B ILDUNGSBERICHTERSTATTUNG DER
S N TADT ÜRNBERG
Ü S - B / BERGANG CHULE ERUF
N M ÜRNBERGER ODELL
Redaktion: Stadt Nürnberg / Bürgermeisteramt Bildungsbüro Unschlittplatz 7a, 90403 Nürnberg bildungsbuero@stadt.nuernberg.de
Stand: 25.5.2021
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Schule und Ausbildungsmarkt in besonderen Zeiten ........................... 3
2 Berufliche Bildung in Nürnberg .............................................................................. 5
2.1 Demografische Aspekte ....................................................................................... 5
2.2 Eintritt in das Berufsbildungssystem und seine Teilsysteme ................................ 5
2.3 Duale Ausbildung – Angebot und Nachfrage ..................................................... 14
3 Übergangsmanagement Schule-Beruf ................................................................ 25
3.1 Angebote im Nürnberger Modell ........................................................................ 27
3.2 Jugendberufsagentur und weitere Fördermaßnahmen im Übergang ................. 37
4 Anpassung des Nürnberger Modells Schule-Berufliche Ausbildung ................... 42
4.1 Anstehende Veränderungen im Übergangsmanagement .................................. 42
4.2 Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen ............................................. 46
1 Einleitung: Schule und Ausbildungsmarkt in besonderen Zeiten
Seit nunmehr einem Jahr beschäftigen sich Fachwissenschaft, Verwaltung und Praxis mit den Entwicklungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die verschiedenen Bildungsbereiche. Für die analytische Berichterstattung werden hierbei aktuell Daten zur Situation sehr vermisst. Die folgenden Ausführungen beziehen sich immer auf das jeweils aktuell verfügbare Datenmaterial, für den schulischen Bereich gilt dafür das Schuljahr 2019/20, für den Ausbildungsmarkt das Jahr 2020. Die Analysen der Vorjahre1 haben immer wieder bestätigt: Bestimmte Gruppen junger Menschen haben es im Übergang von der Schule in die Ausbildung besonders schwer (so z.B. junge Männer mit niedrigem Schulabschluss, Jugendliche mit ausländischer Nationalität). Wie auch in anderen Bildungsbereichen ist gerade auch beim Übergang von der Schule in den Beruf davon auszugehen, dass die Schulschließungen und ihre Konsequenzen die „ohnehin bestehenden Ungleichheiten im Bildungswesen weiter verstärkt haben“, d.h. dass gerade diese Jugendlichen noch größere Schwierigkeiten haben werden.2 In den letzten Monaten standen allerdings die Probleme und Bedarfe von Jugendlichen im Übergang kaum im Blick der Öffentlichkeit, weil die „Aufrechterhaltung des Regelprogramms […] die Kraft aller Beteiligten absorbiert“3 hat. Befragungen weisen darauf hin, dass bei den jungen Menschen selbst eine deutlich pessimistische Haltung zu den aktuellen Ausbildungschancen überwiegt, umso mehr, je niedriger ihr Schulabschluss ist.4
Gleichzeitig zeigen bundesweite Daten aktuelle Entwicklungen auf, die zum Teil in Nürnberg noch nicht erkennbar sind, aber Vorwarnungen für zukünftige Trends darstellen können:
Der Berufsbildungsbericht 20205 berichtet von einem Rückgang der Anzahl abgeschlossener Ausbildungsverträge um 1,2% im Jahr 2019, überproportional bei jungen Frauen (-1,7%). Das „Corona-Jahr“ 2020 erbrachte einen weiteren Rückgang von
1 vgl. Stadt Nürnberg, Bildung in Nürnberg 2019 (5. Bildungsbericht der Stadt Nürnberg), S. 118 2 Dohmen, D. & Hurrelmann, K. (Hrsg.), Generation Corona? Wie Jugendliche durch die Pandemie benachteiligt werden, Weinheim, 2021; Burkhard, C., Jugendliche fördern, Betriebe entlasten, Wirtschaft stärken. Policy Brief Ausbildungsgarantie, Bertelsmann Stiftung, 2020 (online verfügbar unter: www.chance-ausbildung.de/pb012020; letzter Abruf: 25.5.21) 3 Forum Transfer, Positionspapier 29.04.2021; online abrufbar unter: https://www.forum-transfer.de/fileadmin/uploads/Bibliothek/Aktuelle_Papiere/Covid_Uebergaenge_in_Ausbildung.pdf (letzter Abruf: 25.05.21) 4 Ulrich D., Wiland, C., Barlovic, I.: Ausbildungsperspektiven im zweiten Corona-Jahr Eine repräsentative Befragung von Jugendlichen 2021, Bertelsmann, Gütersloh 2021 5 Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), Berufsbildungsbericht 2020, Bonn 2020
-11,0%.6 Auch das Ausbildungsstellenangebot (-8,8%) sowie die Nachfrage nach Ausbildungsstellen (-9,6%) ist stark zurückgegangen.7 Nicht nur Stimmen der Arbeitnehmerseite befürchten hier einen Substanzverlust der dualen Ausbildung.8
Durch strukturelle Umbauprozesse werden Ausbildungsplätze eher in den „unteren“ Segmenten abgebaut, in denen Jugendliche mit niedrigen Schulabschlüssen höhere Anteile haben, während neue Ausbildungsplätze in Berufen geschaffen werden, die höhere Qualifikationen von den Auszubildenden erwarten.9
Die Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt haben weiter zugenommen, auch weil Maßnahmen der Berufsorientierung und Berufsberatung nicht oder nur eingeschränkt stattfinden konnten.10
Bundesweit ist die Quote der jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung im Alter zwischen 20 und 34 Jahren seit 2014 von 13,0% auf 14,7% im Jahr 2019 gestiegen, was insbesondere durch das Zuwanderungsgeschehen seit 2014 erklärt wird. Für junge Migrantinnen und Migranten mit eigener Migrationserfahrung beträgt sie 33,3%.11 Wiederum ist die Quote „Nichtformal Qualifizierter“ (nfQ) mit 34,9% bei denjenigen jungen Menschen zwischen 20 und 34 besonders hoch, die maximal über einen Hauptschulabschluss verfügen.12
Bereits diese Schlaglichter machen die Notwendigkeit kommunaler Maßnahmen im Bereich Übergang Schule – Beruf deutlich: ad hoc als schnelle, kurzfristig verfügbare Maßnahmen zur Bewältigung der Krise, aber insbesondere mittel- und langfristig zur strukturellen Absicherung der Chancen junger Menschen in der Stadt, wie es schon seit vielen Jahren das Ziel des Nürnberger Modells „Übergang Schule – Berufliche Ausbildung“ ist.
6 BiBB, Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2021, vorläufige Fassung vom 5.5.2021 7 BiBB, Bundesbildungsbericht 2021, S.8 8 Ebd. Stellungnahme der Gruppe der Beauftragten der Arbeitnehmer; und Fitzenberger, Bernd (2020) in: IAB-Forum; online unter: https://www.iab-forum.de/in-der-covid-19-rezession-muss-auch-die-duale-berufsausbildung-abgesichertwerden/ 9 Dohmen, D./Hurrelmann K., Yelubayeva, G.: Kein Anschluss trotz Abschluss?! Benachteiligte Jugendliche am Übergang in Ausbildung, Berlin, 2021 10 BiBB, Berufsbildungsbericht 2021, S.9 11 BiBB, Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2021, S.283 12 Ebd.S.280
2 Berufliche Bildung in Nürnberg
2.1 Demografische Aspekte
Die Bevölkerungsgruppe, die im Hinblick auf den Ausbildungsmarkt eine besondere Rolle spielt, ist in den letzten drei Jahren etwas kleiner geworden: 2020 waren 54.520 Nürnbergerinnen und Nürnberger zwischen 15 und 24 Jahre alt, 2017 waren es noch 56.962 Personen. Durch den Rückgang des Zuzugs aus dem Ausland und insbesondere der Fluchtmigration sank der Anteil der jungen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in dieser Altersgruppe von 27,0% im Jahr 2018 und 26,3% im Jahr 2019 auf 24,7% im Jahr 2020.13 Der Anteil der jungen Deutschen zwischen 15 und 25 Jahren mit Migrationshintergrund14 steigt trendgemäß weiter leicht auf 27,7% an (2019: 26,4%).
Im Gegensatz zur Entwicklung auf Bundesebene ist dieser leichte Bevölkerungsrückgang hinsichtlich des Eintritts in das Berufsbildungssystem noch nicht spürbar, auch die Zahlen der Schulabgänger-/innen sind (für das Schuljahr 2018/19) noch konstant. Für die Entwicklung der beruflichen Bildung in Nürnberg wichtiger sind dagegen veränderte Rahmenbedingungen aufgrund politischer Entscheidungen wie z. B. das neue Konzept der Berufsvorbereitung für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz und natürlich die Auswirkungen von zunächst individuellen Bildungsentscheidungen der jungen Menschen, wie z. B. die Tendenz zur Verlängerung des Schulbesuchs in als „unsicher“ erlebten Zeiten.
2.2 Eintritt in das Berufsbildungssystem und seine Teilsysteme
Valide Zahlen der Schulstatistik zu den Abgängerinnen und Abgängern der Nürnberger Mittelschulen des Schuljahres 2019/20 werden erst im Herbst 2021 vorliegen. Bezüglich des Schuljahrs 2018/19 sind bislang keine großen quantitativen Änderungen zu erkennen (Abb. E-1)15. 1.581 Schülerinnen und Schüler haben Ende des Schuljahres 2018/19 eine Nürnberger Mittelschule verlassen (im Vorjahr: 1.521). Allerdings ergaben sich leichte Verschiebungen bezüglich der erreichten Abschlüsse: Während im Schuljahr 2017/18 noch 37,0% der Absolvent/-innen den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule erreichten, waren dies 2018/19 nur 31,3% und damit 68 Schüler/-innen weniger. Im Gegenzug stieg der Anteil derer, die mit dem erfolgreichen Abschluss der Mittelschule abschlossen, von 17,8% auf 24,4% an.
13 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Für einen Teil dieser Entwicklung ist eine erhöhte Anzahl an Registerbereinigungen im Jahr 2019 und 2020 verantwortlich, die insbesondere junge nicht-deutsche Erwachsene (v.a. Männer) betreffen. 14 Definition zu „Migrationshintergrund“ in der Statistik vgl: Bildungsbericht 2019, S.313 15 Die Benennung der Abbildungen erfolgt zur besseren Vergleichbarkeit in Anlehnung an den Bildungsbericht 2019, Kapitel E.
Abb. E-1: Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von Mittelschulen in Nürnberg nach
Abschluss und Geschlecht, Ende des Schuljahrs 2018/19
Anzahl Abgänger/-innen
und Absolvent/-innen
| 282 | 239 | ||
|---|---|---|---|
| 219 | |||
| 132 | 213 | 233 | |
| 97 | 166 |
Erfüllte Erfolgreicher Abschluss Qualifizierender Mittlerer Vollzeitschulpflicht ohne der Mittelschule Abschluss der Schulabschluss Schulabschluss Mittelschule Weiblich Männlich
Anmerkung: Ohne private Schulen. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Schulstatistik.
Die in den vergangenen Jahren festgestellte stetige Zunahme der Schüler/-innen, die auf der Mittelschule einen mittleren Schulabschluss und damit die Anschlussmöglichkeit an die weiterführende Fachoberschule erreichen, setzt sich im Jahr 2018/19 nicht fort: Mit 29,9% sank ihr Anteil um 2,2 Prozentpunkte zum Vorjahr. Die Geschlechterverteilung innerhalb der Abschlüsse bleibt in der Tendenz bestehen: Je „niedriger“ der erreichte Abschluss, desto höher ist der Anteil der männlichen Absolventen in der jeweiligen Gruppe.
Der für die Bildungsteilhabe zentrale Indikator der Mittelschülerinnen und -schüler „Abgänger/-innen ohne Schulabschluss“ stieg von 13,9% auf 14,5%, d. h. 229 junge Menschen, davon 58,0% männlich, beendeten ihre Schullaufbahn zunächst ohne Abschluss und sind damit auf Nachqualifizierungen im Übergangssystem angewiesen, um ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu erhöhen.
Durch eigene Auswertungen des Amts für Berufliche Schulen sind zur Einmündung der Nürnberger Mittelschulabsolventen/-innen Daten auch bereits für das Schuljahr 2019/20 verfügbar: Im August 2020 wurden demnach 1.285 Schüler/-innen (mit Wohnsitz Nürnberg) aus Nürnberger Mittelschulen entlassen (Abb. E-2). Bei der Verteilung der sich anschließenden Bildungswege sind leichte Verschiebungen zu erkennen:16 Der Anteil der Schülerinnen und
16 Durch die neu eingeführte Kategorie „ohne Einmündungsdokumentation“ (z.B. aufgrund des Verbleibs in Klassenformen der Mittelschule oder des Besuchs einer privaten Mittelschule) ist die Vergleichbarkeit mit Werten vor 2019 nur eingeschränkt möglich.
Schüler, die die 9. Klasse der Mittelschule wiederholten, ist im Vergleich zum Vorjahr wieder auf 12,3% gestiegen (2019: 10,2%). Hier könnte angenommen werden, dass die aktuell als unsicher wahrgenommene Situation tendenziell zur Entscheidung für einen weiteren Schulbesuch führt. Allerdings ist die Zunahme des Anteils von 5,3 Prozentpunkten der Entlassschüler/-innen, die auf eine weiterführende Schule gewechselt sind, wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass die VK2-Klassen17 ab 2020 dieser Kategorie zugeordnet wurden.
Die Quote der Jugendlichen, die nach der Mittelschule direkt in die duale Ausbildung einmünden, ist mit 22,6% wieder auf einem niedrigen Niveau angekommen (2019: 25,9%), dagegen blieb der Anteil derer, die eine vollschulische Ausbildung an einer Berufsfachschule anschlossen, mit 9,6% in etwa gleich (2019: 10,0%).
Mit 29,2% ist der Anteil der Jugendlichen „ohne Ausbildungsplatz“ (375 Personen), die an Maßnahmen des Übergangssystems teilnehmen (neben den Berufsintegrationsklassen zählen dazu u. a. auch die die „JoA-Klassen“ ersetzenden kooperativ angelegten Berufsvorbereitungsjahre in Vollzeit), weiter leicht gesunken (2019: 29,8%).
Abb. E-2: Einmündung der Nürnberger Mittelschulabsolventen/-innen im Anschluss an die
9. Jahrgangsstufe, 2015 bis 2020
ohne
Anzahl Absolventen/-innen
1.600 Einmündungsdokumentation*
| 18 10 7 11 184 210 179 126 84 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 18 | 10 184 | 210 | 179 | 126 | ||
| 240 | 135 | 158 | ||||
| 276 | ||||||
| 263 | 279 | 225 | 191 | 255 | ||
| 314 | 387 | 315 | 466 | 393 | 375 | |
| 123 | ||||||
| 164 | 153 | 454 | 139 | 132 | 123 | |
| 318 | 315 | 274 | 341 | 290 |
1.400 Sonstiges (z.B. Ende Schulpflicht/Befreiung/Umzug) 1.200 Wiederholung der 9. Klasse MS 1.000
Weiterführende Schulen (M10, 9+2, WS, RS)
Klassen/Maßnahmen für Jugendliche ohne 400 Ausbildungsplatz Berufsfachschule (BFS)
0 Betriebliche Ausbildung 2015 2016 2017 2018 2019 2020 (einschl. EQ)
Anmerkungen: Entlassschüler/-innen der 9. Jgst. (nur Schüler/innen mit Wohnsitz Nbg., d. h. ein Teil der Schüler/innen an privaten MS wird nicht berücksichtigt); ab 2020 incl. VK2-Klassen; Klassen/Maßnahmen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz: Versch. Klassenformen der Berufsvorbereitung, BGJ, JoA, nicht-schul. Maßnahmen, JoA-Schüler/innen in Klärung. *In diesen Fällen wurde kein Schülerbogen an SchB gesandt (= Datensätze ohne Eingang/Ausgang) und keine Selbstauskunft ausgefüllt. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen
17 Vorbereitungsklassen für den mittleren Schulabschluss an der Mittelschule
Die Gesamtzahl der Neueintritte ins Berufsbildungssystem18 stieg im Schuljahr 2019/20 wieder an und lag bei 7.382 Personen, das waren 246 mehr als im Vorjahr (Abb. E-3). Dabei zeigen sich im dritten Jahr in Folge sinkende Eintrittszahlen in das Übergangssystem, die weiterhin vor allem auf den Rückgang der Berufsintegrationsklassen zurückzuführen sind.
