Kinder, Jugendliche und Familien in Nürnberg während der Corona-Pandemie
Hier: Antrag der Stadtratsgruppe DIE LINKE “Soziale und schulische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen” vom 21.06.2021 Und Antrag der SPD-Stadtratsfraktion “Bundeszuschüsse für Luftfilter in Schulen und Kitas” vom 23.06.2021
Das vergangene Schuljahr 2020/21 war durch Distanzunterricht und weitere Einschränkungen, auch für Kinder und Jugendliche, geprägt. Von Seiten der Stadt Nürnberg wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um für die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen einen sicheren Schulbetrieb zu ermöglichen (Berichte im Schulausschuss vom 15.10.2021, 16.07.2021, 23.04.2021). Ab dem Zeitraum nach den Pfingstferien 2021 wurde von der Bayerischen Staatsregierung das Förderprogramm “gemeinsam.Brücken.bauen” aufgelegt. Es verfolgt das Ziel trotz der Beeinträchtigungen die Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit für alle bayerischen Schülerinnen und Schüler zu wahren. Dabei besteht das Programm aus schulischen und außerschulischen Förderangeboten (Bericht im in der gemeinsamen Sitzung des Jugendhilfe- und Schulausschusses am 17.06.2021). Weiterhin wurden von der Stadt zusätzliche Aktionen initiiert, die die Persönlichkeits- und Sozialkompetenz wieder stärken sollten (s. u.).
- Einschätzung der Belastungssituation von Kindern, Jugendlichen, den Mitarbeitenden des
Jugendamts und Lehrkräften
1.1 Einschätzungen der Mitarbeitenden des Jugendamts
Für 2020 ist keine Zunahme an häuslicher Gewalt im unmittelbaren Zusammenhang mit Corona festzustellen. Aus Kooperationsgesprächen ist bekannt, dass es weder bei der Polizei noch beim Familiengericht signifikante Zuwächse an Fallzahlen gegeben hat, zumindest nicht im sogenannten ‚Hellfeld‘, also im Bereich des Bekannten und Sichtbaren. Allerdings belasteten die Corona bedingten Einschränkungen (v. a. Wegfall von sozialen Netzwerken und Alltagsstruktur) zunehmend die jungen Menschen und ihre Familien. So ist bereits im letzten Jahresdrittel 2020 ein leichter und seit Jahresbeginn 2021 ein deutlicher Zuwachs an Kindeswohlgefährdungen analog 2018 zu verzeichnen. Wie bereits im Vorjahr lag in knapp 30 % der Meldungen 2020 keine Gefährdung des jungen Menschen vor. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie 2020 dürfen aber keinesfalls verkannt werden. So stieg sowohl die Anzahl an akuten Gefährdungen um 1,2% zum Vorjahreswert und liegt nun auf dem Niveau von 2014 und 2017 bzw. leicht unter 2018 als auch die Anzahl an jungen Menschen, die umgehend aus dem familiären Umfeld genommen werden mussten (+13 junge Menschen) an. Der 2019 signifikante Zuwachs an Fällen mit einer chronischen Gefährdung relativiert sich hingegen 2020. Eine Veränderung ist auch in Bezug auf die Art der Gefährdung festzustellen. So lag 2020 erstmals der Anteil an Kindeswohlgefährdungen aufgrund von seelischer Gewalt über dem der körperlichen Gewalt. Bereits 2019 nahmen die Meldungen wegen seelischer Gewalt sprunghaft von 14% auf 19% zu, 2020 liegt dieser nun bei 20%. Die aktuelle Bundeskriminalstatistik weist einen deutlichen Anstieg der Meldungen im Kontext ‚Sexueller Gewalt‘ auf, dieser ist auch in Nürnberg erkennbar. So wurde in 17 Familien die ASD interne Fachberatung ‚sexualisierte Gewalt‘ hinzugezogen, was einem Zuwachs von 100% entspricht. Jede vierte Meldung 2020 erfolgte wegen unzureichender Förderung des jungen Menschen. (siehe auch Bericht Jugendhilfeausschuss vom 22.07.2021).
