SCHLAU Übergangsmanagement: Ergebnisse Schuljahr 2020/2021 und Ausblick
auf das laufende und die folgenden Schuljahre
hier: Sachverhalt
- Ergebnisse aus den einzelnen Fachteams bei SCHLAU und besondere Herausforderun-
gen durch die Pandemie
Die besonderen Herausforderungen bei SCHLAU im Zusammenhang mit der Pandemie und die Lösungen, die SCHLAU realisierte, wurden bereits im Schul- und Jugendhilfeausschuss im November 2020 erläutert. Insofern wird dazu auf den zugehörigen Bericht verwiesen. Im Folgenden wird dargestellt, wie sich die Arbeit bei SCHLAU im Schuljahr 2020/2021 im Zeichen der Corona- Pandemie weiterentwickelt hat. Während der Zeiten des Lockdowns standen Praktikumsplätze für Jugendliche in der Phase der Berufsorientierung kaum bzw. nicht zur Verfügung. Die Folgen: Die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen der Mittelschulen waren der erste Jahrgang, der zuvor in der achten Jahrgangsstufe kaum Möglichkeiten hatte in der Praxis zu schnuppern. Auch wenn das Staatliche Schulamt im Februar 2021 erste Entwarnung geben konnte und betriebliche Praktika bei einer Sieben- Tage-Inzidenz von unter 100 auf freiwilliger Basis wieder zugelassen werden konnten, so waren doch die meisten Unternehmen noch sehr zögerlich Praktika anzubieten. Oft ließen die räumlichen Gegebenheiten im jeweiligen Betrieb weiterhin keine Möglichkeit zur Einhaltung der geltenden Abstandsregeln zu. In Summe standen für die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend Praktikumsplätze zur Verfügung. Das Markenzeichen von SCHLAU ist seit Anbeginn die besondere Kompetenz bei der beruflichen Orientierung in Richtung dualer Ausbildung. Viele Unternehmen in der Region suchen seit geraumer Zeit zum Teil händeringend nach Nachwuchs. Die fehlenden Praktikumsmöglichkeiten haben im zurückliegenden Schuljahr dazu geführt, dass viele Jugendliche zu Beginn ihrer Begleitung durch SCHLAU den weiterführenden Schulbesuch als vorrangiges Ziel vor Augen hatten. In unsicheren Zeiten scheint der Schulbesuch für viele der sicherste Hafen zu sein. Dennoch gelang es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von SCHLAU, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern sehr erfreuliche Ergebnisse beim Übergang von Schule in die duale Ausbildung und in berufliche Schulen zu erzielen. Ob das fehlende Hineinschnuppern in die Praxis, unabhängig von einer Teilnahme bei SCHLAU, verstärkt zu einer ggf. weniger gut überlegten und möglicherweise weniger passgenauen Berufswahl geführt hat, wird in den nächsten drei Jahren an der Zahl der Ausbildungsabbrüche, die von den Kammern kontinuierlich erfasst werden, erkennbar werden. Die fehlenden Praktikumsmöglichkeiten und das Fehlen anderer Zusatzangebote hatten tatsächlich auch einen positiven Effekt: Nach Berichten von SCHLAU-Mitarbeitenden blieb den Klassenlehrkräften der Abschlussklassen mehr Zeit als sonst, um die Schülerinnen und Schüler gezielt und fundiert auf den Quali vorzubereiten. Inwieweit das die Nachteile des im Verlauf des Schuljahres entfallenen Präsenzunterrichts ausgleichen konnte und auch zu besseren Ergebnissen führte, ist uns empirisch nicht bekannt. Das Erreichen des qualifizierenden Mittelschulabschlusses war aber für die eine oder den anderen Teilnehmenden bei SCHLAU sicherlich ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem passenden Ausbildungsplatz. Auch wenn sich die Erfolge bei SCHLAU letztlich wie gewohnt einstellten, so zogen sich die Prozesse bis dorthin oft ungewohnt in die Länge. Infolge der Unsicherheiten durch die Pandemie wurde das Unterzeichnen von Ausbildungsverträgen häufig weit nach hinten oder gar ins neue Schuljahr gezogen. Auch im Monat Juli erhielten viele SCHLAU-Teilnehmende erst noch ihre Ausbildungsplatzzusage. Im Distanzunterricht waren die Teilnehmenden bei SCHLAU gefordert, praktische und technische Herausforderungen zu lösen. Auch wenn die Stadt Nürnberg vorbildlich und zügig dafür gesorgt hatte, dass für bedürftige Schülerinnen und Schüler Notebooks oder iPads als Leihgeräte zur Verfügung standen, zeigten sich an verschiedenen Stellen Probleme bei der technischen
Umsetzung. Beispielsweise konnte der (stabile) Zugang zu MS Teams nicht immer einwandfrei gewährleistet werden. Dieser Umstand beruhte auf die nicht flächendeckende WLAN-Versorgung im Haushalt der Schülerinnen und Schüler. Team Mittelschule Am Übergang zwischen Schule und Beruf begleiteten acht Mitarbeiterinnen (sechs Vollzeitstellen) im Team Mittelschule 510 Schülerinnen und Schüler aus den Entlassklassen der Nürnberger Mittelschulen, also Jugendliche aus den 9. Klassen sowie aus M- und V2-Klassen (dieser Teilnehmerkreis durfte maximal ein Drittel der aller Schülerinnen und Schüler in den Klassen betragen). Die Grafik zeigt die Anschlussergebnisse nach Abschluss der Teilnahme.
Anschlüsse Schuljahr 2020/2021
Team Mittelschule
1,96% 1%0% 2% 2% 7% Betriebliche Ausbildung / BGJ 1% Ausbildung in vollqualifizierender Berufsfachschule u. FakS 34% Weiterführende Schule
12% Schulische Anschlüsse am Übergang (z.B. BVJ, BIK) Geförderte Maßnahmen der Agentur f. Arbeit Weitere Anschlussergebnisse (z.B. FSJ)
Wiederholende
Umzug 25% 14% Arbeitsaufnahme o. SV-Beschäftigung
Quelle: Stadt Nürnberg, SchB/SCHLAU
Anmerkungen: Erfreulich ist, dass es dem Team Mittelschule wie im Vorjahr gelang, die Anschlüsse in duale Ausbildung und vollqualifizierende schulische Ausbildungen stabil auf hohem Niveau zu halten. Besonders positiv ist, dass der Anteil derer, die nach Abschluss der Begleitung durch SCHLAU keinen qualifizierenden Anschluss gefunden haben, von 7 % im Vorjahr wieder auf unter 2 % gesunken ist. Im Bericht vom Vorjahr wurde beschrieben, dass viele Jugendliche durch die pandemiebedingt nicht vorhandene Zugriffsmöglichkeit über die Schule, schlichtweg „abgetaucht“ waren und schwer erreicht werden konnten. Dem gesamten System Schule und Übergang ist es also gelungen, hier erfolgreich gegenzusteuern. Die gesteigerte Tendenz zum weiterführenden Schulbesuch (wie schon weiter oben erläutert) ist in dieser Auswertung ablesbar: Der Anteil ist von 19 % im Vorjahr auf 25 % gewachsen.
Team IBOS (Intensivierte berufliche Orientierung an Schulen) Bei IBOS werden Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufen aus den Mittelschulen Scharrerstraße und Hummelsteiner Weg von zwei Mitarbeiterinnen intensiv beruflich orientiert. Dies geschieht insbesondere durch hohe Anteile betrieblicher Praktika. Die Einmündungen in duale Ausbildung sind in der Folge noch höher, wie die folgende Grafik zeigt. Darüber hinaus wird die positive charakterliche Entwicklung der Jugendlichen durch die vielen Praxisphasen in diesem Angebot eindrucksvoll verstärkt.