Abb. E-3: Verteilung der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler auf die drei Teilbe-
reiche des Berufsbildungssystems in Nürnberg, Schuljahre 2012/13 bis 2019/20
| 3 5 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 5.356 | 938 | 1.009 | |||||
| 837 854 | |||||||
| 4.941 | 1.016 | 837 | |||||
| 5.043 | 974 | 854 | |||||
| 4.842 | 901 | 1.507 | |||||
| 5.079 | 953 | 1.534 | |||||
| 5.295 | 938 | 1.24 | 3 | ||||
| 5.006 | 952 | 1.178 | |||||
| 5.223 | 1.054 | 1.10 | 5 |
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2019/20
0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 7.000 8.000
Anzahl Schüler/-innen
Duales System Schulberufssystem Übergangssystem
Anmerkung: Ohne private Schulen. Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik.
Gleichzeitig nahmen die Eintritte in das Schulberufssystem leicht zu: Im Schuljahr 2019/20 begannen 1.054 Personen eine vollschulische Ausbildung, im Jahr 2018/19 waren dies 952 Personen. Mehr als zwei Drittel (70,8%) der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler begannen im Schuljahr 2019/20 eine duale Ausbildung, dieser Anteilswert entspricht in etwa dem Wert der beiden Vorjahre.
Bezieht man hierzu die Einmündungsquoten (Abb. E-2) in den Vergleich mit ein, wird deutlich, dass sich die duale Ausbildung insgesamt zu einem immer geringer werdenden Teil aus
18 Definition „Berufsbildungssystem /Teilbereiche“ s. Bildungsbericht 2019; der aktuellste Datenstand bezieht sich hierbei auf das Schuljahr 2019/20
Regel-Absolventen/-innen der Mittelschulen speist, d. h. das Anforderungsprofil zielt offenbar stark auf mittlere Abschlüsse ab.
Abb. E-4 Verteilung der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler von öffentlichen
Schulen auf die drei Teilbereiche des Berufsbildungssystems in Nürnberg nach Ge-
schlecht und Staatsangehörigkeit, Schuljahr 2019/20
| 100% 90% 80% 37,4 46,5 48,5 70% 70,3 60% 50% 40% 30% 62,6 53,5 51,5 20% 29,7 10% 0% Männlich Weiblich | 100% 90% 80% 70% 55,8 70,0 60% 82,1 76,5 50% 40% 30% 20% 44,2 30,0 10% 17,9 23,5 0% Ausländisch Deutsch |
|---|
| 37,4 | |||
|---|---|---|---|
| 46,5 | 48,5 | ||
| 70,3 | |||
| 62,6 | |||
| 53,5 | 51,5 | ||
| 29,7 |
| 55,8 | |||
|---|---|---|---|
| 70,0 | 76,5 | ||
| 82,1 | |||
| 44,2 | |||
| 30,0 | 23,5 | ||
| 17,9 |
Anmerkung: Ohne private Schulen. Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik.
Hinsichtlich der Geschlechterverteilung in den Teilbereichen des Berufsbildungssystems (Abb. E-4) zeigt sich weiterhin ein hoher Frauenanteil (70,3%) im Schulberufssystem, in dem v. a. Berufe im Bereich Gesundheit / Erziehung / Soziales erlernt werden, während knapp zwei Drittel der Teilnehmenden im Übergangssystem männlich sind (62,6%). Die Quote der jungen Frauen, die in eine duale Ausbildung einmünden, stagniert mit 46,5%. Dabei ist die Quote in den jeweiligen Branchen und Berufen stark unterschiedlich.19
Im Übergangssystem sinkt, begründet durch die stetige Abnahme der BI-Klassen seit 2016, der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit und liegt im Schuljahr 2019/20 bei 44,2%. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Jugendlichen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in vollschulischer Ausbildung weiter deutlich zu; im Schuljahr 2019/20 lag er bei 30,0% (Schuljahr 2018/19: 23,7%). Im Bereich der dualen Ausbildung ist
19 Vgl. Kapitel 2.3 Duale Ausbildung
eine leichte Steigerung von 16,1% im Vorjahr auf 17,9% zu erkennen. Neben möglicherweise auch kulturell geprägten, individuellen Bildungsentscheidungen zeigt sich hier weiterhin die Auffangfunktion der Berufsfachschulen für junge Menschen aus dem Ausland mit unklarer Bleibeperspektive.
Betrachtet man die Schulabschlüsse der zum Schuljahr 2019/20 in das Berufsbildungssystem eingetretenen Schüler/-innen, zeigen sich im Bereich der dualen Ausbildung kaum Unterschiede: Wie in den Vorjahren verfügt die große Mehrheit der neuen Auszubildenden (48,2%) über einen (an Mittel-, Real- oder Wirtschaftsschule erworbenen) mittleren Schulabschluss, die Anteile der Schüler/-innen mit der (Fach-) Hochschulreife sind mit insgesamt 19,3% ebenfalls stabil (Abb. E-5).
Abb. E-5: Verteilung der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler auf die drei Teilbereiche des Berufsbildungssystems in Nürnberg nach schulischer Vorbildung,
Schuljahr 2019/20
Anteil Schüler/-innen (in %)
100% Mit sonstigem Abschluss 90%
| 3,7 | 3,1 | |||
|---|---|---|---|---|
| 8,4 | ||||
| 12,8 | 22,4 | |||
| 3,7 | ||||
| 6,5 | 1,0 | 1,0 3,7 | ||
| 40,3 | ||||
| 48,2 | 33,7 | |||
| 42,4 | ||||
| 27,1 | 38,3 | |||
| 1,8 | 2,0 |
80% Mit Hochschulreife
70% Mit Fachhochschulreife 60%
50% Mit mittlerem Schulabschluss 40%
30% Mit erfolgreichem oder qualifizierendem Abschluss 20% der Mittelschule Ohne Abschluss 10%
0% Duale Ausbildung Schulberufssystem Übergangssystem
Anmerkung: Ohne private Schulen. Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik.
Im Schulberufssystem veränderte sich die Verteilung im Vergleich zum Vorjahr kaum, während sich im Übergangssystem der Anteil der Jugendlichen ohne Abschluss wieder von
34,0% auf 38,3% erhöhte. Gleichzeitig stieg erneut die Quote der Schüler/-innen mit „sonstigem Abschluss“ auf 22,4%, diese besaßen fast ausschließlich eine ausländische Staatsangehörigkeit, d. h. sie hatten bereits einen Schulabschluss im Ausland erreicht.
Im Gegensatz zu den Schülerinnen und Schülern ohne Schulabschluss, die für eine Nachqualifizierung unmittelbar auf die Maßnahmen des Übergangssystems angewiesen sind, verfügen 33,7% der ins Übergangssystem eingemündeten Schülerinnen und Schüler über einen erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, d. h. sie wären formal bereits für den Einstieg in eine Ausbildung qualifiziert, brauchen aber offenbar weitere Unterstützung auf dem Weg zur Ausbildungsreife oder weitere Unterstützung für den Erhalt eines Ausbildungsplatzes. Weitere 41 Schüler/-innen dieser Gruppe verfügten über einen mittleren Schulabschluss und in einigen Ausnahmefällen auch über noch höherwertige Abschlüsse.
Berufsvorbereitung an den beruflichen Schulen
Diejenigen jungen Menschen, die nach der Mittelschule noch keinen Anschluss (in Ausbildung bzw. in weiterführende Schulen) haben, finden eine Möglichkeit zur weiteren beruflichen Orientierung und persönlichen Reifung in den berufsvorbereitenden Angeboten der kommunalen beruflichen Schulen. Der Begriff der Berufsvorbereitung fungiert seit dem aktuellen Schuljahr 2020/21 als Überbegriff für alle Klassen der Berufsvorbereitung (BvJ/kooperativ und BvJ/schulisch) sowie für Klassen der Berufsintegration für zugewanderte Schüler und Schülerinnen mit Sprachförderbedarfen (zwei Jahre der BI-Klassen, Vorbereitungsklassen und Sonderformen an der Wirtschaftsschule sowie der FOS).
Im aktuellen Schuljahr werden 356 Schüler und Schülerinnen in insgesamt 18 Klassen der Berufsvorbereitung (BvJ) unterrichtet, davon 93 Schüler/-innen in fünf Klassen nach dem kooperativen Modell (BvJ/k) gemeinsam mit einem Bildungsträger und 263 Schüler/-innen in 13 vollschulischen Klassen der Berufsvorbereitung (BvJ/s). Im Vorjahr 2019/20 waren es insgesamt 218 Schüler und Schülerinnen, davon 201 Schüler/-innen in neun vollschulischen Klassen und eine kooperative Klasse mit 17 Schüler/-innen.20
186 Schüler/-innen aus 56 verschiedenen Herkunftsstaaten besuchen das erste Jahr der Berufsintegration in 14 vollschulischen Klassen (BIK/V) und weitere 230 in 14 Klassen das zweite Jahr der Berufsintegration. In fünf dieser Klassen, die sich in Bezug auf Sprachniveau und berufliche Schwerpunkte unterscheiden, wird im kooperativen Modell gearbeitet, 9 Klassen werden vollschulisch unterrichtet.
20 Quelle für alle Daten im Kapitel: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen, 2021
Mit der Sprachintegrations-Klasse an der BOS, die diesjährig zum letzten Mal für Jugendliche aus den Erstaufnahmeeinrichtungen durchgeführt wird, sind damit insgesamt 431 Schüler/-innen in der Berufsintegration. Die Sonderform der Vorklasse an der Wirtschaftsschule (VWS1), die als Schulversuch läuft, soll aufgrund des anhaltenden Bedarfs verstetigt werden.
Abb. E-6: Schülerinnen und Schüler der Berufsvorbereitung in Nürnberg,
Schuljahre 2009/10 bis 2020/21
Anzahl Schüler/-innen
1.600
| 1 | .20 | 3 | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 911 | |||||||||||||
| 111 | 280 | 330 | 303 | 344 | 517 | 602 | 535 | 431 | |||||
| 480 | |||||||||||||
| 463 | 376 | 313 | 273 | 254 | 255 | 235 | 198 | 184 | 218 | 356 |
1.400
1.200
1.000
2009/102010/112011/122012/132013/142014/152015/162016/172017/182018/192019/202020/21
Schüler/-innen in Berufsintegrationsklassen (1./2. Jahr einschl. Sonderformen)
Schüler/-innen im Berufsvorbereitungsjahr (einschl. Sonderformen)
Anmerkungen: Berufsgrundausbildungsjahr (BGA) wird schulstatistisch als BVJ/s geführt; Berufseinstiegsjahr (BEJ) wurde zum Schuljahr 2013/14 abgeschafft; Kooperatives Berufsintegrationsjahr für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge (BIJ) bis 2010 ohne Deutsch-Spracherwerb. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen.
Wie die Grafik zeigt, geht der Anteil der BI-Schüler/-innen seit dem Schuljahr 2016/17 stetig zurück, wird aber vom Anstieg der Klassen der „traditionellen“ Berufsvorbereitung (BvJ) ausgeglichen, so dass die Größenordnung seit dem Schuljahr 2018/19 insgesamt relativ gleich bleibt. Der Anstieg der Schüler/-innenzahl und die damit notwendige Erhöhung der Klassenanzahl der BvJ-Klassen begründet sich auf der Neuordnung des Systems der Berufsvorbereitung: Ab dem Schuljahr 2020/21 laufen die sog. JoA-Klassen (Klassen für Jugendliche ohne Ausbildung zur Erfüllung der Berufsschulplicht) aus. Alle berufsschulpflichtigen Jugendlichen ohne Anschluss werden sodann in vollzeitschulische BvJ-Klassen aufgenommen.
Durch diese Änderung wird eine bessere Begleitung und damit höhere Motivation der Schülerinnen und Schüler angestrebt. Aktuell untersucht das Bildungsbüro die Integrationsleistung des Berufsvorbereitungsjahrs in einer Praxisforschung; Ergebnisse werden im Sommer 2021 vorliegen.
Für die Berufsintegrationsklassen, deren Zielsetzung darin liegt, einen Anschluss in eine duale oder schulische Ausbildung zu vermitteln, auch wenn noch sprachlicher Verbesserungsbedarf vorliegt, werden die Einmündungen nach dem zweiten Jahr im Amt für Berufliche Schulen genau nachverfolgt: Im Vergleich zu den Einmündungsquoten des Jahres 201821 ist der Anteil der insgesamt 244 BI-Absolventen/-innen, die 2019 in eine duale Ausbildung22 einmündeten, von 21,8% auf 14,0% gesunken. Gleichzeitig begannen auch sehr viel weniger BI-Entlassschüler/-innen eine vollschulische Ausbildung (12,7% zu 27,5% im Vorjahr). Demgegenüber haben mit 22,1% der Absolvent/-innen fast 10 Prozentpunkte% mehr als im Vorjahr 2018 (12,9%) ihre Qualifizierung auf weiterführenden Schulen fortgesetzt. Die Quote derer mit „unklarem Verbleib“ hat sich etwas erhöht (von 20,9% auf 25,4%).23
Diese Entwicklung könnte ihre Ursache darin haben, dass die Entscheidung für die weitere schulische und berufliche Laufbahn für die zugewanderten jungen Menschen mittlerweile weniger von aufenthaltsrechtlichen Aspekten als von persönlichen Ressourcen und Wünschen geprägt wird und sich auch bei den BI-Schüler/-innen die Tendenz zum weiterführenden Schulbesuch verstärkt.
Hinsichtlich der erreichten Schulabschlüsse ist eine Steigerung beim höchsten erreichbaren Abschluss erkennbar (Abb. E-7): 13,9% anstelle von 11,4% im Vorjahr erwarben den qualifizierenden Mittelschulabschluss, 56,7% konnten den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule erreichen. Mit 20,0% liegt der Anteil „ohne Abschluss“ (aufgrund von unzureichendem Notenschnitt und/oder aufgrund von Fehlzeiten) unterhalb der Quote des Vorjahrs (22,4%).24
21 vgl. Bildungsbericht 2019, S.138 22 incl. EQ - Einstiegsqualifizierung und BGJ - Berufsgrundschuljahr 23 zu den Einmündungsquoten derjenigen BI-Schüler/-innen, die von den SCHLAU Ausbildungsakquisiteur/-innen betreut werden, vgl. Kapitel 3.1 24 Die Prozentwerte beziehen sich auf die Grundgesamtheit der 308 BI-Schüler/-innen. Zu den dokumentierten 244 Entlass-Schülerinnen kommen u.a. unterjährige Austritte.
Abb E-7: Einmündung der BIK-Entlassschülerinnen und –schüler nach dem zweiten Jahr,
2015 bis 2019
Anteil (in %)
| 22 | 37 | 21 | 22 | 14 |
|---|---|---|---|---|
| 15 | 13 | |||
| 24 | 27 | |||
| 22 | ||||
| 11 | 13 | |||
| 19 | 10 | 18 | ||
| 13 | 18 | |||
| 28 | ||||
| 12 | ||||
| 9 | 12 | 2 | ||
| 4 | ||||
| 7 | 3 | |||
| 3 | ||||
| 19 | 21 | 21 | 26 | |
| 14 |
Duale Ausbildung / EQ / BGJ*
Berufsfachschule
Weiterführende Schulen / 60 Abschlüsse Agentur für Arbeit / JC
40 Ungelernte Arbeit
Klassenwiederholung
Sonstiges / Verbleib unbekannt
2015 2016 2017 2018 2019
Anmerkung: Die Kategorie "Duale Ausbildung/EQ/BGJ" beinhaltet 2018 keine EQ Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen.