Die Belastungssituation der Mitarbeitenden ist fraglos in der Pandemie gestiegen, weil die Herausforderung, verlässlichen Kontakt zu den Familien während des Lockdowns zu halten und die Aufmerksamkeit für die Gefährdungssituation gestiegen sind und unter erschwerten Bedingungen noch intensiviert werden mussten. Zudem gab es viel Verunsicherung im Rahmen der Infektionsschutzmaßnahmen. Insofern ist nachvollziehbar, dass sich eine derart unbekannte Krisenlage auch auf die Belastung der Mitarbeitenden auswirkt. Nicht zuletzt durch den Wegfall bzw. die starke Einschränkung von bewährten Kooperationsstrukturen und Netzwerken sowie die Notwendigkeit der Ad-hoc-Entwicklung und des Aufbaus einer neuen handlungsfähigen Arbeitsstruktur im ASD erschwerten die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden. Unabhängig von Corona, aber auch im Zusammenhang mit der Pandemie begegnet das Jugendamt im ASD durch Maßnahmen im Rahmen der Personalbemessung und Personalentwicklung. So sind zum 01.07.2021 vier neue Vollzeitstellen geschaffen und besetzt worden. Zur Entlastung der Mitarbeitenden trug die Einführung des Home-Office und die damit einhergehende verbesserte mediale Ausstattung bei.
1.2 Einschätzung des Teams der Schulpsychologinnen am IPSN
Laut den Erfahrungen der Schulpsychologinnen am IPSN benennen die Kinder und Jugendlichen selbst stärker als vorher eine deutlich gestiegene Belastung (Sorgen, Unsicherheit, Zukunftsängste). Gleichzeitig konnten sie Bewältigungsstrategien zum Umgang mit Stress nicht anwenden – kaum Sport, kaum Treffen mit Gleichaltrigen, kaum Alltagsroutinen wie der Schulbesuch eine darstellt, … u. v. m. Bei den Schülerinnen und Schülern zeigten sich Motivationsprobleme, verschiedenste Ängste sowie depressive Verstimmungen und daraus resultierend oftmals ein Rückzug und im Extremfall sogar Schulabsentismus als Vermeidungsverhalten. Die alltägliche Exposition mit der für manche Schülerinnen und Schüler schwierigen Aufgabe, in die Schule zu gehen, fand ein halbes Jahr nicht statt. Daher muss die Situation gerade von Kindern und Jugendlichen, die es vor dem Lockdown gerade noch „geschafft“ haben in die Schule zu gehen, wieder bewältigt werden. Lehrkräfte berichten u. a., dass neben den zurückgezogenen und verstummten Kindern und Jugendlichen viele Schülerinnen und Schüler Defizite im Bereich der sozialen Kompetenz haben. Es ist keine Streitkultur mehr vorhanden und der Umgang mit Provokationen eskaliert schnell. Für die eher Stillen erschwert sich dadurch der Schulbesuch. Eine exakte statistische Zahl über eine Steigerung der psychischen Erkrankungen ist aktuell nicht anzugeben. Schulpsychologische Fachkräfte aus verschiedenen Schularten berichten, dass im Herbst bereits mehr als in anderen Schuljahren Kinder und Jugendliche in die Beratung kommen, die über deutliche Verunsicherungen bezogen auf die Schule klagen. Ende August traf sich auf Initiative der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein „Runder Tisch sozialpsychiatrische Folgen der Pandemiemaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen“ mit verschiedensten Akteurinnen und Akteuren aus dem Bereich der psychosozialen Versorgung in Nürnberg und dem Bildungsbereich: Auch dort war die Einschätzung der aktuellen Situation diffus – hier steigender Bedarf, dort wieder Normalisierung der Bedarfe und dann wechselt es wieder. Daher hat die Runde entschieden, sich in regelmäßigen Abständen auszutauschen, um auf aktuelle Bedarfe eingehen zu können. Durch die o. g. Punkte ergibt sich, dass auch die Belastung der Lehrkräfte deutlich angestiegen ist.