Quelle: Stadt Nürnberg, SchB/SCHLAU
Anmerkungen: Bei IBOS konnte dem allgemeinen Trend hin zum weiterführenden Schulbesuch sogar entgegengesteuert werden. Ein noch höherer Anteil als im Vorjahr mündete in Ausbildung ein (66% gegenüber 60%). Und das, obwohl das Fundament von IBOS, die Praktika, wie beschrieben mit erheblichen Hürden verbunden waren. Zu unterstreichen ist zudem, dass diese weit überdurchschnittlichen Erfolge in sozial benachteiligten Quartieren der Nürnberger Südstadt erzielt wurden. Einmal mehr kann also deutlich aufgezeigt werden, wie gewinnbringend eine engmaschige, praxisnahe Begleitung von Schülerinnen und Schülern durch qualifiziertes und erfahrenes Personal ist. Umso bedauerlicher erscheint die Tatsache, dass IBOS nach aktuellem Stand mit Ablauf dieses Schuljahres beendet werden muss, weil die Finanzierung nicht mehr bereitgestellt werden kann (Näheres dazu unter Punkt 2.).
Team Berufsschulberatung Im Team Berufsschulberatung werden von zwei Mitarbeitenden sämtliche Neuntklässler der Nürnberger Mittelschulen rund um das Thema Berufsschulpflicht beraten. Zu der Frage, wohin der weitere Weg führen kann, wenn man nach der neunten Klasse (noch) keinen qualifizierenden Anschluss gefunden hat, werden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern geeignete Alternativen erarbeitet. Die Planungen für die Berufsschulberatung erfolgten im Zeichen sehr hoher Inzidenzwerte, so dass die Veranstaltungen online ins virtuelle Klassenzimmer übertragen wurden. Der Nutzen dessen wurde durch die beteiligten Lehrkräfte als sehr hoch eingestuft, auch wenn die übliche Vorgehensweise in Präsenz sicher viele Vorteile bietet.
Alle Schülerinnen und Schüler erhielten das Angebot einer zusätzlichen Einzelberatung, wenn Fragestellungen unklar geblieben waren. Darüber hinaus hat das Team Berufsschulberatung erstmals gemeinsam mit dem Amt für Berufliche Schulen ab dem 2. August bis Oktober ein „Clearingbüro“ zur Beratung und Verfolgung der Berufsschulpflicht eingerichtet. Jugendliche ohne Ausbildungsplatz wurden schriftlich eingeladen, sich beraten zu lassen, damit ein möglichst passgenauer Anschluss zur Erfüllung der Berufsschulpflicht gefunden werden konnte.
Team Ausbildungsakquisition
Drei Mitarbeiterinnen (zwei Vollzeitstellen) begleiten Schülerinnen und Schüler aus dem Übergangssystem der beruflichen Schulen (Jugendliche, die ohne Anschluss die Mittelschule verlassen haben und somit noch schulpflichtig sind) auf dem Weg zu einem qualifizierenden Anschluss. Mit den Jugendlichen galt es intensiv und kontinuierlich zu arbeiten, damit der Übergang in Ausbildung oder eine weiterführende (berufliche) Qualifizierung gelingen konnte. Wie die folgende Darstellung zeigt, wurden auch im Schuljahr 2020/2021 sehr beachtliche Erfolge erzielt. Der Anteil jener Jugendlicher, die nach dem Verlassen der Mittelschule einen dualen Ausbildungsplatz mit der Unterstützung von SCHLAU fanden, stieg von 46 % auf 52 %. Da viele teilnehmende Jugendliche zu Beginn der Begleitung durch SCHLAU unzuverlässig sind und zudem schwache Schulnoten mitbringen, ist dies besonders bemerkenswert.
