Sitzungsunterlagen
Sitzung des Kulturausschusses
08.10.2021
Inhaltsverzeichnis
Sitzungsdokumente 3 Tagesordnung -öffentlich- 3 Öffentliche Bekanntmachung 5 Vorlagendokumente 7 * TOP Ö 1 "Schdreggsderlängs 48 - eine öffentliche digitale Kunstgalerie" 7 Sitzungsvorlage H/036/2021 7 Animation_Großbildschirme_Lorenzkirche H/036/2021 11 FDP-Antrag vom 31.08.2021 H/036/2021 12 * TOP Ö 2 Kultur-Sommer – eine (Zwischen-)Bilanz 14 Bericht 2. BM/035/2021 14 01_Bericht_Sommer_Bilanz 2. BM/035/2021 17 * TOP Ö 3 Bilanz des Kultursommers 2021: Sonderformate des Projektbüros 24 Bericht 2. BM/037/2021 24 * TOP Ö 4 Das kulturelle Modellprojekt „KommVorZone“ im Annapark/Südstadt: 27 Erfahrungsbericht, Evaluation und Perspektiven Sitzungsvorlage KuF/006/2021 27 01_Diversity-Check KuF/006/2021 30 02_Sachverhalt KuF/006/2021 31 03_Impressionen_KommVorZone_Juni-Juli_2021 KuF/006/2021 38 04_KommVorZone_Programm 2021_nach_Sparten KuF/006/2021 42 TOP Ö 5 Neubau Besucherzentrum Memorium Nürnberger Prozesse 50 Sitzungsvorlage KuM/002/2021 50 01_Diversity-Check KuM/002/2021 54 02_SPD-Antrag vom 01.10.2020 (AN_ 325_2020) KuM/002/2021 55 03_Sachverhalt KuM/002/2021 56 04_Raumprogramm Neubau MNP KuM/002/2021 60 05_Raumprogrammprüfung_ZD-Vermerk KuM/002/2021 63 TOP Ö 6 50 Jahre Eingemeindung 64 Sitzungsvorlage Av/001/2021 64 01_CSU-Antrag vom 25.05.2020 (AN/142/2020) Av/001/2021 68 02_Konzept_Eingemeindungen Av/001/2021 69 TOP Ö 7 Nutzung eines Rundbausegments der Kongresshalle als Ort für Kunst und 71 Kultur Sitzungsvorlage 2. BM/036/2021 71 01_CSU-Antrag vom 14.06.2021 (AN_208_2021) 2. BM/036/2021 75 02_Sachverhalt 2. BM/036/2021 77
TAGESORDNUNG
Sitzung
Sitzung des Kulturausschusses
Sitzungszeit
Freitag, 08.10.2021, 09:00 Uhr
Sitzungsort
Rathaus, Fünferplatz 2, Großer Sitzungssaal
TAGESORDNUNG
Öffentliche Sitzung
1. "Schdreggsderlängs 48 - eine öffentliche digitale Kunstgalerie" Beschluss
hier: Antrag der FDP vom 31.08.2021 H/036/2021
- Unterlagen werden nachgereicht -
Ulrich, Daniel
2. Kultur-Sommer – eine (Zwischen-)Bilanz Bericht
- Unterlagen werden nachgereicht - 2. BM/035/2021
Lehner, Julia, Prof. Dr.
3. Bilanz des Kultursommers 2021: Sonderformate des Projektbüros Bericht
- Unterlagen werden nachgereicht - 2. BM/037/2021
Lehner, Julia, Prof. Dr.
4. Das kulturelle Modellprojekt „KommVorZone“ im Beschluss
Annapark/Südstadt: Erfahrungsbericht, Evaluation und KuF/006/2021
Perspektiven
- Unterlagen werden nachgereicht -
Lehner, Julia, Prof. Dr.
5. Neubau Besucherzentrum Memorium Nürnberger Prozesse Beschluss
hier: Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 01.10.2020 KuM/002/2021
Lehner, Julia, Prof. Dr.
6. 50 Jahre Eingemeindung Beschluss
hier: Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 25.05.2020 Av/001/2021
Lehner, Julia, Prof. Dr.
7. Nutzung eines Rundbausegments der Kongresshalle als Ort für Beschluss
Kunst und Kultur 2. BM/036/2021
hier: Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 14.06.2021
Lehner, Julia, Prof. Dr.
- Genehmigung der Niederschrift der Sitzung vom 09.07.2021,
öffentlicher Teil
BEKANNTMACHUNG DER TAGESORDNUNG
Am Freitag, 08.10.2021, um 09:00 Uhr findet im Rathaus, Fünferplatz 2, Großer Sitzungssaal eine
Sitzung des Kulturausschusses
mit folgender Tagesordnung statt:
1. "Schdreggsderlängs 48 - eine öffentliche digitale Kunstgalerie"
2. Kultur-Sommer – eine (Zwischen-)Bilanz
3. Bilanz des Kultursommers 2021: Sonderformate des Projektbüros
4. Das kulturelle Modellprojekt „KommVorZone“ im
Annapark/Südstadt: Erfahrungsbericht, Evaluation und
Perspektiven
5. Neubau Besucherzentrum Memorium Nürnberger Prozesse
6. 50 Jahre Eingemeindung
7. Nutzung eines Rundbausegments der Kongresshalle als Ort für
Kunst und Kultur
- Genehmigung der Niederschrift der Sitzung vom 09.07.2021,
öffentlicher Teil
Zusätzlich findet eine nichtöffentliche Sitzung statt.
Stadt Nürnberg, 22.09.2021
Marcus König Oberbürgermeister
H/036/2021
Beratung Datum Behandlung Ziel
Kulturausschuss 08.10.2021 öffentlich Beschluss
Betreff:
"Schdreggsderlängs 48 - eine öffentliche digitale Kunstgalerie"
hier: Antrag der FDP vom 31.08.2021
Anlagen: Animation_Großbildschirme_Lorenzkirche FDP-Antrag vom 31.08.2021
Sachverhalt (kurz):
Die Situierung von digitalen Groß(werbe)tafeln in der historischen und denkmalgeschützten Nürnberger Altstadt ist Gegenstand langer Debatten. Im Ergebnis ist der Antrag nach Prüfung durch die Verwaltung leider nicht umsetzbar:
-
Orte sehr hoher Fußgängerfluktuation (nur solche Orte wäre für Ausstellungen im Sinne des Antragsteller wohl geeignet) sind schon heute so dicht belegt, dass digitale Tafeln sich rein räumlich nicht mit den Belangen von Feuerwehr, Liefern und Laden, Passanten und Stadtbild vereinbaren lassen. Zudem dürften in Konkurrenz mit kontinuierlich zu suchenden Baumstandorten Bäume zu bevorzugen sein. In der Summe wird sich das gewünschte dichte Bild der Projektion von Kunst im öffentlichen Raum nicht erreichen lassen.
-
Die historische Altstadt Nürnbergs mit einer der größten Fußgängerzonen Europas bietet ein unvergleichliches Einkaufs-, Gastro-, Kultur- und Freiraumerlebnis. Daher zählt sie auch zu den meistbesuchten Orten Deutschlands. Die Kaufkraftbindung der Altstadt liegt im Vergleich zu anderen deutschen Städten sehr hoch. Diese Qualitäten wurden mühsam erreicht und sind auch einer konsequenten und restriktiven Politik in Hinblick auf Eingriffe in den öffentlichen Raum geschuldet. Eine Situierung einer größeren Zahl von Bildschirmen in der Altstadt wäre dem „Kernwert“ des Standortes abträglich.
-
Die Finanzierung über Werbung macht die Tafeln zu Werbeanlagen, unabhängig von der sonstigen Nutzung. Werbeanlagen unterliegen dem Baugesetzbuch, der Bayerischen Bauordnung, dem Denkmalschutzgesetz, der Werbeanlagensatzung und dem Sondernutzungsrecht. Erst 2020 wurden dazu mit der in Nürnberg hierzu exklusiv beauftragten Firma „Stadtreklame“ Lösungen gefunden, die auch rechtlich überprüft wurden. Unter rechtlichen Aspekten ist die beantragte Konzeption in der Altstadt nicht umsetzbar.
In der Summe würde eine Einrichtung vieler Bildschirme in der historischen Altstadt aus kultureller Sicht nur wenig Nutzen bringen, da die Bildschirme ja eben nicht primär autonome Kunst wären, sondern vorrangig „Fernseher“, die Kunst aus anderem Kontext abspielen. Zudem wäre der städtebauliche Effekt ebenso ungünstig wie die Wirkung in der historischen Altstadt. Nicht zuletzt wären aus rechtlichen Gründen einer weitflächigen Verbreitung von digitalen (Werbe)medien in der Altstadt Tür und Tor geöffnet.
Sollte der Antragsteller das Konzept an einem anderen Ort (Wölckernstraße, Kopernikusplatz usw) angehen wollen, wären die Rahmenbedingungen anders.
Verwaltungsseitig bestehen jedoch keine Kapazitäten die Idee gesamtstädtisch zu prüfen, da nach aktueller Erfahrung eine Finanzierung außerhalb der Altstadt ausgeschossen ist.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Der Kulturausschuss lehnt die Großbildschirme aufgrund der im Sachverhalt genannten Gründe ab.
"AW®
ÜmitSormaz ■ Ralhausplatz 2 •
Herrn Oberbürgermeister Marcus König Rathausplatz 2 90403 Nürnberg
Antrag: SCHDREGGSDERLÄNGS 48 - eine öffentliche digitale
Kunstgalerie
Nürnberg, den 31. August'21
Zeichen: ÜS-AN
Die Belebung der Innenstädte sowie die Förderung der Kultur sind
Ümit Sormaz
Mitglied des Stadtrates der entscheidende Projekte, die seitens der Stadt dringend angegangen werden
Stadt Nürnberg
müssen. Dabei sind innovative Ideen mehr denn je gefragt. In diesem Punkt
fdp@)uemit-sorma2.de
kann die Stadt Nürnberg eine Vorbildfunktion auch für andere Städte, die
www.uemit'Sormaz.de
wie Nürnberg aufgrund der Auswirkungen der Pandemie mit leeren Kassen
Freie Demokraten FDP
Rathausplatz 2 dastehen, übernehmen.
90403 Nürnberg
T: 0911-1325250
M: 0177-2502513 Eine mögliche Idee für die Belebung der Nürnberger Innenstadt und zur
Förderung der lokalen Kunstszene wäre eine Ausstellungsfläche in der
Fußgängerzone. Allein der fränkische Begriff Schdreggsderlängs wirkt wie
ein Kunstwerk und bedeutet in der Übersetzung ins Hochdeutsche: der
Länge nach. Das passt prima, denn der Begriff steht für digitale
Ausstellungsflächen in der Fußgängerzone 24 Stellflächen bzw. 48 hochkant
positionierte Großbildschirme sollen im Zweimeterabstand eine digitale
Kunstgalerie erschaffen. Für die Präsentation wird nur ein Bildmotiv vom
jeweiligen Kunstobjekt benötigt. Damit erübrigen sich das Schleppen von
Objekten oder Straßensperrungen für spezielle Aufbauten. Und deshalb
wären auch Präsentationen von bisher nicht gezeigten musealen
Archivstücken möglich
Vor diesem Hintergrund stelle ich zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:
Die Verwaltung prüft die Umsetzungsmöglichkeit einer solchen
„Schdreggsderlängs" Ausstellungsmöglichkeit und setzt sich dazu mit
Künstlern und dem Kulturamt für die technische Steuerung zusammen.
Der Fokus soll auf Präsentationsmöglichkeiten für junge Nürnberger
Künstler wie Maler, Bildhauer oder Objektkünstler liegen.
Als Finanzierungsmöglichkeit ist die Ausstrahlung von Werbungen auf
Großbildschirmen zu prüfen, die alle 15 Minuten zweiminütig lang sein
könnten.
Berichtsvorlage
Beratung Datum Behandlung Ziel
Kulturausschuss 08.10.2021 öffentlich Bericht
Betreff:
Kultur-Sommer – eine (Zwischen-)Bilanz
Anlagen: 01_Bericht_Sommer_Bilanz
Bericht: Die Verwaltung berichtet über die Aktivitäten, Angebote und Maßnahmen des Geschäftsbereichs Kultur mit seinen Dienststellen, die während der Sommermonate entwickelt und durchgeführt wurden, um insbesondere der regionalen und lokalen Kunst- und Kulturszene Zugang zu Produktions- und Präsentationsflächen zu ermöglichen.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Keine Diversity-Relevanz da die beschriebenen Maßnahmen sich an die gesamte Stadtbevölkerung richten.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Kultur-Sommer – eine (Zwischen-)Bilanz
Die Kulturdienststellen und Stabsstellen im Geschäftsbereich Kultur haben im Verlauf der Sommermonate unter dem Eindruck der Folgen der Corona-Pandemie Aktivitäten, Angebote und Maßnahmen entwickelt und durchgeführt, um der regionalen und lokalen freien Kunst- und Kulturszene Produktions- und Präsentationsflächen anbieten zu können. Im Mittelpunkt der vielfältigen Aktivitäten der Dienststellen steht und stand die Unterstützung der heterogenen freien Szene aus Kunst und Kultur, die Schaffung hierfür geeigneter Auftrittsmöglichkeiten und Ausstellungsflächen sowie die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur. Waren diese Vorhaben zunächst noch durch starke Beschränkungen im Rahmen des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung geprägt, konnte mit zunehmenden Lockerungen für die Durchführung und den Besuch von Kulturveranstaltungen im weiteren Jahresverlauf nach zunächst zögerlicher Akzeptanz durch Besucherinnen und Besucher ein leichter Wandel dieser Entwicklung konstatiert werden. Zumeist waren die Angebote der Dienststellen als Veranstaltungen auf Freiflächen konzipiert worden, witterungsbedingt kam es dabei durchaus zu Schwankungen der Publikumszahlen. Der Bedarf nach Begegnung und kulturellem Erlebnis ist sichtbar vorhanden. Die notwendigen Einschränkungen und Auflagen führen weiterhin zu einem erheblichen organisatorischen Mehraufwand, gleichzeitig werden Möglichkeiten der Refinanzierung eingeschränkt. Über zusätzliche, durch den Stadtrat bewilligte Fördermittel, konnten zudem Open-Air-Kulturformate gefördert werden, etwa der Betrieb einer „Kulturoase“ durch den Verein Kulturoasis e. V. im Stadtteil Muggenhof und weitere Vorhaben freier Gruppen und Kulturschaffender.
Projektbüro im Geschäftsbereich Kultur
Das Projektbüro konnte seine sommerlichen Großveranstaltungen – Bardentreffen, Klassik Open Air und Stars im Luitpoldhain – aus bekannten Gründen nicht durchführen. Regulär durchgeführt wurden im September die RathausART sowie die 22. Stadt(ver)führungen. Daneben wurden vom Projektbüro verschiedene Sonderformate konzipiert und durchgeführt, die überwiegend durch Mittel aus dem Fonds „Neustart Kultur“ der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien gefördert werden. Zu nennen sind hier etwa die Reihe „Muse im Museum“ und der Musikspeicher. Einzelheiten stellen wir Ihnen in einem gesonderten Tagesordnungspunkt vor.