2. Maßnahmen zur Förderung der sozialen Situation von Kindern und Jugendlichen
2.1 Freizeitprogramme für Kinder und Jugendliche
Während des Corona-Lockdowns waren die sozialen Kontakte in der Freizeit von Kindern und Jugendlichen stark eingeschränkt. Sie fanden lediglich rudimentär statt oder wurden auf die digitale Ebene verlegt. Die Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit inklusive der Aktivspielplätze können seit Juni 2021 wieder Angebote in Präsenz vorhalten. Seitdem finden auch wieder verstärkt Begegnungen unter den jeweils gültigen Hygieneschutzmaßnahmen statt. Es gilt den Stand vor der Corona-Pandemie wieder zu erreichen, unter der Berücksichtigung, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, sondern die Angebote nach wie vor Einschränkungen in Vielfalt und Umfang unterliegen. Dennoch konnten bereits erste kleinere Fahrten und Ausflüge und umfangreiche Ferienprogramme durchgeführt werden und auch Sportangebote und kulturelle Angebote sind wieder möglich. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Kinder- und Jugendlichen wieder ihren Weg in die Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit gefunden haben und die Angebote gut angenommen werden. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen, bedarf es in der offenen Kinder- und Jugendarbeit keiner zusätzlichen Maßnahmen zur Förderung von sozialen Kontakten von Kindern und Jugendlichen
2.2 Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche
Die Nürnberger Ferienangebote bieten in Kooperation mit zahlreichen Anbietern vielfältige Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren an. Die Maßnahmen reichen von stundenweise über ein- und mehrtägige, bis hin zu Wochenveranstaltungen mit und ohne Übernachtung. Im Rahmen von teilweise jahrelang erprobten Formaten bilden diese Ferienaktionen einen wichtigen Baustein für die Bildung und gesunde Entwicklung der Nürnberger Kinder und Jugendlichen. Kreativität, Sport und Bewegung sowie kulturelle Beteiligung und Engagement werden gefördert. „Spielerisches“ Erlernen von sozialen Kompetenzen wird durch Gruppenerfahrungen bei mehrtägigen, zusammenhängenden Angeboten ermöglicht. Den Kindern und Jugendlichen wird die Chance geboten, sich auszuprobieren, Grenzen zu erfahren und über sich hinauszuwachsen. Während der Corona-Pandemie war die Umsetzung der Ferienangebote von den jeweils gültigen Bestimmungen des Gesundheitsschutzes abhängig. So mussten Ostern 2020, Pfingsten 2020 sowie Fasching 2021 und Ostern 2021 alle Ferienangebote komplett abgesagt werden. In den Sommerferien
2020, Pfingsten 2021 und Sommerferien 2021 konnte Kindern und Jugendlichen ein Angebot gemacht werden. Das Beispiel der Sommerferien 2021 zeigt das große Engagement und den Willen aller Beteiligten, gerade in diesen schwierigen Zeiten, attraktive Angebote zum Wohl der Nürnberger Kinder, Jugendlichen und Familien bereitzuhalten. Viele große und kleine Vereine, freie Träger der Jugendhilfe, Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Dienstleister, Künstlerinnen und Künstler sowie Dienststellen der Stadt Nürnberg, kooperierten im Sinne der Kinder, Jugendlichen und Familien. Trotzt aller Widrigkeiten hatten sie so ein buntes Programm zusammengestellt. Es umfasste circa 345 Veranstaltungen im Sommerferienprogramm und 62 Wochenangebote der Ferienbetreuung. Im Vergleich zu 2020 sind dies circa 20 Veranstaltungen mehr. Bei Redaktionsschluss lag noch keine endgültige Statistik für 2021 vor, es kann aber von einer guten, mit den Vorjahren vergleichbaren Auslastung ausgegangen werden. Für alle Veranstaltungen wurden individuelle Hygiene- und Schutzkonzepte erarbeitet. Bei vielen Veranstaltungen wurde die Teilnehmer/-innenzahl reduziert, um Angebote in kleineren, festen Gruppen zu ermöglichen und so den jeweilig nötigen Corona-Schutz umsetzen zu können. Aber auch neue Veranstaltungsformate wie Online-Workshops aus den Bereichen Technik und Sprache wurden als Reaktion auf die Einschränkungen kreiert. Das Ferienprogramm ist Teil des Arbeitsprogramms gegen Kinder- und Jugendarmut. Es gibt Reduzierungen (in der Regel 50 %) der Teilnahmepreise für Kinder, Jugendliche und Familien mit Nürnberg-Pass. Eine Bezahlung mit Gutscheinen für Bildung & Teilhabe für soziale und kulturelle Teilhabe ist ebenfalls möglich. Die zusätzlichen Reduzierungen von einzelnen Angeboten im Rahmen der Super-Ferienangebote in Kooperation mit SHA für junge Menschen mit Nürnberg-Pass (sogenannte Sternchen-Angebote) über die 50% hinaus, konnten auch im Corona- Zeitraum angeboten werden.