Anschlüsse Schuljahr 2020/2021
Team Ausbildungsakquisition
10% 3,48% Betriebliche Ausbildung / BGJ
vollqualifizierende Berufsfachschule 4% u. FakS Weiterführende Schule 4% 2% Schulische Anschlüsse am Übergang (z.B. BVJ, BIK) Geförderte Maßnahmen der Agentur 7% 52% f. Arbeit / EQ Geförderte Maßnahmen der Agentur f. Arbeit / BvB 1% 4% Übergabe an andere Maßnahme
Arbeitsaufnahme o. SV-Beschäftigung 1% 11%
Quelle: Stadt Nürnberg, SchB/SCHLAU
Team Ausbildungsakquisition für jugendliche Geflüchtete Zwei Mitarbeitende kümmern sich insbesondere um Schülerinnen und Schüler aus den Nürnberger Berufsintegrationsklassen (BIK), aber auch um weitere junge Menschen mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte, die durch die weitläufigen Netzwerkkontakte von SCHLAU den Weg in die Beratung finden. Obwohl die Teilnehmenden zum Start der Begleitung durch SCHLAU meist
noch Defizite im Hinblick auf die Ausbildungsreife aufweisen, insbesondere in der sprachlichen Entwicklung (v. a. Schriftsprache), wurden wieder sehr gute Ergebnisse erzielt. Eine Einmündungsquote von 59 % in Ausbildung ist ein herausragender Erfolg. Zumal gerade die Jugendlichen aus den BIK besondere Nachteile durch die fehlenden Praktikumsmöglichkeiten hatten. Denn durch die sprachlichen Probleme ist es für sie die beste Möglichkeit sich durch besonderes Engagement im Praktikum für einen Ausbildungsplatz zu empfehlen.
Anschlüsse Schuljahr 2020/2021
Team Ausbildungsakquisition für Flüchtlinge
Betriebliche Ausbildung / BGJ 8% vollqualifizierende 7% Berufsfachschule u. FAK 30% 2% Weiterführende Schule
4% Geförderte Maßnahmen der Agentur f. Arbeit - EQ 6% Geförderte Maßnahmen der Agentur f. Arbeit - BvB 5% Weitere Anschlussergebnisse (z.B. Deutschsprachkurs) 9% Umzug
29% Arbeitsaufnahme o. SV- Beschäftigung
Quelle: Stadt Nürnberg, SchB/SCHLAU
- Beratung und Betreuung von Jugendlichen im Übergang von der Schule in den Beruf:
Ausblick auf das laufende und die folgenden Schuljahre
Die Bausteine des „Nürnberger Modells – Übergangsmanagement Schule – Berufliche Ausbildung“ sind hierzu dargestellt:
Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungsbüro
Angekündigter Wegfall der Berufseinstiegsbegleitung (BerEb) - Kurzfristige Verlängerung um ein Schuljahr (2021/22) Im Februar 2021 wurde seitens des StMUK verkündet, dass die Finanzierung von BerEb mit dem Schuljahr 2020/21 aus Mitteln des bayerischen ESF beendet wird. Der Freistaat stemmte bislang zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu jeweils 50 % die Finanzierung. Dieses Angebot wird nicht durch die Stadt Nürnberg mitfinanziert. Die Auftragnehmer waren regionale Bildungsdienstleister (zuletzt der Internationale Bund, zuvor das bfz). Der Wegfall hat aber große Auswirkungen auf das Gesamtsystem der Berufsorientierung, insbesondere auf die Angebote von SCHLAU, weil diese von denselben Geldgebenden aus deren für BO zur Verfügung stehenden Gesamtbudget finanziert werden. Da BerEb das Berufsorientierungsangebot für die leistungsschwächsten Jugendlichen darstellt und eine Beendigung des Angebots ausgerechnet während der Pandemie viele Fragezeichen aufwarf, blieb politischer Widerstand – auch durch die Stadt Nürnberg – nicht aus. Das bedeutete, dass im Schuljahr 2021/22 zwar noch die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe als noch laufender BerEb-Jahrgang an dem Angebot teilnehmen können, aber in der achten Jahrgangsstufe drohte durch die Entscheidung eine empfindliche Lücke zu entstehen. Ohnehin benachteiligt durch den pandemiebedingten Wegfall der so wichtigen Praktika, hätten