KuF - Amt für Kultur und Freizeit
Das Amt für Kultur und Freizeit hat im Sommer 2021 zahlreiche zusätzliche Kulturangebote durchgeführt. Allein von Anfang Juni bis Ende September wurden über 700 Termine aus allen Kultursparten angeboten, die in Kooperation mit Vertreterinnen und Vertretern der freien Szene gestaltet wurden. Ziel war es, einen dezentralen Akzent zu setzen hinsichtlich der Förderung freier Kulturschaffender, des (Wieder-)Aufbaus partizipativer und ehrenamtlicher Strukturen sowie der Einbindung und Erreichung breiter Zielgruppen. Dabei konnte das KuF neue Orte im gesamten Stadtgebiet bespielen, Freiflächen intensiv nutzen und für genannte Zwecke erschließen.
Die Nürnberger Kulturläden haben Anfang Juni ihren Betrieb insbesondere mit Open- Air-Veranstaltungen aufgenommen, die aufgrund des geringen Infektionsrisikos wie auch der meist stimmungsvollen Orte gerne und zumeist zahlreich besucht waren. Aufsuchende Kulturarbeit wurde zu einem Schwerpunkt. Unter dem Leitmotiv „Auf gute Machbarschaft“ waren die Nürnberger Kulturläden vom 15. bis zum 26. September 2021 zudem mobil auf öffentlichen Plätzen und in Parks in ganz Nürnberg unterwegs. Die „KommVorZone“ bot ein Programm mit über 100 Einzel- Veranstaltungen im Annapark in der Südstadt. Mit der Aufnahme des regulären Kulturladenbetriebs im September 2021 kehrte das Programm wieder verstärkt in die Innenräume zurück. Bemerkenswert dabei: Über einhundert der Gruppen, interkulturelle Vereine und freie Initiativen, haben ihre Aktivitäten in den Kulturläden wiederaufgenommen. Das Gemeinschaftshaus Langwasser wurde nach dreijähriger Sanierungsphase mit einem dreitägigen Eröffnungsfestival wiedereröffnet. Das Filmfestival Türkei Deutschland fand erstmals im Gemeinschaftshaus statt und etablierte damit den interkulturellen Film als Programmschwerpunkt. Im September 2021 wurde das „Streetartfestival Betonliebe“ durchgeführt. Die Kulturwerkstatt Auf AEG feierte mit dem Festival „Glück Auf AEG“ ihr fünfjähriges Jubiläum. Etablierte Kooperationen wie z.B. die polnischen Filmtage, das „Open Air Kino Auf AEG“, das „Ost Anders Festival“ oder das junge Festival „Kult und Tumult“ kehrten ins Haus zurück.
Erste Erfahrungen in allen Kulturläden zeigen, dass eine vollständige Auslastung der Innenräume mit Maskenpflicht aufgrund von Bedenken des Publikums aktuell noch nicht abgesehen werden kann. KuF verstärkte zudem sein Engagement im Bereich der kulturellen und politischen Bildung. Hierfür initiierten der Geschäftsbereich Kultur der 2. Bürgermeisterin, die Referentin für Schule und Sport sowie die Referentin für Jugend, Familie und Soziales mit externen Förder*innen die KinderKulturOffensive mit 60 kostenfreien Kulturangeboten für Schulen, die von freien Kulturschaffenden in Kooperation mit dem Kulturservice für Schulen und Kindertageseinrichtungen KS:NUE durchgeführt wurden. Die Ausstellungsvorhaben „Zwischenwelten“ (Kulturtage der Grund,- Mittel und Förderschulen) und „Pandorama“ (mit dem Verein zur Förderung innovativer Kulturarbeit) gehen der Frage nach, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf Nürnberger Kinder und Jugendliche besitzt. Das Workshop-, und Kurs- und Ferienangebot für Kinder wird und wurde nur zögerlich gebucht. Der Gesundheitsschutz geht auch hier bei reduzierten Publikumszahlen mit logistischorganisatorischem Mehraufwand einher. Die KinderUni Nürnberg fand im Sommersemester komplett digital statt. Das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne konnte am 13. Juni wieder öffnen. Bis zur Schließung am 12. September wurden 20.855 Besucherinnen und Besucher verzeichnet, dies entspricht einer Auslastung von 77%. Auffällig war die vorsichtige und anfangs zurückhaltende Buchung von Führungen für Schulklassen und die sich verstärkende Tendenz, Eintrittskarten kurzfristig zu erwerben. Das mobile Erfahrungsfeld konnte bis in den September in Kooperation mit den Kulturläden knapp 150 Kita-Gruppen und Schulklassen erreichen. Die städtische Musikschule hat am 7. Juni den Unterricht an allen 23 dezentralen Standorten wiederaufgenommen, auch das Förderprogramm MUBIKIN mit seinen 40 Kindergärten, acht Schulen und einem Förderzentrum konnte am 14.6. wieder
starten. Allein im Rahmen von „Frischluft Auf AEG“, das umfangreiche Sommerprogramm der Kulturwerkstatt Auf AEG wurde im Rahmen von NEUSTART KULTUR von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert, präsentierte die Musikschule 13 Konzerte.
KuKuQ - KunstKulturQuartier
Den zu bespielenden „Sommer“ definiert der Kulturverbund „KunstKulturQuartier“ mit seinen Ausstellungs- und Veranstaltungshäusern sowie den Kinos des kommunalen Filmhauses von Mai bis einschließlich Oktober. In diesen Monaten waren und sind alle Programmmacherinnen und Macher und alle Kuratorinnen der Dienststelle angehalten, entsprechende Kulturangebote unter Einbezug vornehmlich lokaler und regionaler Künstlerinnen und Künstler zu entwickeln. Das Fotofestival „facing reality“ in Kooperation mit der Fotoszene e. V. konnte auch ab Mai 2021 nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Die Publikumsresonanz war nicht messbar, da die Ausstellungen flächig im öffentlichen Raum verortet waren (Stadtpark, St. Lorenz). Die Begleitausstellung zum „Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten“ zog an die 10.000 Besucherinnen und Besucher an – eine der besten Bilanzen in der nahezu 30-jährigen Historie der Ausstellung. 1.000 Besucherinnen und Besucher verzeichnete die Schau „Debütantenpreisträger“ des BBK (Berufsverband Bildender Künstler) im Glasbau des Künstlerhauses. Kunsthalle und Kunstvilla verlängerten die Ausstellungsvorhaben "Barbara Probst. Streets, Fashion, Nudes, Still Lifes" sowie „Wilhelm Uhlig – Die gute Figur“. Beides stieß auch ohne museumspädagogische Begleitung auf eine solide Resonanz. Kernorte für den „Kultursommer“ waren und sind noch der Openair-Spielort „St. Katharina“ sowie Außenbereiche und Veranstaltungsformate, die als Mischform zwischen Live-Vorstellungen und Streams angelegt waren. So erstreckt sich das Internationale Figuren.Theater.Festival der Städte Erlangen-Fürth-Nürnberg auch in Nürnberg von Mai bis Oktober in Blöcken mit Gastspielen und Produktionen lokaler und regionaler Künstlerkollektiven und –gruppen. Das Vorhaben umfasst 18 Veranstaltungen an Orten wie z.B. Künstlerhaus, St. Katharina, Neues Museum Nürnberg, Pegnitzwiesen, Kantine, Wöhrder Wiese und dem Vorplatz der Tafelhalle. In der Tafelhalle wurde die Zeit der verringerten Besucherkapazitäten genutzt, um mit den hier verorteten Tanz- und Theatergruppen an zeitgemäßen, digiotalen Präsentationsformen zu arbeiten. Live- Premieren mit interaktiver Beteiligung online schafften Publikum für „Anatomie“ von Alexandra Rauh, „The Matter Of Fact (Hendrik Kaalund), „Air Bag“ (Plan Mee), „Butterfly Brain“ (Susanna Curtis), „Berührt Euch“ (Manu Neudegger). Knapp 1.500 Zuschauerinnen und Zuschauer der 27 Vorstellungen sind Zeichen der nur zögerlichen Rückkehr des Publikums in die geschlossenen Aufführungsorte. Im September 2021 startete die neue inklusive Themenreihe „Every Body - Das Festival für mixed-abled Tanz und Performance“ mit guter Publikumsresonanz. In St. Katharina bespielten von Mai bis in den August 2021 mit weit höherer Veranstaltungsdichte als zuvor das KOMM-Kino, das Sommernachtsfilmfestival, das Stummfilmmusikfestival und das Filmhaus die open air Bühne. Das Filmangebot und damit einhergehend die Spielmöglichkeiten für freie Veranstalter konnten um 50 % gesteigert werden.
An insgesamt 62 Tagen war St. Katharina zudem Spielort von Kulturangeboten freier Kulturinitiativen für gut 5.000 Besucherinnen und Besucher. Veranstaltungen aus Klassik, Theater, Kindertheater, (Pop-)Konzert, Kabarett und Literatur bildeten den Rahmen für ein vielfältiges Programm, das im Oktober seinen Abschluss findet mit Aufführungen des Nürnberg Pop-Festivals.
BCN – Bildungscampus Nürnberg
Im Mittelpunkt der texttage.nürnberg steht die Literatur und der Prozess ihrer Entstehung. Diese Fokussierung auf das Schreiben – im Gegenzug zu anderen Literaturfestivals, die sich meistens auf dem Lesen konzentrieren – bildet den Alleinstellungsmerkmal des Konzeptes und durchzieht wie ein roter Faden alle Bestandteile des Festivals. Insgesamt 660 Menschen haben vom 31. Mai bis 2. Juni 2021 an den Texttagen 2021 teilgenommen. Das Literaturfestival fand vornehmlich auf den Außenflächen am Gewerbemuseumsplatz statt. Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen fällt im Vergleich zu 2019 trotz erschwerter Bedingungen durch Corona mit 15% weniger Besuchern verhältnismäßig gut aus. Auch die Zufriedenheit der Besucherinnen und Besucher mit dem Programm und der Ausführung war sehr hoch: in den ausgewerteten Feedback-Bögen (insgesamt 90 Rückmeldungen) bejahten 98% bzw. 97% der Gefragten die Fragen „würden Sie die texttage weiterempfehlen?“ und „würden Sie wieder teilnehmen?“. Die Rauminstallation „VRwandlung“ lud von Freitag, 9.7.2021 bis Samstag, 24.7.2021 in der Stadtbibliothek Zentrum ein, mittels VR-Brille in die Welt von Gregor Samsa einzutauchen. Die Rauminstallation war vormittags für Schulklassenbesuche und zu festen Öffnungszeiten am Abend für das allgemeine Publikum geöffnet. 150 Besucher entdeckten jeweils ca. 5 Minuten lang den VR-Raum. Zusätzlich arbeiteten acht Schulklassen mit insgesamt 164 Schülerinnen und Schülern ab der 10. Jahrgangsstufe intensiv mittels schulpädagogischem Konzept auch an eigenen Texten. Die Zusammenarbeit mit dem Kammermusikfestival „bridging arts Nürnberg“ konnte erfolgreich fortgesetzt werden. Vom 14. bis 18. September 2021 fanden am Spielort Katharinenruine täglich Aufführungen statt. Die Nutzungszahlen in der Stadtbibliothek Zentrum sowie in einigen Stadtteilbibliotheken erholen sich nur langsam und erreichen noch lange nicht die Werte prä-coronam. Im Vergleich zum Jahr 2019 gibt es bei den Entleihungen einen Rückgang um 18,7%, bei den Besuchen von 63% (Stand jeweils Ende Juli). Die Stadtbibliothek Zentrum punktete vor der Pandemie durch hohe Aufenthaltsqualität und zahlreiche Arbeitsplätze für Einzelpersonen und Gruppen. All diese Angebote sind derzeit noch nicht in Gänze oder nur stark eingeschränkt nutzbar, worunter insbesondere der Kinder- und Jugendbereich leidet. Der größte Rückgang ist in den Bücherbussen zu verzeichnen. Hier machen sich die fehlenden Schulklassenbesuche bemerkbar. Seit über einem Jahr können die Vormittagshaltestellen an den Schulen nicht angefahren werden. Homeschooling, strenge Regelungen bei der Rückkehr in den Präsenzunterricht und Abstandsvorgaben auf kleinster (Bus-)Fläche ließen eine Schulnutzung bislang nicht zu. Für das neue Schuljahr ist geplant, die Schulhaltestellen wieder komplett zu bedienen und den Schulen jeweils individuelle Nutzungskonzepte anzubieten. Zusätzlich wird ein Vorab-Bestell-Service für Medien aller Art angeboten.
In den Stadtteilbibliotheken sind die Besuche an allen Standorten teilweise stark zurückgegangen.Auch hier machen sich die fehlenden Schulklassen- und Kitabesuche bemerkbar. Bei der Zahl der Entleihungen zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab: Offensichtlich kommen zwar allerorts weniger Kundinnen und Kunden, diese leihen aber mehr Medien. Eine Ausnahme bildet insbesondere die Stadtbibliothek Langwasser, die durch den Rückumzug ins Gemeinschaftshaus Langwasser mit neu eingerichteten Räumen und mehr Service punkten kann. Die Entleihungen von 2019 werden bereits jetzt leicht übertroffen und ein weiterer Anstieg ist zu erwarten. Ebenfalls sehr positiv sieht es in den Bibliotheken in Maxfeld und Schoppershof aus. Hier entspricht die Zahl der Ausleihen den Vergleichswerten von 2019. In den Schulbibliotheken ist erst seit Juni 2021 wieder ein einigermaßen normaler Betrieb möglich. Die Besuchs- und Ausleihzahlen erholen sich langsam seit alle Schülerinnen und Schüler in voller Klassenstärke wieder unterrichtet werden können. Am 22.September 2021 wurde nach langer corona-bedingter Pause die seit Jahrzehnten bestehende Lesungsreihe „Literatur ohne Grenzen“ (Kooperation mit KuF) mit der argentinischen Autorin Pola Oloixarac fortgesetzt mit akzeptabler Teilnehmerzahl. Durch neue Angebote der am 23. Juli 2021 und mit langer eröffneten „Klingende Etage“ (Musikbibliothek), soll versucht werden, Kunden zurückzugewinnen bzw. neue Kunden zu gewinnen. Mit der „Klingenden Etage“ und besonders mit dem Angebot der „Bibliothek der Instrumente“ leistet die Stadtbibliothek einen wertvollen Beitrag zur musikalischen Bildung, gerade auch für Kinder aus Familien, in denen Musik kein Teil des Alltags ist. Am Bildungszentrum konnten in den zurückliegenden Monaten mehr als 800 Veranstaltungen und Kurse mit über 5.000 Teilnehmenden durchgeführt werden. Darüber hinaus wurden während des gesamten Sommers täglich Bewegungstreffs in sechs verschiedenen Parks in der Südstadt durchgeführt. Im Fachteam Beruf und Karriere wurden in 30 Veranstaltungen zur beruflichen Ausund Weiterbildung mehr als 130 Personen qualifiziert. In allen Bereichen des Fachteams Gesellschaft und Kultur konnten Angebote im Sommer 2021 – wenn auch mit reduzierter TN-Zahl – durchgeführt werden. Rund 50 Veranstaltungen mit über 500 Teilnehmenden aus allen Bereichen der Kultur wie Mal- und Zeichenkurse, Kreativkurse, Musizieren, Kurse der politischen Bildung, Kurse der Kunstgeschichte wurden dabei als Hofprogramm an der temporären Außenstätte im Innenhof des Herrenschießhauses durchgeführt Vom Fachteam Gesundheit wurden von Juli bis September insgesamt 333 Veranstaltungen angeboten mit 2.629 Teilnahmen. Insgesamt fanden 89 Bewegungstreffs mit 752 Teilnehmenden statt. Das Fachteam Grundbildung absolvierte 29 Angebote mit insgesamt 457 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, im Fokus standen dabei Kurse zur Alphabetisierung, Einstufungstests sowie Prüfungen zum Erhalt eines qualifizierenden Mittelschulabschlusses. Das Fachteam Sprachen machte insgesamt 186 Sprachenangebote in 8 Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Bulgarisch, Japanisch, Russisch und Türkisch) und im Bereich Deutsch und Integration; darunter 52 Deutsch- Einstufungstests und Prüfungsveranstaltungen. Es nahmen mehr als 1.100 Menschen teil. Das Nikolaus-Kopernikus-Planetarium ist seit dem 1. Juli 2021 wieder für das Publikum geöffnet. Bis zum 24. September 2021 wurden im Planetarium 182 Veranstaltungen durchgeführt die von insgesamt 6.592 Besucherinnen und
Besuchern frequentiert wurden. Dabei ist die Publikumsrezeption noch spürbar zurückhaltend. Aktuell nehmen die Anmeldungen durch Schulklassen und Kindergartengruppen wieder zu.