2.3 Duale Ausbildung – Angebot und Nachfrage
Die ersten Meldungen des laufenden Ausbildungsjahres 2020/21 für Gesamtdeutschland verweisen auf deutliche Einbrüche bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen aufgrund der Corona-Krise. Die Auswertungen zeigen bundesweit 9,4% weniger Ausbildungsverträge auf als im Jahr 2019, Bayern liegt mit einem Minus von 8,8% nah am Durchschnittswert. Besonders deutliche Rückgänge sind bundesweit in den Bereichen Industrie und Handel (-11,9%) sowie im Handwerk (-6%) festzustellen.25
25 Statistisches Bundesamt, vorläufige Berechnungen; vgl. Pressemeldung: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/04/PD21_187_212.html
In Nürnberg zeigt der Blick auf das Verhältnis von (gemeldeten) Ausbildungsstellen (4.057) zu Bewerbern und Bewerberinnen für Ausbildungsstellen (3.457) aufgrund der soliden Basis der Vorjahre auch im Berichtsjahr 2019/20 ein zunächst positives Bild: Weiterhin stehen rechnerisch mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung, als von den Bewerberinnen und Bewerbern nachgefragt werden: Dieses Verhältnis (Ausbildungsplatz pro Bewerber) ist allerdings von 1,47 im Vorjahr auf 1,17 gesunken. In der Abbildung E-8 wird sichtbar, dass der Rückgang bei den Ausbildungsplätzen mit -19,9% deutlich ausfiel, während die Anzahl der Bewerber/innen um 0,4% anstieg. Der regionale und bundesweite Rückgang der Ausbildungsstellen ist nach Aussagen der Bundesagentur für Arbeit (BA) nur zu einem Teil auf die wirtschaftlichen Einschränkungen in Folge der Corona-Pandemie zurückzuführen, da bereits die März-Zahlen deutlich unterhalb der Vorjahre gelegen hätten.26 Bundesweit ist auch die Zahl der Bewerber/innen um 8% deutlich gesunken, was die BA neben langfristigen Trends (Demografie, geringere Inanspruchnahme der Ausbildungsvermittlung) zu ungefähr einem Viertel auf die Effekte der Corona-Pandemie zurückführt.27
Hier kann positiv interpretiert werden, dass es in Nürnberg offenbar deutlich besser gelingt, die Ausbildungsinteressierten zumindest zu einer Meldung zu aktivieren. Die Auswirkungen der Pandemie haben den Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt zwar beeinträchtigt und verlangsamt, jedoch für den Jahrgang mit dem Ausbildungsbeginn 2020 noch keine starken Einschnitte hinterlassen. Die erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation eANR28, die auch Ausbildungsstellenbewerber/-innen berücksichtigt, die trotz „alternativen Verbleibs“ weiterhin an der Aufnahme einer Berufsausbildung interessiert sind, ist 2020 in der Region von 102,0 im Vorjahr weiter auf 100,1 gesunken und zeigt damit ebenfalls noch einen rechnerischen Marktausgleich.29
26 Bundesagentur für Arbeit: Situation am Ausbildungsmarkt, Berichte Blickpunkt Arbeitsmarkt, November 2020 27 ebd. 28 eANR, vgl. Glossar Bildungsbericht 2019; Der Indikator liegt nur für den Arbeitsagenturbezirk Nürnberg, d.h. nicht für die Stadt Nürnberg vor. 29 BiBB: Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2019 in den Arbeitsagenturbezirken, 2020
Abb. E-8: Seit Beginn des Berichtsjahres gemeldete Berufsausbildungsstellen und Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen in der Stadt Nürnberg, Berichtsjahre 2011/12 bis
2019/20
| 3.385 | 5.010 .844 8 .870 4.883 .837 21 5.067 | |
|---|---|---|
| 3.422 | 4 9 4.67 4 801 4 4.7 | |
| 3.64 | ||
| 3.484 | ||
| 3. | ||
| 3.585 | ||
| 3.572 | ||
| 3.443 | ||
| 3.457 | 4.057 |
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2019/20
0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000
Anzahl Bewerber/-innen
Gemeldete Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen
und Ausbildungsstellen
Gemeldete Berufsausbildungsstellen
Anmerkung: Ein Berichtsjahr bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres. Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem Erstellungsdatum führen. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Bewerber und Berufsausbildungsstellen, September 2011 bis 2019; eigene Darstellung.
Weiterhin bleiben aber auch am Nürnberger Ausbildungsmarkt Passungsprobleme, das sogenannte Mismatch, kennzeichnend: Während auf der einen Seite Betriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können, sind auf der anderen Seite zahlreiche junge Menschen „unversorgt“ (vgl. auch Abb. E-9). In der Stadt Nürnberg ist der Ausbildungsmarkt vor allem von berufsfachlichen und auch qualifikatorischen Ungleichgewichten geprägt (Berufswünsche der Bewerber/-innen passen nicht zu den angebotenen Ausbildungsstellen; Schulnoten entsprechen nicht den Ansprüchen), aber offenbar30 spielt weiter auch das „verhaltensbezogene“ Mismatch eine Rolle. Demnach gehen Betriebe wie umgekehrt Bewerber/innen von tatsäch-
30 vgl. Ausführungen zu den unbesetzten Ausbildungsplätzen in Kapitel 2.3 (dort: IHK-Herbstumfrage)
lichen oder vermuteten Eigenschaften oder Verhaltensweisen des Gegenübers (z. B. mangelnde Kompetenz des Bewerbers bzw. schlechtes Image der Branche) aus, was dazu führt, dass das eigentlich vorhandene Ausbildungspotential nicht ausgeschöpft werden kann.31
Bewerberinnen und Bewerber
Während in der Bevölkerungsgruppe der 15- bis 25-jährigen Nürnberger und Nürnbergerinnen, die altersmäßig relevant für die Ausbildung ist, in den letzten Jahren jeweils leichte Rückgänge zu verzeichnen sind,32 führt die Anziehungskraft der Stadt auch im Jahr 2020 weiterhin dazu, dass mehr junge Menschen für ihre Ausbildung nach Nürnberg einpendeln (5.840), als Nürnberger/-innen für ihre Ausbildung in anderen Regionen fahren (4.513). 80,2% der einpendelnden Auszubildenden kamen aus dem Regierungsbezirk Mittelfranken.33
Der prozentuale Anteil der (gemeldeten) weiblichen Bewerberinnen für einen dualen Ausbildungsplatz blieb mit 39,1% in den letzten beiden Jahren auf gleichbleibendem Niveau und liegt damit sowohl über dem bayerischen (38,3%) als auch dem bundesdeutschen (36,6%) Vergleichswert bezüglich der Geschlechterverteilung.34 Hinsichtlich der Nationalität hat sich der Anteil der deutschen Bewerber/-innen zum Vorjahr mit 70,3% zu 68,7% leicht erhöht. Der Anteil von Menschen mit (Schwer-)Behinderung blieb mit insgesamt 5,3% der Bewerber/innen stabil.
Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Bewerber/-innen für eine duale Ausbildung, die die Hochschulreife besitzen, deutlich ab (-21,7%), allerdings stieg der Anteil derjenigen Bewerber/-innen mit Fachhochschulreife um 10,3% an. 40,7% der Bewerber/-innen (1.408 Jugendliche) verfügten über den Abschluss der Mittelschule35. Dies sind zwar etwas weniger als im Jahr 2018/19, aber mehr als noch 2017/18. Ein Drittel mehr junge Menschen als im Vorjahr bewarben sich ohne Abschluss um eine Ausbildung (Wert basiert auf der insgesamt kleinen Fallzahl von 32). Insgesamt sind hinsichtlich der Schulbildung der Bewerber/-innen keine deutlichen Niveauverschiebungen zu erkennen.
Für den Ausbildungsjahrgang 2021/22 kann prognostiziert werden, dass die krisenhaft wahrgenommene Situation dazu führt, dass mehr Jugendliche den Schulbesuch verlängern
31 Vgl. Nationaler Bildungsbericht, Bildung in Deutschland 2020, S.158 32 Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermeldestatistik. 33 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit zu Pendlerverflechtungen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Kreisen, Nürnberg, Stichtag 30.6.2020. 34 Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), Schnellmeldung Ausbildungsberichterstattung 2020, Wiesbaden 35 Die BA-Statistik spricht – aufgrund der bundesweiten Vergleichbarkeit – von „Hauptschulabschluss“
und sich nicht auf dem Ausbildungsmarkt präsentieren werden. Für den „übernächsten“ Ausbildungsjahrgang (2022/23) sieht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eher eine wachsende Zahl an Bewerber/-innen, die auf ein dann wohl noch weiter reduziertes Ausbildungsangebot treffen werden.36
Ausbildungsplatzangebot
Die Ausbildungsquote (Anteil der Auszubildenden an allen Beschäftigten)37 sank bereits in den letzten Jahren stetig. Sie erreichte mit 4,0% im Juni 2020 den bislang niedrigsten Stand seit 2010 (Tab. E-1).
Die Ausbildungsbetriebsquote, die den Prozentsatz der Ausbildungsbetriebe an allen Betrieben mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten abbildet, lag zum Juni 2020 bei 18,6%. Inwieweit der erneute Rückgang auf die krisenhafte Entwicklung zurückzuführen ist und ob bis zum Start des Ausbildungsjahres 2020/21 noch aufgeholt werden kann, bleibt zunächst offen, bis belastbare Zahlen vorliegen.
Tab. E-1: Ausbildungsquote und Ausbildungsbetriebsquote in der Stadt Nürnberg,
Dezember 2010 bis Juni 2020
| Anzahl der Auszubil- denden in Betrieben | Anzahl der Betriebe mit Auszubil- denden | Gesamt- zahl der SvB | Gesamt- zahl der Betriebe | Ausbil- dungs- quote (in %) | Ausbil- dungsbe- triebsquote (in %) | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Dez. 2010 | 16.327 | 3.249 | 268.832 | 14.126 | 6,1 | 23,0 | ||||||
| Dez. 2011 | 15.782 | 3.164 | 274.621 | 14.262 | 5,7 | 22,2 | ||||||
| Dez. 2012 | 15.629 | 3.113 | 278.548 | 14.333 | 5,6 | 21,7 | ||||||
| Dez. 2013 | 15.154 | 3.039 | 281.570 | 14.447 | 5,4 | 21,0 | ||||||
| Dez. 2014 | 14.786 | 2.962 | 284.915 | 14.518 | 5,2 | 20,4 | ||||||
| Dez. 2015 | 14.227 | 2.944 | 293.190 | 14.697 | 4,9 | 20,0 | ||||||
| Dez. 2016 | 14.278 | 2.953 | 300.348 | 14.879 | 4,8 | 19,8 | ||||||
| Dez. 2017 | 14.135 | 2.988 | 308.322 | 14.989 | 4,6 | 19,9 | ||||||
| Dez. 2018 | 14.114 | 2.956 | 313.621 | 15.038 | 4,5 | 19,7 | ||||||
| Dez. 2019 | 14.189 | 2.954 | 315.526 | 15.006 | 4,5 | 19,7 | ||||||
| Juni 2020 | 12.392 | 2.766 | 309.094 | 14.909 | 4,0 | 18,6 |
Anzahl der
Auszubil-
denden in
Betrieben
Anzahl der
Betriebe mit
Auszubil-
denden
Ausbil-
dungs-
quote
(in %)
Ausbil-
dungsbe-
triebsquote
(in %)
Gesamt-
zahl der
SvB
Gesamt-
zahl der
Betriebe
Anmerkungen: Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem Erstellungsdatum führen. Halbjahres-Wert für 2020 nur sehr eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Arbeitsmarkt in Zahlen, Anzahl Betriebe mit Auszubildenden und Anzahl Auszubildende, Nürnberg; 2010 bis 2019: Stichtag jeweils 31.12.; für 2020 liegen aktuell Zahlen zum Stichtag 30.6. vor; eigene Berechnungen und Darstellung.
36 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit: „Betriebe in der Covid-19-Krise“, Nürnberg, 12.01.2021 37 genaue Definitionen der Ausbildungsquote sowie der Ausbildungsbetriebsquote s. Bildungsbericht 2019, S. 308/309
Für die IHK-Region Mittelfranken gaben allerdings lt. IHK-Betriebsumfrage die dort befragten Unternehmen an, im Jahr 2020 1,4% mehr Ausbildungsstellen als ursprünglich geplant angeboten zu haben. Während 64% der befragten Betriebe planen, gleichbleibend oder mehr als bisher auszubilden, erklärten 13% der 446 befragten Betriebe, ihr Ausbildungsstellenangebot 2021/22 reduzieren zu wollen.38
Unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden (lt. bundesweiter Analysen) insbesondere die kleineren Betriebe, „zugleich sind voraussichtlich Jugendliche mit schlechteren schulischen Voraussetzungen, die häufig im kleinst- und kleinbetrieblich strukturierten Handwerk eine Ausbildung absolvieren, stärker betroffen. Damit droht die Corona-Pandemie bereits bestehende strukturelle Schwierigkeiten auf dem Ausbildungsmarkt zu verstärken.“39
Um kleine und mittlere Unternehmen, die erheblich von der Corona-Krise betroffen sind, dabei zu unterstützen, Ausbildungsplätze in diesem und nächsten Ausbildungsjahr anzubieten, hat der Bund im August 2020 die Ausbildungsprämien40 (Ausbildungsprämie und Ausbildungsprämie plus) initiiert und aktuell verlängert und erweitert.41 Nach Angaben der BA (Statistik-Service) haben zum 24.03.2021 in Nürnberg ca. 100 (im Agenturbezirk gesamt 123) Betriebe eine Ausbildungsprämie erhalten; die größten Wirtschaftszweige waren hierbei „Gesundheits- und Sozialwesen“ und „Handel, Reparatur und Instandhaltung von KfZ“.
Abgeschlossene Ausbildungsverträge
Zum 30.09.2020 (Stichtag Agentur für Arbeit) wurden im Arbeitsagenturbezirk Nürnberg insgesamt 5.766 Ausbildungsverhältnisse neu abgeschlossen.42 Die Statistik der beiden Kammern bezieht sich jeweils auf den Stichtag 31.12.2020 und damit das Gesamtjahr. 2020 wurden im Bereich der IHK Nürnberg für Mittelfranken und der Handwerkskammer Mittelfranken als den größten „zuständigen Stellen“ insgesamt 3.881 Neueintragungen von Ausbildungs-
38 IHK Nürnberg für Mittelfranken – Herbstumfrage zur Ausbildungsstellensituation 2020; 39 Eckelt, M./ Mohr, S./ Gerhards, Ch./ Burkard, C.: Rückgang der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung. Gründe und Unterstützungsmaßnahmen mit Fokus auf Kleinstbetriebe. Bonn, 2020, S.45 40 Ausbildungsprämien bei Erhalt oder Erhöhung ihres Ausbildungsniveaus, Förderung von Ausbildungsvergütung bei Vermeidung von Kurzarbeit und Übernahmeprämien bei Übernahme von Auszubildenden 41; Förderrichtlinien: https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-3098.html; https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-3217.html (letzte Abrufe: 25.5.21) 42 Quelle: BiBB, Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2020, Wiesbaden, 2020; Gesamtzahl bezieht sich auf den Arbeitsagenturbezirk Nürnberg
verträgen vorgenommen: Während dies im Bereich der IHK insgesamt 3.042 waren und damit ein Rückgang von 12,5% zum Vorjahr, blieben im Bereich der Handwerkskammer die Neuzugänge mit 839 Eintragungen stabil (Vorjahr: 840).