die Jugendlichen der achten Klassen somit keine zusätzliche Unterstützung mehr bei der beruflichen Orientierung erhalten. Erst im Juni 2021 hatte der Freistaat dem politischen Druck nachgegeben und eine Zusicherung der Finanzierung von BerEb für ein weiteres Förderjahr abgegeben. Die Zukunft danach bleibt offen. Die konzeptionellen Änderungen für SCHLAU konnten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr rückgängig gemacht werden, da die Ausschreibung bereits veröffentlicht war (Zielgruppe Mittelschule, Ausschreibung 701-21-BO-10100, Titel „Talente fördern für Entlassklassen, Vorentlassklassen, IBOS, ein Los mit drei laufenden Nummern). Da eine Fortführung der BerEb erst im Juni 2021 beschlossen wurde, waren die Geldgebenden des Programms „Berufseinstiegsbegleitung“ (Bundesagentur für Arbeit und Staatliches Schulamt als fachlich zuständige Einheit für die Mittel des Freistaats) bis Ende Mai 2021 dringend gefordert, Veränderungen im bewährten System des Nürnberger Modells zum Übergangsmanagement vorzunehmen, um die achte Jahrgangsstufe nicht gänzlich unversorgt zu lassen. Seitens der Geldgebenden wurde klargestellt, dass es unter den gegebenen Umständen nicht zu vermeiden sei, die eingesetzten Mittel für die Abschlussklassen der Mittelschulen zugunsten der achten Jahrgangsstufe zu reduzieren.
IBOS – auslaufend im Schuljahr 2021/22 Das Programm IBOS wurde letztmalig für das Schuljahr 2021/22 verlängert. Die Geldgebenden können die Finanzierung in Anbetracht der Mittelverknappung nicht mehr verantworten, da IBOS zwar sehr erfolgreich ist, aber nur an zwei Schulen angeboten wird: An den Mittelschulen Scharrerstraße und Hummelsteiner Weg. Dass IBOS überhaupt im Schuljahr 2021/22 fortgeführt wird, ist dem persönlichen Einsatz der Referentin für Schule und Sport zu verdanken.
Fortführung der Beratung und Betreuung der Mittelschüler/-innen durch SCHLAU Im Juni 2021 hat SCHLAU den Zuschlag für den Auftrag der Bundesagentur für Arbeit (Titel „Talente fördern für Entlassklassen, Vorentlassklassen, IBOS“) erhalten. Ziel der Auftraggeber (Bundesagentur/REZ) ist es dabei, die Beratungskapazitäten weiterhin den Mittelschülern/-innen in den Jahrgangsstufen 8 und 9 zugutekommen zu lassen. Folgende Veränderungen ergaben sich zum Schuljahr 2021/22 für das SCHLAU-Team Mittelschule:
Beratung und Betreuung von 340 teilnehmenden Mittelschüler/-innen der Entlassklassen (statt bisher 510) Beratung und Betreuung von 150 Mittelschülern/-innen der Vorentlassklassen bei letztmaliger Fortführung von IBOS Mit dem neuen Auftrag ergaben sich erhebliche Einschnitte für die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen (Reduzierung der Teilnehmerzahl um ein Drittel) und insbesondere in der beruflichen Orientierung der Schülerinnen und Schüler aus den M- und V2-Klassen der Mittelschulen. Es wäre deshalb wünschenswert, dass Lösungen gefunden werden, um das Angebot für die Abschlussklassen im nächsten Schuljahr wieder zu verbessern. Der Auftrag „Talente fördern für Entlassklassen, Vorentlassklassen, IBOS“ schließt folgende Optionen für den Auftraggeber (Bundesagentur/REZ1) ein:
1 Regionales Einkaufszentrum Bayern der Bundesagentur für Arbeit
- Verlängerung des Auftrags um zwei Schuljahre (SJ 2022/23 und 2023/24) 2. Anpassung der Teilnehmerplätze um bis zu 30 Prozent (Verringerung bzw. Erhöhung) Im Fall einer Prolongation des Auftrags würden sich die notwendigen Stellenkapazitäten der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen bei SCHLAU wie folgt darstellen:
Szenario 1 (BA/REZ): Gleichbleibende Zahl der Teilnehmerplätze für Mittelschüler/-innen Szenario 2 (BA/REZ): Reduzierung der Teilnehmerplätze um 30 % Szenario 3 (BA/REZ): Erhöhung der Teilnehmerplätze um 30 %
