossen und konnten nach Av auf freiwerdende Stellen übernommen werden. Seit September 2021 sind nun drei FAMI-Azubi QE 2 und seit Oktober zwei Anwärter QE 3 im Hause, daneben befindet sich je ein Mitarbeiter in einem berufsbegleitenden Studium zur QE 3 bzw. QE 4. So hat sich die Zahl der Auszubildenden von drei auf sieben mehr als verdoppelt, was entsprechend das Stammpersonal in der Anleitung bei der Ausbildung fordern wird. Im Hinblick auf die großen personellen Veränderungen im Jahr 2024 ist dieses Engagement jedoch unbedingt erforderlich und dient der Sicherung von Kontinuität und Fachlichkeit in der Aufgabenwahrnehmung.
Einführung eines Records Centers – weitere Professionalisierung der Querschnittsaufgaben des Stadtar-
chivs (Behördenberatung, Zwischenarchiv, Aussonderung) bei erhöhtem Raumbedarf
Mit dem Rollout des Dokumentenmanagementsystems ELAN vollzieht sich ein Paradigmenwechsel, in dem die Kompetenz von Av in Fragen der Schriftgutverwaltung schon vor Entstehung der Dokumente, bei der Anlage des Aktenplanes für die Dienststellen eingesetzt wird. Von der geordneten elektronischen Aktenführung profitieren sie nun schon ab den frühesten Stadien im Lebenszyklus der Dokumente selbst und können Schriftgutverwaltung so als strategisches Element in der Ablauf-, Prozess- und Projektorganisation einsetzen, nicht nur als gesetzlich verordnete Dienstleistung für Av am Ende der eigenen Arbeit. Mit dem Zwischenarchiv, wofür das Magazin an der Nunnenbeckstr. maßgeblich angemietet wurde, bringt sich Av nun vielmehr als Servicestelle für diese Tätigkeiten im Bereich der Papierakten ein, als Pilotkunden fungieren hier die Dienststellen, die 2024 nach The Q umziehen werden. Zudem leistet das Records Center bereits Unterstützung bei der Ordnung und Aufbewahrung der Unterlagen des Impfzentrums. Der Transfer dieser Aufgaben
von den Fachdienststellen zu Av erfordert den Einsatz erheblicher Mittel, zahlt sich jedoch für alle Beteiligten aus. Gleiches gilt für die Konzeption und Entwicklung von Schnittstellen für den Export aus abgebenden Systemen und den Import in DiPS.kommunal. Lösungen zur Aussonderung aus dem DMS und zentralen Fachverfahren (z.B. Lebensmittelüberwachung und Gewerberegister) sind in der Erprobungs- bzw. hinsichtlich der Standesregisterdaten schon in der Umsetzungsphase.
Digitale Archivierung Bei der Digitalen Archivierung, die regelmäßig in bzw. mit DiPS.kommunal stattfindet, haben sich zwei zusätzliche Bedarfe ergeben, die in Abhängigkeit von den benötigten Schnittstellen 2022/23 gelöst werden können: Um die Speicherung (insbesondere massenhafter) digitaler Publikationen für unsere Spezialbibliothek zur Nürnberger Geschichte sicherstellen, sind Systeme neu zu entwickeln bzw. Abläufe zu organisieren mit dem Ziel, die Informationen in DiPS.kommunal dauerhaft vorzuhalten. Für (insbesondere audiovisuelle) Informationen, die aus extrem großen Datenmengen bestehen, ist eine Archivierung in DiPS.kommunal unwirtschaftlich. Hier ist die Konzeption und Einrichtung eines zusätzlichen WORM-Speichers im städtischen Rechenzentrum der Weg.
Digitaler Lesesaal bzw. Bereitstellung von Datenbankinformationen im Internet Die Einführung des Digitalen Lesesaals, die für 2020 nach dem Umstieg auf die neue Version Faust 9 unseres Datenbankprogramms geplant war, konnte wegen technischer Probleme und personeller Überlastung der IT in der Corona-Pandemie noch nicht durchgeführt werden. Die Grundsatzentscheidung, im Internet mit Strukturkopien zu arbeiten wurde jedoch getroffen. Seit Mitte 2020 ist nun auch die erste Lieferung an die DDB/Archivportal D in der Größenordnung von fast 120.000 Datensätzen freigeschaltet. Lieferungen mit weiteren 200.000 sind in Arbeit.