Deutliche Rückgänge der Auszubildendenzahlen gab es im gesamten IHK-Bezirk in allen Branchen mit Ausnahme des gewerblichen Bereichs „Bau, Steine, Erden“: Besonders hoch fielen diese in den Bereichen „Chemie, Physik, Biologie“ (-36%), Verkehr und Transport (-26%) und Papier, Druck, Medien (-22%) aus. Die Branche des Hotel- und Gaststättengewerbes war im letzten Jahr von einer Reduzierung von 23% betroffen. Im Bereich der Handwerkskammer waren es vor allem die kaufmännischen Ausbildungsberufe mit einem deutlichen Rückgang von -11,7%, wohingegen die Berufe der Bau- und Ausbauhandwerke einen Zuwachs von +5,2% verzeichnen konnten. Bei den IHK-Berufen ist ebenfalls „Bau, Steine, Erden“ die einzige Branche mit einem signifikanten Zuwachs von +7%.43
Von den durch die IHK ausgewiesenen 3.042 neuen Ausbildungsverträgen in rund 150 Ausbildungsberufen wurden 65,0% mit männlichen und 35,0% mit weiblichen Auszubildenden abgeschlossen. Dabei lag der Frauenanteil an den 1.016 neuen „gewerblichen“ Auszubildenden lediglich bei 13,8%, jedoch bei den 2.026 „kaufmännischen“ Auszubildenden mit 45,5% fast paritätisch.44 Von den 839 neueingetragenen Ausbildungsverhältnissen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken wurden 79,6% mit Männern abgeschlossen, 20,4% fielen auf Verträge mit weiblichen oder diversen Auszubildenden. Besonders deutlich ist die ungleiche Geschlechterverteilung im Bereich der „handwerklichen“ Ausbildungsberufe mit einem Frauenanteil von nur 17,5%.45
Die Zusammensetzung der neuen Auszubildenden nach ihrer schulischen Vorbildung hat sich im Vergleich zu den Vorjahren ebenso wie die Geschlechterverteilung kaum geändert: Analog zur dargestellten Gesamtverteilung der „Neueinsteiger/-innen“ (Abb. E-5) verfügten 44,6% der Auszubildenden im IHK-Bereich über einen mittleren Schulabschluss, 23,8% sogar über eine Hochschulzugangsberechtigung. Letztere finden sich mit einem Anteil von 30,7% überproportional in den IHK-Berufen des „gewerblich-technischen Bereichs“, während im kaufmännischen Bereich der mittlere Schulabschluss mit 42,3% und der Abschluss der Mittelschule mit 30,6% dominieren.
43 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, Bildungsbericht 2020, Nürnberg 2021 und Handwerkskammer für Mittelfranken, 2021 Zahlen beziehen sich hier auf die jeweiligen gesamten Kammerbezirke, nicht nur auf die Stadt Nürnberg. 44 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, 2021 45 Quelle: Handwerkskammer Mittelfranken, 2021
Von neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen im Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammer waren 735, d. h. 87,6% in den „handwerklichen“ Berufen gemeldet. 54,7% aller neuen Auszubildenden brachten einen Mittelschulabschluss mit, 27,6% einen mittleren Schulabschluss und 13,5% die Hochschulreife. Letztere sind – ähnlich wie in den IHK-Berufen v. a. im Bereich „Elektro- und Metallberufe“, aber auch im Bereich „Gesundheit / Körperpflege“ zu finden. Wiederum nur 35 Auszubildende (4,2%) im Bereich der Handwerkskammer und 53 Auszubildende (1,7%) aus dem IHK-Bereich kamen in die Ausbildung ohne Schulabschluss. Letztere haben ihre Ausbildung v. a. im Einzelhandel begonnen.
17,9% der neuen Auszubildenden im Bereich der Handwerkskammer (bezogen auf den gesamten Kammerbezirk) haben eine ausländische Staatsangehörigkeit, was einem geringen Rückgang nach dem bisherigen Höchststand im Jahr 2019 (18,5%) entspricht. Im Bereich der IHK liegt die Quote für die Stadt Nürnberg mit 11,76% auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren. 69,1% dieser 181 neuen Auszubildenden haben ihren Schulabschluss im Ausland erworben, d. h. sie sind relativ neu zugewandert und haben damit die erste Integration in Ausbildung gemeistert.
Unbesetzte Ausbildungsplätze
Zum Stichtag 30.09.2020 waren in der Stadt Nürnberg 482 der gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt, das sind 14,4% weniger als im Vorjahr. Damit läuft die Nürnberger Entwicklung gegensätzlich zum Bundestrend, bei dem in der Steigerung der unbesetzten Ausbildungsstellen um 20% ein „Corona-Effekt“ deutlich wird.46
Der Indikator, der die Anzahl der unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze auf die Anzahl der noch nicht versorgten Bewerber/-innen (159 Personen) bezieht, liegt für Nürnberg bei 3,0, im Jahr 2017/18 lag er noch bei 6,8. Ein hoher Überhang an unbesetzten Ausbildungsplätzen bestand im Jahr 2020 insbesondere in den Branchen „Gastronomie“ (20,5) sowie in den Handwerksberufen der Branche „Sanitär/Heizung/Klima“ (16,5).
In der benannten Befragung der IHK, bei der die Besetzungsquote mit 87,1% angegeben wurde, d. h. jeder siebte der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt blieb, gaben die Betriebe als Begründung an, dass es entweder „keine Bewerber“ für die Stellen gab oder die Bewerber/-innen „nicht geeignet“ gewesen seien (insgesamt 68,2% der Nennungen). Die Mehrzahl der befragten Betriebe (63,1%) vermissten „Motivation und Interesse am Ausbildungsberuf“ bei den Bewerber/-innen und 37,2% sahen „falsche Berufsvorstellungen“ als
46 Bundesagentur für Arbeit: Situation am Ausbildungsmarkt, Berichte Blickpunkt Arbeitsmarkt, November 2020.
ausschlaggebend für die Nicht-Passung an.47 Während 73,6% bzw. 72,6% der befragten Betriebe angaben, sich gut vorstellen zu können, die unbesetzten Ausbildungsplätze mit „Studienabbrechern“ oder „Flüchtlingen“ zu besetzen, sahen dies nur rund 36,6% der Betriebe für die Personengruppe „Auszubildende, die nur in Teilzeit arbeiten können“ gegeben.48
Abb. E-9: Bewerber/-innen (mit Alternative oder unversorgt) sowie unbesetzte Ausbil-
dungsstellen, 2018 bis 2020
Anzahl Bewerber/-innen
und unbesetzte Stellen
| 102 | 121 | 159 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 102 | ||||||
| 694 | ||||||
| 563 | 482 | |||||
| 355 | 396 | 357 |
2018 2019 2020
Bewerber/-innen mit Alternative Bewerber/-innen unversorgt Unbesetzte Stellen
Anmerkung: Stand jeweils 30.9. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen, September 2020.
Von den bei der Arbeitsagentur gemeldeten 3.457 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern konnten insgesamt 1.449, d. h. 41,9% eine Ausbildung aufnehmen; dies waren 9,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und damit signifikant weniger als im Bundesschnitt (46,0%)49. 357 Bewerber/-innen entschieden sich für eine „Alternative“ (Abb. E-9). Diese war für 180, also 50,4%, der Besuch einer weiterführenden Schule,50 56 Personen sind in Fördermaßnahmen (z. B. BvB, EQ) eingemündet. Auch bei den abgemeldeten Bewerber/-innen
47 IHK Nürnberg für Mittelfranken – Herbstumfrage zur Ausbildungsstellensituation 2020; Mehrfachantworten möglich 48 ebd. 49 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, November 2020 50 BA-Kategorie: „Schule / Studium / Praktikum“
(„andere ehemalige Bewerber“) ist ein Anstieg von 12,4 Prozentpunkten zu erkennen, von diesen wählten wiederum 29,1% den weiteren Schulbesuch.
Damit bleiben in der Statistik der Arbeitsagentur zum 30.09.2020 159 „unversorgte“ Jugendliche; das sind 38 Personen mehr als im Vorjahr. In Anbetracht des Bundestrends (+20%) kann hier von einem leichten Corona-Effekt gesprochen werden. Unter diesen sind 35 Personen, die über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügen, sowie 50 junge Menschen mit Realschulabschluss. Betrachtet man die Wunschberufe der „unversorgten“ Bewerber/-innen, tauchen mehrheitlich Berufe auf, in denen die Angebotssituation gut ist („Verkäufer/in“, „Kaufmann/-frau Büromanagement“, „medizinische Fachangestellte/r“), d. h. dass der berufsfachliche Mismatch hier eigentlich nicht ausschlaggebend sein konnte.
Setzt man die Anzahl dieser Bewerber/-innen („unversorgt“ oder „mit Alternative“) in Bezug zu den unbesetzten Stellen, zeigt sich für die letzten drei Jahre eine rechnerische Annäherung (Abb. E-9). Allerdings wird mit Blick auf die „Einmündungsquote EQI“51, die im Agenturbezirk Nürnberg im Jahr 2020 auf den Wert 69,3 gesunken ist, während sie noch im Jahr 2018 bei 71,3 und 2019 bei 73,0 lag, sichtbar, dass von allen an Ausbildung interessierten (und gemeldeten) Jugendlichen lediglich 69,3% auch tatsächlich eine Ausbildung aufnehmen konnten. Immer noch wird damit rund ein Drittel des vorhandenen Potentials für die duale Ausbildung nicht ausgeschöpft.
Ausblick auf das nächste Ausbildungsjahr – Stand März 2021
Der relevante Vergleichszeitraum des Ausbildungsjahres läuft vom 01.10. des Jahres bis zum 30.09. des Folgejahres – belastbare Zahlen zu den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen liegen meist zum Ende des Jahres vor. Trotzdem soll hier kurz ein Blick auf die aktuelle Situation im Frühjahr 2021 im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt 2020 (d. h. noch vor den Auswirkungen der Lockdowns) geworfen werden:
Für die Stadt Nürnberg weist die Agentur für Arbeit zum Stand März 2021 mit 3.002 gemeldeten Ausbildungsstellen im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs einen Rückgang von 13,3% aus. Die größten Rückgänge sind dabei aktuell vor allem in den Bereichen Tourismus, Hotellerie und Gastronomie zu verzeichnen, aber z. B. auch in Bereichen der Metalltechnik/-bearbeitung und Maschinenbau.52 Die neuesten Zahlen vom April 2021 geben
51 Quelle: BiBB, Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2020 in den Arbeitsagenturbezirken; Stand 30.09.20; Die EQI stellt die den Anteil der einmündenden Ausbildungsbewerber/-innen an allen institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Jugendlichen dar. Quelle: BA, vgl. Glossar Bildungsbericht 2019, S.311 Die EQI liegt nur für den Arbeitsagenturbezirk Nürnberg gesamt vor. 52 Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt – Kreis Stadt Nürnberg, 2021
mit einem Rückstand von nur noch 11,6% Hoffnung auf eine positive Entwicklung in den nächsten Monaten.
Die Kammern benennen weiterhin tendenziell geringere Stände als im Vorjahr, allerdings auf der Grundlage „kleiner Fallzahlen“ zum derzeitigen Zeitpunkt, so dass die Entwicklung sich – abhängig von der wirtschaftlichen Gesamtlage – auch noch deutlich ändern kann.
Im Bereich U25 des Jobcenters Nürnberg sind im Vergleich zum Vorjahr zum Stand März 2021 ähnlich viele Bewerber/-innen „unvermittelt“;53 die Fachkräfte sehen trotz aller Bemühungen große Schwierigkeiten, die Jugendlichen im „Kundenstamm“ überhaupt zu erreichen. Die Zahl der gemeldeten Bewerber/-innen ist – zum Stand März 2021 – um 19,3% zurückgegangen. Von den 2.039 gemeldeten Bewerber/-innen sind aktuell 1.378 hinsichtlich eines Ausbildungsbeginns zum 30.09. „unversorgt“. Im Vergleich zum März 2020 (also vor den Lockdowns) sind dies 16,4% weniger. Rechtskreisübergreifend, d. h. für SGB II und III gemeinsam, weist die aktuelle Aprilstatistik einen Rückgang der unversorgten Bewerber/-innen zum Vorjahr um 15,3% aus, dabei geht auch die Gesamtzahl der Bewerber/-innen um 17,1% zurück. Hierbei befürchten die Akteure einen weiteren Rückgang auch im Jahresverlauf, da in diesem Schuljahr die Mehrzahl der berufsorientierenden Angebote (Praktika, Programme wie BOP und BO-Module54, Beratungsangebote) für Schülerinnen und Schüler nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfanden, eine abschließende berufliche Orientierung daher oft noch nicht erfolgt ist und diese damit nicht oder kaum für die Aufnahme einer dualen Ausbildung motiviert und aktiviert werden konnten.
Eine aktuelle Umfrage des AK Berufsorientierung bei allen Klassenlehrkräften der Regel- Abschlussklassen der Nürnberger Mittelschulen hat ergeben, dass Mitte April 2021 von 1.250 einbezogenen Schüler/-innen gerade 120 schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, d. h. 90,4% noch keinen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben. Fast die Hälfte der bereits abgeschlossenen Ausbildungsverträge sind mit Unterstützung der aktuell existierenden Angebote des Nürnberger Übergangsmanagements (SCHLAU, QUAPO, BerEB) bzw. externer Partner zustande gekommen.
53 Quellen: Jobcenter Nürnberg 19.4.21.; Statistik der Bundesagentur für Arbeit, April 2021 54 vgl. Kapitel 3.1
3 Übergangsmanagement Schule-Beruf
Dieses aktuelle Schlaglicht zeigt eindrücklich den Stellenwert der Maßnahmen im Nürnberger Übergangsmanagement auf: Gerade in Zeiten, in denen „Normalität“ in vielen Bereichen in Frage gestellt wird, brauchen junge Menschen umfangreiche Unterstützung, um den – für viele sehr großen – Schritt von der Schule in eine berufliche Ausbildung gehen zu können. Das Jahr 2020 war für alle Akteure im Übergangsmanagement geprägt von der Notwendigkeit, sich ständig auf neue Rahmenbedingungen einzustellen und die eigenen Arbeitsweisen notgedrungen aber auch zukunftsorientiert anzupassen. Mit den ersten Schulschließungen und der Einstellung fast aller Beratungsangebote im März 2021 fielen Kontaktmöglichkeiten und Zugänge abrupt weg. Digitale Kontaktmöglichkeiten und entsprechende Beratungsformen mussten schnell aufgebaut werden.
Dies gelang auch deshalb in vielen Bereichen, weil Kooperations- und Abstimmungsprozesse auf der Basis des 2011 vom Stadtrat beschlossenen und seitdem fortgeschriebenen „Nürnberger Modell Übergangsmanagement Schule – Berufliche Ausbildung“ in der Praxis etabliert und eingespielt sind. Allerdings änderten sich die Rahmenbedingungen (z. B. die Möglichkeit von Präsenz- oder Wechselunterricht abhängig von Inzidenzzahlen oder die Zulassung von Berufsorientierungs-Maßnahmen in und außerhalb der Schule) zum Teil wochen- oder sogar tagesweise, so dass auch ein Monitoring der jeweils aktuell durchgeführten Angebote kaum möglich war.
Als eine kurzfristige Notlösung wurden ab April 2020 auf der Homepage www.uebergangsmanagement.nuernberg.de regelmäßig die Kontaktmöglichkeiten und -adressen der Angebote veröffentlicht, mit dem Ziel denjenigen Multiplikator/-innen (wie z. B. den Fachkräften der Jugendsozialarbeit an den Schulen), die im Kontakt zu Jugendlichen standen, aktuelle Informationen liefern zu können.
Als mittelbare Folge der Krise sind politische Entscheidungen in den Förderkulissen des Freistaats und der Bundesagentur für Arbeit zu nennen (wie z. B. bei der Berufseinstiegsbegleitung, aber auch den Berufsorientierungsmodulen), die wiederum zu Anpassungsnotwendigkeiten auf der kommunalen Ebene führen.
Abb. E-10: Nürnberger Modell Übergangsmanagement Schule –
Berufliche Ausbildung (Stand bis September 2021)
Anmerkung: Ohne Projekt IBOS (wie in den bestehenden Übersichten, vgl. Bildungsbericht 2019) Quelle: Bildungsbüro der Stadt Nürnberg.