| Aufgabenfelder SCHLAU | Schuljahr 2020/21 | Aktuell: Schuljahr 2021/22 | Szenario 1 (BA/REZ): Schuljahr 2022/23 - gleichbleibende Zahl der TN | Szenario 2 (BA/REZ): Schuljahr 2022/23 bei Reduzierung der TN-Plätze um 30% | Szenario 3 (BA/REZ): Schuljahr 2022/23 bei Erhöhung der TN-Plätze um 30% | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Teilnehmer/- innen | Stellen (VZÄ) | Teilnehmer/- innen | Stellen (VZÄ) | Teilnehmer/- innen | Stellen (VZÄ) | Teilnehmer/- innen | Stellen (VZÄ) | Teilnehmer/- innen | Stellen (VZÄ) | |
| Team Mittelschule | 510 | 6 | 490 | 6,75 | 490 | 6,75 | 343 | 4,725 | 637 | 8,75 |
| Entlassklassen | 510 | 6 | 340 | 4 | 340 | 4 | 238 | 2,8 | 442 | 5,2 |
| Zielgruppe(n) | Mittelschule 9./10. Jahrgangsstufe | |||||||||
| Konzeptioneller Schwerpunkt | BO, schuljahresbez. Begleitung in der Abschlussklasse in Richtung qualifizierender Anschluss, Schwerpunkt duale Ausbildung; Betreuungsschlüssel 1/85 (1 VZÄ Soz.päd. betreut 85 SuS) | |||||||||
| Vorentlassklassen | 0 | 0 | 150 | 2,75 | 150 | 2,75 | 105 | 1,925 | 195 | 3,55 |
| Zielgruppe(n) | Mittelschule 8. Jahrgangsstufe | |||||||||
| Konzeptioneller Schwerpunkt | BO, Hinführung zu passgenauen Praktika, Abschluss der BO oder Empfehlung für Folgemaßnahme; Betreuungschlüssel 1/55 (1VZÄ Soz.päd. betreut 55 SuS) | |||||||||
| Team IBOS | 94 | 1,75 | 94 | 1,75 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Zielgruppe(n) | Mittelschule 7.-9. Jg. | |||||||||
| Konzeptioneller Schwerpunkt | BO, Praktika | |||||||||
| Team Berufsschulberatung | ca. 1300 | 2 | ca. 1300 | 2 | keine Veränderung | |||||
| Zielgruppe(n) | alle Klassen der 9. Jahrgangsstufe MS | |||||||||
| Konzeptioneller Schwerpunkt | Beratung rund um die Berufsschulpflicht, Suche nach passendem Anschluss gemeinsam mit den Schüler-/innen | |||||||||
| Team Ausbildungsakquisition | 150 | 3 | keine Veränderung zum Schuljahr 20/21 | |||||||
| Zielgruppe(n) | Jugendliche aus den vollschulischen Berufsvorbereitungsklassen der Nürnberger Berufsschulen | |||||||||
| Konzeptioneller Schwerpunkt | gemeinsame Arbeit mit den Schüler-/innen an einem qualifizierenden Anschluss, Schwerpunkt duale Ausbildung | |||||||||
| Team Ausbildungsakquisition für jugendliche Geflüchtete | 80 | 2 | keine Veränderung zum Schuljahr 20/21 | |||||||
| Zielgruppe(n) | Jugendliche aus den vollschulischen Berufsintegrationsklassen der Nürnberger Berufsschulen | |||||||||
| Konzeptioneller Schwerpunkt | gemeinsame Arbeit mit den Schüler-/innen an einem qualifizierenden Anschluss, Schwerpunkt duale Ausbildung | |||||||||
| Stellen der Sozialpädagogen/- innen insgesamt (VZÄ) | 14,75 15,5 13,75 11,725 15,75 | |||||||||
| Notwendige Anpassung der Stellenkapazitäten (budgetfinanziert/ Stellenantrag) | 0,75 VZÄ budgetfinanziert im Team Mittelschule (für die 150 TN-Plätze in den Vorentlassklassen ist ein höherer Betreuungsschlüssel zu erfüllen im Vergleich zu jenem für TN der Entlassklassen) | 1VZÄ budgetfinanziert im Team Mittelschule ab 01.09. 2022 und Stellenantrag im Jahr 2022 für die Jahre 2023 und 2024 |
Quelle: Stadt Nürnberg, SchB/SCHLAU Damit SCHLAU den Auftrag mit dem Titel „Talente fördern für Entlassklassen, Vorentlassklassen, IBOS“ auch in den beiden Folgeschuljahren erfüllen kann, wird beantragt: 1. Ab dem Schuljahr 2022/23 werden die bislang für IBOS eingesetzten städtischen Mittel und Stellen für die Erweiterung der Angebote von SCHLAU in den Jahrgangsstufen acht bis zehn an der Mittelschule eingesetzt (1,75 VZÄ).