KuM – Museen der Stadt Nürnberg
Die Museen der Stadt Nürnberg beteiligten sich mit insgesamt sechs Einrichtungen intensiv an dem Vorhaben „Muse im Museum“, die organisatorische Gesamtverantwortung lag dabei beim Projektbüro im Geschäftsbereich Kultur.
Darüber hinaus kam es im Tucherschloss zur Wiederaufnahme des Internationale Festival der Partnerstädte „grenzenlos“, seit 2003 traditionell eine Kooperation mit dem Amt für Internationale Beziehungen, das vom 14. bis 15. August 2021 unter dem Motto „Nürnberg trifft Kavala zum Griechischen Picknick“ bei positiver Besucherresonanz, in den geltenden Hygieneschutzmaßnahmenbestimmungen angepasster Form, stattfand. Das Memorium Nürnberger Prozesse kooperiert mit dem Staatstheater Nürnberg. Am 25. September 2021 kam es im Saal 600 am historischen Ort zur Uraufführung des Stückes „Spurensuche“, die Vorstellung war ausverkauft. Die Ausstellung „Krieg und Frieden – Fotografien von Ewgenij Chaldej“ fand beim lokalen Publikum viel Anklang, aufgrund der Reiseeinschränkungen waren jedoch viel weniger auswärtige Besucherinnen und Besucher zu verzeichnen. Besondere Resonanz fand die Ausstellung „Luppes Galerie - Die Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg in der Weimarer Republik“ im Stadtmuseum im Fembo-Haus. Die Nachfahren des Alt-Oberbürgermeisters Dr. Luppe waren zum Ausstellungsbesuch angereist. Konstatiert wurde generell eine grundsätzliche Überraschung über Ausmaß und Vermögen des kommunalen Sammlungsbestands.
KPZ Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg
Vom 19.6. bis 21.9.2021 fanden insgesamt 340 KPZ-Veranstaltungen mit insgesamt 2660 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. 2019 waren es im Vergleichszeitraum 767 Veranstaltungen mit insgesamt 12.493 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Orientiert an den Hygieneregeln der Museen bot das KPZ seit dem 19.6. wieder öffentliche Führungen an. Je nach den räumlichen Gegebenheiten galt eine Teilnahmebegrenzung von 6 bzw. 10 Personen. Vorträge mit fester Bestuhlung fanden z.B. im Stadtmuseum im Fembo-Haus statt. Keine Führungen fanden statt im Albrecht-Dürer-Haus, im Haupthaus des Tucherschlosses und im Rathaus/Lochgefängnisse. Für Schulklassen standen ausgewählte Angebote aus dem Gesamtprogramm zur Verfügung. Klassen wurden in zwei bis drei Gruppen geteilt und parallel von zwei bis drei Museumspädagoginnen betreut. Die Klasse zahlte trotzdem nur die einfache Teilnahmegebühr. Eine begrenzte Auswahl an Angeboten für Kindergeburtstage stand ebenfalls zur Verfügung, wobei die Gruppengröße 6 Kinder und eine erwachsene Person nicht überschreiten durfte. Entsprechend gering war die Nachfrage. Das Ferienprogramm konnte wieder analog durchgeführt werden. Die meisten Termine mit Kleingruppen kamen zustande. Mit der 14. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sind inzwischen wieder fast alle KPZ-
Angebote uneingeschränkt buchbar. Für öffentliche Führungen gilt wieder die normale Obergrenze von 25 Personen.
Berichtsvorlage
Beratung Datum Behandlung Ziel
Kulturausschuss 08.10.2021 öffentlich Bericht
Betreff:
Bilanz des Kultursommers 2021: Sonderformate des Projektbüros
Bericht: Das Projektbüro im Geschäftsbereich Kultur musste das zweite Jahr hintereinander aus bekannten Gründen umfangreich umplanen beziehungsweise wie das Klassik Open Air kurz vor Stattfindung absagen. Zwar konnten die regulär stattfindende RathausART und die 22. Stadt(ver)führungen im September in angepasster Form und mit großem Erfolg durchgeführt werden. Aber sowohl die Burg-Projektion des Nürnberger Malers und Kulturpreisträgers Peter Angermann, die nach zweimaliger Absage entkoppelt von der Blauen Nacht gezeigt wurde, wie auch die Sonderformate „Muse im Museum“, der Musikspeicher im Spittlertorzwinger und die Seebühne am Dutzendteich (allesamt durch Förderung der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien mit Mitteln des „Neustart Kultur“-Fonds gefördert) wurden als Experimentierfeld, zur Revitalisierung der regionalen Kulturszene und Entdeckung neuer Spielräume genutzt
Der Bericht erfolgt mündlich und wird durch eine PowerPoint/Film-Präsentation ergänzt.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Keine Diversity-Relevanz da die beschriebenen Maßnahmen sich an die gesamte Stadtbevölkerung richten.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
KuF/006/2021
Beratung Datum Behandlung Ziel
Kulturausschuss 08.10.2021 öffentlich Beschluss
Betreff: Das kulturelle Modellprojekt „KommVorZone„ im Annapark/Südstadt: Erfahrungsbericht,
Evaluation und Perspektiven
Anlagen: 01_Diversity-Check 02_Sachverhalt 03_Impressionen_KommVorZone_Juni-Juli_2021 04_KommVorZone_Programm 2021_nach_Sparten
Sachverhalt (kurz): Basierend auf den formulierten Zielen der Kulturstrategie und als Nachfolgeprojekt der Kulturhauptstadtbewerbung führte das Amt für Kultur und Freizeit vom 02. Juni bis 31.Juli 2021 das partizipative Open-Air-Kulturformat „KommVorZone“ im Annapark in der Südstadt durch. Auf einer nachhaltigen Holzplattform konnten 110 Veranstaltungen mit 70 Kooperationspartner*innen stattfinden. Die „KommVorZone“, ihre Entwicklung von der partizipativen Erhebung der Bedarfe, der Bildung einer ehrenamtlichen Programmgruppe bis zur Durchführung werden dargestellt sowie die Chancen (wie auch Grenzen) dieses innovativen Modellprojekts evaluiert.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten 87.342 € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv 87.342 € davon Personalkosten € pro Jahr
Stadt Nürnberg Beschlussvorlage KuF/006/2021
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Geplante Finanzierung: Im Haushaltsentwurf 2022 ist ein angemeldeter Betrag v. 20.600 € enthalten. 50.000 € sollen aus Drittmitteln akquiriert werden. 17.000 € sind als Budgetübertrag aus 2021 geplant
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von 2,2 Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Siehe Beilage.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Ref. I/II/Stk
Stadt Nürnberg Beschlussvorlage KuF/006/2021
Der Kulturausschuss stimmt dem vorgeschlagenen Vorgehen zu. Dem Stadtrat wird empfohlen für die Durchführung 2022 die angemeldeten 20.600 € im Rahmen der Haushaltsberatungen 2022 bereit zu stellen. Die Verwaltung evaluiert das Projekt hinsichtlich der zukünftigen Perspektiven und legt die Ergebnisse samt inhaltlichem Konzept dem Kulturausschuss dann zur Entscheidung über das weitere Vorgehen vor.
Diversity-Check Stadt Nürnberg
| Nr. | Prüffragen | Begründung / Bemerkungen | Bewertung | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | In welcher Weise wirkt sich das Vorhaben nach Einschätzung der Verwaltung auf unter- schiedliche Personen- gruppen aus? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| 2. | Auf welchen nach den Diversity-Dimensionen differenzierten Daten, Informationen oder Schätzungen basiert das Vorhaben? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| 3. | Kann das Vorhaben zur Gleichberechtigung / Gleichstellung und Chancengleichheit bei- tragen? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| 4. | Welche Auswirkungen auf bestimmte Perso- nengruppen sind mit dem Einsatz öffentli- cher Mittel zu erwar- ten? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| Gesamt- relevanz | relevant teilweise relevant nicht relevant |
Sachverhalt
Das kulturelle Modellprojekt „KommVorZone“ im Annapark/Südstadt: Erfahrungsbericht, Evaluation und Perspektiven;
I. Einleitung
Für die Kulturstrategie im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung wurde das kulturelle Angebot der Stadt überprüft und konkrete Ziele einer notwendigen Weiterentwicklung formuliert: die Entstehung neuer Diskursräume, das Erreichen anderer, neuer Publikumsgruppen besonders in der Dezentrale, eine aktive Einbeziehung der Stadtgesellschaft im Sinne eines Empowerments zu eigenem Handeln und der Identifikationsstiftung mit der unmittelbaren Nachbarschaft. Die in der Kulturstrategie formulierten Problemstellungen haben sich durch die Coronapandemie verstärkt. Aus diesen Forderungen entstand das kulturelle Modellprojekt „KommVorZone“, das vom 02. Juni bis 31. Juli 2021 vom Amt für Kultur und Freizeit als partizipatives Open-Air-Kulturformat gemeinsam gestaltet mit einer ehrenamtlichen Programmgruppe - in einem sozial angespannten Stadtteil, im Annapark in der Südstadt, als sogenanntes „Nachfolgeprojekt der Kulturhauptstadtbewerbung 2025“ durchgeführt wurde. Die KommVorZone, ihre einzelnen Entwicklungs- und Durchführungsphasen werden im Folgenden vorgestellt und evaluiert.
II. Die KommVorZone – ein partizipatives Modellprojekt
Das Modellprojekt KommVorZone eröffnete einen Ermöglichungsraum, der sich auf das direkte Lebensumfeld in einem Stadtteil bezog. Der Prozess des Zusammenfindens der Akteur*innen und der Entwicklung eines Programms aus dem Stadtteil für den Stadtteil (Phase 1) war dabei ebenso wichtig wie die Durchführung (Phase 2) und die Nachbereitung (Phase 3).
„Danke für die tolle Nachbarschaft“1
Phase 1: Stadtteilbedarfe aufgreifen und ernst nehmen – durchgängig partizipativer Ansatz Partizipation Mobile Aktionen: Das Projekt startete mit einer sechsmonatigen wissenschaftlichen Stadtraumanalyse in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm/ Fakultät Sozialwissenschaften/Studienschwerpunkt Integrierte Stadtentwicklung. Es folgten aufsuchende Aktionen, die Bedarfe und Wünsche der Bürger*innen abfragten und Möglichkeiten und Grenzen aller größeren Plätze für die Umsetzung ausloteten. An insgesamt neun Orten der Südstadt wurden spielerisch strukturierte Interviews durchgeführt oder Wunsch-Postkarten aus der Südstadt gestaltet2. Gefordert wurden z.B. kostenlose Tanz- und Bewegungsworkshops, ein „größeres Kulturangebot im öffentlichen Raum“ oder eine „stärkere Vernetzung zwischen Kommune, kulturellen AkteurInnen
1 Zitat aus der Programmgruppe 2 Aufsuchende Beteiligung, Offene-Interviews & künstlerische Interventionen vom 07.09.-07.10.20 Kopernikusplatz (07.09. + 09.09.), Nelson-Mandela-Platz (14.09.), Südstadtpark (16.09.), Annapark/ Maffeiplatz (21./23.09.), Hummelsteiner Park (28.09.), Budapester Platz (30.09.), Gustav-Adolf-Kirche (05.10.20), Aufseßplatz (07.10.20)
und Initiativen“. All das floss in die Beteiligungsworkshops im KUF im südpunkt ein, in denen sich im Oktober 2020 eine Gruppe von über 20 Personen zur weiteren Entwicklung gefunden hatte. Gemeinsam fiel die Entscheidung für den Standort Annapark im Herzen der Südstadt.
Partizipation Programmgruppe: Durch den zweiten Lockdown wurde eine digitale Weiterführung der Zusammenarbeit notwendig. Über sieben Monate traf sich die neu entstandene ehrenamtliche Programmgruppe bis zu zweimal die Woche, um die bisherigen Informationen über den Stadtteil auszuwerten und daraus Programmbausteine zu entwickeln. Hinzu kam Öffentlichkeitsarbeit, Akquise von Akteur*innen für die Plattform und die Entwicklung eigener Projektideen. In monatlichen öffentlichen Online-Workshops holten sich die Südstädter*innen Impulse aus anderen Städten, professionalisierten sich als Veranstalter*innen, klärten Fragen zur gelingenden Teilhabe und entwarfen gemeinsam mit einem Bühnenbildner die nachhaltig gebaute Holzplattform. In dieser Phase folgte das Empowerment unter dem Motto „Hier kuratiert die Südstadt für die Südstadt“ zwei Prämissen: Zum einen lag der Programmentwicklung die Reflexion und Diskussion eines solidarischen Zusammenlebens speziell in Bezug auf die diverse Bevölkerung und Besonderheiten der Südstadt wie z.B. demografische Daten oder Wohnungssituation zugrunde, zum anderen spezifizierte die Programmgruppe, in welchen Bereichen die Südstadt weitere Impulse benötigte. Daraus ist ein prall gefülltes, innovatives, interdisziplinäres Programm für den Standort Annapark in direkter Nähe des KUF im südpunkt entstanden. Denn auch wenn ein großer Teil der ideellen Arbeit durch die Programmgruppe geleistet wurde, war eine professionelle Begleitung durch zwei Projektleiterinnen und durch die städtischen Kolleg*innen des KuF im südpunkt der Schlüssel zu einer gelingenden Umsetzung, die auch Sorge für die Einhaltung aller notwendigen formalen, technischen und organisatorischen Maßnahmen trug. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit ist nicht nur für Nürnberg ein Novum digitaler Partizipation.