Im Sommer 2021 haben viele Nürnberger Schulen mittels des Förderprogramms „gemeinsam.Brücken.bauen“ Ferienkurse im Rahmen der sog. „Sommerschule 2021“ angeboten. Dabei wurde vielerorts das spielerische Lernen und Entdecken fokussiert. Somit stand neben der Lernförderung gerade die Sozialkompetenzförderung im Zentrum. Die Gemeinschaft (wieder) zu erleben ist ein wesentlicher Baustein des Förderprogramms des Freistaats. Exemplarisch sei hier das Programm „Gemeinsam in den Ferien Schönes erleben und lernen“ der städtischen und staatlichen
| Durch das bereitwillige Engagement des | |
|---|---|
| Lehrerkollegiums sowie der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen konnte es umgesetzt werden. | |
| Ob Trampolinspringen, Urzeitkrebse züchten, sich in Englisch austauschen oder T-Shirts gestalten: | |
| Viele Bereiche, um gemeinsam aktiv zu sein und Neues zu lernen, wurden dabei abgedeckt. Auch im | |
| Schuljahr 2021/22 sollen mittels des Förderprogramms Aktivitäten zum Erleben von Gemeinschaft und | |
| Zusammenhalt an den Nürnberger Schulen umgesetzt werden. Eine Darstellung soll im | |
| Schulausschuss im Dezember erfolgen. |
2.3 Erweiterung des Angebots der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS)
Für die Bedarfsanalyse und Ausbauplanung des Angebots der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) wurde die Jugendhilfeplanung fortgeschrieben und in den gemeinsamen Sitzungen des Schulausschusses und des Jugendhilfeausschusses vom 28.11.2019 und 12.11.2020 beschlossen. Dort wurde ausführlich über die weitere Ausbauplanung und die Priorisierung der einzelnen Schulen berichtet. Der Ausbauplan dient grundsätzlich als Planungsgrundlage für die nächsten Jahre und soll die Abfolge von Stellenschaffungen, abhängig von der künftigen Förderung zusätzlicher JaS-Stellen sowie den finanziellen Möglichkeiten des städtischen Haushalts, regeln. In den einzelnen Ausbaustufen werden die Bedarfe der jeweiligen Schulstandorte in eine Rangfolge gebracht und somit aufgezeigt, an welcher Schule die nächste verfügbare Kapazität eingesetzt werden sollte. Dabei gilt immer der Grundsatz, dass jede Schule für sich entscheidet, ob sie sozialpädagogische Fachkräfte der JaS einsetzen möchte, dann aber auch die im Rahmenkonzept geltenden Grundbedingungen erfüllen muss. Sollte eine Schule den Einsatz von JaS ablehnen, geht das Angebot an die nächste Schule im Ausbauplan über.
2.4 Weitere Maßnahmen der Stadt Nürnberg
2.4.1 Ausstattung von Räumen
Von Seiten der Stadt Nürnberg wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um einen sicheren Kita- und Schulbetrieb zu ermöglichen. Dabei wurden an geeigneten Standorten im Rahmen der entwickelten Hygienekonzepte und Corona-Schutzmaßnahmen unter anderem auch Luftfilter / Raumluftreinigungsgeräte beschafft und aufgestellt oder werden noch aufgestellt werden.
Beispielsweise wurden für die Schulen zusätzlich zu den bereits im Frühjahr 2021 angeschafften 300 Raumluftreinigungsgeräten nach Beschluss des Stadtrats vom 21.07.2021 weitere 1.200 Stück für die Klassenzimmer der Schülerinnen und Schüler der 1. bis 6. Jahrgangsstufen bestellt. Soweit möglich wurden dafür auch die vom Bund und Freistaat zur Verfügung gestellten Zuschüsse und Fördermittel genutzt. Durch die Anschaffungskosten von 4.000€ pro Gerät und die maximale Förderung des Freistaats von 1.750€ ergab sich für die Stadt Nürnberg ein Investitionsaufwand von 2,7 Mio. Euro. Erfreulicherweise konnten zum Zeitpunkt der Berichtsfassung bereits über 1.000 Stück in den entsprechenden Klassenzimmern aufgestellt werden. Für Kitas in kommunaler und freier Trägerschaft wurden bis Sommer 2021 insgesamt 187 Raumluftreinigungsgeräte angeschafft und aufgestellt, mit einem Investitionsaufwand von insgesamt rund 1,1 Mio. Euro und Zuschüssen in Höhe von rund 0,5 Mio. Euro. Für Kinderhorte und Häuser für Kinder in kommunaler Trägerschaft wurden zum Zeitpunkt der Berichtsfassung weitere 222 Geräte bestellt und werden in den ersten beiden Novemberwochen ausgeliefert bzw. installiert. Kitas in freier Trägerschaft können weiterhin das Förderprogramm des Freistaats selbständig nutzen.