3.1 Angebote im Nürnberger Modell
Nürnberger Portfolio
In den Mittelschulen bildet das „Nürnberger Portfolio: Mein Weg zur Ausbildung“ die verbindliche Grundlage für die Dokumentation des Berufsorientierungsprozesses der Schülerinnen und Schüler. Die jedem Mittelschüler und jeder Mittelschülerin zur Verfügung gestellten Portfolio-Ordner werden weiterhin über Stiftungsmittel finanziert.
Im Distanz- und Wechselunterricht ist das Portfolio nur eingeschränkt nutzbar und gestaltet sich schwierig. So sind z. B. zum einen die Ordner oft nicht zuhause verfügbar, zum anderen gibt es kaum Anlässe (Praktikum, Potenzialanalyse o.ä) zur Bearbeitung.
Berufsberatung der Agentur für Arbeit
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit möchte junge Menschen in allen Fragen „rund um die Berufswahl“ unterstützen. Die Einführung der sog. Lebensbegleitenden Berufsberatung vor dem Erwerbsleben (LBB), mit der die Unterstützung bei der Berufs- und Studienwahl an allgemeinbildenden Schulen ab dem Schuljahr 2019/2020 nochmals intensiviert werden sollte, konnte allerdings nur im ersten Schulhalbjahr umgesetzt werden.
Nach den Schließungen und Einschränkungen im Frühjahr 2020 mussten bis zum Frühsommer 2020 sowie erneut ab Herbst 2020 alternative, insbesondere telefonische Formen der Beratung zum Tragen kommen. Seit Oktober 2020 steht allen Berufsberatern/-innen ein System der Videoberatung zur Verfügung. Daneben gelang es gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt und der Stadt Nürnberg den Berufsberater/-innen Zugänge über MS Teams zu allen Mittelschulen (und analog auch in den anderen weiterführenden Schularten) einzurichten und damit eine digitale Zugangsmöglichkeit sowohl zu den Lehrkräften als auch den Schüler/-innen im Klassenverband zu erhalten. Einzelgespräche mit Schüler/-innen sind sowohl bei telefonischen als auch bei Onlineangeboten möglich. Der Kontaktaufbau ist hierbei allerdings aufwendiger und gelingt nicht mit allen Jugendlichen.
Bis Mitte Mai sind noch Berater/-innen für Aufgaben im Bereich der Beantragung des Kurzarbeitergelds eingesetzt, nach den Pfingstferien soll dann mit wieder vollständigem Personal eine „Beratungs- und Vermittlungsoffensive“ gestartet werden.
BMBF-Programm „Bildungskette“: Berufsorientierungsprogramm BOP
Die Angebote der zweitägigen „Potenzialanalyse“ und der zweiwöchigen „Werkstatt-Tage“ sind Teil des umfassenden „Berufsorientierungsprogramms BOP“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie werden seit 2011 in Nürnberg in allen staatlichen Mittelschulen (sowie zwei privaten) und an sechs Förderzentren (sowie dem Förderzentrum der bbs) durchgeführt. Die beteiligten Träger, die städtische Noris-Arbeit gGmbH (NoA) sowie die bfz gGmbH, kooperieren hier und stimmen sich bezüglich der Aufteilung der Schulen ab. Die Handwerkskammer für Mittelfranken betreut weitere vier Mittelschulen.
In den Vorjahren nahmen rund 1.000 Mittelschüler/-innen der 7. und 8. Jahrgangsstufen am Programm teil.55 So haben 2019 z. B. in der NoA 916 Personen an der Potenzialanalyse und 772 an der praktischen Erprobung („Werkstatt-Tage“) teilgenommen. Für 2020 hatten die Träger mit ähnlichen Größenordnungen geplant (NoA: 1.006 gesamt, bfz: 578 Potenzialanalysen, 533 Werkstatt-Tage; Handwerkskammer: 165 Potenzialanalysen und Werkstatttage), sie konnten jedoch bis März 2020 nur einen Teil dieser Schüler/-innen tatsächlich betreuen. Mit nachholenden Angeboten im Herbst konnten schließlich 2020 insgesamt rund 40% der geplanten Teilnahmen realisiert werden.
Bestand zum Schuljahresstart im September 2020, ab dem z. B. die Werkstatt-Tage in Kleingruppen ein- statt zweiwöchig durchgeführt wurden, noch die Hoffnung, im Jahr 2021 die Potentialanalysen für die siebten Jahrgangsstufen wieder durchführen zu können, sind die BOP-Maßnahmen faktisch seit dem zweiten Lockdown im Dezember 2021 eingestellt, da Schüler/innen der Jahrgangsstufen 7 und 8 in Nürnberg seitdem nicht mehr in Präsenz unterrichtet worden sind. Insbesondere die Werkstatt-Tage, die auf Erfahrungslernen durch Praxis setzten, sind durch digitale Angebote nicht zu ersetzen. Damit konnte für diese Schülerinnen und Schüler bisher keine Basis für den weiteren Berufsorientierungsprozess gelegt werden, ein Negativfaktor, der durch den Wegfall berufsorientierender Praktika weiter verstärkt wurde und noch wird.
Die Träger planen eine schnelle Wiederaufnahme der Angebote nach den Pfingstferien 2021, sofern Präsenz- bzw. Wechselunterricht stattfindet. Um möglichst vielen Schüler/-innen die Möglichkeit bieten zu können, sollen auch die Werkstatt-Tage möglichst wieder einwöchig stattfinden.
55 vgl. Bildungsbericht 2019, S.142
Berufsorientierungs-Module (§ 48 SGB III)
Seit dem Schuljahr 2020/21 wurden die vorher als Module A bis I bekannten Angebote der Berufsorientierung, die vom Freistaat und der Agentur für Arbeit nach §48 SGB III finanziert und über das Staatliche Schulamt organisiert von den Mittelschulen gebucht werden können, neu konzipiert und benannt. Aus den grundsätzlichen Möglichkeiten der Module „Talente entdecken“, „Talente entwickeln“ und „Talente fördern“ wurde für Nürnberg bedarfsgerecht das Angebot „Talente fördern“ ausgewählt, das auf die Begleitung von Schüler/-innen mit einem höheren Berufsorientierungsbedarf über einen längeren Zeitraum setzt und auf die Ergebnisse des BOP aufsetzen kann.
Im Modul sollen acht „Bausteine“ in Kleingruppen im Schuljahresverlauf umgesetzt werden. Im Schuljahr 2020/21 werden hier 474 Schüler/-innen der Jahrgangsstufen 7,8 und 9 durch den Bildungsträger bfz gGmbH begleitet. Die Betreuung wurde (aufgrund des andauernden Distanzunterrichts der Jahrgangsstufen 7 und 8) auf Onlineangebote umgestellt, die laut Anbieter und Kostenträger auch gut funktionieren. Nach Aussagen von Lehrkräften ist aber davon auszugehen, dass der virtuelle Ersatz – wie bei anderen Angeboten auch - die Jugendlichen nur eingeschränkt erreicht.
Für die spezifische Zielgruppe „neuzugewanderte Jugendliche“ bietet der Bildungsträger Kolping im Schuljahr 20/21 das Modul „I – Flüchtlingsintegration“ mit 38 Plätzen an, das im Rahmen der Möglichkeiten ebenfalls „alternativ“, d. h. online und digital durchgeführt wird.
Berufseinstiegsbegleitung
Die Berufseinstiegsbegleitung (BerEB) ist – zum Stand Mitte Mai 2021 immer noch – zentrales Element der Übergangsbegleitung für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Unterstützungsbedarfen. Aufgrund eines angemessenen Betreuungsverhältnisses (eine Fachkraft für 20 Schüler/-innen) können die Berufseinstiegsbegleiter/-innen sehr individuell und damit bedarfsgerecht arbeiten. Eine Besonderheit besteht in der Möglichkeit, die Jugendlichen bis zu sechs Monaten nach Beginn einer dualen Ausbildung zu betreuen (d. h. im Vorfeld auch während eines Berufsvorbereitungsjahres), um Stolpersteine gerade zu Beginn der Ausbildung erkennen und überwinden zu können. Die Berufseinstiegsbegleitung ist außerdem das einzige Regelinstrument am Übergang Schule - Beruf, das unabhängig von den eigenen Angeboten im sonderpädagogischen Bereich auch die Zielgruppe der Förderschüler/-innen (mit 25 Plätzen) miteinbezieht.
Die BerEB wurde in Nürnberg 2010 eingeführt und ab 2012 als Regelinstrument nach §49 SGB III von der Agentur für Arbeit gefördert. Seit dem Schuljahr 2018/19 bis zum Schuljahr
2020/21 wurde die Kofinanzierung durch den Freistaat Bayern übernommen (Mittel des Landes-ESF, Verteilung über das Staatliche Schulamt). Die Nachfrage nach BerEB von Seiten der Mittelschulen war durchgängig groß, so dass in den letzten Jahren durch die Agentur für Arbeit die Platzzahl von 225 regelmäßig mit Restmitteln auf 305 Plätze zzgl. 20 Plätze für Förderzentren aufgestockt werden konnte. Seit dem Schuljahr 2019/20 ist zur Durchführung der BerEB der Bildungsträger IB Internationaler Bund beauftragt.
Das Kultusministerium hatte Anfang des Jahres überraschend entschieden und mit dem KMS vom 02.02.2021 darüber informiert, die BO-Maßnahme der Berufseinstiegsbegleitung in Bayern zukünftig nicht mehr über Mittel des Landes-ESF (2021 - 2027) zu finanzieren. Obwohl die 50-prozentige Finanzierung der Agentur für Arbeit weiterhin bereitgestanden hätte, war geplant, die BerEB „auslaufen“ zu lassen. Konkret hätten diejenigen Schüler/-innen, die aktuell in der 8. Jahrgangsstufe eine/n Berufseinstiegsbegleiter/-in an ihrer Seite haben, diese Unterstützung behalten, ab dem nächsten Schuljahr wären jedoch keine neuen Schülerinnen und Schüler hinzugekommen. Weil diese Entscheidung zu größeren Verwerfungen innerhalb des Nürnberger Modells geführt hätte, wurden Stadtspitze und Verwaltung auf zwei Ebenen aktiv:
a) Politische Einflussnahme
Am 03.03.2021 wurde ein gemeinsamer Brief des Oberbürgermeisters und der Referentinnen für Schule und Sport sowie Jugend, Familie und Soziales an die Staatskanzlei versandt, der die Folgen dieser Mittelkürzungen für das Übergangssystem und v. a. für die betroffenen jungen Menschen in Nürnberg beschrieb. Ähnlich lautende „Protestbriefe“ der Städte Fürth und Schwabach folgten. Gleichzeitig wurde in den relevanten Ausschüssen des Bayerischen Städtetags das Thema angemeldet und diskutiert.
Im Bayerischen Landtag wurden Anträge der Opposition vom 11.03.2021 und 24.03.2021 zur Weiterfinanzierung der BerEB über die Auslaufphase hinaus von der regierenden Mehrheit abgelehnt.56 Am 05.05.2021 erschien die Pressemitteilung des Kultusministeriums, in der verkündet wurde, dass der Freistaat (Kultus-und Arbeitsministerium) „einen entscheidenden finanziellen Beitrag zur Fortführung der Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit auch für den nächsten möglichen Teilnehmerjahrgang (Schuljahr 2021/2022)“ leisten wird. Mit der Presseerklärung vom 06.05.2021 hat die Stadt Nürnberg diese Entscheidung der Verlängerung für einen Schüler/-innenjahrgang befürwortet und eine nachhaltige, langfristige Lösung
56 s. Landtagsdrucksache 18/14462
gefordert. Im Antwortbrief der Staatskanzlei spricht Staatsminister Dr. Florian Herrmann davon, dass „das Bayerische Kabinett […] - gerade auch im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie - die Fortführung des erfolgreichen Programms für eine weitere Einstiegskohorte beschloss[en habe]“ und bedankt sich bei der Stadtspitze für „das Engagement bei der Unterstützung unserer Jugendlichen“.
b) Konzeptionelle Überlegungen im Rahmen des Nürnberger Modells
Gleichzeitig wurden in Nürnberg unmittelbar Überlegungen angestellt, um frühzeitig Maßnahmen zur Gegensteuerung umsetzen zu können. Nachdem die Verwaltung davon ausgehen konnte, dass auch der Stadtrat und der gemeinsame Jugendhilfe- und Schulausschuss dieses Ziel grundsätzlich unterstützen würde, wurde nach dem Auftakt eines Strategiegesprächs der relevanten Akteure (Referentin für Schule und Sport, Referentin für Jugend, Familie und Soziales, Leitungen städtische Träger im Übergangsmanagement SCHLAU und Noris-Arbeit gGmbH, Bildungsbüro) eine Arbeitsgruppe (SCHLAU und NoA unter Koordination des Bildungsbüros) beauftragt, ein Konzept für eine Maßnahme zu entwickeln, die die Lücken, die durch den Wegfall der BerEB entstehen würden, zumindest teilweise abdecken könnte.
Am 12.03.2021 konnte der Arbeitsagentur Nürnberg und dem Staatlichen Schulamt in Nürnberg ein Konzept präsentiert werden, das die bisherigen Erfolgsfaktoren von SCHLAU/IBOS sowie QUAPO aufnahm und eine städtische Kofinanzierung einer neuen Maßnahme „Übergangsbegleitung“ in Aussicht stellte. Leider konnte die Agentur für Arbeit die dafür notwendige Flexibilisierung des BerEB-Konzepts nicht gewährleisten, so dass nach längerer aufwändiger Abstimmungsphase das Angebot durch die Agentur zunächst nicht angenommen wurde. Anfang Mai hat die Agentur für Arbeit die Verhandlungen über ein geplantes neues Instrument wiederaufgenommen und der Stadt Nürnberg ein gemeinsames „Produkt“ mit jeweils hälftiger Finanzierung angeboten. Als städtischer Träger sollte die Noris-Arbeit gGmbH beauftragt werden.
Mit der Entscheidung des Kultusministeriums, die Berufseinstiegsbegleitung für die nächste Kohorte ab dem nächsten Jahrgang 2021/22 weiter zu fördern, ist die Konzeption einer „städtischen BerEB“ zunächst nun nicht mehr aktuell, jedoch muss die unsichere Situation ab dem Jahrgang 2022/23 im Zukunftskonzept mitbedacht werden. Zum aktuellen Stand Mitte Mai 2021 sind auch die genaueren Durchführungsbedingungen für die „weitere Einstiegskohorte“ (z. B. Platzzahl für Nürnberg, Maßnahmenbeginn) noch nicht bekannt.
Städtische anschlussorientierte Maßnahmen
Im Schuljahr 2019/20 bestanden die durch die Stadt Nürnberg mitfinanzierten Fördermaßnahmen des Übergangsmanagements wie bisher (zu aktuell anstehenden Veränderungen s. Abschnitt 4.): SCHLAU zzgl. IBOS an zwei Schulen, QUAPO und Perspektiven im Quartier. Eine Empfehlung für SCHLAU oder QUAPO erfolgt direkt durch die Lehrkräfte, das projektfinanzierte Beratungsangebot Perspektiven im Quartier fokussiert die Zielgruppe von jungen Menschen, die in keiner anderen Maßnahme betreut werden.
Aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie sind die Teilnehmendenzahlen der Programme nicht sinnvoll mit den Vorjahren zu vergleichen, daher wird hier auf die Tabellendarstellung verzichtet.
SCHLAU
Das umfassende Beratungs- und Begleitungsangebot von „SCHLAU Übergangsmanagement“ – als Abteilung angesiedelt im Amt für Berufliche Schulen der Stadt Nürnberg – war von den pandemiebedingten Einschränkungen auch empfindlich betroffen; es gelang aber offensichtlich die Mehrzahl der teilnehmenden Schüler/-innen noch zu erreichen. Hier wirkt der vertrauensvolle persönliche Kontakt, der von den Fachkräften noch vor den Schulschließungen zu den meisten Teilnehmenden aufgebaut werden konnte, als „Krisenprävention“. Damit konnten die Schülerinnen und Schüler auch während der Schließungen weitestgehend via Telefon und digital weiterbetreut und dadurch gerade auch die digitalen Kompetenzen der Jugendlichen verbessert werden.