„Mein Wohnzimmer“3
Phase 2: Die Durchführung im Annapark
Durch die Pandemie verschoben, war das Programm der KommVorZone vom 02.06. bis 31.07.2021 mit 110 Veranstaltungen von über 70 Kooperationspartner*innen umso dichter. Erster Programmpunkt war der gemeinsame Bau der Holzplattform gemeinsam mit der Bürgerschaft, die als „Bühne“ diente und in kurzer Zeit ein willkommener Teil des Parks war. In der gesamten Zeit gab es weder Vandalismus noch kamen Möbel oder Teile der öffentlich zugänglichen Plattform abhanden. Vielmehr halfen viele mit, den Annapark nach Veranstaltungen zu reinigen und Bänke aufzuräumen. Der Erfolg gab dem Vorgehen, individuell zugeschnittene, interdisziplinäre Angebote zu schaffen, recht, zogen sie doch jeweils neue Besuchendengruppen nach sich. So konnte z.B. der Rapper
3 Zitat aus der Programmgruppe
VUKA Jugendliche als Gäste begeistern, von denen soziale und kulturelle Einrichtungen oft nur träumen können. Parallel entwickelte die Programmgruppe eigene Projekte. Auch gärtnern im eigens entwickelten Pop-Up-Garten vor der Gustav-Adolf-Kirche bis heute zahlreiche Nachbar*innen, die weder Garten noch Balkon haben. Hierfür wurden immerhin 3000 Liter Erde vom Tiergarten „organisiert“ und mit dem Lastenrad klimaneutral von Ehrenamtlichen durch die Südstadt transportiert. Im Sinne einer Weiterentwicklung der dezentralen Kulturarbeit fühlte sich die KommVorZone einem zeitgemäßen Kulturbegriff verpflichtet und bot ein umfassendes Programm im thematischen Spannungsbogen von gesellschaftspolitischem Diskurs, über Themen wie Nachhaltigkeit und solidarische Stadtentwicklung bis hin zur Konzerten, Performances oder Mikro-Ausstellungen in Schaufenstern und an Bauzäunen. Fahrraderkundungstouren – analog oder über instalive - und interaktive Klangwand X-Spaces wiesen auf die Besonderheiten des Stadtteils hin und stifteten Identifikation. Das Programm bot vor allem Partner*innen Raum, die für eine nächste Generation freier Kulturschaffender stehen und bisher kaum Möglichkeiten hatten, ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch durchaus klassische Formate wie Konzerte liefen auf der KommVorZone anders ab. So berichteten Bands, dass das Publikum dort nicht nur zuhören, sondern mitsingen wollte und gelegentlich auch mal die Bühne kaperte. Einen eigenen Ansatz bildeten neue gesellschaftspolitische Diskursformate wie das Südstadtparlament und das (schon nachgeahmte) Speed-Dating. Beim Südstadtparlament trafen sich die Südstädter*innen und Südstädter untereinander und diskutierten, quer durch alle Bevölkerungsgruppen, selbstgewählte Themen – auf Wunsch zunächst bewusst ohne politische Vertreter*innen. Mit dem Speed-Dating nutzte die KommVorZone eine innovative Form des direkten Austauschs. Für jeweils fünf Minuten konnten Bürger*innen sich in einer 1:1 Begegnung an fünf Abenden4 mit verschiedenen Schwerpunktthemen mit Politiker*innen und kommunalen Vertreter*innen austauschen. Dabei begegneten sich Menschen, die bisher nie im Austausch standen, das Vertrauen in Institutionen konnte wieder gestärkt werden. Im „Date“ mit dem Oberbürgermeister entstand auch die Idee einer dauerhaften Aufwertung einer unansehnlichen Betoneinfassung im Park durch ein neues Graffitikonzept, das am 13. September fertiggestellt wurde. Bei den Veranstaltungen registrierten sich ca. 6000 Menschen. Hinzu kamen zahlreiche Teilnehmende an hybriden Formaten wie Südstadtparlament oder Stadtteilerkundungstouren über instalive. Eine genaue Zählung fällt schwer, da der Übergang zwischen bewusstem Besuch und spontanem Interesse der Parkbesuchenden fließend ist und sich auch nicht alle registrierten.
Speed Dating Kultur, Mi., 2.6.21 Speed Dating "Gesundheit und Sport" Mi.,16.6.21 Speed Dating "Familie und Generationen", Mi., 30.6.21 Speed Dating "Umwelt und Bau, Mi., 14.7.21 Speed Dating "Sicherheit und Mobilität", Mi., 28.7.21
Jedoch lag genau hierin eine besondere Stärke des Projekts. So dauerte es beispielsweise ganze vier Wochen, um das Vertrauen der vielen Jugendlichen zu gewinnen, die den Annapark täglich (und auch nachts) frequentieren.
„…die Südstadt ist Kulturhauptstadt, man muss ihr nur eine Bühne geben“5
Phase 3: Erkenntnisse bewahren und in die dauerhafte Kulturarbeit integrieren
Das Modellprojekt KommVorZone hat das Konzept des Kulturladens in den öffentlichen Raum erweitert. Einige Kontakte und Kooperationen können in die Arbeit von KUF im südpunkt überführt werden. Die Bindung der neuen Besucher*innengruppen sowie die Fortführung der ehrenamtlichen Programmgruppe ist jedoch noch so fragil, dass ohne weitere aufsuchende Kulturarbeit im Stadtteil noch keine Konstanz zu erreichen wäre.
III. Evaluation:
1. Stärken des Modellprojekts
Das temporäre Projekt setzte einen räumlich unübersehbaren und inhaltlich offenen Kulturimpuls, der ideale Bedingungen für aktive Teilhabe und Umsetzung eigener Ideen bietet, weil er in der Form des Experiments alle einbindet, auch Zufallsbesuchende und Nicht-Kulturnutzende, die kulturelle Angebote zunächst nicht als „ihre“ Veranstaltungen wahrnehmen wie z.B. jüngere Gruppen. Gleichzeitig bot die open-air-Plattform im Annapark gerade für viele neue Akteur*innen der freien Szene einen besonderen Reiz, sich teils erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es erfolgte ein Austausch zwischen Publikum, das, teils aus anderen Stadtteilen, eigens zu Veranstaltungen kam, Laufpublikum und den Nutzer*innen des Annaparks. Hinzu kam ein gewisser Stolz der Südstädter*innen, dass dieses Projekt nicht im Stadtzentrum steht und dass man es selbst entwickelt hatte! Und so wurde bei Veranstaltungen bald mit auf- und abgebaut, bei Konzerten lautstark mitgesungen. Die Aktivierung der Bürgerschaft wie auch Aufwertung von Plätzen im Stadtteil wurde als Beitrag zur Stadtentwicklung wahrgenommen. Digitale Partizipation oder Diskursformate finden bereits Nachahmung (vor allem außerhalb der Südstadt bis hin zu Anfragen aus anderen Städten), der Pop-Up-Garten wurde auf Wunsch von SÖR weit über die Veranstaltungsmonate verlängert. Das Amt für Kultur und Freizeit nutzte die KommVorZone auch nach dem wochenlangen kompletten Shutdown und der Unmöglichkeit, die Innenräume der Kulturläden zu bespielen, als Plattform, um neue Wege der Stadtteilkulturarbeit zu erproben, zu evaluieren und für die Weiterentwicklung der Kulturladenarbeit nachhaltig nutzbar zu machen. Die KommVorZone und der Weiterentwicklungsprozess der Kulturläden liefen dabei Hand in Hand, die KommVorZone profitierte von den Erfahrungen aller elf Kulturläden. Die Zäsur durch die Pandemie, der Rückzug des Publikums stellt neue Fragen, die das Amt für Kultur und Freizeit mit seiner dezentralen
5 Zitat aus der Programmgruppe
Kulturarbeit mit neuen Ansätzen, Formaten und Themen beantworten will. Folgerichtig schließen sich die Kulturläden unter dem Motto „Auf gute Machbarschaft“ nicht nur optisch durch ein neues Corporate Design und die Wortmarke „Die Nürnberger Kulturläden“ zukünftig eng zusammen, sie gingen im September für zwei Wochen in den Stadtteilen „auf die Straße“ und besetzten Plätze oder Parks mit Kultur. Dabei ist der Titel der Veranstaltungsreihe „Auf gute Machbarschaft“ auch zukünftig das Motto der Kulturläden, das für Nachbarschaft, Machen, Diskurs und Aufbruch steht, ein klares Signal der Weiterentwicklung der dezentralen Stadtteilkulturarbeit außerhalb der Einrichtungen. Machen heißt in dem Kontext auch gestalten und erfinden mit Unterstützung der Kulturläden durch Beratung, Räume und Infrastruktur „Auf gute Machbarschaft“ fand zusätzlich zum regulären Programm statt. Der Zuspruch zeigt, wie hoch in anderen Stadtteilen der Bedarf der Menschen nach kulturellen Angeboten vor Ort ist.
2. Grenzen des Modellprojekts
Die KommVorZone ist als Innovationsmotor und Impulsgeber bewusst temporär angelegt gewesen. Aufsuchende Kulturarbeit im öffentlichen Raum ist witterungsabhängig und erfordert umfangreiche Ressourcen. Die Umsetzung der KommVorZone brauchte das stete zivilgesellschaftliche Engagement. Diese Förderung der Teilhabe darf jedoch nicht zur Überforderung werden. Eine gemeinschaftliche Durchführung von Veranstaltungen über den Zeitraum von zwei Monaten hinaus wäre für die ehrenamtlichen Südstädter*innen nicht durchhaltbar gewesen. Die KommVorZone war kein Event, kein Stadtteilfest, sondern letztlich eine Art temporärer Open- Air-Kulturladen. Sie verdankt ihr zweimonatiges Programm im Annapark einer langen Vor- wie Nachbereitung und Beziehungsarbeit mit der Programmgruppe in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturladen vor Ort. Dennoch: „Kultur muss weiter auf die Plätze“, so formuliert es die Programmgruppe.
IV. Perspektiven
Schon vor Abschluss stellten Gäste, Akteur*innen und Ehrenamtliche die Frage nach einer Wiederholung des Projekts in der Südstadt.
1. Festigung des Modellprojekts 2022
Als „kulturelle Ersthilfemaßnahme und Eisbrecher“ bietet das Konzept der KommVorZone die Möglichkeit, mit aufsuchender Kulturarbeit niedrigschwellig Menschen zu aktivieren, vorhandene Bedarfe aufzugreifen und in der praktischen Umsetzung gemeinsam, gleichberechtigt den Stadtraum zu gestalten – und damit eine Perspektive für den politischen Willen zu mehr dezentralem Kulturangebot.
Um Vorgehen und Format zu sichern sowie die bereits geleistete Arbeit in der Südstadt zu festigen, schlägt das Amt für Kultur und Freizeit für 2022 eine weitere achtwöchige Durchführung der KommVorZone in der Südstadt vor, die durch Corona nicht eingeschränkt wird bzw. man den Umgang damit von vornherein einplanen kann und auf die bisherige Arbeit aufbaut. Der Förderbedarf, der seit Jahren von verschiedensten Seiten für die Südstadt gerade auch aufgrund der Unterversorgung mit sozialen und kulturellen Einrichtungen konstatiert wird, hat sich durch Corona nochmals verschärft. In der Südstadt mit 130.000 Einwohner*innen und bei einem besonderen Fokus auf Hummelstein und Galgenhof mit allein einer Einwohnerdichte, die sechs Mal so hoch ist wie im städtischen Durchschnitt, gibt es zudem kaum Rückzugsmöglichkeiten in den privaten Bereich. Diese Stadtbezirke weisen einen über 20% höheren Anteil an Mehrfamilienhäusern im Vergleich zur Gesamtstadt auf. Gerade in Zeiten der Pandemie war das gesellschaftliche Miteinander von Sorge vor Ansteckungsgefahr geprägt und die räumliche Enge für viele Menschen eine sehr große Belastung. Eine hieraus resultierende Vorsicht ist immer noch stark zu spüren. Daher sind gemeinschaftsfördernde Angebote im öffentlichen Raum umso wichtiger. Zukünftig müssen daher nicht erreichte Zielgruppen vermehrt in den Blick genommen werden wie z.B. Senior*innen, die stark durch die Pandemie verunsichert waren, um den Generationendialog zu fördern. Eine stärkere Zusammenarbeit auch im Bereich der Stadtentwicklung ist angestrebt. Die Wiederverwendung der Holzplattform im Sinne einer umweltbewussten Kulturarbeit ist eingeplant. Eine weitere Erkenntnis war, dass der offene Prozess vielen Menschen gerade in diesem Stadtteil nicht geläufig und daher zu abstrakt war. Nur wenige konnten sich vorstellen, welche Umsetzung das neuartige Projekt im Annapark findet. Nach der ersten Durchführung haben Menschen nun eine Vorstellung und den Anreiz, sich einzubringen! Anfragen liegen bereits jetzt vor. Die nun aufgebauten Strukturen bürgerschaftlichen Engagements sind sehr fragil, durch Corona massiv eingeschränkt gewesen und die Fortführung (wie auch bei bereits bestehenden Vereinen oder Gruppen zu beobachten) keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil gilt es, insbesondere in einem Stadtteil wie der Südstadt nachhaltige Wiederaufbauarbeit zu leisten. So können die Desiderate der Kulturstrategie und das Thema „Miteinander ans Ziel“ der Kulturhauptstadtbewerbung im Sinne des „Was bleibt?“ in der Dezentralen praxisnah und nachhaltig etabliert werden.
2. Langfristige Entwicklungsperspektiven
Ziel ist es, die Strukturen des Miteinanders nach der Coronakrise zunächst 2022 im Annapark oder anderen Orten der Südstadt zu festigen und ein handhabbares und zugleich wertschätzendes Modell von Ansprache, Einbindung und Empowerment der Kulturvermittlung zu schaffen, das auf Anforderungen in Bereichen reagieren könnte, in denen aktuell keine festen Einrichtungen und Angebote wohnortnah vorhanden sind.
Anschließend könnte aus fundierten Erfahrungen ein Konzept für aufsuchende Stadtteilkulturarbeit für andere Stadtteile mit Bedarf erarbeitet werden, beispielsweise in der Werderau (wie im Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 11.06.2021 beschrieben) oder in Reichelsdorf (siehe Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 22.3.2021, Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 31.3.2021, Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 8.4.2021). Es müsste, da es dort keine dezentralen städtischen Kulturangebote gibt, auch ohne die nahe Anbindung und Unterstützung eines Kulturladens agiert werden können. Daher wäre der personelle und finanzielle Aufwand in diesem Fall etwas höher. Die Verwaltung evaluiert das Projekt daher hinsichtlich der zukünftigen Perspektiven und meldet falls nötig die erforderlichen Ressourcen an.
V. Finanzierung 2022
Für die Arbeit der KommVorZone mit allen Phasen wurden in den Jahren 2020 und 2021 inkl. Personal, Bau der Plattform, partizipativem Prozess oder der Durchführung auch der dezentralen Angebote 160.000 Euro aufgewendet.