Konzept Partizipation und Migration (ParMi) Nach dem Wegfall der Drittmittel-Finanzierung und nach Streichung der (übergangsweise aus dem Budget von Av finanzierten) Projektstelle für den Forschungsschwerpunkt Zuwanderung nach Nürnberg sowie nach dem Auslaufen der Stellen für die KHS-Projekte Menschen machen Stadtgeschichte und Perspektivwechsel wurden die bisherigen Arbeiten evaluiert und konzeptionell so weiterentwickelt, dass für den Gesamtkomplex ein Konzept entsteht, das auch ohne den äußeren Umstand einer KHS-Bewerbung als Frucht des Bewerbungsprozesses dauerhaft trägt und für Av einen Ertrag aus diesem Verfahren auch ohne Gewinn des Titels bedeutet. Dauerhaft beantragt und für 2021 aus Restmitteln genehmigt ist dabei eine Stelle, die nunmehr den Titel ParMi (Partizipative Elemente und Migration) trägt. Mit dieser sollen die Ansätze aus den bisherigen Vorhaben fortgesetzt werden und die bei Av etablierte Methodenkenntnis dafür auch anderen Dienststellen zur Verfügung gestellt werden. Schon 2021 werden so KuM, KuF und BGA unterstützt. Auch der Weiterbetrieb der Hörstationen wird so möglich. Essenzielle Voraussetzung hierfür ist die dauerhafte Genehmigung der beantragten Stelle.
Provenienzforschung Die Corona-Pandemie hatte unmittelbare Folgen auf die Methodik der Provenienzforschung. Archiv- und Bibliotheksbesuche waren erheblich erschwert. Dennoch wird die systematische Prüfung der Provenienzen von seit 1933 durch Av, KuM sowie StB erworbenem Kulturgut einschließlich der Autopsie der fraglichen Objekte beständig fortgesetzt. Die stetige, filternde Sichtung der Zugangsregister der drei betreffenden Institutionen bildet hierbei die Voraussetzung für die weiteren, daran anschließenden Recherchen. Forschungen, die mög-
liches DDR-Raubgut im Besitz der Stadt Nürnberg betreffen, bleiben ein weiteres, essentielles Aufgabengebiet der Provenienzforschung. Aktuelle Forschungsresultate werden, wie in der Vergangenheit, auf der Av- Homepage publiziert werden.
GSI-Datenbank zu den historischen Nürnberger Friedhöfen Auf den historischen Friedhöfen St. Johannis und St. Rochus zeugen mehrere tausend Bronze- und Messingtafeln von einer weltweit einzigartigen Form des Totengedenkens: nicht nur reiche Bürger der Stadt, sondern Personen aller sozialen Schichten ließen sich vom 16. Jahrhundert an bis heute individuelle Relieftafeln gießen. Auf den beiden Friedhöfen wurden bis zu Anlage von West- und Südfriedhof alle Einwohner der Stadt begraben. Bislang ist jedoch keine wissenschaftliche Erfassung aller Gräber und Epitaphien vorhanden. Die letzte vollumfängliche und nur teilweise auch fotografische Bestandsaufnahme stammt aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und wurde vom Hochbauamt durchgeführt. Auf der Grundlage dieser Dokumentation nimmt Av eine Erfassung aller Tafeln vor, die durch ihre Anschlussfähigkeit um Daten aus schriftlichen und bildlichen Quellen mit ihrem Abschluss ein sozialgeschichtlich und topographisches Grundlagenwerk zur Stadtgeschichte bilden wird. Derzeit sind rund 800 von rund 2.100 Gräbern mit Epitaphien erfasst, Ende 2022 sollten 2/3 der Gräber erfasst sein.