Von den 510 Mittelschüler/-innen aus den Abschlussklassen (davon rund ein Drittel aus M- und V2-Klassen), die von den acht Sozialpädagoginnen (6 VZÄ) im Team SCHLAU Mittelschule im Schuljahr 2019/20 betreut wurden, sind 35,3% in duale Ausbildungen und 12,5% in vollschulische Ausbildungsgänge eingemündet, was einen geringen Rückgang zum Vorjahr (39,1% duale, 15,4% vollschulische Ausbildung) darstellt.57 Während der Anteil der SCHLAU-Schüler/-innen, die die Abschlussklasse wiederholten, um 3,4 Prozentpunkte auf 8,8% stieg, sank der Anteil derjenigen, die im Anschluss eine weiterführende Schule besuchten von 25,8 auf 19,4%. 6,7% der Teilnehmer/-innen und damit 5,9 Prozentpunkte mehr als
57 Quelle: SCHLAU Tätigkeitsbericht 2019/20
im Vorjahr waren am Ende des Schuljahres noch „arbeits- bzw. ausbildungssuchend“, was als „Corona-Effekt“ ausgewiesen wird.
Das Team SCHLAU Berufsschulberatung, in dem zwei Fachkräfte ein Beratungsangebot für alle Mittelschüler/-innen der neunten Jahrgangsstufe machen, musste das Regelangebot (Veranstaltungen wie die Berufsschulberatungstage) ab März 2020 einstellen. Mit Informationspaketen für Lehrkräfte, telefonischer Beratung und durch schriftliche Information wurden diejenigen Klassen erreicht, die bis März noch keine Beratung erhalten konnten. Bis zum 13.3.2020 konnten noch 571 von insgesamt 1.289 gemeldeten Schüler/-innen an den Berufsschulberatungstagen persönlich teilnehmen; danach wurden 506 Informationspakete für 23 Klassen an die Schulen verschickt, was ab Juli 2020 zu einem signifikanten Anstieg der telefonischen Beratungen führte.
Die SCHLAU Ausbildungsakquisiteure/-innen begleiten die Schüler/-innen im Übergangssystem der Beruflichen Schulen (in den BvJ-Klassen). Im Schuljahr 2019/20 waren dies 103 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus 28 Nationen stammten. 79% der jungen Menschen weisen einen Migrationshintergrund auf. Unter den Rahmenbedingungen der pandemiebedingten Einschränkungen wurden die besonderen Herausforderungen für die Kompetenzentwicklung der jungen Menschen sehr deutlich: Die Fähigkeit – nach umfassender telefonischer Beratung – selbständig EDV-gestützte Bewerbungen verfassen zu können, wurde zur großen Entwicklungsaufgabe für die Schülerinnen und Schüler, die vorher weder über eine ausreichende digitale Grundbildung noch über eine ausreichende technische Ausstattung verfügten. Schließlich konnten auch Teilnehmende, die (mit Unterstützung) viel Durchhaltevermögen erlernt und gezeigt haben, zum Teil noch zu einem späteren Zeitpunkt einen Ausbildungsvertrag unterschreiben.
Durch eingeschränkte Möglichkeiten für Betriebserkundungen und Praktika fiel ein wichtiger Erfolgsfaktor, um die jungen Menschen auch von „alternativen“ Ausbildungen überzeugen zu können, weg. Weil viele Ausbildungsverträge doch schon vor dem 16.03.2020 geschlossen wurden, waren die Erfolgsquoten bei den Anschlüssen noch recht positiv: 46,6% der Teilnehmenden konnten eine duale Ausbildung und weitere 14,6% eine vollschulische Ausbildung anschließen. Diejenigen Jugendlichen, die nach dem Lockdown nicht mehr erreicht werden konnten, finden sich zahlenmäßig in den erhöhten Quoten von weiterhin arbeits- und ausbildungsplatzsuchenden jungen Menschen (6,8%) sowie Teilnehmenden an Maßnahmen der Arbeitsagentur (6,8%) wieder.
Während der Corona-Krise war die Beratungsfunktion der Ausbildungsakquisiteure auch von Betrieben aus dem SCHLAU-Firmennetzwerk gefragt, die zu Fördermöglichkeiten wie den Ausbildungsprämien informiert werden konnten.
Die SCHLAU Ausbildungsakquisition für Flüchtlinge (AQ Flü) kann aufgrund der angepassten Förderrichtlinien des bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration seit 1.1.2020 eine erweiterte Zielgruppe betreuen: Neben jungen Menschen mit Fluchthintergrund dürfen nun unter bestimmten Voraussetzungen auch Menschen mit Migrationshintergrund und Integrationshemmnissen beraten werden. Damit steht das Angebot nun allen Schülern/-innen aus den Berufsintegrationsklassen offen, in denen neben geflüchteten vor allem auch zugewanderte junge Menschen aus EU-Staaten sind. Die drei Ausbildungsakquisiteure/-innen (auf zwei Vollzeitstellen) betreuten 2019/20 insgesamt 80 Jugendliche, darunter auch Schüler/-innen der Wirtschaftsschule und der Robert-Bosch-Mittelschule, die sich auf die mittlere Reife vorbereiteten, sowie Jugendliche aus der Integrations-Vorklasse der Fachoberschule. 31,3% der Teilnehmenden konnten in eine betriebliche Ausbildung einmünden und 25,0% begannen eine schulische Ausbildung; letzteres ist eine deutliche Steigerung der Vorjahresquote. SCHLAU AQ führt die sehr guten Einmündungsquoten „trotz Corona“ neben der Erweiterung der Zielgruppen auch auf die überdurchschnittlich hohe Motivation und Flexibilität der Zielgruppe zurück. Nur ein einziger Teilnehmer verblieb im letzten Schuljahr ohne direkten Anschluss.
Das Beratungsangebot „SCHLAU Ausbildungsakquisition für Flüchtlinge“ wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration gefördert, die SCHLAU Ausbildungsakquisition aus Mitteln des Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Die übrigen SCHLAU-Angebote werden durch Mittel der Agentur für Arbeit, des bayerischen Kultusministeriums und der Stadt Nürnberg finanziert.
Dies gilt auch für IBOS (Intensivierte Berufliche Orientierung für Schüler), das SCHLAU-Projekt, das für jeweils einen Klassenzug an der Mittelschule Hummelsteiner Weg sowie an der Mittelschule Scharrerschule durchgeführt wird und den Fokus auf enge sozialpädagogische Begleitung und gut vorbereitete und begleitete Praktika setzt.
Aufgrund des Lockdowns und der folgenden Einschränkungen (völliges bzw. inzidenzabhängiges Verbot von Praktika durch das staatliche Schulamt) war IBOS sehr stark betroffen: In den siebten Jahrgangsstufen fehlte durch Distanz- und Wechselunterrichtsbedingungen
Zeit für berufsorientierende Inhalte, die achten Jahrgangsstufen konnten keine Praktika absolvieren und für die Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs verzögerte sich der Bewerbungsprozess. Trotzdem konnten immer noch fast die Hälfte (47,7%) der IBOS-Schüler/-innen eine duale Ausbildung beginnen, weitere 11,9% haben eine vollschulische Ausbildung angeschlossen. Im Vorjahr waren dies 47,2% und 22,2%. Die Quote der IBOS-Schüler/innen, die die Abschlussklasse wiederholen wollen, ist um 3 Prozentpunkte auf 11,9% gestiegen, während der Anteil derer, die eine weiterführende Schule besuchen, von 22 auf 19,0% gesunken ist.
QUAPO
Mittelschüler und Mittelschülerinnen, die besondere Unterstützung für den qualifizierten Mittelschulabschluss brauchen, sind bei QUAPO, einem Angebot der städtischen Beschäftigungsgesellschaft Noris-Arbeit gGmbH (NoA), gut aufgehoben: Die Teilnehmenden der achten und neunten (bzw. zehnten) Jahrgangsstufen erhalten Stützunterricht in Deutsch, Mathematik und weiteren prüfungsrelevanten Fächern. Sie werden zudem beim Erwerb von Lernstrategien und der Prüfungsvorbereitung, im Prozess der Berufsorientierung und Berufswahl sowie im konkreten Bewerbungsverfahren unterstützt. Die Bausteine wurden aktuell flexibilisiert, so dass Unterrichtsmodule und freiwillige Hausaufgabenbetreuung nach individuellem Bedarf „zugebucht“ werden können.
In den Vorjahren waren jeweils 150 bis 200 Schüler/-innen bei QUAPO angemeldet. Im Schuljahr 2019/20 waren bis zum Juli 2020 100 Schüler und Schülerinnen angemeldet. Ab März 2020 wurden 52 Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangsstufe aufgenommen, die allerdings aufgrund der pandemiebedingten Schulschließungen nicht betreut werden konnten. Für das Schuljahr 2020/21 konnten dazu weitere Teilnehmende aus der 9. Jahrgangsstufe aufgenommen werden, so dass insgesamt 75 Teilnehmende bei QUAPO für das laufende Schuljahr angemeldet sind. Der überwiegende Teil der Schüler/-innen (82%) hat einen Migrationshintergrund.58
Im Sommer (Juli/August 2020) wurden nachholende Angebote nach individuellem Bedarf gemacht. Digitale Angebote boten für die Zielgruppe der QUAPO-Schüler/-innen nur eine „Notlösung“, da zum einen häufig weder die technische Infrastruktur vorhanden war, noch die digitalen Kompetenzen der ausreichten. Trotzdem wurde mit hohem Aufwand versucht, den Kontakt z. B. über Telefonsprechzeiten und Angebote des Distanzlernens aufrecht zu erhalten und auch die Eltern der Teilnehmer/-innen zu informieren.
58 Quelle: Noris-Arbeit gGmbH, 2021
Als besonders schwierig erwies sich, dass auch in Phasen des Präsenzunterrichts laut Vorgaben des Staatlichen Schulamts kein Nachmittagsangebot mit „gemischten“ Gruppen zugelassen war. Ab November 2020 sollte dies mit Einverständnis der Eltern wieder möglich werden und QUAPO nach den Herbstferien wieder für die 9. Jahrgangsstufe starten. Dies kam durch die nächste Lockdown-Phase aber wieder zu einem vorzeitigen Ende.
Zum Ausbildungsstart September 2020 konnten von den 100 Teilnehmenden 18 in eine duale und 18 in eine vollschulische Ausbildung einmünden, d. h. ein Übergang in Ausbildung von insgesamt 36,0%, 21 (21,0%) Teilnehmer/-innen setzten ihre Schullaufbahn an einer weiterführenden Schule fort, 10 Teilnehmende konnten ein Berufsvorbereitungsjahr (BvJ und BGJ) anschließen.
Die Quote derjenigen, die 2020 das Ziel des qualifizierten Mittelschulabschlusses geschafft haben, blieb mit 57,0% im Vergleich zum Vorjahr stabil, allerdings haben mit 33,0% auch erheblich weniger Teilnehmende als im Vorjahr den erfolgreichen Mittelschulabschluss erreicht. Für einen recht hohen Anteil von rund 10% der Teilnehmenden konnte der weitere Verbleib nicht ermittelt werden.
Perspektiven im Quartier
Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die nicht in den schulbezogenen Übergangsmaßnahmen wie SCHLAU und QUAPO oder durch die Berufseinstiegsbegleitung betreut werden, und insbesondere junge Menschen bis zu 27 Jahren, die sich weder in Ausbildung, einer berufsvorbereitenden Maßnahme oder Beschäftigung befinden und deren Einstieg in Arbeitswelt nicht nachhaltig gelingt, finden eine niedrigschwellige Anlaufstelle im Projekt „Perspektiven im Quartier“, das von den Fachkräften der Noris Arbeit durchgeführt und vom Jugendamt koordiniert wird. Seit 2015 wird das Projekt mit Bundes-ESF-Mitteln des Programms „JU- GEND STÄRKEN im Quartier“ gefördert und endet mit Ende der zweiten Förderperiode zum 30.06.2022. Das Angebot aus dem Arbeitsfeld der Jugendberufshilfe versteht sich als einzelfallbezogene, langfristig angelegte Unterstützung und Begleitung junger Menschen auf dem Weg zur beruflichen Integration. Im Projekt werden die Bausteine aufsuchende Arbeit, Clearing/niedrigschwellige Beratung und Case Management von einem Team durchgeführt. Dadurch können Übergaben von einer auf eine andere Betreuungsperson vermieden, Phasen der Vertrauensbildung verkürzt und die Teilnahmedauer verringert werden. Seit Beginn der zweiten Förderperiode am 01.01.2019 waren insgesamt 343 junge Menschen
bei PQ angemeldet. Insgesamt sind für das Jahr 2020 Kontakte zu 214 Personen dokumentiert. Daraus ergaben sich 127 Neueintritte in das Angebot. Clearinggespräche und eine niedrigschwellige Beratung nehmen praktisch alle Teilnehmenden in Anspruch, dienen aber nahezu immer als Einstieg ins längerfristige und intensive Case Management (81 Personen). Seit dem 01.01.2021 gab es 35 Neueintritte in das Projekt.59
Mit dem ersten Lockdown im März 2020 wurden die Beratungen per Telefon und E-Mail durchgeführt. Persönliche Kontakte, v. a. für den Erstkontakt, fanden in Ausnahmefällen statt. Diese Praxis wird seither weitergeführt und ermöglicht so einen guten Kontakt zur Zielgruppe. Durch Schulschließungen und die daraus resultierenden Veränderungen in der Vermittlung durch externe Fachkräfte war der Zugang zum Projekt für die Jugendlichen teilweise eingeschränkt. Die Projektmitarbeiter/-innen berichten über eine Zunahme von psychosozialen Problemen der Teilnehmenden.
Die erste Förderperiode von 2015 bis 2018 wurde umfangreich ausgewertet und dabei die Eingliederungsquoten in schulische oder berufliche Ausbildung oder in Beschäftigung für die mit besonderen Problemlagen belastete Zielgruppe insgesamt mit 52,8% angegeben.
Im Jahr 2020 konnten – nach den starken Einschränkungen – 98 Personen das Projekt beenden: 64% derer begannen eine duale oder schulische Ausbildung, 9% gingen direkt in den Arbeitsmarkt über. Im Jahr 2021 gab es bisher 25 Austritte aus dem Projekt. Davon absolvieren 28% ehemalige Teilnehmende einen schulischen oder beruflichen Bildungsgang. 12 % haben nach Beendigung der Maßnahme direkt eine Beschäftigung angetreten.
3.2 Jugendberufsagentur und weitere Fördermaßnahmen im Übergang
Die Jugendberufsagentur (JBA) wurde 2018 als gemeinsames Netzwerk von Arbeitsagentur Nürnberg, Jobcenter Nürnberg-Stadt und Stadt Nürnberg mit dem Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg als Kooperationspartner gegründet und will rechtskreisübergreifend Angebote für junge Menschen am Übergang gestalten. Mit der Eröffnung der gemeinsamen Anlaufstelle im April 2019 wurde das Ziel einer niedrigschwelligen Anlaufstelle mit Lotsenfunktion in die Regelsysteme umgesetzt. Seit September 2019 war das Beratungspersonal der Anlaufstelle (Berater/-innen aus der Berufsberatung der Arbeitsagentur sowie Integrationsfachkräfte des SGB II) um einen Mitarbeiter aus dem Jugendamt (ASD) ergänzt.
59 Quelle: Stadt Nürnberg Jugendamt, Jugendberufshilfe, 2021
Die Anlaufstelle und auch das JBA-Netzwerk insgesamt wurden durch die Einschränkungen des Lockdowns 2020 stark getroffen: Die Anlaufstelle (im Erdgeschoss der Agentur für Arbeit am Richard-Wagner-Platz) wurde im März 2020 geschlossen und bis zum aktuellen Datum (Stand 25.05.21) noch nicht wieder geöffnet. Personal (z.B. der Berufsberatung) ist auch weiterhin für andere Aufgaben innerhalb der Arbeitsagentur abgestellt.