Für eine achtwöchige Durchführung in 2022 in der Südstadt wären Mittel in einer Höhe von 87.342 Euro (Sachmittel 51.842, 35.500 Honorarmittel) nötig, da nun auf die partizipativen Strukturen aufgebaut und mit der gebildeten ehrenamtlichen Programmgruppe umgehend gearbeitet werden kann. Die für 2022 angemeldeten Stellenkapazitäten im Umfang von 2,2 Vollkraftstellen für die KommVorZone sollen eine dauerhafte Weiterführung dieses Projektes auch ohne direkte Anbindung an einen Kulturladen in jeweils einem Stadtteil mit kulturellem Entwicklungsbedarf im Stadtgebiet sicherstellen. Sollten (Teil-) Kapazitäten bereits 2022 geschaffen werden, würden sich die Kosten für die Durchführung der KommVorZone in der Südstadt um die Honorarmittel reduzieren, da die personelle Betreuung des Projektes dann von einer städtischen Kraft erfolgen könnte, nicht von Honorarkräften.
KuF ist sich der finanziellen Situation der Stadt Nürnberg bewusst und schlägt zur Finanzierung deshalb Folgendes vor: 20.600 € sind seitens KUF zum Haushalt 2022 bereits angemeldet und müssten bereitgestellt werden. Drittmittel i. H. v. 50.000 € sind beantragt und zum Teil zugesagt, und 17.000 € werden in 2021 durch KUF eingespart und sollen für das Projekt in das Jahr 2022 übertragen werden.
Top: Das kulturelle Modellprojekt „KommVorZone“ im Annapark/Südstadt: Erfahrungsbericht, Evaluation und Perspektiven; Kulturausschuss der Stadt Nürnberg am 8.10.2021
Anlage: Impressionen
ÖÖ
Modellprojekt KommVorZone – Programm nach Sparten - 2021
Ausstellungen
| Datum | Programmpunkt | Kooperationspartner | Ziele |
|---|
Sa. 15.05. - Sa. 29.05. Schaufensterausstellung Casablanca, Der kleine bildende Kunst Klamottenladen, Boutique Vientiane, Friseur En Vogue, Architekt Tobias Weigel
Freitag, 02. Juli Südstadtfest / Ausstellung 40 Jahre Südstadtfest Südstadtfest e.V. Kulturpolitik Samstag, 03. Juli Südstadtfest / Ausstellung 40 Jahre Südstadtfest Südstadtfest e.V. Kulturpolitik Sonntag, 04. Juli Südstadtfest / Ausstellung 40 Jahre Südstadtfest Südstadtfest e.V. Kulturpolitik
Diskurs & Teilhabe
| Datum | Programmpunkt |
|---|
| Kooperationspartner | Kooperationspartner | Ziele |
|---|
Mittwoch, 02. Juni Speed Dating: Kultur politische Bildung
Mittwoch, 09. Juni Südstadt-Parlament "Jung vs. Alt: Wem gehört die Urban Lab politische Bildung Stadt?"
Mittwoch, 16. Juni Speed Dating Gesundheit&Sport politische Bildung
Mittwoch, 23. Juni Südstadt-Parlament "Die Wege aus dem Lockdown" politische Bildung
Sonntag, 27. Juni Kultur-Picknick: Shengo Äthiopischer Verein Nürnberg / Interkultur P rojekt Qartier U1 Mittwoch, 30. Juni Speed Dating Familie & Generationen politische Bildung
Samstag, 03. Juli Südstadtfest/Jugendbühne Südstadtfest e.V., Laut! politische Bildung Jugendbeteiligung, Jugendtreff S chloßäcker, Jugendtreff Anna Mittwoch, 07. Juli Südstadt-Parlament "Brauchen wir das politische Bildung bedingungslose Grundeinkommen?"
ÖÖ
Mittwoch, 14. Juli Speed Dating Umwelt & Bau Umweltplanungsamt politische Bildung
Samstag, 17. Juli Vortrag "Warum dürfen Frauen keinen Penis Diversity Media e.V. politische Bildung haben?"
Mittwoch, 21. Juli Südstadt-Parlament: "Wie weit gehen wir zum politische Bildung Schutz von Umwelt und Klima?"
Donnerstag, 22. Juli CoKultur!: südpunkt LAG Soziokultur Bayern Kulturpolitik
Samstag, 24. Juli Film "Schwarz" Kandaka, Amuna Wagner Interkultur
Mittwoch, 28. Juli Speed Dating Sicherheit&Mobilität politische Bildung
Interventionen im Stadtteil
| Datum | Programmpunkt | Kooperationspartner | Ziele |
|---|
Freitag, 04. Juni Programmgruppe meets Nachbarschaft online / Insta-Live, Begegnung, Radtour
| Pop-Up-Garten | Blue Pingu e.V., Kirchengemeinde |
|---|---|
| Lichtenhof, Sparkasse Nürnberg, | |
| Stadtplanungsamt |
Sa. 05. Juni - 15.Oktober Nachhaltigkeit, Umwelt
Freitag, 11. Juni Mobiles Lastenrad-DJ-Set mit dem Subkultur Verein Subkultur Verein Radtour
Samstag, 19. Juni "Herr Bott" (Telegram - Performance) Artischocken e.V. online / Insta-Live, Spaziergang
Samstag, 19. Juni X-Spaces DAF (Dynamisch Akustische performative Künste Forschung/Akademie d. B. K.)
Samstag, 03. Juli X-Spaces DAF (Dynamisch Akustische performative Künste Forschung/Akademie d. B. K.)
Samstag, 10. Juli X-Spaces DAF (Dynamisch Akustische performative Künste Forschung/Akademie d. B. K.)
Sonntag, 11. Juli Mobiles Lastenrad-DJ-Set mit dem Subkultur Verein Subkultur Verein Unterhaltung
Samstag, 17. Juli X-Spaces DAF (Dynamisch Akustische performative Künste Forschung/Akademie d. B. K.)
Donnerstag, 22. Juli Parkour Spaziergang Parkour Nürnberg e.V. Spaziergang
Sonntag, 25. Juli Graffiti Workshop Aufsess Platz Kunstpädagogik
Musik
| Datum | Künstler, Beteiligte | Kooperationspartner | Ziele |
|---|
Sonntag, 06. Juni Kultur-Picknick mit PG (Kuchen, Cafe-Ape, Musik) Begegnung
Freitag, 18. Juni TRAK TRAK (Elektro-Cumbia Band) Interkultur
Sonntag, 20. Juni Ismar Rivero Interkultur
Sonntag, 20. Juni Tim Mohr Unterhaltung
Freitag, 25. Juni Das Wedro 1-girl-band Unterhaltung
Freitag, 25. Juni Ray Hautmann Trio Unterhaltung
Samstag, 26. Juni Global Art Jam Global Art e.V. Unterhaltung
Freitag, 02. Juli Lysopp Südstadtfest e.V. Unterhaltung
Freitag, 02. Juli Superskank Südstadtfest e.V. Unterhaltung Samstag, 03. Juli 43Jungs-IVAN43 X RION Südstadtfest e.V., Laut! Unterhaltung Jugendbeteiligung, Jugendtreff Schloßäcker, Jugendtreff Anna
Sonntag, 04. Juli Frankenband Südstadtfest e.V. Unterhaltung
Samstag, 10. Juli VUKA aka BLANCO ТЕБРА & DARKO ТЕБРА TEBRAZ MIT ATTITUDE_459 Unterhaltung
Sonntag, 11. Juli Steven Phoenix Unterhaltung
Sonntag, 11. Juli Violet Korea Unterhaltung
Freitag, 16. Juli Skyline Green Unterhaltung
Samstag, 17. Juli Kuchenmann, Cloud, u.v.m. Lass Wenig Flown Kollektiv Unterhaltung
Sonntag, 18. Juli Ceclam e.V. Ceclam e.V. Interkultur
Freitag, 23. Juli Ambiviolenz Unterhaltung
Freitag, 23. Juli UKUDUB Unterhaltung
Sonntag, 25. Juli Renato Tejada Peruanische Community Interkultur
Samstag, 31. Juli VUKA aka BLANCO ТЕБРА & DARKO ТЕБРА TEBRAZ MIT ATTITUDE_459 Unterhaltung
Samstag, 31. Juli Steven Phoenix Unterhaltung
Samstag, 31. Juli The Limbic System Unterhaltung
Performance
| Datum | Programmpunkt | Künstler, Beteiligte | Kooperationspartner |
|---|
Freitag, 16. Juli Ton, Text & TamTam "Aware Move" von ArtiSchocken & Artischocken e.V. DJ sprsprdr Freitag, 16. Juli Ton, Text & TamTam "Sightless Obsession" von Samá und B-Boy RT Samstag, 31. Juli Upcycling Modenschau Margarita Zippel "Art 459" Atelier für bildende Kunst, Artischocken e.V.
Samstag, 31. Juli Feuershow Moona
Sport- und Bewegungsangebote
| Datum | Programmpunkt | Kooperationspartner | Ziele |
|---|
Donnerstag, 03. Juni Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Donnerstag, 03. Juni Tango Tanz
Freitag, 04. Juni Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Samstag, 05. Juni Dancing Feet Afrikuco Institut Sport
Donnerstag, 10. Juni Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Donnerstag, 10. Juni Dancing Feet Afrikuco Institut Sport
Freitag, 11. Juni Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Samstag, 12. Juni Body in Space Moona Tanz
Mittwoch, 16. Juni tanzn tanzn Tanz
Donnerstag, 17. Juni Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Donnerstag, 17. Juni Roma Dance Interkultur Freitag, 18. Juni Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Samstag, 19. Juni Ecstatic Dance Ectsatic Dance Fürth Tanz
Donnerstag, 24. Juni Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Donnerstag, 24. Juni Roma Dance Interkultur
Freitag, 25. Juni Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Samstag, 26. Juni Tango Tanz
Donnerstag, 01. Juli Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Freitag, 02. Juli Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Sonntag, 04. Juli Yoga Sport
Donnerstag, 08. Juli Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Donnerstag, 08. Juli Afroyoga (mit Live Percussion) Afrikuco Institut Interkultur
Freitag, 09. Juli Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Samstag, 10. Juli Dancing Feet Afrikuco Institut Tanz
Donnerstag, 15. Juli Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Donnerstag, 15. Juli Yoga Sportangebot
Freitag, 16. Juli Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Donnerstag, 22. Juli Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Freitag, 23. Juli Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Samstag, 24. Juli Capoeira Interkultur
Donnerstag, 29. Juli Zirkuswerkstatt GECCO Hermann Gutmann Stiftung Zirkuspädagogik
Freitag, 30. Juli Bewegungstreff BCN BCN / BZ Fachteam Gesundheit Sport
Samstag, 31. Juli Capoeira Interkultur
Samstag, 31. Juli Südstadt Turnier Sport
Text, Sprache, Wort
| Datum | Programmpunkt | Kooperationspartner | Ziele |
|---|
Mittwoch, 09. Juni Vorlesestunde für Kinder BCN / Stadtbibliothek im außerschulische Bildung südpunkt Sonntag, 13. Juni Kultur-Picknick: Poetry Slam Dora Faludi Unterhaltung
Mittwoch, 16. Juni Vorlesestunde für Kinder BCN / Stadtbibliothek im außerschulische Bildung südpunkt Mittwoch, 23. Juni Vorlesestunde für Kinder BCN / Stadtbibliothek im außerschulische Bildung südpunkt Mittwoch, 30. Juni Vorlesestunde für Kinder BCN / Stadtbibliothek im außerschulische Bildung südpunkt Mittwoch, 07. Juli Vorlesestunde für Kinder BCN / Stadtbibliothek im außerschulische Bildung südpunkt Freitag, 09. Juli Stimmengewitter X Nils Nektarine Stimmengewitter, Wortgefecht Unterhaltung e.V. Samstag, 10. Juli Diversity: "Diskriminierung – rechtliche Grundlagen" Menschenrechtsbüro politische Bildung
Mittwoch, 14. Juli Vorlesestunde für Kinder BCN / Stadtbibliothek im außerschulische Bildung südpunkt Mittwoch, 21. Juli Vorlesestunde für Kinder: deutsch/russisch BCN / Stadtbibliothek im Interkultur südpunkt Mittwoch, 28. Juli Vorlesestunde für Kinder: deutsch/russisch BCN / Stadtbibliothek im Interkultur südpunkt Freitag, 30. Juli Buch Release KERWA BLUES mit Michael Jakob Wortgefecht e.V. Unterhaltung und Barbara Gerlach
Workshops
| Datum | Programmpunkt | Kooperationspartner | Ziele |
|---|
Samstag, 05. Juni Bauworkshop Berliner Hocker Tellerrrand/Tiefgang Events Handwerk
| Open Space Atelier | Der bunte Hund |
|---|---|
| Upcycling Tetrapack-Kunst | „Art 90459“ Atelier für bildende Kunst |
Samstag, 05. Juni Kunstpädagogik
Samstag, 12. Juni Nachhaltigkeit, Umwelt
Samstag, 19. Juni Comic-Workshop Maryam Bina Khahi Kunstpädagogik
Samstag, 19. Juni Annas Stimmungsgarten Die Wiese, Blue Pingu e.V. Nachhaltigkeit, Umwelt
Sonntag, 20. Juni Spielenachmittag Haus des Spiels Spielepädagogik
Samstag, 26. Juni ZIN-Workshop Maryam Bina Khahi Kunstpädagogik
Der bunte Hund
Samstag, 10. Juli Open Space Atelier Kunstpädagogik
Samstag, 17. Juli Graffiti Workshop Lass Weng Flown Kollektiv Marissa Herzog Kunstpädagogik
Sonntag, 18. Juli Spielenachmittag Haus des Spiels Spielepädagogik
Donnerstag, 22. Juli Parckour Workshop Parkour Nürnberg e.V. Sport
Samstag, 24. Juli Offene Werkstatt: Mobile Werkbank ISKA - Zentrum für Aktive Bürger / Handwerk Projekt Qartier U1
KuM/002/2021
Beratung Datum Behandlung Ziel
Kulturausschuss 08.10.2021 öffentlich Beschluss
Betreff:
Neubau Besucherzentrum Memorium Nürnberger Prozesse
hier: Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 01.10.2020
Anlagen: 01_Diversity-Check 02_SPD-Antrag vom 01.10.2020 (AN_ 325_2020) 03_Sachverhalt 04_Raumprogramm Neubau MNP 05_Raumprogrammprüfung_ZD-Vermerk
Sachverhalt (kurz): Auf dem von der Stadt Nürnberg erworbenen Grundstück Ecke Fürther Straße / Bärenschanzstraße (ehemals PitStop) ist im Rahmen einer würdigen Platzgestaltung der Neubau eines Besucherzentrums für das Memorium Nürnberger Prozesse geplant. Das Besucherzentrum soll auf mehr als 2000 Quadratmetern wichtige Funktionsflächen enthalten, darunter ein Foyer, eine Kasse, ein Shop, eine Gastronomie und Verwaltungsräume. Es umfasst unter anderem: 1) Fläche für Sonderausstellungen Der im Vergleich zum Ostbau historisch neutrale Neubau ermöglicht die Erschließung neuer Themenfelder (z.B. zu Umweltverbrechen, Bedrohung des Rechtsstaats, Opferschutz, künstlerische Auseinandersetzung). Vor allem ermöglicht er Angebote für ein jüngeres Publikum (z.B. Angebote für Grundschulen), die am historischen Ort der Prozesse aufgrund des NS-Bezugs nicht realisierbar wären. 2) Seminar- / Lernräume Das angestrebte Ziel, ein jüngeres Publikum unabhängig von der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte an universelle Fragestellungen nach Recht und Gerechtigkeit heranzuführen, benötigt ebenso zwingend angemessene neue Lern- und Kreativräume, die baulich vom historischen Ort getrennt sind. 3) Infocenter Welterbe Für die von der Bayerischen Staatsregierung angestrebte Anerkennung als UNESCO- Weltkulturerbe wird ein Besucherzentrum gefordert, das einerseits über das zu schützende Gut aufklärt (geschieht im Memorium hinlänglich), aber auch das Prinzip des Welterbes erläutert. Die dafür notwendigen Informationseinheiten sind im Neubau mit eingeplant (Foyer).
