Beilage 2.1
zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 30.09.2021
Handlungsstrategie Stadtteilkoordination: Bericht zu den Prüfgebieten
Stadtteilkoordination ist eine Interventionsstrategie des Sozialreferats für sozial besonders herausgeforderte Gebiete. Ziel ist es, sozial belastete Stadtteile mit hohen Integrations- und Inklusionsanforderungen durch verlässliche Strukturen zu entlasten und zu stabilisieren. Stadtteilkoordination ist aktuell in Galgenhof/ Steinbühl, Gibitzenhof/ Rabus, Gostenhof, Eberhardshof/ Muggenhof und St. Leonhard/ Schweinau/ Sündersbühl eingesetzt.
Das Referat für Jugend, Familie und Soziales wurde im Jugendhilfeausschuss im Dezember 2019 beauftragt, zu prüfen, ob es weitere Stadtgebiete in Nürnberg gibt, die einer Stadtteilkoordination bedürfen. Anlass für den Prüfauftrag war die Bestätigung, dass Stadtteilkoordination Verlässlichkeit und Unterstützung in einen belasteten Stadtteil bringen kann. Im Rahmen des seit 2018 existierenden Sozialraummonitorings des Sozialreferats sind weitere statistische Bezirke in den Blick geraten, die bzgl. bestimmter soziodemografischer und sozioökonomischer Merkmale Auffälligkeiten aufweisen und der Situation in den bereits koordinierten Stadtteilen ähneln. Diese sind Gegenstand des Prüfauftrags.1 Dem Jugendhilfeausschuss wurden acht Gebiete zur Prüfung vorgeschlagen, die nach Aktualisierung des Sozialraummonitorings im Jahr 2020 um zwei weitere statistische Bezirke ergänzt wurden. Angesichts des generationenübergreifenden Ansatzes der Sozialraumorientierung wurde auch dem Sozialausschuss am 8.7.2021 über die Handlungsstrategie Stadtteilkoordination berichtet.
Die ausgewählten Prüfgebiete wurden in einem fünfstufigen Verfahren vertieft untersucht: Kleinräumige Datenauswertung auf Basis statistischer Distrikte Bestandsaufnahme von Einrichtungen und Angeboten Analyse von städtischen Fachplanungen für den Bezirk Vor-Ort-Termine Seismografentreffen
In nahezu allen Prüfgebieten treten folgende Phänomene auf:
Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund (Deutsche und Ausländer/-innen) ist in nahezu allen Prüfgebieten teils deutlich erhöht im Vergleich zu den gesamtstädtischen Werten. Dies ist per se kein problematischer Befund, weist aber darauf hin, dass diese Stadtteile hohe Integrationsleistungen für die Gesamtstadt erbringen und deren Einrichtungen ggf. mehr Unterstützung bei dieser Aufgabe benötigen als in anderen Stadtteilen. Die Wohnflächen sind oft deutlich geringer als im städtischen Durchschnitt, was die besondere Bedeutung von qualifizierten Frei- bzw. Erholungsräumen und Orten der Freizeit und Begegnung (soziale Treffpunkte, Spiel- und Grünflächen, Einrichtungen der Jugendarbeit) betont. Selbstverständlich gibt es in allen Nürnberger Bezirken Angebote für Kinder und Jugendliche. Dennoch ist auffällig, dass Einrichtungen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit und Kitaplätze meist noch nicht bedarfsgerecht ausgebaut wurden oder die Schulraumsituation besonders angespannt ist. Auch sind Wege für kleinere Kinder oft zu weit oder Jugendliche haben keine Freiräume ohne Konsumzwang bzw.