- Im Falle einer Erhöhung der Teilnehmerplätze um 30 % durch den Auftraggeber (Bundesagentur/REZ) wird es SCHLAU ermöglicht, den vergrößerten Auftragsumfang zu erfüllen. Dazu müsste das Team Mittelschule um max. 1 VZÄ über die Übernahme der 1,75 VZÄ von IBOS hinaus, insgesamt also um max. 2,75 VZÄ erweitert werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Schuljahr 2021/22 bereits 0,75 VZÄ für das Team Mittelschule durch SchB budgetfinanziert werden, da zum Zeitpunkt der Stellenbeantragung für das Haushaltsjahr 2022 noch nicht klar war, ob SCHLAU den Zuschlag für den Auftrag „Talente fördern für Entlassklassen, Vorentlassklassen, IBOS“ erhalten würde.
Die notwendigen Stellenkapazitäten sollen nun für den Stellenplan 2023 beantragt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der städtische Finanzierungsanteil in der Maßnahme etwa einem Drittel entspricht.2
Zur Veranschaulichung der Einbettung der Angebote in das Gesamtsystem der Berufsorientierungsmodule (BOM) folgt eine Abbildung des Staatlichen Schulamts der Stadt Nürnberg. Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen der anderen Module neben SCHLAU ist aktuell noch nicht absehbar.
Quelle: Staatliches Schulamt Nürnberg
Fazit: Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen wurden durch die Pandemie und die fehlenden Berufsorientierungsangebote (insbesondere Praktika) hinsichtlich ihrer Perspektiven am Ausbildungsmarkt besonders hart getroffen. Zudem blieben dadurch zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt, eine Situation, die der regionalen Wirtschaft und der Integration der Jugendlichen in die Arbeitswelt und die Gesellschaft schadet. Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, beschäftigen in der Folge weitere kostenintensive Hilfesysteme. Nicht zuletzt müssen Jugendliche dann auch zur Deckung des Lebensunterhalts Transferleistungen erhalten. Die bei SCHLAU investierten Mittel wirken auf den städtischen Haushalt in der Gesamtrechnung somit dauerhaft entlastend. Die Mittelkürzungen seitens des Freistaats sind in diesem Kontext sehr bedauerlich. SCHLAU erreicht knapp 800 Nürnberger Schülerinnen und Schüler, die dann über ein Schuljahr hinweg intensiv beruflich orientiert werden. Über Jahre hinweg münden rund 40 % der teilnehmenden Jugendlichen in eine Berufsausbildung ein. Im Bereich der Mittelschulen liegt die Erfolgsquote damit beispielweise konstant beim Doppelten im Verhältnis zur Vergleichsgruppe aller Schülerinnen und Schüler der Nürnberger Mittelschulen.
2 Die finanzielle Beteiligung der Stadt Nürnberg wurde in den Jahren 2014 und 2016 als fortlaufend beschlossen, vgl. dazu Beschluss des Stadtrats vom 03.07.2014, des Schulausschusses vom 22.04.2016 sowie des gemeinsamen Ausschusses Schule und Jugendhilfe vom 23.06.2016