Es wird das geprüfte Raumprogramm zur Umsetzung der Ziele des Memoriums zur Beschlussfassug vorgelegt.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Eine Kostenschätzung kann erst im Laufe der Planungen durch das Hochbauamt ermittelt werden. Der Planungsauftrag an H wird nach der Beschlussfassung erteilt.
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Siehe Beilage.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Ref. I/II/Stk
Der Kulturausschuss befürwortet die Schaffung eines Besucherzentrums für das Memorium Nürnberger Prozesse auf dem städtebaulich zu entwickelnden Areal Fürther Str./Bärenschanzstraße, welches die Anforderungen des vorgelegten Raumprogramms erfüllt. Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Planungen für das zu errichtende Gebäude fortzufahren und die notwendigen Schritte im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs einzuleiten.
Diversity-Check Stadt Nürnberg
| Nr. | Prüffragen | Begründung / Bemerkungen | Bewertung | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | In welcher Weise wirkt sich das Vorhaben nach Einschätzung der Verwaltung auf unter- schiedliche Personen- gruppen aus? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| 2. | Auf welchen nach den Diversity-Dimensionen differenzierten Daten, Informationen oder Schätzungen basiert das Vorhaben? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| 3. | Kann das Vorhaben zur Gleichberechtigung / Gleichstellung und Chancengleichheit bei- tragen? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| 4. | Welche Auswirkungen auf bestimmte Perso- nengruppen sind mit dem Einsatz öffentli- cher Mittel zu erwar- ten? | relevant teilweise relevant nicht relevant | ||||
| Gesamt- relevanz | relevant teilweise relevant nicht relevant |
Besucherzentrum Memorium Nürnberger Prozesse
Sachverhalt
Entstehungsgeschichte
Im Sommer 1945 wurde der Schwurgerichtsaal im Ostbau des Nürnberger Justizpalastes, der sogenannte Saal 600, von den Vertretern der Hauptalliierten als Schauplatz des ersten internationalen Strafprozesses der Weltgeschichte auserkoren. Vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 mussten sich hier führende Vertreter des NS-Regimes vor einem alliierten Militärgerichtshof als gemeinsamer Initiative der USA, Frankreichs, Großbritanniens und der Sowjetunion wegen schwerer Verbrechen gegen das Völkerrecht verantworten. Im Anschluss fanden an gleicher Stelle vor ausschließlich US-amerikanischen Militärgerichten zwölf weitere Verfahren gegen Vertreter verschiedener Funktionseliten des NS-Staates statt.
Die Nürnberger Prozesse haben bis heute Symbolcharakter für das Ende des NS-Regimes und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen. Ihre weltweite Akzeptanz beruht maßgeblich auf den rechtsstaatlichen Grundsätzen, mit denen die Alliierten den führenden Repräsentanten des NS-Regimes ab November 1945 im Saal 600 entgegentraten. Damit gleichermaßen assoziiert ist die Vorstellung eines Siegs des Rechts über das Unrecht, des Guten über das Böse.
Mit dem „Hauptkriegsverbrecherprozess“ wurde ein neues Kapitel der internationalen Rechtsgeschichte eröffnet. Auf die dort angewandten Grundsätze und die daraus entwickelten „Nürnberger Prinzipien“ bezieht sich das moderne Völkerstrafrecht bis heute. Weltweit gibt es kaum eine Stätte, die so unmittelbar mit rechtsgeschichtlichen Meilensteinen internationalen Rangs verbunden ist wie der Nürnberger Schwurgerichtssaal. Innerhalb Europas ist die Stadt Nürnberg in dieser Hinsicht höchstens mit Den Haag vergleichbar.
Seit den 1990er Jahren ist das öffentliche Interesse am historischen Ort der Nürnberger Prozesse kontinuierlich gestiegen. Begründet ist dies vornehmlich durch die Wiederaufnahme völkerstrafrechtlicher Praxis mit der Gründung des UN-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien 1993 sowie im darauffolgenden Jahr für Ruanda. Beide Gerichtshöfe bezogen sich in ihren Verfahren auf die Nürnberger Prozesse, wodurch die alliierten Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg plötzlich nicht mehr nur historische Bedeutung hatten, sondern generellen Vorbildcharakter für die strafrechtliche Ahndung von Menschheitsverbrechen erlangten.
Nachdem dem wachsenden Besucherinteresse rund 10 Jahre mit einem provisorischen Angebot mit Führungen am Wochenende begegnet worden war, konnte am 21. November 2010 schließlich das Memorium Nürnberger Prozesse unter großer internationaler Beteiligung als jüngstes Haus der Museen der Stadt Nürnberg eröffnet werden. Zu den Eröffnungsrednern zählten u.a. der damalige Außenminister der Bundesrepublik Dr. Guido Westerwelle, der russische Außenminister Sergey Lawrow, der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas sowie der britische Generalstaatsanwalt Dominic Grieve. Mit der Schaffung des Memoriums gelang erstmals die dauerhafte Erschließung des historischen Orts der Nürnberger Prozesse für ein interessiertes Publikum aus dem In- und Ausland.
Aktuelle Situation
Das Interesse an diesem bedeutenden historischen Ort ist ungebrochen, bis zum Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 verzeichnete das Memorium mit zuletzt über 100.000 Besuchern pro Jahr stetig steigende Besucherzahlen. Ein ausländischer Besucheranteil von mehr als 75% im Memorium verdeutlicht die internationale Strahlkraft, die seit 2014 noch ergänzt wird durch die Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien (IANP), die sich an Akteure des Völkerstrafrechts richtet und mit ihrer Arbeit für die Stärkung des Rechts, der Nürnberger Prinzipien und des Rechtsstaatsprinzips im internationalen Recht einsetzt.
Mit dieser hohen Attraktivität gehen jedoch auch konkrete Erwartungen an eine professionelle, wissenschaftlich fundierte und besucherorientierte Museumsarbeit einher. Die vergangenen Jahre haben zudem neue inhaltliche Perspektiven offenbart, die eine stärker auf gegenwartsbezogene Themen und interdisziplinäre Formate ausgerichtete Arbeit nahelegen.
Die aktuelle Raumsituation verhindert derzeit noch die Umsetzung zahlreicher Projekte des Memoriums. So wird die Vermittlungsarbeit durch fehlende Seminarräume behindert und zahlreiche nationale und internationale Kooperationen zu Sonderausstellungen -- u.a. National Center for Civil and Human Rights (Atlanta, USA), Kelvingrove Museum (Glasgow, GB), Fritz-Bauer-Institut (Frankfurt) -- konnten ebenfalls nicht verwirklicht werden.
Die Flächen im Bestandsgebäude des Schwurgerichtsbaus können unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte die bisher fehlenden Funktionsflächen nicht im Mindesten ersetzen. Daher ist ein auf dem Vorplatz zu errichtendes Besucherzentrum für die Weiterentwicklung des Memoriums unerlässlich.
Das zum 1. Oktober 2016 durch die Stadt Nürnberg erworbene Eckgrundstück Fürther Str./Bärenschanzstraße mit dem ehemaligen PitStop-Gebäude ist derzeit Gegenstand eines vom Stadtplanungsamtes vorbereiteten Realisierungswettbewerbs. Im Rahmen eines städteplanerischen Gesamtkonzepts für die Neugestaltung der Fürther Straße auf diesem Abschnitt ist hier die Schaffung eines Platzes sowie eine dem historischen Ort angemessene Bebauung mit einem Besucherzentrum geplant. Mit den Ergebnissen des Wettbewerbs wird nach derzeitigem Kenntnisstand Anfang 2022 gerechnet.
Besucherzentrum und Perspektive UNESCO-Weltkulturerbe
Dem Neubau eines Besucherzentrums kommt maßgebliche Bedeutung zu, um das Memorium nachhaltig an die steigenden Besucherzahlen sowie die Anforderungen eines modernen Museumsbetriebs an einem historischen Ort dieses Stellenwerts anzupassen.
Neben einem dem Besucheraufkommen angemessenen Eingangsbereich mit allen wichtigen Aspekten des Besucherservice (Toiletten, Kasse, Shop, Gastronomie), sind hier zwei Seminarräume für die Bildungsarbeit geplant. Unterstützt durch die stetig steigende Nachfrage von Bildungseinrichtungen gehört es zu den neuen Zielsetzungen des Memoriums, als Ort des Austauschs, der Diskussion und der Bildung künftige Generationen ausgehend von dem historischen Geschehen vor Ort an universelle Fragestellungen nach Recht und Gerechtigkeit heranzuführen. Hier sollen zukünftig u.a. Bildungsprogramme für ein jüngeres Publikum angeboten werden. Dies benötigt ebenso zwingend angemessene neue Lern- und Kreativräume, die baulich vom historischen Ort getrennt sind. Hierbei ist zu
betonen, dass sich das Memorium Nürnberger Prozesse explizit als ein Ort der historischpolitischen Bildung sieht.
Einen besonderen Stellenwert erhält der Neubau durch die geplante Fläche für Sonderausstellungen (400 qm), die hier zukünftig gezeigt werden sollen. Wechselnde Sonderausstellungen tragen durch den Anreiz zu Wiederholungsbesuchen nicht nur maßgeblich zur Attraktivitätssteigerung und öffentlichen Wahrnehmung des Hauses bei, sondern diese Flächen geben dem Memorium erstmals die Möglichkeit, das bereits vorhandene Potential zur Thematisierung gesellschaftlich und politisch relevanter Themen vollständig zu nutzen. Ebenfalls an den Neubau gebunden ist die Realisierung internationaler Kooperationen, die das Haus derzeit aufgrund der fehlenden Infrastruktur noch nicht umsetzen kann.
Weiterhin ist für das Besucherzentrum ein öffentliches „Schaufenster“ vorgesehen (bisher im Raumprogramm als „White Cube“ bezeichnet): ein kleiner Raum, der das Gebäude auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten mit dem öffentlichen Platz vor dem Justizpalast verbindet und mit kleinen, kurzfristig realisierbaren Präsentationen unterschiedlichster Formate (z.B. punktuelle geschichtliche oder juristische Erläuterungen, visuelle Ergebnisse aus Programmen des Bildungsangebots, künstlerische Objekte) die inhaltliche Durchlässigkeit und thematische Flexibilität des klassischen Formats einer historischen (Dauer-)Ausstellung erhöht.
Erste konstruktive Erfahrungen konnten bereits mit dem im April 2021 eröffneten Interims- Ausstellungsraum „Cube 600“ in der ehemaligen PitStop-Autowerkstatt gesammelt werden. Eine Vielzahl von Anfragen unterschiedlicher gesellschaftlicher und institutioneller Akteure, den Raum in Kooperation mit dem Memorium bespielen zu können, lassen auf den Bedarf nach Wechselausstellungsflächen wie auch nach einem Galerieraum schließen. Die aktuell bis Oktober 2021 laufende Eröffnungsausstellung „Krieg und Frieden – Fotografien von Ewgenij Chaldej“ hat bislang sehr positive Reaktionen hervorgerufen. Das Team des Memorium Nürnberger Prozesse arbeitet derzeit neben Kooperationen an weiteren eigenen Wechselausstellungen.
Enormer Handlungsbedarf besteht hinsichtlich der Eingangssituation des Memoriums, die in ihrer jetzigen Form den Anforderungen des Besucherbetriebs im Haus in keiner Weise gerecht wird. Für das neu zu planende Gebäude ist die Schaffung eines großzügigen Kassenbereichs notwendig, der u.a. ein Shopangebot sowie die Ausgabe von Audio- /Medienguides umfasst. Neben weiteren Funktionsräumen wie Toiletten und Schließfächern ist die Einbindung eines gastronomischen Angebots von hoher Wichtigkeit. Mit dem Zuzug vieler potentieller Kunden durch den IT Campus der DATEV auf der gegenüberliegenden Seite der Fürther Str. dürfte es leicht möglich sein, einen entsprechenden Pächter zu finden. Der Entwurf des Raumprogramms sieht hierfür entsprechende Flächen vor, die auf der Basis eines externen Beratervertrags berechnet wurden.
Darüber hinaus müssen Aufenthaltsflächen für größere Besuchergruppen mit bis zu 150 Personen vorsehen werden (= drei Busse mit „Schiffsgruppen“), die aktuell bei jeder Wetterlage oft viele Minuten lang ungeschützt im Regen oder in der prallen Sonne vor der Tür des Ostbaus auf ihre Gästeführer warten müssen. Diesbezüglich kommt auch der zukünftigen Anbindung des Besucherzentrums an den historischen Ostbau eine besondere Bedeutung zu, da u.a. ausreichende Schließfächer und die Besuchergarderobe ebenfalls erst im neuen Besucherzentrum eingerichtet werden können.
Schließlich erarbeitet die Bayerische Staatsregierung derzeit einen Antrag zur Anerkennung des historischen Ortes der Nürnberger Prozesse als UNESCO-Weltkulturerbe. Für eine erfolgreiche Bewerbung ist die Schaffung eines räumlich angemessen attraktiven und umfangreichen Informationszentrums eine wichtige Voraussetzung zur Erringung dieses UNESCO-Titels. Die Unterbringung des UNESCO-Informationszentrums wäre dann ebenfalls im Foyer des neuen Besucherzentrums vorgesehen.
Das vorliegende Raumprogramm für das Besucherzentrum des Memorium Nürnberger Prozesse wurde auf Grundlage der oben genannten Bedarfe entwickelt und im Juli 2020 von ZD geprüft.