Aktuell ist geplant, die Anlaufstelle in die Räume des Dienstleistungszentrums U25 (Sandstraße) umzusiedeln. Neben räumlichen Ressourcen durch den Wegfall des Angebotes “Jobcafé“ der Arbeiterwohlfahrt böten sich am neuen Standort optimale Möglichkeiten der Zusammenarbeit „in einem Haus“ sowie der direkte Zugang zur Zielgruppe aus dem SGB II.
Im Herbst 2020 wurde der Prozess der genaueren Ausrichtung der Anlaufstelle – und der sonstigen Angebote – wiederaufgenommen und die Ergebnisse im Lenkungskreis der Jugendberufsagentur im Oktober 2020 verabschiedet. Als Hauptzielgruppe der Anlaufstelle werden damit diejenigen jungen Menschen beschrieben, die mit unklaren Problemlagen in die Beratung kommen, deren Anliegen mehrere Themenfelder (Rechtskreise) tangieren und bei denen Handlungsbedarf in mindestens zwei Rechtskreisen vorhanden ist. Neben diesen Jugendlichen, die selbstverantwortlich oder mit Begleitung die Anlaufstelle aufsuchen, sollen auch die jungen Menschen in den Blick genommen werden, die von Mitarbeiter/-innen der Anlaufstelle der JBA vor Ort aufgesucht werden müssen. Hierzu sind erste Kooperationen mit dem Projekt Stellwerk (Träger: Don Bosco) entstanden.
Zusätzlich zur Beratung in der Anlaufstelle wurden und werden vor der Schließung der Anlaufstelle und wieder seit September 2020 junge Menschen durch den Mitarbeiter des Jugendamts (JBA/J) vor Ort oder Zuhause aufgesucht und abgeholt. Ziel ist es, auch den schwer erreichbaren jungen Menschen Beratung und Orientierung zu ermöglichen und sie für die denkbaren nächsten Schritte zu motivieren. Die Zugangsmöglichkeiten sind sehr unterschiedlich, z. B. nach Zuweisungen durch die Regelsysteme (J/ASD, AA-Berufsberatung, JC- Arbeitsvermittler) bzw. Clearer/-innen der anderen Rechtskreise, Abholen aus der Notschlafstelle Sleep In oder über die JBA-Hotline. Bei Bedarf fanden auch während des Lockdowns Gespräche persönlich statt, inzwischen ist dies wieder die Regel. Dieses aufsuchende Angebot richtet sich v. a. an junge Menschen die nicht (mehr) von den Regelsystemen erreicht werden. Die Intensität der Begleitung im Rahmen des (rechtskreisübergreifenden) Clearingprozesses richtet sich nach Bedarf und Anliegen des jungen Menschen. Sie werden solange begleitet, bis sie sicher in den Angeboten der jeweiligen Rechtskreise angekommen sind.
Seit Schließung der Anlaufstelle finden die rechtskreisübergreifenden Gespräche zwischen den Kollegen und Kolleginnen aus dem SGB II, III und SGB VIII nur telefonisch statt.
Für diejenigen jungen Menschen, die schon bislang in einem oder mehreren Rechtskreisen eingebunden sind, fungiert die Anlaufstelle als Clearing-Stelle und lotst zu den entsprechenden Ansprechpartnern und Angeboten im Regelsystem.
Im Herbst 2020 wurde – in der digitalen Zusammenarbeit im Netzwerk – für Berufsschüler/ -innen mit Abbruchsgefährdung bzw. Wechselabsichten eine Übersicht mit Ansprechpartner/innen der Jugendberufsagentur und der Kammern zur Verfügung gestellt. Ziel ist, frühzeitig unterstützungsbedürftige Jugendliche in den Berufsschulen zu identifizieren und auf die Angebote aufmerksam zu machen. Spätestens ab dem Schuljahr 2021/2022 werden Angebote der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Nürnberg an den Berufsschulen ausgebaut.60
Vor Schließung der gemeinsamen Anlaufstelle, d. h. von April 2019 bis März 2020 verzeichnete der SGB II Bereich Vorsprachen von 692 jungen Menschen; hierbei waren noch alle „Jobcenter-Neukunden“ der Altersgruppe integriert. Im April 2020 wurde ersatzweise ein telefonischer Rufkreis eingerichtet, im SGB II Clearing kam es hier zu 39 Kontakten, weitere 38 Kontakte sind über das JBA eigene E-Mail-Postfach entstanden. Aktuell (im ersten Quartal 2021) ist wieder eine Steigerung der Anrufe erkennbar.61 Für das Anliegen im SGB III/ der Berufsberatung waren bis zur Schließung der Anlaufstelle durchschnittlich sieben Beratungsgespräche pro Tag zu verzeichnen, über die Hotline gingen ab August 2020 durchschnittlich zwei Anrufe pro Tag zu Themen der Berufsberatung ein. Monatlich werden an JBA/J im Rahmen des Clearings rund zehn Anfragen gerichtet, mit steigender Tendenz. Im Schnitt werden zehn junge Menschen im Rahmen der Individualhilfe gleichzeitig durch JBA/J begleitet. Der zeitliche Aufwand unterliegt dabei sowohl individuellen Unterschieden als auch zeitlichen Schwankungen.
Auf das umfangreiche Maßnahmenangebot der „Regelsysteme“ (SGB II, III, VIII und IX) soll hier nur kurz eingegangen werden. Darstellungen der einzelnen Maßnahmen finden sich in der Datenbank www.uebergangsmanagement.nuernberg.de.
Mit den „Aktivierungshilfen für Jüngere“ bietet das Jobcenter Nürnberg jungen Menschen (im SGB II-Bezug) Möglichkeiten zur Berufsorientierung und praktischen Erprobung. Insgesamt wurden im Jahr 2020 109 Maßnahmenplätze angeboten. Neben bewährten Angeboten
60 steht zum Download auf: https://uebergangsmanagement.nuernberg.de/fileadmin/Website/RUEM/PDF/210218_Final_Flyer_Beratungsnetzwerk.pdf 61 Quelle für alle Angaben: Agentur für Arbeit Nürnberg und Jobcenter Nürnberg, 2021
wie „Aktivierungshilfen pro aktiv“ oder „Werkstattschule 2.0“ wurde u. a. die neue Maßnahme „Do it“ eingeführt, die schwerpunktmäßig durch Praktika auf eine Ausbildung bzw. Arbeit vorbereiten soll. Auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kann hier mit 15 Plätzen junge Menschen (im SGBIII) unterstützen.
Für das Jobcenter gilt ebenso wie für die Berufsberatung, dass die Erreichbarkeit der jungen Menschen sehr schwer geworden ist. Erste Aktivitäten in sozialen Netzwerken sowie Angebote zur Videoberatung bieten neue Zugangsmöglichkeiten, können aber die persönliche Ansprache nicht ersetzen.
Die „Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen BvB“, die die Agentur für Arbeit finanziert, sollen gezielt auf die Aufnahme einer Berufsausbildung vorbereiten. Die Teilnehmer/-innen absolvieren betriebliche Praktika und erhalten Unterstützung im Bewerbungsprozess. Jugendliche ohne Schulabschluss können den Mittelschulabschluss nachholen. Im Schuljahr 2020/21 wurden insgesamt 260 BvB-Plätze angeboten, davon waren 65 Plätze für junge Menschen mit intensiven Sprachförderbedarf vorgesehen. Die „produktionsorientierte BvB“, die von der städtischen Noris-Arbeit gGmbH durchgeführt wird, bietet 20 Plätze. Nach dem ersten Lockdown wurden die Maßnahmen in sogenannter „alternativer Durchführung“, d. h. in digitaler (z. B. täglicher E-Mail-Kontakt) und telefonischer Form weitergeführt. Die wichtigen Praxisanteile konnten allerdings nicht im sonst üblichen Umfang realisiert werden. Ab Mai 2020 waren Präsenzangebote (z. B. zur Nachholung der Schulabschlüsse und Werkstattangebote) wieder möglich.
Um den Übergang in eine Ausbildung auch längerfristig zu stabilisieren, brauchen manche junge Menschen unterstützende Begleitung während der betrieblichen Erstausbildung, so z. B. bei der Prüfungsvorbereitung, der Bewältigung von theoretischen Inhalten oder bei Sprachförderbedarfen. Hier setzen die SGB III-Maßnahmen der „ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH)“62 und der „Assistierten Ausbildung (AsA)“ an, die ab 2021/22 zur neuen „Assistierten Ausbildung (AsAflex)“ fusioniert werden. Im Ausbildungsjahr 2020/21 standen für die abH 297 Plätze und 25 Plätze für die AsA (Kohorte ab 2020) zur Verfügung. Das Jobcenter finanziert weitere 12 Teilnehmendenplätze der abH und 45 der AsA.
Lernbeeinträchtige oder sozial benachteiligte junge Menschen, die auch mit abH oder AsA nicht in einem Betrieb ausgebildet werden können, können ihre Ausbildung „außerbetrieblich“ absolvieren. Innerhalb der „Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE)“,
62 Die abH werden 2020/21 vom Bildungsträger DAA, die AsA vom Bildungsträger bfz durchgeführt.
die im „Kooperativen Modell“ zusammen mit Kooperationsbetrieben erfolgt, soll möglichst schnell ein Übergang in eine betriebliche Ausbildung erreicht werden, sie kann aber auch bis zum Abschluss außerbetrieblich erfolgen. Im Jahr 2020/21 standen 15 Teilnehmendenplätze beim Bildungsträger bfz zur Verfügung, das Jobcenter ergänzt mit 15 weiteren Plätzen der kooperativen BaE sowie 12 Plätzen für eine BaE in Teilzeit, die insbesondere für junge Eltern geeignet ist.
Das Jugendamt trägt mit einer Kofinanzierung durch Mittel des Europäischen Sozialfonds und des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales eine Maßnahme für Jugendliche und junge Erwachsene mit, die aufgrund von besonderen Problemlagen noch nicht erfolgreich in eine Ausbildung einsteigen oder diese abschließen konnten. Das Projekt „Mit Erfolg zum Ausbildungsziel“ wird vom SOS-Kinderdorf Nürnberg durchgeführt, Partner für die Beratung und Vermittlung sind die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Nürnberg-Stadt. Im Projektzeitraum von 01.09.2019 bis 31.08.2020 haben insgesamt 20 Jugendliche und junge Erwachsene an dem Projekt teilgenommen. Aktuell werden noch 8 Jugendliche von MezA betreut. Durch die coronabedingten Einschränkungen wurde das Projekt auch in Teilen hybrid bzw. in den Phasen des Lockdowns in alternativer Form durchgeführt.63
Seit September 2020 gibt es im Anschluss an den Clearingprozess das Angebot einer langfristigen Individualhilfe für die jungen Menschen. Das freiwillige Angebot bedarf keiner Antragstellung und findet bedarfsorientiert in enger Abstimmung mit der Bezirkssozialarbeit des ASD, zuständigen Sachbearbeiter/-innen der anderen Rechtskreise bzw. sozialen Dienste und Träger explizit auch in Kombination mit Maßnahmen anderer Sozialleistungsträger statt. Zentrale Elemente des Angebots sind: sozialpädagogische Beratung, auch in wirtschaftlichen Fragen, die Entwicklung einer beruflichen Lebenswegplanung, Aufsuchende Sozialarbeit v.a. bei fehlender Mitwirkungsbereitschaft / Kontaktabbrüchen sowie Begleitung und Initiierung von Übergängen der Sozialleistungsträger („Lotse und Anwalt“) und Anbindung an Beratungsstellen, z. B. Sucht, Überschuldung. Zum Angebot gehört auch die bedarfsorientierte Einbindung des sozialen Umfelds sowie die Krisenhilfe bei z. B. Wohnungslosigkeit oder seelischen Notlagen.
63 Quelle: Jugendamt, Jugendberufshilfe, 2021
4 Anpassung des Nürnberger Modells Schule-Berufliche Ausbildung
4.1 Anstehende Veränderungen im Übergangsmanagement
Nicht nur durch die unmittelbaren Folgen der Pandemie haben sich die Rahmenbedingungen für das Übergangsmanagement in Nürnberg im letzten Jahr verändert. Auch davon zunächst unabhängige politische Entscheidungen, wie z. B. die Beendigung von Projekten, wirken einschneidend auf die Angebotsstruktur, die den jungen Menschen in der Stadt zur Verfügung steht. Während in den letzten Jahren die Quantität der Angebote insgesamt unkritisch war und es vor allem um die Förderung der Qualität und der Koordination ging, stellt sich aktuell die Frage nach einem ausreichenden Angebot neu: Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die seit März 2021 kaum Präsenzangebote zur Berufsorientierung und -beratung wahrnehmen konnten, könnten verstärkte und wahrscheinlich auch andere Bedarfe haben als die vorherigen Jahrgänge.
Für die nahe Zukunft sind folgende weitere Veränderungen innerhalb der Angebote des Übergangsmanagements bereits abzusehen:
SCHLAU:
Die Maßnahmen, die SCHLAU bislang als Träger von BOM-Maßnahmen nach §48 SGB III im Auftrag der Fördergeldgeber (Agentur für Arbeit und StMUK) durchgeführt hat, werden mit Bindefrist 03.08.2021 derzeit neu ausgeschrieben. Für den Fall, dass SCHLAU wieder den Zuschlag erhält, würden sich folgende inhaltliche Veränderungen ergeben: Ab dem Schuljahr 2021/22 würde SCHLAU Mittelschule auch mit einem Angebot für Schüler/-innen der achten Jahrgangsstufe vertreten sein. Im Rahmen eines BO-Moduls sollen die Schüler/innen der Vorabgangsklassen in der Phase der dann intensiver werdenden Berufsorientierung begleitet werden. In Gruppen- und bedarfsorientiert auch Einzelangeboten soll v. a. das Thema Praktikum im Mittelpunkt stehen, um – vernetzt mit der Praktikumsinitiative „Qualifiziertes Praktikum“ – die Schüler/-innen bei ihren ersten Schritten in der Arbeitswelt zu unterstützen. Mit der Erweiterung sollen bis zu 150 Schüler/-innen erreicht werden. Aufgrund von eingeschränkter Bezuschussung muss dafür aber im Gegenzug die Teilnehmendenzahl für SCHLAU Mittelschule (9. und 10. Jahrgangsstufe) um 170 Plätze reduziert werden.
SCHLAU/ IBOS:
Nach der erfolgreichen Intervention der Stadt hat das Kultusministerium mit Schreiben vom 08.02.2021 eine weitere Kofinanzierung des laufenden IBOS-Projekts für das Jahr 2021/22 zugesichert, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass eine weitere Verlängerung nicht mehr möglich sei. Damit wird das Erfolgsprojekt an den Mittelschulen Hummelsteiner Weg und Scharrerschule ab dem Schuljahr 2022/23 eingestellt, d. h. dass bereits im Vorjahr 2021/22 keine neuen IBOS-Schüler/-innen in die 7. Jahrgangsstufe mehr aufgenommen werden. Daher wird stadtintern an Perspektiven für diese Schüler/-innen gearbeitet.
SCHLAU Ausbildungsakquisiteure:
Mit dem Schuljahr 2020/21 wurde vonseiten des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus eine Neukonzeption in der Berufsvorbereitung umgesetzt: Berufsvorbereitungs- und Berufsintegrationsklassen werden als Einheit gesehen (gemeinsamer Lehrplan ab Schuljahr 2021/22) und in verschiedenen Klassenformen angeboten. In Nürnberg sind dies schulische Berufsvorbereitungsklassen (überwiegende Klassenzahl), kooperative Berufsvorbereitungsklassen, Berufsintegrationsvorklassen (schulisch) und schulische sowie kooperative Berufsintegrationsklassen. Klassen für Jugendliche ohne Ausbildung werden nicht mehr neu gebildet. Der Einsatz von SCHLAU-Ausbildungsakquisiteuren/-innen ist in den schulischen Berufsvorbereitungsklassen weiterhin sehr sinnvoll und notwendig, in den kooperativen Klassen werden die Ausbildungsakquisiteur/-innen nicht mehr tätig sein.