2.4.2 Steigerung der Resilienz
Das Team der Schulpsychologinnen am IPSN versucht im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen, möglichst schnell und flexibel auf Beratungsbedarfe zu reagieren und dafür andere Aufgaben (z. B. Fortbildung) zu verschieben. Gleichzeitig kommen gerade jetzt verstärkt Lehrkräfte wie Schulen mit Anfragen zu schulinternen Fortbildungen zum Thema Psychische Störungen auf die Schulpsychologie zu. Bereits bestehende Maßnahmen und Projekte für bestimmte Zielgruppen oder Klassen werden wieder aufgenommen (z. B. zum Umgang mit Stress vor und in Prüfungen), auf die aktuelle Situation angepasst und intensiviert. Häufig wird dabei mit anderen Beratenden an den Schulen kooperiert (z. B. JaS, Beratungslehrkräfte). Ganz konkret wird ein Trainingsangebot „Selbstsicher durch den Schulalltag“ für Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse entwickelt und soll in diesem Schuljahr – wenn möglich – in mehreren Durchläufen – durchgeführt werden. Gerade mit der Erwartung steigender Zahlen von Kindern und Jugendlichen mit Ängsten Depressionen und der Auswirkung Schulabsentismus ist Kooperation und Vernetzung der Bereiche Schule, Jugendhilfe und Gesundheitsamt zwingend. Bei psychosomatischen Problemen braucht es die interdisziplinäre Abklärung und ein gemeinsames Vorgehen. Bestehende Kooperationsstrukturen werden (re-)aktiviert und beschäftigen sich mit möglichen Reaktionen auf die geschilderten Probleme. Im Rahmen des aktuellen Prozesses MSRG1 innovativ werden als Handlungsfelder die psychosoziale Stärkung sowie Motivation und Selbstwirksamkeit in den Fokus genommen. Es werden Maßnahmen für die Schulen entwickelt. Die Chance in und nach der Krise ist, zu erkennen, dass die psychische Gesundheit von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern kein Nice-to-have, sondern die Basis dafür ist, gut lernen zu können. Psychische Gesundheit sollte daher ein zentrales Ziel der Schulentwicklung sein. Aktuell existiert auf verschiedenen Handlungsebenen Offenheit für eine stärkere Beschäftigung mit dem Thema.
2.4.3 KinderKulturOffensive 2021
Der Geschäftsbereich Kultur, das Referat für Schule und Sport und das Referat für Jugend, Familie und Soziales initiierten ab Juli 2021 gemeinsam die KinderKulturOffensive 2021. Mit der Unterstützung von fünf Rotary Clubs brachte die KinderKulturOffensive 2021 viele Begegnungen, Farbe, Musik und
| Digitale | |
|---|---|
| Kulturhappen und Freiluftveranstaltungen in Schulen, Kitas, Kinder- und Jugendeinrichtungen | |
| eröffneten niedrigschwellig Kulturhorizonte und ermöglichen Teilhabe. Gleichzeitig entstanden | |
| Verdienstmöglichkeiten für existenzgefährdete Berufsgruppen. Daneben haben sich auch zahlreiche | |
| Sportvereine mit vielfältigen Bewegungsangeboten an der Aktion beteiligt. | |
| Nürnberger Kitas, Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen finden nach wie vor auf der Internetseite | |
| des KS:NUE (Kultur.Service für Schulen Kitas) zehn kostenfreie „digitale Kulturhappen“ für Kinder bis | |
| 12 Jahre.2 Theaterszenen, Musikfilme, Kinderlieder und Erzählspiele zum Mitmachen können jederzeit | |
| bequem online abgerufen werden. Sie eignen sich zum flexiblen Einsatz im Unterricht, in der Vor- und | |
| Nachmittagsbetreuung und als Ergänzung zur Freizeitgestaltung. Seit Juli 2021 lautet das Motto dann | |
| „Kultur offensiv“ und „Sport offensiv“ auf dem Schulhof, im Hortgarten oder auf der Jugendhauswiese. | |
| Kultur und Bewegung kommen in die Einrichtungen, etwa Theatermärchen und Mitmachkonzerte, |
1 MSRG = Mehr Schulerfolg an Realschulen und Gymnasien der Stadt Nürnberg 2 https://www.nuernberg.de/internet/kuf_kultur/kinderkulturoffensive.html
Kunstspaziergänge und Bewegungsgeschichten, Turn- und Tanzworkshops. Die KinderKulturOffensive
versammelt Angebote, die sich unter Wahrung der aktuellen Corona-Regeln mit einer festen Gruppe
oder Klasse im Freien realisieren lassen. Das Angebot ist auf sehr große Resonanz bei den Kitas,
Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen gestoßen. Insgesamt konnten über 100 Angebote aus
den Programmen „Kultur Offensiv“ und „Sport Offensiv“ ermöglicht werden.