KuM wird in einer der kommenden Ausschusssitzungen über die Entwicklungen rund um den Saal 600 und den UNESCO-Weltkulturerbeantrag berichten.
| Stand | 24.07.2020 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gebäude | Nr. | Bezeichnung | Nutzungsprofil | Bereich | Raum Nr. | Gruppen- gesamtfläche | Fläche NEU m² | Anmerkung KuM | Prüfung ZD | |
| Neubau | 1943 | |||||||||
| 1 | Foyer & Kassenbereich | ca. 550 | das Foyer muss groß genug sein, um 3 Busse mit Reisegruppen gleichzeitig aufnehmen zu können; hier befindet sich auch die Präsentation/Ausstellung zum UNESCO- Welterbe | 550 | ||||||
| 1 | Kassentheke | Eintritt und Verkauf Shopartikel | Foyer | Funktions- bereich | ca. 60 | 1 Kasse mit Kartengerät, Monitor, Drucker; 1 Kassenkraft | ||||
| 2 | Audioguideausgabe | Aus- und Rückgabe | Foyer | Funktions- bereich | ca. 30 | an Kasse angeschlossen; 1 Kassenkraft | ||||
| 3 | Infotheke | Besucherinformation MNP/ Information für Besucherzentrum Welterbe/ Auslage Flyer Museen Nürnberg | Foyer | Funktions- bereich | ca. 70 | Info und Videoüberwachung; 1 MA | ||||
| 4 | Shop | Foyer | Raum | ca. 60 | Auslagefläche für Shopartikel; Verkauf wird über die Kassentheke abgewickelt | |||||
| 5 | Aufenthaltsfläche | Warte- und Sammelpunkt für Gruppen; Begrüßungen | Foyer | Funktions- bereich | ca. 120 | für bis zu 150 Personen inkl. Sitzgelegenheiten (3 Reisebusse parallel - Schiffsgruppen!) 0,6 - 0,8 qm | ||||
| 6 | Schaufenster / White Cube | Ausstellungsfläche u.a. für freie Kunstszene | Raum | ca. 50 | wurde vom Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt angeregt; sollte von Außen einsehbar sein (Vitrinencharakter) | |||||
| 7 | Puffer für Ausstellungsfläche Welterbe | Im Foyer angesiedelter Bereich, in dem eine Ausstellungseinheit über das UNESCO Welterbe informiert; dieser Bereich muss auch für Besucher ohne Eintrittskarte zugänglich sein; Zeitpunkt der Einrichtung ist noch offen | Funktions- bereich | ca. 40 | Derzeit ist ein Gutachten zur weltgeschichtlichen Bedeutung des Schwurgerichtssaals 600 beim Freistaat eingereicht; anschließend soll hier eine Antragstellung erfolgen; ein zeitlicher Horizont kann derzeit noch nicht abgesehen werden | |||||
| 8 | Pausenraum Schulklassen | für max. 40 Personen | Foyer | Raum | ca. 60 | |||||
| 9 | Garderobe | Foyer | ca. 30 | Schließfächer für Einzelbesucher (Anzahl?) und vier abschließbare Garderobencontainer für Gruppen (1 Container/Seminarraum) sowie Sitzgelegenheiten | ||||||
| 10 | Kassenlager / Backoffice Kasse | Lagerfläche in Kassennähe | Foyer | Raum | ca. 25 | Lager für Kassenartikel und Shopware | ||||
| 2 | Verwaltung | ca. 150 | 166 | |||||||
| 1 | Projektbüro | Planungsbüro für neue Ausstellungen, Seminare etc., Platz für Modelle, Pläne etc. | Verwaltung | ca. 22 | dieser Raum ist dem wissenschaftl. Team vorbehalten; sensible Informationen können hier offen liegen |
| 2 | Buchungsbüro | 3 AP (Verwaltungskraft, FSJ, Praktikant) | Verwaltung | ca. 22 | Buchung von Besuchergruppen; Kundenkontakt, relative Nähe zum Kassenbereich | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 3 | Bibliothek | Bibliothek Fachliteratur MNP mit 1 AP und zusätzlichen Leseplätzen für 2 Pers. | ca. 100 | 100 Regalmeter (50 Meter Bestand zzgl. 5 Meter pro Jahr Reserve für 10 Jahre) zzgl. 15 Meter Medienarchiv (5 Meter Bestand plus Reserve 1m/Jahr) ; muss zunächst auf Büros wiss. MA & Leitung verteilt werden (Ostbau), soll dann aber im Neubau realisiert werden! | ||||
| 4 | Besprechungszimmer | Besprechnungen für 15 Personen | ca. 22 | Ergänzend zum Besprechungsbereich des Leitungsbüros wir im Neubau ein eigenständiger Besprechungsraum notwendig. Funktion: für Delegationsbesuche und wissenschaftliche Gruppen, Arbeitsbesprechungen ohne Leitung, Leseraum für Fachpublikum | ||||
| 3 | Sonderausstellung | ca. 490 | 490 | |||||
| 1 | Foyer Sonderausstellung / Seminar | gemeinsam von Sonderausstellungs und Seminarbereichen nutzbare Fläche, gleichermaßen mit Scharnierfunktion | ca. 90 | u.a. bei Vermietungen, Empfängen und großen Veranstaltungen/Tagungen nötig; | ||||
| 2 | Sonderausstellungsfläche | für Übernahmen & eigene Ausstellungen und alternativer Veranstaltungsraum | Sonderausstellung | ca. 400 | kann möglicherweise im Keller liegen | |||
| 4 | Seminarbetrieb | ca. 260 | 260 | |||||
| 1 | Seminar- und Konferenzsraum | für 90 Personen | Seminarbetrieb | ca. 160 | inkl. Konferenztechnik | |||
| 2 | Seminarraum | für 35 Personen | Seminarbetrieb | ca. 70 | inkl. Veranstaltungstechnik | |||
| 3 | Vorbereitungsraum | Vorbereitung Seminare & Aufbewahrung Arbeitsmaterialien | Seminarbetrieb | ca. 30 | Moderationskoffer, Papier, Tisch & Stühle, Arbeitsunterlagen der Bildungspartner | |||
| 5 | Gastronomie | ca. 280 | Berechnung für langfristige Besucherentwicklung bis 200.000 Besucher/Jahr; Daten beruhen auf einer Beratungsleistung zur Gastronomie | 260 | ||||
| 1a | Sitzbereich - innen | Gastronomie | ca. 120 | inkl. Verkaufsfläche / Theke | ||||
| 1b | Sitzbereich - außen | Gastronomie | n.n. | abhängig von Platzgestaltung | ||||
| 2 | Küche | Gastronomie | ca. 60 | inkl. Vorbereitungsfläche | ||||
| 3 | Pausenraum/Umkleide/Dusche | für Gastronomiepersonal | Gastronomie | ca. 40 | ||||
| 4 | Lager | Gastronomie | ca. 40 | |||||
| 6 | Toiletten | |||||||
| 1 | Toiletten (D/H/B) Besucher | nach Arbeitsstättenrichtlinie | Besucher-WC (Anreise von 120-150 Personen gleichzeitig); Besucher von Sonderausstellung & Seminaren | |||||
| 2 | Toiletten (D/H/B) MA | nach Arbeitsstättenrichtlinie | für feste Mitarbeiter & Kassenkräfte | |||||
| 3 | Toiletten (D/H/B) Ausstellung | nach Arbeitsstättenrichtlinie | Toilettenanlage auf dem Geschoss des Ausstellungs-/Veranstaltungsraumes | |||||
| 7 | Technik | ca. 50 | 50 |
| 2 | Serverraum | Server für AP, Kassensystem, Videoüberwachung etc. | Technik | ca. 10 | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 3 | Büro + Werkstatt Technik | 3 AP für Haus- und Ausstellungstechniker | Technik | ca. 40 | Büro hat kleinen Werkstattbereich für einfachere Arbeiten (geringe Schmutz- und Lärmemissionen) | ||
| 8 | Nebenräume | 167 | |||||
| Teeküche / Pausenraum | Teeküche und Pausenraum für 5 MA (Buchungsbüro, Technik) und 4 Kassen- und Aufsichtskräfte | ca. 20 | |||||
| Wickelraum | ca. 4 | ||||||
| Erste-Hilfe-Raum | Raum mit Erste-Hilfe-Ausstattung und Liege | ca. 6 | |||||
| Putzraum | Putzmaterial etc. | Lager | ca. 7 | Waschbecken nötig | |||
| Lager Drucksachen / Shopartikel | Flyer, Publikationen | Lager | ca. 30 | wird derzeit noch größtenteils im Dokuzentrum gelagert | |||
| Lager Ausstellungstechnik | z.B. Flexible Ausstellungswände, Beleuchtungssystem, Bestuhlung (200 Stk.), Rednerpult, Tonanlage | Lager | ca. 100 | ausreichend Raumhöhe wg. Stellwandsystem; idealerweise in der Nähe der Sonderausstellungsfläche (Vergleichsgröße: Im Dokuzentrum sind 330qm für Ausstellungslager geplant) | |||
| Haustechnik | nach Erfordernis | Technik | Lüftung etc. |
Av/001/2021
Beratung Datum Behandlung Ziel
Kulturausschuss 09.07.2021 öffentlich Bericht
Kulturausschuss 08.10.2021 öffentlich Beschluss
Betreff:
50 Jahre Eingemeindung
hier: Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 25.05.2020
Anlagen: 01_CSU-Antrag vom 25.05.2020 (AN/142/2020) 02_Konzept_Eingemeindungen
Sachverhalt (kurz): Zum 01.07.1972 trat die kommunale Gebietsreform in Bayern in Kraft. Mit den Zugewinnen im Norden (Boxdorf, Großgründlach, Neunhof), Süden (Katzwang, Worzeldorf, Kornburg, Ortsteil Holzheim, vorher bei Wolkersdorf) und Osten (Brunn, Fischbach, Ortsteil Freilandsiedlung, vorher bei Schwaig) hatte Nürnberg nun 514.000 Bürgerinnen und Bürger. Für die neuen Stadtteile und vormals selbständigen Gemeinden war dieser Prozess jedoch zwiespältig: teils schnell spürbare infrastrukturelle Gewinne mochten die eigene Identität oft nicht in der gleichen Weise stützen wie die verlorene Selbständigkeit. 2012 und 2020 beantragte die CSU-Fraktion im Stadtrat, die Situation der 1972 eingemeindeten Stadtteile zu evaluieren, insbesondere hinsichtlich der Einlösung von Zusagen aus den Eingemeindungsverträgen sowie der historischen Dimension des Eingemeindungsvorgangs. Hierzu hat Av unter Einbezug der Perspektive der betroffenen Bürgervereine ein Konzept für die Würdigung und Evaluation der Eingemeindungen, die Erarbeitung von Vorschlägen für eine angemessene Veranstaltungsreihe in und für die betroffenen Stadtgebiete in Abstimmung mit den Bürger- und Vorstadtvereinen sowie für die Findung von Kooperationspartnern für eine angemessene wissenschaftliche und historische Dokumentation erstellt, das bis in das Jahr 2028 reicht.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Gegebenenfalls werden zusätzliche Mittel zur Finanzierung einer Mitarbeiterin benötigt. Die derzeitige Stellenfinanzierung läuft zum 31.12.2021 aus.
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Beteiligung der Bevölkerung in den Stadtteilen erstreckt sich prinzipiell auf alle Gruppen.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
BgA
BA/NOS
Der Kulturausschuss befürwortet das von Av zur Würdigung der Eingemeindungen ausgearbeitete Konzept. Die Verwaltung sucht hierzu Möglichkeiten zur Finanzierung bzw. Weiterbeschäftigung der ParMi-Mitarbeiterin (Partizipative Ansätze und Migration, Av).
Konzept – Eingemeindungen
I. Sachverhalt: Zum 01.07.1972 trat, nach mehr als fünf Jahren der Vorbereitung, die kommunale Gebietsreform in Bayern in Kraft. Für Nürnberg bedeutete diese einen großen Zuwachs an Fläche und Bevölkerung – mehr als 35.000 Nürnbergerinnen und Nürnberger kamen hinzu und verhalfen der Stadt erstmals über die Grenze von einer halben Million Einwohnern. Mit den Zugewinnen im Norden (Boxdorf, Großgründlach, Neunhof), Süden (Katzwang, Worzeldorf, Kornburg, Ortsteil Holzheim, der vorher zu Wolkersdorf gehörte) und Osten (Brunn, Fischbach mit Birnthon, Ortsteil Freilandsiedlung, der vorher zu Schwaig gehörte) hatte Nürnberg nun 514.000 Bürgerinnen und Bürger. Für die neuen Stadtteile und vormals selbständigen Gemeinden war dieser Prozess jedoch zwiespältig: teils schnell spürbare infrastrukturelle Gewinne mochten die eigene Identität oft nicht in der gleichen Weise stützen wie die verlorene Selbständigkeit.
II. Konzept: Würdigung der Eingemeindungen Zur Würdigung der Eingemeindungen soll im Historischen Rathaussaal am Jahrestag der Eingemeindung, dem 01.07.2022, ein Festakt stattfinden, bei dem des Ereignisses und seiner historischen Relevanz gedacht wird. Zeitgleich soll eine Ausstellung in der Ehrenhalle des Rathauses bereitstehen, die mit dem Festakt eröffnet und in der Folge nach Absprache mit den Kräften vor Ort auch in Bürgerämtern oder -Häusern oder im öffentlichen Raum der dargestellten Stadtteile gezeigt werden kann. Erste Sondierungsgespräche mit den Bürgervereinen ergaben Signale der Unterstützung bei der Umsetzung dieses Vorhabens. Die Ausstellung soll partizipative Elemente enthalten: Bilder aus privater Provenienz sollen die Sicht der Bürgerinnen und Bürger auf ihren Stadtteil deutlich werden lassen, ein Oral-History-Projekt mit Interviews zu den Orten als selbständigen Gemeinden, dem Eingemeindungsprozess und der nachfolgenden Geschichte als Stadtteil soll gerade denjenigen, die die 50 Jahre seit der Eingemeindung vollständig überblicken, eine Stimme geben.
Beteiligung der Bürgerschaft Die Stadtteile haben aktuell das zweite Jahr mit ausgefallener Kirchweih hinter sich. Es wird mit großem Aufwand daran gearbeitet, diese 2022 wieder stattfinden zu lassen. An Stelle eigener Veranstaltungen zur Eingemeindung wird von daher angeregt, bei den Ansprachen der Stadt Nürnberg auf diesen Kirchweihen/Stadtteilfesten die Eingemeindung würdigend zu thematisieren. Av wird in den Stadtteilen Formate zur
Bürgerbeteiligung initiieren. Frau Dr. Viola Wittmann, Mitarbeiterin auf der Stelle für Partizipation und Migration, hat nach dem Format des KHS-Projektes „Menschen Machen Stadtgeschichte“ partizipative Konzepte entwickelt, die dezidiert auf das Erleben von Eingemeindung zugeschnitten sind. Av wird hierzu in den Stadtteilen Formate zur Bürgerbeteiligung initiieren. Frau Dr. Viola Wittmann, Mitarbeiterin auf der Stelle für Partizipation und Migration, hat nach dem Format des KHS-Projektes „Menschen Machen Stadtgeschichte“ partizipative Konzepte entwickelt, die dezidiert auf das Erleben von Eingemeindung zugeschnitten sind.