Berufseinstiegsbegleitung:
Dank vieler Interventionen, auch des Oberbürgermeisters, wird die Finanzierung der Berufseinstiegsbegleitung um ein Schuljahr (für eine „Teilnehmendenkohorte“) verlängert. Zum Zeitpunkt der Berichtserstellung ist noch nicht klar, mit wie vielen Teilnehmendenplätzen die Berufseinstiegsbegleitung im Jahr 2021/22 in Nürnberg weitergeführt werden kann. Außerdem ist völlig offen, ob und in welcher Größenordnung das Programm auch langfristig für die Jahrgänge ab 2022/23 zur Verfügung stehen wird.
Perspektiven im Quartier:
Mit Beendigung der ESF-Förderperiode wird auch das Projekt zum 30.06.22 enden. Eine Nachfolgefinanzierung aus dem Programm „Jugend stärken im Quartier“ ist nicht in Sicht, weil sich dieses im neuen Förderzeitraum auf die Zielgruppenarbeit mit wohnungslosen Jugendlichen fokussieren wird.
QUAPO:
Im Rahmen der Überlegungen zu einem kommunalen „Ersatzprogramm“ für die Berufseinstiegsbegleitung war die Noris-Arbeit in Abstimmung mit dem Referat für Jugend, Familie und Soziales bereit, Teile der städtisch finanzierten Fördermaßnahme QUAPO in ein zukünftiges gesamtstädtisches Programm (in referatsübergreifender Kooperation mit SCHLAU) einzubringen.
Nachdem die Berufseinstiegsbegleitung nun zunächst weitergeführt werden kann, ergeben sich jetzt Chancen für eine konzeptionelle Schärfung von QUAPO, die zwar in Abstimmung mit den Akteuren im System, aber unabhängig von Förderbedingungen vorgenommen werden kann. So soll z. B. der Förderunterricht, der Mittelschüler/-innen beim Erreichen des qualifizierten Schulabschlusses für eine erweiterte Zielgruppe angeboten wird, und die berufsorientierenden Angebote für die QUAPO-Teilnehmer-/innen intensiviert werden.
In der Summe werden ab dem Schuljahr 2022/23 jeweils rund 25 Schüler/-innen der siebten und neunten sowie rund 50 Schüler/-innen der achten Jahrgangsstufe nicht mehr in IBOS- Klassen unterrichtet. Bei dem Angebot SCHLAU Mittelschule entfallen zudem (sofern keine zusätzlichen Mittel für eine Aufstockung aktiviert werden können) 170 Plätze der 9. und 10. Jahrgangsstufe, d.h. sogar bei einer Weiterführung der Berufseinstiegsbegleitung über das nächste Schuljahr hinaus entsteht eine Betreuungslücke, die qualitativ nicht durch ein einfaches „Mehr“ der standardisierten BO-Module der Agentur für Arbeit gedeckt werden kann.
Mit dem Auslaufen des Projekts „Perspektiven im Quartier“ entfällt darüber hinaus im System ein Angebot, das gerade für diejenigen jungen Menschen, die vorher durchs Raster gefallen waren, als Auffangnetz diente und eine Rückbindung an die Regelangebote und -systeme herstellen konnte.
Abb E-11: Veränderungen ab 2022:
ab
22/
23 ?
- 6/22
Anm: ohne Darstellung des Projekts IBOS (vgl. dazu Text)
4.2 Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen
Die rund 55.000 jungen Nürnbergerinnen und Nürnberger, die aktuell zwischen 15 und 25 Jahre alt sind, haben wie die vorherigen Generationen herausfordernde Aufgaben zu bewältigen: Bei individuell sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Ressourcen müssen sie alle ihre eigene Identität als junge Erwachsene finden, gleichzeitig wichtige Entscheidungen für ihren Weg in das Berufsleben treffen und erste Schritte in Ausbildung und Beruf gehen. Diese Entwicklungsaufgaben sind im letzten Jahr, in dem Jugendliche deutliche Einschränkungen in ihrer Lebenswelt hinnehmen mussten und dabei gleichzeitig erheblich weniger Unterstützung in Anspruch nehmen konnten, besonders schwierig geworden.
Auch wenn Angebot und Nachfrage auf dem Nürnberger Ausbildungsmarkt rechnerisch immer noch ausgeglichen sind und Nürnberg noch kaum unter demografischen Rückgängen in der Altersgruppe leidet, zeigen sich zum „Vor-Corona-Stand“ verschiedene Herausforderungen:
Es besteht weiterhin ein struktureller Mismatch in Bezug auf Nachfrage und Angebot von Ausbildungsplätzen, der sich durch die Krise weiter zuspitzen könnte.64
2020 haben nur 22,6% aller Entlassschüler/-innen der Mittelschule eine duale Ausbildung angeschlossen. Zusammen mit den 9,3% der Schüler/-innen, die eine vollschulische Ausbildung aufnahmen, sind damit gerade einmal 31,3% aller Mittelschüler/-innen direkt in eine berufliche Ausbildung eingemündet.
375 Jugendliche, das sind 29,2% aller Entlassschüler/-innen, sind Ende des Schuljahrs 2019/2020 „ohne Ausbildungsplatz“ verblieben und müssen in Maßnahmen des Übergangssystems (insbesondere dem Berufsvorbereitungsjahr) nachqualifiziert bzw. vermittelt werden (Vorjahr 18/19: 393).
Der Anteil der Mittelschülerinnen und -schüler „ohne Abschluss“ stieg (von 2017/18 auf 2018/19) von 13,9% auf 14,5%. 229 junge Menschen, davon 58,0% männlich, beenden folglich ihre Schullaufbahn zunächst ohne Abschluss und sind damit auf Nachqualifizierungen im Übergangsmanagement angewiesen.
Die Ausbildungsquote (2020 mit 4,0% auf dem niedrigsten Stand seit 2010) und die Ausbildungsbetriebsquote (im Juni 2020 bei 18,6%) sinken seit Jahren.
64 vgl. z.B. Burkard, Claudia (2020): Jugendliche fördern, Betriebe entlasten, Wirtschaft stärken August 2020; online unter: www.chance-ausbildung.de/pb012020
Der aktuell deutliche Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2021, der möglicherweise bis September 2021 nicht mehr aufzuholen ist, kann wiederum dazu beitragen, dass das Niveau der Ausbildungsplatzzahl sich auch in der Stadt Nürnberg auf niedrigerem Stand verfestigt.65
Diese Entwicklungen werden durch die Konsequenzen der Corona-Krise tendenziell eher verschärft – auch wenn die Pandemie daneben auch positive, kreative und innovative Ansätze (wie z. B. den Fokus auf die Förderung der digitalen Kompetenzen der jungen Menschen) hervorgebracht hat. Alle Akteurinnen und Akteure des Übergangsmanagements in Nürnberg berichten übereinstimmend davon, dass der Kontakt zu zahlreichen jungen Menschen unter- oder sogar abgebrochen ist. Fachkräfte sind in Sorge, dass insbesondere Jugendliche in prekären Lebenslagen nicht mehr erreicht und damit Entkopplungsprozesse verstärkt werden. (Zur Lebenslage sog. „entkoppelter“ bzw. „nicht-erreichter“ jungen Menschen soll eine durch das Bildungsbüro beauftragte Studie der TH Nürnberg Ende 2021 weiteren Aufschluss geben, die 2019 begonnen wurde, aufgrund der Entwicklungen allerdings nicht wie geplant im Jahr 2020 abgeschlossen werden konnte.)
„Die Bedeutung von Infrastrukturen wird erst sichtbar, wenn sie wegbrechen“ benennt ein Positionspapier der innovativen Kinder- und Jugendhilfe eine „Faustregel“.66 Für das System des Nürnberger Übergangsmanagements war dieses Jahr neben der Pandemie vor allem die angekündigte Einstellung des Berufseinstiegsbegleitungs-Programms ein Warnzeichen dafür, dass ein funktionierendes System schnell an Stabilität verlieren kann. Neben kurzfristig notwendigen Aktivitäten als Gemeinschaftsanstrengung aller Akteure, wie sie bereits begonnen oder in Planung sind (z. B. Reaktivierung der Kampagne „#AusbildungJETZT“ als Plattform für digitale Sprechstunden von Jugendlichen mit Betrieben in Betreuung durch das Referat für Jugend, Familie und Soziales; Planungen zu einem „Sommer der Ausbildung“ mit intensiven Beratungsangeboten in Präsenz), sind für die zukünftige Arbeit des Übergangsmanagements in Nürnberg auch weitere konzeptionelle Schritte angezeigt:
65 Fitzenberger, Bernd (2020) in: IAB-Forum; online unter: https://www.iab-forum.de/in-der-covid-19-rezession-mussauch-die-duale-berufsausbildung-abgesichert-werden/ (letzter Abruf: 25.5.21) 66 Positionspapier ForumTransfer 29.04.2020
Gesamtsystem stärken und Eigenmittel effektiv einsetzen
Die Stadt Nürnberg nimmt ihre kommunale Verantwortung für die Chancen junger Menschen ernst und leistet einen verlässlichen Beitrag zur Finanzierung der Projekte im Übergangssystem. Für die genannten städtisch mit-finanzierten Angebote im „Nürnberger Modell“ (SCHLAU, QUAPO, Perspektiven im Quartier und Koordinationsstelle im Bildungsbüro) wurden mit Stadtratsbeschluss vom 21.09.2011 insgesamt 885.000 € bewilligt und seitdem jährlich fortgeschrieben. Gerade weil in Krisenzeiten die finanziellen Spielräume enger und die Bedarfe eher drängender werden, sollten diese Leistungen zur Stützung des Gesamtsystems unbedingt bestehen bleiben und dabei über eine Flexibilisierung nachgedacht werden. Aufgrund des haushalts-, vergabe- und förderrechtlichen Rahmens werden die Finanzmittel jeweils direkt für das entsprechende Projekt beim Träger bzw. der Dienststelle eingestellt. Dies erschwert kurzfristig Umwidmungen, wie sie aktuell z. B. nach dem befürchteten Wegfall der Berufseinstiegsbegleitung möglicherweise sinnvoll gewesen wären. Es ist abzusehen, dass auch in den nächsten Jahren im komplexen Fördersystem von Bund, Freistaat und Agentur für Arbeit weitere Umstrukturierungen erfolgen werden, die flexibles und schnelles Handeln notwendig machen. Ein zwischen allen Beteiligten abgestimmtes Verfahren der Ressourcensteuerung für das gesamte städtische Übergangsmanagement könnte diese Flexibilität erhöhen und gleichzeitig die Kooperation zwischen den Angeboten stärken. Hierfür wird die bereits bestehende Arbeitsgruppe fortgeführt.
Zusammenarbeit der städtischen Projekte intensivieren
Durch Netzwerkarbeit und begleitendes Monitoring / Berichterstattung ist die Transparenz bezüglich Angeboten und Zielgruppen deutlich verbessert worden und in Zusammenarbeit mit externen Partnern (Agentur für Arbeit, Staatl. Schulamt) die „passgenaue“ Zusteuerung der Schülerinnen und Schüler gut gelungen. Der Austausch im Gesamtnetzwerk funktioniert. Trotzdem ist auch auf operativer Ebene eine stärkere Zusammenarbeit denkbar, die über die reine Weiterleitung von Teilnehmenden hinausgeht. Ein nächster Schritt soll mit der Öffnung des QUAPO-Förderunterrichts auch für andere Schüler/-innen mit Bedarf gegangen werden.
Plattform der Jugendberufsagentur wirksam nutzen
Aufbauend auf den Erfahrungen ist nun der Zeitpunkt, zu dem die Jugendberufsagentur vorhandene und neu zu entwickelnde Beratungs- und Unterstützungsangebote noch stärker
gemiensam bewerben sollte. Das Präsenz-Beratungsangebot in der gemeinsamen Anlaufstelle, die im Dienstleistungszentrum U25 einen neuen Standort finden wird, muss schnell wiederaufgenommen und über alle Kanäle weiter bekannt gemacht werden. Die Umsetzung einer tatsächlich rechtskreisübergreifenden gemeinsamen Angebotsplanung im JBA-Netzwerk könnte zum Schließen der drohenden Lücken im Übergangssystem und zum Auffangen der Bedarfe nach der Corona-Zeit beitragen. Die berufsvorbereitenden Angebote der städtischen beruflichen Schulen sind ein idealer Kontaktort für die Beratung von jungen Menschen im Übergang. Die begonnene Zusammenarbeit von Berufsberatung, Lehrkräften und Sozialpädagogen/-innen an den beruflichen Schulen wird deshalb weiter intensiviert werden.
Jugendsozialarbeit an Schulen weiter ausbauen
Die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) hat besonders in der Corona-Zeit ihre hohe Bedeutung im Gesamtsystem und in der Unterstützung und Begleitung von Jugendlichen gezeigt. In Nürnberg ist an jeder staatlichen Mittelschule und an jeder beruflichen Schule JaS im Einsatz und war auch während der Pandemie eine niedrigschwellige und kontinuierlich erreichbare Ansprechpartnerin und Unterstützerin junger Menschen. Durch den fortwährenden direkten Kontakt konnten die Jugendsozialarbeiter/-innen als Lotsen auch beim Übergang von der Schule in den Beruf vermitteln und unterstützen. Obwohl die Aufgaben der JaS wesentlich weitreichender sind, ist auch aus der Perspektive des Übergangsmanagements Schule – Beruf ein weiterer Ausbau der JaS in Nürnberg sinnvoll.
Auffangnetz für Nicht-Erreichte Jugendliche (neu) knüpfen
Da das Projekt „Perspektiven im Quartier“ auslaufen wird, sollte ein Ersatzangebot für niedrigschwellige Beratung im Sinne eines Auffangnetzes für alle diejenigen folgen, die in ihrer Bildungsbiographie andere Angebote noch nicht annehmen konnten. Die aufsuchenden Bemühungen einer „Jugendberufsagentur mobil“ sollten weiterverfolgt und in Zusammenarbeit mit der offenen Jugendarbeit verstärkt werden, um Jugendliche, die nicht von selbst in die Anlaufstelle kommen, persönlich im Sozialraum ansprechen zu können.
In dem Kontext muss festgehalten werden, dass weiterhin Bedarf für präventive Angebote für Jugendliche im Problemfeld „Schulabsentismus“ vorhanden ist, der bereits in „Perspektiven im Quartier“ nicht erfüllt werden konnte.
Inklusive Angebote entwickeln
Der sonderpädagogische Bereich ist mit einem eigenen (von der Regierung für Mittelfranken getragenen) System der beruflichen Orientierung ein relativ abgeschlossenes System. Die Angebote des Berufsorientierungsprogramms und der Berufseinstiegsbegleitung sind diejenigen, die sowohl für Schüler/-innen in der Förderschule als auch an der Mittelschule zur Verfügung stehen. Es gilt hier „Verschränkungen“ und gemeinsame Angebote zu stärken und echte inklusive Angebote zu entwickeln.
Gemeinsam im Netzwerk wirken
Aufgrund der Vielfalt an Akteuren und Komplexität des Bereichs Übergang Schule-Beruf ist gelingende Netzwerkarbeit weiterhin ein wichtiger Erfolgsfaktor. Aktuell werden die vorhandenen Gremien und Strukturen (wie z. B. der Trägerkreis Übergangsmanagement, die Gremien der Jugendberufsagentur, der AK Schule-Wirtschaft, das Netzwerk Ausbildung, aber auch die Task Force Corona „Partnerschaft für Ausbildung“) intensiv genutzt, um Angebote an die besondere Situation anzupassen bzw. neu zu entwickeln. Auch die Initiative „Qualifiziertes Praktikum“ (AK Berufsorientierung der Mittelschule mit Bildungsbüro) steht in den Startlöchern, um im neuen Schuljahr möglichst vielen wieder Praxiserlebnisse in Betrieben zu ermöglichen zu können.