3. Maßnahmen zur Lernförderung
Wie bereits oben erwähnt setzt das Förderprogramm „gemeinsam.Brücken.bauen“ des Freistaats neben der Sozialkompetenzförderung auch auf die Lernförderung. Durch Zusatzangebote, Tutorenprogramme oder Maßnahmen wie die Teilung der Klasse, die Unterstützung der Lehrkraft im Regelunterricht oder eine klassenübergreifende Binnendifferenzierung sollen pandemiebedingte Nachteile ausgeglichen werden. Grundlage ist zuvor die Einschätzung der Lernstände der Schülerinnen und Schüler. Somit haben die Schulen die Möglichkeit, ein individuelles Förderkonzept gemäß den Bedarfen vor Ort zu entwickeln. Zum Zeitpunkt der Berichtserstellung waren noch nicht alle Förderkonzepte der Schulen eingegangen. Es ist daher geplant, im Schulausschuss im Dezember ausführlich über die Umsetzung des Förderprogramms „gemeinsam.Brücken.bauen“ an den Nürnberger Schulen zu berichten. Den städtischen Schulen steht durch das vom Nürnberger Stadtrat beauftragte Programm MSRG3 und MSBS4 seit mehreren Jahren ein Instrument zur Verfügung, das dazu beiträgt, Schülerinnen und
| Die Palette reichte dabei in den vergangenen Jahren von | |
|---|---|
| Förderkursen für spezielle Zielgruppen über Verstärkung von Elternarbeit bis hin zur Erarbeitung von | |
| umfassenden Förderkonzepten zum nachhaltigen Lernen oder zur Leseförderung. |
Corona-Pandemie wird das derzeitige Konzept von MSRG an die aktuelle Situation angepasst. Derzeit befasst sich eine Arbeitsgruppe mit einer zeitgemäßen und passgenauen Weiterentwicklung des Programms.
4. Schuleingangsuntersuchungen
Dem Referat III und dem Gesundheitsamt ist die wichtige Bedeutung der Schuleingangsuntersuchungen bewusst. Nachdem die Eltern aller einzuschulenden Kinder ein Anschreiben zur Abfrage der durchgeführten U9 erhalten haben und inzwischen auch ein erstes Erinnerungsschreiben versendet wurde, werden gerade die Rückmeldungen ausgewertet. Da in dem ersten Anschreiben auch die Aufforderung enthalten war, die U9 doch möglichst nachzuholen, rechnet man aktuell mit einem Rücklauf von 600-800 Kindern ohne U9. Aktuell werden die Mitarbeitenden des KJÄD stufenweise aus der Corona-Arbeit abgezogen, um die entsprechenden Schuleingangsuntersuchungen durchführen zu können. Durch die Delta-Variante und die hohe Impfquote bei älteren Menschen zeigt sich ein verschobenes Infektionsgeschehen, wodurch überdurchschnittlich viele Personen unter 35 Jahre betroffen sind. Entsprechend ist das Corona-Team zur Bearbeitung von Fällen in Schulen und Kitas ein wichtiger Bestandteil und die teils komplexe Fallarbeit macht den Austausch der Mitarbeitenden nicht einfach. Der Umfang der ärztlichen Schuleingangsuntersuchung entspricht orientierend den Anforderungen einer U9-Untersuchung, geht aber insbesondere im Bereich Graphomotorik und Aufmerksamkeit darüber hinaus.
3 MSRG = Mehr Schulerfolg an Realschulen und Gymnasien der Stadt Nürnberg 4 MSBS = Mehr Schulerfolg an beruflichen Schulen der Stadt Nürnberg