Wissenschaftliche und historische Dokumentation Parallel zu der würdigenden Ausstellung in der Ehrenhalle soll am 01.07.2022 eine eintägige Tagung stattfinden, in der eine Methodik zu einer Evaluation der Stadtteile erarbeitet wird. Auch bei dieser Gelegenheit sollen sich Fachleute und Bürgerschaft begegnen. Neben anerkannten Experten der Urbanistik sollen Vertreter der Bürger- und Vorstadtvereine eingeladen werden, um Bearbeiter und mögliche Quellen zusammenzubringen. Das dort erarbeitete methodische Raster soll anschließend in einem Pilotprojekt auf die 1972 eingemeindeten Stadtteile angewendet werden. Jubiläen von Eingemeindungen werden jedoch auch in den Folgejahren eine Rolle spielen:
| 2022 | 1972 (50 Jahre, Bundesrepublik) eingemeindete Stadtteile; evtl. 1952 und 1922 eingemeindete Stadtteile als Vergleich |
|---|---|
| 2023 | 1923 (100 Jahre, Weimarer Zeit) eingemeindete Stadtteile (wenige) und Eingemeindungen der 1920er Jahre |
| 2024 | 1899 bis 1910 (Königreich Bayern im Deutschen Reich) eingemeindete Stadtteile |
| 2025 | 1825 und 1865 (Königreich Bayern im Deutschen Bund) eingemeindete Stadtteile; 1955 (Bundesrepublik) Flughafengelände |
| 2026 | Die Altstadt als Stadtviertel: Bestand 1806, vor den ersten Eingemeindungen |
| 2027 | Einzeleingemeindungen/ Forst in der Stadt (ohne Jubiläum) |
| 2028 | Abschluss der Gebietsreform 1978 |
Über die Jahre kann das Raster so nach und nach auf alle Stadtteile angewandt und dabei auch auf die jeweiligen Eingemeindungsprozesse eingegangen werden. Zielvorstellung ist dabei ein durch Av erstelltes Handbuch der Nürnberger Stadtteile, das neben kartografischen auch statistische Daten berücksichtigt.
Beratung Datum Behandlung Ziel
Kulturausschuss 08.10.2021 öffentlich Beschluss
Betreff:
Nutzung eines Rundbausegments der Kongresshalle als Ort für Kunst und Kultur
hier: Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 14.06.2021
Anlagen: 01_CSU-Antrag vom 14.06.2021 (AN_208_2021) 02_Sachverhalt
Sachverhalt (kurz): Neben dem Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände und des zu entwickelnden Lern- und Begegnungsortes Zeppelintribüne und Zeppelinfeld sieht die Stadt Nürnberg als konsequente Ergänzung der erinnerungskulturellen Entwicklungen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände vor, ein Teilstück im Rundbau der Kongresshalle als Ort für die aktuellen Künste und Kulturen zu schaffen. Der im letzten Jahr angestoßene Prozess zur kulturellen Entwicklung der Kongresshalle mit einer ersten Bedarfsanalyse und einer baulichen Machbarkeitsstudie soll weiter vertieft und fortgeführt werden: Die Bedarfe sowie die notwendigen baulichen Maßnahmen für die kulturelle und künstlerische Nutzung sollen präzisiert werden, um auf dieser Grundlage die Planungs- und Baukosten zu ermitteln, auf deren Grundlage die Entscheidung über die Einleitung des BIC-Verfahrens bzw. die Einstellung von Mitteln in den MIP erfolgen kann.
- Finanzielle Auswirkungen:
Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:
(→ weiter bei 2.)
Nein (→ weiter bei 2.)
Ja
Kosten noch nicht bekannt
Kosten bekannt
Gesamtkosten 250.000 € Folgekosten € pro Jahr
dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum
davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr
davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr
(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Die Mittel wurden für das Jahr 2022 angemeldet.
2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:
Nein (→ weiter bei 3.)
Ja
Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans
Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von 1,92 Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)
Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt
2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)
Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Die Stellen wurden in das Stellenschaffungsverfahren 2022 eingebracht.
- Diversity-Relevanz:
Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Der Diskurs um die kulturelle Nutzung der Kongresshalle ist mit den diversen Communities auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene zu führen.
- Abstimmung mit weiteren Geschäftsbereichen / Dienststellen:
RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)
Ref. VI/H
Ref. VII/LA
Ref. I/II/Stk
Die Verwaltung wird beauftragt, eine Konkretisierung der notwendigen baulichen Maßnahmen vorzunehmen, um ein aus vier Segmenten bestehendes Teilstück der Kongresshalle in Ermöglichungsräume für die Künste und Kulturen zu entwickeln. Es sind die Planungs- und Baukosten für die kulturelle und künstlerische Nutzung des Rundbausegments zu ermitteln, auf deren Grundlage die Entscheidung des BIC-Verfahrens bzw. die Einstellung von Mitteln in den MIP erfolgen kann. Daneben sind die nötigen Haushaltsmittel für das Jahr 2022 in Höhe von 250.000 Euro (konsumtiv) anzumelden. Die Verwaltung wird beauftragt, Möglichkeiten einer Bezuschussung der Maßnahmen zu prüfen und Sondierungsgespräche mit dem Freistaat Bayern über eine Kofinanzierung aufzunehmen. Des Weiteren wird die Verwaltung beauftragt, den partizipativen Prozess bei der Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes weiter voranzutreiben.
Nutzung eines Rundbausegments der Kongresshalle als Ort für Kunst und Kultur
1. Erinnerungskulturelle Entwicklungen am ehemaligen Reichsparteitagsgelände
Der erinnerungskulturelle Diskurs erfährt aktuell einen grundlegenden Wandel. Einerseits endet die Zeitzeugenschaft an die NS-Diktatur, andererseits setzt sich die Erkenntnis durch, dass es „eine“ Erinnerungskultur nicht geben kann, sondern die Debatten in globale Perspektiven eingerückt werden müssen. Diese Prozesse fordern zu einer neuen und permanenten Reflexion über den Umgang mit den Bauwerken des Nationalsozialismus am ehemaligen Reichsparteitagsgelände heraus. Das ist nicht nur im Sinne der historischen Aufklärung von hoher Relevanz, sondern besitzt für die Stadt Nürnberg angesichts des verstärkten Auftretens von Antisemitismus und Rassismus eine Verpflichtung in der Gegenwart und für unser künftiges Zusammenleben. Die Vermittlung der Lehren aus der NS- Vergangenheit am Ort der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der rassistischen „Volksgemeinschafts“-Ideologie besitzt akute Dringlichkeit.
Die öffentliche Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes hat in Nürnberg seit Jahrzehnten eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Angesichts des Zivilisationsbruchs des Nationalsozialismus und fortbestehender Gefährdungen für unser demokratisches Zusammenleben kann es hier keinen Abschluss im Umgang geben. Die Eröffnung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände 2001 war der entscheidende Schritt, um unmittelbar am historischen Ort über die NS-Zeit und ihre Folgen ohne Einschränkungen informieren zu können. Erforschung, Wissensvermittlung und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände stehen seither im Zentrum der Arbeit des Dokumentationszentrums. Mit der Entwicklung von Zeppelintribüne und Zeppelinfeld zum Lern- und Begegnungsort etabliert Nürnberg ein weiteres Projekt der erinnerungskulturellen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Die konzeptionellen Planungen, die transdisziplinär und multiperspektivisch ausgerichtet sind, sollen die zukunftsgerichtete Vermittlung des historischen Orts, seiner Geschichte und der Lehren für unsere Gegenwart garantieren. Insofern wird zukünftig eine doppelte Perspektive möglich sein: einerseits die kognitive Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und ihren Relikten im Dokumentationszentrum, andererseits der intuitive und reflexive Zugang an Zeppelinfeld und Zeppelintribüne.
Neben dem Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände und des zu entwickelnden Lern- und Begegnungsortes Zeppelintribüne und Zeppelinfeld sieht die Stadt Nürnberg als konsequente Ergänzung der erinnerungskulturellen Entwicklungen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände vor, ein Teilstück im Rundbau der Kongresshalle als Ort für die aktuellen Künste und Kulturen zu schaffen. Damit wird eine zentrale Forderung der Leitlinien zum künftigen Umgang der Stadt Nürnberg mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände aus dem Jahr 2004 in Angriff genommen. Wichtige Kulturakteure wie das Dokumentationszentrum, die Nürnberger Symphoniker und deren Veranstaltungsstätte Serenadenhof sind bereits in den beiden Kopfbauten der Kongresshalle verortet. Die Bedeutung des Ortes als „nationales Erbe“ erfordert daneben eine weitergehende künstlerische Auseinandersetzung mit internationaler Beteiligung. Der Diskurs wird damit im 21. Jahrhundert weitergeführt und wichtige Perspektiven werden erweitert.
2. Aktualisierter Sachstand
Im Rahmen der Bewerbung der Stadt Nürnberg um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bildete die Erschließung eines Teilstücks der Kongresshalle für die dauerhafte Nutzung durch Kunst und Kultur ein zentrales Strukturprojekt. In den Jahren 2019 und 2020 wurden
bereits vorbereitende Arbeiten wie die Entwicklung erster Nutzungsvisionen und eine Bedarfserhebung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser inhaltlichen Vorstudien bildeten die Grundlage für eine bauliche Machbarkeitsprüfung.
Drängendster Bedarf der Kulturschaffenden – so die im Juli 2020 präsentierten Ergebnisse der Vorstudie – sind Produktionsräume in verschiedenster Ausprägung. Darüber hinaus wurden multifunktional nutzbare Präsentations- und Meetingflächen, Arbeitsräume für temporäre transdisziplinäre wie internationale Zusammenarbeit sowie Lager- und Depotflächen gefordert. Besonders wichtig bei der Entwicklung einer Vision der zukünftigen Kongresshallennutzung war eine bewusste Auseinandersetzung mit dem historischen Ort. Konsens wurde schließlich auch darüber herbeigeführt, dass eine stadträumliche An- und Einbindung für eine gelingende kulturelle Nutzung des Segments erforderlich ist.
Auf der Grundlage der formulierten Bedarfe wurde im Auftrag des Hochbauamts der Stadt Nürnberg eine bauliche Machbarkeitsstudie durchgeführt, deren Prämisse eine wirtschaftliche, ortssensible und denkmalgerechte Erschließung war, wobei die Innenräume im jetzigen Rohzustand verbleiben sollen. Die Möglichkeiten der Raumeinteilung und der Belichtung wurden ebenso bearbeitet wie Fragen der Bauphysik, Deckenlast, Schallentwicklung, Erschließung und Fluchtwege sowie die Erfüllung der Brandschutzauflagen.
Die Machbarkeitsstudie spricht eine klare Empfehlung für die angedachte Nutzung für Kunst und Kultur in einem Rundbausegment direkt neben dem Dokumentationszentrum aus. Das definierte Segment umfasst aktuell ca. ¼ des Kongresshallenrunds mit insgesamt 154 verschiedenen Räumen, dafür 104 für Produktion/Präsentation/Begegnung und rund 50 für Lager und Depot. Der Kulturausschuss wurde am 4.12.2020 über die Ergebnisse dieser vorbereitenden Arbeiten informiert.
Die Ergebnisse bilden nun eine solide Basis und wichtigen Ankerpunkt, um die Planungen der Kongresshalle als kulturell nutzbaren Ort fortzusetzen und zu konkretisieren.
3. Weitere Schritte
Bedarfsanalyse und Machbarkeitsstudie sind in einem nächsten Schritt zu präzisieren, um eine belastbare Kostenschätzung mit Planungs- und Baukosten zu ermöglichen. Das bislang in Workshops mit Stakeholdern der Kunst und Kultur in Nürnberg entwickelte Nutzungskonzept soll in einem weiteren, breit aufgestellten partizipativen Prozess ausgearbeitet werden. Zur Konkretion des Nutzungskonzepts stehen in den nächsten Monaten in einer breit angelegten Veranstaltungsreihe inhaltlich-fokussierte Themenfelder in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten – Symposien, Ausstellungen, Pop-Up-Formaten, Vorträgen und Podiumsdiskussionen – im Fokus.
Fragestellungen zum Umgang mit der Kongresshalle bedürfen eines breit angelegten Diskurses und knüpfen an vorhergehende Überlegungen beispielsweise im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts INSEK Südost und der Bewerbung Nürnbergs als Kulturhauptstadt Europas 2025 an. Die Diskussionen um die unterschiedlichen zukünftigen kulturellen Nutzungen der Kongresshalle sind bislang mit dem für Nürnberg zentralen erinnerungskulturellen Diskurs nicht kurzgeschlossen worden. Eine Tagung sowie ein international besetztes Symposium zur Erinnerungskultur setzen sich mit der Vielschichtigkeit von Erinnerungskulturen in einer diversen Stadt wie Nürnberg auseinander.
Die geplante zukünftige Nutzung soll mit der Bevölkerung diskutiert werden, um auch die stadtplanerischen bzw. stadträumlichen Entwicklungspotentiale und die Erschließung
Lichtenreuths im Zuge des Baus der Technischen Universität in das Nutzungskonzept einbringen zu können.
Unter breiter Spartenbeteiligung und Einbindung der diversen Communities in Nürnberg hat ein kulturelles Pop-Up-Führungsformat in Abstimmung mit LA und in Kooperation mit dem Amt für Kultur und Freizeit (KuF) das Ziel, die großen Potentiale der Kongresshalle und die Ideen zu einer künftigen Entwicklung in die Bürgerschaft zu tragen. Ein Rundgangstag Kongresshalle ermöglicht vorab, Einblicke in sonst für die Allgemeinheit nicht zugängliche Bereiche zu erhalten.
Diskursveranstaltungen mit Vertreter*innen aus Politik, Kunst, Architektur und Philosophie sowie Austellungen mit Kunst- und Kulturschaffenden sollen dazu beitragen, künstlerische Zugänge zur Kongresshalle sichtbar zu machen und das mögliche Raumprogramm in der Kongresshalle zu konkretisieren. Visionen künstlerischer Natur zum Umgang mit der Kongresshalle werden in einer Ausstellung zu sehen sein.
Atelier-, Produktions und Präsentationsräume für die Künste und Kulturen zeichnen sich durch unterschiedlichste Bedarfe aus, die in die Entwicklung der Kongresshalle als Ermöglichungsraum einfließen müssen. White Cube oder Blackbox, offenes Studio, geschlossener Proberaum, schalldichte Isolierung für den Musikproberaum oder Schwingboden für Performances – die ersten Planungen zur Nutzung der Kongresshalle sollen im Horizont dieser vielfältigen technischen Bedarfe und der Ergebnisse der vertieften Diskussionen mit Kulturschaffenden und Stakeholdern präzisiert werden.
Sollte neben obigen Überlegungen für ein Segment des Rundbaus der Kongresshalle die aktuelle Diskussion um das Operninterim zusätzlich zu dem Ergebnis führen, die Oper Nürnberg ab der Spielzeit 2025/26 auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in baulicher Verbindung mit der Kongresshalle zu platzieren, können sich für das Gesamtareal nochmals neue Perspektiven eröffnen. Nicht allein bauliche Synergien hinsichtlich der gemeinsamen Nutzung von „öffentlichen“ Räumen sind möglich, sondern vor allem ein diskursiver oder auch praktischer Austausch von künstlerischer Expertise.