Projekt GSI 175/Nürnberger Häuserbuch – Zusammenarbeit mit TOPORAZ/TRANSRAZ In Zusammenarbeit mit dem Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg ist beim Stadtarchiv letztendlich schon seit dem 19. Jh. eine Dokumentation von Nürnberger Häusern und deren Besitzgeschichte angesiedelt. Von 2005 bis 2016 wurde die vorhandene Grundlagenforschung in eine digitale Form überführt (F 5 Nr 3, F 5 Nr. 317, E 4 u.a.m.), die seit 2008/11 systematisch überarbeitet und ergänzt wird. 2015 wurde dabei die zukünftige Datenbankstruktur definiert und ein Kooperationsvertrag mit dem von der Leibnitz-Forschungsgemeinschaft mit über 1 Mio. € geförderten Projekt TOPORAZ geschlossen, dsgl. 2020 mit dem Nachfolgeprojekt TRANSRAZ, das erneut mit mehr als 1 Mio. € Forschungsgeldern ausgestattet ist. Seit 2020 sind am Stadtarchiv zwei wiss. Mitarbeiter (je 0,5 VK als Drittmittelprojekt) mit der vorerst abschließenden Bearbeitung der einzelnen Liegenschaften betraut. Erste Ergebnisse dieser jahre- bzw. jahrzehntelangen Grundlagenforschung wurden im Juli 2021 veröffentlicht, indem seitdem ein Teil unserer GSI-Datenbank neu im Internet freigeschaltet ist. Im Jahr 2022 soll eine Verlinkung mit der Forschungs- und Präsentationsplattform TRANS- RAZ erfolgen.
Social Media Die Nutzung Sozialer Medien (instagram und facebook) durch Av seit Juli 2020 ist überaus erfolgreich, was die Anzahl der Follower von rund 5.000 und eine wöchentliche Reichweite von ca. 17.000 Personen auf Instagram sowie 700 Abonnenten und eine wöchentliche Reichweite von rund 1.000 Personen auf Facebook nach einem guten Jahr der Aktivität auf beiden Kanälen zeigen. Die Zielgruppe sind interessierte Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, wobei mit 77 % der Großteil der erreichten Personen zwischen 18 und 44 Jahre alt ist. Die veröffentlichten Beiträge von Av werden regelmäßig geliked, kommentiert und geteilt. Durch Kommentare und Nachrichten von Nutzerinnen und Nutzern kann eine positivere und intensivere Wahrnehmung der Dienststelle Av durch Bürgerinnen und Bürger festgestellt werden. Diese Kanäle ermöglichen es, qualitativen Content einfach zu vermitteln, unmittelbar mit neuen Zielgruppen in Interaktion zu treten, den Bekanntheitsgrad von Av sowie das Interesse an der Geschichte der Stadt Nürnberg zu steigern, neue Nutzergruppen des Archivs zu gewinnen und eine positive Wahrnehmung der Stadt Nürnberg insgesamt zu fördern. 2022 soll aus den Followern nach Möglichkeit in mehreren Schritten ein Empfängerkreis für einen Newsletter generiert werden.
Ausstellungen Nach den beiden überaus erfolgreichen virtuellen Ausstellungen „Menschen machen Stadtgeschichte…goes online!“ und „Neu im Stadtarchiv 2018-2020“ wird in Kooperation mit Archiv und Museum der Stadt Fürth schon im Januar ein weiteres derartiges Projekt zum 100. Jubiläum des Eingemeindungsversuches von Fürth nach Nürnberg in Angriff genommen. Analog wird die Ausstellung im Fürther Stadtmuseum zu sehen sein, Av realisiert das digitale Format. Av wird weiterhin im ersten Quartal die Konzeption einer Dauerausstellung zum Thema „Memento mori“ unterstützen. Es handelt sich um eine Kooperation mit der Kirchengemeinde St. Bartholomäus Wöhrd. Die inhaltlich komplexeste analoge Ausstellung wird in diesem Jahr nicht in der Norishalle, sondern der Ehrenhalle des historischen Rathauses gezeigt und thematisiert die 1972 vorgenommene Eingemeindung von Stadtteilen nach Nürnberg. Ein Ausstellungskonzept mit partizipativen Elementen (Fotos aus der Bürgerschaft; Audiozeugnisse von Beteiligten) ist hierfür in Vorbereitung. Auch die Fotoausstellung im Handwerkerhof soll die Eingemeindung unter der Überschrift „Vor den Toren der Stadt“ aufgreifen. Da die historische Ausstellung von Av im kommenden Jahr nicht im Großen Foyer der Norishalle stattfindet, wird mit diesem 2022 Neuland begangen. Hier soll abweichend von der sonstigen Praxis zunächst einmal ad experimentum eine Ausstellung gezeigt werden, die den Beton zum Thema hat und diesen vorwiegend künstlerisch darstellt. Nur am Rande werden einige Tafeln auf Beton und Betonbrutalismus in Nürnberg hinweisen. Damit wird gleichzeitig auch der aus der Coronapandemie entstandene Ansatz der Kooperation mit der freien Szene weiterverfolgt. (Überblick über Öffentlichkeitsarbeit insgesamt und Planung 2022 siehe Anlage zum Jahreskontrakt)