1 vgl. JHA-Sitzung vom 19.12.2019: TOP 1 „Handlungsstrategie Stadtteilkoordination – Aufgabe im Wandel“; https://online-service2.nuernberg.de/buergerinfo/vo0050.asp?__kvonr=22089 1
werden im öffentlichen Raum als „störend“ empfunden, was besonders in Kombination mit geringen Wohnflächen problematisch ist. Viele der Prüfgebiete sind Transformationsorte, d.h. sie werden in den nächsten Jahren viel Nachverdichtung erfahren, neue, größere Baugebiete wurden ausgewiesen oder sie befinden sich in der Nähe von neu geplanten Stadtteilen (z.B. Höfen: Tiefes Feld, Hasenbuck und Rangierbahnhof-Siedlung: Brunecker-Areal). Dies hat unmittelbar positive wie negative Auswirkungen auf die (soziale) Infrastruktur und Lebensqualität im Stadtteil. Zudem zeigen sich in vielen der Prüfgebiete Grünflächendefizite, was stadtklimatisch, aber auch unter dem Aspekt der Erholung und Begegnung (s. Wohnflächen) ein schwieriger Befund ist, gleichsam aber unter dem Aspekt der Flächenkonkurrenzen differenziert betrachtet werden muss. In den hochverdichteten Gebieten muss es darum gehen, kreative Lösungen zu finden, wie grüne Naherholungsräume UND soziale Infrastruktur gleichermaßen realisiert werden können.
Nach eingehender Prüfung wird Stadtteilkoordination für folgende Bezirke empfohlen:
Ludwigsfeld (10) & Glockenhof (11): Für Ludwigsfeld und Glockenhof wird die Einrichtung eines neuen Stadtteilkoordinationsgebiets empfohlen, das den kompletten Bezirk 11 „Glockenhof“ umfasst und in Ludwigsfeld mindestens die nördlichen Distrikte 100 „St. Peter“, 101 „Neumarkter Straße“ und 102 „Bundesanstalt für Arbeit“. Die ersten beiden gelten laut Sozialraumtypisierung des Amts für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth als „sozial angespannt“; auch der Prüfprozess bestätigte die hohen sozialen Belastungen. Distrikt 102 ist zwar nicht auffällig, jedoch entsteht hier mit dem Luitpoldviertel (ehem. Auto Krauß-Gelände) ein relativ großes Neubaugebiet (knapp 3 ha, ca. 750 Neubaubezieher/-innen bis 2025), dessen Auswirkungen auf die soziale und Bildungsinfrastruktur zu beobachten sind.
Rangierbahnhof-Siedlung (31) & Hasenbuck (40): Die beiden Bezirke sind räumlich nicht miteinander verbunden, haben aber durch die Entwicklung des Brunecker- Areals eine städtebaulich verbindende Klammer. Dies sollte bei der Einrichtung von Stadtteilkoordination berücksichtigt und das Brunecker-Areal entsprechend einbezogen werden. Der Einsatz von Stadtteilkoordination in einem Neubaugebiet wäre eine Erweiterung des bisherigen Auftrags, aufgrund der vorherrschenden Expertise aber durchaus sehr gut geeignet, das künftige soziale Miteinander gestaltend zu begleiten.
Hohe Marter (50): Es wird empfohlen, das bereits existierende Stadtteilkoordinationsgebiet St. Leonhard/ Schweinau/ Sündersbühl um die Hohe Marter zu erweitern, da viele der Einrichtungen in der Hohen Marter sich bereits in Richtung dieses Gebiets orientieren und Interesse an Netzwerkarbeit signalisieren. Zudem gibt es Synergieeffekte in der Begleitung von Neubaugebieten an der Grenze zwischen Schweinau und der Hohen Marter (z.B. Lochner-Areal).
Alle Gebiete, die nicht für den Einsatz von Stadtteilkoordination (Höfen, Schoppershof, Langwasser-NO, Langwasser-SO, Altstadt (St. Lorenz) vorgesehen sind, sollen im Rahmen des Sozialraummonitorings weiter beobachtet werden, um ggf. eine Verschlechterung der Lage rechtzeitig zu bemerken. Neben den soziodemografischen und sozioökonomischen Indikatoren werden auch Nachverdichtungen sowie Änderungen in den lokalen Netzwerkstrukturen weiter beobachtet. Zudem gibt es in jedem dieser Bezirke punktuelle Unterstützungsbedarfe, die aktuell verwaltungsintern in der Klärung sind.
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